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Leander Scholz: Das Chaos der Liebe in den 90er Jahren

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1969 in Aachen geboren
    • Studium der Philosophie
    • Mitbegründer des Kölner Tropen Verlag
    • 1995 Debütroman "Jungfernpergamente"
    • 2001 Roman "Rosenfest"
    • 2002 Roman "Windbraut"
 
       
   
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    Leander Scholz in seiner eigenen Schreibe

     
       

    SCHOLZ, Leander (1999): Zehn Fehler eines Rheinländers in der Stadt ohne Zentrum.
    Warum man in Berlin manche Bücher nur in Westbuchhandlungen kauft und Metropolengespräche über Außenklo und Schrittmacher besser meidet,
    in: Welt v. 21.08.

    SCHOLZ, Leander (2003): Schuld hat, wen es trifft.
    Innere Globalisierung. Ein paar Anmerkungen zum Verteilungskampf zwischen Jung und Alt,
    in: Freitag Nr.3 v. 10.01.

    Leander SCHOLZ gehört zu den wenigen kritischen Stimmen im Land, die in das allgemeine Neue-Mitte-Geheul nicht einstimmen und stattdessen hinter dem Versuch die Singles zu Sündenböcken zu machen, die Probleme dieser Gesellschaft aufscheinen lässt:

    "Wer jugendlich ist, überschreitet permanent die Grenze zwischen Berufsleben und Privatleben und damit auch das Modell der Kleinfamilie als Ort der Regeneration. Diese Jugend ist daher dem Phänomen des Outburn ausgesetzt. Niemand hält einem mehr den Rücken frei. Im Gegenteil, die Patchwork-Familie verlangt mindestens genauso viel Management wie die eigene Karriere. Beziehungen, Ehen, Familien und Freundschaften gehören längst der gleichen Innovationslogik an und bilden keineswegs mehr den lebensweltlichen Gegenpol zur Teilnahme am Markt als Person."

    Im Gegensatz zum sozialpopulistischen Diktum, dass die Familie ein Bollwerk gegen den Kapitalismus sei, zeigt SCHOLZ auf, dass die individualisierte Familie längst das Ebenbild der modernen Ökonomie ist.
    Nostalgie ist jedoch fehl am Platz:

    "Es ist schon bemerkenswert, wie schnell sich die Sehnsucht nach dem alten autoritären Nationalstaat und dem alten neurotischen Familienmodell wieder beleben lässt, wenn sie erst einmal überholt sind".

    Es gibt kein Zurück zu den alten Zuständen und hinzu kommt:

    "Der Generationenvertrag kann nicht erneuert werden, nicht weil eine Partei nicht mehr will oder egoistisch ist, sondern weil sich die Bedingungen dafür grundlegend geändert haben".

    SCHOLZ erteilt jenen einen klare Absage, die die gegenwärtigen Probleme auf den demografischen Wandel reduzieren möchten:

    "Das Problem ist nicht, dass die Bevölkerung kleiner wird. Das Problem der letzten Jahrzehnte besteht darin, dass sich die produktiven Kräfte grundlegend verschoben haben und dass Arbeit für einen nicht unerheblichen Teil der Gesellschaft zu einer Einnahmequelle unter anderen geworden ist, während für andere ihre schnell verbrauchte Humanressource das einzige Kapital darstellt."

    Am Anfang steht die neoliberale Maxime "Gewinne privatisieren, Verluste vergemeinschaften". Sozialpopulisten wie Konrad ADAM, Paul KIRCHHOF oder Jürgen BORCHERT gehören zu jenen, die diese neoliberale Maxime nicht nur auf die Ökonomie, sondern auch auf die Familie anwenden wollen. Abgewandelt kann man ihr Credo zusammenfassen:

    "Kinderglück privatisieren, Kinderkosten vergemeinschaften".

    SCHOLZ, Leander (2003): Wir wissen nicht, was Politik ist.
    Ein Essay. Über die Befindlichkeiten des politischen Subjekts in Friedenszeiten,
    in: Freitag Nr.52 v. 19.12.

    Der Schriftsteller Leander SCHOLZ klärt erst einmal das Verhältnis zu den 68ern:

    "In den letzten beiden Jahren hatte ich häufig die Gelegenheit, mit Angehörigen der einzigen permanenten Generation zu sprechen, mit den 68ern nämlich. Bei allen möglichen Differenzen über historische Bedeutsamkeiten dieser oder jener Errungenschaft mochte ich ihnen in einem Punkt nie widersprechen. Jede dieser Diskussionen erreichte ihren Höhepunkt, wenn ich wenigstens zugeben sollte, »dass wir« (also die 68er) »für euch«, also auch für mich, »gekämpft und so einiges erreicht haben«. Sonst, und das ist gewissermaßen ein transzendentales Argument, könnte ich gar nicht so frei reden, wie ich es Zeit meines Lebens gewohnt bin. Wie schon erwähnt, fiel es mir schwer, in diesem Punkt zu widersprechen. Zustimmen allerdings konnte ich diesem Argument auch nicht. Also Dankeschön sagen, nein, das erschien mir dann doch ein bisschen zu einfach. Denn meistens hieß das nichts anderes als: wir haben die Fackel ein Stück getragen, jetzt seid ihr damit dran. Ein ideeller Generationenvertrag gewissermaßen mit ideellem Rentenanspruch, der nur deshalb nicht funktioniert, weil im Grunde genommen alle postachtundsechziger Generationen, egal wie man sie nun gerade mal nennen mag, konsumistisch, hedonistisch und scheißegozentrisch sind. Dabei tragen wir doch die Fackel, ob wir nun wollen oder nicht. Und vielleicht liegt hier schon das ganze vertrackte Problem."

    Danach geht es um das Unbehagen am Projekt der Subversion und dem Problem des Anderssein-Müssens, das nun umschlägt:

    "Vor lauter Freaks gibt es den Normalbürger ja überhaupt nicht mehr. Vielmehr gibt es nur noch die umfassende Sehnsucht danach, völlig normal zu sein. In jüngster Zeit kann man sogar schon damit reüssieren, Bildungsmotten zu recyceln. Keiner will mehr am Rande stehen, weil man dort jederzeit stehen könnte, gerade wenn man sich mittendrin wähnt. Am besten, man hält sich diffus und nach allen Seiten hin offen und lächelt und findet vielleicht etwas so oder auch so, das ist alle mal besser, als sich vorzeitig festzulegen. Aber am Ende sind wir alle nur so nett zueinander, weil jeder, gerade dieser Nächste da, derjenige sein könnte, der einem das zukünftige Licht ausschaltet. Der überraschende Konsens, der dieses Land umklammert hält, ist also nichts anderes, als die Übersetzung des allerältesten Gesellschaftsvertrags, dem gemäß jeder jeden töten kann. Nur dass der Leib längst nicht mehr die einzige Möglichkeit dazu bietet."

    SCHOLZ, Leander (2005): Der Hirte und seine Herde.
    Wirtschaftsstaat. In Michel Foucaults Vorlesungsreihe "Geschichte der Gouvernementalität" geht es um das vertrackte Erbe des Neoliberalismus,
    in: Freitag Nr.26 v. 01.07.

    Neu:
    SCHOLZ, Leander (2007): Der Zorn über das Unrecht macht die Stimme heißer.
    Mission: In seinem jüngsten Buch "Zorn und Zeit" aktualisiert Peter Sloterdijk Francis Fukuyamas These vom Ende der Geschichte auf seine eigene, ungenaue Art,
    in: Freitag Nr.45 v. 09.11.

     
           
       

    Leander Scholz: Porträts und Gespräche

     
       
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    Windbraut (2002)
    München: Deutscher Taschenbuch Verlag

     
       
         
     

    Klappentext

    "Im Sturm hat Hilal ihn genommen. Hingerissen von der Leidenschaft seiner neuen Geliebten läßt Lenz sein bürgerliches Leben zurück. Job, Wohnung, Freundin, alles ist ihm egal. Schließlich verliert er seine Freiheit gänzlich an die Geliebte. Sie fesselt ihn und läßt sich von ihm schwängern. Als er aus seinem Liebestaumel erwacht, muß er feststellen: Die Windbraut hat ihn betrogen."

     
         
     
           
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 10. Januar 2003
    Update: 14. Mai 2015