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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 08. - 16. August 2014

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Plädoyer für eine demografiekritische Offensive

"Angesichts des Anspruchs einer expansiven und kohärenten staatlichen Demografiepolitik kann die postkatastrophistische Wende (...) nicht als Relativierung oder Abmilderung analysiert werden. Vielmehr scheint es hier um eine Phase zu gehen, innerhalb derer bestimmte diskursive Weichen bereits gestellt sind und der Kampf um Hegemonie bereits so erfolgreich verlaufen zu sein scheint, dass Dramatisierungen nicht mehr nötig sind. Schließlich wird die aktuelle Demografiepolitik derzeit kaum von einer gewerkschaftlichen und noch weniger von einer linken oder feministischen Kritik angegriffen. Wenn es Gegenwind gibt, dann eher von einer Szene demografischer Experten wie etwa dem Hardliner Herwig Birg oder dem Leiter des Berlin-Instituts Reiner Klingholz, die weiterhin den demografischen Katastrophismus bedienen. (...).
Statt auf einer individualisierenden Ebene des besten Biographiemanagements mitzudiskutieren, ist es zentral, in der Debatte um Familienpolitik auf einer staatskritischen Perspektive zu beharren, die genau diese Zuweisung der Sphäre der Reproduktion in einen privaten, individuellen und geschlechterpolitischen Rahmen innerhalb der biopolitischen Anordnung selbst in Frage stellt - und somit auch die Unterordnung dieser Sphäre unter die Maxime der Humankapitalverwaltung."
(Susanne Schultz "Familienpolitik und »demografische Chance«" in der Zeitschrift Prokla, Nr.173, Dezember, S.558f.)

 
       
       
   

FARKAS, Christoph (2014): Guten Morgen, Limbach-Oberfrohna!
Bleiben ist ein Abenteuer,
in:
TAZ v. 16.08.

"Für die Identität und Zukunft ihrer Heimat sind Bleibende - und Zurückkommende - unverzichtbar. Wer bleibt, glaubt an sein Zuhause, glaubt daran, etwas ändern oder erhalten zu können. (...).
In den darbenden Städten des Ruhrpotts und des Ostens sind die Bleibenden heute gefordert, die Ruinen und die Langeweile mit Leben zu füllen. Ihren Städten die ramponierten Visagen zu hübschen; Oberhausen, Magdeburg, Duisburg oder Rostock auch für andere bleibenswert zu gestalten, wo die Politik hilflos ist. (...).
Diese Bleibenden stellen sich den Umständen, die den andern oft ein Grund sind, zu gehen, um nicht zu sagen: zu flüchten. Wer bleibt, ist mutig. Die Bedingungen für Selbsterkenntnis, Reifung, Menschwerdung sind für die Bleibenden wie für die Reisenden mindestens ebenbürtig", meint Christoph FARKAS.

 
       
   

SCHOON, Andi (2014): Lob der Vereinzelung.
Subversion: Die postdramatische Figur könnte noch einmal brauchbar werden - abseits der Bühne,
in:
TAZ v. 16.08.

"Die symbolische Spielart des Kapitalismus erfordert Flexibilität und die Fähigkeit, sich selbst permanent neu zu erfinden. Jede Bewerbung bedeutet den Entwurf einer dem Anlass entsprechenden Figur. Man verkauft sich immer wieder anders, hebt bestimmte Facetten hervor, denkt sich etwas aus. Das ist zunächst einmal eine erzwungene Handlung. Doch gerade in der Unechtheit des Vorgangs verbirgt sich subversives Potenzial - umso mehr, je unüberschaubarer die Verhältnisse sind.
Die künstliche Verwandlung erscheint als probate Taktik aufgrund der Defizite anderer Protestformen. Subversion ist ein Ding der Unmöglichkeit geworden, denn böse Mächte haben sie in einen produktiven Standortfaktor verzaubert. Seither läuft das klare Bekenntnis stets Gefahr, umgehend mit einem Preisschild versehen zu werden. Je radikaler das Zeichen, desto kraftvoller dessen Verwertung", meint Andi SCHOON.

Sind Künstler aber das neue revolutionäre Subjekt wie manche phantasieren oder nur die Avantgarde des neuen flexiblen Kapitalismus? SCHOON sieht die Radical Chics von der Wirklichkeit eingeholt:

"»Kill all artists« habe ich im vergangenen Sommer an den Mauern von Venedig gelesen. Und als die Guggenheim-Foundation vor zwei Jahren in Kreuzberg einen Urbanismus-Workshop plante, wurde sie von der alteingesessenen Kiez-Belegschaft unter Androhung roher Gewalt vertrieben. Denn die Benachteiligten aller Länder haben inzwischen begriffen: Wenn der künstlerisch-akademische Jet-Set einfliegt, kostet der Kaffee danach das Doppelte."

In der "heroischen" Vereinzelung sieht er deshalb einen Ausweg aus diesem Dilemma.

 
       
   

Andreas Bernard - Die Leihmutterschaft als fragwürdigste Variante der Reproduktionstechnologien

MÜHL, Melanie (2014): Das Internet als Hassgenerator.
Der kleine Gammy ist das derzeit berühmteste Baby der Welt. Seine Geschichte verrät viel über die Empörungsmaschinerie im Netz. Und sie zeigt einmal mehr, wie leicht Existenzen zerstört werden können,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.08.

 
       
   

Andreas Bernard - Die Leihmutterschaft als fragwürdigste Variante der Reproduktionstechnologien

VOUGLOUKAS, Janis (2014): Bestellt. Und nicht abgeholt.
Eine Leihmutter gebiert Zwillinge, doch die Eltern nehmen nur eins der Kinder. Der Fall rührt die Welt - und wirft verstörende Fragen auf,
in:
Stern Nr.34 v. 14.08.

 
       
   

WÜLLENWEBER, Walter (2014): Wir sind nicht so gut, wie viele glauben.
WM gewonnen, Arbeitslosigkeit fast halbiert, Haushalt saniert. Die Welt feiert Deutschland. Soll das so bleiben, brauchen wir eine Agenda 2030,
in:
Stern Nr.34 v. 14.08.

Vor einigen Monaten käuten die neoliberalen Streber der ersten Reihe in  FAS und Wirtschaftswoche die Optimismus-Schelte vor, nun käut der neoliberale Musterschüler Walter WÜLLENWEBER das Ganze für die Stern-Leser wieder. Anfang des Jahrtausends nahmen diese Streber das Credo von Deutschland als krankem Mann Europas des neoliberalen Flagschiffs The Economist dankbar zum Anlass die Agenda 2010 durchzupeitschen. Nun ist man weniger glücklich darüber, dass Deutschland im Ausland als Vorbild gilt. Die Vertreter des neoliberalen Demographismus haben schließlich den Abbau des Sozialstaats auf ihre Fahnen geschrieben. Solange Reste davon noch existieren, muss jeglicher Optimismus bekämpft werden. Das neue Zauberwort heißt Agenda 2030. Wie vergesslich ist also die Bevölkerung? Es ist also dringend notwendig für eine demografiekritische Offensive... 

 
       
   

Byung-Chul Han - Psychopolitik

BISKY, Jens (2014): Kapitalismuskritik als Betrug.
Wenn Smartphones die Folterkammer ersetzen, wird Idiotismus zur Praxis der Freiheit: Warum Byung-Chul Hans Essay über den Neoliberalismus ein Ärgernis ist,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 14.08.

"Was als Kritik des Neoliberalismus verkauft werden soll, ist von der ersten bis zur letzten Seite die pseudokritische Neuformulierung neoliberaler Propaganda",

kritisiert Jens BISKY. Ihm fehlt im Buch die Darstellung des Ineinandergreifens von Verheißung und Versagung bzw. von Freiheitsgewinn und neuem Zwang, was jedoch den Wohlfühlfaktor des Buches stören würde.

Erstaunlich ist lediglich, dass man in der SZ kaum etwas über dieses Ineinandergreifen liest, das auf dieser Website und auf single-generation.de z.B. als Kritik an der Individualisierung als Integrationsmodus formuliert wurde, während die neuen Zwänge ausgeblendet werden. Auch anhand der Demografisierung gesellschaftlicher Probleme lassen sich die Ausblendungen solcher Pseudokritik aufzeigen.

 
       
   

Andreas Bernard - Die Eizellspenderin und die Ausdehnung der Mutterschaft über die Menopause hinaus

DJERASSI, Carl (2014): Unbefleckt.
Frauen werden immer älter, ehe sie schwanger werden. Der Ausweg ist Fortpflanzung ohne Geschlechtsverkehr, meint der Erfinder der Antibabypille,
in:
Welt v. 13.08.

"Seit den letzten Jahrzehnten unterteilt sich die Welt in geriatrische (zum Beispiel Japan und Europa mit etwa 20 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre und durchschnittlich 1,5 Kinder/Familie), die sich jetzt mit Empfängnis befassen und pädiatrische Gemeinschaften (Afrika mit etwa 50 Prozent unter 15 Jahren und 4 – 6 Kinder/Familie), wo Empfängnisverhütung das vorherrschende Problem ist. Da zur Erhaltung des demografischen Status quo 2,1 Kinder pro Familie erforderlich sind, lautet das allzu vereinfachende Rezept der geriatrischen Länder, mehr Kinder zu bekommen. Wie dramatisch sich unsere Gesellschaften verändert haben, zeigt eine Zahl: Seit Einführung von IVF wurden ungefähr fünf Millionen Kinder ohne vorher bedingten Geschlechtsverkehr geboren. Diese Zahl wird noch steigen", meint Carl DJERASSI.

 
       
   

GROSSARTH, Jan (2014): Die Herkunft wird entscheidend,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.08.

Die Herkunft wird entscheidend? Die Herkunft ist bereits länger entscheidend wie Michael HARTMANN nachgewiesen hat. Angesichts des Buches Someone has to fail des US-amerikanischen Bildungsforscher David LABAREE spricht GROSSARTH von einem Trend in der (neubürgerlichen) Mittelschicht zu "Sonderschulen" wie z.B. den Waldorfschulen. Der Soziologe Heinz BUDE hat dies als Bildungspanik bezeichnet. 

 
       
   

Das Single-Dasein in Japan

GERMIS, Carsten (2014): Woran Karrieren japanischer Frauen scheitern.
Regierungschef Abe will Frauen den Weg zu besseren Karrierechancen öffnen, doch er findet dabei nur wenig Verbündete,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.08.

 
       
   

PANTEL, Nadia (2014): Karrierebaustein Familie.
SZ-Ranking-Serie (2) - Soziale Firmen: Deutsche Unternehmen lassen sich einiges einfallen, damit die Mitarbeiter möglichst viele zeitlichen Freiheiten haben. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Kindererziehung, sondern auch um die Pflege von Angehörigen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 12.08.

AHLEMEIER, Melanie (2014): "Es ändert sich wenig bis nichts".
Wenn Rollenerwartungen weibliche Karriere verhindern,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 12.08.

EDEKA-Frauen steht im Artikel für die Verunglimpfung von Verkäuferinnen, als "Ende der Karriere"-Frauen, ansonsten typischer postfeministischer Mainstream à la F-Klasse, z.B. dass die Partnerwahl für die (Frauen)karriere wichtig sei.

 
       
   

GRÄBER, Berrit (2014): Sparbüchse Rentenkasse.
Die staatliche Altersvorsorge als Geldanlage erlebt eine Renaissance: Freiwillig einzahlen statt privat absichern? Was lange verpönt war, kann sich jetzt rechnen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 12.08.

Im neoliberalen Wirtschaftsteil der SZ, der die private Altersvorsorge mit Hilfe von angeblicher Generationengerechtigkeit propagiert hat und hohe Renditen versprochen hat, verkündet nun die 180-Grad-Wende:

"Vor ein paar Jahren galt es noch völlig absurd, freiwillig Geld in die gesetzliche Rentenversicherung zu stecken. Heute ist das anders. In Zeiten von Minizinsen und mageren Renditen, in denen keiner mehr weiß, wohin mit dem Ersparten, scheinen viele Bürger ihr Zutrauen in die Rentenkassen wiederentdeckt zu haben (...).
Selbst nach Ansicht der kritischen Experten von der Stiftung Warentest, ist die 125 Jahre alte Rentenkasse besser als ihr Ruf - und momentan zumindest konkurrenzfähig, wenn nicht sogar oft rentabler als private Rentenangebote."

Die Rentenkasse könnte heute wesentlich rentabler sein, wenn die SZ bei ihrer Demontage nicht kräftig mitgeholfen hätte!  

 
       
   
SPIEGEL-Titelgeschichte: Liebe auf Rezept.
Ewig frisch verliebt: Wie neue Medikamente unsere Gefühle steuern

BETHGE, Philip/BREDOW, Rafaela von/HÖFLINGER, Laura (2014): Immer jauchzend, nie betrübt.
Biologie: Wissenschaftler haben die Biochemie der Liebe bis zum letzten Hormontröpfchen vermessen. Nun sind jene Schaltkreise, die Lust, Eheglück oder Herzschmerz bereiten, bestens bekannt. Was läge näher, als in sie einzugreifen? Wollen wir sie: die Liebespille,
in:
Der Spiegel Nr.33 v. 11.08.

Der Spiegel befasst sich mit der Biochemie der Liebe und zitiert die Forscher Larry YOUNG und Helen FISHER. Im Mittelpunkt steht eine ethische Kontroverse, die durch die Auswahl der Experten (Michael HAUSKELLER und Julian SAVULESCU) bereits vorentschieden ist:

"Wie kann der Mensch besser werden, als die Natur ihn geschaffen hat? Darf er das - oder soll er sogar? Hat der Mensch eine moralische Pflicht, besser zu lieben?"

Die Kontroverse wird auf die Frage reduziert: Pille oder Therapie? Ist die Medizin also unsere neue Religion, wie der Spiegel nahe legt, wenn es heißt:

"Früher war es die Religion, die die ewige Liebe einforderte. Künftig wäre es die Medizin, die verkündet: Wir kommen fehlerhaft auf die Welt. Unsere Mängel, auch die im Gefühlsrepertoire, zu beheben ist unsere Pflicht."

Das erinnert doch sehr an die Debatte um die Reproduktionsmedizin in den 1980er Jahren. Damals galt ungewollte Kinderlosigkeit noch als Schicksal, mittlerweile gilt jegliche Kinderlosigkeit jenseits biologisch-medizinischer Gründe als gewollt.   

 
       
   
FOCUS-Titelgeschichte: So bleibt die Ehe glücklich.
Die wichtigsten Regeln für eine gute Beziehung

GÖTTING, Markus/HARTMANN-WOLF, Elke/REINHARD, Jennifer/RUZAS, Stefan (2014): So hält die Liebe.
Partnerschaft ist harte Arbeit. Aber sie lohnt sich. Experten erklären die goldenen Regeln für eine glückliche Beziehung - die auch schwere Krisen überstehen kann,
in:
Der Focus Nr.33 v. 11.08.

"In Deutschland werden missratene Ehen, wie gerade erst das Statistische Bundesamt meldete, im Schnitt nach 14 Jahren und acht Monaten geschieden",

verrät der Spiegel in seiner aktuellen Titelgeschichte, während Focus das breiter auswalzt:

"Unsere Lebenswelt ist komplex geworden. Rollenmuster brechen auf, alles dreht sich schneller, die alte Verlässlichkeit ist passé. Auch deshalb scheitert jede dritte Ehe: weil die Partner ihre Beziehungsarbeit nicht bewältigt bekommen. In Großstädten wird sogar jede zweite Ehe geschieden.
Jedes Jahr gibt es in Deutschland fast 200 000 Scheidungen."

Dass die Zahl um 5 Prozent sank passt nicht so recht ins Drehbuch. Und schon gar nicht, dass die meisten Ehen erst mit dem Tod geschieden werden, stattdessen heißt es dem Tenor der Erzählung folgend:

"Ein Viertel aller Paare wird nicht durch den Tod geschieden, sondern nach spätestens zehn Jahren vom Familienrichter.

Diese Zahlen stammen nicht aus der Pressemeldung des Statistischen Bundesamtes, denn dort hieß es dagegen:

"Die durchschnittliche Dauer der im Jahr 2013 geschiedenen Ehen betrug 14 Jahre und 8 Monate. Somit setzte sich der Trend der vergangenen Jahre zu einer längeren Ehedauer bis zur Scheidung weiter fort. Vor 20 Jahren – also im Jahr 1993 – hatte die durchschnittliche Dauer der geschiedenen Ehen noch bei 11 Jahren und 7 Monaten gelegen."

Weil Ehen länger halten, müssen Experten her: Scheidungsanwälte und Psychotherapeuten, deren Geschäft Scheidungen bzw. Ehekrisen sind.

Der US-amerikanische Psychologe John GOTTMAN, dessen aktuelles Buch Die Vermessung der Liebe heißt, wird dem Focus-Leser als Papst der Paartherapie verkauft. In einem Kasten wird die Zweierbeziehung als gesündeste Lebensform angepriesen:

"Generell gilt, dass Menschen, die in einer Zweierbeziehung leben, gesünder sind als Singles, Geschiedene und Verwitwete."

Dies ist natürlich in dieser Form blanker Unsinn. Da viel mehr Menschen in Beziehungen leben, können sie zwar im Durchschnitt gesünder sein, aber dieser Durchschnitt lässt die Heterogenität der Partnerschaften außer Acht, d.h. eine schlechte Ehe kann wesentlich ungesünder sein als das Single-Dasein. Der Soziologe Jürgen LINK spricht in diesem Zusammenhang von Normalismus. Eine Aneinanderreihung von Fakten, bei der nicht einmal ansatzweise klar ist, welche Personen miteinander verglichen wurden, ist keine Information, sondern bereits die Wertung.

Wieviel Sex braucht eine Beziehung? Hier kann sich jeder die Antwort aussuchen, die ihm gefällt: "So viel beide Partner mögen" (Anne-Marlene HENNING), Umfrageergebnisse spiegeln nur die soziale Erwünschtheit wieder bis zu: "Schlechter (...) Sex ist (...) besser als gar kein Sex" (Andrea BRÄU). Der Sexualforscher Ulrich CLEMENT wird zu Affären und Untreu zitiert und Peter WENDL zur Fernbeziehung. Die Familiengründung als Problem, die in den letzten Jahren die sozialpolitische Agenda beherrschte, darf da natürlich auch nicht fehlen.

Fazit: Nichts Überraschendes, sondern typisches Sommerlochthema aus der Konserve.       

 
       
   

GEHRING, Ulrike (2014): Der Kinderreport.
in: Sendung der ARD v. 11.08.

Der Film rückt einige medialen Vorurteile zum demografischen Wandel zurecht. Man reibt sich die Augen: Die Presse von Süddeutsche Zeitung über Frankfurter Rundschau bis Tagesspiegel lobt den Film, obwohl sie selber dazu beigetragen hat, dass diese Vorurteile überhaupt in Deutschland existieren. Es ist gerade einmal ca. 10 Jahre her, dass Deutschlands Presse die Apokalypse ausrief, z.B. die Süddeutsche Zeitung.

Wie die Medien der Zukunftsfähigkeit Deutschlands geschadet haben, das wurde bereits 2006 hier aufgezeigt. Wie die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme gezielt unbegründete Zukunftsangst schürte und welche fatalen Folgen dies für die Zukunftsfähigkeit hat, ist hier und hier nachzulesen.

Was der Kinderreport jetzt kritisiert, das wurde auf dieser Website seit über einem Jahrzehnt kritisiert. Wie mit dem demografischen Wandel und Bevölkerungsvorausberechnungen Politik betrieben wurde, das ist im Wörterbuch des Sozialpopulismus aus dem Jahr 2004 nachzulesen.

Aber ist der Film wirklich fortschrittlich oder werden hier nur die Kollateralschäden der Medienkampagnen der letzten 15 Jahre verschleiert? Die Soziologin Susanne SCHULTZ fordert eine demografiekritische Offensive, das wäre mehr als ein Filmchen, in dem zwar einige Vorurteile zurecht gerückt werden (Bevölkerungsvorausberechnungen sind treffsicher, die Rente ist unbezahlbar, Schrumpfung ist gleichbedeutend mit Niedergang, der Geburtenrückgang ist unser Hauptproblem), aber letztendlich diese Botschaften in der Vielzahl der lediglich angerissenen Themen untergehen. Weniger wäre auch hier mehr gewesen. 

 
       
   

OBERHUBER, Nadine (2014): Wenn das Kind nicht ausziehen will.
Junge Erwachsene wohnen heute immer länger bei ihren Eltern. Gute Gründe gibt es dafür genug. Doch kann das gutgehen?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.08.

Der Artikel von Nadine OBERHUBER streift die üblichen Trendvokabeln im Zusammenhang mit Nesthockern bzw. dem Hotel Mama: von Hikikomori bis Helikoptereltern und lässt den Entwicklungspsychologen Michael THIEL und die Psychotherapeutin Christiane WEMPE zu Wort kommen. Im Zusammenspiel von Geld und Zuwendung wird der Anstieg des Auszugsalters diskutiert. Die Statistik dazu fasst OBERHUBER folgendermaßen zusammen:

"Jeder dritte unter Dreißigjährige wohnt noch bei den Eltern, belegen die Zahlen des Statistischen Bundesamts. Von den unter Vierundzwanzigjährigen sind sogar noch rund 70 Prozent Nesthocker. Deutlich nach hinten verschoben hat sich das Durchschnittsalter, in dem der Nachwuchs flügge wird, in den vergangenen 20 Jahren. Die heutige Generation zieht erst drei bis vier Jahre später aus als ihre Vorgänger 1990. Frauen verlassen traditionell früher das Elternhaus, meist mit 22 Jahren. Männer müssen erst 26 werden, bevor sie mehrheitlich nicht mehr bei Muttern wohnen."

Beim Nesthockertum interessieren OBERHUBER vor allem die Studenten und damit die Mietpreiserhöhungen an den Hochschulstandorten bzw. der Engpass an Wohnungen.

 
       
   

Andreas Bernard - Die Leihmutterschaft als fragwürdigste Variante der Reproduktionstechnologien

ALBRECHT, Jörg (2014): Mein Bauch gehört nicht mir.
Leihmütter werden bezahlt, um gesunde Kinder abzuliefern. Aber das Geschäft kann auch schiefgehen. Hintergründe zu einem aktuellen Fall,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.08.

HEIN, Christoph (2014): Die Selbstlose gegen die Herzlosen.
Eine thailändische Leihmütter bringt für ein australisches Paar Zwillinge zur Welt. Die Eltern nehmen nur eins der Kinder mit. Jetzt redet die ganze Welt über den Fall Gammy,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.08.

 
       
   

QUINT, Nicole (2014): Es geht ihr doch gut.
Man schaffte sich neue Schränke an, Küchengeräte und Radios. In der deutschen Wirtschaftswunderwelt war der Familie Wohlstand wichtiger als Geborgenheit Die Folge für die Tochter: seelische Unterernährung. Das Porträt eines Nachkriegskindes,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.08.

 
       
   

ALBRECHT, Jörg (2014): Die neue Life-Work-Balance.
Karriere? Nein danke. Junge Menschen in Deutschland streben immer seltener nach Geld und Macht. Stattdessen wollen sie privates Glück finden – und sich selbst verwirklichen. Wie soll dieses Berufsleben aussehen? Und was halten die Arbeitgeber davon?
in:
Welt am Sonntag v. 10.08.

 
       
   

HEIDENREICH, Ulrike und Wolfgang JANISCH (2014): Das Klischee vom Zahlvater.
Viele getrennt lebende Männer finden es ungerecht, dass sie vollen Unterhalt leisten müssen, obwohl sie sich intensiv um die Betreuung des Kindes kümmern. Doch die Rechtsprechung hängt am traditionellen Familienbild fest,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 08.08.

 
       
   

Andreas Bernard - Die Leihmutterschaft als fragwürdigste Variante der Reproduktionstechnologien

BUBROWSKI, Helene (2014): Kind auf Bestellung.
Das deutsche Verbot der Leihmutterschaft wird oft umgangen. Dabei wird aber sowohl gegen die Menschenwürde des Kindes und der Leihmutter, als auch der biologischen Eltern verstoßen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.08.

 
       
 

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Zu den News vom 01. - 07. August 2014
 

   
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