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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 04. - 08. April 2016

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Der Geburtenrückgang in Deutschland wurde in erster Linie durch den Rückgang von Frauen mit drei und mehr Kindern verursacht

"Deutschland ist durch die Kombination aus hoher Kinderlosigkeit und einem geringen Anteil Kinderreicher charakterisiert. Der Effekt des Rückgangs kinderreicher Familien kann jedoch mit 66,6 % den Großteil des Geburtenrückgangs in der Bundesrepublik Deutschland erklären (Bujard/Sulak 2015). Zeitlich unterscheiden sich die Effekte: Während in der Anfangsphase der Rückgang der kinderreichen Familien fast alleine den Geburtenrückgang ausgelöst hat, war später, beim Vergleich der Kohorten von 1950 bis 1970, die Kinderlosigkeit der dominierende Faktor".
(Martin Bujard & Detlev Lück "Kinderlosigkeit und Kinderreichtum", 2015, S.41)

 
       
       
   
WELT KOMPAKT-Titelgeschichte: Generation Sorglos.
Wer Mitte 20 ist, hat eine Menge im Kopf - die Frage nach der Alterssicherung gehört nicht dazu. Dabei betreffen viele Rentenentscheidungen, die die Regierung fällt, gerade die Jungen. Doch für Aufregung sorgt das nicht

BREYTON, Ricarda & Moritz SEYFFARTH (2016): "So weit plane ich nicht im Voraus".
Die Bundesregierung steckt Milliarden in die Altersversorgung - die Zeche zahlt die junge Generation. Doch von dort kommt kaum Protest. Wenn es um die eigene Zukunft geht, verschließen die Jugendlichen die Augen,
in:
Welt kompakt v. 08.04.

Ricarda BREYTON & Moritz SEYFFARTH berichten über eine Auftragsstudie eines Anbieters der betrieblichen und privaten Altersvorsorge, von daher ist die Stoßrichtung bereits vorgegeben. Leiter der Auftragsstudie ist der prominente Sozialwissenschaftler Klaus HURRELMANN.

Warum hat die Welt nicht die Ergebnisse der aktuellen Studie aus diesem Jahr abgewartet, die Ende April vorgestellt werden sollen, sondern präsentiert uns Ergebnisse aus dem Jahr 2013? Seit 2010 werden alle 3 Jahre die 17-27Jährigen nach ihrem Vorsorgeverhalten befragt. Die Finanzdienstleistungsbranche will wissen, inwiefern ihre Werbekampagnen Wirkung zeigen und wie die jungen Menschen angesprochen werden müssen, um sie zu mehr Altersvorsorge zu motivieren.

Aufgrund der derzeitig schwellenden Debatte um eine Verbesserung der Rentensituation will die Welt offenbar mit alten Daten schon einmal grundsätzlich Position gegen Verbesserungen beim System der gesetzlichen Rente beziehen. Mittels einer nicht-repräsentativen Umfrage unter Berliner Studenten (eine Jurastudentin z.B. lehnt private Altersvorsorge mit Verweis auf die sichere Rentenversicherung ihres angestrebten Berufsstandes ab!) will man suggerieren, dass die jungen Studenten zu wenig tun und sich in den letzten 3 Jahren nichts geändert hat - was jedoch nicht überprüfbar ist, weil die neuen Daten nicht vorliegen.

Da als einziger Experte der Altersvorsorge-Lobbyist Bernd RAFFELHÜSCHEN zitiert wird, ist der Artikel mehr als einseitig. Die Botschaft lautet:

"Statt auf eine Wende hin zu einer nachhaltigen Rentenpolitik zu hoffen, sollten sich die jungen Menschen also lieber um ihre private Altersvorsorge kümmern."

Die Zukunft wird zeigen, ob dies tatsächlich ein guter Ratschlag ist. Wir warten lieber erst einmal die Ergebnisse der neuen Studie aus diesem Jahr ab, statt uns mit Altmaterial abspeisen zu lassen.

 
       
   

MIEGEL, Meinhard (2016): Ein unfruchtbares Biotop.
Seit Generationen kompensiert Deutschland die eigene Geburtenarmut mit dem Geburtenreichtum anderer Völker. Historisch neu und unerprobt ist aber, dass nun Hungrige in großer Zahl in festgefügte und weithin erstarrte Sozialstaatsgebilde einzudringen versuchen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.04.

Meinhard MIEGEL meint zwar, dass ADENAUER mit seiner Sicht auf die Familie falsch lag, dessen Motto "Keine Experimente" folgt er jedoch ganz gerne. Die FAZ hat ihm eine Seite zur Verfügung gestellt, auf dem er sein sattsam bekanntes nationalkonservatives Mantra vorträgt wie seit Jahr und Tag - natürlich mit einem zeitgeistigen Update versehen.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts kreist die Bevölkerungsdebatte um die Vergreisung des deutschen Volkes. Der Zusammenbruch des Wirtschafts- und Sozialsystems wird seitdem immer wieder behauptet. Es wundert daher höchstens, dass Deutschland trotz alledem die stärkste Macht in Europa ist. Das scheint jedoch unseren Eliten, die diese Demografisierung gesellschaftlicher Probleme betreiben, nicht erklärungsbedürftig.

Angst ist das Treibmittel des flexiblen Kapitalismus, weshalb MIEGEL gleich noch ein Horrorszenario liefert: Europa wird von den Afrikanern überrannt werden (Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Rolle im Übrigen den Asiaten zugedacht. Titel wie Die menschliche Springflut zeugen davon). Gegen das Überranntwerden hilft zwar merkwürdigerweise kein Schießbefehl, aber eine Leitkultur (Kann man damit höhere Mauern bauen als mit jedem anderen Stoff?). Das hätten wir gerne genauer gehabt, aber Nationalkoservativen reicht das Schlagwort zur Selbstbefriedigung vollkommen aus. Was im Kreise unserer Eliten gerne gehört wird: Die Masse soll Verzicht üben. Man darf sicher sein, dass bei der Art des Verzichts die Masse kein Mitspracherecht haben. Das zeigt schon diese MIEGEL-Kommission und das, was dort unter Lebensqualität verstanden wurde.    

 
       
   

SEIBT, Gustav (2016): Opportunismus ohne Obergrenze.
Wolfgang Streecks Attacke gegen Angela Merkel,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 08.04.

Gustav SEIBT, der vor 4 Jahren eine Niedrigzinspolitik guthieß (das damit anvisierte Inflationsziel - 4 %! - wurde bislang jedoch weit verfehlt, obwohl wir bereits bei der Nullzinspolitik angelangt sind), die vor allem ältere Arbeitnehmer und die private Altersvorsorge der Jungen trifft, knöpft sich jetzt den prominenten Soziologen Wolfgang STREECK ("Gekaufte Zeit") vor, weil er in einer Buchkritik in der London Review of Books die

"Souveränitätsverluste in National- und Sozialstaaten, durch welche die Arbeitnehmer gegenüber dem Kapital ins Hintertreffen geraten."

anprangerte und Angela MERKELs Politik gemäß SEIBT im Lichte dieses Aspekts betrachtet. Mit Herfried MÜNKLER im Rücken verteidigt SEIBT die Kanzlerin und rückt STREECK in die rechte Ecke à la Front National, AfD und Pegida). SEIBT will bei MERKEL eine "geopolitische" Strategie erkennen, die auch den Türkei-Deal als Mittel zum Zweck heiligt.

Auch wenn man nicht unbedingt mit STREECKs Ansichten übereinstimmt, ist die Art und Weise wie derzeit mit Kritikern der gegenwärtigen Elitenpolitik umgegangen wird, mehr als bedenklich.

 
       
   

FROMME, Herbert (2016): Neuanfang gesucht.
Versicherer: Die niedrigen Zinsen bringen ans Licht, dass das Geschäftsmodell gescheitert ist,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 08.04.

Herbert FROMME sieht die Kritik der Lebensversicherer an der Nullzinspolitik der EZB als unberechtigt, stattdessen fordert er, dass sie ihr Geschäftsmodell ändern sollen. Den Beginn der Misere der Lebensversicherer legt FROMME auf die 1990er Jahre:

"Das Risiko schien überschaubar (...).
Das änderte sich erst in den Neunzigerjahren, als die Versicherer dazu übergingen, die Lebensversicherung ernsthaft als private Altersvorsorge zu positionieren. Ebenfalls in den Neunzigern gaben die Versicherer ihren Kunden immer höhere Zinsgarantien. Wer zwischen Juli 1994 und Juli 2000 eine Lebensversicherung oder private Rentenversicherung abschloss, dem garantierte der Anbieter eine Verzinsung von mindestens vier Prozent für die gesamte Laufzeit des Vertrages."

War da nicht etwas? Das war doch jene Zeit, als uns Politik und Medien die sagenhaften Renditen der privaten Altersvorsorge im Gegensatz zu der sinkenden Rendite der gesetzlichen Rente schmackhaft machten. Haben die Versicherer diese Zinszusagen nicht vielleicht nur deshalb gemacht, dass wir uns keine Sorgen machen sollten und die Rentenreform ohne Murren durchwinken sollten? Das hatte ja auch hervorragend geklappt. Leider liest man davon nichts in der SZ.

Bernd W. KLÖCKNER rechnete in seiner 2003 erschienen Lobpreisung der privaten Altersvorsorge mit Titel Die gierige Generation noch mit einer effektiven Verzinsung von 5 %. Mit 169 Euro Sparbetrag pro Monat, sollte man demnach in 40 Jahren ein Vermögen von 250.000 Euro aufgebaut haben. Davon können Sparer heutzutage nur noch träumen.

FROMME hat jedoch ebenfalls keine Lösung anzubieten, da er nur die private Altersvorsorge im Blick hat. Seine einzige Empfehlung: Arbeitsplatzabbau im Vertrieb der Versicherer, um die Vertriebskosten der Vorsorgeprodukte zu senken.

"Die Versicherer kennen sich gut mit Todesfall- und Langlebigkeitsrisiken aus",

preist FROMME die Versicherer als Partner der Politik an. Eines ist gewiss: Versicherer verrechnen sich bei der Lebenserwartung ihrer Kunden sicher nicht zu ihren Ungunsten.

 
       
   

SCHÖNBALL, Ralf (2016): Lage, Lage, Lüge.
Erst attackierten Vermieter den Mietspiegel, nun ein Münchener Professor, der ihn selbst erstellen möchte,
in:
Tagesspiegel v. 08.04.

 
       
   

RÖTZER, Florian (2016): Selber schuld: Arm, kränker und früher Tod.
Sozioökonomische Bedingungen stehen hinter Unterschieden in der Lebenserwartung von bis zu 10 Jahren, die Bundesregierung sieht Chancengleichheit lediglich durch Prävention,
in:
Telepolis v. 07.04.

 
       
   

JAEGER, Mona (2016): Die Geburtenrate bleibt niedrig.
Wie bei anderen familienpolitischen Maßnahmen ist auch beim Betreuungsgeld die Wirkung gering,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.04.

Mona JAEGER geht es nicht um Familienpolitik, sondern um Bevölkerungspolitik. In ihrem Beitrag geht es einzig und allein um die Steigerung der Debatte und nicht z.B. um Armutsvermeidung.

Anlässlich einer Studie zur Wirkung des Betreuungsgeldes wendet sich JAEGER gegen Transferleistungen, die 85 % der familienpolitischen Maßnahmen ausmachen, während lediglich 15 & als "Realtransfers" direkt für Bildung und Kitaplätze ausgegeben werden, die jedoch eine größere Wirkung auf die Geburtenrate hätten.

"Und die Einführung des Elterngeldes? Kein Gesamteffekt. 2011, vier Jahre nach der Umstellung von Erziehungsgeld auf Elterngeld, hatte die Geburtenrate sogar ihren bisherigen Tiefsstand erreicht",

lügt uns JAEGER an. Die Geburtenrate lag 2011 genauso hoch wie 2010 (1,39). Erst durch den Zensus 2011 wurde sie im Nachhinein auf 1,36 korrigiert. Auch diese Geburtenrate liegt weit über diejenige des Jahres 1995 (1,25). Offenbar hat die wirtschaftliche Entwicklung und ihre Auswirkung auf die Arbeitsplatzsituation weit größeren Einfluss auf die Geburtenrate als familienpolitische Maßnahmen.

 
       
   

KNÖRER, Ekkehard (2016): Buch auf der Flucht.
Kino: Christian Ditter inszeniert mit "How to Be Single" eine amerikanische Komödie von der Stange,
in:
Freitag Nr.14 v. 07.04.

 
       
   

SIMMERL, Georg (2016): Michel Foucault, ein Neoliberaler?
Theorie: Die Ikone des kritischen Denkens wird posthum mit Vorwürfen überzogen. Aber zu Unrecht, wie sich zeigt,
in:
Freitag Nr.14 v. 07.04.

Georg SIMMERL verteidigt Michel FOUCAULT gegen die US-amerikanische Linke, die seiner Meinung nach mit dem Sammelband Foucault and Neoliberalism in die neoliberale Ecke stecken wollen.

Seit geraumer Zeit schwelt zwischen sozialer und kultureller Linke ein Konflikt um die richtige Politik, der sich nun auch an FOUCAULT entzündet.

Nicht zu leugnen ist, dass FOUCAULTs Konzept der Selbstsorge gut zum Konzept des aktivierenden Sozialstaats und der neoliberalen Beschwörung der Eigenverantwortung und des "schlanken Staats" passt. Auf der anderen Seite wurde in Deutschland mittels des Gouvernementalitäts-Ansatzes - auch unter Bezugnahme auf FOUCAULT - diese Art der Ökonomisierung des Sozialen kritisiert. Ähnlich wie beim Feminismus, dessen Positionierung als Politik für Karrierefrauen dem Neoliberalismus in die Hände spielt, lassen sich FOUCAULTs Konzepte vor den Karren des Neoliberalismus spannen.

 
       
   

BOEING, Niels (2016): Kritische Zone.
Urbanismus: Vor bald 50 Jahren forderte Henri Lefebvre das "Recht auf Stadt" für alle. Wir können viel von ihm lernen,
in:
Freitag Nr.14 v. 07.04.

 
   
FRANKFURTER RUNDSCHAU-Titelgeschichte: Goldgrube Studentenbude.
Studierende sind stärker als andere Mieter von steigenden Kosten betroffen. München und Frankfurt sind besonders teuer

DRECHSLER, Julia (2016): Studium ja, Wohnung nein?
Die Mietpreise für studentisches Wohnen steigen überdurchschnittlich schnell,
in:
Frankfurter Rundschau v. 07.04.

GÖPFERT, Claus-Jürgen (2016): Kammer für 400 Euro.
Die katastrophale Situation in Frankfurt,
in:
Frankfurter Rundschau v. 07.04.

 
       
   

SCHARRENBROCH, Christine (2016): Studentenwohnungen werden immer teurer.
In Berlin sind die Mieten am stärksten gestiegen. Neue Chancen für private Wohnheime,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.04.

Während Christine SCHARRENBROCH die Wohnungsnot als Gelegenheit für private Investoren beschreibt, beklagt Benedikt MÜLLER den Mangel an Wohnheimen in öffentlicher bzw. gemeinnütziger Trägerschaft. Grundlage der Artikel ist ein Gutachten des IW Köln, dessen Basis lediglich 11 Groß- bzw. Universitätsstädte sind:

"Die Untersuchung umfasst insgesamt elf deutsche Groß- und Universitätsstädte. Neben den Millionenstädten Berlin, Hamburg, Köln und München beinhaltet der Datensatz zudem Inserate der Städte Bonn, Bochum, Bremen, Frankfurt, Kiel, Siegen und Stuttgart."

MÜLLER, Benedikt (2016): Teure Bude.
Die Zahl der Studenten steigt deutlich schneller als sie Zahl der Plätze in Wohnheimen. Junge Menschen suchen daher WG-Zimmer oder Appartements. Die Folge: Private Investoren steigen ein, die Mietpreise steigen. Wie stark, zeigen nun zwei Studien,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 07.04.

 
       
   

RUDZIO, Kolja (2016): Tipps für den Musterschüler.
Was die OECD Deutschland empfiehlt: Rentenalter rauf, mehr Wettbewerb und Vorsicht beim Mindestlohn,
in:
Die ZEIT Nr.16 v. 07.04.

"Nötig sei es, die Altersgrenze der Rente dauerhaft an die Entwicklung der Lebenserwartung zu koppeln. Dann würde das Rentenalter automatisch in dem Tempo erhöht, in dem die Menschen Lebensjahre hinzugewännen. Deutschland könne von Italien und Dänemark lernen, wo solche Regelungen schon in Kraft seien. Ein noch höheres Rentenalter, über 67 hinaus? In Deutschland erscheint das kaum denkbar. Gerade erst hat die große Koalition die Rente ab 63 eingeführt. (...). Die OECD warnt ausdrücklich vor solchen Maßnahmen, die einen vorzeitigen Rückzug in die Rente begünstigen: Sie würden das Demografie-Problem nur »verschärfen«",

zitiert Kolja RUDZIO aus dem OECD-Wirtschaftsbericht Deutschland 2016 lediglich die Empfehlungen der neoliberalen Organisation, aber nicht die zugrunde gelegten Berechnungen. Die 54seitige Zusammenfassung des 130seitigen Berichts weist auf Seite 36 aus, dass diese Empfehlungen auf einer Bevölkerungsentwicklung basieren, die längst überholt ist. Zum einen wird eine Geburtenrate von 1,4 bis 2060 angenommen und ein Zuwanderungsüberschuss von 200.000 Personen. Lediglich bei der Lebenserwartung wurde ein Anstieg einberechnet. Der Altenquotient wurde für eine Rente mit 65 statt mit 67 berechnet. Und es gibt keinerlei Szenarien hinsichtlich verschiedener Entwicklungen des Arbeitsmarktes.

Fazit: Die Bevölkerungsentwicklung wurde schlecht gerechnet, um weitere Reformen nahe zu legen.

 
       
   

THADDEN, Elisabeth von (2016): Gute Nachricht: Der Kapitalismus ist am Ende, sagt Paul Mason. Eine neue Ära beginnt!
Die Welt geht doch noch nicht unter. Ein Gespräch mit dem rebellischen Denker des Postkapitalismus in London,
in:
Die ZEIT Nr.16 v. 07.04.

Elisabeth von THATTEN führt mit dem britischen Buchautor Paul MASON ("Postkapitalismus") ein Interview über das Ende des Kapitalismus, das höchstens Methusalems erleben würden, denn wir ständen erst am Anfang. MASON verkündet das, was Kulturlinke gerne hören: Grundeinkommen für alle, Muse statt Maloche, Kostenloskultur, Informationsfreiheit - also richtige Wohlfühlvokabeln. Man könnte dies als utopischen Gegenentwurf zu den grassierenden Dystopien sehen. Aber angesichts der Rückkehr der Klassengesellschaft und eines rechten Autoritarismus dürfte eine solche naive Utopie den Linken keine Mehrheiten bescheren.

BISKY, Jens (2016): Supercomputersozialismus.
Ist Paul Mason, der den "Postkapitalismus" ausruft, die neue Hoffnung der Linken? Sein Auftritt in Berlin ließ daran zweifeln,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 07.04.

Jens BISKY berichtet über eine Veranstaltung, bei der die Ökonomin Friederike HABERMANN, der IG-Metaller Hans-Jürgen URBANN und Frank RIEGER vom Chaos-Computer-Club die Utopie von Paul MASON auseinander nahmen:

"Friederike Habermann kritisierte die Wachstumsvergötzung und den Kurzschluss zwischen Technologie und Emanzipation. Hans-Jürgen URBAN vermisste (...) die Akteure und ein Bewusstsein dafür, dass auch ratlose Eliten noch mächtig sind und ein autoritärer Stagnationskapitalismus möglich. Frank Rieger wies darauf hin, dass (...) Digitalisierung von Tätigkeiten (...) derzeit dazu (führe), dass diese nahezu notwendig in die »Mindestlohnhaftigkeit« fallen."

RHENSIUS, Philipp (2016): Den Neoliberalismus mit dessen Mitteln überwinden.
Postkapitalismus: Der englische Journalist Paul Mason sprach im Berliner Haus der Kulturen über seine Vision von einer gerechten Gesellschaft,
in:
TAZ v. 07.04.

Philipp RHENSIUS beschreibt lieber das Publikum als die Inhalte der Kritik an MASON. Hans-Jürgen URBAN wird nicht als IG Metall-Funktionär vorgestellt, sondern als Soziologe, obwohl er Politikwissenschaftler ist. Einzig auf dessen Kritik geht er jedoch abschließend ein:

"Hans-Jürgen Urban (...) kam die Rolle zu, (...) das Projekt in vorhandene politische Strukturen zurück(zu)führen (...). Dabei liegt die Stärke des Postkapitalismus doch darin, dass er nicht autoritär installiert werden soll, sondern aus der Gesellschaft heraus entsteht, in Form einer wachsenden Sharingkultur und subventioniert mit einem Grundeinkommen."

Dass RHENSIUS von "Spielverderbern" spricht, zeigt im Grunde, dass es sich hier nicht um ernsthafte Überlegungen handelt, sondern eher um Spielchen. Die Linke will gar nicht ernst genommen werden, sondern lieber ihren Träumen nachhängen.

BERKHOLZ, Stefan (2016): Konkurrenz ist doch Quatsch.
Robert Misik sieht ausgerechnet in Griechenland Ansätze für eine zukunftsträchtige Ökonomie,
in:
Neues Deutschland v. 07.04.

Stefan BERKHOLZ spricht mit dem österreichischen Kulturlinken Robert MISIK über dessen aktuelles Buch Kaputtalismus. Ähnlich wie Paul MASON setzt MISIK auf eine Transformation des Kapitalismus. Vorbild dafür ist ihm Griechenland ("Greekonomy"). Wer in den 1980er Jahren die Alternativszene in Deutschland gekannt hat, der kann sich vorstellen, was MISIK vorschwebt. Nur sind die damaligen Experimente bald gescheitert und der Kapitalismus wandelte sich zum Neoliberalismus, der nun verzweifelt von den Linken totgesagt wird.

Außer Wortschöpfungen, die vom kapitalistischen Mainstream umgehende vereinnahmt werden (Die Wirtschaftswoche hat ihre kapitalismusverteidigende Titelgeschichte vom 24. März Kaputtalismus genannt!), hat die Kulturlinke bislang nichts zu Wege gebracht.

 
       
   

BEMMER, Ariane (2016): Familie für Fortgeschrittene.
Fünf Kinder, zwei leibliche, zwei adoptierte, eins in Pflege. Wie geht das? Toll - jedenfalls bei den Jürgens',
in:
Tagesspiegel v. 06.04.

 
       
   

KRAMER, Sarah (2016): Unternehmerinnen haben es leichter.
Eine Umfrage zeigt: Kind und Karriere Kann man als Chefin gut unter einen Hut bekommen,
in:
Tagesspiegel v. 06.04.

Der Tagesspiegel berichtet heute genauso wie die Frankfurter Rundschau ("Kinder passen gut zu Unternehmerinnen") über eine nicht-repräsentative Umfrage des Verbandes deutscher Unternehmerinnen, d.h. es geht hier um reine PR eines Lobbyistenverbandes. Die Lobbyorganisation wendet sich gegen die vom Familienministerium geplante Familienarbeitszeit.

Während Sarah KRAMER jedoch lediglich die Pressemeldung zitiert, zitiert Melanie REINSCH zumindest aus der Studie, übernimmt aber unreflektiert deren Ergebnisse. Nicht einmal 20 % der vom Verband repräsentierten Unternehmerinnen haben überhaupt an der Umfrage teilgenommen. Welche Verzerrrungen sich daraus ergeben haben, bleibt aufgrund der fehlenden Repräsentativität unklar. Von den antwortenden Unternehmerinnen haben lediglich 38 % die Vereinbarkeit mit sehr gut beurteilt.

In keinem der Artikel wird etwas über den Anteil der Unternehmen geschrieben, den der Verband überhaupt repräsentiert. Der Leser kann also gar nicht ersehen, ob es sich um einen großen oder kleinen Verband handelt, was für die Einordnung der Studie durchaus von Bedeutung ist. Auch Wikipedia geht über die Selbstdarstellung des Verbandes nicht hinaus.

Diese Dürftigkeit an Information erscheint in einem besonderen Licht, wenn man weiß, dass es gemäß Statistischem Bundesamt im Jahr 2013 in Deutschland 3.629.666 Unternehmen mit 27,25 Millionen Beschäftigten gab. Der Verband repräsentiert also 0,04 % der deutschen Unternehmen. Nimmt man die Beschäftigten, dann sind es gerade einmal 1,8 %, wenn man davon ausgeht, dass alle sozialversicherungspflichtig sind. Ist dies nicht der Fall, dann würde sich diese Zahl noch verringern.

Eine KFW-Untersuchung vom Juli 2015 geht von rund 700.000 kleinen und mittleren Unternehmen mit rund 4 Millionen Beschäftigten aus, die von Frauen geführt werden. Und hier fehlen noch die Großunternehmen. Auch gemessen an den von Frauen geführten Unternehmen kann der Verband kaum beanspruchen die Unternehmerinnen zu vertreten.

Fazit: Die Berichterstattung der beiden Zeitungen ist für einen Durchschnittsleser, der kein Insiderwissen besitzt, wenig informativ. Aufklärung sieht anders aus.

 
       
   

KRÜGER, Anja (2016): Angst vor Altersarmut.
Versicherungsbranche: Die Gewinne sind hoch, die Auszahlungen für die Versicherten dagegen mickrig. Trotzdem schließen viele Menschen private Rentenversicherungen ab, weil sei keine Alternative sehen. Linkspolitiker Matthias W. Birkwald will das ändern,
in:
TAZ v. 06.04.

Anja KRÜGER stellt anlässlich der Geschäftszahlen der Versicherungswirtschaft die Sicht von Matthias W. BIRKWALD, dem rentenpolitischen Sprecher der Linkspartei und Kritiker der privaten Altersvorsorge, sowie des Sozialwissenschaftlers Stefan SELL vor, der vom "Cappucino"-Modell à la Schweiz schwärmt. Außerdem wird auf die geplante Kampagne der Gewerkschaften zur Stabilisierung des Rentenniveaus der gesetzlichen Rente bzw. die weitreichendere Forderung der IG Metall nach Rückgängigmachung der Rentenkürzungen von 2002 eingegangen.

Zum Schluss wird der Gesetzesentwurf des Bundesarbeitsministeriums kritisiert, der durch die Kopplung der geplanten Lebensleistungsrente an Einzahlungen in die private Altersvorsorge sozusagen die Versicherungswirtschaft subventioniert.    

 
       
   

CREUTZBURG, Dietrich (2016): Sozialpolitik ohne Mut und Richtung.
Die SPD feiert sich für höhere Sozialausgaben - ein Fehler, mit dem sie sich und anderen schadet,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.04.

Dietrich CREUTZBURG fordert mehr aktivierenden Sozialstaat ("Steigerung der Aufstiegschancen") und weniger Transferleistungen ("schwächt den Antrieb der Bezieher"). Ausführlich wird die Rentenpolitik als Fehlanreiz kritisiert. Das Buch Verteilungskampf von Marcel FRATZSCHER wird zwar hinsichtlich der These zunehmender Ungleichheit kritisiert. Dessen Lösungsvorschläge sind CREUTZBURG nichtsdestotrotz willkommen.

 
       
   

KAISER, Tobias (2016): Deutsche müssen produktiver werden und länger arbeiten.
OECD: Trotz guter Lage sendet die Wirtschaft Warnsignale. Investitionsmüdigkeit gefährdet Wohlstand. Das Land darf sich nicht auf den Erfolgen ausruhen. Renteneintrittsalter muss angehoben werden,
in:
Welt v. 06.04.

KAISER, Tobias (2016): Vom Potenzial der Flüchtlinge.
Die OECD ermahnt die Bundesregierung, mehr Geld für eine bessere und schnellere Integration der Migranten auszugeben. Ihr Einfluss auf die deutsche Wirtschaft könnte positiv sein,
in:
Welt v. 06.04.

 
       
   

KNUF, Thorsten (2016): Keine Zeit zum Zurücklehnen.
Deutschland geht es insgesamt gut - die OECD sieht dennoch großen Handlungsbedarf,
in:
Frankfurter Rundschau v. 06.04.

 
       
   

WELT (2016): Überall Kuckuckskinder? Von wegen!
Wissenschaftler räumen mit Vorurteilen auf. Anteil des untergeschobenen Nachwuchses liegt bei ein bis zwei Prozent – schon seit 500 Jahren,
in:
Welt v. 06.04.

WEISS, Melanie (2016): Entwarnung für Papa.
Seitensprung-Kinder sind seltener als oft behauptet,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 06.04.

 
       
   

RICHTER, Nicolas (2016): Mein Haus, meine Yacht, mein Briefkasten.
Auch Superreiche sind nur Menschen: Mehr als das Finanzamt fürchten sie nur die Ehefrau - im Scheidungsfall,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 06.04.

 
       
   

MATZIG, Gerhard (2016): Die Welt, wie sie uns gefällt.
Ausmalbücher für Erwachsene und die Buntstiftproduktion boomen. Das Zeichnen soll gegen Stress helfen - und illustriert unsere Gesellschaft,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 06.04.

 
       
   

STEINFELD, Thomas (2016): Ein Schwein zieht in den Liebeskrieg.
"Der Kulturmann":  Ein Phänomen erobert Schweden,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 06.04.

 
       
   

STEUER, Helmut (2016): Babys für alle.
In Schweden dürfen sich jetzt auch Singles künstlich befruchten lassen. Die Kosten trägt die Kasse. Die Nachfrage ist groß - nur die Spender fehlen,
in:
Welt v. 06.04.

Helmut STEUER berichtet ein am 1. April in Schweden in Kraft getretenes Gesetz, das nicht nur Paaren, sondern nun auch alleinstehenden Frauen die künstliche Befruchtung ermöglicht. Bis zu sechs Versuche werden von der Krankenkasse bezahlt. 

 
       
   

Alina Bronsky & Denise Wilk - Die Abschaffung der Mutter

BÖNT, Ralf (2016): Mutti ist die beste.
Aber Mütter werden heute kontrolliert, manipuliert und abkassiert - das behaupten Alina Bronsky und Denise Wilk in einem Essay. Leider schauen sie nicht über den Rand des eigenen Nudelsuppentopfs hinaus,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.04.

 
       
   

Marcel Fratzscher - Verteilungskampf

HÜTHER, Michael (2016): Selektive Wahrnehmung.
Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, beklagt eine starke Ungleichheit in der Republik. Doch ganz so dramatisch ist es nicht - und schon gar nicht ist Deutschland ein geteiltes Land,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.04.

 
       
   

HAGELÜKEN, Alexander (2016): Für die Zukunft nur ein Torso.
Arm im Alter: Fair wäre ein System, in das alle einzahlen, auch Selbständige und Staatsdiener,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.04.

Alexander HAGELÜKEN nutzt ein Statement des DGB-Chefs Reiner HOFFMANN, um angeblich neue Argumente in die Rentendebatte einzuführen, aber viel mehr als die Wiederholung der Argumente vom 24. März ist nicht dabei herausgekommen. Bekanntlich ist die mantrahafte Wiederholung der Versuch den Leser vom Selberdenken abzuhalten. Tausendmal gehört? Muss wohl was dran sein!

Einzig die Forderung nach einer Bürgerversicherung, umschrieben als Einbeziehung der Selbständigen und Staatsdiener, findet sich neu bei HAGELÜKEN, wurde aber gerade auch erst im aktuellen Cicero-Heft gefordert.

Witzig ist es, wenn HAGELÜKEN andere dazu auffordert, sich aus ihren "Meinungsgräben" zu bewegen. Dann kann wenigstens HAGELÜKEN in seinem Meinungsgraben sitzen bleiben.

 
       
   

DECKER, Frank (2016): Verspätete Ankunft.
Jahrzehnte lang konnte der Rechtspopulismus sich in der Bundesrepublik nicht festsetzen. Wird es ihm nun mit der AfD gelingen?
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.04.

 
   
AUS POLITIK UND ZEITGESCHICHTE-Thema: Zufluchtsgesellschaft Deutschland

MÜNKLER, Herfried (2016): Die Mitte und die Flüchtlingskrise.
Über Humanität, Geopolitik und innenpolitische Folgen der Aufnahmeentscheidung,
in:
Aus Politik und Zeitgeschichte Nr.14-15 v. 04.04.

 
       
   

ASTHEIMER, Sven (2016): Fehler bei der Einwanderung werden teuer.
Wenn die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt misslingt, drohen Deutschland nicht nur hohe Kosten. Auf dem Spiel stehen laut einer neuen Studie auch 10 Millionen Fachkräfte,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.04.

Die FAZ darf exklusiv über eine Studie der Prognos AG berichten, ohne dass der Leser die Chance zur Überprüfung der Fakten hat. Die Fakten, die Sven ASTHEIMER präsentiert sind zudem mehr als dürftig. Die Annahme beruht auf einem Wanderungssaldo von 500.000 Personen je Jahr (zum Vergleich: das Statistische Bundesamt ging in seiner letztjährigen Bevölkerungsvorausberechnung von 100.000 bis 200.000 Personen pro Jahr aus).

Bis zum Jahr 2040 sollen bei "unzureichender Integration" rund 10 Millionen Fachkräfte WENIGER zur Verfügung stehen. Hat die Prognos AG tatsächlich mit einem Wanderungssaldo von 500.000 Personen bis 2040 gerechnet, wie man aus ASTHEIMERs Artikel herauslesen könnte? Dies käme einer 180 Grad Kehrtwende der Prognostiker gleich, was eher unwahrscheinlich ist - aber überprüfen lässt sich das nicht. Und was heißt der schwammige Begriff "unzureichende Integration"?

Hinzu kommt, dass selbst ASTHEIMER eingestehen muss, dass unklar ist, ob Fachkräfte im heutigen Ausmaß überhaupt noch gebraucht werden:

"Konkret lässt sich nicht vorhersagen, wie viele Tätigkeiten künftig von Robotern und Algorithmen erledigt werden statt von Menschen und vor allem wie viele neue Arbeitsplätze entstehen werden. Offen ist auch die Frage, welche Qualifikationen am stärksten betroffen sein werden. Im Raum steht die These, dass vor allem relativ teure Routinetätigkeiten von Facharbeitern ersetzt werden, während sich die Automatisierung von einfachen Arbeit häufig nicht lohnt und daher Tätigkeiten für Geringqualifizierte weiterhin gefragt sein werden."

Als Leser bleibt Ratlosigkeit angesichts eines Sammelsuriums von nutzlosen Fakten, die zudem mit lückenhaften Informationen zu den Annahmen der Prognose verbunden sind. Hinzu kommt, dass die zukünftige Arbeitsmarktentwicklung, die noch vor nicht allzu langer Zeit in der FAZ als Weg in die Vollbeschäftigung beschrieben wurde - alles andere als vorgezeichnet ist.

Was bleibt? Nichts als eine Schlagzeile und damit der Versuch die Meinungsführerschaft auf dem Feld der Einwanderungspolitik zu besetzten. Aufklärung war gestern!  

 
       
   

MATUSCHEK, Milosz (2016): Generation Fake.
Die Generation Y ist eher eine ästhetische Kategorie als eine soziologische. Zu ihr gehört, wer Künstlichkeit zur Lebensform erhebt. Ihr Ziel ist das bessere Ich als digitales Designobjekt,
in:
Zürcher Neue Zeitung v. 04.04.

Milosz MATUSCHEK, Jahrgang 1980 und Verfasser des 2014 erschienen Buchs Das romantische Manifest, also jemand, der gewöhnlich als Angehöriger der Generation Y gesehen wird, beschreibt die Klischees, die dieser Kohorte zugeschrieben wurden als ob er nicht dazu gehört, sondern eine andere Kohorte beschreiben würde. Kann man sich aber von einem Image abgrenzen? Und wozu soll das gut sein?

"Die Generation Y ist vor allem eine Kreuzung aus Achtundsechzigern und Babyboomern. Das Motto der Achtundsechziger lautete: Verändere die Welt! Die Hippies sahen sich noch als echte Umgestalter der Lebenswirklichkeit: Frieden überall, Liebe für alle und ein Ende des Vietnamkriegs, darunter machte man es nicht. Die Babyboomer des geburtenstärksten Jahres des 20. Jahrhunderts, 1964, stehen hingegen für den Menschen als Massenware. Ihr Motto lautete: Mache etwas aus dir! Unterscheide dich, falle auf. Zeige, dass du etwas Besonderes bist! Die Generation Y steht im Bannstrahl der Ansprüche beider Generationen. Sie oszilliert zwischen den Polen Weltveränderung und Selbstverwirklichung."

Die Konstruktion einer Abgrenzung zu bzw. Kombination von Generationen ist wahrlich kein Alleinstellungsmerkmal einer Generationenbeschreibung  oder x-beliebiger Milieus. David BROOKS' Bobo war z.B. eine Kombination aus Hippie und Yuppie. Man nehme zwei eingeführte Klischees und bastele daraus ein Klischee, das entweder die besten oder die schlechtesten Eigenschaften umfasst, je nachdem ob man sich lieber abgrenzt oder selber dazugehören möchte. Wozu diese ganze Generationenrhetorik, wenn sie solch einer simplen Neuanordnung von Bausteinen folgt?

Wer anderen vorwirft eine bloße Kopie zu sein, der sollte selber zumindest einen originelleren Ansatz verfolgen, sonst könnte der Vorwurf schnell zum Bumerang werden.

 
       
 

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