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Nikola Richter: Die Lebenspraktikanten

 
       
     
       
   
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    Nikola Richter in ihrer eigenen Schreibe

     
       

    Nikola RICHTER stellt das Boyfriend-Kissen ("kareshi no udemakura") vor, das von der japanischen Firma Kameo produziert wird:

    "Ob die japanischen Singles auf dieses Produkt gewartet haben? Sie werden zwar immer mehr - schon 30 Prozent der Gesamtbevölkerung lebten laut »Population Census of Japan« im Jahr 2006 alleine -, aber gekauft haben das Ding erst 5.000 Menschen. Deshalb: Werden Sie der 5.001ste!"

    • EMMA-Titelgeschichte: Neue Väter.
      Elternzeit für Väter & Kinder. Und was sagen die Mütter?
    • Neu:
      RICHTER, Nikola (2009): Ich hätte so gern...
      Kinder unerwünscht: Bei seinem Versuch, in Elternzeit zu gehen, stieß Vater Philipp vor allem auf spöttische Kollegen und verständnislose Chefs. Aber so leicht lässt er sich nicht entmutigen,
      in: Emma,
      Januar/Februar
       

     
           
       

    Nikola Richter im Gespräch

     
       
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    Die Lebenspraktikanten (2006)
    Frankfurt a/M: Fischer

     
       
         
     

    Klappentext

    "Die Welt steht ihnen offen, sie sind behütet aufgewachsen, gesund ernährt und bestens ausgebildet, mobil, mehrsprachig, ideologisch unverdorben und informationstechnisch auf dem neues Stand – sie sind bereit und bestens gerüstet, das Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Erwachsen zu werden. Sie sind Meister der Anpassung an eine Gegenwart, die außer dem Wandel nichts Stetiges mehr kennt. Sie sind flexibel durch und durch, erfinden sich täglich neu. Sie sind professionelle Lebenspraktikanten mit mehreren Visitenkarten. Sie leben auf Probe. Vermutlich für immer."

    Stimmen zum Buch

    "Ein bisschen wehleidig, diese Generation, die droht in jahrelanger Dauerpraktikantenschaft hängen zu bleiben. 2005 waren die Zeitungen voll von Berichten über diese »Generation Praktikum«, von der »Süddeutschen« über »Neon«, dem Magazin für die, die immer jung bleiben wollen, bis zur »ZEIT«, die schrieb:
    »Die Wissenschaft hat diesen Jahren bereits einen Namen gegeben: die floundering period. Eine Phase, in der man zappelt wie eine Flunder. Vor zwei, drei Jahren war in den Zeitungen viel über die 'Generation arbeitslos' zu lesen, von jungen, gut ausgebildeten Menschen, die früh ihren Job verloren. Die Flundermenschen sind anders: Sie wurden nie arbeitslos, weil sie nie einen festen Job hatten.«
    Nikola Richter beschreibt in ihrem Buch, wie sie zappeln, wie sie verzweifelt nach dem Einstieg suchen, sich von Praktikum zu Praktikum hangeln, welche Strategien sie entwickeln, um in Bewerbungsgesprächen zu bestehen, wie sie versuchen, nach Niederlagen neue Anläufe zu nehmen".
    (Georg Gruber im DeutschlandRadio vom 31.01.2006)

     
         
     
           
       

    Essay von single-generation.de zum Thema

    Fernbeziehungen - Wie der veränderte Arbeitsmarkt unsere Liebesbeziehungen prägt
     
       

    Rezensionen

    GRUBER, Georg (2006): Leben auf Probe.
    Nikola Richter beschreibt das Lebensgefühl der "Generation Praktikum",
    in: DeutschlandRadio v. 31.01.

    HANIKA, Iris (2006): Einfach immer weiter.
    Aussichten wären schön: Das Leben im Praktikum
    in: Süddeutsche Zeitung v. 25.02.

  • Infos zu: Iris Hanika - Autorin der Single-Generation

  • AUCKENTHALER, Sabina (2006): Die fetten Jahre sind vorbei.
    In Deutschland und Italien geben neue Bücher Einblicke in die prekären Lebenswelten der "Generation Praktikum" und ihren Kampf ums Überleben. Der "Falter" sprach mit zwei der Autoren über ihre (ehemaligen) Arbeitsverhältnisse,
    in: Falter Nr.11 v. 15.03.

     
       

    Die Generation Praktikum in der Debatte

    KORTMANN, Christian (2005): Wir müssen leider draußen bleiben.
    Die Generation Praktikum und die Diskriminierung durch "Rankism",
    in: Süddeutsche Zeitung v. 09.04.

    "Generation Praktikum.
    Die Zeit widmete ihr kürzlich das Titelthema, und anders als bei früheren Generationsbefunden ist der Begriff diesmal handfest und überfällig, denn er definiert nicht nur ein diffuses Lebensgefühl, mit dem sich über Lifestyle-Medien Produkte vermarkten lassen.
    Es gibt immer mehr späte Berufsanfänger und ewig unbezahlte Praktikanten, Legionen von sich mit Gelegenheitsjobs durchschlagenden kinderlosen Akademiker-Desperados,
    die zwar oft verzweifelt sind, sich dafür aber in den guten Momenten wie Bohemiens fühlen dürfen.
    Fraglich ist, ob der Begriff die Öffentlichkeit so intensiv beschäftigen wird wie etwa der der Generation Golf, schließlich definiert er nur die Problematik einer diskriminierten Kaste, die keine Lobby hat.
    Das Erfreuliche an dem Zeit-Schwerpunkt ist also, dass einer Gruppierung ein Forum gegeben wird, die sich schon damit abgefunden hatte, dass niemand ihre Nöte erhört.
    Schließlich sind die Probleme der Generation Praktikum nicht existenziell: Unbezahlte Praktika muss man sich ja erstmal leisten können – wirklich dreckig geht es erst dem, der jeden Job annehmen muss
    ",

    erklärt uns Christian KORTMANN etwas, das regelmäßigen single-generation.de-Lesern längst bekannt ist. Rankism oder deutsch Status ist der Dreh- und Angelpunkt dieser Gesellschaft. Was KORTMANN hier beschreibt ist das Problem der Statusindifferenz.

    Bei der unsäglichen Debatte um die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen und vor allem bei der Einengung auf das Thema Elterngeld, werden genau jene kinderlosen Akademiker(Innen) ausgeblendet, die bei KORTMANN im Mittelpunkt stehen. Statusinkonsistenz existiert familienpolitisch überhaupt gar nicht! Einzig single-generation.de hat immer wieder darauf verwiesen, dass der berufliche Abschluss noch lange nichts darüber aussagt, ob jemand auch einen entsprechenden Beruf ausübt. Aber wo sind die Studien? Fehlanzeige! Das Familienministerium beauftragt Gefälligkeitsgutachten um das Yuppie-FAZ/SZ/FR/TAZ-Wahlklientiel zu ködern.
    Tatsächlich ist jedoch die Generation Golf selber schuld, denn hat sie sich nicht lange genug selber als Bohemien entworfen? Offenbar sind das erste Zeichen eines Stimmungsumschwungs. Statusinkonsistenz wird als Statusinkonsistenz bewertet und nicht mehr als statusindifferenter, bohemistischer Lebensstil verklärt. Ein erster Schritt weg, vom Individualisierungsirrtum...

    SPERBER, Katharina (2005): Generation Outplacement.
    FR-Tagesthema: Viele junge Frauen und Männer halten sich mit Jobs oder Praktika über Wasser, wenn sie ihre Arbeit verlieren oder erst gar keine bekommen. Etliche resignieren aber auch. Das wird teuer werden,
    in: Frankfurter Rundschau v. 14.04.

    Nach ZEIT und Christian KORTMANN entdeckt nun auch die FR die Generation Praktikum.

    OTTENSCHLÄGER, Madlen (2005): Die Hungrigen erhoffen sich nichts. Macht aber nichts,
    in: TAZ v. 07.06.

    Die taz widmet der Neuen Mitte eine Serie, in denen verschiedene Gruppen und ihre politische Präferenzen ausgelotet werden. Heute steht die "Generation Praktikum" auf dem Prüfstand. Marion (26, Medienwissenschaftlerin, unbezahltes Praktikum bei einer PR-Agentur), Matthias (Pfarrersohn, 28, Volkswirtschaftler und Politikwissenschaftler, Praktikant einer Bank), Jonas (25, Sportökonomiestudent, Versicherungspraktikant), Juliane (22, Praktikantin bei der CDU) und Nadine (26, Psychogin, Praktikantin) werden vorgestellt.

    JUNGLE WORLD-Titelgeschichte: Suche: Praktikum.
    Gebe: alles. Nehme: nix.

    LOHOFF, Ernst (2005): Schnäppchen für das Kapital.
    Zur politischen Ökonomie des Praktikumbooms,
    in: Jungle World Nr.42 v. 19.10.

    "Neben der Medienbranche sowie dem Sozial- und Kulturbereich nahm der Praktikumsboom in den Avantgardesektoren der New Economy seinen Ausgang und trieb dort seine buntesten Blüten. Ganz zufällig war das nicht, gründete dieser Bereich seine wirtschaftlichen Aktivitäten doch meistens auf ungedeckten bloßen Erwartungen", erklärt LOHOFF zur Generation Praktikum.

    FAHRENHORST, Sonja (2005): Vom Nobody zum Tellerwäscher.
    Berufspraktikanten eröffnen sich unerschöpfliche Möglichkeiten,
    in: Jungle World Nr.42 v. 19.10.

    "Das Praktikantengeschäft expandiert, und es wird Universitätsabsolventen immer normaler, mit 30 Jahren wie zu Studentenzeiten abends in der Bar zu stehen, nachdem man den ganzen Tag umsonst geackert hat. So kann man sich weiter jung und frei fühlen, denn die Stelle fürs Leben ist in weiter Ferne, alle Wege sind offen, das Studentenleben geht irgendwie weiter.
              
    Doch wer weiß, wie lange Silvia und die vielen anderen noch bezahlte Kneipenjobs finden werden. Schon stößt man auf Anzeigen wie diese: Ein Café in Berlin sucht einen Praktikanten für drei bis sechs Monate, für fünf Tage die Woche. Eine Vergütung gibt es leider nicht, aber während der Arbeitszeit ist für die Verpflegung gesorgt. Immerhin kann man dort alles von der Pieke auf lernen und sich vom Nobody zum Tellerwäscher hocharbeiten", schreibt FAHRENHORST zu den Zukunftsaussichten der Generation Praktikum.

    KLING, Marc-Uwe (2006): Generation Praktikum.
    Warum haben wir so viele Arbeitslose? Weil immer mehr Praktikanten arbeiten,
    in: junge Welt v. 06.02.

    EGE, Moritz & Tobias TIMM (2006): Das internationale Prekariat.
    Ausgebeutete? Urbane Penner? Die Praktikanten protestieren,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 03.04.

    Moritz EGE & Tobias TIMM berichten, dass der Protest der Generation Praktikum in Berlin implodiert ist. Sie stellen sich deshalb die Frage, warum in Deutschland im Gegensatz zu Frankreich Protestunwilligkeit herrscht. Das größte Hindernis ist offensichtlich der private Generationenvertrag:

    "subventionierende Eltern. Wer die nicht hat, hat ein Problem".

    Selbstausbeutung ist seit der Alternativbewegung keine Seltenheit mehr, sondern zur Normalität geworden. Die New Economy und die Kulturindustrie führen fort, was die Alternativen begannen. Wenn sich nun erstmals überhaupt Unbehagen bei den "Aufstiegsfähigen" regt, indem man sich zum "urbanen Penner" ausruft, dann scheint der bohemistische Lebensstil seinen Zenit überschritten haben. Der urbane Penner ist im Grunde nur ein Bobo (David BROOKS), dem dämmert, dass er möglicherweise den als sicher geglaubten Lebensstil gar nie erreichen wird. Das Leiden der Bobos hat BROOKS trefflich mit Status-Einkommens-Disparität (SED) beschrieben:

    "Diese Krankheit überkommt Leute, denen ihre Arbeit hohen sozialen Status verleiht, zu der aber nur ein vergleichsweise bescheidenes Einkommen gehört. Die Tragödie der SED-Kranken ist, dass sie ruhmreiche Tage, aber erniedrigende Nächte durchleben."

    Für Praktikanten gilt das natürlich weniger als für urbane Penner, also Kreative wie Mercedes BUNZ. Dass die Probleme der "prinzipiell Aufstiegsfähigen nicht nur mit Solidarität, sondern auch mit aggressiver Häme begegnet wird" ist deshalb kaum verwunderlich. Mit dem Wegfall der elterlichen Subventionen würde die bohemistische Blase genauso platzen wie einst die New Economy. Die Aufkündigung des öffentlichen Generationenvertrags durch die Besserverdienenden könnte dies zusätzlich beschleunigen. Dann besteht aber immer noch ein Unterschied zwischen den Gutgebildeten und den Schlechtgebildeten, der die Solidarität des "Prekariats" (oder modischer: Multitude ) verhindert:

    "Es bleibt schließlich ein Unterschied, ob das Praktikum nach dem Staatsexamen in der renommierten Kanzlei oder nach dem Hauptschulabschluss in einer Bäckerei absolviert wird".

    ASTHEIMER, Sven (2006): Die Mär von der Generation Praktikum,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.05.

    Sven ASTHEIMER sieht für die Generation Praktikum eine goldene Zukunft kommen: "Denn die kontinuierliche Veränderung im Beschäftigungssystem einer Dienstleistungsgesellschaft geht einher mit einer steigenden Nachfrage nach Höherqualifizierung. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Erwerbspersonen bis zur Mitte des Jahrhunderts stark ab. Dieser demographische Wandel wird für einen Mangel an Hochqualifizierten sorgen."

    JURT, Pascal (2006): Die Solidarität der Überflüssigen.
    Status Quo Vadis (3),
    in: Spex Nr.299
    , Juni

    Pascal JURT arbeitet das gemeinsame Interesse der Generation Praktikum ("Génération précaire") heraus. Nicht um die kollektive Verteidigung eines kollektiven Guts - die Sozialversicherung - gehe es, sondern um die "gemeinsame Verteidigung eines individuellen Rechts, nämlich des Arbeitsvertrags".

    KORTMANN, Christian (2006): Die prekäre Urlaubsfrage.
    Na, wohin geht's in diesem Jahr? Die Frage nach der sommerlichen Reiseplanung lenkt den Blick auf eine ökonomisch-soziale Spaltung, vor allem in der Generation der 30- bis 40-jährigen Akademiker,
    in: TAZ v. 20.06.

    Christian KORTMANN widmet sich wieder einmal der Generation Praktikum. An der Urlaubsfrage scheitern gemäß KORTMANN die Individualisierungsverheißungen und die Klassenfrage stellt sich ganz unerwartet: "So leicht es fällt, im Alltag mit sauberem Hemd und gebügeltem Anzug auch als Geringverdiener eine vornehme Figur zu machen (Karl Lagerfeld verwies darauf, dass durch H&M die Kleidung ihre Funktion als Statussymbol verloren hat), so wenig lässt sich bei der Urlaubsfrage die Realität kaschieren.
              
     Auch im engsten Freundeskreis kommen hier die Karten mit unangenehmer Direktheit auf den Tisch. Wer auf die Frage, wohin er im Sommer verreist, antwortet, dass er überhaupt nicht urlauben wird, gesteht offen ein, sich nicht das Gleiche wie der andere leisten zu können. Die in der Urlaubsfrage zum Ausdruck kommende Polarität erschreckt, weil sie eine Spaltung innerhalb einer Gruppe verdeutlicht, von der man dachte, sie würde homogen bleiben, weil sie einst homogen war.
              
     Man kann in den Wirtschaftsteilen der Zeitungen noch so viel über die kontinuierlich weiter auseinander klaffende Einkommensschere lesen - es bleibt abstrakt. Welch handfeste Auswirkungen es auf die soziale Praxis hat, versteht erst, wer zum Beispiel eine Einladung zu einer Feier erhält, die ein Schulfreund am Mittelmeer steigen lässt, und sie wegen der Reisekosten ausschlagen muss. Da passiert etwas in der Generation der 30- bis 40-Jährigen, was man in den 70er- und 80er-Jahren niemals für möglich gehalten hätte, als man im Grunde egalitär zusammen aufwuchs und die Familienfinanzen keine Rolle spielten."

    APIN, Nina (2006): "Diskutieren wir lieber die Klassenfrage".
    taz-Serie "Prekäre Leben" (Teil 4): Inzwischen gilt es schon als schick, prekarisiert zu leben, sagt Christiane Rösinger, Sängerin von Britta. Die Band singt über die schwierigen Lebensverhältnisse von Künstlern - und verarbeitet auch eigene Erfahrungen,
    in: TAZ Berlin v. 04.07.

    SPIEGEL -Titelgeschichte: Generation Praktikum.
    Jung, gut ausgebildet, fleißig - ein fester Job in weiter Ferne

    BONSTEIN, Julia & Merlind THEILE (2006): Auf Nummer unsicher.
    Gutgebildete Berufseinsteiger sind heute so mobil und flexibel wie nie zuvor. Oft in materieller Sicherheit aufgewachsen, suchten sie eher Freiheit und Selbstverwirklichung als Stabilität. Doch beim Eintritt in die Arbeitswelt wird ihnen klar: Auf der Basis von Zeitverträgen lässt sich kein Leben planen,
    in: Spiegel Nr. 31 v. 31.07.

    "Wozu noch studieren?" fragte der Spiegel in seiner Titelgeschichte am 13.05.1985, in der es um die  Akademikerarbeitslosigkeit ging. Damals standen die Lehramtsstudenten im Mittelpunkt. Das Buch Von der Nutzlosigkeit erwachsen zu werden von Georg HEINZEN und Uwe KOCH war Ausdruck des damaligen Lebensgefühls dieser Studenten.

    Ein anderes Buch jedoch, ebenfalls aus dem Jahr 1985, nämlich Sexbeat von Diedrich DIEDERICHSEN, hat dagegen für die heutige Generation Praktikum größere Bedeutung, weil es die Moral der New Economy vorweg genommen hat und mit den "Privileged Poors", die sich nicht mehr wie "Lumpenproletarier" à la HEINZEN & KOCH verweigern, sondern als glückliche Arbeitssklaven selbst ausbeuten, den Prototypus der Generation Praktikum vorgestellt hat. Was damals in der glamourösen Popwelt seinen Ausgang nahm und sich durch die New Economy auf die "digitale Bohème" ausweitete, sehen manche bereits als den Fixstern der zukünftigen Arbeitswelt: den bürgerlichen Bohème.

    Diese "urbanen Penner", wie sie von Mercedes BUNZ genannt werden, stehen in der neuen Hierarchie der nomadischen Arbeitskraftunternehmer an der Spitze, während Working Poor und sonstige gering qualifizierte Niedriglöhner das andere Ende der Hierarchie bezeichnen.

    Einen Vorgeschmack auf die Spiegel-Titelstory lieferte bereits der UniSPIEGEL vom Juli. Dort schrieb Sonja KRONENBERGER über den Praktikantenstadl.

    BONSTEIN, Julia (2006): "Generation des Weniger".
    Der Münchner Soziologe Ulrich Beck, 62, über Unsicherheit als kollektive Erfahrung,
    in: Spiegel Nr. 31 v. 31.07.

    Ulrich BECK sprach bislang immer nur von der "Gesellschaft des Weniger" bzw. der "Utopie des Weniger", aber wenn's der Anschlussfähigkeit dient, dann eben jetzt auch "Generation des Weniger" (Interview im Spiegel Special Heft 2 Was studieren? hier)

    SOBOCZYNSKI, Adam (2006): Alles nur geerbt.
    Die Angehörigen der "Generation Praktikum" arbeiten umsonst, klagen über Ausbeutung und warten auf den Traumjob. Viele können es sich leisten: Sie leben vom Wohlstand ihrer Eltern,
    in: Die ZEIT Nr.50 v. 07.12.

    NEON-Titelgeschichte: Wie frei sind wir wirklich?
    Auto, Miete, Waschmaschine - wann es endgültig Zeit ist, von Eltern unabhängig zu werden

    CARL, Verena (2007): Nehmen von den Alten.
    Unbezahlte Praktika, Zeitverträge, Niedrighonorare: Oft sind Jobeinsteiger noch Jahre nach Ausbildungsende auf Finanzspritzen von den Eltern angewiesen. Selbst wenn jene gern helfen, bleibt ein Problem: die finanzielle Abhängigkeit ist das Gegenteil von Freiheit,
    in: Neon, Januar

    "Zum Stichtag 30. September 1999 waren bei der Bundesagentur für Arbeit 4330 Praktikanten mit Uniabschluss als Jobsuchende registriert, fünf Jahre später hatte sich die Zahl glatt verdoppelt - Tendenz steigend. (...).
                
    Ein Trend, den auch die aktuelle Globalife-Studie unterstreicht. Der Bamberger Soziologieprofessor Hans-Peter Blossfeld hat gemeinsam mit 60 Wissenschaftlern aus 20 Ländern der westlichen Welt über mehrere Jahre untersucht, wie sich die Globalisierung auswirkt.
                
    (...).
    Glück im Unglück, dass die ältere Generation genügend Vermögen gehortet hat, um ihren Nachwuchs auch nach dem Diplom weiter durchzufüttern. Laut Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) unterstützen 16 Prozent aller über 65-Jährigen ihre Kinder oder Enkel regelmäßig. Im Durchschnitt werden 350 Euro gezahlt. Was nicht heißt, dass die anderen ihrem Nachwuchs gar nicht unter die Arme greifen - sie tun es nur nicht per Dauerauftrag, sondern steuern etwas bei, wenn gerade Not am Mann ist. Holm Friebe, Koautor des Buches über Freiberufler-Netzwerke, »Wir nennen es Arbeit«, hat beobachtet: »Der Reichtum der Nachkriegsgeneration sammelt sich bei denen, die heute ins Rentenalter kommen. Schon zu Lebzeiten wird das Erbe tropfenweise weitergegeben.« Auch so mancher Angehörige der selbsternannten »digitalen Bohème« kann seinen brotlosen Multimediaprojekten nur deshalb jahrelang entspannt nachgehen, weil im Hintergrund die Eltern etwas zubuttern."

    ZERAHN, Melanie (2007): Wir sind alle Praktikanten.
    Die Generation Praktikum ist nicht das Risiko einer kleinen randständigen Gruppe prekärer Akademiker. Sie ist Vorbote einer Globalisierung, die auch das ganze westliche Lebens- und Erwerbsmodell auf den Kopf stellen wird: Beruf, Geld und Liebe,
    in: TAZ v. 31.01.

    "Zunehmend entwickeln sich (...) geschlechtsspezifische Strategien im Umgangs mit der Unsicherheit. Männer sind in immer geringerem Maße in der Lage, als »Ernährer« eine langfristige Einkommenssicherheit für den Haushalt zu übernehmen. Sie schieben die Familiengründung auf. Umgekehrt hängt der Wunsch hochqualifizierter Frauen, Kinder zu bekommen, davon ab, dass sie ihre Berufschancen durch Vereinbarkeit von Familie und Beruf wahren können. »Die langfristige Selbstbindung an Kinder übernehmen die meisten erst mit gesichertem Status«, beschreibt Blossfeld die Auswirkungen. »Frauen, die mehrere Jahre unsichere Jobs hinter sich haben, überlegen es sich zweimal, ob sie die einmal erreichte berufliche Stellung aufs Spiel setzen möchten.« In Deutschland ist der Karriereknick mit Kind Realität. Junge Erwachsene verschieben den Kinderwunsch oder geben ihn sogar ganz auf",

    erläutert ZERAHN die Konsequenzen des modernen Arbeitsregimes. Im Gegensatz zu ZERAHN, wird die so genannte "Kultur der Kinderlosigkeit" von den neuen Reaktionären um Frank SCHIRRMACHER mit einem Wertewandel erklärt, der in einen Abwärtssog mündet. Nicht die Probleme der Vereinbarkeit von Beruf und Partnerschaft/Familie stehen dann im Mittelpunkt der Debatte um die neue Kinderlosigkeit, sondern Kinderlosen wird egoistisches Verhalten unterstellt.  

    SCHMITT, Cosima (2007): Die gefühlte Sicherheit.
    Zur angeblich so prekären "Generation Praktikum" kann sich nur zählen, wer es sich leisten kann - weil eine Erbschaft winkt,
    in: TAZ v. 01.02.

    REINBOLD, Fabian (2007): Billig und willig.
    Studie: 37 Prozent der Uniabsolventen machen Praktika, zur Hälfte unbezahlt,
    in: Tagesspiegel v. 02.02.

    BOLLMANN, Ralph (2007): Wer ist hier prekär?
    Trotz Abstiegsangst: Der "Generation Praktikum" geht es noch gut,
    in: TAZ v. 02.02.

     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 04. Februar 2006
    Update: 22. Mai 2015