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Susanne Mischke: Fluchtpunkt Berlin

 
       
   
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    Susanne Mischke in ihrer eigenen Schreibe

     
       
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    Susanne Mischke: Porträts und Gespräche

     
       

    Neu:
    BRECHT-LEVY, Angelika (2002): Und Joschka pinkelt die Fieslinge an.
    Krimi-Autorin Susanne Mischke fand ihre Schauplätze in der Rhein-Main-Region,
    in: Frankfurter Rundschau v. 02.10.

     
           
       

    Stadtluft (1994)
    München: Piper Verlag

     
       
         
     

    Klappentext

    "Die junge Eva flieht vor der Langeweile in der Provinz nach Berlin-Kreuzberg. Sie möchte den Frust mit ihrem scheidungsunwilligen Lover vergessen und sich ins wahre, wilde Leben stürzen."

    Zitate

    Heiratsgrund im Berlin der 80er Jahre

    "Sabine verheiratet! Sie war doch erst einundzwanzig! Außerdem benahm sie sich ziemlich ledig. (...).
    Sie erklärte mir, daß der Grund für diese Untat irgendwie mit der Bundeswehr zusammenhing. Er hatte verweigert, und als Verheirateten, noch dazu in Berlin, konnten sie ihn nicht so leicht kassieren oder so ähnlich." (S.110)

    Eva und die Kinderfrage

    "Heike zeigte mir ihr Brautkleid. Weiße Spitze, recht elegant. Wir verbrachten einen harmonischen Abend zu dritt. Einigermaßen schockiert war ich, daß sich die Gespräche der beiden bereits um Kinder, jawohl, Plural, »Kinder!«, drehten, die sie sich alsbald zulegen wollten. Der Gedanke an Geburt und Säuglingsaufzucht hatte für mich etwas Bedrohliches. (...).
    Heike, der Inbegriff der Karrierefrau, die sie für mich immer gewesen war, sollte zum lebenden Brutkasten degradiert werden. Tragisches Opfer eines eitlen Vermehrungstriebes. Meine Welt geriet zusehens aus den Fugen. "(177f.)

    Eva und die ideale Liebesbeziehung

    "Liebe und Freundschaft zugleich, Harmonie des Geistes, Sex natürlich auch, aber jedem seinen Freiraum. Liebe und Freiheit, das war's." (187)

    Eva und die Kehrseite des Single-Daseins

    "Die Wochenenden zu überleben kann in meiner Situation eine knallharte Sache sein. Liebespaare und Familien laufen einem allenthalben über den Weg, bis man sich gar nicht mehr allein aus dem Haus wagt." (8)

    "Samstags holen meistens die Männer die Brötchen.
    Heikes Gegenwart bedeutete einen Aufschub von ein paar Stunden. Sie lauerten schon in den Zimmerecken, ich konnte sie genau spüren, die Dämonen des Selbstmitleids und der Verzweiflung.
    »Komm du nur allein nach Hause«, schienen sie zu flüstern. Sie würden früher oder später erbarmungslos über mich herfallen, das war klar." (51)

    "Die vergangenen zwei Wochen war ich so viel mit mir allein gewesen wie sonst in zwei Jahren nicht. Das war ungewohnt, manchmal fühlte ich mich wie ein entwurzelter Baum. Hier war ich plötzlich ein Nichts, ein Niemand, namenlos, ein Gesicht unter Millionen unbekannten Gesichtern auf den Straßen Berlins." (79)

    "Es tat gut, ihr ein bißchen was erzählen zu können. Der Gebührenzähler klickte erbarmungslos vor sich hin. Ich verabschiedete mich, nur wenige Einheiten von meinem endgültigen finanziellen Ruin entfernt.
    Nachdem ich aufgelegt hatte, erschien mir mein großes, gelbes Zimmer richtig trostlos und einsam." (89)

    "Ach ja, apropos Sex, da fiel mir ein, wo war denn eigentlich das echte, wilde Großstadtleben geblieben, dem ich nachgelaufen war? Ein paar lange Nächte in der Disco, das kann es doch nicht gewesen sein? Seitdem ich hier war, lebte ich solider als jeder buddhistische Mönch." (118)

    "Über Weihnachten fuhr ich zu meiner Familie. Meine Eltern wären sicher über die Maßen erzürnt gewesen, wenn ich mich nicht hätte blicken lassen. Und im geheimen freute ich mich sogar auf das Fest, es war trotz des vorhergehenden Rummels noch immer etwas Besonderes." (144)

    "Manchmal ertappte ich mich, wie ich intensiv die Kontaktanzeigen in der zitty und im tip studierte. Sogar die WW! Wenn ich an einem Fotoatelier vorbeikam, guckte ich mir die Bilder der Frischvermählten an. Alles höchst bedenkliche Alarmsignale". (189f)

    Das Single-Dasein im mittleren Lebensalter als Problem

    "Zu meiner Erleichterung gab es ein paar wenige Frauen im reifen Alter von Fünfundzwanzig und darüber, so kam ich mir nicht mehr gar so sehr vor wie die Sitzengebliebene in einem Erstkläßlerhaufen." (71)

    "Ein Spruch, »Männer sind wie Klos, entweder besetzt oder beschissen«, blieb mir im Gedächtnis haften. Ein Körnchen Wahrheit steckte da schon drin. Aber noch hatte ich die Hoffnung nicht ganz aufgegeben. Womöglich war ich nur gerade in einem ungünstigen Alter. Wenn ich ein paar Jährchen wartete, bis dahin wären bestimmt die ersten »Besetzten« schon wieder geschieden... Die Statistik gab mir immerhin recht, in Berlin wurde sogar jede zweite Ehe geschieden, das hatte ich neulich gelesen. Da mußte doch mal einer frei werden, der nicht gar so beschissen war! Also cool bleiben und abwarten, befahl ich mir aufmunternd". (80)

    "Ein Gedanke fing an mich zu quälen wie eine lästige Stechmücke, die einem ständig um die Ohren surrt: Und wer ist für mich da, wer versteht mich?
    Kein Schwein, antwortete ich mir selber. Meine beste Freundin heiratet, bald wird man kein vernünftiges Wort mehr mit ihr wechseln können, ich bin ganz allein auf der Welt.
    Was ist das überhaupt für ein Leben, das ich inzwischen führe? Gelegentliche one-night stands mit Typen, die mir nichts bedeuten, dubiose Aushilfsjobs, obwohl ich doch ein Studium habe (...). Ist das ein spannendes, sinnvolles Leben als Individualistin, wie ich es immer führen wollte? Was ist daran spannend? Und was ist individuell?
    (...)
    Gibt es denn nur noch Verheiratete, Chaoten oder Langweiler für mich?" (179f.)

    Freundschaften

    "Irgendwie hatten die Feministinnen in den Frauenbüchern schon recht, unter uns Frauen herrschte einfach viel zu wenig Solidarität. Hatte ich mich nicht selber auch so angepaßt verhalten oder womöglich noch schlimmer? Beschämt gestand ich mir ein, wie oft ich Max, Micha, Heike, wen auch immer, mit oberfaulen Ausreden abgespeist hatte. Reihenweise Verabredungen hatte ich kaltlächelnd platzen lassen, wenn mein Herr Liebhaber ganz überraschend Zeit für seine Mätresse erübrigen konnte.
    Warum bloß benehmen wir Frauen uns so bescheuert, fragte ich mich. Vernachlässigen die Männer etwa ihre Freund und Hobbys, wenn eine Frau in ihr Leben tritt? Nicht die Bohne! (...). Bloß wir sind blöd genug, alles sausenzulassen, damit wir dem Typen uneingeschränkt zur Verfügung stehen." (117)

    Coole Single-Sprüche

    "Wenn mir nach einer intelligenten Unterhaltung zumute ist, führe ich Selbstgespräche" (176)

    "Jetzt reichte es mir langsam.  »Hör mal, du kannst hier gerne warten, aber ich muß jetzt gehen. Hab ein wichtiges Date«. Das war glatt gelogen, aber notfalls würde ich mich lieber in der nächstbesten Eckkneipe herumdrücken, als hier noch länger den Mülleimer zu spielen." (226)

    Eva und die Konfrontation mit den Stereotypen des Single-Daseins

    "Mir fiel eine Zeile aus Rilkes »Herbsttag« ein, wir hatten das Gedicht in der Schule lernen müssen:

    Wer jetzt kein Haus hat baut sich keines mehr,
    wer jetzt allein ist wird es lange bleiben.

    Vielleicht ist der Herbst eine schlechte Zeit für einen Neubeginn, grübelte ich, aber wer kann sich das schon immer aussuchen?" (66)

    Eva und die Bindungsangst

    "War ich wirklich bindungsunfähig? Es sah fast danach aus. Jetzt, wo ich sie beide haben konnte, sah ich sie auf einmal ganz nüchtern. Schon war's aus mit dem Liebeszauber.
    Waren es diese Zukunftsaussichten wert, meine Selbständigkeit aufzugeben und ein Leben als dekadentes Luxusweibchen zu führen, abzudriften in das, was man als  »Mittelmäßigkeit« bezeichnete? Wollte ich so leben? Ich, die ich mich immer für etwas Besonderes gehalten hatte?" (245)

    Berlin liebt Dich

    "Ah, es war herrlich, wieder hier in Berlin zu sein. Die Luft roch nach Abenteuer, dazu diese rund um die Uhr belebten Straßen, die zahllosen Kneipen, die Leute in ihren abgefahrenen Klamotten, all das genoß ich jedesmal wie am ersten Tag. Wie hatte ich nur so lange in der Provinz leben können? Ich mußte endgültig raus aus der versnobten Kleinstadt, raus aus dem aufgeräumten Bayern mit seiner Geranien- und Jägerzaunromantik." (19)

    "Sobald etwas in meinem Leben schiefläuft, verschwinde ich. (...). Soll ich ewig so weitermachen? Ich habe Freunde gefunden, es gefällt mir doch hier, warum alles aufgeben? Weil ich momentan verzweifelt bin? Ich muß endlich aufhören wegzulaufen, sonst werde ich mein Leben lang vor etwas  weglaufen.
    Aufgebracht durchmaß ich immer wieder die Wohnung.
    Ich werde bleiben. Ich muß bleiben. Ich glaube, ich liebe Berlin, trotz alledem."

     
         
     
           
       
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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 06. Februar 2003
    Update: 30. Oktober 2013