[ Einführung in die Generationendebatte ] [ Autoren-Index ] [ News ] [ Homepage ]

 
       
   

Klaus Harpprecht: In Verteidigung der 50er Jahre

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1927 in Stuttgart geboren
    • 1966 - 1969 Leiter des S. Fischer Verlags
    • 1972 - 1974 Berater von Willy Brandt
    • 1995 Buch "Thomas Mann"
    • 1999 Buch "Mein Frankreich"
    • 2000 Buch "Im Kanzleramt"
 
       
     
       
   

Klaus Harpprecht in seiner eigenen Schreibe

 
   

HARPPRECHT, Klaus (2000): Von zornigen Alten und braven Jungen.
Wer baut, rein geistig gesehen, das neue Berlin? Die Jungen wohl, doch wohl nicht jene Stromliniengespülten, die derzeit zu den neuen Eliten stossen. Brandrede eines Aufrechten,
in: Tages-Anzeiger v. 07.01.

HARRPRECHT u.a. über Tristesse Royale und die Generation Berlin:

"In einer amüsanten Reportage machten sich Henryk M. Broder und Reinhard Mohr jüngst im »Spiegel« über fünf junge Autoren lustig, die in der »Bar jeder Vernunft« in Berlin ihr gemeinsames Werk »Tristesse Royal« präsentierten: Es war, nach dem Urteil dieser verlässlichen Zeugen, geradezu eine Orgie snobistisch drapierter Banalität.
Darin ist nichts überraschend. Diese dritte Nachkriegsgeneration weiss offensichtlich mit sich und der Welt wenig anzufangen, was die Flamme öffentlichen Interesses aufflackern liesse. Doch eine intelligente These machte uns kürzlich darauf aufmerksam, dass wir es von nun an mit einer
»Generation Berlin« zu schaffen hätten. Wenn es sich so verhalten sollte: Ist sie im Begriff die deutschen Verhältnisse nach ihrem Bilde zu prägen? Zur Rebellion neigen die jungen Damen und Herren nicht. Sie haben, soweit ihre Existenz medial wahrzunehmen ist, ordentliche Abschlüsse ihrer Bildungswege vorzuweisen. Wäre es anders, hätten sich ihnen die Tore zum Erfolg kaum geöffnet. Aussenseitern bietet sich - anders als in den ersten Jahrzehnten nach der grossen Katastrophe - nur selten eine Chance, nicht in der Politik, nicht in der Publizistik, am ehesten wohl in der elektronischen Industrie. (...).
Sie haben - zu ihrem Glück - kein Schicksal aufzuweisen, das sich mit den Konventionen nicht deckte. Das unterscheidet sie von den Alten. (...). Das Spiel mit Dekadenz und Snobismus, dem sie sich manchmal so demonstrativ anheim geben, wirkt artifiziell, bemüht und letztlich brav. Sie wollen die Normalität nicht wahrhaben, von der sie geprägt sind. Das mag ihre einzige Gebrochenheit sein."

HARPPRECHT, Klaus (2001): Hysterische Medien in einer Schwätzer-Gesellschaft.
Provinziell, banal und sich tausendfach wiederholend - Klaus Harpprecht rechnet mit den Maßstäben von Fernsehen und Presse ab,
in: Frankfurter Rundschau v. 30.11.

HARPPRECHT über die neue Klassengesellschaft: "Nicht anders als in Amerika entsteht, wenn ich mich nicht täusche, in Europa eine neue Klassengesellschaft: eine schmale Bildungselite, die bedeutende Felder der Macht kontrolliert, neben ihr eine breitere technische Elite, die über ihre Managementfunktion in der Wirtschaft, später wohl auch in der Politik, die gesellschaftlichen Entwicklungen in wesentlichen Zügen bestimmt; darunter die breite Mittelschicht, die sich außerhalb ihrer professionellen Pflichten auf sinkendem Niveau fast nur noch unterhalten lässt; schließlich ein Bodensatz von Analphabeten, deren Zahl in Deutschland wie in Frankreich eher zu wachsen scheint.
Ich fürchte, die neue Klassengesellschaft könnte in vieler Hinsicht grausamer und härter sein als die alte, die auf Besitz, auf Geld oder Titel gründete, weil sie nicht nur die materielle, sondern die geistige und psychische Lebensqualität bestimmt."

FR-Serie zur sozialen Ungleichheit

HARPPRECHT, Klaus (2002): Nylons und Revolte.
Im Rückblick stehen die Fünfziger keineswegs für Muckertum oder Muff - eine Apologie unserer Gründerjahre
in: Die ZEIT Nr.33 v. 08.08.

Klaus HARPPRECHT- ein Angehöriger der Flakhelfer-Generation - setzt dem "deutschen Fräulein" der 50er Jahre im Namen der patriachalen Autorität ein Denkmal. Das Denkmuster dazu hat er Barbara BIERACHs Buch Das dämliche Geschlecht entnommen:

"Frauen (...) benutzen ihre Familien, um sich zurückzuziehen, ohne zugeben zu müssen, dass ihnen letztlich ein Job in der City zu anstrengend war. Denn 'Karriere' klingt glamourös, ist aber in Wirklichkeit zuvörderst harte Arbeit. Eine verantwortliche Position wirklich auszufüllen, bedeutet in den meisten Branchen 50 Stunden Arbeit die Woche, jede Menge Ringkämpfe mit Kollegen und Konkurrenten und massiven Verzicht aufs Privatleben. Vielen Frauen wird das spätestens mit Mitte 30 zu anstrengend und zu politisch. Entnervt von dem ständigen Ringkampf um Positionen und Budgets ziehen sie sich in Vorstädte zurück und werden Mutter." (Wirtschaftswoche v. 30.04.2002).

HARPPRECHT bezichtigt in ähnlicher Weise die feministische Darstellung einer Zurückdrängung der Frauen in die Reviere Kirche, Küche, Kinder als verzerrt:

"Die Stereotype der späten sechziger Jahre sagten manche Wahrheit - die ganze war es nicht. In der Tat war es erstaunlich, dass die Frauen ihre Verantwortung - und damit eine gewisse Macht - so klaglos preisgaben, als die Männer endlich wiederkamen. Vielleicht waren sie nur müde."

HARPPRECHT sieht ansonsten in der Überwindung der Errungenschaften der 60er und 70er Jahre die Chance zur Rückkehr zu patriarchalen Verhältnissen wie sie für die 50er Jahre typisch waren.

HARPPRECHT, Klaus (2002): Katerstimmung und Alarmmeldungen.
Zäsur im deutschen Zeitungswesen - die Wirtschaftskrise macht erstmals en gros Journalisten arbeitslos,
in: Frankfurter Rundschau v. 02.09.

Klaus HARPPRECHT über seine Kollegen:

"Die Medienmenschen zählten, kein Zweifel, bisher zu den verwöhntesten Kindern der Republik, und manche warfen sich in die Brust, als seien sie die neue Herrenrasse".

HARPPRECHT sieht heutzutage die Kultur bedroht:

"Die wichtigen Tageszeitungen und die bedeutenden Wochenblätter sind - neben dem Buch, einigen kleinen Radio- und Fernsehprogrammen (à la Arte und 3 Sat) - die letzten Bastionen der Kultur im Mediendschungel".
            Es ist bezeichnend, dass das Internet in seinem Denken keine Rolle spielt und deshalb die Überwindung der Krise in der Gründung einer weiteren Tageszeitung gesehen wird:
            "Denn niemals zuvor waren so viele Talente verfügbar, junge und unverbrauchte, alte und erfahrene, die sich mit einer unvergleichlichen Motivierung ans Werk machen könnten: Sie schrieben sozusagen um ihr Leben." 

HARPPRECHT, Klaus (2003): Barrikadenstürmer im Salon,
in: Frankfurter Hefte/Neue Gesellschaft, Januar/Februar

HARPPRECHT, Klaus (2003): Ein Spieler war nicht vorgesehen.
Die Krise der "FAZ" findet auch in ihrer Redaktion statt,
in: TAZ v. 02.07.

HARPPRECHT, Klaus (2003): Gerechtigkeit anders herum.
Die Alten schulden den Jungen nichts. Die Jungen den Alten viel. Denn sie haben nach 1945 die Fundamente des Sozialstaats gelegt und die junge Demokratie stabilisiert,
in: TAZ v. 15.08.

Klaus HARPPRECHT greift in den "Generationenkrieg" zugunsten seiner Aufbaugeneration ein. Mit dem Satz "Die BfA war unsere Sparkasse" macht er sich zum Sprecher der  Angestellten-Klasse der alten Mitte. Sein Rundumschlag beginnt bei MIßFELDER und endet bei den 68ern. Die Gewerkschaften als einstige Vertreter der Arbeiterklasse werden gescholten. Im Grunde hält HARPPRECHT ein Plädoyer für die Verlängerung der Arbeitszeiten ("nur Mehrarbeit schaffe Arbeitsplätze") und die "Entwicklung einer Service-Industrie, die bei uns noch immer zweit- oder drittrangig ist". Angesichts des geplanten Niedriglohnsektors muss wohl eher von einer Dienstbotengesellschaft gesprochen werden. Hans THIE hat dies auf den Punkt gebracht: "Neoliberalismus und Neofeudalismus (sind) zwei Seiten einer Medaille".

HARPPRECHT, Klaus (2004): Not lehrt beten, schreiben lehrt sie selten.
Gute Zeilen, schlechte Zeilen - Zur Lage des Journalismus (1),
in: Süddeutsche Zeitung v. 15.05.

Die SZ  lässt wieder einmal über die Qualität der Qualitätszeitungen reflektieren. Als erster darf Klaus HARPRRECHT lästern: "Ein Blick auf die Kündigungspraktiken zeigt, dass oft weder Talent noch Leistung, weder Anciennität noch öffentliches Ansehen, weder soziale Lage noch besondere Verdienste die Haupt-Kriterien bei der Auswahl der Geschassten waren. Wichtig schien die Zugehörigkeit zu einer Seilschaft oder die Gunst der Mächtigen zu sein."

HARPPRECHT, Klaus (2006): Der "Untergang des Abendlandes" findet nicht statt - er hat sich längst vollzogen,
in: Frankfurter Hefte/Neue Gesellschaft, April

"Das Schlimmere liegt hinter uns", meint HARPPRECHT angesichts der jüngsten Veröffentlichungen von Botho STRAUß über Udo Di FABIO bis zu Frank SCHIRRMACHER.

HARPPRECHT, Klaus (2007): Machtvolle Kulturelite gegen sattgefütterte Masse.
Droht uns die mediale Klassengesellschaft?
in: TAZ v. 15.09.

"Man kann, mit Blick auf die Vereinigten Staaten, von einer minoritären, doch machtvollen Kulturschicht reden, die hoch über dem mit billiger Unterhaltung rund um die Uhr sattgefütterten und ruhiggestellten Massenpublikum schwebt.
Das ist in Wahrheit die neue Klassengesellschaft: die Spaltung in eine kleine, doch mächtige K-Klasse und die majoritäre U-Klasse - eine Unterscheidung, die grausamer sein könnte als die alte Scheidung nach Einkommen und Besitz, meint Klaus HARPRRECHT in der
taz-Sonderausgabe Zeitung der Zukunft.

Neu:
HARPPRECHT, Klaus (2013): Wo bleibt der Aufschrei?
Nach der Lektüre von Hans-Ulrich Wehlers Buch "Die neue Umverteilung": Zeuge der Bonner Anfänge, fragt, ob die Berliner Republik an Größenwahn zugrunde geht,
in:
Die ZEIT Nr.11 v. 07.03.

 
       
   

Im Kanzleramt (2000).
Tagebuch der Jahre mit Willy Brandt
Reinbek:
Rowohlt Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Erstmals macht der Berater und Redenschreiber Brandts, Klaus Harpprecht, seine Notizen aus den Jahren 1972 bis 1974 der Öffentlichkeit zugänglich. Seine Aufzeichnungen spiegeln die Ära Brandt sowie die Bonner Politik jener Jahre wider, von der sozialliberalen Regierungserklärung Anfang 1973 bis zum Rücktritt des Kanzlers im Mai 1974. Der besondere Reiz dieser Texte liegt in ihrer Unmittelbarkeit. Der ehemalige Journalist skizziert ein persönliches Porträt Brandts und bietet einen interessanten Einblick hinter die Kulissen der Macht."

 
     
 
       
   

Rezensionen

fehlen noch
 
   

weiterführende Links

 
     
   
 
   

Bitte beachten Sie:
single-generation.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
   
 
     
   
 
   
© 2002-2015
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 15. August 2003
Stand: 21. Juni 2015