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Susanne Gaschke: Die Erziehungskatastrophe der Berliner Republik

 
       
     
       
     
       
   

Susanne Gaschke in ihrer eigenen Schreibe

 
       
   

GASCHKE, Susanne (1998): Die Generation Berlin.
Was ist heute radikal? Die Familie. Junge Intellektuelle suchen neue Antworten auf die Fragen der 68er,
in: Die ZEIT Nr. 31

GASCHKE, Susanne (1999): Der Stichwortgeber.
Was ist die Berliner Republik, was die "Generation Berlin"? Der Soziologe Heinz Bude deutet neue deutsche Phänomene,
in: Die ZEIT Nr.11

Infos zu: Heinz Bude - Autor der Generation Berlin

GASCHKE, Susanne (1999): Revolution im Reihenhaus.
Die Zukunft der Liebe: Ein Plädoyer für die Wiederentdeckung der Doppelmoral,
in: Die ZEIT v. 11.03.

Ein Beitrag zum Thema Doppelmoral: KUREISHI, Hanif (2001): Rastlose Nähe, Reinbek: Rowohlt

Infos zu: Niklas Luhmann - Autor der Flakhelfer-Generation

GASCHKE, Susanne (1999): Die Generation Berlin ist anders,
in:
Die Neue Gesellschaft/ Frankfurter Hefte, November

Kontroverse Stellungnahmen:

DULLIEN, Sebastian (2000): Keine klare Idee eines Wohin.
Replik auf Susanne Gaschkes "Generation Berlin",
in: Die Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, März

BARING, Arnulf (2000): Die Achtundsechziger sind perdu.
Aus politischen Zeitschriften: Die Generation Berlin macht mobil,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.04.

BARING hält den Text von Susanne GASCHKE im Novemberheft 1999 der Neuen Gesellschaft/Frankfurter Hefte für ein "Gründungsmanifest neuer Generationen, die mit der Gedankenwelt der Achtundsechziger nichts am Hut haben"

GASCHKE, Susanne (1999): Familienpolitik oder: Die wirkliche Mitte der Gesellschaft,
in:
Politisches Feuilleton. Sendung des DeutschlandRadio v. 10.11.

GASCHKE, Susanne (2000): Ende der Kindheit.
Dass kleine Menschen nicht mehr wie Erwachsene sein mussten, war ein Sieg der Zivilisation. Heute ist dieser Fortschritt bedroht,
in: Die ZEIT Nr.17 v. 19.04.

GASCHKE, Susanne (2001): Kommt jetzt die „Generation Kassel“?
Der Soziologe Heinz Bude ist nett. Aber verdrossen. Die von ihm erfundene „Generation Berlin“ entwickelt sich nicht zu seiner Zufriedenheit,
in: Berliner Republik
Nr.03

Infos zu: Heinz Bude - Autor der Generation Berlin

GASCHKE, Susanne (2000): Umstrittene Gleichstellungspolitik: Was ist eine Familie?,
in:
Signale - Gedanken zur Zeit. Eine Sendung des DeutschlandRadio v. 16.07.

GASCHKE, Susanne (2001): Die Elternkatastrophe.
Zur Erziehung abgeliefert: Die Schule kann an den Kindern nicht wettmachen, was die Familie sträflich versäumt,
in: Die ZEIT Nr.18 v. 26.04.

GASCHKE, Susanne (2001): Eltern im Dilemma: Was bedeutet Erziehung?,
in:
Signale - Gedanken zur Zeit. Sendung des DeutschlandRadio v. 04.06.

GASCHKE, Susanne (2001): Neues Glück.
Kein Grund zur Klage: Den Frauen geht es besser,
in: Die ZEIT Nr.32 v. 02.08.

Susanne GASCHKE hat die schwangeren Frauen unter den Bundestagsabgeordneten gezählt, aber im Gegensatz zum Spiegel mag sie daraus keinen neuen Mutterstolz ableiten:

"Frauen können nur Mütter sein, berufstätige Mütter oder nur Berufstätige; niemand schreibt ihnen mehr ernsthaft ein Rollenbild vor. Die neue Freiheit bedeutet allerdings Verantwortung für das eigene Leben. Keine Frau muss mit 17 ein Kind bekommen, einen Macho heiraten oder einen dead-end job ohne Ausbildung anstreben. Und eins garantiert die neue Freiheit nicht: Glück. Wer entscheiden darf, kann falsch entscheiden: bei der Partner- und Berufswahl, in der Kinderfrage, immer wieder, ohne Garantie auf staatliche Rückversicherung. Das ist der Preis der Freiheit."

GASCHKE predigt hier wie Markus SCHROER (taz v. 28.07.2001) das Credo eines naiven Optionismus.

GASCHKE, Susanne (2001): Der Preis der Freiheit.
Dreißig Jahre nach Beginn der Frauenbewegung sind weibliche Menschen ganz auf sich selbst gestellt. Nun müssen sie sich entschließen, etwas zu wollen,
in: Berliner Republik Nr.06

GASCHKE, Susanne (2001): Gleichberechtigung allein ist nicht die Lösung.
Sozialdemokraten und Union entdecken die Familienpolitik als Wahlkampfthema. Es wird auch höchste Zeit für neue Ideen,
in: Die ZEIT Nr.48 v. 22.11.

"Die Geburtenrate ist von 2,02 Kindern pro Frau im Jahr 1970 auf 1,37 Kinder in den Neunzigern gesunken. Und die Gesellschaft fängt an zu ahnen, was das bedeutet",

schreibt GASCHKE. Sie verschweigt aber, dass in den Jahren 1978 und 1979 die Geburtenrate bei 1,38 Kindern lag (aus: Peter MARSCHALCK "Bevölkerungsgeschichte Deutschlands im 19. und 20. Jahrhundert", 1984), Mitte der 80er Jahre sogar noch tiefer. Der gravierendste Einschnitt erfolgte jedoch durch die Wiedervereinigung. Die Geburtenrate in den alten Bundesländern liegt weit höher als in den neuen Bundesländern, obgleich dort die Betreuungsangebote besser sind. Anfang der 90er Jahre fiel die Geburtenrate in den neuen Bundesländern sogar unter 1,0. Herwig BIRG schreibt in seinem neu erschienenen Buch "Die demographische Zeitenwende":

"Die Zahl der Lebendgeborenen pro Frau betrug 1998 in den neuen Bundesländern 1,09, in den alten 1,41 und in Deutschland insgesamt 1,36."

GASCHKE versucht mit ihrer Darstellung einen kontinuierlichen Geburtenrückgang seit 1970 zu konstruieren, obwohl das Geburtenniveau seit Ende der 70er Jahre mehr oder weniger konstant geblieben ist. Es handelt sich also um einen Versuch der zusätzlichen Dramatisierung.

Singlefeindliche Medienberichterstattung - ein unvollständiger Kriterienkatalog zur Bewertung von Medienberichten über Alleinlebende

GASCHKE, Susanne (2001): Familie haben heißt verzichten.
Naiv ist die Vorstellung, mehr Geld vom Staat brächte automatisch mehr Zufriedenheit,
in: Die ZEIT Nr.49 v. 29.11.

Susanne GASCHKE betätigt sich als Theoretikerin einer unverblümt neoliberalen Familienpolitik für die individualisierte Familie der Berliner Republik. Ihre Zielgruppe sind die Yuppies der "Generation Kombi". GASCHKEs Ansatz setzt die Individualisierungsrhetorik der 90er Jahre ebenso voraus wie den Anti-Single-Gesellschafts-Diskurs der Sozialpolitiker. Vor diesem Hintergrund fordert GASCHKE nun einen Paradigmenwechsel:

Die Familie soll in den Medien nicht mehr defizitär, sondern als positives Leitbild dargestellt werden. Dazu gilt es u. a. die verstaubte Fernsehfamilie "Hesselbach" für die Generation Golf zeitgemäß aufzumotzen. Hierzu passt, was Bernd ULRICH kürzlich zu Thomas MANN geschrieben hat ("In spaßiger Hoffnungslosigkeit", Neue Rundschau Heft3, 2001):

"Als sich 1965 der Todestag Thomas Manns zum zehnten Male jährte, wartete ein Kritiker mit einer bemerkenswerten Analogie auf. Er verglich die Familie des Schriftstellers in ihrer Gesamtheit mit den »Hesselbachs«, einer damals berühmten Fernsehfamilie. Deren hessisch-mundartlich geprägte häusliche Idylle - gruppiert um den »Babba« - kam ihm wie die zeitgemäße, nämlich kleinbürgerliche Umsetzung des großbürgerlich agierenden Familienverbandes der Manns vor."

Der vollindividualisierte Mensch ist für GASCHKE nicht der Single, sondern der Familienmensch! Dieser Erfolgsmensch steht im Gegensatz zur "Benachteiligungsdiskussion" der Sozialstaats-Familienpolitiker im Mittelpunkt von GASCHKEs Individualisierungsthese, die im Einklang mit Helmut SCHELSKYs 50er Jahre-Individualsierungsthese von der "nivellierten Mittelstandsgesellschaft" steht.
          
Wer als Familie arm ist, der ist selbst schuld! Individuelle, "zurechenbar herbeigeführte Armut" entsteht gemäss GASCHKE durch unterhaltssäumige Väter oder durch "leichtfertig sich trennende Eltern". GASCHKEs Prototyp ist die gutsituierte Erbengeneration, die nicht erst auf die Zuteilungsreife des Bausparvertrags warten muss, um sich das Eigenheim fürs Kind leisten zu können. Deshalb ist GASCHKEs Ideal nicht die "Vollkasko-Familie" der Sozialstaats-Familienpolitiker, sondern die neoliberale, individualisierte Familie. Diese biedermeierliche Familie fürchtet nichts mehr als den Staatseingriff, der gleichbedeutend mit zunehmender "Qualitätskontrolle" ist:

"Dürfte eine Familienkasse der Zukunft das »Erziehungsgehalt«, das »Familiengeld« oder wie auch immer der fragliche Transfer schließlich hieße, kürzen, wenn die Eltern ihre Kinder schlagen, fehlernähren, nächtelang Horrorvideos anschauen lassen?"

GASCHKE geht es im besonderen um die Normalisierung der Normalfamilie:

"Mehr als alles Geld braucht die Familie die anerkannte Überzeugung, dass sie in diesem Land der erstrebenswerte Normalfall ist."

Dies ist gleichbedeutend mit einer Kampfansage an die "Pluralisierung der Lebensformen".

GASCHKE, Susanne (2002): Den lieben langen Tag.
Schulen müssen mehr sein als reine Lernanstalten. Ein Plädoyer für die Ganztagsschule,
in: Die ZEIT Nr. 8 v. 14.02.

Susanne GASCHKE plädiert halbherzig für die Ganztagesschule. Der unumkehrbare Trend zur Berufstätigkeit beider Eltern macht sie als Angebotsschule für Kinder notwendig, die sonst zu Problemkindern werden könnten. Die Schulen sollen deshalb auch vorrangig an "sozialen Brennpunkten" eingerichtet werden. Die Ganztagesschule soll also häusliche Defizite - im Sinne der Charakterbildung - kompensieren. Die deutsche Mutter ist GASCHKEs unausgesprochenes Ideal.

GASCHKE, Susanne (2002): Sterbenslangweilig.
Frauen um die 35,
in: Die ZEIT Nr.12 v. 14.03.

Susanne GASCHKE spricht gerne im WIR-Modus, deshalb ist sie gekränkt, wenn andere ebenfalls im WIR-Modus schreiben. Ausnahme: sie tun es aus der Perspektive der Generation Berlin, aber diesen Gefallen tut Katja KULLMANN mit Generation Ally der ZEIT-Rezensentin nicht, weswegen der Verriss kaum jemand erstaunen wird.

GASCHKE, Susanne (2002): Was Kinder kosten,
in: Die ZEIT Nr.23 v. 29.05.

Normalerweise lässt Susanne GASCHKE an den 68ern kein gutes Haar, bei der Parteifreundin ist das jedoch anders. Sie lobt deren familienfundamentalistisches Buch S.O.S. Familie und hebt vor allem jene Punkte hervor, die für neoliberale Besserverdienende besonders wichtig sind:

"Tagesmütter (...) und die steuerliche Absetzbarkeit von Haushaltshilfen".
            In Erziehungsfragen sind sich GASCHKE ("Erziehungskatastrophe") und SCHMIDT ("Mut zur Erziehung"

in der WELT vom 29.05.2002) sowieso einig.

Renate Schmidt - Politik für die Mütterelite

GASCHKE, Susanne (2002): Generation Schlumpfine.
Endlich der Illies für Mädchen: In ihrem Buch Generation Ally will Katja Kullmann erklären, "warum es heute so kompliziert ist, eine Frau zu sein" - und schreibt doch wieder nur über Esprit-Sweatshirts und Caipirinhas. Soll das wirklich alles sein?,
in: Berliner Republik Heft 2

Was ist der Unterschied zwischen KULLMANN und GASCHKE? [ mehr zum Thema ]

GASCHKE, Susanne (2002): Generation Bubble,
in: Berliner Republik Heft 5, September/Oktober

GASCHKE, Susanne (2002): Die perfekte Frau.
Renate Schmidt, eine Familienministerin wie aus dem Bilderbuch: Drei Kinder, drei Enkel, verheiratet. Von staatlicher Zwangsbeglückung hält sie nicht viel,
in: Die ZEIT Nr.44 v. 24.10.

Susanne GASCHKE betreibt Identitätspolitik und preist Renate SCHMIDT als ideale Ministerin der Generation Berlin an. Als Kämpferin für den Erhalt des Ehegattensplittings soll SCHMIDT "zeitgeistkonformes Rebellentum" beweisen. Dagegen sieht Roswin FINKENZELLER ("Für Schröder bequem") in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 24.10.2002 die Nominierung von SCHMIDT taktisch:

"Die Rechnung ist, daß einer Vorzeigegattin der rot-grüne Bruch mit der Ehe schneller verziehen wird als einem erprobten Single". 

GASCHKE, Susanne (2002): Die Stillstandslüge.
Warum dieses Land nicht unmittelbar vor dem Untergang steht,
in: Die ZEIT Nr.51 v. 12.12.

GASCHKE - Miss Generation Berlin - bekommt Raum für einen Nachtrag zu einer abgeebten Debatte um die Feuilleton-Revoluzzer. GASCHKE geht es primär nicht um inhaltliche Divergenzen, sondern um eine Stilfrage. Der Sozialabbau soll familienverträglich und im Konsens gestaltet werden und deshalb sollen die politischen Eliten und nicht die Wirtschaftseliten das letzte Wort haben. Im Gegensatz zu den selbsternannten Bevölkerungspolitikern schätzt GASCHKE die politischen Steuerungspotentiale skeptisch ein:

"Ein zwingender Zusammenhang mit der Gebärfreudigkeit lässt sich nicht herstellen. In Schweden mit seiner vorbildlichen Kinderinfrastruktur sinkt die Quote gerade wieder – kein Mensch weiß, warum."

Den letzten Halbsatz muss man jedoch nicht ernst nehmen, denn GASCHKE weiß trotzdem genau, was die Politik leisten muss:

"Die Politik kann allenfalls langfristig ein Klima fördern, in dem Menschen sich wohl und sicher genug fühlen, um die Verantwortung für Nachwuchs auf sich zu nehmen".

In der Stilfrage - letztlich natürlich eine Frage nach der wahren Powerelite - unterscheiden sich klassische neoliberale Besitzstandwahrer bzw. -mehrer in der Wirtschaft und ihr Generation-Berlin-Pendant in der politischen Klasse:

"Aufbegehren sollen die zornigen Bürger ja nur, solange es gegen Kündigungsschutz, Flächentarifverträge, Steuererhöhungen und die sozialstaatliche »Hängematte« geht. Schließen sie sich diesem Programm nicht rückhaltlos an, wird schnell sehr unfreundlich über sie gesprochen. »Die überwältigende Mehrheit der Bürger ist wohlhabend, satt und bequem. Beunruhigungen sind ihr zuwider. Doch auch diese Welt ist kaum weniger trügerisch als die Welt der Politik«, schreibt der Chefideologe des Rucks, Meinhard Miegel, in seinem Buch Die deformierte Gesellschaft. Wenn Politik und Bürger, wie Miegel meint, tatsächlich die »Wirklichkeit verdrängen«, ist es natürlich logisch, dass nur noch die Wirtschaftsentscheider übrig bleiben, um objektive Erkentnisse über die wahren Bedürfnisse des Landes zu vermitteln."

Das neue Tabuthema - Gewollte Kinderlosigkeit in Deutschland

GASCHKE, Susanne (2003): Zu gut gemeint.
Die Nach-68er haben sich in einem moralischen Irrgarten verlaufen - doch es gibt einen Ausweg,
in: Tagesspiegel v. 10.02.

Die Platte von Susanne GASCHKE kennt man bereits. Unsere Leistungsträger, deren Leistung es ist, in Taxis zu weinen, wissen es ganz genau:

"das gegenteil von gut ist gut gemeint"

(kettcar "du und wieviel von deinen Freunden" - für jene, die hipster-allüren besitzen). Weil es einfach gut tut, darf GASCHKE nach Daniel DETTLING und Joachim RASCHKE auch noch etwas über das Versagen der Generation Schröder zum Besten geben. Bernhard SCHLINK hat das im Spiegel vom 30.12.2002 vorexerziert. 

GASCHKE, Susanne (2003): Im Konsumverzichtsrausch.
Sparsame Menschen gelten als Konjunkturrisiko. Aber die Gesellschaft ist nicht nur Markt, der Bürger mehr als ein Kunde,
in: Die ZEIT Nr.8 v. 13.02.

Susanne GASCHKE widmet sich - etwas verspätet - dem Geiz-ist-geil-Syndrom:

"Jetzt ist (...) der interessante Zeitpunkt gekommen, an dem sich entscheidet, ob diese Gesellschaft den ökonomistischen Imperativ abschütteln und zur Abwechslung die Frage nach dem guten oder dem richtigen Leben stellen will."

GASCHKE möchte die "falschen Bedürfnisse" der Generation Ally bzw. Golf Ad Akta legen, obwohl die Generation Berlin - wenn man Heinz BUDE beim Wort nimmt - gar keinen anderen Bedürfnissen folgt. Eine Hinwendung zu immateriellen Werten fordert Susanne GASCHKE und meint damit u. a. das Lesen von Büchern - (Bücher sind offenbar keine Konsumprodukte, wenn sie nicht gerade von ILLIES oder KULLMANN geschrieben werden, sondern z.B. von GASCHKE). Wenn in jedem Arbeiter-Haushalt (heißt heutzutage: working class) eine Parmesanmühle steht, dann ist gemäß GASCHKE die Welt in Ordnung. Die Generation Berlin möchte also die Ideale der Toskana-Fraktion wenigstens in Form von Lebensart bis in den Arbeiterhaushalt durchsetzen. Kulturelle statt politische Modernisierung, wie das Joachim RASCHKE vor kurzem genannt hat.

GASCHKE, Susanne (2003): Wo sind die Kinder?
Generationenvertrag. Im Land der Egoisten: Kein Nachwuchs, keine Rente,
in: Die ZEIT v. 14.08.

Susanne GASCHKE greift in den "Generationenkrieg" ein und verteidigt die 68er-Generation sowie deren Vorgänger:

"Alle Deutschen, die 60 Jahre und älter sind – von der Generation der Achtundsechziger aufwärts –, haben beide Verpflichtungen eingehalten: Sie haben für die Eltern die Rente gezahlt, und sie haben sich bevölkerungspolitisch korrekt vermehrt."

Dazu präsentiert sie auch noch eine Statistik, die dies beweisen soll:

"1964 brachte eine Frau, statistisch gesehen, 2,54 Kinder zur Welt. Die Nettoreproduktionsrate lag bei 1,18 – das heißt, dass diese Eltern durch ihre Kinder mehr als ersetzt wurden."

Es mag ja sein, dass mit Meinhard MIEGEL (1939) und Herwig BIRG (1939) prominente Verfechter einer Bevölkerungspolitik aus der 68er-Generation stammen und GASCHKE, deshalb die Grenze bei 60 Jahren ansetzen möchte. Der Beitrag dieser Generation zur Bestandserhaltung ist jedoch ein Märchen! Es mag in Vergessenheit geraten sein, denn Bevölkerungsgeschichte ist nicht das, was heutzutage debattiert wird, sondern sozialpolitische Demagogie beherrscht die Debatte. Deshalb findet man auch nur in einem Buch aus dem Jahr 1984 von Peter MARSCHALCK ("Bevölkerungsgeschichte Deutschlands im 19. und 20. Jahrhundert") einen Hinweis auf den Babyboom und dessen Zustandekommen:

"Die um 1955 beginnende neue Phase in der Fruchtbarkeitsentwicklung der Bundesrepublik ist durch einen Anstieg der Gesamtfruchtbarkeit (von 2,13 auf 2,54 im Jahre 1964) und eine Verkürzung des Generationenabstandes um weitere zwei Jahre gekennzeichnet. Ihr wesentliches Merkmal dürfte aber eine Fruchtbarkeitswelle sein, die deutliche Vermehrung der Zahl der Geburten für die Jahrgänge 1926 - 1933 und der ebenso deutliche Rückgang der Fruchtbarkeit der Jahrgänge 1934 - 1941." (S.95).

Demnach sind die 70- bis 77-Jährigen die letzte Generation, die ihren "bevölkerungspolitisch korrekten" Beitrag geleistet haben. Davon abgesehen unterscheidet GASCHKE nichts von ihrem Gegenspieler Philipp MIßFELDER, denn bei beiden mutiert die - wenn überhaupt "Schicksalsgemeinschaft" - Generation zu einem Gebilde, dem man eine Kollektivschuld anheften kann. Beide stilisieren sich als Ankläger von Altersgruppenkollektiven, als ob die Macht nicht bei den jeweils herrschenden Eliten liegt. Es mag ja einfach sein, Bindungslosigkeit, Hedonismus oder sonstige Motive unter dem sozialdemokratischen Kampfbegriff Individualisierung anzuprangern, statt die Änderung gesellschaftlicher Strukturen und Machtverhältnisse zu analysieren. Die Debatte um den Generationenvertrag verschleiert, dass es innerhalb jeder Generation Gewinner und Verlierer gibt und dass diese sich nicht auf Lebensstilgruppen - Singles hier und Familien dort - aufteilen wie das GASCHKE unterstellt.

Bestandsschutz für die 68er-Generation und hohe Sonderbeiträge für Kinderlose und die nachfolgenden Generationen? Nein!

GASCHKE, Susanne (2003): Genossen ohne frohe Botschaft.
Mitgliederschwund, Vertrauensverlust, programmatische Leere, Nachwuchsmangel: Das sind die vier Plagen, von denen die SPD heimgesucht wird. Die Parteiführung reagiert mit Durchhalteparolen. Und die Basis verzweifelt
in: Die ZEIT Nr.42 v. 09.10.

Susanne GASCHKE verbreitet angesichts des Mitglieder- und Wählerschwunds Durchhalteparolen: "In aktuellen bundesweiten Umfragen kommt die SPD nur noch mit Mühe über 25 Prozent. »Viel weiter nach unten wird es nicht gehen«, sagt Parteienforscher Walter. »Jetzt sind die Sozialdemokraten bei den Treuesten der Treuen angelangt. Ironischerweise sind es diese oft als Fossilien verspotteten letzten Traditionswähler, die den Matadoren der Agenda 2010 noch die Stange halten – ohne von dieser Politik überzeugt zu sein.« Unterstützung finde die Agenda im Bürgertum: »Aber das wählt darum nicht SPD.«"

GASCHKE, Susanne (2004): Das kinderlose Land.
Die viel zitierte "Selbstverwirklichung" der Frauen kann den Geburtenrückgang in Deutschland nicht erklären. Auch Männer hadern mit den neuen Erwartungen an Väter - und verzichten auf Familie. Teil 1 der neuen ZEIT-Serie "Allein zu zweit",
in: Die ZEIT Nr.4 v. 15.01.

Was zu GASCHKE zu sagen wäre, das kann man hier nachlesen, deshalb heute nur ein Zitat:

"wenn man nach den Ursachen der deutschen Fortpflanzungsmisere sucht: Offenbar spielt das postfeministische Verhältnis von Männern und Frauen dabei eine Rolle; die neuen bildungsbegünstigten Berufsbiografien der Frauen; die geringe Sehnsucht der Männer, Familienarbeit zu übernehmen; die Schwierigkeit, work und life im flexiblen Kapitalismus in eine Balance zu bringen; die mitunter harten Anforderungen der Spaßgesellschaft; die psychische Verfassung einer Bevölkerung, der seit langem eingeredet wird, ihr reiches Land befände sich in der schwersten Krise seit Kriegsende."

Ralf Mai - Die Alten der Zukunft

GASCHKE, Susanne (2005): Bis dass der Tod uns scheidet.
Ein Plädoyer für Vernunft statt romantischer Liebe bei der Suche nach dem richtigen Mann.
Was ist weiblich?
in: Die ZEIT Nr.12 v. 17.03.

GASCHKE, Susanne (2005): Lasst die Männer nicht in Ruh.
Eine neue Studie zeigt die frappierende Kinderlosigkeit akademischer Männer. Überschätzen sie ihre Rolle als "Familienernährer"?
in: Die ZEIT Nr.51 v. 15.12.

GASCHKE, Susanne (2006): Wenn Männer dröhnen.
Die Propaganda für Fortpflanzung könnte die letzten Reste von Familienbegeisterung zerstören,
in: Die ZEIT Nr.13 v. 23.03.

Die Alarmistin Susanne GASCHKE ärgert sich über die männliche Konkurrenz in der Kinderdebatte. Vier Nebenwirkungen des Alarmismus erläutert GASCHKE den ZEIT-Familien:

1) Die Familienoffensive befördert nicht das Kinderkriegen, sondern Trotz.
2) Die ständige Leier vom Vereinbarungsproblem schreckt potenzielle Eltern ab.
3) Das Krisengerede schreckt ab.
4) Die Familienoffensive findet bei den Falschen Gehör.
Wir vermissen jedoch jegliche Selbstkritik bei GASCHKE!

ZEIT-Thema: Was ist männlich?

GASCHKE, Susanne (2006): Ihr Verlierer!
Die Männer sind in Not: In der Schule, auf dem Arbeitsmarkt und im Familienleben. Eine Schadensbilanz,
in: Die ZEIT Nr.25 v. 14.06.

Susanne GASCHKE hat 5 Felder entdeckt, auf denen die Krise des Mannes deutlich wird: die Nachwuchsfrage (= Rollenunsicherheit), die Kriminalitätsrate, die Arbeitsmarktsituation, nochmals die Nachwuchsfrage (= Erwachsenheit) und zuletzt das Problem der fehlenden Vorbilder. Zu allen Punkten führt GASCHKE empirische Belege an - nur bei einem Punkt fehlen sie:

"Es gibt keine Gesellschaft mehr, die dem jungen Mann mit einem bestimmten Bild von »Erwachsenheit« oder »Bürgerlichkeit« gegenübertritt, zu dem notwendig Ehefrau und Kinder gehören. Der flexible Single-Mann gilt Personalchefs heute als genauso seriös wie 1960 der junge Familienvater. Aber er ist es nicht."

GASCHKE, Susanne (2007): Die jungen Alt-68er,
in:
Die ZEIT Nr.28 v. 05.07.

Susanne GASCHKE bespricht das Buch Die Altersrevolution von Petra & Werner BRUNS & Rainer BÖHME". Die Autoren der Single-Generation lassen sich zu sehr von den Maßstäben der 68er leiten, kritisiert GASCHKE, die sich mit Forderungen wie "Kein Nachwuchs, keine Rente" profiliert hat:

"Was wir Jüngeren an Vorstellungskraft zusammenraffen können, wäre besser eingesetzt für die Suche nach ein paar eigenen, weniger abgeleiteten Maßstäben".

GASCHKE, Susanne (2008): Die Neunmalklugen.
Was haben sie uns nicht alles erzählt über den überlegenen Markt und die Wertlosigkeit des Staates - und was hört man nun? Dröhnendes Schweigen
in: Die ZEIT Nr.43 v. 16.10.

GASCHKE, Susanne (2009): Bilderbuch-Väter.
Deutschland feiert mehr Geburten. Das liegt an einer effektiven Politik und an Männern, die sich endlich ändern dürfen,
in:
Die ZEIT Nr.9 v. 19.02.

Hatte Susanne GASCHKE nicht vor 6 Jahren die Rente nach Kinderzahl gefordert, weil die junge Generation zu gebärfaul sei.  Und jetzt ist plötzlich alles in Ordnung? Bis zur Bundestagswahl 2005 hatte GASCHKE überhöhte Zahlen zur Kinderlosigkeit von Akademikerinnen verbreitet, von denen die SZ heute nichts mehr wissen will. War GASCHKE nicht eine zentrale Akteurin des Krisengeredes, das sie bei ihren Ausführungen zum Krisengerede der Jahre 1995 - 2005 vergessen hat?

"Ein Einwand gegen so viel Babyboom-Euphorie liegt auf der Hand: Kann die steigende Zahl der Geburten der vergangenen zwei Jahre nicht auch Folge eines befreiten Aufatmens gewesen sein, weil just in dieser Zeit nicht jeden Tag von »Krise« die Rede war? Noch die Bundestagswahl 2005 kreiste – leichtfertig und maßlos überzogen, wie wir heute wissen – um die Frage, ob der reiche Standort Deutschland, der Exportweltmeister, am wirtschaftlichen Abgrund stehe. Vorausgegangen waren mindestens zehn Jahre intensiver Krisenbeschwörung durch Wirtschaftsverbände, Teile der Politik und viele Medien."

Es wird sich erst in einigen Jahren zeigen, ob der Anstieg der Geburtenzahlen ein Ergebnis der Familienpolitik war. Bislang werden eher die Geburten nachgeholt, die in den letzten Jahren aufgeschoben wurden. Statt vernünftige Familienpolitik zu fordern, haben Akteure wie Susanne GASCHKE - nicht ganz uneigennützig - das Feindbild Single beschworen.

Eine neue Studie von Sigrid METZ-GÖCKEL u. a. über die Lebensform Wissenschaft - Eltern unerwünscht? zeigt erstens, dass die Kinderlosigkeit von Wissenschaftlerinnen in den Jahren 1994 bis 2004 nicht zu-, sondern abgenommen hat. Dafür hat die Kinderlosigkeit der Wissenschaftler zugenommen und die Zahl der kinderreichen Familien hat abgenommen. Zum anderen wird aufgezeigt, dass der Wissenschaftsbetrieb durch seine auf die traditionelle Familie ausgerichtete Strukturen und die Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse viel zur hohen Kinderlosigkeit des wissenschaftlichen Nachwuchses beiträgt. Es bleibt deshalb für die Familienpolitik - im Gegensatz zum euphorischen Leitartikel von GASCHKE - noch viel zu tun.

Neu:
GASCHKE, Susanne (2010): Wovor habt ihr Angst?
Mit Geld allein lässt sich die Geburtenrate nicht nach oben treiben,
in: Die ZEIT Nr.21 v. 20.05.

Susanne GASCHKE, Angehörige der Generation Golf und typische Vertreterin der deutschen Geburtselite, sowie die ZEIT haben jahrelang mit überhöhten Zahlen zur westdeutschen Kinderlosigkeit der Akademikerinnen an der Seite von Familienministerin Renate SCHMIDT für die Einführung des Elterngelds gekämpft. Kinderlosigkeit sollte gemäß GASCHKE sogar mit Rentenkürzung bestraft werden. Mehr Kinder hat diese Debatte nicht gebracht, sondern im Gegenteil neue Mythen über Kinderlose und das Kinderkriegen geschaffen.
Der Artikel zeugt von der Ratlosigkeit einer mit einem Redaktionsposten gut abgesicherten Bevölkerungspolittechnokratin, wenn sie schreibt:

"Die Instrumente überzeugen anscheinend weder diejenigen, die sich vor der Zukunft fürchten, noch diejenigen, die ihren Lebensentwurf bis zum Exzess optimieren."

Am Ende fällt GASCHKE nur noch eines ein, die Angst der Kinderlosen zu schüren:

"Es gibt aber noch ein anderes Risiko, dem sich gerade jene aussetzen, die glauben, ohne Kinder auf Nummer sicher zu gehen: Ihnen droht das Leben zu entgehen, das sie leben könnten".

Auf die Idee, dass die bislang inszenierte Geburtenratenpolitik, die Mehrheit der jungen Generation nicht mit ihren Problemen ernst nimmt und ein breites Spektrum an Politiken gar nicht in den Blick gerät, auf diese Idee kommt GASCHKE nicht. Tatsächlich zeigen jedoch eine ganze Reihe von Büchern (z.B. hier, hier und hier), dass es mit Elterngeld und Kinderbetreuungsoffensivchen für viele nicht getan ist.

Wer wie GASCHKE auf die Kinderlosigkeit der westdeutschen Akademikerinnen fixiert ist, der blendet aus, dass in Deutschland im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern die kinderreiche Familie stark zurück gegangen ist. Nicht-Akademiker-Familien stellen immer noch die Mehrheit der Bevölkerung. Die Rolle der Männer bei der Entscheidung für Kinder wurde bis vor kurzem ganz vernachlässigt. Und nicht zuletzt hat die Glorifizierung des Singles den Blick darauf verstellt, dass der Alleinlebende eben nicht - wie Ulrich BECK mit Blick auf die vollmobile Single-Gesellschaft behauptet hat - der Prototyp der individualisierten Gesellschaft bzw. der Liebling der Unternehmen - ist.

GASCHKE, Susanne (2011): Entspann dich, Alter!
Deutschland wird dominiert von Menschen über 60. Ihnen geht es gut, sie haben Macht und beklagen sich trotzdem. Warum?
in: Die ZEIT Nr.15 v. 07.04.

Sechs Jahre hat sich Susanne GASCHKE von der Demografie-Front ferngehalten, nachdem ihre Lügen  über die Kinderlosigkeit der Karrierefrau nicht weiter haltbar waren. Bis zur Bundestagswahl 2005 vertrat GASCHKE zum einen, dass ihre Generation Golf zu einem Drittel kinderlos bleiben und sogar über 40 % der Akademikerinnen davon betroffen sein würden. Beides war zwar bereits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr haltbar, aber im Kampf um das Elterngeld - an der Seite von Renate SCHMIDT - war jede Lüge recht.
            
Jetzt steht GASCHKE vor dem Scherbenhaufen ihrer eigenen Demagogie, wenn man ihrem Artikel glauben will.
            
Im Jahr 2003 hat GASCHKE mitgeholfen, den Weg für einen goldenen Rentenabend der 68er-Generation frei zu machen. Kein Nachwuchs, keine Rente! fauchte GASCHKE damals ihre gebärfaule Generation an. Die 68er-Generation dankt ihr diesen Einsatz aber nicht:

"Meine Generation wird im Schnitt länger arbeiten müssen als bis zum 65. Lebensjahr. Die »Rente mit 67« betrifft uns, keinen einzigen Ruheständler von Heute. (...). Es hilft uns nicht, wenn ausgerechnet diejenigen über das Rentendilemma klagen, die gar keinen Nachteil erleiden."

Der Schachzug war fein ausgedacht: In einer großen Koalition mit den 68ern wollte die Elite der Generation Golf, die sich als Generation Berlin (Heinz BUDE) verstand, das Rentensystem kippen. Für die Nach-68er soll die Rente schrittweise auf eine Grundsicherung zurückgefahren werden. Um Altersarmut zu vermeiden, wird den Nach-68ern eine Verlängerung der Lebensarbeitzeit als einziger Ausweg angeboten.
            
Die Großoffensive zur Erhöhung des Rentenalters in Deutschland hat im letzten Jahr mit der Veröffentlichung des 6. Altenberichts begonnen. Am 7. März lieferte das Themenheft Demografischer Wandel der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte die Munition. Diese deutsche Kampagne ist eingebettet in eine europaweite Medienoffensive, wie eine OECD-Publikation zeigt. Jetzt eröffnet nun auch die ZEIT die Offensive. Der Artikel von GASCHKE schwört die Genossen auf die Marschrichtung ein. An der Seite von Franz MÜNTEFERING gilt es im ersten Anlauf die Rente mit 67 in der SPD salonfähig zu machen. Der VDK-Verband gilt als Lobbyverband der Rente mit 67-Gegner, dessen Kampagnenfähigkeit es zu beschneiden gilt. Eine wichtige Strategie ist das Schüren von Neid ("Vergnügungssucht und Kreuzfahrten auf Luxuslinern" der Älteren) und die Beschwörung der Rentnermacht:

"Unter den Jüngeren sind viele, die sich durch die Drohkulisse einer apokalyptischen Rentnermacht angesprochen fühlen",

doziert GASCHKE. MÜNTEFERING hat das bereits ausgetestet. Einen wissenschaftlichen Anstrich hat dieser These von der Altenmacht Harold WILKOSZEWSKI verpasst. In den nächsten Wochen dürfte die ZEIT nun die von GASCHKE aufgerufenen wohlhabenden Älteren zu Wort kommen lassen:

"Was läge näher, als wohlhabende Alte an dieser Kraftanstrengung stärker zu beteiligen, indem man große Vermögen höher besteuert? Diese Diskussion sollten die ziemlich gesunden, gebildeten und materiell gut ausgestatteten 70-Jährigen selbst anstoßen, laut und deutlich, und möglichst schnell."

Apropos Ältere. GASCHKE verwendet in ihrem Artikel den Begriff Ältere inkonsequent (d.h. interessengeleitet):

"Von wem sprechen wir eigentlich, wenn wir »Ältere« sagen? (...). Heute werden 70-jährige Pensionäre, die sich bester Gesundheit erfreuen, noch als »junge Alte« bezeichnet. Die sprachliche Grenze für die Zuschreibung »alt« liegt inzwischen jenseits der 75."

Wenn es um die Indienstnahme der Arbeitskraft geht, dann gelten GASCHKE unter 75-Jährige als "jung". Wenn es dagegen um die Altenlast geht, dann gelten bereits über 65-Jährige als alt:

"Im Jahr 2030 werden ungefähr 29 Prozent der Menschen älter als 65 Jahre sein, knapp 17 Prozent jünger als 20. Kinder auf der Straße werden ein Hingucker sein."

Bis 2030 sind es noch 19 Jahre. Wie viele Kinder es dann in Deutschland geben wird, ist demografisch gesehen mehr als ungewiss. Warum nur 17 % und nicht 34 %? Dann würde sich nicht mehr das Problem der Alten-, sondern der Kinderlast stellen. Schon immer waren unerwartete Nebenfolgen von Politiken das eigentliche Problem in Deutschland.
            
Aber mit diesen beiden Alters-Definitionen begnügt sich GASCHKE nicht, denn wenn es um die Altenmacht geht, dann sind die über-50-Jährigen das Problem:

"Schon in diesem Monat wird eine neue Regierungskommission zusammenkommen, die sich nicht der Kinder-, sondern allein der Altersarmut widmet.
Das ist, im Sinne der Interessenvertretung, legitim, aber es hat auch eine Komponente von Wahnwitz. (...).
Tatsächlich ist die Generation 50 plus die reichste Generation von Älteren, die es in Deutschland je gegeben hat."

Was lernen wir daraus? Die Älteren sind immer diejenigen, die der eigenen Problemdefinition genehm sind. Soll das Rentenalter erhöht werden, sind die Älteren 75 +, Soll die Altenlast demonstriert werden, kommen 65 + gerade recht. Und wird die Beschwörung der Gerontokratie angestrebt ist 50 + angesagt. Alter ist eben relativ!

GASCHKE, Susanne (2015): Wir Selbstverbesserer.
Wir haben alle Möglichkeiten, das Beste aus unserem Leben zu machen. In Beruf und Freizeit, in der Partnerschaft und Familie, bei Aussehen und Fitness. Aber mit dem Können kommt auch der Zwang, es zu schaffen. Verantwortlich für unser Glück sind nur wir selbst. Kann das gut gehen?
in:
Welt am Sonntag v. 15.03.

Die ehemalige ZEIT-Redakteurin und gescheiterte Politikerin Susanne GASCHKE ist nun wieder nahtlos ins Oberlehrerfach zurückgewechselt, diesmal jedoch bei der Welt. Mehr als Worthülsen und Altbekanntes aus dem medialen Satzbaukasten der neuen Mitte bietet GASCHKE nicht. Die Stichwortgeber von GASCHKE sind immer noch Heinz BUDE, Richard SENNETT und Arlie HOCHSCHILD.

"Es wäre nun ein Leichtes, all die Nutzenmaximierer, die Mehrfachpraktikanten, die Supernetzwerker, die späten Mütter mit geplantem Kaiserschnitt-Termin, die Helikoptereltern, die Fitness-Freaks, Apple-Watch-Träger, die sich selbst elektronisch bei Schrittzahl und Kalorienverbrauch überwachen, die Botox-Spritzer (dritter Platz hinter Brustvergrößerungen und Lidstraffung), die Fernbeziehungsopfer und Nutzer von Single-Apps fürs Handy zu denunzieren, die dieser Hürdenlauf hervorbringt. Viele von ihnen übertreiben es ganz gewiss; andere sind Opfer kommerzieller Angebote, die Probleme zu lösen vorgeben, die gar nicht existieren",

beschreibt GASCHKE das Spektrum an angeblichen Selbstoptimierern. Dass z.B. "Fernbeziehungsopfer" Selbstoptimierer sind, das wäre zu diskutieren, denn Fernbeziehungen sind nicht nur Ausdruck der Vereinbarkeit zweier Karrieren, sondern auch Konsequenz der Hartz-Gesellschaft, die GASCHKE schließlich als Meinungsführerin mitzuverantworten hat. Auch die Verachtung der späten Mütter durch die frühe Mutter GASCHKE lässt die Tatsache außer acht, dass eine Gesellschaft, die einerseits lange Unselbständigkeit erzwingt und gleichzeitig Selbstverantwortung predigt, nicht ganz unschuldig ist an diesem Phänomen.

Statt dieser Sonntagspredigt von der elitären Mitte-Kanzel, wäre wohl Selbstkritik an der eigenen ZEIT-Position angebrachter gewesen...

 
       
   

Susanne Gaschke im Gespräch

 
       
   

MISCHKE, Roland (2001): Die schlimmste Not ist die Einsamkeit.
Vielen Eltern sind Beruf und Freizeitvergnügen wichtiger als ihre Kinder: Wir stehen vor einer "Erziehungskatastrophe", klagt Journalistin Susanne Gaschke
in: Saarbrücker Zeitung v. 16.08.

Interview mit der Journalistin Susanne GASCHKE über ihr umstrittenes Buch:

"Frage: Sie behaupten, dass wir es mit einem makabren Wohlstandsphänomen zu tun haben, mit der 'anderen Armut', wie Schwedens Bestseller-Autor Henning Mankell sagt. Obwohl unsere Kinder wirkliche Not nicht kennen, stecken sie in vielen Nöten.
Gaschke: Die schlimmste Not ist die Einsamkeit, und zu viele Kinder erfahren sie. Zwar haben wir hierzulande eine recht gute Versorgungssituation. Für viele Kinder ist es im Kindergarten und in der Schule sogar besser als zu Hause. Aber die Gruppe kann eben nicht Mutter und Vater ersetzen. Kinder brauchen Erwachsenenaufmerksamkeit wie Luft zum Atmen."

Der österreichische Soziologe Leopold ROSENMAYR hat die von GASCHKE beklagte Vereinsamungstendenz als Singularisierung bezeichnet.

 
       
   

Die Erziehungskatastrophe (2001).
Kinder brauchen starke Eltern
Deutsche Verlagsanstalt (2003 als Taschenbuch bei Heyne erschienen)

 
   
     
 

Klappentext

"Kinder brauchen Erziehung. Immer weniger Eltern können und wollen erziehen. Schule oder Fernsehprogramme auch nicht. Niemand will mehr Verantwortung übernehmen, Vorbild sein, Orientierung geben. Dieses Buch warnt vor den Folgen, nennt Ursachen und zeigt Lösungen auf.
Kinder bekommen Versorgung anstatt Zuwendung, Kindergartenplatz anstatt ein Zuhause; Turboabitur anstatt Bildung; Spielzeug anstatt Liebe; Kumpel anstatt Vorbilder; Pokémon anstatt Erlebnisse, Fruchtzwerge anstatt einer Mahlzeit und sogar ein Parlament - aber eine Zukunft?
Mit ihrer alarmierenden und schonungslosen Bestandsaufnahme ruft Susanne Gaschke zur Umkehr auf und zeigt, wo die Politik und wo jeder einzelne gefordert ist, Kindern wieder das zu geben, was ihnen zusteht: eine Erziehung, die den Namen verdient. Denn unserer Gesellschaft ist die Fähigkeit und der Wille zur Erziehung abhanden gekommen.
Dieses Buch ist ein Warnschuß vor den Bug aller Technikapostel und Liberalitätsnostalgiker. Ein Buch für alle verunsicherten Eltern, erschöpften Erzieherinnen, frustrierten Lehrer, ausgelaugten Sozialpädagogen und die noch nicht entmutigten Zivilisationsverteidiger. "

 
     
 
       
   

Vorabdruck

GASCHKE, Susanne (2001): Jenseits von Bullerbü.
In Deutschland wird wieder über Erziehung debattiert: Was brauchen Kinder? Ein Minimum an Idylle. Sie bekommen Fernsehen, Freizeitparks und Fruchtzwerge,
in: Die ZEIT Nr.26 v. 21.06.

 
       
   

Rezensionen

BLUM, Mechthild (2001): In Bullerbü war die Welt noch in Ordnung.
Susanne Gaschkes Buch "Die Erziehungskatastrophe" bezichtigt Eltern, Schulen und Medien einer schlimmen Kindererziehung,
in: Badische Zeitung v. 09.08.

BLUM sieht die Zunahme der Ein-Eltern-Familien (Alleinerziehenden) - im Gegensatz zu Susanne GASCHKE - nicht als Konsequenz der Frauenbewegung, sondern als Folge der finanziellen Unabhängigkeit berufstätiger Frauen und damit des Wandels der Bildungs- und Arbeitsmarktstrukturen im Nachkriegsdeutschland. Zudem sind für BLUM viele der sogenannten "vollständigen Familien" aufgrund abwesender Väter de facto ebenfalls Ein-Eltern-Familien. BLUM fordert deshalb: "In einer individualisierten, pluralistischen Welt bedarf es individueller, pluralistischer Lösungen. Und eines flexiblen Staates, der sie möglich macht. Darauf lohnt es sich, einen genauen Blick zu werfen. Nicht in einem kurzen Prozess à la Gaschke, sondern in einem langen. Und zusammen mit und nicht gegen Eltern."

 
       
   

Das Buch in der Debatte

BUHR, Elke (2001): Apokalyptische Kaugummis.
Über deutsche Mütter, die Erziehungskatastrophe und den rhetorischen Kurzschluss,
in: Frankfurter Rundschau v. 14.07.

Elke BUHR kritisiert Susanne GASCHKE und ihr neues Buch Die Erziehungskatastrophe - Kinder brauchen starke Eltern. Wie dem Soziologen Alexander SCHULLER, der in der FAZ vom 03.07.2001 seine Sichtweise vom "Tod der Familie" präsentierte, geht es GASCHKE um eine undifferenzierte Kritik erzieherischer Praxis:

"Gaschke konstruiert das Zerrbild einer von linken Laissez-faire-Anhängern dominierten Gesellschaft - und macht mit dem Gestus absoluter Provokation auch die berufliche Gleichstellung der Frauen dafür verantwortlich, dass sich die Lebensbedingungen von Kindern verschlechtert hätten. 'Vereinbarkeit' von Beruf und Familie zu fordern, sei eine familienpolitische Selbsttäuschung: Das Wesen von Beruf und Familie sei es, zueinander in einem antagonistischen Verhältnis zu stehen, weil beide den ganzen Menschen forderten - und dieser Mensch, da argumentiert Gaschke ausnahmsweise realpolitisch, ist nun mal meist weiblich.
          
Damit redet Susanne Gaschke - voll berufstätig, ein Kind - genau der Ideologie von Mutterschaft das Wort, die Barbara Vinken - voll berufstätig, ein Kind - in ihrem Buch 'Die deutsche Mutter' (Piper Verlag) zu demontieren versucht. Wer sich daran macht, die Ursprünge bestimmter Ideologieformationen aus der aktuellen 'Erziehungsdebatte' à la Gaschke freizulegen, bekommt von Barbara Vinken das historische Material dazu."

LAU, Mariam (2001): Kinder machen alles falsch!
In Deutschland ist Familienpolitik wieder eine Arena der Glaubenskämpfe. Wer die Wiederkehr von Vollzeitmutter und restriktiver Erziehung fordert, übersieht die Realität
in: Welt v. 20.07.

Mariam LAU beschäftigt sich wie bereits Elke BUHR mit dem FAZ-Artikel von Alexander SCHULLER, dem neuesten Buch von Susanne GASCHKE und Barbara VINKENs Deutscher Mutter. Im Gegensatz zu BUHR berücksichtigt sie dabei bereits den Spiegel-Titel vom 16.07.2001 über das Comeback der Mutter. LAU kritisiert in erster Linie den Ton, mit dem die familienpolitischen und erzieherischen Glaubensbekenntnisse daher kommen. Erziehung muss nach LAU zwar Grenzen setzen, aber die Ursache sieht sie nicht im Laissez-faire antiautoritärer Erziehung, sondern in elterlicher Unsicherheit:

"Gerade weil die Familie für das Glücksempfinden der Leute so viel wichtiger geworden ist als früher, weil man um Gottes willen alles richtig machen will, scheut man vor Druck, Strenge, Restriktion zurück. Auch die zugegebenermaßen schmerzhaft hohen Scheidungsraten sind kein Gegenbeweis: Viele gehen auch auseinander, weil sie annehmen, die Zerrüttung könne den Kindern noch zusätzlich schaden. Das mag eine fromme Lüge sein und falsch noch obendrein, aber es ist nicht verwöhnte Gleichgültigkeit, die da spricht, sondern halt gemeines menschliches Unglück"

MOSER, Ulrike (2001): Unter Barbaren.
Wie sollen Kinder erzogen werden? Der Konsens darüber ist verloren gegangen. Eine konservative Pädagogik fordert die Rückkehr zu Strenge, Gehorsam und Pflichtbewusstsein,
in: Die Woche Nr.31 v. 03.08.

MOSER setzt sich mit Susanne GASCHKEs Erziehungskatastrophe und das vom Spiegel herbeigeschriebene Comeback der Vollzeitmutter (Nr. 29 v. 16.07.2001) auseinander. MOSER sieht zwar auch die Familie in der Krise:

"Weil sie keine Versorgungsinstitution und kein Bündnis für die Ewigkeit mehr ist. Und weil die Arbeitswelt funktioniert, als gäbe es keine Kinder."

Sie sieht jedoch keinen Grund, die Forderung nach besserer Vereinbarkeit von Beruf und Familie deswegen aufzugeben.

FREY, Ringo (2001): Renaissance der Knute,
in: Welt v. 04.08.

JANCSY, Irene (2001): Die Ratgeberkatastrophe.
Bücher über Erziehung gibt es wie Sand am Meer. Meist rückwärts gewandte. Gut, dass die meisten Eltern kaum Zeit haben, sie zu lesen,
in: Der Standard v. 13.08.

Irene JANCSY berichtet über die gegenwärtige Erziehungsdebatte: "Konjunktur haben Experten, die Strenge und Autorität einfordern. Sie rufen nach Disziplin und Tischmanieren - gerade so, als läge das Geheimnis geglückter Erziehung im Drill vergangener Epochen. Diesem Muster folgt auch jenes Buch, das die heurige Debatte ausgelöst hat: 'Die Erziehungskatastrophe' von Susanne Gaschke"

HUCKEBRINK, Martin (2001): Ohne Erziehung,
in: Westfalenpost v. 18.08.

Susanne GASCHKEs Buch ist die ideale Rechtfertigungslektüre für Schuldirektoren oder überforderte Lehrer:

"Bei der Erziehung ihrer Kinder versagen offenbar immer mehr Eltern. Fachleute sprechen von 'Wohlstandsverwahrlosung', vom Verlust 'urtümlichen Zuwendungsverhaltens'. Schäfermeier zitiert dazu den Titel des Buches, das die Autorin Susanne Gaschke gerade veröffentlicht hat: "Die Elternkatastrophe".

BERGMANN, Christine (2001): Erziehung.
Ja, Kinder brauchen starke Eltern,
in: FAZ.Net v. 21.08.

Die Online-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bringt eine Stellungnahme der Familienministerin zu Susanne GASCHKEs Thesen aus dem Buch Die Erziehungskatastrophe.

WALTER, Birgit (2001): Einengung der Kampfzone.
Kinder werden flächendeckend interniert, schreibt Susanne Gaschke. Eine Katastrophe,
in: Berliner Zeitung v. 03.09.

Birgit WALTER über das Buch: "Gaschke hat keinen Erziehungsratgeber geschrieben, sondern einen dreihundertseitigen Leitartikel."

DRIBBUSCH, Barbara (2001): Lernen statt surfen.
Zwei Bücher entdecken das Erziehungselend und restaurieren die Werte des Bildungsbürgertum,
in: TAZ
v. 10.10.

DRIBBUSCH kritisiert Susanne GASCHKEs Erziehungskatastrophe und den Erziehungsnotstand von Petra GERSTER & Christian NÜRNBERGER:

"Die Reformvorschläge mögen interessant sein, bedeutsamer ist, was die beiden Bücher aussparen: den Einfluss von Schicht und Klasse auf das vermeintliche Erziehungselend. Dabei entscheidet die jeweilige Aufstiegshoffnung der Eltern sehr wohl über die häuslichen Bildungsanstrengungen, die Kindern zuteil werden."

SICHTERMANN, Barbara (2001): Das Herz der Erziehung.
Brauchen Kinder Grenzen? Oder doch eher Leute, die ihnen helfen, Grenzen zu überwinden? Drei Bücher für besorgte Eltern,
in: Die ZEIT Nr.42 v. 11.10.

Barbara SICHTERMANN fragt, wie Erziehung im "Zeitalter der Individualisierung" aussehen sollte und ob die Ratgeber von Susanne GASCHKE und GERSTER/NÜRNBERGER hierbei hilfreich sind.

BUDEUS-BUDDE, Roswitha (2001): Die Ratlosigkeit der Ratgeber.
Ist Erziehung heute unmöglich geworden? Nein, es ist nur schwer, ein gutes Buch darüber zu schreiben,
in: Süddeutsche Zeitung v. 11.10.

 
       
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 15. Juli 2001
Stand: 02. Januar 2017