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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 01. - 06. Dezember 2017: [01.12.] [02.12.] [03.12.] [04.12.] [05.12.] [06.12.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Mindestens 25 % der Geburten in Deutschland finden statt, ohne dass die Kinderwunschforschung dies vorhersagen könnte

"25 Prozent der Kinder werden (...) ohne gemeinsame Fertilitätsintention ihrer Eltern geboren. Bei manchen Gruppen von Eltern ist der Anteil nicht gemeinsam intendierter Kinder noch deutlich höher, bei niedriger Schulbildung beider Elternteile zum Beispiel gut 35 Prozent (...). Dieser Anteil nicht geplanter und nicht abgestimmter Geburten könnte mit pairfam-Daten sogar noch unterschätzt sein (...).
Man kann annehmen, dass oft andere Dinge für den Eintritt einer Schwangerschaft ausschlaggebend sind, zum Beispiel Sex unter unzureichender Verhütung und das Austragen einer nicht intendierten Schwangerschaft wegen moralischer Skrupel in Bezug auf einen Abbruch. (...).
Man kann die Inkonsistenzen zwischen ermittelten Kinderwunschkonstellationen und nachfolgenden Geburten allerdings auch damit erklären, dass individuelle Kinderwünsche so wenig stabil sind, dass selbst die kurz vor Eintritt der Schwangerschaft erfassten Fertilitätsintentionen (...) nur zum Teil maßgeblich sind. Beide Erklärungen dafür, dass Kinder oft auch entgegen den vorher ermittelten Intentionen ihrer Eltern geboren werden, sind möglich."
(Waltraud Cornelißen, Jasmin Abedieh & Alexandra N. Langmeyer "Wege in die Elternschaft. Kein Kind ohne vorgängigen Kinderwunsch seiner Eltern?" in der Zeitschrift für Familienforschung, Heft 2, 2017, S.220f.)

 
       
       
   

06.12.2017

 
       
   

Der OECD-Bericht Pensions at a Glance in den Medien

SIEMS, Dorothea (2017): Für Senioren lohnt sich Arbeit zu wenig.
OECD-Studie: Die Flexirente ist nicht hilfreich. Anreize für längere Erwerbstätigkeit sind nötig,
in:
Welt v. 06.12.

Die Neoliberale Dorothea SIEMS bringt nur die Interessen von Wirtschaft und Besserverdienenden zur Sprache. Altersarmut ist kein Thema. Die drei Grafiken sind mit Rapide Alterung, Rente wird immer teurer und Wie viel das Arbeiten im Rentenalter bringt überschrieben, was bereits die angeblichen Probleme der deutschen Alterssicherung suggerieren soll.

Die Grafik Rapide Alterung nennt als Quelle die OECD. Der OECD-Report wiederum verweist auf die UN und die World Population Prospects Revision 2017. Angegeben wird nicht etwa der Altenquotient für 67-Jährige und Ältere, was für 2050 der gegenwärtig gültige Rahmen wäre, sondern nur für 65-Jährige und Ältere. In der Grafik werden nur 10 der 35 OECD-Länder dargestellt. Aus der folgenden Tabelle sind die 10 OECD-Länder mit dem höchsten Altersquotienten im Jahr 2050 ersichtlich (vgl. OECD-Bericht 2017, S.123):

Rang Land Welt-Grafik Altenquotient
im Jahr 2050
1 Japan vorhanden 77,8
2 Spanien vorhanden 77,5
3 Griechenland fehlt 73,4
4 Portugal fehlt 73,2
5 Italien vorhanden 72,4
5 Südkorea vorhanden 72,4
7 Slowenien fehlt 66,8
8 Polen fehlt 60,8
9 Österreich fehlt 59,4
10 Deutschland vorhanden 59,2

Neun OECD-Länder altern schneller als Deutschland bei dieser UN-Bevölkerungsvorausberechnung. Entscheidend für die Alterung im Jahr 2050 sind die Annahmen für die Geburtenentwicklung. Die UN ist für Deutschland von folgenden Annahmen ausgegangen (vgl. UN 2017, S.327):

Deutschland Geburtenrate (TFR)
2015 - 2020 1,47
2025 - 2030 1,54
2045 - 2050 1,63

Diese Annahmen bleiben hinter der tatsächlichen Geburtenrate zurück. Die Kinderzahl des Frauenjahrgangs 1973 lag in Deutschland bereits 2014, also im Alter von 41 Jahren bei 1,54. Sollten die Geburten bis zum Ende der Gebärfähigkeit noch genauso hoch sein wie die Frauenjahrgänge der letzten Jahre, dann wird die endgültige Kinderzahl mindestens bei 1,57 liegen und könnte sogar 1,6 erreichen, wenn der gegenwärtige Trend zu mehr Geburten in immer höheren Lebensaltern weiter anhält. Aufgrund der Fehlanreize des Elterngeldes hat sich der Anstieg noch weiter verstärkt. Im Jahr 2006 lag der Höhepunkt der Fruchtbarkeit noch im Alter von 29 Jahren (Frauenjahrgang 1975), im Jahr 2007 als das Elterngeld eingeführt wurde, sprang der Höhepunkt der Fruchtbarkeit auf das Alter von 31 Jahren (Frauenjahrgang 1976). Bei den Frauenjahrgängen 1977 - 1980 verharrte er auf diesem Level. Für die jüngeren Frauenjahrgänge deutet sich ein weiterer Anstieg an.

ROTH, Eva (2017): Wo die Renten besonders niedrig sind.
In Deutschland allen die Rentenansprüche geringer als in anderen Industrieländern aus,
in:
Neues Deutschland v. 06.12.

ÖCHSNER, Thomas (2017): Geringverdienern droht Altersarmut.
Wer wenig verdient, dessen Rente reicht später kaum zum Leben, zeit eine OECD-Studie,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 06.12.

 
       
   

05.12.2017

 
       
   

Susanne Garsoffky & Britta Sembach - Der tiefe Riss

BETHKE, Hannah (2017): Sonst habt ihr keine Probleme?
Alarmstufe Nachwuchs: Susanne Garsoffky und Britta Sembach wollen den Riss zwischen Eltern und Kinderlosen heilen. Aber ihr Plädoyer für eine neue Familienpolitik trägt nicht sehr weit,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.12.

"Die Autorinnen pauschalisieren, vereinfachen und folgen einem ideologisierten Schwarz-Weiß-Denken, das sämtliche Facetten jenseits ihrer Demarkationslinie außer Acht lässt und überhaupt erst den Riss produziert, den sie zu kitten vorgeben",

kritisiert Hannah BETHKE, Jahrgang 1980, das Pamphlet Der tiefe Riss von Susanne GARSOFFKY & Britta SEMBACH, beide Jahrgang 1968 und Mütter je zweier Söhne.

BETHKE kritisiert den Biologismus, der dazu führt, dass Kinderlosigkeit und Mutterschaft zur Abweichung bzw. Norm stilisiert werden. BETHKE sieht zwar den "demografischen Wandel" als "Herausforderung, die ernsthaft kaum jemand kleinreden würde", bleibt aber eine Kritik der Positionen von GARSOFFKY & SEMBACH schuldig, obwohl doch gerade deren Angst, dass der Sozialstaat kollabieren könnte, dafür verantwortlich ist, dass die beiden Journalistinnen - und bei weitem nicht nur sie - Eltern und Kinderlose im Namen des angeblichen Generationenvertrags gegeneinander ausspielen.

GARSOFFKY & SEMBACH stehen mit ihrer politischen Position zur Rente und Kinderlosen der Alternative für Deutschland nahe - was bei BETHKE verschwiegen wird.

 
       
   

Die Lebensversicherer als Akteur der Altersvorsorge: Von vollmundigen Versprechungen zur Entledigung der Altlasten

HERZ, Carsten & Christian SCHNELL (2017): Eine zweifelhafte alte Liebe.
Besitzer der einst so beliebten Lebensversicherungen müssen sich auch 2018 auf weniger Rendite einstellen. Doch Marktführer Allianz setzt mit stabilen Prognosen seine Rivalen unter Druck,
in:
Handelsblatt v. 05.12.

MAGENHEIM, Thomas (2017): Allianz hält Rendite von Lebenspolicen stabil.
Die Zinsflaute macht den Versicherern zu schaffen. Doch nun setzt der Marktführer ein Zeichen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 05.12.

KROHN, Philipp (2017): Allianz hält die Verzinsung in schwieriger Zeit stabil.
Der Marktführer in der Lebensversicherung will ein Signal an Kunden und Wettbewerber aussenden. Größe kann im Niedrigzinsumfeld ein Vorteil sein,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.12.

KRIEGER, Friederike (2017): Gutschrift bleibt stabil.
Allianz nennt Überschussbeteiligung für Lebensversicherungen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 05.12.

ENZ, Werner (2017): Allianz demonstriert erstaunliche Stärke.
Kommentar: Deutsche Lebensversicherer,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 06.12.

 
       
   

Die Finanzialisierung in der Debatte

LOOMAN, Volker (2017): Gegen die Angst vor der Angst,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.12.

Volker LOOMAN versteht sich als eine Art von Sozialpädagoge in Sachen "armer Schlucker". Das sind nur einfache Millionäre, die als Emporkömmlinge um ihr Vermögen bangen. Der 70-Jährige

"bezieht eine monatliche Rente von 3.000 Euro. Außerdem lebt er zusammen mit seiner Frau, die zwei Jahre jünger ist, in einem schuldenfreien Haus, das 700.000 Euro wert ist  Der wunde Punkt ist das »Depot« bei der Hausbank, in dem 500.000 Euro liegen",

erklärt uns LOOMAN die Ängste eines dieser Emporkömmlinge, die so etwas wie die Unterschicht in der Hierarchie der Reichen sind. In der Soziologie gilt Thorstein VEBLEN als Klassiker, der mit diesen so genannten Neureichen den demonstrativen Konsum verbunden hat. Heute würde man von einem Hang zu Statussymbolen sprechen. Man kann daraus sehen, dass Emporkömmlinge auch in der Soziologie selten einen guten Ruf haben. Ob dieses Bild der Neureichen mehr als nur ein Stereotyp ist, darüber lässt sich LOOMAN jedoch nicht aus, denn WIE das Vermögen erworben ist, das ist nicht sein Thema, sondern nur wie es erhalten wird.

 
       
   

Der ländliche Raum und Mittelstädte im demografischen Wandel

SCHÖNBACH, Miriam (2017): Schöne Bescherung für "Görliwood".
Nachfrage nach dem Drehort in der internationalen Filmbranche ist hoch,
in:
Neues Deutschland v. 05.12.

 
       
   

Der OECD-Bericht Pensions at a Glance in den Medien

OECD (2017): Pensions reforms have slowed in OECD countries but need to continue.
Further reforms are needed across OECD countries to mitigate the impact of population ageing, increasing inequality among the elderly and the changing nature of work, according to a new OECD report,
in:
Pressemitteilung der OECD v. 05.12.

Die neoliberale Lobbyorganisation OECD hat den jährlichen Bericht Pensions at a Glance 2017 veröffentlicht. Frank SPECHT nutzt auf handelsblatt.de die Publikation, um der Politik die neoliberalen Leviten zu lesen: Woran es in der Rentenpolitik hapert.

"»Wir wollen das heutige Rentenniveau sichern und durch einen neuen Generationenvertrag die Beiträge stabilisieren«, heißt es in den Leitlinien, die der Bundesvorstand am Montag beschlossen hat und mit denen die Partei in Sondierungsgespräche mit der Union gehen will. Außerdem soll, wer ein Leben lang Vollzeit gearbeitet und Rentenbeiträge gezahlt hat, im Alter nicht auf staatliche Unterstützung angewiesen sein",

fasst SPECHT die SPD-Position zusammen. Das neoliberale Kernprojekt - die Erhöhung der Erwerbstätigkeit im Rentenalter streicht SPECHT besonders hervor:

"Positiv hebt die Industrieländerorganisation hervor, dass hierzulande die Quote der erwerbstätigen 55- bis 64-Jährigen seit der Jahrtausendwende um gut 30 Prozentpunkte gestiegen ist. Damit ist Deutschland absoluter Spitzenreiter. Bei der Beschäftigungsquote der 65- bis 69-Jährigen liegt die Bundesrepublik allerdings leicht unter dem OECD-Durchschnitt."

Das ist für Neoliberale aber nicht ausreichend, denen die Rente mit 63 genauso ein Dorn im Auge ist wie die zu niedrigen Anreize fürs Weiterarbeiten. Die Verschiebung des neoliberalen Frontverlaufs in die richtige Richtung in Europa rekapituliert SPECHT folgendermaßen:

"Insgesamt reagierten die Industriestaaten in den zurückliegenden zwei Jahren sehr unterschiedlich auf die demografische Entwicklung. So haben Finnland, Japan und Spanien Nachhaltigkeitsfaktoren eingeführt, wie es sie auch hierzulande gibt. Sie koppeln Rentenanpassungen an die Bevölkerungsentwicklung. Frankreich und Dänemark haben das Renteneintrittsalter an die durchschnittliche Lebenserwartung geknüpft. Im OECD-Durchschnitt wird das Rentenalter für Männer bis 2060 um 1,5 Jahre und für Frauen um 2,1 Jahre steigen. Dänemark, Italien und die Niederlande haben schon heute ein Renteneintrittsalter von mehr als 68 Jahren."

Monika QUEISSERs Steckenpferd ist die Individualisierung der Alterssicherung. Aus dieser Sicht wird die Benachteiligung der Frauen im deutschen Rentensystem angeprangert (Infos auf der deutschen OECD-Website finden sich hier).

Die Absurdität der neoliberalen Sicht, zeigt sich im Ranking zur finanziellen Nachhaltigkeit der Alterssicherung. Dort wird uns die Verhältnis der Erwerbstätigen zu den Rentnern für das Jahr 2075 präsentiert. Korea steht dort auf Platz 1 vor Portugal und Japan. Man kann sich über diese Art von Kaffeesatzleserei eigentlich nur wundern.

 
       
   

04.12.2017

 
       
   

Wie ein Journalist eine Studie dreist instrumentalisiert, obwohl die Studie gar nicht belegt, was der Journalist behauptet

HAGELÜKEN, Alexander (2017): Beruf und Kinder.
Familienpolitik: Dein Job lohnt sich nicht, tönt der traditionelle Mann,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.12.

"Ein Studium reduziert die Wahrscheinlichkeit von Nachwuchs um 25 Prozent, haben Forscher herausgefunden",

behauptet Alexander HAGELÜKEN nochmals, was er bereits am 01.12. verkündete. Die zitierte Studie ist vor allem für Historiker relevant, aber nicht für die Politikberatung, denn die Frauenjahrgänge 1956 bis 1975, auf die sich die Aussage - zudem noch verfälschend - bezieht, sind für das gegenwärtige Geburtengeschehen weitgehend bedeutungslos. Bevölkerungswissenschaftler sehen das Ende der Gebärfähigkeit bei 50 Jahren erreicht, d.h. im Jahr 2017 hat der Frauenjahrgang 1967 seine endgültige Kinderzahl erreicht.

Das Statistische Bundesamt hat die altersspezifischen Geburtenzahlen für die Frauenjahrgänge bis 1971 in einer Datenbank aufgelistet. Im Jahr 2015 erreichte der Frauenjahrgang 1971 das Alter von 44 Jahren. Bis dahin ergibt sich eine endgültige Kinderzahl von 1,51 Kindern pro Frau dieses Jahrgangs. Der Frauenjahrgang 1968 erreichte bis zu diesem Alter nur eine Kinderzahl von 1,49. Die nach diesem Alter noch geborenen Kinder erhöhen die Geburtenzahl nur noch im Bereich der dritten Stelle hinter dem Komma. Die endgültige Kinderzahl des Frauenjahrgangs 1966 lag bei 1,52 Kindern pro Frau. Nach dem 45. Lebensjahr wurden gerade noch 2,8 Kinder pro 1000 Frauen geboren. Darunter dürften sich vor allem erste Kinder von Akademikerinnen befinden. Diese Zahl steigt zwar bei den jüngeren Frauenjahrgängen bislang weiter, hat aber auf das Geburtengeschehen und damit die niedrige Geburtenrate in Deutschland nur einen sehr geringen Einfluss.

Was die Kinderlosigkeit betrifft, so liegen mit dem Mikrozensus 2016 erste Ergebnisse vor, die jedoch aufgrund der mangelhaften Datenlage leider noch keine Rückschlüsse für das Jahr 2016 ermöglichen. Die Statistikämter berufen sich auf IV-Probleme und Umstellungen bei der Statistik. Aber auch die bereits vorliegenden Daten widersprechen dem, was HAGELÜKEN behauptet. Erst Recht gilt das für die Untersuchungen von Martin BUJARD u.a., die das Hauptproblem der niedrigen Geburtenrate zu Recht nicht bei der Kinderlosigkeit der Akademikerinnen, sondern beim Rückgang der kinderreichen Familien sehen. Dazu heißt es bei BUJARD & LÜCK 2015:

"Deutschland ist durch die Kombination aus hoher Kinderlosigkeit und einem geringen Anteil Kinderreicher charakterisiert. Der Effekt des Rückgangs kinderreicher Familien kann jedoch mit 66,6 % den Großteil des Geburtenrückgangs in der Bundesrepublik Deutschland erklären (Bujard/Sulak 2015). Zeitlich unterscheiden sich die Effekte: Während in der Anfangsphase der Rückgang der kinderreichen Familien fast alleine den Geburtenrückgang ausgelöst hat, war später, beim Vergleich der Kohorten von 1950 bis 1970, die Kinderlosigkeit der dominierende Faktor (ebd.; vgl. van de Kaa 1987)." (S.41)

Bei den Frauenjahrgängen der 1970er Jahre spielt die Kinderlosigkeit nicht mehr die Hauptrolle. Das gilt auch für die Akademikerinnen. Bei den Frauenjahrgängen 1967 - 1971 (45-49-Jährige) waren noch 127.000 Akademikerinnen kinderlos. Dagegen sind es bei den Frauenjahrgängen 1972 - 1976 (40 - 44-Jährige) nur noch 121.000 Akademikerinnen. Aus diesen Zahlen ergibt sich folgendes Bild:

Tabelle: Die Anzahl der Kinderlosen und Mütter (Nicht-Akademikerinnen / Akademikerinnen) der Frauenjahrgänge 1967 - 1976 im Jahr 2016
  Jahrgang 1967-1971 Jahrgang 1972-1976
in Tausend in % in Tausend in %
Gesamtzahl der Frauen 2.912   2.298  
Gesamtzahl der Nichtakademikerinnen 2.412 100,0 1.818 100,0
Anzahl der Mütter ohne Hochschulabschluss 1.943 80,6 1.450 79,8
Anzahl der Kinderlosen ohne Hochschulabschluss 469 19,4 368 20,2
Gesamtzahl der Akademikerinnen 500 100, 0 480 100,0
Anzahl der Mütter
mit Hochschulabschluss
373 74,6 359 74,8
Anzahl der Kinderlosen mit Hochschulabschluss 127 25,4 121 25,2
Quelle: Broschüre Kinderlosigkeit, Geburten und Familien, Tabellen 3.7 und 3.8; eigene Berechnungen

Während die Anzahl der Kinderlosen bei den Frauen ohne Hochschulabschluss steigt, geht sie bei den Akademikerinnen zurück. Die Zahlen sind zwar scheinbar minimal, zeigen aber eindeutig, dass ein Studium keineswegs die Wahrscheinlichkeit um 25 % steigen lässt, denn der Unterschied in der Kinderlosigkeit beträgt zwischen Akademikerinnen und Nicht-Akademikerinnen lediglich rund 5 % und verringert sich sogar.

HAGELÜKEN hat die Aussage aus dem Kontext der Untersuchung gerissen. Nur im Kontext der speziellen Untersuchung und für die untersuchten Frauenjahrgänge sowie den betrachteten Faktoren hat die Aussage überhaupt Relevanz, nicht aber für das derzeitige Geburtengeschehen in Deutschland, das von den Frauenjahrgängen nach 1971 geprägt ist.

Vergleicht man das Geburtengeschehen von Gleichaltrigen im Zeitverlauf, dann werden die Unterschiede noch deutlicher (mehr hier).

Wie entscheidend sind überhaupt Akademikerinnen für die Geburtenentwicklung in Deutschland. Auch darüber gibt der Mikrozensus 2016 Auskunft. Denn auch in den jüngeren Frauenjahrgänge dominieren die Nicht-Akademikerinnen das Geburtengeschehen - allein durch die Anzahl der gebärfähigen Frauen.

Tabelle: Die Entwicklung des Anteils der Akademikerinnen an den jüngeren Frauenjahrgängen
  Frauenjahrgang
1972 - 1976
Frauenjahrgang
1977 - 1981
Frauenjahrgang
1982 - 1986
Frauenjahrgang
1987 - 1991
in Tausend in % in Tausend in % in Tausend in % in Tausend in %
Gesamtzahl der Frauen 2.298 100,0 2.319 100,0 2.287 100,0 1.885 100,0
Anzahl der Nicht-Akademiker-innen 1.818 79,1 1.751 75,5 1.672 73,1 1.476 78,3
Anzahl der Akademiker-innen 480 20,9 568 24,5 615 26,9 409 21,7
Quelle: Broschüre Kinderlosigkeit, Geburten und Familien, Tabellen 3.7 und 3.8; eigene Berechnungen

Obwohl der Anteil der Akademikerinnen an der Gesamtzahl der gebärfähigen Frauen in den nächsten Jahren steigen wird, so wird das Geburtengeschehen dennoch hauptsächlich von den Nicht-Akademikerinnen geprägt werden. Ein Anstieg der Kinderlosen bei Nicht-Akademikerinnen ist deshalb auch in den nächsten Jahren gravierender für die Geburtenentwicklung in Deutschland. Da die Frauenjahrgänge 1987-1991 erst 25-29 Jahre alt sind, kann sich hier der Anteil der Akademikerinnen noch erhöhen.

Die altersspezifischen Geburtenziffern der Fachserie 1 Reihe 1.1, die im Juli veröffentlicht wurden, zeigen weitere Trends für die Zukunft auf. Bis zu den Frauenjahrgängen 1986 (Stand: Jahr 2014) liegen die altersspezifischen Geburtenziffern über jenen des Frauenjahrgangs 1971. Dieses deutet auf einen Anstieg des Erstgebäralters für diese jüngsten Frauenjahrgänge hin. Was dies für die fernere Geburtenentwicklung in Deutschland bedeutet, das wäre eine viel wichtigere Frage, die bei HAGELÜKEN jedoch keine Rolle spielt. 

Fazit: Die Akademikerinnen sind entgegen der Suggestion von HAGELÜKEN keineswegs für die Rentenentwicklung in Deutschland entscheidend. Weder droht wegen ihnen der Kollaps, noch sind sie die Rettung der Rentenversicherung.    

 
       
   

Die 9/10-Regelung in der Debatte

GRÄBER, Berrit (2017): Viele Kinder helfen viel.
Mit Nachwuchs ist es jetzt leichter, in die günstige Krankenversicherung der Rentner zu kommen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.12.

Berrit GRÄBER berichtet über die Änderung bei der 9/10-Regelung, die im August klammheimlich durchgeführt wurde. Sie führt dazu, dass vor allem gut situierte Menschen, nachdem sie jahrelang von der günstigen Privatversicherung profitierten, im Alter die Vorteile der günstigen Rentnerkrankenkasse nutzen können. Einst sollte die 9/10-Regelung genau diesen Missbrauch verhindern.

Neben Beamtengattinnen nennt GRÄBER Ärzte, Anwälte oder Apotheker als mögliche Profiteure der Änderungen. 

 
       
   

Die Verschuldung der Privathaushalte in der Debatte

OSEL, Johann (2017): Kleine Summen können ein Leben blockieren.
Trennung, Krankheit, Tod des Partners - das sind oft Schicksale vor der Überschuldung. Aber auch im Elektromarkt lauert die Versuchung. Immer mehr Menschen brauchen professionelle Hilfe. Die Beratungssituation im Freistaat ist sehr unterschiedlich - die SPD will das ändern,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.12.

"Zusammenklappen würde der Betrieb (Anm.: in Straubing), kämen tatsächlich alle Überschuldeten. Deren Anteil in der Stadt liegt bei 11,5 Prozent, in einer Liga mit Köln, Nürnberg und Hamburg; während der Landkreis rundherum eine der niedrigsten Quoten der Bundesrepublik hat. Seit Jahren rätseln sie in der Stadt, woher das rührt - ob so viele hier nicht ihr Geld zusammenhalten können? JVA und Psychiatrie am Ort haben wohl einen Einfluss (...). Doch auch nach Abzug der Personen liegt Straubing weit über dem Schnitt",

berichtet Johann OSEL anlässlich der Zahlen, die von der Creditforum Wirtschaftsforschung erhoben wurden und im Landtag debattiert wurden.

 
       
   

Die Neubewertung des Rentners in der altersintegrativen Gesellschaft

BÄCKER, Gerhard (2017): Entwicklung des Altersübergangs: Immer mehr Ältere wechseln aus einer versicherungspflichtigen Beschäftigung in die Rente,
in: sozialpolitik-aktuell.de v. 04.12.

 
       
   

Der ländliche Raum und Mittelstädte im demografischen Wandel

MÄDLER, Katrin (2017): Mit Jugend und frischem Wind.
Junge Menschen wollen in Adorf gegen die Bevölkerungsprognose kämpfen,
in:
Neues Deutschland v. 04.12.

 
       
   

Das Single-Dasein in Österreich

SEISER, Monika (2017): Aufbau ohne Abbau.
Erstmals nach langer Zeit entsteht in Europa wieder ein Stahlwerk - im österreichischen Kapfenberg. Für die alte Industrieregion bedeutet dies eine Belebung,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.12.

 
       
   

03.12.2017

 
       
   

Das Partnerschaftsideal in der Debatte

SCHAAF, Julia (2017): Schöner streiten.
Wer rechtzeitig ein paar Gesprächsregeln einübt, kann das Trennungsrisiko senken. Wissenschaftler fordern deshalb präventive Trainings für Paare,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 03.12.

FREUND, Andrea (2017): "Wir brauchen Liebeskunde in der Schule".
Die Berliner Paartherapeutin Vera Matt hat seit kurzem regelmäßig junge Menschen in der Praxis, die sich beraten lassen, damit ihr Glück Bestand hat. Warum?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 03.12.

 
       
   

02.12.2017

 
       
   

Die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen in der Debatte

FRITSCHE, Andreas (2017): Kluge Frauen mit Kindern.
In Brandenburg sind Akademikerinnen überdurchschnittlich oft auch Mutter geworden,
in:
Neues Deutschland v. 02.12.

"(A)llgemein sind Frauen, die in Großstädten leben und ein Hochschulstudium absolviert haben, häufiger kinderlos. 42,4 Prozent der Akademikerinnen in Berlin sind betroffen.
Anders in Brandenburg: Hier ist der Anteil kinderloser Akademikerinnen mit 16,7 Prozent sogar unterdurchschnittlich, denn unter den brandenburgerischen Frauen mit niedrigerem Bildungsabschluss haben immer hin etwas mehr als 25 Prozent keine Kinder.
Das sind Zahlen aus dem Jahr 2016",

erklärt uns Andreas FRITSCHE. Was dies bedeutet, das lässt sich nicht sagen, denn die Angaben lassen sich noch nicht überprüfen, denn die Statistischen Jahrbücher sind erst nächste Woche verfügbar. Es bleibt also unklar auf welchen Erhebungen die Zahlen beruhen. In der gestrigen Pressemitteilung des Amtes für Statistik heißt es lediglich:

"Fast die Hälfte der Berlinerinnen mit Hochschulabschluss hatte 2016 keine Kinder, bei den Brandenburgerinnen mit Hochschulabschluss war es ein Sechstel".

Das jedoch sagt keineswegs etwas über die endgültige Kinderlosigkeit von Akademikerinnen aus und ob Akademikerinnen in Brandenburg überdurchschnittlich Mutter werden, kann erst recht nicht daraus abgeleitet werden. Wir warten also lieber ab, was aus den Statistischen Jahrbüchern tatsächlich ersichtlich ist.

Gewöhnlich enthalten diese Jahrbücher überhaupt keine Zahlen zur Kinderlosigkeit von Akademikerinnen. Diese werden nur alle 4 Jahre erhoben. Letztmalig mit dem Mikrozensus 2016. Dazu stellt jedoch das Amt bislang gar keine Daten zur Verfügung. In der Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes vom Juli 2017 finden sich keine Angaben für Brandenburg, die Kinderlose bzw. Mütter nach dem Bildungsstand differenzieren. Woher stammen also die Daten und warum werden sie der Öffentlichkeit vorenthalten?

 
       
   

Die Reproduktionsmedizin und die Fruchtbarkeitskrise

RIDDERBUSCH, Katja (2017): Neu im Angebot: Schwanger in den Wechseljahren.
Jede Frau verfügt über einen begrenzten Vorrat an Eizellen, der mit der Menopause verbraucht ist. Das müsse nicht so sein, sagen nun einige Ärzte in Europa und den USA. Und versprechen die wundersame Neubildung von Eizellen,
in:
Welt v. 02.12.

 
       
   

Die Rentenpolitik in der Debatte

PETER, Tobias (2017): "Wenn man früh anfängt, bringt Vorsorge viel".
Die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gundula Roßbach, über die Zukunft der Alterssicherung, Probleme bei Selbständigen und einen fehlenden Weitblick der jungen Generation,
in:
Frankfurter Rundschau v. 02.12.

 
       
   

Die Gebietsreform in Thüringen in der Debatte

POLLMER, Cornelius (2017): Aufschub und Aus
Thüringens rot-rot-grüne Regierung stoppt Kreisgebietsreform,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 02.12.

HAAK, Sebastian (2017): Das rot-rot-grüne Kernprojekt ist tot.
Linke, SPD und Grüne in Thüringen müssen die Kreisgebietsreform beerdigen - nennen es aber anders,
in:
Neues Deutschland v. 02.12.

 
       
   

Die Linke und die soziale Frage in der Debatte

MISIK, Robert/MÜLLER, Tobias/REINECKE, Stefan/SOTSCHECK, Ralf/ZYLBERSZTAJN (2017): Von den Freunden lernen.
Reportage: Wahldesaster, müde Parteieliten, Konkurrenz von Rechtspopulisten: Die Sozialdemokratie steckt in ganz Europa in der Krise. Eine Reise durch Österreich, die Niederlande und Großbritannien zeigt: Die SPD könnte sich von den Erfahrungen ihrer Schwesterparteien Einiges abschauen,
in:
TAZ v. 02.12.

 
       
   

Der Immobilienmarkt in Deutschland in der Debatte

SCHÄFER, Michael (2017): Immobilieninvestoren lieben Deutschland.
Vor allem Berlin entwickelt sich immer mehr zum europäischen Betongold-Hotspot,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.12.

Michael SCHÄFER berichtet über das jährliche Städteranking (Emerging Trends in Real Estate® Europe 2018, Tabelle 3.1, S.28) der attraktivsten Immobilienmärkte in Europa, bei dem mittlerweile die deutschen Metropolen vorderste Plätze belegen. Außerdem geht er auf die Transaktionsvolumen (Schaubild 2-2, S.18) ein, bei denen Deutschland den Spitzenreiter Großbritannien überrundet hat. In der Schweiz ist lediglich Zürich von Bedeutung.

 
       
   

Das Single-Dasein in Dänemark

FRÜNDT, Steffen (2017): Da ist etwas faul im Staate Dänemark.
Das Land gilt als Sehnsuchtsort. Doch wer nicht als Tourist kommt, erlebt es mitunter nicht nett, sondern fremdenfeindlich,
in:
Welt v. 02.12.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

SCHÖCHLI, Hansueli (2017): Bundesgeld blockiert die Rentenreform.
Je stärker die AHV subventioniert ist, desto schwieriger wird der Umbau des Sozialwerks,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.12.

ENZ, Werner (2017): Lebensversicherer erfinden sich neu.
Strategien zum Überleben in einer langen Niedrigzinsphase,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.12.

 
       
   

Das Single-Dasein in Island

BORCHERT, Thomas (2017): Politiklabor Island.
Die neue Regierungschefin Katrín Jakobsdóttir koaliert mit Rechtspopulisten,
in:
Frankfurter Rundschau v. 02.12.

 
       
   

01.12.2017

 
       
   

Das Geburtengeschehen in Deutschland bis 2025. Wie sich die Geburtenentwicklung der Frauenjahrgänge 1972 bis 1985 Ende des Jahres 2017 darstellt. Oder: Warum Deutschland den Geburtenanstieg verschlafen hat

HAGELÜKEN, Alexander (2017): Kinder oder Karriere.
Forscher weisen erstmals empirisch nach: Akademikerinnen entscheiden sich öfter gegen Nachwuchs als andere Frauen - weil sie Nachteile im Beruf fürchten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.12.

 
       
   

Gender in der Debatte

MENGEL, Monika (2017): Ein produktives und selbstbestimmtes Leben.
Nachruf auf die Schriftstellerin Verena Stefan, deren Buch "Häutungen" zum Manifest der Frauenbewegung der siebziger Jahre wurde,
in:
TAZ v. 01.12.

 
       
   

Das Single-Dasein in der Schweiz

RITTER, Johannes (2017): Das Geld ruft.
Ein Bergdorf in der Schweiz will den Einwohnerschwund mit einer Umzugsprämie aufhalten,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.12.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

GMÜR, Heidi (2017): Mal Feind, mal Freund.
Beim Bundespersonal sind SP und SVP uneins - anders beim Bundesbeitrag an die AHV,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 01.12.

 
       
   

Das Single-Dasein in Dänemark

BOOK, Simon (2017): Das bessere Deutschland.
Dänemark: Das Land macht vieles richtig, was andere nicht schaffen: wenig Schulden, Digitalisierung auf dem Land und keine Angst vor Großprojekten,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.12.

 
       
   

Das Partnerschaftsideal in der Debatte

GASSMANN, Daniela (2017): Immer wieder.
Zusammenziehen, heiraten, Kinder kriegen: der Drei-Punkte-Plan jeder Beziehung? Oft sind des viel kleinere Schritte, die eine Liebe großmachen - fünf Paare erzählen,
in:
Neon, Dezember

 
       
   

Das Single-Dasein in Japan

LILL, Felix (2017): Japans Grauzone.
Nur in einem Industrieland ist die Bevölkerung noch älter als in Deutschland. Japans Rentner beeinflussen zunehmend Politik, Geschäftsmodelle und die Arbeitswelt. Hier lässt sich beobachten, was uns noch bevorsteht,
in:
Capital, Dezember

 
       
 

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Zu den News vom 25. - 30. November 2017
 

   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
 
   

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