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Wolfgang Gründinger: Wir Zukunftssucher

 
       
     
       
   
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    Wolfgang Gründinger in seiner eigenen Schreibe

     
       

    Neu:
    GRÜNDINGER, Wolfgang (2012): Steht auf, ihr Jungen!
    Der Nachwuchs muss ausbaden, was die Alten ihnen eingebrockt haben. Das ist unfair. Deutschland braucht einen neuen Generationenvertrag,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 18.08.

     
           
       

    Wolfgang Gründinger im Gespräch

     
       
    GLOBERT, Yvonne (2009): "Die Jungen werden verschaukelt".
    Niedrige Renten, kaputte Umwelt - was haben junge Menschen überhaupt noch zu erwarten? Der Politologe Wolfgang Gründinger über das Verhältnis von Jugend und Staat,
    in: Frankfurter Rundschau v. 14.04.
     
           
       

    Wir Zukunftssucher (2012).
    Wie Deutschland enkeltauglich wird
    Edition Körber-Stiftung

     
       
         
     

    Klappentext

    "An den demografischen Wandel knüpfen sich Horrorszenarien ohne Ende. Dass das nicht so sein muss, beweist der 1984 geborene Wolfgang Gründinger. Unbeirrbar konstruktiv denkt er über Generationengerechtigkeit und eine zukunftsorientierte Gesellschaft nach. Und er stellt klare Forderungen: »In einer Demokratie wird Masse zu Macht. Die Alten sind mehr, sie sind reicher und haben das Sagen. Sie haben die Gesellschaft zu dem gemacht, was sie heute ist. Daher müssen sie die Verantwortung übernehmen.«

    Gründinger ist zugleich Vertreter und Analytiker einer jungen Generation, die mit ganz anderen Zukunftserwartungen startet als die wachstumsverwöhnten Alten. Doch er schürt keine künstlichen Feindschaften: Die Frage, wie wir leben wollen, können wir nur gemeinsam beantworten. Um die Zukunft zu sichern, muss in Bildung, Forschung und Entwicklung investiert werden. Dafür brauchen die Jungen die Solidarität der Alten, ihre Macht, ihre Neugier, ihre Zeit und schließlich ihr Geld. Umgekehrt braucht die Gesellschaft aber auch das Engagement der Jungen, für das die »Generation Internet« ganz eigene Wege findet. Mit Witz und Verve, zugleich aber immer konkret und fundiert, zeichnet Gründinger das Porträt einer Generation, die für ihr Recht auf Zukunft streitet."

    Inhaltsverzeichnis

    Halleluja, Berlin
    Zwischen Provinz und Szenekiez - eine persönliche Demografie-Story

    Das ist Graceland, Baby
    Deutschland wird älter. Und das ist gut so

    Das Land der begrenzten Unmöglichkeiten
    Die pragmatische Generation in einer prekären Welt

    Wie lange sollen wir noch warten?
    Forderungen einer schlecht vertretenen Generation

    Will you still need me, when I'm sixty-four?
    Liebe Alte: Wir brauchen euch!

    Die Zukunft steht auf dem Spiel
    Ein Nachwort von Gesine Schwan

    Zitate:

    Mythos Babyboom Prenzlauer Berg

    Vor vier Jahren trieb es mich von meiner Uni-Stadt Regensburg nach Berlin (...). Momentan hat es mich in den Prenzlauer Berg verschlagen, dieses mediengehypte Szeneviertel. (...). Der Prenzlauer Berg ist vermutlich der soziokulturell homogenste Bezirk der Hauptstadt: weiße Akademiker um die 30, meist mit einem Kind, freiberuflich oder in gehobener Position in der Kreativwirtschaft. Wer hier lebt, versteht sich als Avantgarde einer schöneren Republik: modern, multikulturell, weltoffen, politisch aufgeklärt und umweltbewusst. Bei der Bundestagswahl holten die Grünen jede vierte Stimme. Als »Bionade-Biedermeier« bezeichnete die Zeit diese eigenartige Verschmelzung aus bürgerlicher Kleinfamilie und öko-linksliberalem Lebensgefühl. »Schwarz-grün wird die Republik, hier ist sie es schon«, dichtet Rainald Grebe.
    Der größte Mythos aber ist die Legende des Geburtenwunders. Der angebliche »Babyboom vom Kollwitzplatz« ist jedoch rasch durch einen Blick in die Statistik widerlegt. In Neukölln und selbst im kleinbürgerlichen Stadtteil Plänterwald kommen mehr Kinder zur Welt als im demografischen Vorzeigekiez. Zwar ist die Geburtenrate gestiegen, aber das lag nur daran, dass so viele junge Frauen zugezogen sind. Das Geburtenwunder ist bei näherer Betrachtung recht unspektakulär.
    Sehr speziell sind dagegen die Eltern. Kinder werden hier offensichtlich nicht einfach gezeugt und geboren. Das Kind ist nicht nur Kind, sondern dient als Projektionsfläche der Selbstverwirklichung und Statussymbol zugleich." (2012, S.11ff.)

    Chance und Gefahr der Gentrifizierung

    "Was Stadtsoziologen als »Gentrifizierung« bezeichnen, erfolgt in (...) immer gleichen Sequenz, in Prenzlauer Berg und Friedrichshain, im Münchner Glockenbachviertel, in der Schanze in Hamburg oder in Hannover-Linden. Berlin ist das wohl anschaulichste Beispiel für den Stadtumbau von oben. Der soziologische Fachterminus »Gentrifizierung« hat sich hier längst im Alltagswortschatz etabliert und ist zum politischen Kampfbegriff geworden - voller Ressentiments gegenüber einem diffusen Feindbild, der spießbürgerlichen Kleinfamilie, und genährt von einer provinziellen Angst vor Veränderung.
    Dabei ist Gentrifizierung nicht per se schädlich und die populäre Kritik nicht immer akkurat und legitim. Wenn ein Viertel durch alternatives Publikum, durch neue Cafés und kleine Läden bereichert wird, wenn alte Gebäude saniert werden, ist das kein kapitalistisches Teufelszeug. Schlimmer als diese Stadtentwicklung ist sozusagen nur, wenn sie ausbleibt. (...). Aber der elitäre Stadtumbau (...) kann sich zu einem handfesten sozialen Problem steigern: Es entwickelt sich eine Spaltung in wohlhabende, sanierte Altbauviertel im Stadtkern und billigen, verarmten Zonen in den Randlagen, wo sich soziale Probleme verdichten." (2012, S.15)

    Greisenrepublik Deutschland?

    "Die »demografische Zeitbombe« tickte schon einmal - nur andersherum. Noch vor 40 Jahren wünschten sich die Deutschen sinkende Geburtenraten, weil die wachsende Menschheit von der Erde nicht mehr verkraftet werden könne. Wenn die »Bevölkerungsbombe« explodiere, warnte damals der prominente Biologieprofessor Paul Ehrlich, dann seien Hungersnöte und Umweltkatastrophen unausweichlich. Hollywood fand eine wenig elegante Lösung: Im Science-Fiction Thriller Soylent Green ließen sich die Lebensmüden stilvoll vergiften und wurden zu Lebensmitteln verarbeitet.
    Zu viele Menschen, aber zu wenige Deutsche? - Da passt etwas nicht zusammen. Aus ökologischer Sicht sind auch heute niedrige Geburtenraten geboten (...). Das sollten wir nicht vergessen, wenn wir über demografischen Wandel sprechen." (2012, S.20)

    Bevölkerungspyramide und "Urne"

    "Die prognostizierte Bevölkerungsstruktur in Form einer Urne ist so wenig krankhaft wie die Bevölkerungspyramide »natürlich«. Letztere rührt nur daher, dass die Menschen in früheren Zeiten nicht allzu lange lebten, die Kindersterblichkeit hoch war und zudem verlässliche Verhütungsmethoden schlicht nicht existierten. Die »Urne« wiederum ist, anders als es die Bezeichnung suggeriert, vielmehr Ausweis einer vitalen Gesellschaft denn Symptom der Morbidität: Sie resultiert daraus, dass immer mehr Menschen immer länger leben - und ihre gewonnenen Jahre zweifellos nicht nur in Krankheit und Siechtum verbringen - und der Zwang zu vielen Kindern nicht mehr existiert, da die geborenen Kinder in der Regel überleben und sichere Verhütungsmittel kostengünstig verfügbar sind. Eine alternde Gesellschaft ist Fortschritt, kein Rückschritt." (2012, S.21f.)

    Generationengerechtigkeit als ideologischer Kampfbegriff

    "Der Begriff Generationengerechtigkeit wird häufig als ideologischer Kampfbegriff zweckentfremdet und politisch instrumentalisiert, um unpopuläre Projekte mit einem moralischen Anstrich zu versehen. Sozialabbau und Rentenkürzungen werden mit dem Hinweis auf den Sachzwang des demografischen Wandels gerechtfertigt, denn die nachwachsende Generation könne die anschwellende Altenlast nicht mehr schultern. (...). Diese Grabenkämpfe tun uns nicht gut.
    Generationenkonflikte dürfen nicht gegen soziale Verteilungskonflikte ausgespielt werden. Innerhalb ein und desselben Jahrgangs gibt es krasse Unterschiede." (2012, S.24)

    Der Altenquotient ist weniger entscheidend als es die Debatte um den demografischen Wandel behauptet

    "Wichtiger als der verengte Blick auf den Altenquotienten sind andere Faktoren: Wie gut sind die Menschen ausgebildet, wie gesund sind sie, wie viele Menschen haben Arbeit, wie hoch sind die Löhne, wie produktiv ist die Wirtschaft, gibt es eine erstklassige Infrastruktur? Ein steigender Altenquotient belastet zwar die Rentenkassen. Aber wenn zugleich die Arbeitslosigkeit sinkt, mehr Frauen und Zuwanderer einer Erwerbsarbeit nachgehen, Geringqualifizierte besser ausgebildet werden und das Ruhestandsalter schrittweise angehoben wird, dann wird die Alterung spielend kompensiert. Schließlich zählt nicht, wie viele Menschen älter oder jünger als 60 Jahre sind. Vielmehr kommt es darauf an, wie viele Menschen tatsächlich Sozialleistungen beziehen, wie viele tatsächlich arbeiten und in die Sozialkassen einzahlen. Wie starr oder dynamisch eine Gesellschaft ist, wie konservativ oder innovativ, ist keine Frage des chronologischen Alters ihrer Angehörigen, sondern eine Frage der Kultur." (2012, S.28)

    "Die Demontage des Generationenvertrags ist kein Sachzwang. Und der demografische Wandel ist nicht der Todesstoß des Sozialstaats. Ob wir in Zukunft die Rente finanzieren können, ist eben nicht allein eine Frage des Altenquotienten. Vielmehr hängt die Finanzierung der Rente ebenso wie aller Sozialsysteme von der Höhe der Wertschöpfung und der Situation auf dem Arbeitsmarkt ab. (...). Nicht die Demografie bedroht die Rente von morgen, sondern die epidemische Ausbreitung von Niedriglöhnen und prekärer Arbeit in Verbindung mit der Finanzmarkteuphorie vergangener Tage. Entscheidend ist, dass wir heute in die Zukunft investieren. Es macht einen Unterschied, ob wir mit Kinderbetreuung, Bildung, Integration und Infrastruktur altern oder ohne all das." (2012, S.159)

    Wir, die prekäre Generation

    "Von Kindesbeinen an haben wir erlebt, wie das soziale Netz in Deutschland schrittweise unter Verweis auf Sachzwänge demontiert wurde. Die Erschütterung des Glaubens an steigenden Wohlstand für alle prägt unsere Generation. »Diese Gesellschaft fährt im Fahrstuhl nach unten, und wir sind die Generation des Weniger«, notiert der Soziologe Ulrich Beck. »Der Übergang zu unsichereren Arbeitsverhältnissen ist ein richtiger Generationenbruch.« Wenn wir eine Generation sind, dann: die prekäre Generation." (2012, S.43)

    Die digitale Bohème ist kein Lebensmodell für die prekäre Generation

    "Für einige hochqualifizierte Akademiker eröffnet die Erosion der alten Industriegesellschaft durchaus mehr Freiheit: weniger Abhängigkeit und Monotonie, raus aus der Festung der lebenslangen 40-Stunden-Festanstellung. Holm Friebe und Sascha Lobo feiern in ihrem Manifest Wir nennen es Arbeit diese Laptop-Elite, die dank dem Internet als Lebens- und Einkommensader glücklich werden möchte und kann. (...). Das Gros der atypischen Beschäftigungsverhältnisse kann leider keinesfalls als Befreiung von den Zwängen der Industriegesellschaft interpretiert werden. Wenn die ersehnte Selbstbestimmung in fragwürdiger Selbstausbeutung endet und die Ausschreibungen für Kreativaufträge mit jeder kleinen Konjunkturdelle einen Einbruch erleiden, erkennt auch die digitale Boheme: Es war nicht alles schlecht in der schnöden alten Arbeitswelt.
    Die meisten Jüngeren sehnen sich nicht nach dem Dasein als flexibler Wanderarbeiter, der von Projekt zu Projekt, von Job zu Job und von Stadt zu Stadt schweift, sondern bevorzugen einen sicherer Job". (2012, S.51ff.)

    Der Trend zu weniger Kindern ist Teil der Lösung gesellschaftlicher Probleme

    "Der Trend zu weniger Kindern birgt auch Chancen. Wenn Eltern nicht mehr drei oder vier Kinder versorgen müssen, sondern nur noch eines oder zwei, können sie ihrem Nachwuchs eine bessere Ausbildung finanzieren. Wenn mit den Kinderzahlen auch die Schülerzahlen sinken, können die dadurch eingesparten Milliardenbeträge für eine bessere Ausstattung der Schulen verwendet werden. Eine sinkende Geburtenrate ist Teil der Lösung für viele Probleme. Der scheinbare Egoismus de Kinderlosen könnte sich so als eigentlicher Altruismus erweisen." (2012, S.59)

    Die Kapitaldeckung ist keine Lösung für den demografischen Wandel

    "Die Euphorie über die ehemals gefeierte Kapitaldeckung ist verflogen. Die steigende Lebenserwartung verteuert auch die kapitalgedeckte Renten, denn das Sparkapital muss länger reichen. Die unausweichliche Folge: Die Riester-Renten sinken. Die Privatversicherungen haben die garantierte Verzinsung von vier Prozent im Jahr 2001 auf heute zwei Prozent heruntergeschraubt. Seit ihrer Einführung haben sich die Vertragsbedingungen laufend verschlechtert, stellt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung fest. Für die meisten Sparer zahlt sich Riestern erst im hohen Alter aus. (...).
    Eine druckfrische Rentabilitätsanalyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung belegt obendrein, dass sich Riester-Sapren erst recht nur bei langem Leben lohnt, seit die Versicherungsfirmen mit aktualisierten Sterbetafeln kalkulieren. (...).
    Einige neuere Prognosen gehen davon aus, dass die gesetzliche Rente letzten Endes rentabler ist als die private Vorsorge. Was nicht zuletzt an den hohen Bürokratiekosten und der Profitlogik der Privatversicherungen liegt". (2012, S.152f.)

    Die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen ist niedriger als vielfach behauptet

    "Nicht alle jungen Menschen wollen Kinder. Die Familie gilt längst nicht mehr als die einzige Möglichkeit, sein Glück zu finden. Akademikerinnen bekommen aus den bekannten Gründen weniger und weit später Kinder als der Durchschnitt der Bevölkerung (wobei der verbreitete Irrglaube, jede dritte Akademikerin bliebe zeitlebens kinderlos, nachweislich falsch ist). Keiner sollte sich rechtfertigen müssen, wenn er keine Kinder bekommt oder bekommen will." (2012, S.162)

    Auf dem Weg zur Opakratie?

    Jeder dritte Wähler ist schon heute über sechzig. Laut Statistischem Bundesamt wird sich ihr Anteil bis zur Mitte des Jahrhunderts ungefähr verdoppeln. Das gewichtete Durchschnittsalter der Wahlbevölkerung wird derweil bis 2030 von 47 auf 54 Jahre steigen. Wir sind mitten auf dem Weg in die »Opakratie« (Jakob Schrenk)" (2012, S.185)

    "Die Interessen von Schwachen und Minderheiten und damit in einer alternden Gesellschaft auch der Jugend sind in einer alternden Gesellschaft mitunter besser aufgehoben als in einer Referendumsrepublik der Greise. Die repräsentative Demokratie weiß die Tyrannei der Mehrheit besser zu bändigen." (2012, S.188)   

     
         
     
           
       

    Beitrag von single-generation.de zum Thema

    Eine Einführung in die aktuelle Generationendebatte der Nuller Jahre

    Die netten Jahre sind vorbei: Formiert sich eine neue politische Generation? Droht ein Generationenkrieg wegen den Babyboomern? Die Generation Leistungsträger erobert den Buchmarkt

     
       

    Wolfgang Gründinger im WWW

    www.wolfgang-gruendinger.de

     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 12. Januar 2013
    Update: 13. Februar 2015