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Dirk Kurbjuweit: Die Diktatur der Ökonomie

 
       
     
       
   
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Dirk Kurbjuweit in seiner eigenen Schreibe

 
   

KURBJUWEIT, Dirk (1996): Der Sozialstaat ist sein Geld wert.
Das System der öffentlichen Wohlfahrt, von vielen kritisiert, hilft nicht nur den Bedürftigen. Es entlastet auch jene, die es als Last empfinden,
in: Die ZEIT Nr.33

KURBJUWEIT, Dirk (2001): Generation Guido.
Sie verehren Captain Kirk und belächeln Che Guevara. Sie wollen cool sein, nicht moralisch. Sie glauben an sich selbst statt an Solidarität. Die 40-Jährigen lieben die Pose - und wüssten gern, was sie wirklich wollen,
in: Spiegel Nr.18 v. 30.04.

Dirk KURBJUWEIT (Jahrgang 1962) stilisiert seine Generation der um die 40Jährigen zur Generation Guido (WESTERWELLE; Jahrgang 1961) anhand weniger ausgewählter prominenter Vertreter wie Harald SCHMIDT (Jahrgang 1957), Walter WÜLLENWEBER (Jahrgang 1962), Matthias HARTMANN (Jahrgang 1963), Alexander Fest (Jahrgang 1960), Markus PEICHL (Jahrgang 1958) und Frank SCHIRRMACHER (Jahrgang 1959). Sein eher deprimierendes Resümee:

"»Wir sind eine Sandwich-Generation«, sagt Markus Peichl. Eingeklemmt zwischen starken Vorgängern und starken Nachfolgern, eine Generation des Übergangs.
Wenn Westerwelle nicht eines Tages Bundeskanzler wird, könnten er und seine Altersgenossen rasch vergessen sein. Einen deutschen Popstar um die 40 gibt es nicht. Einen deutschen Großschriftsteller um die 40 gibt es auch nicht. Man hat sich da ans Mittelmaß gehalten.

            Der einzige Star außerhalb des Sports, den sie hervorgebracht haben, heißt Harald Schmidt, erst ein Fernsehkind und jetzt ein Fernsehstar. Wie die anderen hat Schmidt einen Lebenslauf, der durch "'68" geprägt ist."

KURBJUWEIT, Dirk (2010): Der Wutbürger.
Stuttgart 21 und Sarrazin-Debatte: Warum die Deutschen so viel protestieren,
in: Spiegel Nr.41  v. 11.10.

Dirk KURBJUWEIT konstruiert aus zwei völlig verschiedenen Fällen den Typus des Wutbürgers, dem er Zukunftsvergessenheit bescheinigt. Beim Fall SARRAZIN ist dem Spiegel, der die Debatte an vorderster Front angeheizt hat, die Debattenhoheit entglitten. Deshalb muss jetzt der Typus des Publikumsbeschimpfers an die Front.

Spiegel-Titelgeschichte: Die Brandstifter

KURBJUWEIT, Dirk u.a.  (2011): Im Namen des Volkes.
Die "Bild"-Zeitung, Springers Boulevardblatt, eilte in der vergangenen Woche täglich dem wankenden Verteidigungsminister zu Hilfe, in dieser Form beispiellos. Die Zeitung teilt sich die Rolle eines deutschen Leitmediums zu, tatsächlich übernimmt sie immer wieder die Rolle einer rechtspopulistischen Partei, die im deutschen Politikbetrieb fehlt,
in:
Spiegel Nr.9 v. 28.02.

Das erfolgreiche, populistische Tandem-Leitmedium BILD & SPIEGEL wird vom Spiegel aufgekündigt, weil man die Debattenhoheit in Sachen "gediegene Mitte Deutschlands" von der Bild-Zeitung zurückerobern möchte:

"Ihre Chefs, allen voran Chefredakteur Kai Diekmann (...) wollen sich nicht länger damit zufrieden geben, in der deutschen Medienlandschaft die erfolgreichen Rabauken zu sein. Sie ziehen jetzt mit der Botschaft um die Häuser, die »Bild« sei nicht Außenseiter, sondern Mainstream. Nicht Schmuddelkind, sondern Musterschüler. Ihre Zeitung bediene nicht die Ränder, sondern markiere die gediegene Mitte Deutschlands"

Noch beim unkommentierten Vorabdruck zu Thilo SARRAZINs Bestseller Deutschland schafft sich ab, stießen Spiegel & Bild gemeinsam die öffentliche Debatte in Deutschland an. Dann aber verlor der Spiegel, und mit ihm die "Qualitätszeitungen" dieser Republik, die Kontrolle über diese Debatte. Empört kreierte daraufhin Dirk KURBJUWEIT, der nicht zufällig auch Mitautor dieses Titels ist, den Wutbürger, nachdem das Akademikermilieu in München den renommierten Soziologen Armin NASSEHI nicht zu Wort kommen ließ, sondern ausbuhte. Ein ganzes Jahrzehnt lang marschierten Bild & Spiegel in Sachen demografischer Wandel Seite an Seite. Den unsäglichen Höhepunkt bildete die Kampagne, mit der Frank SCHIRRMACHERs Pamphlet Minimum in die Bestsellerliste gehievt wurde. Eine dümmliche Spiegel-Titelgeschichte und dreiste Lügen in Sachen Geburtenrate prägten diese gemeinsame Spiegel-Bild-Kampagne. Der populistische Kurs der beiden Leitmedien ging so lange gut wie der Spiegel hoffen konnte, davon zu profitieren. Dies ist nun vorläufig vorbei. Ein bisschen Distinktion scheint dem Spiegel nun notwendig.

SPIEGEL-Titelgeschichte: Generation Merkel.
Unkritisch, ehrgeizig, unpolitisch? Die jungen Deutschen zwischen 18 und 30

Neu:
KURBJUWEIT, Dirk (2014): Kinder der Stille.
Für junge Deutsche ist Angela Merkel die Frau, die immer da war, die so vieles bestimmt. Wie prägt das diese Menschen? Was könnten sie mit ihren Erfahrungen aus Deutschland machen? Ein Porträt der "Generation Merkel",
in: Spiegel Nr.14
v. 10.11.

 
       
   

Der Wutbürger in der Debatte

 
   

MOORSTEDT, Tobias (2010): Zur Klage der Nation:
Siegeszug der Wut-Literatur: Populistische Sachbücher erreichen Millionenauflagen - denn das Nörgeln, Zetern und Protestieren ist das Gebot der Stunde,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.10.

MOORSTEDT definiert das populistische Sachbuch folgendermaßen:

"Text, der die Emotionen, Vorurteile und Ängste der Bevölkerung umsatzstark bedient".

Darunter fällt für MOORSTEDT der Ökonom Albrecht MÜLLER oder Thilo SARRAZIN, aber nicht Frank SCHIRRMACHER, der mit Das Methusalem-Komplott und Minimum eindeutig unter obige Definition fällt. Bestseller waren das allemal. Des Rätsels Lösung ist die Populismus-Definition, die sich MOORSTEDT aus dem "sachlichen Sachbuch" - sozusagen die qualitätsjournalistisch geadelte Form des Sachbuchs - Twenty-First Century Populism von Daniele ALBERTAZZI & Duncan McDONNEL klaut:

"Beim "Populismus (...) wendet sich das »brave Volk« gegen »Eliten und gefährliche 'Andere'«, die ihm »Rechte und Werte, Wohlstand, Identität und Stimme« rauben wollen. Das Alleinstellungsmerkmal dieser Bücher ist der Tabubruch".

Wer also wie Qualitätsjournalisten zu den Eliten gehört, der ist sozusagen fein raus, wenngleich es ansonsten um genau die gleiche Sache geht: "Emotionen, Vorurteile und Ängste der Bevölkerung umsatzstark zu bedienen". Ein weiteres Merkmal des populistischen Sachbuches ist:

"nicht das Ergebnis einer investigativen Recherche, stattdessen werden bereits bekannte Studien, Umfragen und Artikel gefiltert, re-arrangiert und mit dem kernigen Sound unterlegt, der das Genre ausmacht."

Dieses Merkmal trifft auf Frank SCHIRRMACHERs Bücher allesamt zu, da er ein Meister der Montagetechnik ist, aber sich niemals die Hände mit investigativem Journalismus schmutzig machen würde. Was ihn jedoch unterscheidet: er ist nicht Repräsentant des kleinen Mannes oder der schweigenden Mehrheit, sondern schreibt für die Besitzstandwahrer der gebildeten Stände, die nicht schweigen, sondern Vorträge halten und schreiben. An einem weiteren Merkmal schrammt Frank SCHIRRMACHER nur knapp vorbei:

"Die Autoren dieser Bücher sind meist ältere silberhaarige Männer zwischen 55 und 70 Jahren, gebildet, erfolgreich und besorgt".

Am Schluss verbrüdert sich MOORSTEDT noch mit Dirk KURBJUWEIT, indem er die Schreiber von populistischen Sachbüchern zu den "Wutbürgern" zählt.
            Jammerjournalisten wie MOORSTEDT und ihr Objekt populistisches Sachbuch eint jedoch mehr als sie trennt: Jammern als einträgliches Geschäft.

SLOTERDIJK, Peter (2010): Der verletzte Stolz.
Über die Ausschaltung der Bürger in Demokratien,
in: Spiegel Nr.45 v. 08.11.

"Bemerkenswerterweise war ein wichtiger Teil der manchmal seriösen Presse bereit, sich in die bedrängte politische Klasse einzufühlen: »Wutbürger« nannte man jüngst die neuen Protestierer - was eine kluge Prägung gewesen wäre, hätte sie die Erinnerung an den ursprünglichen Zusammenhang von Empörung und Republik beschworen. Leider diente sie im aktuellen Gebrauch nur dazu, die lästigen Dissidenzfliegen zu verscheuchen. Man sieht jedenfalls: Manche Journalisten wissen, wie sie das Ihre zum Werk der Bürgerausschaltung beitragen können",

kritisiert der stolze Bürger Peter SLOTERDIJK und verteidigt neben Thilo SARRAZINs Thesen auch die Demokratie gegen die Sympathisanten einer Postdemokratie.

LINTZEL, Aram (2010): Wütende Bürger.
Hyperaktivität, Müdigkeit, Kollektivsubjekt,
in: TAZ v. 09.11.

CHARIM, Isolde (2010): Auf dem Terrain des Ressentiments.
Politik und Emotion (2): Letzte Woche sind gleich an zwei prominenten Stellen Texte über Politik und Emotion erschienen. Das bringt mich dazu, eine alte Zeitungstradition wiederaufzunehmen: den Fortsetzungsroman - hier nun als die Fortsetzungskolumne,
in: TAZ v. 23.11.

KALBERER, Guido (2010): Vom Weltbürger zum Wutbürger.
Ein neuer Begriff macht die Runde: Der Wutbürger. Was hat es damit auf sich? Betrachtungen zur Stimmungslage der Bürger in unserer beschleunigten Gesellschaft,
in: Basler Zeitung Online v. 27.11.

SOBOCZYNSKI, Adam (2010): Wir Antidemokraten.
Protestbücher: Der Wutbürger ist nicht konservativ, er ist reaktionär,
in: Die ZEIT Nr.49 v. 02.12.

Seit dem Spiegel-Artikel von Dirk KURBJUWEIT im Oktober ist viel vom Wutbürger die Rede. Der Wutbürger ist jedoch keine neue Erscheinung, sondern datiert auf den 19.11.2002. Damals rief Arnulf BARING die Bürger auf die Barrikaden. Es wurde jedoch nicht vom Wutbürger gesprochen, denn der Aufstand spielte sich in erster Linie in den Feuilletons ab. Konservative Revolution war die Etikette, die diesem alten Wutbürgertum angeklebt wurde. Die FAS versuchte damals vergeblich den Aufstand der Pensionäre auf die Straßen zu bringen. Dies war aber die Blaupause für die aktuellen Wohlstandskonflikte, wie sie sich z.B. in der Debatte um Thilo SARRAZINs Buch entzündeten.
            Mit dem Begriff Wutbürger werden dagegen völlig verschiedene Sachverhalte vermischt, um jede abweichende Meinung zum herrschenden Elitenkonsens der Mainstreampresse generell abzuwerten. Zuletzt haben Georg DIEZ im Spiegel und Tobias MOORSTEDT in der SZ die Literatur des Wutbürgers undifferenziert betrachtet, während Aram LINTZEL in der taz die Normativität dieser Sichtweisen kritisierte.

Gesellschaft für deutsche Sprache (2010): "Wutbürger" zum Wort des Jahres 2010 gewählt,
in: gfds.de v. 17.10.

MÜLLER-ULRICH, Burkhard (2010): "Wutbürger".
Das Wort des Jahres 2010,
in: DeutschlandRadio v. 17.12.

TAZ (2010): Leistung lohnt nicht,
in: TAZ v. 18.12.

Die taz reklamiert den Begriff "Wutbürger" für seinen Autor Benno SCHIRRMEISTER, der ihn bereits 2008 für die Mitglieder einer rechten Wählervereinigung verwendet hatte. Die Welt hält dagegen Dirk KURBJUWEIT für den Erfinder des Wortes. Der jedoch hat den Begriff nur verallgemeinert auf gerade aktuelle Proteste, was zur Popularisierung geführt hat. Im DeutschlandRadio spricht Burkhard MÜLLER-ULRICH dem Begriff die bisherige Popularität ab. Verschafft also die Gesellschaft für deutsche Sprache dem Begriff nun erst jene öffentliche Popularität, die sie nur behauptet?

HEINE, Matthias (2010): Der große Unbekannte.
"Wutbürger ist das "Wort des Jahres" - aber was meint das überhaupt?
in: Welt v. 18.12.

SCHULTE, Bettina (2010): Mutbürger statt Wutbürger.
Das "Wort des Jahres" ist eine unglückliche Wahl,
in: Badische Zeitung v. 18.12.

SCHLÜTER, Christian (2010): Das letzte Aufgebot.
Wort des Jahres 2010: Der moderne Kleinbürger heißt jetzt "Wutbürger" und probt wieder einmal den Aufstand. Doch es hilft nichts: Diesmal geht es ihm an den Kragen,
in: Frankfurter Rundschau v. 22.12.

 
       
   

Unser effizientes Leben (2003).
Die Diktatur der Ökonomie und ihre Folgen
Reinbek:
Rowohlt

 
   
     
 

Pressestimmen

"Kurbjuweit nennt (...) Menschen, die das Leben als Verhältnis von Kosten und Nutzen sehen, »McKinsey-Menschen«. Eigentlich wollte er das Buch »Die McKinsey-Gesellschaft« nennen, aber das hat ihm McKinsey juristisch verwehrt.
McKinsey ist die einflussreichste Unternehmensberatung der Welt. Eine Ansammlung meist junger Männer und Frauen, teuer und dunkel gekleidet und trainiert, auf jede Antwort mit denselben Fragen zu reagieren: Rentiert sich das? Lohnt sich das? Solche Fixierung auf Gewinn und Verlust ist es, die den Kapitalismus aufquellen lässt. Deshalb nutzt Kurbjuweit die Firma McKinsey als Metapher für die Ökonomisierung der Gesellschaft."
(Wolfgang Uchatius in der Zeit vom 10. 07.2003)

 
     
 
       
     
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 29.Juli 2003
Stand: 25. Januar 2015