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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
       
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 01. - 04. Mai 2018: [01.05.] [02.05.] [03.05.] [04.05.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Urban Birding als coole Beschäftigung der Stadtmenschen

Rotkehlchen in der Großstadt, Foto: Bernd Kittlaus 2018

"Lindo sagt: »Urban Birding ist der neue Rock'n'Roll.«
Es gab auch schon vor ihm Menschen, die wussten, dass es in Städten Rotkehlchen und Amseln gibt (...).
Braucht Natur diesen neuen Anstrich?
»Ja, unbedingt«, sagt Derk Ehlert. Er ist seit 18 Jahren Wildtierreferent der Stadt Berlin (...). Wer nur Tauben und vermooste Wegplatten vor Augen hat, wenn er an Natur in der Stadt denkt, wird auch nur diese sehen, wenn er auf die Straße tritt. Dabei gibt es in Berlin 20.000 nachgewiesene Tier- und Pflanzenarten, mehr als auf gleicher Fläche im ländlichen Brandenburg."
(Claudia Fromme "Wild in der City", Süddeutsche Zeitung v. 05.05.2018)

 
       
       
   

04.05.2018

 
       
   

Die Pendlergesellschaft in der Debatte

SKORA, Thomas (2018) Die räumliche Dimension der Vereinbarkeitsfrage.
Wechselwirkungen zwischen Arbeitsweg und Elternschaft,
in: beziehungsweise, Nr.5 v. 04.05.

 
       
   

Menschen ohne Beziehungserfahrung in der Debatte

WEISSENBURGER, Peter (2018): Fünf Jahre fürchterliche Jungfräulichkeit,
in: TAZ v. 04.05.

"Als ich in die achte Klasse kam, wurde plötzlich alles ganz schlimm - weil es auf einmal nur noch darum ging, wer schon mal gevögelt hatte und mit wem (...). Klar war, dass fast alle außer mir schon mal hatten (man glaubt ja so einiges mit 13). Es folgten fünf Jahre Frust wegen meiner früchterlichen Jungfräulichkeit. Fünf Jahre gekonntes Umschiffen des Themas, um gloß nicht aufzufliegen.
Das Einzige, was mir damals half, war, mich mit den Jungs zu umgeben, die auch noch Jungfrauen waren. Die geteilte Unzulänglichkeit war wie ein Schutzraum",

erzählt Peter WEISSENBURGER anlässlich der Berichte über "unfreiwillige Singles" wie er "Incels" übersetzt. Daneben gelten seine Vorbehalte der Pick-up-Artists-Szene und der Gamer-Nerds.

Wer bereits mit 18 das erste Mal Sex hatte, der gehört noch längst nicht zur Spezies der Absolute Beginners beziehungsweise der Menschen ohne Beziehungserfahrung. Erst jenseits Mitte Zwanzig beginnt die wirklich prekäre Situation, denn dann ist die postadoleszente Phase meist vorbei. Für Studenten ist die Universität noch ein Partnerschafts- und Heiratsmarkt, aber mit dem Beginn des Einstiegs in den Beruf werden die Gelegenheiten für jene, denen es an Erfahrungen mangelt, schnell weniger, wenn sie nicht vermehrt Eigeninitiative zeigen. Das Online-Dating entschärft diese Situation zwar, insbesondere für Schüchterne, aber nichtsdestotrotz bestehen für viele mit einem geringen Selbstwertgefühl oder fehlenden finanziellen Mitteln große Probleme, die kaum überwindbar erscheinen.

Fazit: Der Artikel ist für Menschen ohne Beziehungserfahrung wenig hilfreich, zeigt aber wie wenig Verständnis Linke für die Problemlage solcher Menschen haben. Wer lediglich die Anfälligkeit für rechte Ideologien kritisiert, aber keine gangbaren Alternativen dazu aufzeigt, der wird die Attraktivität rechter Ideologien nicht brechen!    

 
       
   

Die Vorstellung der Mitglieder der Rentenkommission in den Medien

KALBE, Uwe (2018): Experten für den Unruhestand.
Arbeitsminister Hubertus Heil setzt Rentenkommission ein. Konzept soll 2020 vorliegen,
in: Neues Deutschland v. 04.05.

Uwe KALBE zitiert ausführlich die Kritik des rentenpolitischen Sprechers der Linkspartei, Matthias BIRKWALD, an der Berufung von Axel BÖRSCH-SUPAN in die Rentenkommission. Der Linkspartei ist selbst eine Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent noch zu wenig. Sie fordert die Rückkehr zu 53 Prozent.

STENGER, Kurt (2018): Nur nichts infrage stellen.
Kommentar: Die schwarz-rote Rentenkommission ist überflüssig,
in: Neues Deutschland v. 04.05.

PETER, Tobias (2018): Zeitspiel.
Leidartikel: Die große Koalition setzt für die Rente eine Kommission ein, statt das Problem zu lösen. Ursachen und Auswege jedenfalls sind bekannt,
in: Frankfurter Rundschau v. 04.05.

Tobias PETER hat bei der FR nach dem Weggang von Karl DOEMENS die Rolle des neoliberalen Einpeitschers bei der Rentenpolitik übernommen. Man kann im Grunde auch den Artikel von Axel BÖRSCH-SUPAN in der SZ lesen, denn das ist die Linie, auf der PETER argumentiert.

Seine Metaphern von der Rentenversicherung als baufälligem Haus bzw. verrücktem Restaurant sagen eigentlich schon alles über seine Position. Die stramm neoliberale WirtschaftsWoche erklärt uns dagegen in ihrer aktuellen Titelgeschichte, dass die Rentenversicherung besser da steht als prognostiziert. Der Kollaps, der für 2020 vorhergesagt wurde, wird abgesagt und der Rentenversicherung eine glorreiche Zukunft attestiert, weshalb zur freiwilligen Einzahlungen aufgerufen wird!

Fazit: Die Rentenversicherung wird von neoliberalen Journalisten nach Gutsherrenart entweder totgesagt oder in den Himmel gelobt - je nachdem wer die Zielgruppe ist bzw. um welche Aspekte es gerade beim Thema geht.

DRIBBUSCH, Barbara (2018): Spagat zwischen den Generationen.
Neue Kommission der Regierung soll Vorschläge zum künftigen Rentenniveau erarbeiten,
in: TAZ v. 04.05.

Barbara DRIBBUSCH nutzt die Vorstellung der Rentenkommission, um das Horrorszenario von Axel BÖRSCH-SUPAN zu verbreiten, als ob es sich dabei um ein unabwendbares Szenario handeln würde. DRIBBUSCH ist die Rente egal, denn ihre Zielgruppe ist die gut situierte Leserin, die meist sogar im öffentlichen Dienst arbeitet. Altersarmut ist kein Thema, denn Verzicht ist für diese Klientel mit großem sozialen und kulturellem Kapital kein Problem.

SIEMS, Dorothea (2018): Die Kommission als Feigenblatt.
Arbeitsminister Heil beruft ein zehnköpfiges Expertengremium, um die Rentenversicherung langfristig zu stabilisieren. Doch zuvor beschließt die GroKo die teuren Ausgabenprogramme,
in: Welt v. 04.05.

Dorothea SIEMS zitiert vor allem das neoliberale Spektrum von BDA über FDP bis zu Axel BÖRSCH-SUPANs Horrorszenario. Bei den drei Wissenschaftlern findet sie Gemeinsamkeiten:

"Interessanterweise beschäftigen alle drei Wissenschaftler sich auch mit dem Thema des Arbeitens im Alter."

Dietrich CREUTZBURG will dagegen "drei sehr unterschiedliche Wissenschaftler" entdeckt haben, obwohl BÖRSCH-SUPAN und WAGNER zu den Experten gehören, die von der FAZ/FAS oft hofiert werden.

SCHWENN, Kerstin (2018): Regierung beruft neue Rentenkommission.
Ein zehnköpfiger Kreis soll die Altersvorsorge fit für die Zukunft machen. Die Koalition greift aber schon vorher mit Gesetzen ein,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.05.

Kerstin SCHWENN zitiert zusätzlich zu ihrer neoliberalen Welt-Kollegin noch die INSM, die Anfang des Jahrtausends auf Gerhard SCHRÖDER angesetzt wurde, um ihn auf Agenda-Kurs zu bringen.

CREUTZBURG, Dietrich (2018): Spaßfaktor mit Haltelinien - die Kommission zur Zukunft der Rente tritt an,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.05.

Dietrich CREUTZBURG beschreibt die beiden Vorsitzenden der Rentenkommission als "ausgleichende Persönlichkeiten". Beide haben ihre Bundestagsmandate 2017 aufgegeben.

Während von LÖSEKRUG-MÖLLER (SPD) jedoch in der FAZ oder anderen Zeitungen zur Rentenpolitik bislang nichts zu lesen war, gilt das für Karl SCHIEWERLING nicht. Bei den Vorsitzenden gibt es in Sachen Rentenkompetenz also eine klare CDU-Dominanz.

ROSSBACH, Henrike (2018): Eine Kommission für die Rente.
Minister Heil beauftragt Experten mit neuem Generationenvertrag,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.05.

Henrike ROSSBACH zitiert wie SIEMS in erster Linie aus dem neoliberalen Spektrum. Da die SZ bereits letzte Woche Axel BÖRSCH-SUPAN hofiert hat, erübrigt sich jeder Kommentar zur neoliberalen Blattlinie.

WASCHINSKI, Gregor (2018): Experten auf schwieriger Mission.
Arbeitsminister Hubertus Heil hat eine Rentenkommission vorgestellt, die bis 2020 Vorschläge für eine nachhaltige Alterssicherung in Deutschland vorlegen soll. Die Zeit für eine große Rentenreform läuft wegen des demografischen Wandels ab,
in: Handelsblatt v. 04.05.

THELEN, Peter (2018): Zweite Säule nicht vergessen.
Rentenkommission,
in: Handelsblatt v. 04.05.

Peter THELEN behauptet, dass es in der Rentenkommission keine Lobbyisten der Kapitaldeckung gäbe, obwohl sich mit Axel BÖRSCH-SUPAN und Gert G. WAGNER bereits zwei der drei Wissenschaftler in der öffentlichen Debatte für diese stark gemacht haben. Dass keine Lobbyisten der Arbeitsgemeinschaft betrieblicher Altersversorgung (Aba) dabei sind, ist kein Problem, denn schließlich sitzen die Tarifparteien als Lobbyisten der zweiten Säule in der Rentenkommission. Was THELEN fordert, wäre eine überdeutliche Dominanz der kapitalgedeckten Altersvorsorge zu Lasten der gesetzlichen Alterssicherung..

THELEN, Peter (2018): Neue Lasten für die Jungen.
Kommentar: Die Arbeit der Rentenkommission beginnt mit falschen Weichenstellungen,
in: Handelsblatt v. 04.05.

Peter THELEN spielt Mütter und Erwerbsminderungsrente gegeneinander aus und weiß jetzt schon, dass die Jungen die Verlierer sein werden, obwohl das keineswegs der Fall sein muß.

 
       
   
WIRTSCHAFTSWOCHE-Titelgeschichte:
Der Weg zur doppelten Rente.
Wie Sie aus der staatlichen Rentenversicherung mehr rausholen - und Sparpläne intelligent nutzen

HOYER, Niklas (2007): Mehr Rente ist sicher,
Altersvorsorge: Wer freiwillig in die Rentenkasse einzahlt und nebenbei selbst vorsorgt, verdoppelt sein Altersgehalt. Angestellte, Selbständige und Beamte können die aktuelle Rentendebatte gelassen verfolgen, wenn sie diese sechs Schritte für die Altersvorsorge beachten,
in: Wirtschaftswoche Nr.19 v. 04.05.

Niklas HOYER stellt seinem Artikel ein paar skeptische Aussagen von Menschen zur Zukunft der Rente voran, um dann zu erklären, dass die Lage der Rentenkasse besser sei als erwartet. Dann zitiert HOYER eine Prognose, deren Quelle ungenannt bleibt:

"Die Prognosen damals klangen anders. »Zu wenige Junge müssen zu viele Alte finanzieren, kommende Generationen werden unter der riesigen Abgabenlast ächzen«, so der Tenor. Schon um 2020 drohe dem System der Kollaps.
Kollaps? Von wegen. Mit Extrabeiträgen können Sparer ihre Rente jetzt nicht nur günstig, sondern im Vergleich zu privaten Rentenversicherungen auch renditeträchtig aufbessern."

Zu den Propheten des Kollaps der Rentenversicherung gehörte natürlich auch die Wirtschaftswoche, was HOYER verschweigt. Dort hieß es in der Titelgeschichte zum Konflikt der Generationen vom 14.08.2003:

"Das gewohnte Umlagesystem kann auf Dauer nicht mehr funktionieren, weil die Deutschen immer älter werden und zu wenig Kinder bekommen. Eskalieren wird die Lage spätestens 2010, wenn die geburtenstarken Jahrgänge der Fünfziger- und Sechzigerjahre nach und nach in Rente gehen."

Das ist gerade einmal 15 Jahre her und 2010 liegt bereits 8 Jahre zurück! Die freiwillige Renteneinzahlung, zu der HOYER aufruft, ist eine Umverteilung von unten nach oben und bedeutet nichts anderes als eine Plünderung der Rentekasse durch die Besserverdienenden! HOYER rechnet uns die Rendite folgendermaßen vor:

"Auf bis zu 6.500 Euro Bruttogehalt pro Monat (neue Bundesländer: 5.800 Euro) fallen derzeit 18,6 Prozent Rentenbeitrag an. (...). Wer 6.500 (5.800) Euro oder mehr verdient, bekommt dieses Jahr 2,06 Rentenpunkte gutgeschrieben - die entsprechen später 66 Euro Monatsrente. Wer halb so viel verdient, schafft 1,03 Rentenpunkte. Die erhöht die spätere Rente um 33 Euro."

Letztlich ist die freiwillige Renteneinzahlung eine Wette auf die eigene Zukunft. Je länger die eigene Rentenbezugsdauer, desto rentabler ist die Einzahlung.    

 
       
   

Die Pensionskassen in der Debatte

FROMME, Herbert (2018): Betriebsrenten in Gefahr.
Pensionskassen leiden unter der Zinsflaute. Finanzaufsicht drängt Arbeitgeber zur Hilfe,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.05.

MUßLER, Hanno (2018): Finanzaufsicht sieht Betriebsrenten in großer Gefahr.
Drei Pensionskassen brauchten 2017 Nachschuss. Bafin zweifelt am Rückzug der Banken aus Wertpapierberatung,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.05.

"93 Prozent der Bezugsberechtigten hätten valide Zusagen ihrer Arbeitgeber, aber immerhin 7 Prozent müssten damit rechnen, dass ihre Arbeitgeber die Pensionskasse nicht nachfüllten. (...).
Besonders gefährdet sind (...) Rentner, deren ehemaliger Arbeitgeber insolvent ist",

zitiert Hanno MUßLER die Finanzaufsicht.

 
       
   

Der Standortwettbewerb in der Debatte

MÜNZENMAIER, Werner (2018): Attraktivität großer Städte als Wohn- und Arbeitsort.
Unterschiede, Ursachenkomponenten und Entwicklungslinien 2000 bis 2015,
in: Statistisches Monatsheft, März v. 04.05.

 
       
   

03.05.2018

 
       
   

Die politische Kultur in der Debatte

BMAS (2018): Rentenkommission "Verlässlicher Generationenvertrag" vorgestellt,
in: Pressemitteilung des Bundesarbeitsministeriums v. 03.05.

Nun ist es offiziell, wer die Mitglieder der Rentenkommission sind. Vertreter der Wissenschaft sind die neoliberalen Ökonomen Axel BÖRSCH-SUPAN und Gert G. WAGNER, die mit ihren Vorstellungen bereits seit Jahren in der Öffentlichkeit präsent sind. Ersterer hat erst vor kurzem mit einem Horrorszenario, das jeglicher Grundlage entbehrt, Stimmung gegen die Stabilisierung des Rentenniveaus gemacht. Auch Gert G. WAGNER steht für den weiteren Ausbau der kapitalgedeckten Altersvorsorge und die Schwächung der gesetzlichen Rentenversicherung. Die Soziologin Simone SCHERGER steht für Erwerbsarbeit im Rentenalter, was zur Linie der beiden anderen passt. Hier geht es um die Erhöhung des Renteneintrittsalters.

Fazit: Die Zusammensetzung der Kommission aus der Wissenschaft ist bereits ein Hinweis darauf, dass es um die Durchsetzung einer Erhöhung der Erwerbsarbeit im Rentenalter gehen wird, vorzugsweise die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Außerdem soll ein weiterer Ausbau der betrieblichen und privaten Altersvorsorge vorangetrieben werden. Ergebnisoffenheit sieht anders aus!

 
       
   

Schwangerschaft und Geburt in der Debatte

LUDWIG, Kristiana (2018): Kind kommt, Kreißsaal fehlt.
Es gibt mehr Geburten, doch weniger Entbindungsstationen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 03.05.

Als die Geburtenzahlen im März veröffentlicht wurden, verharmloste die SZ die Probleme, die damit verbunden sind. Nun also, erst nachdem die Grünen eine kleine Anfrage zur Situation  in den deutschen Geburtskliniken gestartet haben und das Gesundheitsministerium blamable Unwissenheit konstatierte, ist das der SZ ein Bericht wert. Der Spiegel berichtete schon am Wochenende über die Problematik. Sätze wie:

"Frauen in Deutschland bekommen wieder mehr Kinder, von 2015 auf 2016 stieg die Geburtenrate um 7 Prozent",

lassen ahnen, dass Kristiana LUDWIG nicht wirklich Ahnung davon hat, worüber sie schreibt. Der Begriff "Geburtenrate" hat hier nichts zu suchen, denn lediglich die Geburtenzahlen sind um 7 Prozent zum Vorjahr angestiegen. Die Geburtenrate, genauer die zusammengefasste Geburtenziffer (TFR) ist dagegen um rund 90 Kinder pro 1000 Frauen im gebärfähigen Alter (von 1,50 auf 1,59 Kinder pro gebärfähiger Frau, was derzeit mit 15-49 Jahren angenommen wird) angestiegen. Dies wären ungefähr 9 Kinder pro 100 Frauen oder ca. 9 Prozent, wobei eine solche Angabe nicht unbedingt sinnvoll ist . Die Geburtenrate ist nämlich eine hypothetische Kennzahl, deren Aussagekraft zwar beschränkt ist, aber dennoch in vielen Medienberichten herangezogen wird - ob sinnvoll oder nicht.

Im Artikel wird ein Gegensatz zwischen den Absichtserklärungen des Koalitionsvertrags und der Realität proklamiert. Als "wohnortnahe Geburtshilfe" wird gemäß LUDWIG eine Autofahrt von bis zu 40 Minuten bis zum nächsten Kreißsaal bezeichnet. Im Gegensatz dazu existieren in der Praxis gar keine Zahlen darüber, inwiefern diese Kennzahl überhaupt regional eingehalten wird.

Der Koalitionsvertrag enthält jedoch keinerlei Definition. Dort heißt es nur lapidar:

"Zu einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung gehören für uns neben einer gut  erreichbaren ärztlichen Versorgung auch eine wohnortnahe Geburtshilfe, Hebammen und Apotheken vor Ort."  (2018, S.98)

Die Kennzahl, die LUDWIG nennt, stammt dagegen aus dem "Gesundheitsgremium", mit dem offenbar der gemeinsame Bundesausschuss gemeint.

Fazit: In dem Artikel geht es um einen politischen Streit über das, was eine "wohnortnahe Geburtshilfe" überhaupt ist. Eine bundesweite Bestandsaufnahme fehlt dagegen. Diese aber wäre die Grundvoraussetzung, um angemessen auf den gegenwärtigen Geburtenanstieg reagieren zu können, den Deutschland verschlafen hat.

 
       
   

Die Kinderbetreuung in der Debatte

SCHUSTER, Ulrike (2018): Milliarden für bessere Kitas.
Familienministerin Giffey will Bundesländer unterstützen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 03.05.

Wie absurd die Medienberichterstattung zuweilen ist, das zeigt sich heute in der SZ, wo auf derselben Seite zwei Berichte stehen, die eigentlich einen gemeinsamen Problemkern haben, aber ganz isoliert für sich geschrieben sind.

Ulrike SCHUSTER berichtet über das geplante "Gute-Kita-Zeit"-Gesetz, eine wohlklingende Maßnahme der neuen und hochgelobten Familienministerin Franziska GIFFEY. Das Gesetz zeigt, dass die Politik auf die wirklichen Probleme gar nicht reagiert, sondern Politik für eine Mütterelite macht, während nicht einmal die Grundversorgung ausreichend ist.

"Neue Kita-Plätze sollen nicht entstehen, es geht allein um die Verbesserung der Qualität in den bestehenden Kitas",

erklärt SCHUSTER das Gesetz. Mit dem Gesetz soll u.a. der Betreuungsschlüssel verbessert werden, d.h. die Anzahl der Kita-Plätze wird in den bestehenden Einrichtungen reduziert - und das bei steigenden Geburtenzahlen!

Wie absurd ein solches Gesetz in der gegenwärtigen Situation ist, zeigt das Beispiel Berlin, wo kürzlich ein Gericht urteilte, dass erst die Grundversorgung sicherzustellen sei, bevor an Qualitätsverbesserung zu denken sei.

Fazit: Die absurde Politik des Familienministeriums, die nur die Akademikerinnen und deren Bedürfnisse im Blick hat, erzeugt gewaltige Probleme, wenn die Geburtenrate weiter ansteigt und dies kein kurzzeitiges Phänomen ist, das man aussitzen kann.

 
       
   

Der Literaturbetrieb in der Debatte

ALBATH, Maike (2018): Toxische Virilität.
André Kubiczek setzt seine Mentalitätsgeschichte des Ostens fort,
in: Süddeutsche Zeitung v. 03.05.

Die Rezension des Buchs Komm in den totgesagten Park und schau von Maike ALBATH schreckt ab, statt neugierig zu machen. Die Figuren stammen allesamt aus dem linksliberalen Akademikermilieu, das in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten vom öden Literaturbetrieb so lange beschrieben wurde, dass man sich eigentlich nur noch fragt, wann endlich andere Weltsichten thematisiert werden ohne dann ins Gegenteil zu verfallen:

"Die saturierte Bundesrepublik in Bonn wird ebenso gegenwärtig wie das akademische Proletariat und das Berliner multikulturelle Patchwork-Familienchaos."

Es wird auch nicht besser, wenn man diese Klischeefiguren der Endzeitstimmung aussetzt. Soziologische Qualitäten braucht man für die "Pose eines apokalyptischen Propheten in Sarrazin-Manier" nicht, sondern eher für die Frage, wie man angesichts des ganzen medialen Mainstream-Irrsinns, der von links bis rechts orchestriert wird, überlebt und seine eigene Meinung jenseits der medialen Klischees bilden kann.   

 
       
   
FREITAG-Wochenthema: Stadt, Land, Frust.
Wer Deutschlands Problem finden will, muss an den Rändern der Republik suchen

GLADIC, Mladen (2018): Rand, ein Zustand.
Peripherie: Leerstand, Arbeitslosigkeit, Zuzugsperre für Flüchtlinge: In Pirmasens findet sich eine deutsche Realität, die in urbanen Debatten selten eine Rolle spielt,
in: Freitag Nr.18 v. 03.05.

DIECKMANN, Cornelius (2018): Dekonstruktion des Dorftrottels.
AfD: Ist die Provinz Schuld am Aufstieg der Rechtspopulisten? Zwei Studien zeichnen ein wesentlich differenzierteres Bild,
in: Freitag Nr.18 v. 03.05.

Cornelius DIECKMANN stellt die Studie Rückkehr zu den Politisch Verlassenen. Gespräche in rechtspopulistischen Hochburgen in Deutschland und Frankreich von Johannes HILLJE. Die Gespräche in Deutschland fanden im September 2017 vor der Bundestagswahl 2017 statt und wurden in je 3 west-  (Duisburg-Neumühl; Gelsenkirchen-Ost und Datteln-Meckinghoven) und 3 ostdeutschen Gemeinden bzw. Stadtteilen (Berlin Marzahn-Hellersdorf; Eisenhüttenstadt und Fürstenwalde-Molkenberg) durchgeführt.

Inwiefern die Auswahl der Orte repräsentativ für AfD-Hochburgen in Deutschland sein soll, ist unklar. Ländliche Räume werden gar nicht berücksichtigt. Diese Schieflage korrigiert die DIW-Studie AfD in dünn besiedelten Räumen mit Überalterungsproblemen stärker vom Februar.

Die Situation in Sachsen will DIECKMANN nicht mit fehlender Infrastruktur erklären, weil dies das urbanste östliche Bundesland sei. Dies ist jedoch ein fataler Fehlschluss, denn in Sachsen gibt es aufgrund der dortigen Austeritätspolitik einen eklatanten Lehrermangel und auch in anderen Bereichen herrscht Personalnotstand.    

ROßMANNEK, Oliver (2018): Wo ich herkomme, gibt es kein DSL.
Heimat: Unser Autor wuchs in Mecklenburg auf, zog in die Stadt - nun kennt er die Schattenseiten heutiger Arbeitsmobilität,
in: Freitag Nr.18 v. 03.05.

 
       
   

Die arbeitsmarktpolitische Lösung der Altersarmut in der Debatte

BAUREITHEL, Ulrike (2018): Hausputzerin, Ausputzerin.
Altersvorsorge: Bedroht Überalterung unsere Renten? Wenn der Staat arbeitende Mütter unterstützen würde, wären Probleme lösbar,
in: Freitag Nr.18 v. 03.05.

Aus frauenpolitischer Sicht kritisiert Ulrike BAUREITHEL die Studien zur Bezahlbarkeit der doppelten Haltelinie sowie die neoliberalen Plädoyers zur Erhöhung des Renteneintrittsalters (Frühjahrsgutachten) und der Müttererwerbsarbeit (Prognos-Studie Frauen und Altersvorsorge) sowie die HBS-Studie, die mit einem ökonomischen Abhängigkeitsquotienten die Horrorszenarien zu widerlegen versucht.

BAUREITHEL sieht Frauen als "Manövriermasse einer verfehlten Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik". Sie kritisiert dass die "Erziehungsrente", d.h. die Mütterrente, die Geringverdienerinnen vom Arbeitsmarkt fernhält und fordert Verbesserungen für die Mütterelite in Doppelkarrierehaushalten (Qualitativ hochwertige Kitas, Abschaffung des Ehegattensplittings, Schließung der Gender Pay Gap)

BAUREITHEL kritisiert zwar, dass Arbeitnehmergruppen in der öffentlichen Rentendebatte gegeneinander ausgespielt werden, aber welche Folgen ihre elitefeministischen Forderungen für die Normalos haben, das bleibt unberücksichtigt.  

 
       
   

Axel Börsch-Supan in der Debatte

GEYER, Johannes (2018): Stabile Rentenversicherung.
Kommentar zur Debatte um die Kosten der doppelten Haltelinie,
in: DIW-Wochenbericht Nr.18 v. 03.05.

"Mittlerweile wird die Verunsicherung über die Rente kräftig bedient. Je früher die Politik eine klare Vision präsentiert und weitere Reformen für die Zeit nach 2025/2030 beschließt, desto besser",

meint Johannes GEYER. Neoliberaler Panikmache mit Schnellschüssen begegnen zu wollen, ist die falsche Reaktion. Zuallererst ist das Statistische Bundesamt gefordert, das seine völlig überholte Bevölkerungsvorausberechnung endlich erneuern muss und zwar auf Grundlage der Geburtenentwicklung des Jahres 2017. Nicht nur Rente, sondern auch Kinderbetreuung und Schuleinrichtungen fehlt ein Kompass für das nächste Jahrzehnt. Bislang erfolgen alle diese Debatten im Blindflug!  

 
       
   

Die Lebensversicherer als Akteur der Altersvorsorge: Von vollmundigen Versprechungen zur Entledigung der Altlasten

KROHN, Philipp (2018): Zu wenig Kapital für Lebensversicherungs-Käufer.
Ob der Aufkauf von Policen-Beständen erfolgreich wird, hängt von vielen Faktoren ab, zeigt eine Studie. Doch die offensichtlichste Chance bleibt liegen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.05.

 
       
   

Das Renteneintrittsalter und die Erhöhung der Erwerbsquote von Älteren in der Debatte

THELEN, Peter (2018): Erster Tarifvertrag gegen Rente mit 67.
Arbeitgeber helfen Beschäftigten, der Rentenversicherung die Frührenten-Abschläge abzukaufen. Das Beispiel könnte Schule machen,
in: Handelsblatt v. 03.05.

Peter THELEN berichtet über einen Tarifabschluss, der lediglich für rund 40.000 Beschäftigte in Niedersachsen gilt. Dort erhalten die Beschäftigten einen Zuschuss von monatlich 50 Euro für freiwillige Einzahlungen in die Rentenversicherung:

"Jeder Beschäftigte kann die Zahlung aufstocken. Dies dürfte in den meisten Fällen auch erforderlich sein. Denn laut Rentenversicherung muss ein Arbeitnehmer mehr als 17.000 Euro einzahlen, um einen Rentenabschlag von 7,2 Prozent bei einem erwarteten Rentenanspruch von 1000 Euro auszugleichen",

schreibt THELEN (hier die Online-Variante des Artikels ohne abschließende Einschätzung zur möglichen Signalwirkung des Tarifvertrags). Bei 50 Euro pro Monat wären mindestens 340 Monate erforderlich, um die Abschläge kompensieren zu können, also mehr als 28 Jahre lange Einzahlungen. Erfolgsversprechend sind solche zusätzlichen Einzahlungen jedoch voraussichtlich lediglich in den nächsten 7 Jahren. Oder wie es THELEN formuliert:

"Kein Zufall ist sicherlich, dass der neu abgeschlossene Tarifvertrag frühestens zum 31.12.2024 gekündigt werden kann. Genau dann nämlich sind die sieben guten Jahre für die Rentenversicherung laut den aktuellen Prognosen der Bundesregierung vorbei. 2024 wird danach der Rentenbeitrag auf 19,8 Prozent steigen und 2025 bereits bei 20 Prozent liegen. Das wird das Abkaufen der versicherungsmathematischen Abschläge deutlich verteuern."

Der Arbeitgeberzuschuss beträgt bis dahin gerade einmal 4.200 Euro, was einem Rentenabschlag von nicht einmal 1,8 Prozent entspräche!

Fazit: Den Tarifabschluss als "Tarifvertrag gegen Rente mit 67" zu titulieren ist Augenwischerei. Die Gewerkschaft stärkt damit nicht die Rentenversicherung, sondern wie im Fall der Entgeltumwandlung geht diese Art von Werbung für die freiwillige Renteneinzahlung zu Lasten der Geringverdiener. Man könnte hier von einer weiteren Umverteilung von unten nach oben - mit Duldung der Gewerkschaften - sprechen. 

 
       
   

Die politische Kultur in der Debatte

MÜLLER, Hans Christian (2018): Die Provinz ist schlecht vertreten.
Grafik des Tages: Im Bundestag gibt es überproportional viele Abgeordnete aus Großstädten - und verhältnismäßig wenige vom Land.
in: Handelsblatt v. 03.05.

Die "ärmste" kreisfreie Stadt Deutschlands, Gelsenkirchen, ist mit 6 Bundestagsabgeordneten aus allen Parteien vertreten, strukturschwache Gebiete jenseits der Großstädte dagegen meist mit einem einzigen.

 
       
   

Die neue Klassengesellschaft in der Debatte

RUDZIO, Kolja (2018): Die Elefanten-Kurve.
ZEIT-Serie Linien erklären die Welt: Eine Grafik soll beweisen, dass die Arbeiter der Industriestaaten die Verlierer der Globalisierung sind. Aber zeigt sie das wirklich?
in: Die ZEIT Nr.19 v. 03.05.

Kolja RUDZIO befasst sich mit einer Grafik von Christoph LAKNER & Branko MILANOVIC aus dem Jahr 2013, die in den Mainstreammedien herumgereicht wurde wie ein religiöses Kultobjekt. Wer sich dagegen ernsthaft mit sozialer Ungleichheit beschäftigt, der beteiligt sich an solchen auf der Big-Data-Welle schwimmenden Hypes erst gar nicht. Erst recht nicht, wenn solche Grafiken mit eingängigen Namen belegt werden. Aussagekräftige Grafiken brauchen keine eingängige Namen!

Fazit: Den Platz hätte man in der ZEIT lieber für seriöse Aufklärung über die Gefahren der Visualisierung von Statistiken im Zeitalter von Big Data benutzt.

 
       
   

02.05.2018

 
       
   

Die Alternative für Deutschland in der Debatte

KAMANN, Matthias (2018): Wie sozial darf die AfD sein?
Partei steuert auf einen Grundsatzkonflikt zu. Der Sozialflügel kämpft gegen befristete Arbeitsverhältnisse - und geht bei der Rente auf Konfrontationskurs zu den Wirtschaftsliberalen um Parteichef Meuthen,
in: Welt v. 02.05.

Matthias KAMANN stilisiert einen Konflikt innerhalb der AfD zwischen den dominierenden  Wirtschaftsliberalen und den wenigen Sozialpolitikern der Partei zu einem Problem. Die AfD ist jedoch im Kern eine nationalliberale Partei, die ihre Klientel aus nationalkonservativen und wirtschaftsliberalen Kreisen rekrutiert. Außer Jürgen POHL nennt KAMANN keine Verfechter einer sozialpolitischen Linie. Dieser stammt aus Thüringen, wo bekanntlich 2019 Landtagswahlen stattfinden. Da dort die neoliberale Linke regiert, deren Großprojekt der Gebietsreform gründlich daneben ging, kann sich dort die AfD ohne viel Probleme als sozialere Alternative positionieren. Auch in den anderen ostdeutschen Ländern, in denen sich die Linke durch neoliberale Gebietsreformen ins Abseits manövriert hat, kann sich die AfD sozial positionieren. An ihrer wirtschaftsliberalen Ausrichtung ändert sich dadurch nichts, was auch an dem Antrag zur Befristung von Arbeitsverträgen zeigt, denn dort sollen "Betriebe mit zehn oder weniger Mitarbeitern" ausgenommen werden, das aber ist die wirtschaftsliberale Zielgruppe der AfD, nämlich kleine Selbständige bzw. Mittelständische, die mit Sozialpolitik nichts zu tun haben wollen.   

 
       
   

Andreas Rödder - 21.0

GASCHKE, Susanne & Jacques SCHUSTER (2018): "Die Mitte muss ihre Sprachlosigkeit überwinden".
In Deutschland findet ein Kampf um Deutungshoheit statt, sagt der Historiker Andreas Rödder. Die "Kultur des Regenbogens" neige sich dem Ende zu, die Folge sei eine konservative Gegenbewegung. Was heißt das für die CDU?
in: Welt v. 02.05.

"Um die Jahrtausendwende setzte sich die Vorstellung durch, man müsse Gesellschaft und Staat nach den Prinzipien des Marktes umorganisieren (...).
Dieses neoliberale Modernisierungsparadigma hat mit der Finanzkrise von 2008 an Glaubwürdigkeit verloren. Dann wurde ein neues Paradigma vorherrschend, das ursprünglich grün war: die Kultur des Regenbogens im Zeichen von Antidiskriminierung, Diversität, Gender, Gleichstellung und Inklusion. Sie erhebt einen normativen Geltungsanspruch, der inzwischen zunehmend infrage gestellt wird",

behauptet Andreas RÖDDER. Tatsächlich wurde das neoliberale Modernisierungsparadigma jedoch nicht abgelöst, sondern lediglich ergänzt durch die Kultur des Regenbogens. Diese linksliberale Allianz zwischen den Eliten, die alleine längst auf verlorenem Posten gestanden wäre, konnte sich bis heute über die Runden retten.

RÖDDER aber will die Kultur des Regenbogens zum alleinigen Problem machen:

"Die ideologische Rigidität des Regenbogens hat aber das freigesetzt, was man in der Sozialpsychologie »Reaktanz« nennt, eine Gegenbewegung."

Volkstümlich nennt man Reaktanz auch Trotz! Diese Sicht ist einseitig, weil sie die linke Kritik am Neoliberalismus ausblendet. War die intellektuelle Linke nach 1968 staatsfern, so hat sich nun im Zeichen des neoliberalen Sozialstaatsabbaus geändert. Es gibt eine neue linke Bewegung, die auf den Sozialstaat setzt, was man ebenfalls als konservativ nennen kann.

"Der Ruf nach staatlicher Handlungsfähigkeit ist eine Reaktion auf die beständigen Ohnmachtsfantasien, denen sich die Politik lange Zeit ausgesetzt hat",

erklärt RÖDDER die Sicht von Rüdiger SAFRANSKI, was in der rechten Mythologie mündet, dass MERKEL die CDU nach links gerückt hätte. RÖDDER sieht in Annegret KAMP-KARRENBAUER die Zukunftshoffnung der CDU. Man wird sehen, ob diese Rechnung aufgeht.

 
       
   

Die Hochburgen der Alternative für Deutschland in der Debatte

ND/Agenturen (2018): AfD verliert Bürgermeisterwahl in Gera.
Linke behauptet sich bei den Thüringer Kommunalwahlen in Eisenach, büßt aber Landratsposten ein,
in: Neues Deutschland v. 02.05.

In der Welt befürchtete Philipp KUHN noch am Samstag, dass Gera zukünftig von der AfD regiert werden könnte, was auf dieser Website angezweifelt wurde.

"Die AfD bleibt ohne Oberbürgermeisteramt in einer kreisfreien Stadt in Deutschland",

meldet nun die Linksparteifreundliche Zeitung Neues Deutschland. Das aber ist auch die einzige, wirklich positive Nachricht dieser Wahlen in Thüringen. Rot-Rot-Grün hat auf der Kommunal- und Kreisebene ihre Vorherrschaft eingebüßt. Die CDU rechnet sich nun 9  Landräte zu, während die SPD sieben zählt, wobei sie auch jene zählt, die mangels eigener aussichtsreichen Kandidaten nur unterstützt wurden.

In Thüringen wurden gemäß dem Statischen Landesamt Thüringen 20 Landräte bzw. Oberbürgermeister gewählt. Die CDU gewann 9, die SPD 4, die Linke 2 und die FDP stellt den Oberbürgermeister in Jena. Die Grünen gingen leer aus. Man kann dies als Desaster für Rot-Rot-Grün in Thüringen bezeichnen. 

 
       
   

Der Wandel des Parteiensystems in Deutschland in der Debatte

HAAK, Sebastian (2018): Zittern vor der Fünf-Prozent-Hürde.
Thüringens Grüne rüsten für die Landtagswahl 2019 - von ihrem Einzug ins Parlament hängt im Freistaat viel ab,
in: Neues Deutschland v. 02.05.

Die Grünen in Thüringen setzen auf typische elitäre Politik, als ob die Menschen in Ostdeutschland keine wichtigen Problem hätten! Sebastian HAAK zeigt schon einmal auf, dass es ohne die Grünen für die etablierten Parteien in Thüringen kaum eine Chance of eine Regierungsmehrheit geben wird. Das aber scheint den Grünen egal zu sein!

 
       
   

Der ländliche Raum und Mittelstädte im demografischen Wandel

FRITSCHE, Andreas (2018): Höchste Eisenbahn in Wilhelmsruh.
Brandenburg: Reaktivierung der Stammstrecke der Heidekrautbahn ist möglich, muss aber schnell gehen,
in: Neues Deutschland v. 02.05.

Berlin ist im ersten Halbjahr 2017 nur im Promillebereich durch innerdeutsche Zuwanderung gewachsen. Dies dürfte mit der verheerenden Wohnsituation in Berlin zusammenhängen, von der das Umland profitiert. Die Reaktivierung der Heidekrautbahn könnte diesen Effekt noch verstärken und das Brandenburger Umland zeitlich näher an Berlin heranrücken, so die Befürworter des Projekts.

 
       
   

Das Single-Dasein in der Schweiz

HAEFELI, Rebekka (2018): Heiratsschwindler lauern auch im Netz.
Ältere Leute nutzen für die Partnersuche vermehrt das Internet - Frauen sind dabei besonders vorsichtig,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 02.05.

HENDRICHS, Vincent & Johannes JÜTTING (2018): Für eine starke öffentliche Statistik.
Gastkommentar: Tribüne,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 02.05.

 
       
   

Das Single-Dasein in Norwegen

MUßLER, Hanno (2018): Fast 18 Milliarden Verlust.
Auch Norwegens Staatsfonds trifft der Kursrückgang,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.05.

 
       
   

01.05.2018

 
       
   
CICERO-Titelgeschichte: Der Klassenkampf.
Warum unsere Schulen versagen

USCHMANN, Oliver (2018): Der Klassenkampf.
Deutschlands Schulen scheitern immer häufiger an den Anforderungen des 21. Jahrhunderts. Das liegt nicht an den Lehrern, die oft mit großem Einsatz kämpfen. Sondern an der Politik und ihren ideologischen Weltverbesserungsplänen. Ein Bericht von der pädagogischen Front,
in: Cicero, Mai

Die gegenwärtige Lage der Schulen ist eine

"nötige Reaktion auf vier Umstände. Erstens: der ausgerechnet durch den »Pisa-Schock« von 2001 beschleunigte Paradigmenwechsel weg von konkreter Kanonvermittlung hin zur Erzeugung von Kompetenzen. Zweitens: die Inklusion förderbedürftiger Kinder. Drittens: die Integration Zugewanderter. Viertens: die Pensionierungswelle bei gleichzeitigem Ausbleiben kompetenten Lehrernachwuchses",

meint Oliver USCHMANN. Das Hauptproblem unserer Schulen, dass Deutschland nämlich den Geburtenanstieg verschlafen hat, kommt bei USCHMANN gar nicht vor! Die neoliberale Sparpolitik zu Lasten der Schulen beschreibt USCHMANN folgendermaßen:

"Stellt eine Kommune fest, dass die Schülerzahlen ihrer Hauptschule zurückgehen, legt sie sie mit der Realschule zusammen, um Kosten zu sparen. Noch stärker entlastet man einen Haushalt, indem man eine Förderschule auslaufend stellt. Förderschullehrer werden wie Gymnasiallehrer besser bezahlt als Pädagogen der anderen staatlichen Schulformen; wer eine Förderschule mit ihrem niedrigen Lehrer-Schüler-Verhältnis auflöst, spart deshalb sogar doppelt."

Was USCHMANN beschreibt, das ist Vergangenheit. Die Zukunft dagegen wird von steigenden Schülerzahlen bestimmt. Darauf aber sind die Verantwortlichen in Deutschland nicht im Mindesten vorbereitet. USCHMANN beschreibt Luxusprobleme der Vergangenheit, aber nicht das, was in den nächsten Jahren auf Deutschland zukommen wird.

Lediglich die Grafiken zeigen, wo die wirklichen Probleme liegen: z.B. beim rasanten Anstieg von Seiteneinsteigern. Wo die Grafik des Artikels endet, nämlich 2016, da beginnen die Probleme erst richtig! Die Länder jagen sich nun gegenseitig den viel zu geringen Lehrernachwuchs ab, weil von zurückgehenden Schülerzahlen, nicht jedoch von steigenden Schülerzahlen ausgegangen wurde. Diesen Wettlauf wird kein Bundesland gewinnen können - alle werden Verlierer sein. Eine andere Grafik, deren Quelle unseriöserweise nicht angegeben ist, ist mit Lehrermangel an Grundschulen überschrieben. Die dortigen Zahlen dürften längst überholt sein. Zahlen zu den Geburten 2017 liegen noch nicht vor, aber es werden mindestens genauso viele wie 2016 sein. Das ist weit mehr als in allen Prognosen angenommen. Das Problem wird derzeit verharmlost, weil davon ausgegangen wird, dass der Anstieg der Geburtenzahlen nur ein kurzzeitiges Phänomen ist. Was aber, wenn das ein Irrtum ist?

Fazit: Der Artikel zeigt Probleme auf, die selbst bei konstanter Geburtenrate kaum lösbar sind. Bei der zu erwartenden steigenden Geburtenrate sind die Folgen dagegen katastrophal. Die Medien haben die Brisanz dieses Themas noch längst nicht erkannt - von der Politik ganz zu schweigen!  

 
       
   

Städte-Rankings in der Debatte

ZDRZALEK, Lukas (2018): Die Lagen der Nation.
Immer mehr Deutsche ziehen raus aus den Großstädten. Capital zeigt in einer exklusiven Auswertung, welche Kommunen abseits der Metropolen am attraktivsten sind,
in: Capital, Mai

Die Auswahl der Kommunen, die von Capital betrachtet werden, beruht auf Daten der neoliberalen Privatstiftung Bertelsmann, die mit ihrem Wegweiser Kommune eine fragwürdige Typologie deutscher Kommunen mit mehr als 5.000 Einwohnern bereitstellt:

"Fünf dieser Typen erfüllen die Capital-Bedingungen und gingen in die Analyse ein. Alle Städte, die schrumpfen werden, sowie Großstädte und Stadtstaaten wurden aussortiert. 1.700 Gemeinden blieben übrig."

Folgende neun Merkmale der Bertelsmannstiftung-Demografietypen wurden berücksichtigt. Die Angaben zur Spannbreite der Merkmalsausprägung beziehen sich auf die 100 Top-Lagen von Capital):

1) Bevölkerungszuwachs 2011-2015 in % (Spannbreite: 0,8 % Machern bis 12,2 % Teltow)
2) Bevölkerungsprognose 2012-2030 in % (Spannbreite: - 5,3 % Machern bis 26,6 % Teltow)
3) Zuzug in Personen je 1.000 Einwohner (Spannbreite:  4,0 % Renningen bis 30,5 % Teltow)
4) Quote der Minderjährigen in % (Spannbreite: 15,4 % Bingen am Rhein bis 21,9 % Poing)
5) Steuereinnahmen je Einwohner in Euro (Spannbreite: 530
Perl bis 17.420 Grünwald)
6) Kaufkraft je Haushalt in Euro (Spannbreite: 35.180
Perl bis 121.240 Grünwald)
7) Quote der SgB-II-Empfänger in % (Spannbreite: 0,9 % Eching bis 13,9 % Hanau)
8) Hochqualifizierte am Arbeitsort in % (Spannbreite: 4,5 % Pattensen bis 56,0 % Walldorf)
9) Hochqualifizierte am Wohnort in % (Spannbreite: 6,7 % Harsewinkel bis 34,8 % Pullach/Isar)

Fast 50 Prozent der Kommunen wurden von Capital aufgrund der Bertelsmannstiftungs-Daten erst gar nicht berücksichtigt. Aus den 100 Toplagen lässt sich rekonstruieren, welche der Demografietypen bei Capital berücksichtigt wurden. Es waren:

1) Typ 1: Stabile ländliche Städte und Gemeinden
2) Typ 2: Zentren der Wissensgesellschaft
3) Typ 3: Prosperierende Kommunen im Umfeld dynamischer Wirtschaftszentren
4) Typ 4: Wohlhabende Kommunen in ländlichen Räumen
5) Typ 6: Stabile Mittelstädte

Die Demografietypen sind keineswegs gleich verteilt, sondern die Chancen sind je Bundesland sehr unterschiedlich. Von den 12 niedersächsischen Gemeinden gehören 11 dem Demografietyp 6 und eine dem Typ 1 an. Das Saarland ist mit einer einzigen Gemeinde vertreten, die dem Typ 1 angehört: Perl. Sachsen ist ebenfalls nur mit einer Gemeinde vertreten: Machern (Typ 6).

Die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt fanden aus Gründen keine Berücksichtigung, die sich aus der Datenlage des beauftragten Immobilieninstituts ergaben. Dadurch werden die Bundesländer Brandenburg und Schleswig-Holstein aufgewertet.    

Wie aussagekräftig sind solche Analysen angesichts der Tatsache, dass sich die Demografietypen und die Bedingungen der Gemeinden relativ schnell ändern können? Das dürfte nur jene nicht interessieren, die in einer Immobilie kein langfristiges Invest sehen.   

 
       
   

Die Riester-Rente in der Debatte

LANGENBERG, Britta (2018): Die Zulagen-Falle.
Millionen Deutsche sparen mit einer Riester-Rente fürs Alter, etliche verzichten aber auf Zulagen. Jetzt stellt sich heraus: Wer das macht, ist doppelt gestraft,
in: Capital, Mai

Doppelt gestraft, sind nur jene, denen ein Pfändung droht, denn Britta LANGENBERG zielt damit auf ein BGH-Urteil zur Riester-Rente ab.

 
       
   

Oliver Nachtwey in der Debatte

NACHTWEY, Oliver (2018): Im Fahrstuhl nach unten: Marx und die Abstiegsgesellschaft,
in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Mai

 
       
   

Das Single-Dasein in El Salvador

WIECHMANN, Jan Christoph (2018): Im Land der traurigen Frauen.
El Salvador: Straßengangster überfallen eine Schwangere, treten ihr in den Bauch; sie verliert das Kind. Ein Richter verhängt eine harte Strafe: 30 Jahre Gefängnis - für die junge Frau, wegen »illegaler Abtreibung«. Jahrelang waren derartige Urteile normal in El Salvador, doch jetzt regt sich Widerstand gegen die Ungerechtigkeit,
in: Geo, Mai

 
       
 

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Zu den News vom 23. - 30. April 2018
 

       
   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
       
 
   

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