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Christina Mundlos: Mütterterror

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1982 in Braunschweig geboren
      Studium der
      Soziologie und Germanistik
      2010 Buch "Die traditionelle Mutterrolle als Heilsversprechen"
      2013 Buch "Mütterterror"
    • 2015 Buch "Gewalt unter der Geburt"
    • 2015 Buch "Wenn Muttersein nicht glücklich macht"
 
       
   
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    Christina Mundlos im Gespräch

     
           
       

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    Wenn Muttersein nicht glücklich macht (2015).
    Das Phänomen Regretting Motherhood
    mvg Verlag

     
       
         
     

    Klappentext

    "Die Studie »Regretting Motherhood« der israelischen Soziologin Orna Donath rührte an ein Tabu. Denn unser Mutterbild sagt: Kinder sind das höchste Glück! Dennoch gibt es Frauen, die das Muttersein zutiefst unglücklich macht – obwohl sie gleichzeitig ihre Kinder sehr lieben. Sind diese Frauen Egoistinnen und Rabenmütter? Oder sind sie einfach ganz normale Frauen in der falschen Lebenssituation? Die Soziologin Christina Mundlos spürt in diesem Buch den Gründen für das Phänomen Regretting Motherhood nach. Sie analysiert die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, diskutiert politische Lösungsmöglichkeiten und gibt Ratschläge für Betroffene. Aus ihrer Umfrage unter bereuenden Müttern und ihrer psychologischen und soziologischen Analyse ergibt sich ein ehrliches Bild von Muttermythos und Realität. Eines ist sicher: Regretting Motherhood betrifft viele Frauen. Dieses Buch macht sie sichtbar und zeigt ihnen: Sie sind nicht allein."

     
     

    Inhaltsverzeichnis

    I. Einleitung

    II. Das Phänomen Regretting Motherhood

    Die Reaktion auf bereuende Mütter: Abwehr
    Der Weg zur bereuenden Mutter
    Mutterschaft versus Berufstätigkeit
    Reue bei Müttern im psychologischen Kontext

    III. Der Wandel der Mutterrolle in unserer Gesellschaft

    Argumente für die traditionelle Rollenverteilung
    Die Erfindung des Berufs "Hausfrau und Mutter"
    Förderung der Hausfrauenehe in der Bundesrepublik
    Der Teufelskreis aus Abwerten und Minderwertigkeitsgefühlen
    Erziehungsdiktat und wachsende Anforderungen

    IV. Mütter, die ihre Mutterschaft bereuen

    V. Analyse der Mütter

    Die Reaktionen des Umfelds
    Mutterbild, Konkurrenzkampf und Mütterterror
    Reue und Schuldgefühle
    Verantwortung und Überlastung
    Zwischen Reue und Liebe

    VI. Kinderlose unter Druck

    Sanfte Erpressung
    Kinderlosigkeit ist Frauensache
    Druck - das völlig falsche Mittel

    VII. Politische Lösungsmöglichkeiten

    Die Chancen der Politik
    Flächendeckende Kinderbetreuung
    Flasche Anreize: das Betreuungsgeld
    Auswirkungen bildungspolitischer Veränderungen
    Vaterschutz und Elternzeit
    Stopp dem Stillterror!
    Zeit zum Handeln

    VIII. Tipps für Frauen mit und ohne Kinderwunsch, für Schwangere, für unglückliche oder bereuende Mütter und für Väter

    Tipps für kinderlose Frauen, die dies auch bleiben wollen
    Tipps für Frauen mit Kinderwunsch
    Tipps für Schwangere
    Tipps für Mütter
    Tipps für (künftige) Väter

    IX. Fazit

     
         
     
           
       

    Rezensionen

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    Das Buch in der Debatte

    VORSAMER, Barbara (2015): Einmal Mutter, immer Mutter.
    Darf man es als Frau bereuen, ein Kind bekommen zu haben? In Deutschland ist nun ein neues Buch zum Thema "Regretting Motherhood" erschienen. Eine offene Debatte darüber wäre wichtig. Doch das Tabu ist stark,
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 11.11.

    Barbara VORSAMER rekapituliert noch einmal die Debatte um Regretting Motherhood, die nach Meinung von VORSAMER das eigentliche Thema aus den Augen verloren hat und nun in dem Buch Wenn Muttersein nicht glücklich macht wieder in den Mittelpunkt gerückt wird:

    "Im vergangenen April erregte eine Studie der israelischen Soziologin Orna Dornath weltweit großes Aufsehen. Darin ließ sie knapp zwei Dutzend Mütter zu Wort kommen, die explizit sagen: »Die Mutterschaft hat meinem Leben nichts hinzugefügt, außer Schwierigkeiten und Sorgen.« Könnten sie noch einmal entscheiden, sie würden keine Kinder mehr bekommen. Wichtig: Die Teilnehmerinnen der Studie waren mehrheitlich Mütter, die absichtlich schwanger geworden waren. Sie sagten außerdem von sich, dass sie ihre Kinder über alles liebten.
    Das Thema traf einen Nerv. Der erste Artikel darüber auf SZ.de wurde hunderttausendfach gelesen und zehntausendfach in den sozialen Netzwerken geteilt und kommentiert. Blogs griffen die Studie unter dem Schlagwort »Regretting Motherhood« (Die Mutterschaft bereuen) auf, es gab zahlreiche weitere Artikel und Interviews. Eine Debatte war geboren. Leider entfernte sie sich rasch vom eigentlichen Thema. Plötzlich ging es nicht mehr um das Tabu einer Mutter, die keine sein will. Stattdessen wurde, wie so oft, alles miteinander verrührt. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das Betreuungsgeld. Die fehlenden Kita-Plätze. Die oft dramatische Situation Alleinerziehender. Die Reue der Kinderlosen. Und so weiter. Wer als Mutter Kummer hatte, fühlte sich angesprochen. Das mag im Einzelnen nachvollziehbar sein, in diesem Fall hat der vielstimmige Chor das eine wirklich neue Thema aber binnen kürzester Zeit übertönt. Doch nun ist auch in Deutschland ein Buch zum Thema erschienen: »Wenn Muttersein nicht glücklich macht. Das Phänomen Regretting Motherhood«. Geschrieben hat es die Soziologin Christina Mundlos. »Es gibt zwei Arten von bereuenden Müttern«, sagt die Autorin, die ebenfalls Interviews mit betroffenen Frauen geführt hat; in ihrem Fall waren es knapp zwei Dutzend Mütter aus dem deutschsprachigen Raum mit unterschiedlichem Alter und sozialer Herkunft."

    BECKER, Claudia (2015): Ein Kind als Geschenk.
    Leitartikel: "#Regretting Motherhood" ist seit einiger Zeit fast zur Mode geworden. Doch es gibt ein Glück, dass trotz aller Mühsal nur Mütter empfinden. Maria konnte davon erzählen. Eine andere Weihnachtsgeschichte,
    in: Welt v. 24.12.

    Claudia BECKER verteidigt das Mutterglück als ureigenstes Gefühl von Müttern gegen eine Sicht, die Mutterschaft mit negativen Gefühlen in Verbindung bringt. Die Debatte sollte sich darauf beschränken, Mutterschaft gesellschaftlich aufzuwerten und besser zu unterstützen, statt die Besonderheit der Mutterschaft infrage zu stellen. Sie wendet sich deshalb gegen Bücher wie Die Mutterglück-Lüge oder Wenn Muttersein nicht glücklich macht.

    Als im Jahr 2007 das Buch No Kid der Mutter Corinne MAIER erschien, da wurde das Buch verdammt. Weil eine Mutter ihren Geschlechtsgenossinnen die Kinderlosigkeit empfahl, gab es einen Sturm der Entrüstung in den deutschen Medien. In einem Interview auf welt.de beschreibt Corinne MAIER ihre Motive folgendermaßen:

    "WELT ONLINE: Madame Maier, Sie haben zwei Kinder. Was haben die angestellt, dass Sie ein Pamphlet gegen die Mutterschaft verfasst haben?
    Corinne Maier: Ach, nichts Besonderes. Ich hatte einfach den Eindruck, dass Kinder zu haben und unglücklich darüber zu sein etwas ist, über das man nicht offen sprechen kann. Deshalb fand ich es witzig, ein Buch über die Beschwerden der Mutterschaft zu schreiben. Auch weil es einen immer größeren Druck der Gesellschaft gibt, die uns glauben machen will, es sei toll, Mutter zu sein.
    WELT ONLINE: Damit haben Sie in Frankreich Furore gemacht. Haben Sie viele wütende Briefe bekommen? Maier: Gar nicht mal so viele. Aber ich habe viele Zuschriften bekommen von Leuten, die sich wie ich darüber ärgern, dass Kritik an der Mutterschaft ein Tabuthema ist."

    In Deutschland wird nun so getan als wäre das Thema Regretting Motherhood sozusagen vom Himmel gefallen, obwohl diese Debatte und deren Verhinderung in Deutschland sehr viel mit dem Umgang mit Kinderlosen zu tun hat. Der Umgang mit Kinderlosen hat wiederum sehr viel mit der typisch deutschsprachigen Sozialstaatsdebatte zu tun, die Kinderlosigkeit ächtet und als Ursache des angeblich bevorstehenden Kollapses der Sozialversicherungen (insbesondere des Rentensystems) ansieht. Solange die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen in Deutschland als ansteigend betrachtet wurde (im Gegensatz zu Frankreich), war eine solche Debatte undenkbar. Mit dem Begriff der "Kultur der Kinderlosigkeit" verband sich die Vorstellung, dass sich Kinderlosigkeit in Deutschland in erster Linie auf Freiwilligkeit zurückführen lässt. Erst in den letzten Jahren wurde in der öffentlichen Debatte mehr und mehr die ungewollte Kinderlosigkeit als Hauptproblem ausgemacht. Diese Verschiebung zeigt sich auch im Sammelband Leben ohne Kinder:

    "Kinderlosigkeit hat nicht nur viele Facetten und unterschiedliche Ursachen, bei genauerer Betrachtung verschwimmen auch scheinbar klare Grenzen wie jene zwischen gewollter und ungewollter Kinderlosigkeit. Fest gefügte Gewissheiten über die säkulare Zunahme des Anteils kinderloser Frauen und den Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und Kinderlosigkeit erweisen sich als fraglich. Die biographische Realität der Kinderlosigkeit ist häufig komplex und widersprüchlich - im Leben vieler Menschen klaffen Lücken zwischen Wunsch und Wirklichkeit, tun sich Widersprüche zwischen verschiedenen Lebenszielen auf und entfalten bestimmte Entscheidungen ungeahnte Nebenfolgen im späteren Lebenslauf. Kinderlosigkeit ist häufig eine Folge des Aufschubs der Familiengründung und Ausdruck spezifischer biographischer Konstellationen, seltener dagegen das Ergebnis einer einmaligen Entscheidung oder dauerhaften Disposition" (2013, S.14f.),

    schreiben Michaela KREYENFELD & Dirk KONIETZKA in ihrer Einleitung zur ersten und zweiten Auflage des Buches Ein Leben ohne Kinder. Während jedoch 2007 noch Daten zur biologischen Kinderlosigkeit gänzlich fehlten, lagen für die zweite Auflage Daten des Mikrozensus 2008 vor, mit dem erstmals solche Daten erhoben wurden. In der zweiten Auflage entfiel zudem der Beitrag von Torsten SCHRÖDER über geplante Kinderlosigkeit und stattdessen wurde ein Beitrag von Heike TRAPPE zur Reproduktionsmedizin und damit zu ungewollter Kinderlosigkeit aufgenommen - ein Thema das 2007 noch unterbelichtet war.

    In diesem Kontext jedoch lässt es auch gefahrloser über unglückliche Mütter diskutieren als noch vor einem Jahrzehnt als ein Anstieg der gewollten Kinderlosigkeit bei den (westdeutschen) Akademikerinnen auf bis zu 50 % befürchtet wurde. Hinzukommt, dass Feministinnen aus der oberen Mittelschicht, mit der kapitalgedeckten Altersvorsorge und neoliberaler Politik keine Probleme haben und deshalb den Sozialstaat in seiner jetzigen Form zur Disposition stellen.

     
           
       

    Regretting Motherhood in der Debatte

    NEW YORK MAGAZINE-Titelgeschichte: I Love My Children. I Hate My Life

    SENIOR, Jennifer (2010): All Joy and No Fun.
    Why parents hate parenting,
    in: New York Magazine v. 12
    .07.

    GÖBEL, Esther (2015): Ich will mein Leben zurück.
    Kinder sind das größte Glück im Leben - so will es zumindest die gesellschaftliche Norm. Mütter, die anderes berichten und ihre Elternrolle bereuen, werden schief angesehen. Dabei sind zwiespältige Emotionen gegenüber dem eigenen Nachwuchs vermutlich sehr verbreitet. Erkundungen zu einem verbotenen Gefühl,
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 04.04.

    BAUM, Antonia (2015): Die deutsche Mutter ist heilig.
    EMMA-Schwerpunkt: Regretting Motherhood: Es hilft einer verzweifelten Mutter, die aus dem Fenster springen würde, wenn sie nicht gerade ihrem Kind einen Muffin backen müsste, wenig, wenn man sie an die kenternden Flüchtlinge erinnert,
    in: Emma, Juli/August

    GÖBEL, Esther (2015): Regretting Motherhood.
    EMMA-Schwerpunkt: Regretting Motherhood: So lautete ein Hashtag, der über Wochen die Gemüter bewegte. Doch das Ganze war eigentlich ein Missverständnis,
    in: Emma, Juli/August

    REENTS, Edo (2016): Lass es wegmachen, oder was?
    Das ewig Mütterliche stößt manche Betroffenen ab - aber was soll aus der Reue denn eigentlich folgen? Anmerkungen zur Merkwürdigkeit der Debatte über die bereute Mutterschaft,
    in:
    Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.03.

    Edo REENTS hat nichts zu sagen, was nicht schon andere FAZ-Autorinnen zur Debatte gesagt hätten (mehr hier und hier), nur dass er im Stile von SCHIRRMACHER unverblümter die Aufopferung von Müttern für ihre Babys erwartet und es offensichtlich bedauert, dass das biologistische Instinkt-Konzept zu selten offensiv vertreten wird.

    Während REENTS offenbar befürchtet, dass eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Debatte identitätspolitisch nicht geboten sei, stellt Tanja DÜCKERS im Tagesspiegel die schwierige Situation von Müttern vor, die ihre Mutterschaft bereuen.

    THURM, Frida (2016): Hätten wir mal lieber nicht.
    "Skandal!" riefen viele, als Frauen in der israelischen Studie "Regretting Motherhood" sagten, sie bereuten ihre Entscheidung für ein Kind. Jetzt ergründete eine Umfrage, wie viele deutsche Eltern so empfinden,
    in:
    Die ZEIT Nr.32 v. 28.07.

    Frida THURM berichtet über eine Online-Befragung, die angeblich repräsentativ sein soll, obwohl jene, die keinen Online-Zugang haben oder solche Befragungen grundsätzlich verweigern, nicht befragt werden konnten. THURM behauptet, dass solche Online-Befragungen weniger durch soziale Erwünschtheit verzerrt würden, belegen lässt sich das jedoch nicht. Vor allem weil nur dem Unternehmen bekannte Nutzer einer Community befragt wurden, kann von Anonymität keine Rede sein.

    Neu:
    SCHMITT, Uwe (2016): Darf man seine Kinder bereuen?
    Kommentar: Made in Germany,
    in:
    Welt v. 29.07.

    Uwe SCHMITT gibt seine Meinung über eine fragwürdige Online-Befragung kund:

    "Es gibt zwischen Eltern und Kindern kein Äquivalent zu Entfreundung und Scheidung, keinen Umtausch und kein Geld zurück bei Nichtgefallen."

    Dies ist insofern falsch, denn Kinder, die jeglichen Kontakt zu ihren Eltern abbrechen, deuten darauf hin, dass die angeblich lebenslange Bindung ein moderner Mythos ist.

    OESTREICH, Heide (2016): Eltern, die bereuen.
    Zweifel: Laut einer Studie würden sich ein Fünftel aller deutschen Mütter und Väter nicht noch einmal für ihre Kinder entscheiden. Dei Gründe dafür sind vielfältig,
    in:
    TAZ v. 29.07.

    OESTREICH, Heide (2016): Diversität ist angesagt.
    Über "Regretting Parenthood",
    in:
    TAZ v. 29.07.

    Heide OESTREICH stellt die Väter in den Mittelpunkt, die ihre Vaterschaft bereuen. Sie folgert daraus, dass nicht nur die Mutter- sondern auch die Vaterrolle erodiert sei:

    "Weder Hausfrau noch Familienernährer sind mehr eine Selbstverständlichkeit. Der Gedanke, dass man alles auch hätte ganz anders machen können, ist keineswegs mehr verboten - und er wird nun eben auch ausgedrückt."

    OESTREICH sieht darin kein Problem, sondern eine Befreiung.

     
           
       

    Christina Mundlos im WWW

    www.christina-mundlos.de

     
           
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 06. Januar 2016
    Update: 09. April 2017