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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 01. - 04. August 2016

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

2015: Von 2015 bis 2020 wird die Bevölkerung deutlich schrumpfen und altern

"In der zweiten Hälfte des laufenden Jahrzehnts wird die Bevölkerungszahl deutlich schrumpfen und gleichzeitig wird der Bevölkerungsanteil der höheren Altersgruppen immer weiter zunehmen."
(Christoph M. Schmidt

"Der demografische Wandel als große Herausforderung für Wirtschaft und Gsellschaft - ein Überblick", 2015, S.39)

2016: Wir leben in einem kurzen demografischen Zwischenhoch

"Die finanziellen Folgen für die GRV fallen nur deshalb bislang nicht so stark aus, weil die gute konjunkturelle Lage und die günstige Situation auf dem Arbeitsmarkt zu einer unerwartet positiven Entwicklung der Beitragseinnahmen geführt haben (...). Ebenso hat sich ein kurzes demographisches Zwischenhoch günstig auf die Ausgabenentwicklung ausgewirkt".
(
in: "Altersarmut statt Altersvorsorge" von FELD, Lars/KOHLMEIER, Anabell/SCHMIDT, Christoph M. im ifo Schnelldienst Nr.12 vom 23. Juni 2016, S.4)

 
       
       
   

Kinderlose in der Debatte

HALSER, Marlene (2016): Topf ohne Töpfchen.
Familie: Als Frau Ende dreißig reift die Erkenntnis: Für ein erfülltes Leben braucht es gar kein Kind. Fehlt nur noch die gesellschaftliche Anerkennung,
in:
TAZ v. 04.08.

Vor kurzem wurde die deutsche Überfeministin Alice SCHWARZER von ihren Spiegel-Interviewern gefragt, ob das Bedauern der Kinderlosigkeit ein Tabu sei. Nicht einmal SCHWARZER, die es besser wissen müsste, wagte den Einwand, dass es ein solches Tabu nicht gebe. Das Bedauern der eigenen Kinderlosigkeit ist in Deutschland Pflicht geworden, wenn man in Mainstreammedien zu Wort kommen will. Das zeigt unfreiwillig die Debatte über Regretting Motherhood, die nicht rational, sondern nur leidenschaftliche emotional geführt werden kann. Und es zeigt genauso unfreiwillig der Beitrag von Marlene HALSER, Jahrgang 1977, und kinderlose Singlefrau. Der Artikel ist eine Rechtfertigung des eigenen Lebens. Entwurf kann man da gar nicht mehr sagen - das wäre so etwas von 90er Individualisierungseuphorie. Man muss nur die Singlefrau-Beiträge der 20 Jahre älteren Barbara DRIBBUSCH mit jenen von HALSER vergleichen, um den Wandel des Zeitgeistes von der Individualisierungseuphorie über die Vereinbarkeitseuphorie zur Vereinbarkeitsdepression verfolgen zu können. Stand in den 1990er Jahren die Singlefrau als Pionierin der Moderne auf einem strahlendem Podest, so gilt sie nun als Sinnbild einer verfehlten Moderne.

"In ein paar Wochen feiere ich meinen 39. Geburtstag. (...) Und ich bin nach wie vor kinderlos.
Jede fünfte Frau zwischen 40 und 44 Jahren hat laut Erhebungen des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2013 keine Kinder - aus unterschiedlichsten Gründen",

lautet die Selbstbeschreibung von HALSER. Diese Einordnung ist insofern falsch, weil HALSER Akademikerin ist, die in besonderem Maße unter gesellschaftlicher Dauerbeobachtung hinsichtlich ihrer Kinderlosigkeit stehen. Nicht erst seit Thilo SARRAZIN im Jahr 2010 die Verdummung Deutschlands beschworen hat, weil angeblich nur noch die Unterschicht Kinder bekommt, müssen sich kinderlose Akademikerinnen für ihren Zustand rechtfertigen.

"Die Geburtenrate ist von 1,34 Kindern pro Frau 2005 auf 1,47 im Jahr 2014 gestiegen",

schrieben kürzlich Regina AHRENS & Irene GERLACH in der FR. Bereits seit Längerem ist bekannt, dass die in den 1970er Jahren geborenen Frauen mehr Kinder als ihre Vorgängerinnen bekommen. Besonders Akademikerinnen bleiben wieder seltener kinderlos als die Pionierinnen der Moderne wie Barbara DRIBBUSCH. Von daher hat sich HALSER eine zu positive Beschreibung ihres gesellschaftlichen Umfeldes zusammengebastelt. Martin BUJARD hat seit dem Jahr 2013 in etlichen Schriften den Mythos von der kinderlosen Akademikerin zerstört. Inzwischen wird nach Subgruppen innerhalb der Akademikerinnen mit hoher Kinderlosigkeit gefahndet. Journalistinnen wie HALSER stehen besonders im Mittelpunkt des Interesses, weil sie besonders gefährdet sind, kinderlos zu bleiben. Jene Singlefrauen, die ihre Kinderlosigkeit im letzten Moment noch überwunden haben, schreiben nun Bücher über ihren Leidensweg. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, dass HALSER nun stellvertretend für ihre Altersgenossinnen mit Akademikerhintergrund (ein bislang - im Gegensatz zum Begriff Migrationshintergrund, der mit ähnlich stigmatisierenden Ressentiments assoziiert wird - nicht gebräuchlicher Begriff) ihre Kinderlosigkeit reflektieren muss. Dieses Argumentationsmuster entspricht den gängigen Versatzmustern ungewollter Kinderlosigkeit.

"Mit dieser Phase des kontinuierlichen Singledaseins ab Mitte dreißig habe ich nicht gerechnet",

schreibt HALSER. Seit den 1990er Jahre galt das Alleinleben von Frauen im mittleren Lebensalter als schick und wurde selbstbewusst propagiert. Mitte der Nuller Jahre galten diese Singlefrauen dann nicht mehr als alleinlebend, sondern als partnerlos und kinderlos. Sie wurden zum Sinnbild einer fehlgeleiteten Moderne und seit kurzem gelten sie gar als Verliererinnen in Zeiten der Wiederkehr der Konformität. Die Zeiten der selbstbewussten kinderlosen Singlefrau sind vorbei, oder wie es HALSER formuliert:

"Es ist das Gefühl des Ausgeliefertseins gegenüber der eigenen Biologie, die Hilflosigkeit, die mit diesem Gefühl einhergeht, die kinderlose Frauen »meines Alters« ins Grübeln und Zweifeln bringt - nicht die Kinderlosigkeit an sich. Und es geht um das Gefühl, gegenüber der gesellschaftlichen Erwartung versagt zu haben, wenn man mit fast vierzig ohne Mann und Kind »noch immer« alleine ist und das Klischee der glücklichen Familie aus der Waschmittelwerbung nicht erfüllt."

Der Ökonom Detlef GÜRTLER hat bereits im Jahr 2003 prognostiziert, dass kinderlose Frauen ihre Kinderlosigkeit bedauern werden. Nicht nur weil sie alleine alt werden müssten, sondern auch weil Kinderlosigkeit wieder zur Ausnahme in Deutschland werden wird. Noch scheint dies angesichts einer Geburtenrate von 1,47 und einer lebenslangen Kinderlosigkeit von über 25 Prozent unter Frauen mit Akademikerhintergrund weit entfernt zu sein. Jedoch könnte hier der Mikrozensus 2016 zumindest für diese Gruppe eine Trendwende aufzeigen. Die Ergebnisse dürften jedoch erst im Wahljahr 2017 verkündet werden. Mit dem Erstarken nationalkonservativer Strömungen in Deutschland könnten Frauen wie HALSER mit ihrer Position zum Feindbild werden:

"Glücklicherweise bin ich mit mittlerweile alt und klug genug, um diese Erwartungen, die nicht meine sind, und die Klischees, die man mir als Frau als meine Wünsche verkauft, zu durchschauen. Und in den immer häufiger werdenden Momenten, in denen mir das gelingt, bin ich derart berauscht von all den Abenteuern und unausgeschöpften Möglichkeiten, die noch vor mir liegen, das es schon fast an emotionales Besoffensein grenzt",

erwidert HALSER jenen, die von Kinderlosen das Bedauern ihres Zustandes erwarten. Auf gesellschaftliche Anerkennung dieser Position in Zeiten der Demografisierung gesellschaftlicher Probleme dürfte HALSER jedoch vergeblich warten.

 
       
   

Die Entwicklung der Armut in Deutschland in der Debatte

BUTTERWEGGE, Christoph (2016): Armes Deutschland.
Ungleichheit: Die Politik orientiert sich an den Interessen der Reichen - und ignoriert die Armut,
in: Freitag Nr.31
v. 04.08.

 
       
   

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Serie (Teil 9): Verlorene Vorsorge.
Was, wenn das Geld fürs Alter plötzlich weg ist?

HAMPEL, Lea (2016): Erschüttert.
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (9): Sie galten in Baken als "alt" und "doof", ihnen drehten Berater Lehman-Zertifikate an. In der Finanzkrise kämpften Senioren dann jahrelang um Teile ihrer Altersvorsorge. Vor allem verloren sie eins: Vertrauen ins System,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 04.08.

Lea HAMPEL stellt uns eine Betroffene der Lehman-Pleite, die uns sozusagen als typischer Fall präsentiert wird:

"Etwa 40.000 Deutsche haben zwischen 2006 und 2008 insgesamt rund 700 Millionen Euro in unterschiedliche Papiere der Lehman Bros. Bank investiert. (...). Sie waren alle unterschiedlich, aber hatten eines gemeinsam: Sie wollten aus ihrem Ersparten ein bisschen mehr machen, um den Lebensabend ein bisschen bequemer zu haben."

Zu deutsch: private Altersvorsorge ist keine Lebensnotwendigkeit, sondern purer Luxus. Oder wie es HAMPEL formuliert:

"Gelitten hat nicht die große Sicherheit, sondern der kleine Luxus."

Damit wird die Bewegung der "Lehmann-Opfer", die sich in der "Interessengemeinschaft Lehman Zertifikateschaden" zusammenschlossen, zu einer Bewegung Privilegierter stilisiert. Entschädigungen gab es damals für die "Leichtgläubigen", die auch als "zu gierig" galten, nur im Einzelfall.

Entsprechend dieser Verharmlosung der Praktiken von Finanzdienstleistern, erscheint die Sache letztendlich als eine Art Kavaliersdelikt. Es traf die Doofen und Gierigen. Uns könnte das nicht passieren ist die Botschaft. Als einziges Problem erscheint deshalb HAMPEL den Vertrauensverlust, den Finanzberater in der Bevölkerung seit damals erlitten haben und durch den das Ansehen der kapitalgedeckten Altersvorsorge geschmälert wurde.

Tatsächlich wurde aus dem damaligen Geschehen kaum etwas gelernt, denn sonst könnten uns Politiker und Medien nicht immer noch die Kapitaldeckung als sicherere Alternative zur gesetzlichen Rente verkaufen. Erfolgreich hat sich die Devise durchgesetzt: Wer die falschen Altersvorsorgeprodukte gewählt hat, ist selber schuld!   

DOHMEN, Caspar (2016): Wenn das Leben anders spielt.
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (9): Trennung, Arbeitslosigkeit, Verschuldung: Wie sorgt man nach Schicksalsschlägen vor? Die Immobilie als Klumpenrisiko,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 04.08.

Caspar DOHMEN führt uns zuerst in eine Schuldnerberatungsstelle der Caritas, um uns mit möglichen Schicksalsschlägen zu konfrontieren. Danach sind wir reif für Dirk ULBRICHT, Geschäftsführer des Instituts für Finanzdienstleistungen:

"Er kritisiert eine »mangelhafte Berücksichtigung der Wechselfälle des Lebens«"

Sein einziger Rat jedoch, der uns als Mantra bereits in den Ohren dröhnt: Lebensversicherungen nicht kündigen, sondern beitragsfreistellen. Das eint die Beraterbranche, Verbraucherschützer, Politiker und Finanzdienstleister. Die Sorge, die Erfolgsstatistik der kapitalgedeckten Altersvorsorge könnte beschädigt werden. Kündigung lässt sich nicht mehr als Erfolg vermarkten, während man Beitragsfreistellung noch als Erfolg verbuchen kann - man muss das ja nicht publizieren!

Danach kommt - wie in der SZ üblich - Axel KLEINLEIN (BdV) zu Wort, um uns wieder Kündigungen - höchstens im Einzelfall - anzuraten. Welche Einzelfälle das seien? Keine Antwort!

40 Prozent der Haushalte, wird uns mitgeteilt, hätten keine diesbezüglichen Sorgen - sie ignorieren die private Altersvorsorge schlichtweg. Denen wird jedoch die Immobilie, die sie vielleicht als alternative Form der Altersvorsorge ansehen, als "Klumpenrisiko" präsentiert: "jede dritte Ehe innerhalb von 25 Jahren" wird geschieden, falls das jemand noch nicht oft genug gehört haben sollte!

Der Ratschlag von ULRICHT: ein Ehevertrag für Immobilienbesitzer sei Pflicht. Dumm nur, dass Eheverträge das Scheidungsrisiko erheblich erhöhen, dies meldeten jedenfalls gewisse Medien.

Bisher haben wir vor allem gelernt, dass die kapitalgedeckte Altersvorsorge offenbar keine Lösung für Schicksalschläge vorsieht. Das wird dann von Christoph BUTTERWEGGE bestätigt:

"Entscheidend sei für die meisten Menschen bei Schicksalsschlägen (...) welche Leistungen sie aus den kollektiven Sicherungssystemen erhielten."

Warum also die kapitalgedeckte Altersvorsorge nicht ganz einstampfen oder den Reichen überlassen und stattdessen die gesetzliche Rente stärken? Eine Antwort auf diese Frage suchen wir in der SZ vergeblich.

Zum Schluss wird uns die Schuldnerberatung als Lösung für vorhersehbare Krisen präsentiert.

 
       
   

Die Kinderbetreuung in der Debatte

KUHRT, Henriette (2016): Wie im Kindergarten.
Von aussen: Was die Stadt München alles dafür tut, damit ich meine Tochter nicht in die Kita schicke,
in:
Die ZEIT Nr.33 v. 04.08.

"Ich gehöre zu den 80.000 bayerischen Müttern, die das sogenannte Landeserziehungsgeld beziehen (...). Ich bin (...) keine glückliche Hausfrau und Mutter am Herd, wie Seehofer sich das vielleicht vorstellt. Ich suche seit Monaten vergeblich einen Krippenplatz für meine Tochter und verwende das Betreuungsgeld darauf, eine Nanny zu bezahlen. So lautet meine Wahrheit hinter dem Landeserziehungsgeld",

klagt uns Henriette KUHRT von der Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag. In München gebe es einen Krippenmangel, u.a. wegen steigender Geburtenzahlen. Jahrelang wurde uns geklagt, es gäbe zu wenig Geburten. Journalistinnen der SZ erklärten uns, dass die gefühlte Babydichte weit über der tatsächlichen Babydichte läge. Offenbar hat die Stadtverwaltung die SZ gelesen, statt ihre Statistik beobachtet, denn sonst könnte das kein Problem sein.

Wahrscheinlicher ist jedoch, dass dort Krippenplätze entstanden, wo sie gar nicht benötigt werden, während andernorts zu wenige entstanden sind. Wenn uns KUHRT klagt, dass eine halbe Stunde Fahrzeit zu lange sei, dann wird schnell klar, dass Nähe der Einrichtungen und nicht Mangel an Einrichtungen das eigentliche Problem ist.

 
       
   

Die Rentenpolitik der Gewerkschaften in der Debatte

URBAN, Hans-Jürgen (2016): Die Rente vor dem Sturzflug.
Gastkommentar: Die Rentenversicherung braucht den Finanzierungsmix mit moderater Beitragssatzerhöhung,
in:
Handelsblatt v. 04.08.

 
       
   
FRANKFURTER RUNDSCHAU-Tagesthema: Generation Abwärts.
Den Lebensstandard ihrer Eltern werden viele 15- bis 35-Jährigen nicht erreichen, sagt eine Studie

KAUFMANN, Stephan (2016): Die Absteiger.
In vielen Industrieländern verdienen die 15- bis 35-Jährigen weniger als ihre Eltern im gleichen Alter. Schwache Einkommen nähren politische Unzufriedenheit,
in:
Frankfurter Rundschau v. 03.08.

"Unsere Kinder werden es mal besser haben als wir - dieser Satz galt in früheren Jahrzehnten als Selbstverständlichkeit,

schwadroniert Stephan KAUFMANN. Dieser Satz wurde bereits Anfang der 1980er Jahre angezweifelt. Damals wurde die Nutzlosigkeit des Erwachsenwerdens als Alternative zur Karriere erfunden, die für die Babyboomer anscheinend verschlossen war. Seitdem wird der obige Satz in jeder Generation neu hinterfragt und ist damit keine Selbstverständlichkeit mehr. Deshalb spricht die Unternehmensberatung McKinsey auch nur im Konjunktiv:

"Die jüngere Generation könnte schlechter dastehen als ihre Eltern",

und meint damit sowieso nur unseren Elitennachwuchs. Eine britische Lobbyorganisation schlägt nun Alarm, erzählt uns KAUFMANN. Dabei wird uns nur die Höhe des Einkommens mitgeteilt, aber nicht den Zugewinn an Lebensqualität. Und warum wird uns nur Großbritannien präsentiert? Natürlich wegen dem Brexit, der angeblich der Untergang von Europa sei. Dabei war Großbritannien nie wirklich Teil des Euroraums, sondern immer eine europafeindliche Insel, die in Deutschland in erster Linie wegen ihrer selbstbewussten Klassengesellschaft bewundert wird, die hierzulande nur bei Konservativen offensiv propagiert wird.

Deutschland blieb bei der vorgestellten Untersuchung außen vor, weil es hierzulande den Jungen - allen Klagen über die Rentnerdemokratie zum Trotz - wesentlich besser geht als in den 25 untersuchten anderen Staaten.

Weil Deutschland also nichts hergibt, wird bei uns gerne die schlimme Zukunft beschworen, weshalb uns am Ende der Generation Berlin-Ideologe Heinz BUDE präsentiert wird, der die Gefahr eines Dienstleistungsproletariats heraufziehen sieht.

SIEVERS, Markus (2016): Trügerisches Zwischenhoch.
Noch profitiert Deutschland von der Demografie,
in:
Frankfurter Rundschau v. 03.08.

Markus SIEVERS heult uns die Ohren voll, obwohl wir bereits seit einem Jahrzehnt schrumpfen müssten und alle Sozialsysteme längst kollabiert sein müssten, hätten die Apokalyptiker des demografischen Wandels Recht. Wir wollen diese bevölkerungspolitische Theologie nicht mehr hören. Jetzt sollen wir uns in einem demografischen Zwischenhoch befinden? Haben unsere Prognostiker dieses Zwischenhoch verschlafen oder warum bemerkt man dies erst jetzt post hoc?

"Experten wie der Sachverständigenrat de Wirtschaftsweisen sprechen von einem »demografischen Zwischenhoch«, in dem sich die Bundesrepublik entgegen der allgemeinen Wahrnehmung noch befindet."

Ach nee? Allgemeine Wahrnehmung? Sind damit unsere blinden Ökonomen und Journalisten gemeint? Und wann hat man dieses "demografische Zwischenhoch" aus dem Ärmel gezaubert?

Der Begriff findet sich erst im Jahresgutachten 2013/14 (Bundestagsdrucksache 18/94 vom 15.11.2013), als die Ökonomen erschreckt feststellten, dass sich der demografische Wandel nicht an die Bevölkerungsvorausberechnungen gehalten hat, die durchschnittlich alle 3 Jahre erneuert werden müssen, weil sich die Realität nicht an die bevölkerungspolitisch motivierten Annahmen der Bundesstatistiker hält.

Der Begriff findet sich lediglich im Zusammenhang mit der Entwicklung der Rentenzugangszahlen und damit mit den Ausgaben der Rentenversicherung. Im Kapitel 7 des Jahresgutachtens heißt es deshalb:

"Deutschland befindet sich mit Blick auf die öffentlichen Finanzen derzeit demografisch in einer besonderen Zwischenphase. Während bereits in den Jahren unmittelbar nach der Jahrtausendwende der Anteil der Rentner und Pensionäre an der Gesamtbevölkerung angestiegen war und langfristig weiter sehr deutlich zunehmen wird, waren die Zuwächse in den fünf vergangenen Jahren spürbar geringer. Betrachtet man die Bevölkerung im Alter von 65 Jahren und älter, so zeigt sich, dass in den Jahren 1999 bis 2006 der jährliche Zuwachs dieser Bevölkerungsgruppe bei durchschnittlich 404 000 Personen lag. In den Jahren 2007 bis 2018 wird er gemäß der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamts jedoch nur bei durchschnittlich 164 000 Personen liegen. Ab dem Jahr 2019 ist zu erwarten, dass die jährlichen Zuwächse ansteigen (2013, S.315)."

Zwischen dem demografischen Wandel, den Rentenzugangszahlen und den Ausgaben der Rentenversicherung besteht jedoch gar nicht der starke Zusammenhang, den uns SIEVERS weismachen will.

"Demographischer Wandel" ist in diesem Zusammenhang lediglich ein ideologischer Sündenbockbegriff. Die Frage stellt sich nämlich, ob sich die Rentenzugangszahlen und der Anteil der 65-Jährigen und Älteren, der vom Sachverständigenrat hier unterstellt wird, auch in der Realität wieder findet oder ob nicht ganz andere Faktoren ausschlaggebend für die Kostenstruktur sind.

Man darf also gespannt sein, was in den nächsten Jahren aus dem "demografischen Zwischenhoch" tatsächlich wird. Dem Geschwafel von Ökonomen und Journalisten glauben wir jedenfalls schon lange nicht mehr, sondern wir werden überprüfen inwiefern dieser Zusammenhang tatsächlich besteht.

"Die niedrigen Rentenzugangszahlen sind trügerisch, weil aktuell die geburtenschwachen Jahrgänge der Nachkriegsjahre das Rentenalter erreichen. Diese werden jedoch etwa ab dem Jahr 2020 von der Generation der Babyboomer abgelöst, so dass der demografische Übergang dann voll zuschlagen wird",

zitiert SIEVERS aus dem Jahresgutachten, das noch auf der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes basiert. Diese ist inzwischen bereits durch die 13. Bevölkerungsvorausberechnung überholt, die wiederum bereits veraltet ist. SIEVERS bombardiert uns also mit Fakten, die längst von der Realität überholt wurden. Wo bleiben neue Fakten?

Stattdessen jammert uns SIEVERS die Ohren voll wegen der Rente ab 63 und der Mütterrente, die im Zeichen dieses angeblichen "demografischen Zwischenhochs" beschlossen wurden und deshalb fatal seien.

Die Absurdität des Begriffs "demografisches Zwischenhoch" wird dann sichtbar, wenn es heißt:

"Erschwerend kommt hinzu, dass die schwarz-roten Reformen das demografische Zwischenhoch verkürzen. Vor allem die Rente mit 63 animiert ältere Berufstätige, früher aus dem Arbeitsleben auszuscheiden."

Seit wann können politische Entscheidungen die Demografie beeinflussen? Damit wird deutlich: wir haben es hier mit einer Demografisierung gesellschaftlicher Probleme zu tun. Nicht der demografische Wandel, d.h. die Alterung der Bevölkerung, sondern die Steuerung des Rentenzugangs und deren politischen Parameter sind das Thema. Aus einem bevölkerungspolitischen Thema muss wieder ein gesellschaftspolitisches Thema werden. Aber solche Debatten hassen unsere Eliten, die lieber Politik per Gutsherrenart machen möchten und deshalb den angeblichen Sachzwang "demografischer Wandel" präsentieren.

VATES, Daniela (2016): Gerne im Mainstream.
Die 68er sind weit weg und doch sind die Millennials wieder politischer,
in:
Frankfurter Rundschau v. 03.08.

Daniela VATES baut sich ihren Generationenmythus. Das führt zu solchen absurden Sätzen wie:

"Sie (...) nutzen mehr Fernbusse als die Generationen vor ihnen (und das gerne mit Musik im Ohr)".

Wirklich? Unser Fernbus hieß Interrail und unser Ipod hieß Walkman. Wegen uns wurde die Shell-Jugendstudie neu erfunden. Seit der 9. Shell-Jugendstudie 81' wurden Jugendkulturen, statt der Jugend untersucht. Wir galten als unpolitisch, aber offenbar sind wir politischer gewesen als uns die 68er sehen wollten. Mainstream ist nur ein Synonym für Elite hieß damals noch Establishment. Unsere Gegenkultur wurde Anfang des Jahrtausends zum Mainstream. Plötzlich wollten alle Punks gewesen sein - selbst die Popper. Und inwiefern die Millennials etwas anderes sind als die Kohorten vor ihnen, das entscheidet die Zukunft und die Geschichtsschreibung der Sieger. So viel zu diesem ganzen Generationengeraune, das über die Realität der deutschen Klassengesellschaft hinwegtäuschen soll.

 
       
   

Oliver Nachtwey - Die Abstiegsgesellschaft

LAMBECK, Fabian (2016): Die nächste Generation.
Standpunkt: Über die zunehmende Kinderarmut in der Abstiegsgesellschaft,
in:
Neues Deutschland v. 03.08.

 
       
   

Die Finanzialisierung in der Debatte

BRAUNBERGER, Gerald (2016): Finanzplanung mit Mitte fünfzig.
Das große Thema noch aktiver Babyboomer: Wie lässt sich der Ruhestand vorbereiten (Teil 1 einer Reihe),
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.08.

"Langfristige Finanzplanung ist sehr wichtig, aber sie wird von vielen Menschen unterschätzt. Um solche Themen für einen breiten Leserkreis zu behandeln, hat diese Redaktion vor einigen Jahren zehn »Mustermenschen« unterschiedlichen Alters und Geschlechts präsentiert, anhand deren sich typische Fragen der langfristigen Finanzplanung nicht nur abstrakt, sondern am konkreten Beispiel beschreiben lassen.
Einer dieser Mustermenschen ist Fazzi Indecks, heute 55 Jahre alt und damit noch ein Mitglied der »Babyboomer«-Generation",

erklärt uns Gerald BRAUNBERGER den Zweck der neuen Reihe. Fazzi ist keiner von uns Babyboomern, sondern als BWL-Student ein typischer Angehöriger der nachfolgenden Popper-Generation Golf. Mit seinem Bruttojahreseinkommen liegt er weit über dem Standardrentner, aber noch unter der Beitragsbemessungsgrenze der Sozialversicherungen. Typisch ist auch nicht, dass der Vater noch lebt, während die Mutter bereits gestorben ist. Auch die 1-Kind-Familie ist nicht für die Babyboomer in Westdeutschland typisch, sondern für Ostdeutschland - und erst recht nicht für jene, die ein Eigenheim in der süddeutschen Provinz besitzen (eher für Speckgürtelbewohner oder Bewohner innenstadtnaher Stadtviertel). Aber FAZ-Leser sind eben auch nicht repräsentativ für die deutsche Bevölkerung.

 
       
   

Die Staatsaufgaben in der Debatte

SIEMS, Dorothea (2016): Deutschland investiert nicht.
Mehr Rentner in der Bevölkerung führen zur Vernachlässigung der Infrastruktur,
in:
Welt v. 03.08.

Dorothea SIEMS erzählt uns das genaue Gegenteil von der FR, denn:

"Ein wichtiger Grund für die sträfliche Vernachlässigung der Infrastruktur liegt in dem steigenden Anteil älterer Menschen an der hiesigen Bevölkerung. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts (RWI). Danach sinkt die Investitionsquote in der Bundesrepublik seit vier Jahrzehnten stetig, während gleichzeitig der Anteil der Älteren immer größer geworden ist."

Hat hier etwa ein schwarzes Loch das demografische Zwischenhoch geschluckt, das uns die FR verkündet hat? Offenbar nicht, denn SIEMS präsentiert uns nur Zahlen von 1971 bis 2007 (Wird uns hier etwa eine alte Studie präsentiert?). Weder die alternde Nachkriegsgesellschaft vor 1970 noch das demografische Zwischenhoch werden hier berücksichtigt - und schaut man sich die Entwicklung des Altenquotienten und der Investitionen genauer an, dann verlaufen diese auch nicht gegensätzlich, wie das sein müsste, wenn die Aussagen stimmen würden.

Viel entscheidender scheint der Wandel des Politikstils zu sein: neoliberale Austeritätspolitik ist geprägt durch einen pervertierten Investitionsbegriff. Das zeigt sich krass im Bildungsbereich: während der Bau von neuen Schulen oder die Sanierung (Investitionen in Beton) als investive Ausgaben gelten, werden Lehrer - also Investitionen in Humankapital - als konsumptive Ausgaben - im Gegensatz zu investiven Ausgaben - begriffen. Es reicht jedoch nicht aus Schulen zu bauen, sondern der Nachwuchs muss auch durch qualifiziertes Lehrpersonal unterrichtet werden. Eine kürzlich veröffentlichte Bertelsmann-Stiftung treibt diese Perversion sogar noch ins Absurde. Dort werden Gelder, die der Staat in die Privatwirtschaft pumpt als Investition begriffen - während Humankapitalinvestitionen des Staates außen vor bleiben.

Welchen Unsinn uns SIEMS erzählt, wird klar, wenn sie Ausgaben für Sozialleistungen als Konsums bezeichnet, statt - wie es richtig heißt: konsumtive Ausgaben. Kritiker des neoliberalen Investitionsbegriffs wie Achim TRUGER vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) lehnen eine solche simple Gegenüberstellung von konsumtiven und investiven Ausgaben ab. Wirtschaft ist ein Kreislauf bei dem sich in der Realität die Gegensätze auflösen, denn gerade im Bildungsbereich wird deutlich, dass Entgegensetzungen wie jene von SIEMS ideologisch, aber nicht sinnvoll sind. Sozialleistungen können für Konsum verwendet werden, aber auch investiert werden, z.B. in Gebrauchsgüter oder die Bildung der Kinder. Für Infrastruktur wäre genügend Geld vorhanden, wenn dem die neoliberale Austeritätspolitik nicht entgegenstehen würde.

Fazit: Die Studie und vor allem ihre Interpretation durch SIEMS schürt Ressentiments gegen Alte und grenzt damit an Altersrassismus. Ältere werden hier als Sündenböcke für verfehlte Politik missbraucht.

 
       
   

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Serie (Teil 8): Damit das Geld im Alter reicht.
Was von der Vorsorge übrig bleibt - nach Steuern und Inflation

ÖCHSNER, Thomas (2016): Hallo Zukunft.
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (8): Was haben Jüngere im Ruhestand zu erwarten? Die jährliche Renteninformation liefert erste Hinweise. Wie viel aber die Bezüge am Ende wert sind, hängt von mehreren Faktoren ab,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 02.08.

ÖCHSNER, Thomas (2016): Wenn der Fiskus zweimal zulangt.
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (8): Fachleute warnen vor einer Doppelbesteuerung der Renten,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 02.08.

 
       
   

Die rentenpolitische Lösung der Altersarmut in der Debatte

BUNZENTHAL, Roland (2016): Armutsrisiko Rente.
ND-Serie Reicht die Rente? (1): Immer mehr Senioren müssen im Alter Grundsicherung beantragen,
in:
Neues Deutschland v. 02.08.

Roland BUNZENTHAL stellt uns im ersten Teil einer neuen Serie das Fallbeispiel eines Elektrikers in einem Metallbetrieb vor, das folgendes illustrieren soll:

"Das Beispiel zeigt, wie leicht besondere Ereignisse im Leben, meist unerwartete Schicksalsschläge wie Arbeitslosigkeit, Krankheit oder eben eine Scheidung, tief in den Lebens- und damit den sozialversicherungsrechtlichen Beitragsverlauf einschneiden können."

Zur gegenwärtigen und zukünftigen Altersarmut erzählt uns BUNZENTHAL:

"Die Berechnungen der Statistiker zeigen heute, dass ein Durchschnittsverdiener rund 28 Jahre lang Rentenversicherungsbeiträge gezahlt haben muss, um aus der Grundsicherung herauszukommen. Derzeit sind drei Prozent aller Rentner über 65 auf diese Sozialleistung angewiesen, bis zum Jahr 2030 dürfte dieser Anteil aber schätzungsweise auf gut ein Fünftel der Senioren anwachsen."

Neoliberale wie Axel BÖRSCH-SUPAN gehen dagegen nicht von 20 Prozent, sondern nur von 5-6 Prozent aus, die 2030 auf die Grundsicherung angewiesen sein werden.

Den Beginn der Altersarmutsdebatte legt BUNZENTHAL auf das Jahr 2009, als die CDU/CSU/FDP-Koalition den Kampf gegen Altersarmut in ihren Koalitionsvertrag aufnahmen. Obwohl bereits 2012 ein erster Referentenentwurf zu einem Gesetz gegen die Altersarmut vorlag, gibt es dazu gemäß BUNZENTHAL immer noch kein tragfähiges Konzept, wobei er hier den Bundesverband der Rentenberater zitiert. Als Gegner wird Hans-Werner SINN genannt, während der Paritätische Wohlfahrtsverband von einem drastischen Anstieg der Alterarmut ausgehe. Zuletzt erwähnt BUNZENTHAL das Konzept der Grünen zur Mindestrente.

 
       
   

TAGESSPIEGEL-Wirtschaftsthema: Vorsorge.
Wie Gewerkschaften, Arbeitgeber und Versicherer um Einfluss kämpfen

JAHBERG, Heike (2016): Wovon sollen wir im Alter leben?
Verdi-Chef Bsirske will die gesetzliche Rente erhöhen, die Arbeitgeber sind entsetzt,
in:
Tagesspiegel v. 02.08.

Heike JAHBERG präsentiert uns vor allem die Dpa-Agenturmeldung, wobei die Kritik an den Gewerkschaften und die Anhebung der gesetzlichen Rente im Vordergrund steht. Neben Gesamtmetall, IWF und OECD wird die IW-Studie von Susanna KOCHSKÄMPER auf das Schlagwort von der Rente mit 73 verkürzt. Am Schluss kommt Gert G. WAGNER zur Wort, dessen Statements offenbar von JAHBERG sinnentstellend wiedergegeben werden, weil wie schon beim MERKEL-Interview zur Ostrentenangleichung Journalismus mehr verfälscht als richtig stellt.

ERDLAND, Alexander (2016): "Riester lohnt sich doch".
Position: Die private Vorsorge bringt mehr Rendite, als viele denken,
in:
Tagesspiegel v. 02.08.

Mit Alexander ERDLAND redet ein Lobbyist der Versicherungswirtschaft (Präsident des GDV) die Riester-Rente schön. Er beruft sich dabei auf das IVFP-Institut, dessen Verflechtungen mit der Finanzwirtschaft im Dunkeln bleiben, aber gerne von Befürwortern der privaten Altersvorsorge zitiert wird (z.B. hier und hier)

Mit welchen Tricks ERDLAND auf die hohen Renditen für Riester-Verträge kommt, lässt sich nicht nachvollziehen. Wir hätten da gerne die Berechnungen dazu. Ohne die Subventionierung durch den Staat, von der nur die Versicherungswirtschaft profitiert, wäre das Riestern längst passé. Aus Profitsicht der Versicherungsbranche sind die Forderungen von ERDLAND verständlich, denn sie zielen auf höhere Profite ab:

"Wir müssen von den 16 Millionen Riester-Verträgen auf das Doppelte kommen",

nennt er das Ziel. Der Staat soll dafür sorgen, dass dies gelingt und der Versicherungsbranche nichts kostet. Mit Hinweis auf die Demografie soll uns die unattraktive private Vorsorge schmackhaft gemacht werden:

"Wegen der Niedrigzinsen brauchen wir mehr private Vorsorge, sonst kippt die Balance von Jung und Alt: 2015 standen 842.000 Jugendlichen im Alter von 18 Jahren rund 993.000 Senioren im Renteneintrittsalter von 65 Jahren gegenüber. Bereits 2029 liegt das Verhältnis bei 708.000 Schulabgängern zu mehr als 1,3 Millionen Neurentnern."

Wie ERDLAND auf diese fiktiven Zahlen kommt, lässt sich nicht nachvollziehen. Diese Rechnung hätte man deswegen ebenfalls genauer.

Fazit: Da uns ERDLAND keine nachvollziehbaren Fakten liefert, die sich überprüfen lassen, haben wir es hier letztendlich nur mit PR der Versicherungsbranche zu tun für die der Tagesspiegel eine Plattform liefert.

 
       
   

Die Pensionslasten der Unternehmen in der Debatte

SIEVERS, Markus (2016): Ärger um die Betriebsrenten.
Zinstief macht Firmen zu schaffen. Fiskus erkennt höhere Kosten nicht an,
in:
Frankfurter Rundschau v. 02.08.

Markus SIEVERS übernimmt unkritisch die Sicht der Unternehmenslobbyisten ohne uns überhaupt nur im Ansatz zu erklären, um was es bei dem Problem geht. SIEVERS' Story ist noch faktenärmer als das gestrige Handelsblatt-Titelthema von Peter THELEN. Weder wird der Studienautor genannt, noch welche Betriebsrenten überhaupt von dem Problem der Pensionsrückstellungen betroffen sind.

"Die steigenden Pensionslasten werden mittlerweile vielerorts zum Hemmschuh für Investitionen",

wird Volker TREIER (DIHT) zitiert. Von Pensionslasten kann gar keine Rede sein, denn es geht lediglich um Pensionsrückstellungen, also Gelder die von einigen Firmen bilanziert werden müssen, aber nicht unbedingt auch tatsächlich ausbezahlt werden müssen. Aber offenbar verfängt bei der FR bereits das Stichwort "Investitionshemmnis", damit aus einer Mücke ein Elefant gemacht werden kann, denn das ergibt eine genauere Betrachtung der Studie von Tobias HENTZE.

Außerdem ist der Zeitpunkt - im Vorfeld der geplanten Stärkung der betrieblichen Altersversorgung durch die große Koalition - taktisch zu sehen. Hier soll die öffentliche Meinung bereits auf die Interessenlage der Finanzdienstleistungsbranche und der Arbeitgeber eingeschworen werden, während die Interessen der Versicherten auf der Strecke bleiben.

SIEVERS, Markus (2016): Schäuble gnadenlos.
Kommentar: Unternehmen ächzen unter Altersvorsorge,
in:
Frankfurter Rundschau v. 02.08.

Wenn die Unternehmen nicht in der Lage sind die betriebliche Altersvorsorge zu stemmen, dann sollte diese zugunsten der gesetzlichen Rentenversicherung abgeschafft werden, statt den Arbeitnehmer zum Gewinner zu stilisieren:

"Glücklich darf sich als Arbeitnehmer schätzen, wer von der Firma eine verbindliche Zusage über die Leistungen im Ruhestand bekommen hat. Dann trägt der Chef das Risiko."

Gerade diese Arbeitgeberhaftung aber soll die geplante Reform der betrieblichen Altersversorgung beseitigen, was uns Markus SIEVERS verschweigt.

 
       
   

Die Rentenpolitik in der Debatte

DPA/TAZ (2016): Regierung vertagt Rentenstreit.
Alterssicherung: Arbeitsministerin Nahles will ihr Konzept im Herbst vorstellen. Gewerkschaften und Arbeitgeber bereiten sich auf heftige Kämpfe vor,
in:
TAZ v. 02.08.

Die taz-gerecht zugeschnittene Agenturmeldung stellt nochmals die Rentenkampagne von DGB, IG Metall und Verdi in den Vordergrund, mit der zwei Ziele verfolgt werden:

"Kampf gegen Altersarmut sowie eine auskömmliche Rente für die Mittelschicht."

Als Warner aus dem Arbeitgeberlager wird Oliver ZANDER (Gesamtmetall) zitiert, dem Frank BSIRSKE (Verdi) erwidert:

"»Ein Babyboomer des Jahrgangs 1964, der 2012 2.500 Euro brutto verdiente, kann nach 40 Arbeitsjahren 2030 nur mit einer Rente von 796 Euro rechnen.« Ein Drittel der Beschäftigten hätte sogar noch weniger Einkommen. »Elf bis zwölf Millionen Arbeitnehmer laufen auf Hartz-IV-Anspruch im Alter und Altersarmut zu«".

KRÜGER, Anja (2016): Es geht nicht nur ums Geld.
Über die überfällige Angleichung der Ostrenten,
in:
TAZ v. 02.08.

Anja KRÜGER beschäftigt sich mit der Angleichung der Ostrenten, die sie rein rhetorisch und ohne jegliche Faktenlage als notwendige Anerkennung der Lebensleistung von Ostdeutschen verstanden haben will. Die Ungleichbehandlung müsse aufhören, fordert KRÜGER, ohne zu erwähnen wie das zu bewerkstelligen ist.

ND (2016): Nun sag, wie hast du's mit der Rente?
Gewerkschaften und Unternehmer wollen Druck auf die Politik ausüben - mit gegensätzlicher Stoßrichtung,
in:
Neues Deutschland v. 02.08.

Der Artikel befasst sich in ähnlicher Weise wie die heutige taz-Agenturmeldung mit den Positionen von Arbeitgebern und Gewerkschaften.

 
       
   

HANDELSBLATT-Titelthema: Schäubles Rententrick

THELEN, Peter (2016): Schäubles Rententrick.
Sonderbelastung für die Betriebsrenten: Wegen der Nullzinsen müssen Unternehmen höhere Rückstellungen bilden. Steuerlich absetzen können sie diese Aufwendungen aber nur zum Teil. Dem Finanzminister verschafft das hohe Milliardeneinnahmen,
in:
Handelsblatt v. 01.08.

Die Lobbyisten der Finanzdienstleister kämpfen bereits seit längerem gegen als zu hoch empfundene Rückstellungen, nun eröffnen die Unternehmen jenseits der Finanzdienstleistungsbranche ihren Kampf gegen Pensionsrückstellungspflichten.

Die Studie Effekte der Niedrigzinsen auf die betrieblichen Pensionsrückstellungen in Deutschland von Tobias HENTZE beschreibt den Kreis der betroffenen Unternehmen folgendermaßen:

"Die Unternehmen sind verpflichtet, zukünftige Zahlungsansprüche ihrer Belegschaft bereits heute in angemessener Form in der Bilanz zu berücksichtigen. Nach den Rechnungslegungsvorschriften für Altersvorsorgezusagen muss ein Unternehmen zu diesem Zweck Pensionsrückstellungen bilden. Dies gilt allerdings ausschließlich für die unmittelbare betriebliche Altersvorsorge in Form einer Direktzusage, bei der sich der Arbeitgeber zu einer festgelegten Rentenzahlung an den Arbeitnehmer verpflichtet (§ 249 Abs. 1 Handelsgesetzbuch, HGB)." (2016, S.3)

Bei der jetzt groß herausgestellten Kampagne geht es also nur um einen kleinen Teil der Betriebsrenten, die auf Direktzusagen der Unternehmen beruhen. Gemäß Herbert FROMME in der SZ beliefen sich die Pensionsrückstellungen für Betriebsrenten Ende 2014 auf 557 Milliarden Euro. 285 Milliarden betreffen Direktzusagen, wobei FROMME hierunter sowohl Direktzusagen fasst, die die Betriebe selber oder ihre Partner vorhalten müssen.

Die Studie differenziert - im Gegensatz zu THELEN - zwischen kapitalmarktorientierten und nicht-kapitalmarktorientierten Unternehmen. Eine Handelsblatt-Grafik stellt dagegen nur die Betroffenheit von nicht-kapitalmarktorientierten Unternehmen dar. Bei den kapitalmarktorientierten Unternehmen sind wiederum nur eine Teilmenge betroffen, die HENTZE folgendermaßen beschreibt:

"Dabei wird zwischen beitragsorientierten (»defined contribution«) und leistungsorientierten (»defined benefit«) Pensionszusagen unterschieden, wobei Letztere dem Konzept der Direktzusage entsprechen. Für diese müssen ebenfalls Rückstellungen gebildet werden."

Angesichts der massiven medialen Publikmachung dieser Kampagne fragt sich der Leser, ob hier nicht aus einer Mücke ein Elefant gemacht werden soll. Die Summe um die es geht, also 25 Milliarden über einen Zeitraum von 6 Jahren, d.h. kaum mehr als 4 Milliarden jährlich, ist angesichts von über 550 Milliarden Euro an Pensionsrückstellungen im Jahr lächerlich gering, zumal nicht einmal berichtet wird, wie viele Betriebe davon betroffen sind. HENTZE stützt seine Berechnungen auf lediglich ca. 5.500 nicht-kapitalmarktorientierte Unternehmen (2016, S.10) für die ausreichend Daten zur Verfügung stehen, d.h. Verzerrungen durch die Auswahl der Unternehmen können nicht ausgeschlossen werden, weil es sich hier nicht um eine repräsentative Auswahl handelt.      

THELEN, Peter (2016): Der gierige Finanzminister.
25 Milliarden Euro, so hat das Institut der deutschen Wirtschaft errechnet, zieht Finanzminister Schäuble den Unternehmen zu Unrecht aus der Tasche, weil er ihnen trotz Niedrigzinsen bei Geldanlagen sechs Prozent Zinsgewinn unterstellt,
in:
Handelsblatt v. 01.08.

Peter THELEN referiert die IW-Köln-Studie Effekte der Niedrigzinsen auf die betrieblichen Pensionsrückstellungen in Deutschland von Tobias HENTZE nur sehr selektiv und verzerrt. Die Studie soll eine Benachteiligung der Unternehmen durch Pensionsrückstellungen belegen, befasst sich jedoch nur mit einem sehr kleinen Teil der Betriebsrenten.

Flankierend wird Klaus STIEFERMANN ("Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft betriebliche Altersversorgung") und die BDA zitiert.

"Der Mehraufwand zu den Pensionsrückstellungen belastet die betroffenen Unternehmen nicht nur, indem er ihr Eigenkapital und so am Ende auch die Kreditwürdigkeit vermindert. Auch die Betriebsrenten würden dadurch nicht sicherer",

wird die Argumentation von STIEFERMANN umschrieben. Die Lobbyisten der Unternehmen stilisieren sich also auch zu Anwälten der Betriebsrentner, deren Interessen jedoch andere sind als diejenigen der Unternehmen, denen es um die Abwälzung von Risiken auf die Versicherten geht, wie es Britta LANGENBERG anschaulich in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Capital beschreibt.

Was THELEN beschreibt ist sozusagen nur ein Nebenkriegsschauplatz, der Teil eines Kampfes um die Risikoverteilung in der Altersvorsorge ist. Die Interessen der Versicherten sind in diesem Kampf unterrepräsentiert. Das groß aufgemachte Titelthema macht aus einer Mücke einen Elefant und verschleiert dadurch die tatsächlichen Konfliktpunkte.

 
       
   

Das Elterngeld in der Debatte

GRÄBER, Berrit (2016): Stolperfallen beim Elterngeld.
Werdende Familien dürfen keine Fehler machen, wenn sie finanzielle Hilfe vom Staat wollen. Und sie müssen dabei schnell sein. Sonst geht ihnen richtig viel Geld verloren,
in:
Welt v. 01.08.

 
       
   

Die Beamtenversorgung in der Debatte

DPA/ND (2016): Dubiose Aktien im Pensionsfonds.
Sachsen-Anhalt legte Landesgelder auch in sehr umstrittenen Firmen und Ländern an,
in:
Neues Deutschland v. 01.08.

Dürfen Pensionsfonds der Bundesländer, die Pensionsverpflichtungen gegenüber den Beamten abdecken sollen, um höherer Renditen willen gegen ethische und ökologische Maximen verstoßen? Das Journalistennetzwerk Correctiv wendet sich gegen solche Praktiken, die derzeit in 16 Bundesländern verbreitet sind. In Sachsen-Anhalt wollen die Grünen diese Praxis unterbinden.

 
       
   

Der ländliche Raum und Mittelstädte im demografischen Wandel

FRITSCHE, Andreas (2016): Die verhinderte Großstadt.
ND-Serie Industriestandorte: Singer-Nähmaschinenwerke machten kleine Orte zu Metropolen - nur Wittenberge nicht,
in:
Neues Deutschland v. 01.08.

 
       
   
CAPITAL-Titelgeschichte: Kann ich mir das noch leisten?
Die Immobilienpreise in deutschen Städten explodieren - eine ganze Generation hat das Gefühl: Wir sind raus. Aber stimmt das?

KIRCHNER, Christian (2016): Die Heimsuchung.
Die Immobilienpreise in den Städten steigen und steigen - eine ganze Generation hat das Gefühl: Sie ist raus, kann nicht wie ihre Eltern im Eigenheim leben. Aber stimmt das eigentlich?
in: Capital, August

Christian KIRCHNER hat Ökonomen wie Tobias JUST, Michael VOIGTLÄNDER (IW Köln) und Konstantin A. KHOLODILIN (DIW) befragt, die das Gejammer der Generation um die 40 relativieren. Sowohl beim Verhältnis von Preisen zu Einkommen als auch bei der Kreditbelastungsquote sei Wohneigentum heute genauso erschwinglich oder unerschwinglich wie früher - je nach Anspruchshaltung bzw. Schichtzugehörigkeit. Die veränderten Wohnwünsche (größere Wohnfläche, bessere Ausstattung, innenstadtnah statt Vorort) haben jedoch dazu geführt, dass der Erwerb von Eigentum in Trendvierteln schwieriger geworden ist.

Noch nie konnten und wollten jedoch so viele Menschen im Eigentum statt zur Miete wohnen:

"Üblicherweise erwerben Menschen ihre Immobilie zwischen dem 35. und 44. Lebensjahr, im Schnitt mit 40 Jahren. Und in der Kohorte explodiert gerade die Eigentumsquote, von sechs auf 42 Prozent.
Anders gesagt: Die Alterskohorte typischer Käufer wächst demografisch über die kommenden zehn Jahre jedes Jahr um rund 100.000 Menschen, von 9,8 auf 10,7 Millionen."

Uns wird jedoch nicht verraten, wie diese Nestbauphase ermittelt wurde und ob nicht hier zwischen Familien und Kinderlosen, die zur Mobilität stärker gezwungen werden, gravierende Unterschiede bestehen.

Auch der Anstieg der Wohnflächen hat wohl weniger mit den Wohnwünschen zu tun sondern mit der Tatsache, dass heutzutage viel mehr Menschen als je zuvor in der Empty-Nest-Phase leben bzw. sich durch den Tod des Ehepartners die Wohnfläche pro Person ebenfalls erhöht. Es wäre also ehrlicher gewesen, wenn in der Grafik die Wohnfläche in Abhängigkeit von der Lebensphase dargestellt worden wäre. Nicht immer trügt uns unser Gefühl, sondern wir werden auch mit Statistiken belogen! 

 
       
   

Die Pensionskassen in der Debatte

LANGENBERG, Britta (2016): Rentenschmelze.
Hohe Garantien und sinkende Kapitalerträge treiben die Pensionskassen in die Enge. Einige Anbieter sind finanziell so angeschlagen, dass sie Rentenzusagen radikal kürzen. Für Versicherte stellt sich die Frage: Wer haftet?
in:
Capital, August

In der Juni-Ausgabe befasste sich Britta LANGENBERG mit den Problemen der Lebensversicherer, nun geht es um die Pensionskassen. Auf der 103. Mitgliederversammlung der BVV Pensionskasse wurde die Kürzung der Betriebsrenten der Bankangestellten beschlossen:

"Die Beschlüsse sind schmerzhaft: Für Einzahlungen in ältere Verträge wird es vom kommenden Jahr an rund 24 Prozent weniger Rente geben. Dass sich für diesen Einschnitt überhaupt eine Mehrheit findet, liegt auch daran, dass einige Großbanken zusagten, Fehlbeträge auszugleichen. Geschätzte Kosten: mehr als 100 Mio. Euro jährlich."

Bereits im Vorfeld der Beschlüsse berichteten Philipp KROHN in der FAZ, Thomas ÖCHSNER in der SZ über die geplanten Kürzungen der BVV Pensionskasse.

Für andere Versicherte der rund 140 Anbieter in Deutschland sieht es nach Meinung von LANGENBERG noch schlechter aus. Als Problem der Pensionskassen wird die

"Kluft zwischen Verpflichtungen (hohe Garantien, steigende Zahldauer) und Einnahmen (minimale Kapitalerträge)"

beschrieben. Die steigende Zahldauer kann kein Problem sein, denn in der Versicherungsmathematik wird der Anstieg der Lebenserwartung mehr als ausreichend berücksichtigt, was bekanntlich die Renditen jener schmälert, die früher sterben.

Kürzungen der Betriebsrenten erfolgen in Deutschland mittels Genehmigung der Aufsichtsbehörde Bafin.

"Neben der BVV hat auch die Neue Leben künftige Leistungen zigtausender Versicherter reduziert. Unangetastet bleiben bestehende Guthaben und laufende Renten",

berichtet LANGENBERG, die auf die Bestrebungen der Versicherungsbranche, speziell des Berufsverbands der Finanzmathematiker (IVS), hinweist, die auf eine Aufweichung der Arbeitgeberhaftung abzielen:

"Im Ergebnis bedeutet dies, dass Pensionskassen künftig viel einfacher Leistung kürzen könnten. Kasse gerettet, Arbeitgeber entlastet, Versicherte geschröpft",

fasst LANGENBERG das Kalkül der Lobbyisten zusammen. Danach wird uns die Sicht von IVS-Vorstand Friedemann LUCIUS, den uns Philipp KROHN in der FAZ als Vorstandsmitglied der Beratungsgesellschaft Heubeck präsentiert, aber gemäß seiner Kurzvita auf der Unternehmensseite in weiteren Gremien tätig ist:

"Dr. Lucius ist Mitglied des Vorstandes des Instituts der Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung (IVS), der berufsständischen Vertretung der Pensionsaktuare in Deutschland. Zudem ist er in diversen Fachgremien, etwa der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (aba) sowie der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) und der International Association of Actuaries (IAA) ehrenamtlich tätig."

Die Sicht der Versicherungslobby steht im Widerspruch zur Auffassung der Kölner Arbeitsrechtlerin Ingeborg AXLER, die die Arbeitgeber in jedem Fall in der Pflicht sieht, für die Rentenkürzungen einzustehen. Aber welcher Arbeitnehmer legt sich gerne mit seinem Arbeitgeber an, denn das Geld muss von jedem selber eingefordert werden - notfalls auf juristischem Wege.

Die Schwierigkeiten von Pensionskassen sind aber kein neues Phänomen der Niedrigszinsphase:

"Insgesamt kam es 2002 bis 2007 in sechs Fällen zu verminderten Rentenzahlungen - zumindest dann, wenn der Arbeitgeber nicht einsprang."

LANGENBERG weist darauf hin, dass es Unterschiede bei den Betriebsrentnern gibt, denn nicht alle Betriebsrenten werden von den "regulierten Pensionskassen" angeboten, sondern die 26 Pensionskassen, die erst nach 2002 gegründet wurden, verfügen gemäß LANGENBURG über ein zusätzliches Netz: den "staatlichen Sicherungsfonds Protektor". Staatlich ist eigentlich falsch, denn er ist nur gesetzlich vorgeschrieben. Dazu heißt es auf der Website des Sicherungsfonds:

"Durch Änderung des Versicherungsaufsichtsgesetzes vom 15. Dezember 2004 hat der Gesetzgeber die Errichtung eines Sicherungsfonds für die Lebensversicherer verbindlich vorgeschrieben.
 Dieser Sicherungsfonds dient dem Schutz der Ansprüche der Versicherungsnehmer, der versicherten Personen, der Bezugsberechtigten und sonstigen aus dem Lebensversicherungsvertrag begünstigten Personen.
Die Protektor Lebensversicherungs-AG ist vom Bundesministerium der Finanzen durch Rechtsverordnung (»Beleihungs-Rechtsverordnung«) mit den Aufgaben und Befugnissen des Sicherungsfonds für die Lebensversicherer betraut worden. Die ursprünglich als freiwillige Auffanggesellschaft gegründete Protektor Lebensversicherungs-AG hat ihre Satzung entsprechend angepasst." (Seitenabruf am 02.08.2016)

Gemäß LANGENBERG ist das Neugeschäft der Pensionskassen eingebrochen, so dass mit Stützungsmaßnahmen der Konzerne, die hinter den Pensionskassen nicht zu rechnen sei.

"Gerade einmal 109.000 neue Verträge wurden von Versicherern 2015 branchenweit noch verkauft."

Eine Tabelle listet 5 Pensionskassen auf, die knapp bei Kasse sind.

 
       
   

ZEITSCHRIFT FÜR WIRTSCHAFTSPOLITIK-Thema: Digitalisierung und Arbeiten 4.0 - Reformbedarf für die Alterssicherung?

WAGNER, Gert G. (2016): Rentenversicherungspflicht für Selbständige macht Sinn - auch wenn die Digitalisierung weniger stark sein sollte als viele glauben,
in: Zeitschrift für Wirtschaftspolitik, Heft 2, S.123-128

WELSKOP-DEFFAA, Eva M. (2016): Die dynamische Rente 4.0.
Antworten der Alterssicherungspolitik auf die Digitalisierung der Arbeit,
in: Zeitschrift für Wirtschaftspolitik,
Heft 2, S.129-137

LUTZ, Andreas (2016): Digitalisierung und Arbeiten 4.0 - Reformbedarf für die Alterssicherung?
10 Thesen zur geplanten Altersvorsorge- (bzw. Rentenversicherungs)pflicht für Selbständige - Wie es (nicht) funktioniert,
in: Zeitschrift für Wirtschaftspolitik,
Heft 2, S.138-156

 
       
   

Die Medienkultur als Problem

WESSLING, Kathrin u.a. (2016): Mein Leben nach der Liebe.
Ein Dossier über den emotionalen Neustart,
in: Neon,
August

Schlimmer geht immer, ist offenbar das neue Motto von Neon. Selbst auf Meedia.de hat man nun die Krise bemerkt. Die Titelgeschichte ähnelt perfide den zahlreichen Billig-Single-Magazinen, die nicht überlebt haben. Billigjournalismus auf Hochglanzpapier? Eher kein Zukunftsmodell. Und Bravo für Erwachsene? Man darf gespannt sein, wann das Blatt eingestellt wird oder ob hier noch Rettung möglich ist. Der Niedergang des Blattes wurde hier in den letzten Jahren schon öfters angesprochen.   

 
       
   

Das Alleinreisen und Single-Reisen in der Debatte

STEEG, Lena (2016): Der Flug der Pelikane oder Lena fährt mal weg.
Während andere ständig um die Welt fahren, bleibt unsere Autorin lieber zu Hause. Als Single hasst sie es, alleine zu verreisen. Aber ist das wirklich so schlimm?
in: Neon,
August

 
       
   

NEON-Kontroverse: Helden und Idioten.
Soll man sich mit seinen Nachbarn anfreunden?

NIEBERDING, Mareike (2016): Nach zehnt Jahren Einsamkeit bin ich wieder Teil von etwas Größerem. Hinter jeder Tür tut sich eine Geschichte auf,
in: Neon,
August

STEEG, Lena (2016): Ich versuche, unser Verhältnis auf dem Level zu halten, auf dem man Mitpatienten beim Hautarzt begegnet,
in: Neon,
August

 
       
   

Der Wandel des Parteiensystems in Deutschland in der Debatte

REISINGER, Eva (2016): "Eine Generation der verhinderten Spießer".
In Europa wählen immer mehr junge Menschen rechte Parteien. Woran liegt es, dass sich plötzlich so viele zu rechtskonservativen Werten hingezogen fühlen? Ein Gespräch mit dem Soziologen Philipp Ikrath,
in: Neon,
August

Wer meint, dass die rechtskonservative Strömung ein plötzliches Phänomen ist, der hat wohl das ganze Jahrtausend im Tiefschlaf verbracht! Der Begriff Nationalkonservatismus trifft es zudem besser, denn dann verwechselt man das Phänomen nicht mit rechten Parteien. Thilo SARRAZIN war Mitglied der SPD und Gunnar HEINSOHN war in allen Mainstreamzeitungen präsent. Der Erfolg der AfD ist nicht der Beginn, sondern nur der Durchbruch des Nationalkonservatismus, der sich als ideale Ergänzung zum herrschen Neoliberalismus erweist, den in seiner Synthese vor allem Hans-Werner SINN verkörpert. Und wenn ein Soziologe die Spießer-Karte zieht, dann zeigt das lediglich die Hilflosigkeit unserer liberalen Meinungselite. Anfang des Jahrtausends wurden gerne die Weimarer Verhältnisse beschworen - je näher der Abgrund ist, desto weniger hört man davon...    

 
       
   

Kontaktanzeigen in der Debatte

NEON (2016): Ehrliche Kontaktanzeigen,
in: Neon,
August

 
       
 

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Zu den News vom 22. - 31. Juli 2016
 

   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
 
   

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