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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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News 10.- 12. März 2016
News 01.- 09. März 2016
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News 01.-08. August 2015
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 01. - 03. April 2016

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Der Geburtenrückgang in Deutschland wurde in erster Linie durch den Rückgang von Frauen mit drei und mehr Kindern verursacht

"Deutschland ist durch die Kombination aus hoher Kinderlosigkeit und einem geringen Anteil Kinderreicher charakterisiert. Der Effekt des Rückgangs kinderreicher Familien kann jedoch mit 66,6 % den Großteil des Geburtenrückgangs in der Bundesrepublik Deutschland erklären (Bujard/Sulak 2015). Zeitlich unterscheiden sich die Effekte: Während in der Anfangsphase der Rückgang der kinderreichen Familien fast alleine den Geburtenrückgang ausgelöst hat, war später, beim Vergleich der Kohorten von 1950 bis 1970, die Kinderlosigkeit der dominierende Faktor".
(Martin Bujard & Detlev Lück "Kinderlosigkeit und Kinderreichtum", 2015, S.41)

 
       
       
   

WAGNER, Gert G. (2016): Die Mär von der bröckelnden Mittelschicht.
Immer mehr Menschen werden in prekäre Arbeitsverhältnisse gedrängt, heißt es. Das Horrorszenario hat nur einen Haken: Die Statistik gibt das schlicht nicht her,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 03.04.

 
       
   

FAS (2016): Das Wörterbuch der neuesten Rechten.
Es ist etwas in Bewegung geraten in der deutschen Diskurslandschaft. Begriffe laden sich neu auf, Bedeutungen verschieben sich, aus harmlosen Wörtern werden Kampfbegriffe. Das Bedürfnis nach klaren Abgrenzungen führt zu verstärkten Einsätzen in der semantischen Kampfzone. Wenn Publizisten und Politiker im rechten Milieu und an dessen Rändern Begriff umcodieren, ist das kein akademisches Sprachspiel. Es geht dabei um Deutungshoheit. Wir haben deshalb Begriffe gesammelt, die im rechten Diskurs eine prominente Rolle spielen. Einige haben klaren Signalcharakter, manche wirken unverfänglich, andere wieder schillern vieldeutig. Nicht jeder, der einen dieser Begriffe verwendet, ist automatisch "rechts". Es ist sehr viel komplizierter. Und genau das sorgt für Verwirrung. Ein Klärungsversuch,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 03.04.

 
   
WELT AM SONNTAG-Titelgeschichte: Warum Perfektion die Beziehung ruiniert.
Alle sehnen sich nach einer stabilen Partnerschaft. Doch immer weniger Menschen gelingt das. Schuld ist der fatale Trend zur Selbstoptimierung

JIMENÉZ, Fanny (2016): Bedingt beziehungsfähig.
Eine ganze Generation sehnt sich heute nach einer engen, stabilen Bindung. Aber den meisten fällt es schwer sich auf einen Partner einzulassen. Denn der muss das eigene Ich beflügeln, zunehmend perfekt sein und ins Lebenskonzept passen. Ist die Liebe noch zu retten?
in:
Welt am Sonntag v. 03.04.

 
       
   

BREYTON, Ricarda (2016): Heim ins Hotel.
Fast jeder zweite junge Deutsche über 18 lebt noch bei den Eltern. Manche, die auszogen, kehren sogar wieder zurück. Das hat praktische Gründe,
in:
Welt am Sonntag v. 03.04.

Statistik ist Glückssache - zumindest, jene die uns die selbsternannten Qualitätszeitungen liefern. Aus "Jeder zweite 23-jährige Mann wohnt noch bei den Eltern", so die Schlagzeile der Pressemeldung des Statistischen Bundesamtes wird bei der WamS: "Fast jeder zweite junge Deutsche über 18 lebt noch bei den Eltern" oder:

"Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, lebten 2014 rund 42 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren im Elternhaus."

Die Statistik will partout nicht zur Recherche eines Journalisten passen? Kein Problem! Dann wird eben die Statistik falsch dargestellt! Man spricht eben von "jungen Menschen" statt von Männern/Frauen.

Ricarda BREYTON porträtiert 3 weibliche Nesthocker: Laura (26), Mona (22) und Madeleine (25). Dumm nur, dass zwar mit 23 Jahren noch 52 % der Männer Nesthocker sind, während es bei den Frauen nur 35 % sind. Mit 30 Jahren sind es sogar mehr als doppelt so viele Männer als Frauen, die bei den Eltern wohnen.

BREYTON will die Nesthocker rehabilitieren. Dumm nur, dass diese gar nicht repräsentativ sind.

Mehr als das Stereotyp des unselbständigen Nesthockers ein wenig zu relativieren, weil es durchaus gute Gründe gibt für einen kurzzeitigen Zwischenstopp im Elternhaus (im Gegensatz zum Langzeit-Nesthocker), kann der Artikel nicht erreichen.

Statistiken wie der Mikrozensus, auf dem die Pressemeldung des Statistischen Bundesamtes basiert, liefern sowieso keine Daten über die Dauer der Nesthockerphase, weshalb der Bezug auf die Pressemeldung ohne Hinweis auf diese Limitierung der Statistik nicht gerade für die Qualität des Artikels spricht. Die Pressemeldung dient also lediglich als Aufhänger für eine magere Story und nicht dem besseren Verständnis der Statistik und der Einordnung des Nesthockertums.

 
       
   

GERSEMANN, Olaf & Martin GREIVE (2016): "Ich muss entschieden widersprechen".
Mit seiner These vom Ende des "Wohlstands für alle" hat DIW-Chef Marcel Fratzscher eine Debatte über Ungleichheit in Deutschland entfacht. Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, hält dagegen,
in:
Welt am Sonntag v. 03.04.

Auch bei der Welt ist Marcel FRATZSCHER nicht der Lieblingsökonom! Auf zwei Seiten wird ein zum "Kampf der Titanen" stilisiertes Geplänkel präsentiert.

Am Ende fragt man sich höchstens: Wodurch unterschieden sich eigentlich die Positionen der beiden Ökonomen? Man könnte es folgendermaßen formulieren: Während Clemens FUEST - und darin tritt er in die Fußstapfen seines Vorgänger Hans-Werner SINN - die Veränderung der Sozialstruktur für die nur anscheinend größere Ungleichheit verantwortlich macht, geht FRATZSCHER von einer größeren Ungleichheit aus.

Für FUEST ist die gestiegene Ungleichheit lediglich eine Fehlinterpretation. Oder anders gesagt: Wäre z.B. in Deutschland der Anteil der Einpersonenhaushalte gleich geblieben, dann wäre auch die Ungleichheit gleich geblieben. Das kann man dann auch mit Alleinerziehenden und Rentnern durchexerzieren. FRATZSCHER dagegen führt die Ungleichheit auf Faktoren jenseits der sozialstrukturellen Veränderungen zurück, z.B. Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau oder Steuern wie das Ehegattensplitting.

Der Titel des Buches von Marcel FRATZSCHER Verteilungskampf könnte zur Fehlannahme führen, dass FRATZSCHER mehr Umverteilung fordert. Dies ist falsch, oder wie es FRATZSCHER formuliert:

"Wir brauchen nicht mehr Staat und mehr Steuern, sondern mehr Chancen und mehr Marktwirtschaft und Wettbewerb".

Ist das Buch also ein Etikettenschwindel, der Versuch den angeblich linken Zeitgeist zu vereinnahmen? Oder ist das Interview lediglich eine Anbiederung an die wirtschaftsliberale Welt-Leserschaft? Da hilft nur eines: Das Buch selber lesen!

 
       
   

GASCHKE, Susanne (2016): Schöne neue Zukunft.
Längst werten Forscher Romane aus, wenn sie wissen wollen, was auf uns zukommt. Die Prognosen fallen eher düster aus,
in:
Welt am Sonntag v. 03.04.

Angst ist das Treibmittel des flexiblen Kapitalismus. In diesem Sinne ist der Artikel von Susanne GASCHKE konsequent, denn er schreibt die bekannten Angstszenarien in die Zukunft weiter (neudeutsch: Dystopien). Nachdem sich die Empirie für Prognosen untauglich erwiesen hat, wird nun das Heil von den Schriftstellern erwartet. Dieses Umdenken hat seit Anfang des Jahrtausends mit Michel HOUELLEBECQs Romanen Ausweitung der Kampfzone und Elementarteilchen begonnen. Während es damals noch um Gegenwartsdiagnosen ging, soll uns nun sogar die Zukunft von Schriftstellern weisgesagt werden. Science-Fiction soll nun retten, wobei die Wissenschaft versagt hat.

Aber warum sind Dystopien und nicht Utopien gefragt? Hat das nicht viel mehr mit unserem gegenwärtigen Zeitgeist zu tun? GASCHKE unterscheidet vier thematische Cluster, denen die Dystopien fröhnen: digitale Zukunft, Pathologien des Kapitalismus, ökologische und sonstige Endzeitszenarien, Zerfall des Westens im Kampf der Kulturen. Dazu werden eine Reihe von Romanen vorgestellt.

In 50 Jahren wird man wohl kaum mehr einen dieser vorgestellten Romane kennen. Von den vielen Fehleinschätzungen bleiben im Rückblick  nur diejenigen übrig, in die man so etwas wie Hellsicht hineinprojizieren kann. Bekannt sind z.B. 1984 von George ORWELL oder Schöne neue Welt von Aldous HOUXLEY. Letzterer dient insbesondere, wenn es um die Reproduktionsmedizin geht, der Abwehr von Neuerungen.

Die Beschäftigung mit Science-Fiction hat also einen anderen Grund als die Prognose von Zukunft. Darauf weist z.B. das Interesse der Industrie an Science-Fiction hin, die ihre neuen Produkte so vermarkten möchte, dass ihnen gerade kursierende Dystopien nicht den Markt verderben. Produkte, die Angst machen, dürften kaum Absatzchancen haben.

Wenn der Zeitgeist auf Dystopien setzt, dann liegt die Zukunft in Utopien! Überlassen wir die Vorbereitung auf eine Endzeit den Preppern. Wir hatten in den 1970er, 1980er und 1990er Jahren bereits so viele Endzeitprophezeiungen überstanden, dass wir immun sind gegen simple Fortschreibungen von Ängsten. Inzwischen gibt es so viele Angebote an zukünftigen Ausnahmezuständen, dass eine Vorbereitung darauf schon wieder sinnlos ist. Wir sollten uns dagegen Gedanken machen, wie wir die Gegenwart gestalten wollen. Angst ist der schlechteste Ratgeber!

 
       
   

KELLER, Maren (2016): #Superbraut.
Beziehungen: Während die Ehe immer unwichtiger wird, werden die Hochzeiten immer aufwendiger. Die Verlobten überlassen, 500 Tage vor der Trauung, nichts dem Zufall,
in:
Der Spiegel Nr.14 v. 02.04.

 
       
   

BYLOW, Christina (2016): Is' was, Mutter?
Von Glück ist nur noch selten die Rede, wenn es um Kinder geht. Dafür um so mehr von den Lasten und Härten des Mutterseins. Ein kritischer Blick auf die neue Wut der Frauen,
in:
Berliner Zeitung v. 02.04.

Christina BYLOW kommt über einen mutterverachtenden Cabriolet-Fahrer, eine Prenzlauer Berg-Mutter, die nicht dort stillen durfte wo sie wollte zu gegensätzlichen Mutterbildern und den dazugehörigen Büchern. Ausgiebig würdigt sie das Buch Die Abschaffung der Mutter von Alina BRONSKY & Denise WILK. Sie stimmt ihnen bei der Diagnose einer Entmündigung und Marginalisierung der Mütter zu, sieht einen Wandel des Mutterbildes zwischen ihrer eigenen Generation und der jüngeren Generation:

"Als ich Mutter wurde, im Jahr 1999, gab es kein Elterngeld als Nahezu-Lohnersatz, kein Elterngeld plus (...), keinen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für unter dreijährige Kinder (...). Damals gab es keinen Beschäftigungsboom. Der Arbeitsmarkt brauchte und wollte die Mütter nicht, jedenfalls nicht in Vollzeit-Jobs. Heute sind sie gefragt. Aber ich glaube sie wollen nicht."

Beim Blick auf die Familienpolitik ergibt sich jedoch ein Dissens:

"Bündnisse entstehen so nicht, stattdessen werden falsche Feindbilder aufgebaut, die eine pragmatische Zusammenarbeit über ideologische Grenzen hinweg verhindern."

BYLOW beklagt den Rückzug der jungen Frauen aus der Arbeitswelt und die Ausblendung der wirtschaftlichen Abhängigkeit, die damit verbunden ist. Insbesondere die Ignoranz gegenüber den Problemen der Alleinerziehenden beklagt BYLOW, die dazu mehrere Bücher geschrieben hat:

"Die Vereinbarkeitsprobleme in Doppelverdiener-Haushalten sind verglichen mit denen Alleinerziehender sicher überschaubar",

wendet BYLOW mit Blick auf die "Rushhour-Eltern" der Mittelschicht, deren Probleme im Buch Die Alles-ist-möglich-Lüge von GARSOFFKY & SEMBACH beschrieben werden.

Die deutschen Bücher zu bereuenden Müttern ignoriert BYLOW ganz und arbeitet sich stattdessen an dem Buch der israelischen Soziologin Orna DONATH ab. Dies Art der Kritik konnte man bereits in der FAZ lesen:

"Gerade einmal 23 israelische Mütter hat sie befragt, eine schmale Basis für eine »Studie«, wie sie ihre Arbeit nennt",

giftet BYLOW. Dabei sind im Bereich der qualitativen Sozialforschung Interviews mit 23 Befragten oder sogar weniger durchaus üblich, gerade dann wenn es um explorative Forschungen handelt, d.h. Studien, die Neuland betreten, was für bereuende Mütter sicher zutrifft.

"Kinder sind im Zeitalter der Verhütung Folgen einer Entscheidung. Es ist meist ein schlechter, ganz und gar banaler Grund: Konformismus."

meint BYLOW. Gerade ist ein Artikel von Thorsten SCHNEIDER über Geburten aus geplanten und ungeplanten Schwangerschaften in der renommierten Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie erschienen. Offenbar ist unser Wissen über die Planung bzw. Nicht-Planung von Schwangerschaften mangelhaft. Konformismus als Ursache falscher Entscheidungen zu unterstellen, macht es sich jedenfalls entschieden zu einfach, zumal BYLOW lediglich die israelische und nicht auch die deutsche Situation betrachtet. BYLOW scheint zudem davon auszugehen, dass die Entscheidung für ein Kind allein von der Mutter getroffen wird, denn sonst müsste sie berücksichtigen, dass es auch Dissens zwischen werdender Mutter und werdendem Vater geben kann. Das wird jedoch weggewischt, denn BYLOW ist die ganze Debatte suspekt. Nicht die Frage der Familiengründung und deren Umstände interessieren BYLOW, sondern nur die Bedingungen der Mutterschaft ab der Schwangerschaft.       

 
       
   

PRANTL, Heribert (2016): Der gordische Knoten.
Die politischen Parteien in Deutschland müssen gerade lernen, einen neuen Umgang miteinander zu finden, um überhaupt noch mehrheitsfähig zu sein. Ein Hoch auf den Kompromiss,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 02.04.

Konsens galt den Eliten bislang als Schimpfwort und Distinktionsmerkmal auf Basis der Massenverachtung. Nun wird Konsens zumindest als Elitenkompromiss wieder gesellschaftsfähig. Bewirkt hat das der Aufstieg einer neuen Elite. Heißt das, dass nun mehr Demokratie gewagt wird oder werden dadurch eher postdemokratische Tendenzen gestärkt?

"Wer vom Überfluss abgeben soll, kann sich Kompromisse besser leisten als derjenige, der vom Mangel noch abgeben soll. Dass das nicht beachtet wurde, ist das Odium, das der Agenda 2010 des Kanzlers Gerhard Schröder bis heute anhängt und der SPD bis heute nachhängt",

meint Heribert PRANTL und stellt dann 5 abstrakte Regeln für einen guten Kompromiss auf.

 
       
   

HAUSER, Jan (2016): Ist Ungleichheit unverzichtbar?
Der DDR-Forscher Klaus Schroeder beklagt die Stoßrichtung der Debatte über die Ungleichheit. Ihm fehlen wichtige Punkte,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.04.

Jan HAUSER verteidigt mit Klaus SCHROEDER (der plagt sich mit seinen unwissenden Studenten genauso herum wie die FAZ mit ihren unwissenden Lesern) die soziale Ungleichheit. Dabei dient HAUSER das Buch Verteilungskampf von Marcel FRATZSCHER lediglich als Aufhänger um die bekannten FAZ-Kritikpunkte ein weiteres Mal präsentieren zu können - diesmal als SCHROEDER-Zitate.

Die gefühlte Übermacht der Unwissenden ist immens hoch, nimmt man die Anzahl der Artikel zum Thema Ungleichheit, die von der FAZ bereits weit im Vorfeld der Buchveröffentlichung von FRATZSCHER lanciert wurden und nun immer noch veröffentlicht werden. Für die FAZ ist es ein Ärgernis, dass FRATZSCHER mit "linken Themen" punkten kann und nach dem Abgang des Ifo-Chefs Hans-Werner SINN nun der Wettkampf um die Nachfolge entbrannt ist. FRATZSCHER jedenfalls ist nicht der Liebling des FAZ/S-Wirtschaftsteils.    

 
       
   

GESTERKAMP, Thomas (2016): Betreuung rund um die Uhr.
24-Stunden-Kitas gibt es nicht nur im Osten. Die Politik lobt die Idee als Angebot für Schichtarbeiter und Alleinerziehende, doch es gibt auch Bedenken und Kritik,
in:
Neues Deutschland v. 02.04.

Angesichts des vom Familienministerium geplanten "Kita-Plus"-Programm mit dem bis 2018 der Ausbau der Kinderbetreuung in den Randzeiten vorangetrieben werden soll, stellt sich die Frage, ob sich die Eltern nach den familienfeindlichen Arbeitszeitangeboten der Arbeitgeber richten sollen oder ob nicht die Begrenzung der familienfeindlichen Arbeitszeiten auf das unbedingt Notwendige die bessere Variante der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist.

Thomas GESTERKAMP berichtet von Beispielen der Rundumbetreuung in der strukturschwachen brandenburgischen Industriestadt Schwedt und einem Vorort von Hamburg sowie von einem Streit um den Ausbau der Betreuung im ostdeutschen Rostock.

 
       
   

GENNBURG, Katalin & Jonathan DIESSELHORST (2016): Das Recht auf die Stadt.
Der Widerstand gegen eine Bebauung des Tempelhofer Feldes in Berlin ist der Versuch, Städtebau- und Wohnungspolitik wieder zu vergesellschaften,
in:
Neues Deutschland v. 02.04.

 
       
   

MÜNKLER, Herfried (2016): Freiwilliger Knecht.
Wenn sich das Wahlvolk abgehängt fühlt: Die Demokratie und die Sehnsucht nach starker Führung,
in:
Tagesspiegel v. 02.04.

Herfried MÜNKLER macht zuerst einen ideengeschichtlichen Ausflug in die Demokratietheorie, um dann die bürgerliche Zivilgesellschaft gegen die Anspruchsbürger des Sozialstaats auszuspielen. Die tugendhaften Tagesspiegel-Leser dürfen sich geschmeichelt fühlen und in ihrer Abgrenzung gegenüber den Pegida-Anhängern gestärkt fühlen. Ein typischer Wohlfühlartikel also für diejenigen, die sich als neue Bürgerlichkeit begreifen.

 
       
   

GRÄBER, Berrit (2016): Ganz unromantisch.
Die Hochzeitssaison läuft auf Hochtouren. Brautpaare sollten aber nicht nur die Feier bis ins Detail planen. Auch der Alltag gehört gut vorbereitet - sonst geht Geld verloren,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.04.

 
       
   

SZ-Tagesthema: Bezahlbarer Wohnraum wird knapp.
Weil in den vergangenen Jahren kaum noch Sozialwohnungen gebaut wurden, rutschen viele Menschen in die Obdachlosigkeit ab. Die Lage wird sich noch verschärfen, warnen Experten. Architekten suchen nach Möglichkeiten, mit einfachen Mitteln neue Unterkünfte zu schaffen. Doch da sind noch die deutschen Vorschriften

KASTNER, Bernd (2016): Auf engstem Raum.
Bei der Suche nach Unterkünften treffen Flüchtlinge und Obdachlose aufeinander. Der Platz wird knapp,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.04.

BAUCHMÜLLER, M. & B. MÜLLER (2016): Über den Dächern.
Wie bestehende Häuser aufgestockt werden könnten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.04.

 
       
   

BIGALKE, Silke (2016): Die Wohnung kündigen? Nie im Leben!
SZ-Serie Auf Wohnungssuche - Stockholm (16): Wer in Stockholm einmal eine Unterkunft gefunden hat, gibt sie nicht mehr her. Ist sie zu klein geworden, wird getauscht - der Handel mit Mietverträgen boomt. Einen normalen Mietmarkt gibt es nicht, was bleibt, ist der Kauf von Immobilien. Aber auch das läuft anders als in anderen europäischen Städten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.04.

 
       
   

Alina Bronsky & Denise Wilk - Die Abschaffung der Mutter

TEUTSCH, Katharina (2016): Keine Spur mehr von Natürlichkeit.
Im Fahrwasser von Dämonisierungen: Alina Bronsky und Denise Wilk sehen deutsche Mütter von allen Seiten bedroht,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.04.

 
   

HEBEL, Stephan (2016): AfD plant Partnervermittlung.
Vorstoß der "Jungen Alternative". "Ausbau des deutschen Volkes",
in:
Frankfurter Rundschau v. 01.04.

 
   
SOZIALE SICHERHEIT-Titelthema: Riester-Rente gescheitert.
Abriss oder Sanierung?

NAKIELSKI, Hans (2016): Riester-Rente im Mittelpunkt der neu entflammten Rentendebatte,
in:
Soziale Sicherheit, Heft 4

KURTH, Markus (2016): Zur Zukunft der privaten Altersvorsorge und zum Vorschlag der Grünen.
Riester-Rente und Legitimationsprobleme des Drei-Säulen-Modells,
in:
Soziale Sicherheit, Heft 4

BÄCKER, Gerhard (2016): Runderneuerung der Riester-Rente.
Mehr von der falschen Medizin?
in:
Soziale Sicherheit, Heft 4

SOSI (2016): Fünf Fragen zur Zukunft der Riester-Rente an DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach,
in:
Soziale Sicherheit, Heft 4

FLASSBECK, Heiner (2016): Eine "kapitalgedeckte" Rente gibt es nicht.
Das Problem der Verzinsung von Ersparnissen fürs Alter,
in:
Soziale Sicherheit, Heft 4

 
       
   

SOSI (2016): Trotz viel Kritik: "Lebensleistungsrente" soll kommen,
in:
Soziale Sicherheit, Heft 4

 
       
   

ETTE, Andreas & Frank SWIACZNY (2016): Migration von Flüchtlingen.
Aktuelle Entwicklungen in Deutschland im historischen und internationalen Vergleich,
in:
Geographische Rundschau, April

ETTE & SWIACZNY, Mitarbeiter des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung befassen sich mit Flüchtlingen als Teil des Migrationsgeschehens in Deutschland. Dazu grenzen die Forscher den Flüchtlingsbegriff gegen einen weiten sozialwissenschaftlichen Begriff ab:

"Aus sozialwissenschaftlicher Sicht werden Flüchtlinge meist mit all jenen Personen gleichgesetzt, deren Migration durch Zwang ausgelöst wurde. Dazu zählen neben der internationalen Migration von Flüchtlingen auch die Gruppe der Binnenvertriebenen und zwar ganz unabhängig davon, ob die Vertreibung durch politische Konflikte, Naturkatastrophen, Hungersnöte oder andere Ursachen ausgelöst wurde."

Ihren engen Flüchtlingsbegriff leiten sie dagegen aus einem politisch-rechtswissenschaftlichen Kontext ab. Sie beziehen sich dabei auf die Genfer Flüchtlingskonvention aus dem Jahre 1951, wonach Flüchtlinge als "individuell verfolgte Personen" definiert werden. in diesem engen Sinne gilt für Deutschland, dass

"Personen als Asylbewerber bezeichnet (werden), die einen Antrag auf Asyl gestellt haben, über den noch nicht entschieden wurde."

ETTE & SWIACZNY betrachten deshalb nur Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge. Sie unterscheiden zwischen 4 Phasen der Zuwanderung von Asylbewerbern:
1) Rund 4.400 Asylbewerber in den 1950er und 1960er Jahren, die hauptsächlich aus dem Ostblock stammen
2) 1979 bis 1983: 266.000 Asylbewerber aus Schwellen- und Entwicklungsländern
3) 1989 bis 1993: Rund 1,3 Millionen Asylbewerber, hauptsächlich aus Polen, Jugoslawien und Rumänien
4) 2011 bis heute

Die Alters- und Geschlechtsstruktur ist gemäß den Forschern weitgehend unverändert geblieben. Hinsichtlich der regionalen Verteilung der Asylbewerber verweisen die Autoren auf den Königsteiner Schlüssel, der die Verteilung auf die einzelnen Bundesländer aufgrund der Steuereinnahmen und Bevölkerungsgröße regelt, während die einzelnen Länder dann die weitere Verteilung auf die Kreise individuell vornehmen. Lediglich aufgrund von Landeserstaufnahmeeinrichtungen gibt es Ballungen von Asylbewerbern. Die Autoren sehen jedoch keine Präferenz für Großstädte bei Asylbewerbern.

ETTE & SWIACZNY empfehlen die Mitberücksichtigung der Arbeitsmarktlage bei der räumlichen Verteilung.

Zur Situation in Europa kritisieren die Forscher, dass gemäß dem Dublin-System die Länder mit einer EU-Außengrenze (vor allem Griechenland und Italien) zu sehr belastet werden. Hinsichtlich der globalen Wanderungsströme sehen ETTE & SWIACZNY aufgrund von UNHCR-Statistiken Deutschland nicht als Hauptzielgebiet von Asylsuchenden, sondern eher Entwicklungsländer in der Nachbarschaft. Die Forscher sehen deshalb in der Beseitigung von Fluchtursachen eine wichtige Aufgabe der Flüchtlingshilfe.

Zum Abschluss gehen ETTE & SWIACZNY auf die Auswirkungen der Zuwanderung von Geflüchteten auf die Alterung und den Arbeitsmarkt und die Herausforderung der Integration ein. Die Forscher beziehen sich u.a. auf die 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes, die durch die aktuellen Entwicklungen überholt sind. ETTE & SWIACZNY sehen im Anschluss an die Sichtweise des Statistischen Bundesamtes Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt erst nach 2025 relevant werden, während die Auswirkungen auf die Alterung als unbedeutend eingestuft werden.

"Konkrete Prognosen zu den Konsequenzen der aktuellen Flüchtlingszuwanderung für den Arbeitsmarkt sind sehr schwierig, da sie von zahlreichen Annahmen abhängen (z.B. Verfahrensdauer, Schutzquote, Familiennachzug, Altersstruktur, Geschlechterproportion)",

schränken die Forscher jedoch hinsichtlich der Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt ein. Hinsichtlich der Integrierbarkeit von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt präsentieren die Forscher kontroverse Sichtweisen, um dann mit der OECD die Konzentration der Integrationbemühen auf "Asylbewerber mit hoher Bleibeperspektive" und die bessere Anerkennung ausländischer Qualifikationen zu fordern.  

 
       
   

NOLTE, Paul (2016): In der Zeitenwende.
Der Aufstand der Frustrierten und die Krise des Modells Merkel,
in:
Cicero, April

 
       
   

MEYER, Frank A. (2016): Oben und unten.
In Deutschland hat sich eine elitäre Schicht eingerichtet, die für die Menschen im Lande vor allem erzieherische Ratschläge parat hat,
in:
Cicero, April

Frank A. MEYER zeigt mit seinem Artikel, dass sich die Eliten in Deutschland neu zu sortieren beginnen, wenn er Miriam MECKEL ("Wirtschaftswoche") und Ulf POSCHARDT ("Welt") ein erzieherisches Wir zuschreibt, Dirk KURBJUWEIT ("Spiegel") Einmischung des Journalismus in das Geschäft der Politik und dem Stern die Trennung der Deutschen in gute und schlechte Bürger. MEYER verteidigt die Demokratie gegen die "absolutistische Geste" der Kanzlerin, um sich zum Schluss zum Anwalt der Benachteiligten zu stilisieren:

"Erwachsene in prekären Arbeits- und Wohnverhältnissen, Kinder in überfremdeten Schulklassen".

Der Begriff "überfremdete Schulklassen" erklärt den Dissens, denn es geht nicht um Benachteiligung, die Rehabilitierung des "Volkeswillen" oder gar die Verteidigung der Demokratie gegen ihre Verächter, sondern um die richtige Politik, d.h. um die Einmischung eines Journalisten in das Geschäft der Politik - nur dass sich MEYER auf der richtigen Seite wähnt.

Ulf POSCHARDT ist aber nicht erst seit heute ein Verächter der Massen. Wenn MEYER schreibt, dass die Eliten nun das Volk entdecken, dann ist MEYER Teil dieses Problems und nicht die Lösung. Hatten sich die Eliten nicht als Opfer des Volkeswillen gefühlt und sich mit der Agenda 2010 die neue Klassengesellschaft gegönnt? Erst mit der Bankenkrise und ihren Folgen droht nun der Elitenkonsens zu langsam zu bröckeln. Die Flüchtlingskrise ist keineswegs der Auslöser der Elitendämmerung, sondern nur ein winziges Mosaiksteinchen im zerbröselnden Elitenkonsens.

 
       
   

HERZ, Wilfried (2016): Ein neues Monstrum.
Politiker von CDU und Grünen preisen die Deutschlandrente als Lösung für die Altersvorsorge und locken wieder einmal mit falschen Versprechungen,
in:
Cicero, April

Wilfried HERZ kritisiert den unausgegorenen Plan der Deutschlandrente, der nicht auf eine Verbesserung der gesetzlichen Rente abzielt, sondern lediglich eine neue Variante der Betriebsrente sei, die zudem auf riskantere Anlageformen setzt und damit dem Auf und Ab der Kapitalmärkte noch mehr ausgeliefert ist. HERZ will stattdessen die gesetzliche Rente zur Bürgerversicherung ausbauen. Im Gegensatz zu den üblichen Horrorszenarien sieht HERZ goldene Zeiten beim Produktivitätsfortschritt in Deutschland. Außerdem könnten die Flüchtlinge die Sozialversicherung stabilisieren helfen.

 
       
   

BYLOW, Christina (2016): Kontrolliert, manipuliert, abkassiert.
Für die Schriftstellerin Alina Bronsky fassen diese drei Begriffe den Umgang mit Müttern in Deutschland am treffendsten zusammen. In ihrem neuen Buch sieht sie Mütter regelrecht in ihrer Existenz bedroht. Darüber lässt sich streiten, findet die Schriftstellerin Tanja Dückers,
in:
Nido, April

Die Schriftstellerinnen Tanja DÜCKERS und Alina BRONSKY, deren privilegierte Arbeitswelt nicht gerade typisch ist für die Mehrzahl der Mütter, diskutieren über Kitazwang, Familienarbeitszeit, Ehegattensplitting und die Rolle des Vaters. Während DÜCKERS dem Vater mehr Rechte zugestehen will, verteidigt BRONSKY die angestammten Rechte der Mutter.

 
       
   

SLAUGHTER, Anne-Marie (2016): Der Preis der Mutterschaft.
Warum so wenige Frauen ganz oben und viel zu viele ganz unten sind,
in:
Blätter für deutsche und internationale Politik, April

 
   
PSYCHOLOGIE HEUTE-Titelgeschichte: Mitten im Leben.
Was es heute bedeutet, erwachsen zu sein

FRITZSCH, Sibylle (2016): Mitten im Leben.
Was es heute bedeutet, erwachsen zu sein: Schluss mit lustig! Sobald man erwachsen ist, gibt es nur noch Pflichten und Verantwortung, die unbeschwerten Zeiten sind vorbei. Woher kommt dieses Negativbild? Und warum werden die Vorzüge des Erwachsenseins so wenig gesehen?
in:
Psychologie Heute, April

ERNST, Heiko (2016): Erwachsenwerden - ein Langzeitprojekt.
Sechs Aufgaben gilt es zu bewältigen, um sich im besten Sinne erwachsen zu fühlen,
in:
Psychologie Heute, April

MAHR, Albrecht (2016): Vom Glück, kein Kind mehr zu sein.
Selbstverantwortlich leben. Sich dem Leben gewachsen fühlen. Besseres kann uns nicht widerfahren. Doch richtig genießen werden wir das Erwachsensein nur, wenn es uns gelingt, uns von Fesseln der Kindheit zu lösen,
in:
Psychologie Heute, April

 
       
   

NOLTE, Anke (2016): Von klein auf verbunden.
6 Gründe, warum es gut ist, Geschwister zu haben,
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Psychologie Heute, April

 
       
   

SCHÖNBERGER, Birgit (2016): Späte Scheidung.
Lange ging man davon aus: Alte Liebe rostet nicht. Paare, die seit vielen Jahren zusammen sind, trennen sich nicht. Doch diese Gewissheit stimmt nicht mehr,
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Psychologie Heute, April

"Dass Paare sich auch nach der Silberhochzeit und neuerdings sogar auch noch nach fünfzig gemeinsamen Jahren trennen - wie jüngst als prominentes Beispiel Lothar Späth, der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg -, ist ein relativ neues Phänomen. Von 1975 bis 2005 hat sich der Zahl der Trennungen nach mehr als 26 Jahren Ehe mehr als verdoppelt und steigt seitdem weiter an. In der deutschen Scheidungsstatistik wird vom zweiten späten Scheidungsgipfel gesprochen. Die erste große Trennungswelle in deutschen Großstädten kommt nach vier Ehejahren, die zweite nach fünfundzwanzig und die dritte nach der goldenen Hochzeit. Die Rate der »späten Scheidungen« steuert auf eine Größenordnung von einem Fünftel aller Scheidungen zu",

berichtet Birgit SCHÖNBERGER anlässlich einer Scheidungs-Studie von Insa FOOKEN u.a., die zwischen drei unterschiedlichen Gründen unterscheidet: 1) abrupter Konsensbruch 2) trügerische Konsensillusion und 3) langjähriger Dissenz.

SCHÖNBERGER, Birgit (2016): "Eine Partnerschaft ist keine Wohngemeinschaft".
Auch in langjährigen Beziehungen sollte es seine "Sehnsuchtsspannung" geben, sagt der Berliner Paartherapeut Wolfgang Krüger. Fehlt sie, ist das Zusammenleben schwierig,
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Psychologie Heute, April

 
       
   

METZGER, Jochen (2016): "Leben wir vielleicht zu lange?"
Kann man mit 90 Jahren überhaupt noch glücklich sein? Man kann! Doch wenn der Tod naherückt, wird es oft trüb in der Seele. Der Heidelberger Alternsforscher Hans-Werner Wahl hat ermutigende, aber auch nachdenklich stimmende Erkenntnisse über die letzte Phase des Lebens gewonnen,
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Psychologie Heute, April

Hans-Werner WAHL spricht über Ergebnisse einer Längsschnittstudie mit 80- bis 89-jährigen Menschen. Es geht um die Set point-Theorie des Wohlbefindens (Ed DIENER) und die Distance to death-Forschung, also wissenschaftliche Forschungen zu Änderungen des Wohlbefindens im Angesicht des Todes.

"Viele können nach dem Ausstieg aus dem Erwerbsleben noch mit 20 guten Jahren rechnen - das ist ein sehr langer Zeitraum, fast ein Viertel der gesamten mittleren Lebenszeit. Ich halte es deshalb für möglich, dass wir eine Gesellschaft sehen, in der auch spät im Leben sehr positive, gar nicht mit Alter verbundene Vorstellungen gelegt werden. Ich habe das einmal fortgeschrittenes Erwachsenleben genannt",

meint WAHL zu jenem Lebensabschnitt, der für uns von Ökonomen und Politikern gerne verplant wird. Als junge Alte statt als Erwachsene werden wir dann angesprochen.     

WAHL nennt 4 Punkte, die uns länger jung sein lassen: 1) kognitives Training 2) physische Aktivität 3) Psychotherapie und 4) eine positive Einstellung zum Älterwerden. 

 
       
   

REINHARDT, Susie (2016): In die Zukunft schauen?
Was kommt morgen, was in einem Monat, in einem Jahr? Schwierige Frage. Selbst das Wetter können wir nur für wenige Tage vorhersagen. Umso überraschender: Laien sind in der Lage, verblüffend genaue Prognosen zu erstellen,
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Psychologie Heute, April

Susie REINHARDT berichtet über die Forschungen des US-amerikanischen Psychologieprofessors Philip TETLOCK, der seit den 1980er Jahren zur Aussagekraft von Prognosen forscht. Die Erkenntnisse sind eher banal:

"Demnach sind insbesondere langfristige Prophezeiungen von Spezialisten oft nicht besser als die von jemanden, der rät."

Das Geschäft von Langfristprognosen betreiben in erster Linie Demografen. Darüber schreibt REINHARDT jedoch nicht, sondern nur über die "Zukunftsforschung". TETLOCK hat einige Prognoseregeln gefunden, die einen "Superprognostiker" kennzeichnen. Auch diese kommen über Banalitäten nicht hinaus:

"Die Erkenntnisse von Tetlock sind eine Ermunterung zum selbständigen Denken. Seine Superprognostiker (...) waren eher akribisch arbeitende fleißige Bienchen, die unvoreingenommen Fakten sammelten und daraus immer wieder neue Berechnungen anstellten".

Gegen diesen Grundsatz verstoßen z.B. die Statistiker des Statistischen Bundesamtes bei ihren Bevölkerungsvorausberechnungen von jeher, da ihre Berechnungen von der Politik abhängig sind. Unvoreingenommenheit gibt es hier also nicht, sondern nur politische Interessengeleitetheit. Auch darüber ist nichts bei REINHARDT zu lesen.

Ein Interview mit dem Risikoforscher Ortwin RENN geht - auch nur am Rande - der Frage nach, warum die Zunahme der Flüchtlinge nicht vorhergesehen wurde:

"Was den Flüchtlingsstrom angeht, gab es viele ernst zu nehmende Mahnungen von Politikwissenschaftlern (...). Da es aber nur wenige Anzeichen für eine solche Wanderung gab, wurden diese Warnungen in den Wind geschlagen."

Die interessante Frage, nach welchen Anzeichen gesucht worden waren, beantwortet RENN leider nicht und REINHARDT fragt auch nicht danach. Also auch hier nur oberflächliches Gelaber statt brauchbare Informationen.

Der nationalkonservative Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG hat in seinem gehypten Buch Die demographische Zeitenwende lapidar vom "Einwanderungsdruck" geschrieben:

"Durch das starke Bevölkerungswachstum in den südlichen Anrainerstaaten des Mittelmeers steigt der Einwanderungsdruck in die Länder der EU allein schon demographisch bedingt stark an. Hinzu kommt die magnetische Anziehungskraft des hohen Lebensstandards in Europa, der in Verbindung mit Rechtssicherheit, geordneten Lebensbedingungen, vergleichsweise geringer Kriminalität und einer das Existenzminimum garantierenden staatlichen Sozialhilfe eine um so größere Wirkung entfaltet, je perspektivloser die Entwicklung in den Herkunftsländern der potenziellen Einwanderer ist."
(2001, S.123)

Zu den südlichen Anrainerstaaten des Mittelmeeres zählt BIRG Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten, Israel, Libanon, Syrien und die Türkei. BIRG weist darauf hin, dass Bevölkerungsvorausberechnungen sich nicht am "Einwanderungsdruck" orientieren, sondern an der "Integrationsfähigkeit":

"Trotz der Unsicherheit über die konkrete Ausgestaltung der künftigen Einwanderungspolitik können die Einwanderungsannahmen in Bevölkerungsprojektionen nicht beliebig gesetzt werden, denn jede Politik wird sich an der  - nicht unbegrenzten - Integrationsfähigkeit des betreffenden Landes orientieren müssen."
(2001, S.125)

Oder anders formuliert: Prognosen orientieren sich nicht unvoreingenommen an den Fakten, sondern am politischen Willen. Was nicht sein darf, darauf können wir uns jedoch auch nicht vorbereiten. Die Annahmen zur Zuwanderung in Bevölkerungsvorausberechnungen haben also in erster Linie mit politischen Vorgaben ("Integrationsfähigkeit") zu tun und wenig mit dem, was uns tatsächlich erwarten könnte. Deshalb hat uns der jetzige Flüchtlingsstrom auch vollkommen überrollt.

BIRG nennt mit dem Bevölkerungswachstum einen Indikator, der jedoch für den jetzigen Flüchtlingsstrom nicht ausschlaggebend war, aber typisch ist für die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme. Entscheidender sind die nicht-demographischen Faktoren wie die "Perspektivlosigkeit" im eigenen Land, die mit Bevölkerungsentwicklungen erst einmal gar nichts zu tun haben. Die Anzeichen waren also durchaus vorhanden. Aber haben nicht sehr viel konkreter erst MERKELs Reden die konkreten Flüchtlingsströme ausgelöst? Und warum hatte kaum jemand die Konsequenzen im Blick?

Die Debatten um die "Einwanderung in die Sozialsysteme" und die Maßnahmen zur Eindämmung lassen sich ebenfalls aus dem obigen nationalkonservativen Credo von BIRG herleiten, nach dem im Grunde die Lebensbedingungen in Europa nur derart verschlechtert werden müssen, dass die oben genannten Wanderungsgründe entfallen. Sollte also Europa genauso unsicher und wenig lebenswert gemacht werden wie Afrika? Ist das letztlich das Ziel nationalkonservativer Elitenpolitik? Dazu würden auch die anderen nationalkonservativen Thesen von BIRG (so z.B. auch Meinhard MIEGEL) passen, dass nämlich die niedrigen Geburtenraten in Europa lediglich das Resultat des zu hohen Wohlstands in Europa seien.

Wollen wir also tatsächlich einen Siegeszug des Nationalkonservatismus in Europa und damit die Angleichung Europas an Afrika?             

 
       
   

REINHARDT, Nora (2016): Die netteste Erpressung der Welt.
Der Satz "Ich liebe dich" gilt als Startschuss für eine Beziehung, als eine Art Maßeinheit für eine gute Partnerschaft. Der Satz kann glücklich machen und unglücklich. Zeit also, ihn mal näher zu untersuchen,
in: Neon,
April

 
       
   

GÖBEL, Esther u.a. (2016): Was tun auf der Welt?
Neon-Liste: Warum es sich lohnen kann, allein zu verreisen, sich das Herz brechen zu lassen oder ein Jahr lang auf Emoticons zu verzichten. 33 Ratschläge für ein gutes, wildes Leben,
in: Neon,
April

 
       
   

KHAYYER, Jina (2016): "Ich bin glücklich. Angekommen bin ich nicht.
Plötzlich ist der Moment da, in dem klar wird: Ich bin nicht mehr jung. Was folgt daraus? Und was bringt es, schon in der Lebensmitte, mit 35 oder 40, Bilanz zu ziehen? Die Autorin hat darüber ein Buch geschrieben ("Älter als Jesus"). Für uns hat sie sich mit ihren alten Freunden aus München getroffen, die den schwierigen Moment des Nicht-mehr-jung-Seins gerade hinter sich haben. Was können wir daraus lernen?
in: Neon, April

 
       
   

BUCHHOLZ, Jenny (2016): "Ich nehme jeden Morgen ein Bad".
Ehrliche Kontaktanzeigen. Nichts als die Wahrheit: NEON-Singles erzählen aufrichtig von ihren Macken - und erklären, warum es sich trotzdem lohnt, sie kennenzulernen,
in: Neon,
April

 
       
 

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Zu den News vom 13. - 31. März 2016
 

   
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