[ News-Hauptseite ] [ Glossar ] [ Übersicht der Themen des Monats ] [ Homepage ]

 
   

Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
News: 23.-30.November 2002
News: 16.-22.November 2002
News: 01.-15.November 2002
News: 16.-31. Oktober 2002
News: 01.-15. Oktober 2002
News: 16.-30. September 2002
News: 01.-15. September 2002
News: 16.-31. August 2002
News: 01.-15. August 2002
News: 16.-31. Juli 2002
News: 01.-15. Juli 2002
News: 15.-30. Juni 2002
News: 01.-15. Juni 2002
News: 16.-31. Mai 2002
News: 01.-15. Mai 2002
News: 16.-30. April 2002
News: 01.-15. April 2002
News: 16.-31. März 2002
News: 01.-15. März 2002
News: 15.-28. Februar 2002
News: 01.-14. Februar 2002
News: 16.-31. Januar 2002
News: 01.-15. Januar 2002
News: 16.-31.Dezember 2001
News: 01.-15.Dezember 2001

News: 16.-30.November 2001
News: 01.-15.November 2001
News: Oktober 2001
News: September 2001
News: 16.-31.August 2001
News: 01.-15.August 2001
News: 16.-31.Juli 2001
News: 01.-15.Juli 2001
News: 16.-30.Juni 2001
News: 01.-15.Juni 2001
News: 16.-31.Mai 2001
News: 01.-15.Mai 2001
News: April 2001
News: März 2001
News: Februar 2001
News: Januar 2001
News: Dezember 2000
News: November 2000
News: Oktober 2000
News: September 2000
News: August 2000
News: Juli 2000
News: Juni 2000
News: Mai 2000
News bis Mai 2000

 
       
     
       
       
   

News vom 01. - 15. Dezember 2002

 
       
     
       
   

Zitat des Monats:

"Vereinfacht formuliert gibt es unter den sogenannten »Alleinlebenden« eine Art sozialer Polarisierung: Auf der einen Seite finden sich unter den Alleinlebenden - und dies gilt primär bei Männern - beruflich-sozial klar desintegrierte Menschen, und es ist beispielsweise diese Gruppe sozial desintegrierter alleinlebender Männer, welche - etwa im Vergleich zu gleichaltrigen verheirateten Männern - ein überdurchschnittliches Sterblichkeitsrisiko aufweisen. Auf der anderen Seite findet sich unter den Alleinlebenden - und dies gilt primär bei Frauen - um eine bedeutsame Gruppe hoch integrierter, beruflich-sozial hoch kompetenter Menschen. Das Alleinleben bei dieser Gruppe ist ein spezielle Form des beruflich-sozialen Erfolgs."
(Elisa Streuli in "Alleinleben in verschiedenen Lebensphasen" 2002)

 
       
       
     
   
  • GAUWEILER, Peter (2002): Keine heilige Familie mehr,
    in: Welt am Sonntag München v. 15.12.

    • Peter GAUWEILER stimmt mit Kardinal MEISNER überein, dass die Einsamkeit nie größer war. Beweise bleibt er jedoch schuldig...
Einsamkeit - Single-Haushalte und die Fröste der Freiheit
 
   
  • IJO (2002): Die sexuelle Konterrevolution,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 14.12.

Der Autor beschäftigt sich mit der Kritik von Catherine MILLET an den "Ökologen des Sex" im Nouvel Oberservateur vom 05.12.2002:

"Dieser Ausdruck eröffnet eine interessante mentalitätsgeschichtliche Überlegung: Sollte die sexuelle Revolution ihr Ende nicht erst mit dem Aufkommen von Aids gefunden haben, sondern tatsächlich bereits den entscheidenden Dämpfer erhalten haben, als aus wilden Anarchisten betuliche Biotop-Warte wurden? Niedrig im Verbrauch der Geschlechtspartner zu sein, war nun wahrlich kein proklamierter Wert der 68er. Penetration und Promiskuität machten einen erheblichen Teil des revolutionären Elans aus. Während umgekehrt der zentrale Begriff der Öko- Bewegung, der der Nachhaltigkeit, logischerweise auf Monogamie hinausläuft. So gesehen müsste man die Geschichte der Protestbewegung, die bisher an einer Kontinuität zwischen außerparlamentarischer Opposition und Ökologiebewegung, zwischen dadaistischem Sit-in und Sitzblockade in Mutlangen festhielt, radikal umschreiben.
            (...).
Mit anderen Worten: Die geistig-moralische Wende war bereits eingeleitet, lange bevor der Pfälzer Kanzler dies forderte."

Diese Erkenntnis ist weder revolutionär, noch ist sie neu! Der Autor hätte das Buch Lebensphasen - Liebesphasen von Günter BURKART lesen sollen. BURKART datiert die Veränderungen der Lebensformen auf die kurze Zeitspanne zwischen 1965 und 1975:

"Heirats- und Geburtenraten, Haushaltsstrukturen und Wohnformen - alles änderte sich zwischen 1965 und 1975 mit großer Geschwindigkeit." (1997, S.37).

Für die USA datiert BURKART die Remoralisierung auf Mitte der 70er Jahre:

"Auf die erste Welle sexueller Liberalisierung folgte eine konservative Renaissance, in den USA bereits Mitte der siebziger Jahre. Ihre Vertreter beklagten einen Verlust an commitment, einen Anstieg von Egiosmus und Narzißmus. Teilweise wurde der ehrwürdige Treue-Anspruch wiederbelebt." (S.201).

Statt Promiskuität ist sexuelle Monogamie zur neuen Norm geworden. Svende MERIANs Bestseller Der Tod des Märchenprinzen ist ein Dokument dieser geistig-moralischen Wende in der Alternativszene am Ende der 1970er Jahre.

 
   
  • taz-Tagesthema: Das neue Tarifsystem der Bahn AG.
    Ab Sonntag ist Bahnreisen ein Sport für Frühbucher und Planungsgurus. Die taz verrät Ihnen, wie Sie am günstigsten reisen,
    in: TAZ v. 14.12.

 
   
  • MEHNERT, Ute (2002): Singles reisen mit der Börse billiger,
    in: Saarbrücker Zeitung v. 13.12.

Die Bahn nimmt erste Korrekturen an ihrem singlefeindlichen Tarifsystem vor und gründet eine eigene Mitfahrbörse im Internet:

"Vorgemacht haben es findige Studenten und der Verkehrsclub Deutschland, nun geht die Deutsche Bahn selbst in die Offensive: Zum Start ihres neuen Preissystems am Sonntag gründet sie eine eigene DB-Mitfahrerbörse im Internet. Ab dem heutigen Freitag können Einzelreisende unter der Adresse www.bahn.de nach Mitfahrern suchen und so in den Genuss der günstigen Mitfahrerrabatte kommen. Gleichzeitig startet die Bahn ein Pilotprojekt, bei dem zwei Mitfahrzentralen in Berlin und Dresden bundesweit Zug-Fahrgemeinschaften vermitteln und sogar die Tickets besorgen."

 
   
  • TAZ-DOSSIER "Glück im Alter - aber wie?"
    in: TAZ v. 13.12.

 
   
  • BARTSCH, Michael (2002): Der Osten altert schneller.
    Generationen in Ostdeutschland. Abwanderung, demografische Falle und Generationenkonflikt werden von zwei Studien untersucht,
    in: Freitag Nr.51 v. 13.12.

 
   
  • WEDEL, Judith (2002): Verwöhnte Westgören,
    in: Freitag Nr.51 v. 13.12.

 
   
BRIGITTE-Dossier: Sehnsucht nach der großen Liebe.
Sie kommt nicht immer zur richtigen Zeit. Aber Widerstand ist zwecklos. Nichts im Leben kann mit der Liebe konkurrieren
  • JARDINE, Anja (2002): "Liebe lässt sich nicht unterdrücken".
    In seinen Roman fegt die Leidenschaft wie ein Wirbelsturm über die Menschen. Trotzdem sieht der japanische Schriftsteller Haruki Murakami das größte aller Gefühle als eine innere Angelegenheit: Die Liebe ist eine Reise zu sich selbst,
    in: Brigitte Nr.26 v. 11.12.

 
   
  • Thema: Statistisches Jahrbuch Berlin

    • KÜPPER, Mechthild (2002): Die Berliner sterben nicht aus.
      Dank Zweitwohnungssteuer und Studentenprämien wächst die Bevölkerung der Hauptstadt wieder,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.12.

    • TSO/DPA (2002): Single und Heiratsmuffel.
      Das Statistische Jahrbuch bringt es an den Tag: Berlin wächst wieder. 28.600 Neuberliner erblickten 2001 das Licht der Welt. Ihre erwachsenen Mitbewohner leben am liebsten allein. Erst nach dem Tod zieht es sie verstärkt ins Umland,
      in: Tagesspiegel v. 11.12.

 
   
  • HANKEL, Wilhelm (2002): Wir sind keine Schmarotzer.
    Der streitbare Wirtschaftsprofessor Wilhelm Hankel, 73, widerspricht stern-Autor Walter Wüllenweber: Ihr Jungen habt keinen Grund, uns Alten Mundraub vorzuwerfen,
    in: Stern Nr.51 v. 12.12.

 
     
   
  • SPÖRRLE, Mark (2002): Ein teures Unternehmen.
    Birgitt und Siegfried Schmidtke klagen vor dem Bundessozialgericht. Sie wollen keine Rentenbeiträge mehr bezahlen. Mit ihren drei Kindern, so sagen sie, investieren sie genug in die Gesellschaft,
    in: Die ZEIT Nr.51 v. 12.12.

Jürgen BORCHERT, der Robin Hood der wohlhabenden Mittelschichtfamilien und Singlefeind, bereitet die nächste Etappe im Krieg der Eltern gegen Nicht-Eltern vor. Die ZEIT flankiert dies mit einem wohlmeinenden Porträt über eine Revolution im Reihenhaus, an der Konrad ADAM, die Feuilleton-Revoluzzer der FAZ und Vordenker der Sessel-Demonstranten wie MÜLLER-VOGG sicher ihre Freude haben werden.
 
   
Simone Odierna - Die heimliche Rückkehr der Dienstmädchen
 
     
   
Michael RUTZ hat in den Kinderlosen den üblichen Sündenbock gefunden: "Unsere gesamte ökonomisch-soziale Zukunft leidet unter dem Schwund unseres Volkes. Die schlichte Wahrheit, dass zu wenig Kinder (also Beitragszahler) geboren werden, das Volk also (krankenkostenpflichtig) altert und eigentlich alles unternommen werden müsste, wieder Bevölkerungspolitik zu treiben, wird unter Rechtsideologie-Verdacht gestellt und daher als politisch unkorrekt nicht debattiert. Wäre das anders, könnte man die Debatte um unsere wirtschaftliche und soziale Entwicklung mit Hoffnung führen. So aber ist absehbar, dass die heutigen Finanzengpässe auf allen öffentlichen Ebenen nur Vorboten sind eines weit größeren Dramas."
 
     
     
     
   
  • LÜPPEN, Karin (2002): Wer geht meilenweit für einen Job?
    Ledige Arbeitslose sollen Stellen in ganz Deutschland annehmen,
    in: Ostfriesen-Zeitung v. 10.12.

Karin LÜPPEN kritisiert die Zumutbarkeitskriterien der HARTZ-Vorschläge: "Auch ein Lediger lebt ja nicht auf der Straße, sondern hat Familie, Freunde, einen Lebenspartner, vielleicht ein eigenes Haus, die er nicht ohne weiteres aufgeben kann. Hinter der Absicht, den Druck auf die Arbeitslosen weiter zu verschärfen, versteckt sich die alte Stammtisch-Parole der Satten und Zufriedenen: »Wer wirklich Arbeit will, der findet auch welche.«"
Eine Kritik der singlefeindlichen Vorstellungen der Hartz-Kommission
 
   
  • KIESERLING, André (2002): Vier Felder sollt ihr bewirtschaften und euren Frauen Arbeit geben.
    Nein, es war nicht Max Weber. Der Gründer der modernen Gesellschaftstheorie hieß Talcott Parsons und wurde vor einhundert Jahren geboren,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.12.

André KIESERLING würdigt in einem gehaltlosen Artikel - den US-amerikanischen Soziologen Talcott PARSONS. Der Strukturfunktionalist hat wie kein anderer die Vorstellung von der amerikanischen Normalfamilie der 1950er Jahre geprägt. Seine Familiensoziologie kann man als Rechtfertigung der Hausfrauenehe lesen, die er allen anderen Familienformen als überlegen betrachtete. Vor diesem Hintergrund muss man KIESERLINGs Attacke gegen die Politik der Vereinbarkeit von Beruf und Familie lesen, wenn er PARSONS' Vorschläge zur Schwächung des Nachkriegsdeutschlands referiert:

"Durch weibliche Berufstätigkeit könne die Stellung der Ehemänner und Väter innerhalb weniger Generationen so stark geschwächt werden, daß davon keine Gefahren für den Nachwuchs mehr ausgehen".

Im Novemberheft des Merkur hat sich Hans-Peter MÜLLER profunder mit Leben und Werk von Talcott PARSONS beschäftigt. Wer sich für die gesellschaftspolitischen Folgen des Familienverständnisses von PARSONS interessiert, dem sei Arlene SKOLNICKs Buch Embattled Paradise empfohlen.

Die Geschichte des Single-Daseins in den USA seit 1950 
 
     
   
  • ZDF-Fernsehspiel "Fifty Fifty"

Das Neue-Mitte-Feuilleton hat bereits seit längerem eine Suchanzeige aufgegeben: Coole Mütter als Vorzeigemodelle für die Spaßgesellschaft verzweifelt gesucht. Inzwischen mehren sich die Angebote für den Club der schönen Mütter. "Fifty Fifty" zeigt das neueste Modell zur Lösung dieses Vereinbarungsproblems...
Eine stadtsoziologische Annäherung an das Problem - Von der Suburbanisierung zur Family-Gentrification
  • BURG, Susanne (2002): Ledig, jung, allein erziehend.
    Die "Party-Mütter" Celine und Natty versuchen Kind und Spaßgesellschaft zu vereinen. "Fifty Fifty" (ZDF, 0.55 Uhr) zeigt, wei mühsam das ist, vor allem wenn man von den Vätern getrennt lebt,
    in: TAZ v. 09.12.

  • KELLER, Harald (2002): Expedition in die Wirklichkeit.
    Das ZDF zeigt einen bemerkenswerten Nachwuchs-Film über den Alltag zweier junger Mütter,
    in: Frankfurter Rundschau v. 09.12.

  • MARTENS, René (2002): Kampf.
    "Fifty-Fifty": ZDF-Dokumentation über junge Mütter und Väter,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 09.12.

 
   
Patrik SCHWARZ konfrontiert Matthias BERNINGER mit seiner Generationenzugehörigkeit:

"Auch jenseits der Politik ist die Generation der Wohlstandskinder um die 30 nicht gerade als risikofreudig berühmt.
            Da legen einige von den 68ern eine ziemliche Salonlöwen-Haltung an den Tag. Am Arbeitsmarkt sieht man doch zurzeit, dass Entlassungen vor allem auf die Knochen der Jungen gehen. Die legen nicht die Hände in den Schoß.
Die Risikofreudigen finden sich also außerhalb der Partei?
Wir Jüngeren haben zum Beispiel der Partei mit der Familienpolitik ein Thema zugemutet, als man bei den Grünen das Wort Familie nicht mal erwähnen durfte Da haben wir mit unserer Erfahrung vom Leben mit Kindern maßgeblich den Kurs geändert. Unser Politikstil ist halt ein anderer, als die Altvorderen sich das in seliger Erinnerung an ihre wilden Jahre wünschen. Unser Weg besteht darin, nicht alles abzukupfern."

 
   
FOCUS-Titelgeschichte: Hotel Mama.
Besser Billiger Bequemer
  • MORCHÉ, Pascal (2002): Hotel Mama.
    Auf und davon aus dem Elternhaus? Das war einmal. Die Jugend weiß, wo es am schönsten ist: zu Hause!,

    in: Focus Nr.50 v. 09.12.

  • MORCHÉ, Pascal (2002): Das Nesthocker-Problem.
    Die Psychologin Papastefanou beklagt den Service im Hotel Mama. Es macht die Jugend unselbständig,
    in: Focus Nr.50 v. 09.12.

 
   
  • FAS-Pro & Contra: Die Rente ist kaum zu retten. Sollen wir also arbeiten bis zum Umfallen, das heißt mindestens bis 80?

    • SEIDL, Claudius (2002): Pro.
      Altern macht jünger,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 08.12.

    • ZIELKE, Anne (2002): Contra.
      Jünger des Alters,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 08.12.

 
   
  • HUISSELING, Mark van (2002): Jane Birkin über Coolness, wilde Nächte mit Serge Gainsbourg und das Leben danach,
    in: Berliner Zeitung v. 07.12.

Wirkungsvoller als eine "bevölkerungsbewusste" Familienpolitik scheint offensichtlich die Popmusik zu sein: "Der Journalist Roger Willemsen vermutet, die halbe Generation Golf sei zu »Je t’aime« gezeugt worden.
Deshalb bin ich stolz darauf. Das Stück wurde kürzlich zum »Sexiest Song« aller Zeiten gewählt."
 
   
  • MAGENAU, Jörg (2002): Die Abseitssteher.
    Helden haben einen zweifelhaften Ruf. In der jüngeren deutschen Literaturproduktion steht zu lesen, dass nur eine Tugend zählt: nicht die gute Tat, sondern die klasse Performanz. Ein Abgesang auf eine selbstzufriedene Gattung,
    in: TAZ v. 07.12.

Während Jörg MAGENAU noch einen Abgesang auf die klassischen Helden schreibt, werden hierzulande fast täglich neue Helden ernannt. Selbst Loser sind heldentauglich, wenn - wie bei Florian ILLIES - die Performance stimmt...
 
     
   
  • HEINZEL, Sebastian (2002): Die Pop-Praktikanten von MTV.
    Viele Unternehmen beschäftigen Praktikanten als billige Arbeitskräfte, aber der Musiksender MTV kann sie mit der Aussicht bei Laune halten, vor der Kamera Videoclips präsentieren zu dürfen. Das System funktioniert so gut, dass über ein Drittel der Mitarbeiter des Fernsehkanals Praktikanten sind,
    in: TAZ v. 06.12.

Diedrich DIEDERICHSEN hat Mitte der 1980er Jahre den Umbruch des Jobsystems aus der Sicht der "Second-Order-Hipness-Generation" beschrieben:

"Ich war Schlafwagenschaffner, Bauarbeiter, Metallarbeiter, Versicherungsangestellter, Verkehrsplanungsassistent, Hauslehrer und meistens Lagerist. Was für ein Lebenslauf! Knut Hamsum, Charles Bukowski und Bob Dylan haben nicht so viel erlebt, bevor sie berühmt wurden, und in Bohemia hat jeder mindestens so einen Lebenslauf.
            (...).
Diese Kultur der Jobs ist heute unwirksam geworden. Die Jobs werden nicht mehr als Lebenserfahrung und Individuationsetappe verstanden (...). Sie sind mittlerweile bittere Realität weil, wer sie heute annimmt, dies in dem Glauben tun muß, daß er unter Umständen für ein Leben so arbeiten muß. (...).

            Und aus einem anderen Grund ist diese Kultur gestorben. Wie wir gesehen haben, hat Bohemia ein kleines, scheinbar sinnvolles Pöstchen für jeden, der zur Selbstausbeutung als Kellner, Schallplattenverkäufer und New-Wave-Boutiyuen-Aushilfe bereit ist. Wer einen solchen Job annimt, tut das ja im Glauben, nichts Unentfremdetes zu tun."

Was DIEDERICHSEN hier in Sexbeat zu Beginn der Popmoderne beschreibt, das klingt aus der Sicht der Karriere-"Generation Ally" von Katja KULLMANN schon weniger bohemienhaft verklärt:

"Einige kamen aus dem Praktikantentum gar nicht mehr heraus, hangeln sich seitdem von Job zu Job und besuchen nie ein Jahrgangstreffen, denn sie haben Angst, im Vergleich zu ihren Ex-Mitschülern als Versager dazustehen. Die Hamburger Band Die Sterne widmete dieser Gattung 1994 einen Song, er heißt Universal Tellerwäscher und erzählt von einem jungen Mann, der sich jahrelang als Aushilfskraft in Ton- und Film-Studios herumtreibt, inder Hoffnung auf die Chance seines Lebens."

Während KULLMANN den Praktikantenstatus als prägende Erfahrung zwischen Unterforderung, Überforderung und Überflüssigkeit beschreibt, wird bei HEINZEL das Fortwirken des alten Boheme-Mythos im MTV-Gewand deutlich.

 
     
   
Catherine MILLET, deren Skandalbuch Das sexuelle Leben der Catherine M. vor einiger Zeit auch in Deutschland erschienen ist, kritisiert die kulturpessimistische Sicht, die einen direkten Zusammenhang zwischen dem Sexualleben und der Darstellung von Sex in den Medien konstruiert. Stattdessen sieht sie einen Zusammenhang zwischen der Sozialisation der Kritiker und deren Kritik an der Mediendarstellung:

"Ce qui est nouveau dans les débats actuels, c’est que certains de ceux qui sont pour la restriction ou le contrôle de la circulation de ces représentations sont parfois eux-mêmes des libertins. Mais des libertins à la façon du xviiie siècle, aristocratique, qui jugent que les héros de Michel Houellebecq, par exemple, consommateurs des plaisirs simples de la société porno-démocratique, gâchent la cause. Je soupçonne que certains d’entre eux ont dû recevoir une éducation stricte, religieuse peut-être, qui les a contraints de faire leur éducation sexuelle dans la plus grande clandestinité, ce qui, selon un processus bien connu des psychanalystes, conditionne désormais leur plaisir. Pour eux, celui-ci ne peut se trouver que dans le mystère de l’alcôve et ils répugnent à voir celle-ci brutalement éclairée par des projecteurs de cinéma."

Single-generation.de hat bereits Anfang letzten Jahres ähnlich argumentiert.

 
   
  • RHEINISCHER MERKUR SPEZIAL: Rente - Bedrohter Konsens. Sicherungssysteme vor dem Kollaps

    • BÜSSER, Muriel (2002): Rentenniveau.
      Sicher ist nur, wer selbst spart,
      in: Rheinischer Merkur Nr.49 v. 05.12.

    • WUTTKE, Walther (2002): Neue Zielgruppe.
      Das Alter zu ehren kann sich lohnen,
      in: Rheinischer Merkur Nr.49 v. 05.12.

    • LOJEWSKI, Günther von (2002): Solidarität. Sollen sich die Ruheständler an der Sanierung der leeren Kassen beteiligen?
      Kein Geld für Tricks. Mit einem Beitrag der älteren Generation werden nur Etatlöcher gestopft. Deshalb darf sie sich verweigern,
      in: Rheinischer Merkur Nr.49 v. 05.12.

    • RADIGER, Till (2002): Ein Cappuccino im Alter.
      Sicherungssysteme International. Der Staat ist immer dabei,
      in: Rheinischer Merkur Nr.49 v. 05.12.

    • MEHLITZ, Johannes (2002): "Die Bevölkerung wird unterschätzt".
      Demografie. Neue Grundlagen. Selbst eine höhere Geburtenrate kann die Folgen des demografischen Wandels nicht beheben. Gespräch mit Axel Börsch-Supan,
      in: Rheinischer Merkur Nr.49 v. 05.12.

    • SCHÖNEBERGER, Markus (20029: In der Altersfalle.
      Frühverrentung. Alle fordern einen Paradigmenwechsel. Leere Kassen und der gleichzeitig drohende Mangel an Facharbeitern zeigen: Vorruhestand ist der falsche Weg,
      in: Rheinischer Merkur Nr.49 v. 05.12.

    • TREMMEL, Jörg (2002): Teilen statt einseitig belasten.
      Jugend. Düstere Zukunft. Von Gerechtigkeit wird viel geredet. Aus Sicht der jungen Menschen wird aber nicht danach gehandelt,
      in: Rheinischer Merkur Nr.49 v. 05.12.

 
   
  • SVZ (2002): Gute Familienpolitik tut not.
    Forschungsschwerpunkt zwei: Die Geburtenentwicklung,
    in: Schweriner Volkszeitung v. 05.12.

 
   
  • CLAUSS, Ulrich (2002): Tausche Klempner gegen Babysitter.
    Der Steuerstaat drängt die Bürger aus der Geldwirtschaft - ein Widerstandsmodell,
    in: Welt v. 05.12.

 
   
Christoph Butterwegge - Kinderarmut und Generationengerechtigkeit
 
   
  • DEM (2002): Konsumkinder,
    in: Frankfurter Rundschau v. 04.12.

Der Autor sucht einen Sündenbock für die gegenwärtige Konsumunlust und findet ihn in den Kinderlosen. Er konstruiert einen Zusammenhang zwischen "Demographie und Kaufneigung". Gäbe es bei uns nicht so viele verwöhnte Einzelkinder, dann sähe es bei uns noch schlechter aus. Die Schlussfolgerung lautet konsequenterweise: Umverteilung von "Kinderlosen" und armen Eltern auf wohlhabende Akademikerfamilien.

Elinor BURKETT hat in ihrem Buch Baby Boon die Folgen einer solchen Klientel-Familienpolitik für wohlhabende Akademikerfamilien beschrieben. "Kinderlose" können in diesem Buch bereits heute nachlesen, was Deutschland in den kommenden Jahren noch bevorsteht.

 
     
   
  • BAUMBUSCH, Kirsten (2002): Heidelberg hat ein dickes Plus bei den jungen Singles.
    Noch steigt die Zahl der Bevölkerung leicht, doch der Mangel an preiswerten Wohnungen treibt Familien verstärkt ins Umland,
    in: Rhein Neckar Zeitung v. 03.12.

 
     
   
Jan ENGELMANN widmet sich nun nachträglich jenem Aspekt, den single-generation.de bereits am 21.11. an der BARING-Kritik der taz vermisst hat:

"Trotz aller Diskussion über Arnulf Barings Rundumschlag neulich in der FAZ, mit dem er schlappe Politiker und ihre willigen Untertanen abwatschte, wurde über den entscheidenden Satz einfach hinweggelesen: »Abgesehen von der Sexualität sind bei uns alle Themen tabuisiert, zum Beispiel die Probleme des Bevölkerungsrückganges in Deutschland.«"

 
     
     
   
Eckhard FUHR - ein Angehöriger der 78er-Generation - leistet ideologische Vorarbeit für die Generation Golf und deren Protest:

"Nicht ziviler oder militärischer Atomwahn setzt die Zukunft aufs Spiel, sondern der Sozialwahn der Rentenpolitiker. Der Atompilz ist zum Bevölkerungspilz geworden, der alles unter sich begräbt, was seine Sporen erst noch verdienen will.
            Unter dem Zeichen des Bevölkerungspilzes sammelt sich eine neue Protestgeneration. Sie hat sich bisher eher einem komfortablen Angepasstsein hingegeben, nachtblaue Hosen gebürstet und in den Erinnerungen an eine ereignislose Playmobil-Kindheit gekramt. Ihre Existenz schien so geregelt und für alle Zukunft gleichförmig, dass sie schon in jungen Jahren ihren Biografen fand. Über die Generation Golf war alles gesagt.
            Bis sie den Bevölkerungspilz entdeckte. Im Spätherbst 2002. Da war das Umdrehen der Bevölkerungspyramide zwar schon mindestens ein Jahrzehnt lang Gegenstand sozialpolitischer Debatten. Aber jetzt kam diese Kunde im Feuilleton an".

FUHR zitiert den Filmkritiker Andreas KILB (FAZ v. 25.11.2002) als Gewährsmann seiner Revolte und träumt schon mal:

"Bald werden die ausgemergelten Massen der Generation Golf durch die Straßen ziehen und (...) die gerontokratischen Charaktermasken des Achtundsechziger-Systems wissen sich nur noch mit der berittenen Polizei zu helfen."

So sehen die Zaungast-Phantasien einer gescheiterten Generation aus, die sich nun durch eine andere Generation rächen lassen möchte...

 
   
  • Alice Schwarzer zum 60. Geburtstag

    • KULLMANN, Katja (2002): Die Heldin mit dem Monopol.
      Heute wird Alice Schwarzer 60 Jahre alt. Mit aufklärerischem Eifer, ungebrochener Kampflust und ihrer Zeitschrift "Emma" stritt sie wie keine Zweite für Emanzipation und Gleichberechtigung, als beides noch undenkbar schien. Genau darin liegt auch das Problem: Es gibt nur eine Alice Schwarzer,
      in: TAZ v. 03.12.

    • FETSCHER, Caroline (2002): Emmas Mama.
      Feministisch, praktisch,gut: Alice Schwarzer zum 60.,
      in: Tagesspiegel v. 03.12.

    • LAU, Mariam (2002): Alice Schwarzer und das Glück.
      Noch mit 60 spricht die Prophetin des Feminismus Sätze voller Hass und Ekel - über Frauen,
      in: Welt v. 03.12.

 
   
  • OY, Gottfried (2002): Die Ohne-Mich-AG.
    Oder doch lieber Jobfloater werden? Die "Glücklichen Arbeitslosen" im Streit mit Bürokratie und Leistungsethik,
    in: Frankfurter Rundschau v. 02.12.

 
   
  • EISENHAUER, Bertram (2002): Du betrittst eine Welt, die der Schmerz regiert:
    Die Generation Spar: Vaterland ist abgebrannt, und wir sitzen betreten in der ersten Reihe,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 01.12.

Bertram EISENHAUER beschreibt den Paradigmenwechsel bei der Bestimmung der Nachfolgegeneration der 68er. Statt der "Erlebnisgemeinschaft Golf" seien nun existentiellere Modelle gefragt!  Danach reiht sich EISENHAUER in die Klagegemeinschaft der "Generation Spar" ein:

"für mich und meine Jahrgangsnachbarn - all jene, die um die Mitte der sechziger Jahre und nicht allzu lange danach geboren wurden - (besteht) so gar keine Aussicht auf Glamour".

Für die Untervierzigjährigen seien nunmehr nicht mehr Soziologen, sondern Bevölkerungswissenschaftler zuständig, meint EISENHAUER, der die Anklageschrift der Älteren schuldbewusst und unreflektiert wiedergibt:

"Schwerlich zu bestreiten ist (...), daß, was die Rentenversicherung betrifft, viele von uns den Generationenvertrag de facto aufgekündigt haben, weil sie darauf verzichtet haben, Kinder zu bekommen."

Tatsache ist jedoch erstens, dass der Generationenvertrag bereits Mitte der 1970er Jahre aufgekündigt wurde und zwar von der Politik! Mit dem Abschied von der Vollbeschäftigung war das heutige erwerbsarbeitszentrierte Sozialsystem zum Tode verurteilt. HEINZEN & KOCH haben diesen Abschied für die erste akademische Nachkriegsarbeitslosengeneration folgendermaßen beschrieben:

"Die wenigen besorgten Lehrerstudenten diskutierten über den Pillenknick, und ich hörte irritiert zu. Ich ahnte langsam, daß der ganze schöne Vertrag, den der Staat einmal in der kurzen Zeit des Reformismus mit mir unbegrenzt Ausbildungswilligem abgeschlossen hatte, nicht so ernst gemeint war. Natürlich hatten sie mich vor Jahren aufgerufen, Lehrer zu werden, um der Nation über den Bildungsnotstand hinwegzuhelfen. (...).
            Doch die Freunde der freien Marktwirtschaft (...) beschlossen nun, das Problem von der entgegengesetzten Seite anzugehen. Wenn es nicht zu wenige Schüler gebe, argumentierten sie, dann seien es eben zu viele, und damit auch zu viele Lehrer und Lehrerinnen. (...). Alle waren zuviel."

Zum zweiten gibt es nicht zu wenige Kinder, sondern zu wenige Beitragszahler. Die Erhöhung der Geburtenzahl kann das heutige Rentensystem deshalb nicht retten. Hätte es in den 1970er Jahren keine Reduzierung der Geburtenzahl gegeben, dann hätten wir es heute mit zukünftigen Problemen der Überbevölkerung wie im SF-Film Soylent Green zu tun. Dagegen sind unsere heutigen Probleme beneidenswert gering!

Nicht zuletzt ist keineswegs sicher, dass die Untervierzigjährigen jenes Geburtendefizit verursachen werden, das die Bevölkerungswissenschaftler ihnen aufgrund pessimistischer Annahmen über das Lernverhalten der Menschen zuschreiben. Bevölkerungswissenschaftler wie Herwig BIRG betreiben bewusst eine Strategie der Krisenrhetorik, die den Feuilleton-Revoluzzern kaum nachsteht. Selbstkritisch bemerkt EISENHAUER inmitten seiner Jammeriade:

"Der Unmut allerdings, der der Bundesregierung auch aus unseren Reihen jetzt entgegenschlägt, der Ruf »Mitbürger! Kameraden! Besetzt die Finanzämter!« enthält einen gehörigen Anteil an Scheinheiligkeit". 

 
   
  • MARGUIER, Alexander (2002): Die Revolte wird abgesagt.
    Seid so lieb und kommt wieder runter von den Barrikaden - die Achtundsechziger wollen ihre Ruhe haben! Und Schröder sowieso alles ändern. Hat er ganz doll versprochen,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 01.12.

Alexander MARGUIER darf auf fast einer halben Seite die Revolution absagen! Anscheinend hat die FAS Probleme ihre leeren Seiten zu füllen und muss deshalb ausführlich über den Aufstand von 20 Rentnern schreiben, die LEHNARTZ' Ruf gefolgt sind. Die FAS beugt sich nun dem Drang der Konsumbürger, die lieber ihre Weihnachtseinkäufe besorgen...
 
   
  • ANKOWITSCH, Christian (2002): Angst ist ein Gefühl mit Zukunft.
    Wir halten nicht Schritt. Was kommt, ist ungewiß. Und es gibt Feinde, die unsichtbar sind. Gründe, der Angst eine große Karriere vorherzusagen.
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 01.12.

 
   
  • ALBERS, Markus (2002): Sind wir Deutschen faul geworden?
    Weltweit hält man uns für fleißig und pflichtbewusst. Doch die Arbeitsmoral der Bundesbürger ist schlecht wie nie. Eine Spurensuche,
    in: Welt am Sonntag v. 01.12.

    • Für den wahren Faulen beschreibt MÜLLER-VOGG die Couch-Revolution...
 
   
Hugo MÜLLER-VOGG beschreibt Demonstrationsformen für Couch-Potatoes. Wer nach Ulrich "Die Ehrlichen sind die Dummen" WICKERT noch einem Aufstand der anständigen 1000-legale-Steuertricks-Mitte den Touch einer konservativen Revolution verpasst, der hat den Bankrott unserer Elite offensichtlich nicht begriffen. Er ist nicht die Lösung, sondern nur Teil des Problems...
 
     
       
   

[ zum Seitenanfang ]

Zu den News vom 23. - 30. November 2002

 
       
   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
   
 
   

Bitte beachten Sie:
single-generation.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
   
 
    [ Glossar ] [ Übersicht der Themen des Monats ] [ Homepage ]  
   
 
   
© 2000-2015
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Stand: 19. Juli 2015 Counter Zugriffe seit
dem 03.Juni 2002