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Medienrundschau:

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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 08. - 13. Juli 2016

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Das Verhältnis zwischen Jung und Alt hat sich in der Vergangenheit massiv verschlechtert und trotzdem ist der Wohlstand gestiegen 

"(I)m Jahr 1900 haben 12,4 Erwerbsfähige für eine alte Person gearbeitet, fünfzig Jahre später waren es noch 6,9 und zur Jahrtausendwende lediglich 4,1 Personen. Das Verhältnis zwischen Jung und Alt hat sich massiv verschlechtert, trotzdem ist der Wohlstand aber gestiegen und die Sozialversicherungssysteme wurden ausgebaut. Für die Zukunft muss uns deshalb nicht bange werden."
(Daniel Baumann & Stephan Hebel "Gute Macht-Geschichten", 2016, S.62)

 
       
       
   

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Serie (Teil 3): Wer die Interessen der Senioren vertritt

ÖCHSNER, Thomas (2016): Lobbyistin der Alten.
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (3): Zu Besuch bei der wohl einflussreichsten Rentnerin Deutschlands: Wenn die VdK-Präsidentin Ulrike Mascher auftritt, wird sie in Berlin gehört. Trotzdem hätte sie gerne noch mehr zu sagen,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 13.07.

Thomas ÖCHSNER erzählt uns wenig über den Einfluss des VdK und kompensiert das mit Biografischem zu Ulrike MASCHER. Einzig, dass sie als parlamentarische Staatssekretärin unter Walter RIESTER für die Riester-Rente mitverantwortlich war, ist in diesem Zusammenhang relevant. Der VdK zählt lediglich 1,7 Millionen Mitglieder, was bei 20 Millionen Rentner eher kein Machtbeleg ist, sondern eher die Ohnmacht dieser "Altenlobby" anzeigt.

"Kein Politiker kann die Präsidentin eines Verbandes übergehen, der von sich sagen kann, die Interessen von mehr als 20 Millionen Rentner und Wähler zu vertreten",

schwadroniert ÖCHSNER. Der Verband vertritt die Interessen seiner Mitglieder, aber noch lange nicht der älteren Wähler. Jeder Unternehmensverband hat hier mehr Einfluss auf die Politik, wie die derzeitigen Reformen zeigen, die von Arbeits- und Finanzministerium vorangetrieben werden. Vom VdK ist da nirgendwo etwas zu sehen.

Von einer Präsidentin, die die Riester-Rente mitzuverantworten hat und die sich heute auf ihren "damals guten Glauben" beruft, will sich nicht jeder vertreten lassen. Denn auch damals konnte man wissen, was man damit anrichtet, höchstens man schaute weg.

Die Rentengarantie wird uns als einziger Erfolg dieser angeblichen Altenlobby präsentiert und auch das ist noch mehr als fraglich. Die FAZ jedenfalls schrieb diese Rentengarantie der SPD-Linken und den Gewerkschaften zu und nicht dem VdK.

Den Vorwurf der Rentnerdemokratie kontert MASCHER mit dem Hinweis darauf, dass die Rentner als Eltern auch das Wohl ihrer Kinder im Blick hätten.

LUDWIG, Kristina (2016): Die Macht der Rentner.
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (3): Eine Altersgruppe entscheidet über die Zukunft der Bundesrepublik,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 13.07.

Kristina LUDWIG hat nach Zeichen für eine Rentnerdemokratie gesucht, aber wenig wirklich Handfestes gefunden, denn das Einkommen ist wesentlich entscheidender als das Alter. Hinzu kommt, dass der Wähler auf die Regierungsbildung kaum Einfluss hat, denn selten wird diese direkt von Wählern vorbestimmt, sondern ist Ergebnis von Koalitionsgesprächen. Aus vergangenen Wahlen lassen sich auch keine Mehrheitsverhältnisse zukünftiger Wahlen herleiten, denn sonst könnte man das Wählen ja gleich bleiben lassen, oder? Wir haben es in der Bundesrepublik nicht mit einer Rentnerdemokratie oder Gerontokratie zu tun, sondern mit einer Klassengesellschaft, die mit einem angeblichen Generationenkonflikt diesen Sachverhalt zu verschleiern sucht.

 
       
   

SCHWENN, Kerstin (2016): Koalition ringt um Alterssicherung der Selbständigen.
Pflichtversicherung oder Versicherungspflicht?
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.07.

Kerstin SCHWENN schildert die verschiedenen Sichtweisen in der Regierungskoalition zur Einbindung der Selbständigen in die bestehende Altersversorgung. Der CDU-Politiker Peter Weiß, wird uns als "Vorsitzender des CDU-Arbeitnehmerflügels im Bundestag" verkauft, obwohl er in erster Linie die Interessen der katholischen Kirche und hier speziell des Caritasverbandes vertritt. Er müsste also als Lobbyist des Caritasverbandes beschrieben werden und keinesfalls als Interessensvertreter der Arbeitnehmer. Eine Studie des DIW zur Altersversorgung der Selbständigen konterkariert SCHWENN mit einer Kritik des Vorsitzenden des Verbandes der Gründer und Selbständigen Deutschland (VGSD), der gegen eine Rentenversicherungspflicht von Selbständigen ist. Der Verband wurde gemäß Wikipedia erst 2012 gegründet und umfasste im März 2016 erst ca. 1600 Mitglieder. Solche Informationen müsste uns eigentlich SCHWENN liefern. Wir haben es hier also mit schlechtem Journalismus zu tun.

Es dürfte auch kaum ein Zufall sein, dass im Gründungsjahr des Verbandes der gescheiterte erste Anlauf zur verpflichtenden Altersvorsorge von Selbständigen gestartet wurde, der gemäß SCHWENN damals am Widerstand der FDP gescheitert ist. Union und BDA kämpfen für Wahlfreiheit, während SPD und Grüne eine Einbindung in die gesetzliche Rentenversicherung vertreten.

SCHWENN, Kerstin (2016): Selbständig in Rente.
Kommentar,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.07.

Kerstin SCHWENN stellt sich auf die Seite von BDA und Union, sieht jedoch in einer zeitlichen Begrenzung der Wahlfreiheit einen möglichen Kompromiss. 

 
       
   

DOEMENS, Karl (2016): Armutsrisiko erkannt.
Koalition will Selbständige zur Altersvorsorge verpflichten,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.07.

Karl DOEMENS weist darauf hin, dass der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung schon seit langem eine obligatorische Altersvorsorgung gefordert hat. Dabei werden uns "Solo-Selbständige mit sehr geringen Einkünften" als Trittbrettfahrer vorgestellt, da sie aufgrund der Grundsicherung im Alter keinen Anreiz zur Eigenvorsorge hätten. Von jenen, denen es um die Stärkung der privaten Altersvorsorge geht, werden uns dagegen die Geringverdiener der gesetzlichen Rentenversicherung als Trittbrettfahrer präsentiert, denn auch diese kommen ja in den Genuss der Grundsicherung im Alter, weswegen dieses Argument eher fadenscheinig ist.

DOEMENS zitiert - im Gegensatz zu Kerstin SCHWENN in der FAZ - auch Stellungnahmen von Martin ROSEMANN (SPD), dem es um die Einbindung von Selbständigen in die gesetzliche Rente geht. Die Befürchtung der BDA, dass die zusätzlichen Einnahmen zur Leistungsausweitung missbraucht werden könnten, versucht er damit zu entkräftigen, dass diese zusätzlichen Einnahmen als Demografiereserve für die schwere Zeit ab 2030 angespart werden sollen.

Eine solche Demografiereserve ist jedoch purer Nonsens angesichts der Kapitalmarktprobleme. Dann wäre es doch sinnvoller Selbständige erst ab 2030 in die gesetzliche Rentenversicherung einzubinden, wenn dies der einzige Zweck sein sollte.

Am Ende wird noch Markus KURTH (Grüne) zitiert, der wie ROSEMANN für eine Einbindung in die gesetzliche Rente plädiert.  

 
       
   

NEIßE, Wilfried (2016): Der Speckgürtel könnte dicker sein.
Wohnungsunternehmen schlagen vor, aus Fürstenwalde nach Berlin zu pendeln,
in: Neues Deutschland v. 13.07.

 
       
   

FRITSCHE, Andreas (2016): Jetzt geht es an die Kreisgrenzen.
Möglichst bis zum Jahresende soll die neue politische Landkarte Brandenburgs gezeichnet sein,
in: Neues Deutschland v. 13.07.

 
       
   

KAISER, Tobias (2016): Arbeitslose Väter spornen ihre Töchter an.
Anteil der Studentinnen aus bildungsfernen Schichten höher als in Vergleichsgruppe Söhne profitieren nicht,
in:
Welt v. 13.07.

 
       
   

HERGERT, Stefani (2016): Wenn die Zahlen trügen.
Bildungsstatistiken: Mit Daten zum Schulsystem wird Politik gemacht. Doch nicht immer passen Statistik und Realität zusammen,
in:
Handelsblatt v. 13.07.

 
       
   

LEITEL, Kerstin (2016): Auf dem Weg nach oben.
HB-Serie Trendviertel 2016 (8): Weihnachtsmarkt, Würstchen und Bier: Nürnberg zieht Millionen Touristen an. Viele Menschen ziehen jedoch der Arbeit wegen nach Franken. Das treibt die Hauspreise,
in:
Handelsblatt v. 13.07.

 
       
   

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Serie (Teil 2): Warum die Riester-Rente gescheitert ist

GENTRUP, Anna (2016): Erst Hoffnungsträger, nun Sorgenkind.
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (2): Die rot-grüne Regierung unter Schröder wollte die deutsche Altersvorsorge novellieren, heraus kam das Riester-Modell. Es gerät jedoch immer mehr unter Druck: Zu bürokratisch, zu kompliziert und zu teuer, monieren die Kritiker. Letztlich subventioniere der Staat die Versicherer,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 12.07.

Anna GENTRUP macht sich das Schlagwort von Horst SEEHOFER von der gescheiterten Riester-Rente zu eigen, nur um der SPD-Linken, die für eine Abschaffung der Riester-Rente plädiert, Paroli zu bieten. Gescheitert heißt bei GENTRUP nämlich nur, dass die Riester-Rente verbessert werden muss. Dazu zieht sie Verbraucherschützer zu Rate, denn diese stützen das System, bei dem sie höchstens mangelnde Effizienz beklagen.

GENTRUP schildert uns erst einmal langatmig, warum die Riester-Rente 2001 überhaupt eingeführt wurde. Der Frontalangriff auf die gesetzliche Rente wurde mit Argumenten geführt, die sich nun als nicht mehr haltbar erwiesen haben. Da sind zuerst einmal die hohen Kosten der privaten Altersvorsorge, die von Gegnern der gesetzlichen Rente verheimlicht werden, wenn diese auf das hohe Sozialbudget der Rentenversicherung blicken:

"Ein Grund für die heftige Kritik sind die hohen Summen, die der Staat für diese Vorsorge aufbringen muss. (...). 2015 erhielten Riester-Sparer etwa drei Milliarden Euro an Zulagen, seit dem Riester-Start 2002 zahlte der Staat 25 Milliarden Euro. Dazu kommt der Aufwand für die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA). (...). Die Behörde hat rund 1400 Beschäftigte und wird von der Deutschen Rentenversicherung betrieben. 148 Millionen Euro sieht der Bundeshaushalt 2016 für die Verwaltungskosten der ZfA vor."

Einzig Axel KLEINLEIN ("Chef des Bundes der Versicherten") wird hierzu zitiert. Der Arbeitsministerin Andrea NAHLES wird jenes Reformvorhaben zugeschrieben, das GENTRUP uns kurz zuvor noch als Wunsch der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU vorgestellt wurde: Die Riester-Rente sollte "nicht vollständig mit der Grundsicher verrechnet" werden, was uns bei NAHLES dann als "neue Sparanreize" für Sozialhilfeempfänger verkauft wird.

Die staatlich gesponserte Stiftung Warentest wird dahingehend zitiert, dass Sparer "dank staatlicher Förderung eine ganz ordentliche Rendite auf ihre eingezahlten Riester-Beiträge" erhalten würden. Liest man jedoch weiter, dann bleibt davon gar nicht mehr übrig, wenn man nicht zu den privilegierten Eltern, sondern zu den Kinderlosen gehört. Aber auch bei den Eltern gibt es Eltern erster und zweiter Klasse, was eine Differenz von 125 Euro pro Jahr ausmacht. Während Kinderlose eine Rendite zwischen 3-5 Prozent erzielen könnten, seien es bei Eltern bis zu 7 Prozent. Dumm nur, dass von dieser Rendite am Ende bei den Auszahlungen abzüglich der Steuern kaum noch etwas übrig bleibt - je nach Produkt, auf das der Kunde hereingefallen ist.

Eine Mitarbeiterin einer Verbraucherzentrale erklärt uns, dass Bank- und Fondssparpläne gute Riester-Produkte seien, aber letztere auch nur, wenn man genügend Geld zurücklegen kann. Uns werden angeblich unabhängige Verbraucherschützer als Berater empfohlen, aber wer ist heutzutage überhaupt unabhängig? Die Stiftung Warentest z.B. ist nicht unabhängig, sondern hängt am Staatstropf - genauso wie die Verbraucherzentralen.

Lebensversicherer werden uns als die wahren Profiteure der privaten Altersvorsorge beschrieben. Bei ihnen könne die staatliche Förderung, die Kinderlose erhalten, völlig aufgefressen werden:

"Bei der Allianz machten schon die Verwaltungskosten von 153 Euro jährlich die Grundzulage wieder zunichte",

wird eine Verbraucherschützerin zitiert. Hinzu kommen noch die Abschlusskosten:

"Die Kosten fressen in den ersten fünf Jahren einen groß Teil der staatlichen Zuschüsse auf. Der Staat subventioniert indirekt die Versicherer und nicht die Bürger mit Niedrigeinkommen".

Der Versicherungsmathematiker KLEINLEIN kritisiert, dass die Lebenserwartung von den Lebensversicherern zu hoch kalkuliert wird. Dem Anwalt der Versicherer geht es lediglich um die Effizienz von Vorsorgeprodukte, deshalb fordert er nur günstige Produkte staatlich zu fördern. Wie das jedoch umgesetzt werden soll, das wird uns nicht erklärt.

Die Riester-Rente ist für GENTRUP nur gescheitert, weil sie derzeit nicht die Rentenlücke schließen kann, die angeblich durch die demografischen Herausforderungen (welche?) aufgebrochen ist:

"Effektiv bei der Verhinderung der Altersarmut ist das System nicht, die meisten Riester-Verträge, die heute in Kraft sind, laufen auf Zusatzrenten von weniger als 100 Euro im Monat hinaus."

Warum also diesem Unsinn nicht ein Ende machen? Private Altersvorsorge sollte wieder eine Vorsorgeform der Besserverdienenden werden, denn diese können es sich leisten die Profite der Finanzdienstleistungsbranche mitzusubventionieren. Der Staat dagegen wäre besser beraten die gesetzliche Rente zu stärken.

FROMME, Herbert (2016): Die Zweifel der Versicherer.
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (2): Hohe Kosten, kleine Summen und Garantien machen Probleme,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 12.07.

Herbert FROMME klagt uns das Leid der Lebensversicherer, die die Riester-Verträge am liebsten abwickeln würden, weil sie damit derzeit unter Druck sind. Lediglich Schweizer Firmen wie Swiss Life, Basler und Helvetia tun dies öffentlich, während deutsche Anbieter bei der Rentendebatte mitsprechen wollen und deshalb doppeltes Spiel betreiben. Sparer mit niedrigen monatlichen Sparraten werden uns von FROMME als Problem beschrieben:

"Fünf Euro monatliche Verwaltungskosten für einen Vertrag erscheinen nicht viel. Aber wenn der Beitrag nur zehn Euro beträgt, wird es schwierig."

Daneben wird die Bürokratie durch den Zulagenprozess, der Garantiezins und die Verpflichtung zu Rückstellungen als Hemmnis für die Profite der Versicherungen beschrieben.

Fazit: Während Lebensversicherer unprofitable Altersvorsorge-Produkte einfach abwickeln können, sind die Versicherten die Dummen, wie uns das Manager-Magazin im Juni aufgezeigt hat.

 
       
   

KROHN, Philipp (2016): Pensionskassen in Manndeckung.
In Zeiten des Nullzinses müssen dreimal so hohe Beiträge zurück gelegt werden wie gedacht,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.07.

Die Politik will die betriebliche Altersversorgung weiter stärken. Da kommen Meldungen über Einschnitte bei den Pensionskassen mehr als ungünstig:

"Die Pensionskasse eines Versicherers und der BVV Versicherungsverein des Bankgewerbes haben kürzlich entschieden die künftigen Ansprüche von Mitarbeitern den niedrigeren Ertragsaussichten am Kapitalmarkt anzupassen. Das ist (...) ein echter Einschnitt, denn allmählich wird in der betrieblichen Altersversorgung deutlich, dass einmal gegebene Versprechen nicht mehr zu halten sind."

Rentenkürzungen sollen in dieser Phase des politischen Reformprozesses unbedingt vermieden werden, weshalb Arbeitgeber, die bei Zahlungsengpässen noch haftbar sind (das soll zukünftig entfallen!), gemäß KROHN einspringen sollen:

"Es sollte unbedingt verhindert werden, dass schon erworbene Ansprüche angetastet werden müssen."

Dagegen arbeitet KROHN bereits an zukünftigen Lockerungen bei den Beitragsgarantien. Diese sollen möglichst ganz entfallen. Zu deutsch: Die Arbeitnehmer sollen in Zukunft die Risiken der betrieblichen Altersversorgung ganz alleine tragen. Die Unternehmer verabschieden sich aus der Haftung.

KROHN will uns weismachen, dass Pensionskassen gefährdeter seien als Lebensversicherungen. Diese könnten sich durch Zuschläge bei der Lebenserwartung von Risiken der Altersvorsorge besser entlasten:

"Lebensversicherungen können ihr Risiko gegenüber einer steigenden Lebenserwartung besser diversifizieren. Weerden die Menschen älter, erzielen die Versicherungen Risikogewinne aus ihren Risikopolicen, weil weniger Todesfallsummen ausgezahlt werden müssen als zuvor kalkuliert. Auch in vielen Produkten der privaten Altersvorsorge ist ein solcher Todesfallschutz zumindest teilweise enthalten."

Was aber bitte hat die steigende Lebenserwartung mit der Nullzinspolitik zu tun, die Pensionskassen bedroht? Sollen wir hier also verdummt werden? Offenbar, denn mit steigenden Lebenserwartung hat die prekäre Lage von Pensionskassen überhaupt nichts zu tun, sondern nur mit Kapitalmarktproblemen.

Fazit: KROHN ist ein Lobbyist der Unternehmen, denen ihre vollmundigen Versprechungen der Vergangenheit jetzt lästig sind. Die Risiken der betrieblichen Altersversorgung sollen zukünftig allein die Arbeitnehmer tragen. Dies soll ihnen nun rhetorisch vermittelt werden. Warum also nicht Pensionskassen abschaffen? KROHN spricht immer nur von Niedrigzinsphase. Was aber, wenn diese in Zukunft Normalität sein werden und keine zeitlich begrenzte Ausnahme? Niemand kann uns das garantieren.   

 
       
   

CREUTZBURG, Dietrich (2016): Länger arbeiten mit Flexirente.
Spätestens Ende November soll Rentenkonzept fertig sein,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.07.

Dietrich CREUTZBURG erzählt uns erst die Vorgeschichte des Gesetzesentwurfs und stellt die Reform als "Ergänzung des 2014 beschlossenen Pakets aus Rente mit 63 und Mütterrente" vor. Im heutigen Tagesspiegel wird das kurz und bündig als "Formulierungshilfe" des Arbeitsministeriums genannt. CREUTZBURG zitiert uns als einzige Stellungnahme das Lob von Carsten LINNEMANN ("Chef der CDU/CSU-MIttelstandsvereinigung").

 
       
   

WORATSCHKA, Rainer (2016): Flexibler in den Ruhestand.
Wie den Bundesbürgern ein längeres Erwerbsleben schmackhaft gemacht wird,
in:
Tagesspiegel v. 12.07.

Rainer WORATSCHKA zitiert aus einem 47-seitigen Gesetzesentwurf zu flexiblen Übergängen in die, der dem Tagesspiegel zugespielt wurde. Vier Aspekte werden von WORATSCHKA angesprochen:
1) Teilrente bei Teilzeitarbeit bis zur Regelaltersgrenze: Zuverdienstmöglichkeit ohne Rentenkürzung bis 6.300 Euro im Jahr, darüber hinaus Rentenabzug von 40 Prozent des Einkommens
2) Kompensation von Abschlägen durch freiwillige Beitragszahlungen schon ab 50, statt wie bisher erst ab 55 Jahren
3) Beim Arbeiten über die Regelaltersgrenze hinaus können höhere Rentenansprüche erworben werden
4) Eine detailliertere Renteninformation soll über diese Möglichkeiten informieren

WORATSCHKA nennt die Stellungnahmen zum Gesetzesentwurf von BDA (zu wenig Zuverdienstmöglichkeiten) und Linkspartei. Matthias W. BIRKWALD kritisiert, dass die Verbilligung der Arbeit von Älteren zu Lasten der jüngeren Generation gehe.

 
       
   

GERNHARDT, Grit (2016): Viele bleiben sehr lange in Hartz IV.
Langzeiterwerbslosenzahl kaum gesunken,
in:
Neues Deutschland v. 12.07.

Grit GERNHARDT berichtet anlässlich einer Falschmeldung der Bildzeitung über die Zahl der Hartz IV-Empfänger. Dabei setzt sie fälschlicherweise diese Sozialhilfeempfänger mit Langzeitarbeitslosen gleich:

"Die Zahl derer, die mindestens vier Jahre auf Hartz IV angewiesen waren, sei zwischen Dezember 2014 und 2015 nur um 0,8 Prozent auf 2,576 Millionen zurückgegangen (...). Im Dezember 214 waren demnach in der Statistik 2,598 Millionen Menschen mit einer Verweildauer von mehr als vier Jahren aufgeführt."

Es gibt aber auch Langzeitarbeitslose, die keine Sozialhilfeleistungen empfangen - für die sich weder GERNHARDT, noch die Bildzeitung interessieren. Als Ursache der Falschmeldung wird uns die Änderung der Grundsicherungsstatistik mitgeteilt.

 
       
   

STOCKER, Frank (2016): Nullzinsen bis 2023.
Wegen des Brexit-Votums bleiben die Zinsen noch lange im Keller. Ein Teufelskreis, den sich keine Zentralbank zu durchbrechen traut,
in:
Welt v. 12.07.

Frank STOCKER präsentiert uns Hellseher, die wissen wollen dass die Nullzinsphase mindestens bis 2023 anhalten wird. Ökonomen sind jedoch nicht mal in der Lage Prognosen über ein halbes Jahr zu erstellen. Sie sollten sich deshalb zurückhalten, sonst ramponieren sie ihre Glaubwürdigkeit noch stärker. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt! 

 
       
   

DAMS, Jan (2016): Erst ab heute arbeiten die Deutschen für das eigene Konto.
Steuerzahlergedenktag fällt dieses Jahr auf den 12. Juli. Abgabenlast in Deutschland beträgt hohe 52,9 Prozent,
in:
Welt v. 12.07.

Jan DAMS verdummt uns mit neoliberale Propaganda des Bundes der Steuerzahler. Das Karl-Bräuer-Institut des Steuerzahlerbundes wurde 2013 umbenannt, nachdem die Nazi-Vergangenheit des Gründers nicht mehr länger vertuscht werden konnte. Das sollte zu denken geben!

Statt Fakten zu liefern, sülzt uns DAMS mit Nullinformationen voll. Wie viel  der angebliche Durchschnittschnittsbundesbürger verdient, das erzählt uns DAMS nämlich nicht. Beim Durchschnitt werden nämlich alle Millionäre und Milliardäre mitgezählt, ob sie nun ihr Vermögen erarbeitet haben oder auch nicht.

Wir hätten lieber gewusst, welche Gegenleistungen wir für unsere Steuern und Abgaben (wird nicht getrennt!) erhalten. Und sollen wir etwa unser Geld lieber der Finanzdienstleistungsbranche überlassen? Als Dank erhalten wir dann unlukrative Altersvorsorgeprodukte. Dann lieber Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlen.

 
       
   

STEHLE, Anja (2016): Stadt der Baudenkmäler.
HB-Serie Trendviertel 2016 (7): Noch ist Wohnen in der sächsischen Metropole günstig. Doch je mehr Altbauten saniert werden, desto höher steigen Miet- und Preisniveau,
in:
Handelsblatt v. 12.07.

 
       
   

FR-Tagesthema: Immer mehr und immer jünger.
Die Menschheit wächst rapide. Zum Weltbevölkerungstag beklagen Experten die vielen ungewollten Schwangerschaft junger Frauen und mangelnde Aufklärung

DPA/KNA/FR (2016): Zu viele zu junge Mütter.
Rund 74 Millionen Frauen werden jedes Jahr ungewollt schwanger,
in:
Frankfurter Rundschau v. 11.07.

Während uns die Verfechter einer kapitalgedeckten Altersvorsorge erklären, dass junge Bevölkerungen und das Wachstum der Weltbevölkerung gut seien, erzählen uns die Bevölkerungspolitiker, dass dies schlecht sei.

 
       
   

STEINFELD, Thomas (2016): Der hilflose Anti-Populismus.
Die rechtspopulistische Bewegungen stehen den bürgerlichen Parteien näher, als dies zugeben mögen,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 11.07.

Thomas STEINFELD beschäftigt sich mit dem erfolglosen Umgang der Regierenden in Schweden mit den Schwedendemokraten, der in Gesetzen mündet, die genauso gut von den Populisten selber hätten stammen können.

Die Erklärungen von STEINFELD sind eher dürftig, denn es fehlt ein Bezug zu nationalkoservativer Bevölkerungspolitik, die in erster Linie eine qualitative ist. Während bei uns das Elterngeld, das Kinder von Akademikern höher bewertet als von Nicht-Akademikern (wird in Mainstreamzeitungen höchstens von der Welt offen hervorgehoben), erst 2007 in Kraft trat, gilt es in Schweden schon länger. Entsprechend früher konnten sich rechtspopulistische Strömungen dort ungehindert entfalten. Das Problem auf Asylpolitik zu beschränken - wie es von STEINFELD und anderen Eliten getan wird - verschleiert die viel größere Gemeinsamkeit der Befürwortung qualitativer Bevölkerungspolitik. Thilo SARRAZINs populistische Erfolge begannen erst mit der Einführung des Elterngeldes, das belegte, dass auch die nicht-populistischen Eliten genauso denken wie die populistischen Eliten. Aber Selbstkritik ist keine Tugend unserer Mainstreamjournalisten. Rassismus ist heute nicht mehr allein eine Frage der Ethnie, sondern der Behauptung von jedweder Minder- bzw. Höherwertigkeit, die an askriptive Merkmale geknüpft ist.   

 
       
   

KRIEGER, Friederike (2016): Minusgeschäft.
SZ-Serie Leben mit dem Niedrigzins: Wie der Kunde einer Lebensversicherung mit seinem Vertrag draufzahlt,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 11.07.

Friederike KRIEGER stellt uns einen Arzt vor, der durch ein berufsständiges Versorgungswerk und eine Betriebsrente bereits gut abgesichert ist. Als zusätzliche Altersversorgung hat er sich jedoch keine private Rentenversicherung, sondern eine Kapitallebensversicherung zugelegt, die auch Berufsunfähigkeit und Unfälle absichert, weswegen das Beispiel wenig mit der privaten Altersvorsorge, sondern viel mit Zusatzleistungen zu tun hat. Uns wird jedoch nur der Rückgang der Rendite als Problem beschrieben, während die Schutzfunktionen und deren Kosten gar nicht erwähnt werden.

KRIEGER erklärt uns die Überschussbeteiligung und die Beteiligung an den Bewertungsreserven. Letztere soll 2015 geändert worden sein:

"Bis 2015 gab es zusätzlich noch eine nennenswerte Beteiligung an den sogenannten Bewertungsreserven. Auf Drängender Anbieter strich der Gesetzgeber den Versicherten aber große Teile dieser Beteiligung.

Eine solche Beteiligung wurde aber erst 2008 durch ein Gesetz geregelt, was uns KRIEGER verschweigt. Der Arzt besitzt noch einen Altvertrag, der bereits 1991 abgeschlossen wurde und für den deshalb noch andere Regeln gelten, was uns nicht erklärt wird, sondern bei KRIEGER heißt es:

"Da Bewertungsreserven und Schlussüberschüsse vertraglich nicht festgeschrieben sind, können Versicherer sie als Erstes kürzen, um die hohen Garantien in ihren Beständen zu finanzieren."

Für uns Leser ist der Fall anhand des Artikels letztlich nicht nachvollziehbar, weil für das Verständnis wesentliche Informationen nicht mitgeteilt werden.

 
       
   

STREIT, Matthias (2016): Schlösser und Schlote.
HB-Serie Trendviertel 2016 (6): Die Wirtschaftskraft zeiht immer mehr Menschen in die Region Rhein-Neckar. Davon profitiert nicht nur Heidelberg,
in:
Handelsblatt v. 11.07.

 
       
   

FABRICIUS, Michael (2016): Was ein Haus wirklich wert ist.
Viele Immobilienbesitzer fühlen sich reich. Doch vor allem ältere Gebäude verlieren stetig an Wert. Renovierung und eine gute Lage können den Wertverlust oft kompensieren,
in:
Welt v. 11.07.

Ist das noch seriöser Journalismus, wenn ein Bewertungsportal beworben wird, das zum Konzern gehört? Oder wird hier nicht das Presserecht missbraucht? Der Glaubwürdigkeit von Zeitungen schadet eine solche Praxis auf jeden Fall.

 
       
   

DPA (2016): CSU will Rentenentwurf vorlegen.
CDU beharrt auf gemeinsamem Vorgehen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.07.

 
       
   

ANKENBRAND, Hendrik (2016): China schickt seine Alten ins Kloster.
Das Land vergreist. Immer mehr ältere Menschen stehen ohne Familie und Geld da. Ein buddhistisches Kloster in den Bergen bietet letzte Zuflucht - und soll Modell stehen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.07.

Hendrik ANKENBRAND verkauft uns das Kloster als Ort an dem für Chinas Alten ein "Leben in Würde" möglich sei:

"In einer Gesellschaft, die von Kindesbeinen an dazu erzogen wird, als höchstes Ideal Eltern und Großeltern zu ehren, bedeutet der Gang ins Altersheim für die meisten nichts anderes als ein Gefühl der Schande. Für die Jungen und die Regierung steht das Glückskloster hingegen für einen Trend. Nach vier Jahrzehnten der Ein-Kind-Politik und mehr als 300 Millionen Abtreibungen ist das Land dabei zu vergreisen. Zwei Elternteile und vier Großeltern sind nicht selten von einem Kind abhängig, das weit entfernt der Heimat in der Metropole seiner Büroarbeit nachgeht."

Das Problem der armen Alten ist jedoch eher ein Problem der Landarbeiter:

"Im Jahr 2014 lebten amtlichen Angaben zufolge 600 Millionen Menschen in Dörfern. Dort ist das Alterungsproblem gravierender als in der Stadt. Der Anteil der Alten an der Gesellschaft liegt hier um 3 Prozentpunkte höher als in den Metropolen.
Nur 19 Prozent der alten Menschen auf dem Land beziehen laut Regierungsangaben eine Rente. Der Rest lebt von dem Verkauf von Feldfrüchten und der Unterstützung durch die Familie."

Während uns Deutschen von der FAZ das Arbeiten empfohlen wird, wird uns von ANKENBRAND bei den Chinesen das Beten im Alter statt Arbeiten als Leben in Würde beschrieben.

 
       
   

HUNGER, Anton (2016): Die schwäbische Hausfrau.
Die Bundeskanzlerin hat die schwäbische Hausfrau zum Ideal erhoben. Dafür wurde Angela Merkel angefeindet, die Schwaben auch. Haben sie das verdient?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.07.

 
       
   

HANK, Rainer (2016): Der Leistungsmythos.
Wer es an die Spitze schafft, hält sich für den Größten. Dabei sollte er den besten Helfern danken: Glück und Zufall,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.07.

 
       
   

BOLLMANN, Ralph (2016): Die Mär vom armen Ostrentner.
Kommentar,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.07.

Ralph BOLLMANN geht nicht über das hinaus, was uns bereits Kerstin SCHWENN und Dietrich CREUTZBURG zu diesem Thema in der FAZ gesagt haben.

BOLLMANN, Ralph & Inge KLOEPFER (2016): "Die Jungen müssen kämpfen lernen".
Franz Müntefering, Vater der Rente mit 67, spricht über Generationenkonflikte und Debatten mit seiner 40 Jahre jüngeren Frau,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.07.

Franz MÜNTEFERING erklärt die gesetzliche Rente erst - im Vergleich zur privaten Altersvorsorge ("Während der Finanzkrise sind in den Vereinigten Staaten 30 Prozent der Pensionsfonds pleitegegangen") als sicher, um dann jedoch nicht die Konsequenz zu ziehen, diese abzuschaffen, sondern er behauptet sogar, dass man "ein paar hundert Euro" damit mehr bekommen kann. Damit meint er jedoch nicht etwa die Besserverdienenden, sondern "Menschen mit kleinerem Einkommen". Die Realität ist jedoch eine ganz andere. MÜNTEFERING ruft sozusagen zur Geldvernichtung auf!

 
       
   

THIER, Jenni (2016): Mensch gegen Maschine.
Nehmen uns Roboter in Zukunft die Arbeitsplätze weg? Von wegen! Wir brauchen mehr davon,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.07.

 
       
   

Die Entwicklung der Geburtenzahlen in Deutschland

BÜSCHER, Wolfgang & Freia PETERS (2016): Sehnsucht nach dem Apfelbaum.
Voriges Jahr wurden in Deutschland so viele Babys geboren wie seit 15 Jahren nicht. Gerade in den großen Städten trauen sich Familien wieder, mehr Kinder zu bekommen. Dennoch bleibt der Traum von einer ländlichen Kindheit stark,
in:
Welt am Sonntag v. 10.07.

 
       
   

MÜLLER, Ann-Katrin/NEZIK, Ann-Katrin/REHAGE, Ruben (2016): Die Ohnmächtigen.
Generationen: Den Wohlstand ihrer Eltern, der Babyboomer, werden viele junge Deutsche kaum erreichen. Gegen die Lobby der Alten kommen sie nicht an,
in: S
piegel Nr.28 v. 09.07.

Ann-Katrin MÜLLER, Jahrgang 1987, Ann-Katrin NEZIK, Jahrgang 1986, und Ruben REHAGE werden von den Alten Säcken des Spiegels als Vertreter der Generation Y an die Generationenfront geschickt, um etwas Lärm zu machen. Ihr Feindbild: Die Babyboomer, die uns im Gegensatz zu anderen Mainstreamartikeln als 1954 (1,1 Millionen Geburten) bis 1969 Geborene (1,1 Millionen Geburten) präsentiert werden. Diese 16 Geburtsjahrgänge werden uns als rund 16,5 Millionen Babyboomer präsentiert. Ende des Jahrs 2014 lebten in Deutschland jedoch rund 20 Millionen dieser Babyboomer - weiter reicht die Bevölkerungsfortschreibung bislang noch nicht. Wie viele dieser Babyboomer das Rentenalter erreichen und Rente beziehen werden, darüber wird höchstens spekuliert. Die ersten sind jedenfalls bereits in Frührente.

Als Erster der konfliktscheuen Generation Y werden wir mit Wolfgang GRÜNDINGER konfrontiert, der gerade das Buch Alte Säcke Politik bewirbt. Darin werden die Babyboomer als 1955 bis 1969 Geborene definiert, was schon einmal rund 1 Millionen weniger Babyboomer als im Spiegel-Artikel wären.

"Nicht die Jungen schießen gegen die Alten, wie es die 68er oder die Punks taten. Das Gegenteil ist der Fall: Attacken gegen die Nachgeborenen gehören zum Repertoire der Altersgruppe 50 plus",

behauptet die Spiegel-Autoren, die diese Zeit höchstens aus Veteranen-Erzählungen nach der Jahrtausendwende kennen. Da wollte plötzlich jeder Punkt gewesen sein, der zu Punkzeiten höchstens Punks von Weitem gesehen hat. Dass diese in den Medien gegen die Alten geschossen haben sollen, ist eine Legende, wie jeder im Spiegel-Archiv überprüfen kann. Höchstens in Fanzinen, die keiner gelesen hat, und in Songs, die nur in Szenekreisen kursierten, wurde der Aufstand geprobt - aber keineswegs gegen die Alten, sondern gegen das Establishment. Ein Begriff, der heutzutage eher antiquiert erscheint.

Die Generation Y sei abgehängt, wollen uns die Autoren weismachen, als ob das ein Alleinstellungsmerkmal wäre. Spätestens seit sich die privilegierte 78er-Akademikergeneration in dem Arbeitslosen-Manifest Von der Nutzlosigkeit des Erwachsenwerdens wieder erkannte, sind verlorene Generationen zur intellektuellen Fingerübung nachfolgender Generationen geworden. Jede Generation galt fortan als jene, die es schlechter hatte als ihre Vorgänger die 68er-Generation. Noch vor einem Jahrzehnt projizierte die Generation Golf ihre Zukunftsängste auf die 68er-Generation. Nun da die 68er im Ruhestand sind, werden die gleichen Ängste auf die Babyboomer projiziert. Ob Jungendarbeitslosigkeit (eine Begriffsschöpfung Mitte der 1970er Jahre), Akademikerarbeitslosigkeit (Begriffsschöpfung der 1980er Jahre), Massenarbeitslosigkeit (1990er Jahre), Jobkrise der Generation Golf, Generation Praktikum und nun die Jammeriade der Generation Y. Immer ging es der Jugend schlechter als ihren Vorgängern und das schon seit 40 Jahren. Die Apokalypse ist unsere Begleitmusik und der perfekte Sturm (Guardian) ist nur ihre aktuelle Version.

Offenbar ist den Autoren am Ende der zweiten Seite plötzlich klar geworden, dass ihr Gejammer doch ganz schön luxuriös ist. Nun werden prominente Experten an die Front geschickt: Der Jugendforscher Klaus HURRELMANN ("Die heimlichen Revolutionäre", der die Babyboomer genauso definiert wie GRÜNDINGER, der das aktuelle Mantra vorträgt:

"Die Jungen werden das Wohlstandsniveau ihrer Eltern nicht erreichen."

Keine Ahnung, woher diese Gewissheit genommen wird, vor allem wenn mit der Generation Y nur der privilegierte Teil dieser Geburtskohorten gemeint sind. Der Ökonom Thomas STRAUBHAAR sieht in den Babyboomern Glückspilze, was vor 10 Jahren noch der 68er-Generation zugeschrieben wurde. Was STRAUBHAAR jedoch unter den Begriff Babyboomer subsumiert, das wird nicht erwähnt - vielleicht weil er ganz andere Jahrgänge damit bezeichnet?

Nachdem uns also Autoritäten ihre Meinung mitgeteilt haben, wird uns ein Angehöriger der Generation Y als Prototyp der verlorenen Generation präsentiert: 26 Jahre alt, also Jahrgang 1980 und damit gerade an der Grenze zur Vorgängergeneration, nimmt man die Definition der Spiegel-Autoren (1980 - 1995 Geborene). Nähme man die Expertendefinition des zitierten HURRELMANN, der die Grenze bei 1985 zieht, hätte man es also gar mit einem Angehörigen der Generation X zu tun - ein Begriff übrigens, den bereits die Punks verwendeten (Iggy Pop).

"Voigts Eltern sind nicht wohlhabend, aber gehören doch zur Mittelschicht. Sein Vater ist selbständiger Versicherungsvertreter, seine Mutter gelernte Apothekenhelferin. »Meine Eltern hatten in meinem Alter mehr erreicht, obwohl sie keine Akademiker sind«, sagt Voigt, »sie hatten eine Doppelhaushälfte, ein Auto und ein Kind«.

Geht man 26 Jahre zurück, dann ist man - welch Wunder - im Jahr 1964 und wohl kaum zufällig beim geburtenstärksten Jahrgang, der vor zwei Jahren geradezu abgöttisch gefeiert wurde. Ginge man nochmals 26 Jahre zurück, dann wäre man beim Jahrgang 1938, also bei den 68ern.

Uns wird ein Klassenkonflikt als Generationenkonflikt verkauft. Die jetzigen Alten können ihre Position nicht mehr verbessern, während die Jungen dies können, von daher wird uns hier ein Scheinkonflikt serviert. Spätestens in 20 Jahren wird sich zeigen, ob sich diese verlorene Generation nicht genauso in Wohlgefallen aufgelöst hat wie all die verlorenen Generationen zuvor, die uns die Mainstreampresse als Verlierergenerationen beschrieben hat.

Zum Schluss werden uns noch die Prognosen des Nationalkonservativen Ökonom Martin WERDING vorgesetzt:

"Bereits 2030, also in 14 Jahren also, werden in Deutschland halb so viele Rentner wie Erwerbstätige leben. 2060 wird sich das Verhältnis noch stärker zugunsten der Rentner verschoben haben, auf 63 zu 100."

Das soll offenbar als Drohszenario gelten, verfehlt aber seine Wirkung angesichts der Tatsache, dass sich das Verhältnis bereits in der Vergangenheit dramatisch verschlechtert hat - ohne dem Wohlstand zu schaden, weil gerne der Produktivitätsfortschritt vergessen wird. Weil diese noch zu harmlos ist, wird uns die Situation im Jahr 2060 geschildert - Kaffeesatzleserei nennen das ganz zu Recht Bevölkerungsstatistiker. Ökonomen sind nicht einmal in der Lage Prognosen für ein Jahr zu erstellen, obwohl die Bevölkerungsentwicklung dabei noch nicht einmal eine Rolle spielt. Bleibt uns weg, mit solchen dämlichen Prognosen.

Angeblich müssen die nachfolgenden Generationen höhere Beiträge bezahlen als die Babyboomer. Dabei wird jedoch die Umstellung von der vor- auf die nachgelagerte Besteuerung außer Acht gelassen.

Fazit: 2030 werden wir überprüfen können, was von dem, was der Spiegel heute geschrieben hat, eingetreten ist. Denn für uns gilt: Traue nur jener Prognose, die du selber gefälscht hast. Ökonomie ist keine Prognosewirtschaft, sondern eine Rechtfertigungslehre! 

 
       
   

SZ-Gesellschaftthema: Geben und nehmen

ENDT, Christian & Pia RATZESBERGER (2016): Erbst du was?
Diese Frage entscheidet darüber, wie wir später leben werden - da können wir uns noch so anstrengen. Höchste Zeit, das Erbe für alle einzuführen,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 09.07.

RATZESBERGER, Pia (2016): Das Geld der Einsamen.
Sie fahndet Jahre nach Menschen, von denen sie nicht einmal weiß, ob es sie tatsächlich gibt: Sybille Wolf-Mohr ermittelt Erben - aber nur, wenn es um ein beträchtliches Vermögen geht,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 09.07.

 
       
   

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Serie (Teil 1): Samstagsessay.
Kein Auslaufmodell: Die Rente ist besser als ihr Ruf. Viele Leistungen: Sie bietet weit mehr als private Anbieter. Aber dennoch: Reformen sind notwendig

ÖCHSNER, Thomas (2016): Alt, aber gut.
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (1): Banken wanken, Versicherer schwächeln, doch die gesetzliche Rentenversicherung wird auch in Zukunft eine Säule der Alterssicherung bleiben. Wir sollten sie nicht kaputt reden,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 09.07.

Ein Loblied auf die gesetzliche Rente im neoliberalen Wirtschaftsteil der SZ? Richtig, da ist etwas faul! Thomas ÖCHSNER will lediglich die Kollateralschäden neoliberaler Propaganda beseitigen. Neoliberale haben die gesetzliche Rente nämlich in den letzen 10 Jahren so schlecht geredet, dass die Parolen von Horst SEEHOFER zur Altersarmut auf fruchtbaren Boden fallen. Aus einzig diesem Grunde erläutert uns nun ÖCHSNER die Vorzüge der gesetzlichen Rente. Sie sei kein Auslaufmodell, sondern viel besser als ihr Ruf, lautet die revidierte neoliberale Formel in Zeiten der Rentendebatte.

"Rentenversicherung hat mehr als 125 Jahre überlebt. Darunter zwei Weltkriege, eine Hyperinflation, die deutsche Einheit, die New-Economy-Blase und die Finanz- und Eurokrise. An den Aktienmärkten können sich Billionen Euro in Luft auflösen und Zertifikate der US-Pleitebank Lehman über Nacht wertlos werden, die Rente kommt trotzdem pünktlich.
Es ist ein Glücksfall, dass die gesetzliche Alterssicherung nicht vom Auf und Ab der Aktienkurse und Zinsen abhängt und niemand an ihr Geld verdient. Weder wenn der Beitrag eingezahlt, noch wenn die Rente ausgezahlt wird, kann irgendeine Bank, Versicherung oder Drückerkolonne Provisionen für sich abzweigen. Es gibt keine Gebühren, keine Werbung, die das Geld der Versicherten wegfrisst. Die Rentenversicherung mag wie eine angestaubte Behörde aus vergangenen Zeiten wirken, aber sie arbeitet effizient. Die Verwaltungskosten belaufen sich auf 1,4 Prozent ihrer Gesamtausgaben. Bei Riester-Verträgen können sie um ein Vielfaches höher sein",

erklärt uns ÖCHSNER. Selbst die Rendite soll besser sein, als uns die Befürworter der Privatisierung lang Zeit vorgemacht haben. Und Leistungen, die auf dem Kapitalmarkt nie zu erhalten wären, bietet uns die gesetzliche Rentenversicherung.

Trotz all dieser Vorzüge wird uns die Privatisierung der Altersvorsorge als alternativlos dargestellt - einzig die Argumente der Neoliberalen haben sich geändert. Da die Rendite kein plausibles Argument mehr ist, wird uns die zukünftige Arbeitsmarktsituation in düsteren Farben gemalt. Dabei ist es nur kurze Zeit her, da uns die Vollbeschäftigungsgesellschaft gedroht hat. Neoliberale lieben Horrorszenarien, wenn sie ihnen passen. Dass diese ständig den Erfordernissen angepasst werden, scheint niemandem aufzufallen.

Was uns in den restlichen Teilen dieser Serie, die einem plumpen neoliberalen Ideologieskript folgt, erwartet, das erzählt uns ÖCHSNER zum Schluss:

"Deutschland braucht eine florierende Wirtschaft, ein flexibles Rentenalter, steigende Einkommen, fleißige Zuwanderer, Ganztagsschulen und viele Milliarden für die Bildung, damit junge Menschen nicht von der Schule ohne Abschluss gehen oder keinen Beruf erlernen. Wer in jungen Jahren lange von der Hand in den Mund oder von Hartz IV lebt, wird auch im Alter auf staatliche Hilfe angewiesen sein. Nötig ist vielleicht auch eine steuerfinanzierte Mindestrente für langjährig Versicherte".

Und der Gegner wird auch gleich genannt, auf den die Serie abzielt: diejenigen, die für eine Anhebung oder Stabilisierung des Niveaus der gesetzlichen Rente plädieren. Uns wird also die Stärkung der privaten Altersvorsorge, die zu Lasten der gesetzlichen Rente gehen wird, als alternativlos dargestellt werden.

Die SZ-Serie flankiert - bestimmt nicht zufällig - den Dialog Alterssicherung von Andrea NAHLES.   

 
       
   

JÖTTEN, Frederik (2016): "Ein Schlag fürs Selbstbewusstsein".
Unfruchtbarkeit ist Sache der Frau, lautet ein weit verbreitetes Vorurteil. Tatsächlich liegt das Problem ebenso häufig beim Mann - wie im Fall von Frank S., der eine Diagnose bekam, die sein Leben veränderte,
in:
Frankfurter Rundschau v. 09.07.

 
       
   

DECKER, Markus (2016): Die Grünen sind ein größerer Machtfaktor geworden.
Bundesrat verweist Erbschaftssteuer in den Vermittlungsausschuss und nimmt Maghreb-Regelung von der Tagesordnung,
in:
Frankfurter Rundschau v. 09.07.

 
       
   

GASCHKE, Susanne (2016): Wie Gabriels Taktiererei die SPD ruiniert.
Binnen eines Jahres hat der SPD-Chef eine halsbrecherische Linkswende hingelegt. Unsere Autorin - selbst Parteimitglied - meint: Dieser Fundamentalopportunismus zerstört alle Erfolgschancen,
in:
Welt v. 09.07.

Susanne GASCHKE, gescheiterte SPD-Oberbürgermeisterin von Kiel, backt jetzt wieder kleinere Propagandabrötchen.

"moderne Sozialdemokraten (können) Wahlen nur in der freundlichen Mitte gewinnen (...). Schon allein, weil sich 85 Prozent der deutschen Bevölkerung der »Mitte« zugehörig fühlen."

Angesichts solcher Sätze ist zu überlegen, ob Teil dieser Mitte sein zu wollen, überhaupt noch ratsam ist. Eine Zugehörigkeit zur Unterschicht hätte Vorteile, denn dann würde man nicht dauernd von Mainstreamjournalisten für Projekte vereinnahmt, mit denen man partout nichts zu tun haben möchte.

Es wäre Zeit für ein Bekenntnis: Ich will nicht mehr Teil dieser öden Mitte sein! Ihr kotzt uns an mit Eurer Agenda-Politik, die nur der oberen Mittelschicht nützt. Ihr macht keine Mitte-Politik mehr, sondern Oberschichten-Politik nach dem Matthäus-Prinzip: Wer hat, dem wird gegeben! Was Euch nicht passt, dem wird das Etikett Populismus, Verschwörungstheoretiker oder Wutbürger aufgeklebt, denn Selbstkritik ist keine Tugend, die Ihr beherrscht. Ihr seid Narzissten der Machtteilhabe!

Sigmar GABRIEL ein Linker? Da muss doch heutzutage jeder lachen, der noch einen Rest Verstand besitzt. GABRIEL steht mit einem Bein auf dem Agenda-Stuhl und mit dem anderen auf dem Kleiner-Mann-Stuhl. An beiden Stühlen sägen seine Parteigenossen kräftig. Wer bei Verstand ist und nicht Teil der oberen Mittelschicht ist, für den ist die SPD schon lange keine Wahloption mehr. Abgehängte Unterschicht war gestern, heute müsste es heißen: abgehängte untere Mittelschicht. Als Grenze eignet sich z.B. die Beitragsbemessungsgrenze der Sozialversicherung.  

 
       
   

SCHWENN, Kerstin (2016): Nahles beginnt Rentendialog.
Spätestens Ende November soll Rentenkonzept fertig sein,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.07.

Kerstin SCHWENN zählt nochmals jene Punkte auf, die der FAZ bei der Rentendebatte besonders am Herzen liegen: eine unternehmensfreundliche Änderung der betrieblichen Altersvorsorge und der Riester-Rente.

 
       
   

PETERSDORFF, Winand von (2016): Amerika, das Land der Nesthocker.
Lounge: Amerikaner haben einen Namen für junge Erwachsene gefunden, die zu den Eltern zurückziehen. Die "Boomerang Kids" werden immer zahlreicher. Und die Männer haben Schuld,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.07.

Bei Journalisten sind wissenschaftliche Ergebnisse beliebt, die zwei wissenschaftlich konstruierte Gruppen ins Verhältnis setzen, um dann ein Kippen dieses Verhältnisses vermelden zu können. Wer als Wissenschaftler diese Ökonomie der Aufmerksamkeit nicht bedient, der schafft es mit seinen Erkenntnissen nicht in der Öffentlichkeit. Winand von PETERSDORFF gibt uns ein Beispiel für diese weit verbreitete journalistische Praxis:

"2014 war das Jahr, (...) in dem das renommierte Forschungsinstitut Pew Research feststelle, dass erstmals seit 130 Jahren mehr junge Erwachsene in der Altersgruppe zwischen 18 und 34 Jahren bei ihren Eltern wohnten statt mit Partnern in einen Haushalten. Das Jahr markiert damit einen Meilenstein."

Natürlich ist das nichts anderes als ein Forschungsartefakt, denn vor 130 Jahren hätte niemand die Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen betrachtet, weil man damals längst verheiratet war. Erst durch den historischen Blick und die dadurch veränderte Altersgruppenbetrachtung, wird eine solche Aussage erst konstruiert. Der Haushaltsansatz ist zudem eine Erfindung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, denn noch in den 1950er Jahren wurde Haushaltsgründung und Heirat als ein und dasselbe Ereignis betrachtet. Von daher ist es mehr als fraglich, ob jene Daten, die vor 130 Jahren erhoben wurden, überhaupt mit jenen vergleichbar sind, die heutzutage erhoben werden. Bei Aussagen über solche lange Zeiträume ist Skepsis angesagt, weil sich Erhebungskonzepte ändern.

Für Deutschland wurde z.B. in den 1990er Jahren gerne die BECKsche Individualisierungsthese verbreitet, weil sie plausibel erschien. Dummerweise gibt es aber erst seit Mitte der 1980er Jahre überhaupt Datensätze, die solche Veränderungen überhaupt empirisch erfassbar machen konnten. Diese wurden nachträglich verfeinert, weil man z.B. Paare ohne gemeinsamen Haushalt gar nicht in den Blick genommen hatte. Die Individualisierungsthese ist ein Beispiel für einen Sachverhalt, der sich für die Zeit vor 1980 weder belegen, noch widerlegen lässt. Es werden dann Schätzungen als Ersatz herangezogen. Und wer kann sich heute noch an die teilweise kruden Debatten über Für und Wider der Individualisierungsthese erinnern? Der Zeitgeist ist über sie hinweggefegt.

In 130 Jahren wird sich niemand mehr für die Ergebnisse über Boomerang-Kids interessieren, denn dann werden Sozialforscher uns ganz andere Altersgruppenverhältnisse präsentieren. Und was sollen wir mit diesen Erkenntnissen überhaupt anfangen? Mehr als Gesprächsstoff auf Cocktail- oder anderen Partys liefern solche Ergebnisse kaum.

Dies gilt für genauso für die gerne verbreitete Sich von der angeblichen Bindungsschwäche als Ursache - früher des Alleinlebens - und nun in Krisenzeiten - des Nesthockertums. Wir werden seit Jahren mit Plattitüden über partnerlose Männer konfrontiert. Die Verbreitung von Partnerlosigkeit bei geringverdienenden bzw. arbeitslosen Männern ist kein neues Phänomen. Bei uns werden solche Männer gerne unter Rechtsextremismusverdacht gestellt (Frank SCHIRRMACHER), woanders zetteln sie Kriege an (Gunnar HEINSOHN) und sie treiben als Amokläufer ihr Unwesen.

Weil wir aber hier in der Lounge sind, findet PETERSDORFF am Ende noch die Wende zum Positiven: der Sozialpsychologe Jeffrey ARNETT sieht im Nesthockertum eine Win-Win-Situation für Eltern und Kinder.

 
       
   

LILL, Felix (2016): Abenomics bis zum Abwinken.
Wirtschaftspolitik auf Japanisch: Wahlgeschenke und billiges Geld statt höherer Steuereinnahmen und Jobförderung,
in:
Neues Deutschland v. 09.07.

Felix LILL berichtet über einen Ökonomen, der eine Schuldenkrise in Japan für das Jahr 2022 prognostiziert. Die Generation der Babyboomer werden als Kapitalmarkt-Problem beschrieben:

"In der Rente leben viele von ihren Ersparnissen, weshalb sie Staatsanleihen zu Geld machen. Stoßen aber viele diese gleichzeitig ab, dürfte der Preis fallen und dadurch die Zinsen steigen. Die Schuldentilgung würde dann teurer."

 
       
   

ANONYMA (2016): Aus den Angeln gehoben.
Der Sohn bricht den Kontakt zur Mutter ab. Sie verliert damit nicht nur ihn, sondern auch die gemeinsame Vergangenheit. Hier erzählt die Mutter ihre Geschichte,
in:
SZ-Magazin Nr.27 v. 08.07.

"Mein Sohn und ich sind nicht allein. Psychologen schätzen: Etwa eines von 25 erwachsenen Kindern bricht mit seinen Eltern. Rund 100.000 verstoßene Eltern sollen es in Deutschland sein. In den USA sind es mehr. Mit steigender Tendenz. Der Psychologe Joshua Coleman mit Praxis in San Francisco hat sich spezialisiert auf das Gebiet »Elterliche Entfremdung« (...). Er ist stellvertretender Vorsitzender des »Beirats zur zeitgemäßen Familienführung«",

erzählt uns die Mutter. In bevölkerungs- und familienpolitisch motivierten Artikeln wird uns gerne von Experten erklärt, dass die Beziehung zum Kind die letzte lebenslange Bindung in dieser Gesellschaft sei - offenbar ein Trugschluss, der nur selten überhaupt thematisiert wird. Ob das Phänomen jedoch zugenommen hat, wie hier behauptet wird und ob es tatsächlich ein Mittelschichtphänomen ist, das wird sich kaum überprüfen lassen. Möglicherweise wurde das Phänomen früher nur nicht so öffentlich diskutiert wie heutzutage. 

 
       
   

Das Positionspapier Gute und zukunftsfeste Renten solidarisch sichern! der parlamentarischen Linken in der SPD-Bundestagsfraktion in den Medien

DRIBBUSCH, Barbara (2016): Kleine Brötchen für Minirentner.
Alter: Der linke Flügel der SPD fordert, das Rentenniveau anzuheben, Arbeitsministerin Andrea Nahles will über Reformen sprechen, denkt aber eher an kleinere Schritte,
in:
TAZ v. 08.07.

Die taz kommt uns wie die FAZ nur mit Berechnungen des arbeitgebernahen IW Köln, wobei Barbara DRIBBUSCH von 52 Milliarden Euro Kosten im Jahr 2029 spricht, während uns Kerstin SCHWENN von jährlich 52 Milliarden Euro Kosten berichtet. Angesichts der Tatsache, das die Zahl der Rentner zunimmt, ist also eine der Zahlen auf alle Fälle falsch (mehr hier). Rainer WORATSCHKA wiederum nennt uns Zahlen für das Einfrieren auf dem Niveau von 47,7 Prozent:

"Schon das (...) würde, Berechnungen der gesetzlichen Rentenversicherung zufolge, rund 18 Milliarden verschlingen."

Die IW Köln-Zahlen von DRIBBUSCH und SCHWENN stammen dagegen von Jochen PIMPERTZ, der im Auftrag der neoliberalen INSM in einem Gutachten vom 17. Mai folgende Kosten veranschlagt hat:

"Bei einem Sicherungsniveau vor Steuern von dauerhaft 47,5 Prozent übertreffen die jährlichen Ausgaben die bislang von der Bundesregierung unterstellte Entwicklung im Jahr 2029 um 28 Milliarden Euro. Bei einem höheren Sicherungsniveau von 50 Prozent sind dann sogar 52 Milliarden Euro mehr zu schultern als ursprünglich erwartet."

PIMPERTZ entnimmt die Annahmen zur weiteren Entwicklung dem Rentenversicherungsbericht 2015 der Bundesregierung:

"Weil aber nicht die Diskussion unterschiedlicher Annahmen im Fokus der Untersuchung steht, sondern vielmehr die Abweichungen der Ausgabenentwicklung in den beiden Szenarien gegenüber dem Status quo, bedient sich die folgende Schätzung direkt der Berechnungen zur finanziellen Entwicklung im langfristigen Zeitraum 2015 bis 2029 im Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung (BMAS, 2015, 37 ff.). Dort sind die Ergebnisse für die Entwicklung der Ausgaben, der Einnahmen, des Sicherungsniveaus vor Steuern sowie des Beitragssatzes in der mittleren Variante beschrieben (zu den Annahmen siehe BMAS, 2015, 37 ff., 45 ff.)."

PIMPERTZ kommt aufgrund dieser Annahmen auf folgende Mehrausgaben zwischen 2015 und 2029:

Tabelle: Entwicklung der Rentenausgaben bei den Szenarien Status quo, Einfrieren des Rentenniveaus auf 47,5 % und Anhebung des Rentenniveaus auf 50 %
Jahr Ausgaben gemäß
RV 2015
(Status quo)
Ausgaben bei
Rentenniveau von 47,5 %
Ausgaben bei Anhebung auf 50 % Ausgaben-differenz bei Anhebung auf 50 %
2015 272 Mrd. € 272 Mrd. € 286 Mrd. € 14 Mrd. €
2016 283 Mrd. € 282 Mrd. € 296 Mrd. € 13 Mrd. €
2017 295 Mrd. € 292 Mrd. € 307 Mrd. € 12 Mrd. €
2018 304 Mrd. € 304 Mrd. € 319 Mrd. € 15 Mrd. €
2019 315 Mrd. € 314 Mrd. € 330 Mrd. € 15 Mrd. €
2020 326 Mrd. € 326 Mrd. € 342 Mrd. € 16 Mrd. €
2021 338 Mrd. € 338 Mrd. € 355 Mrd. € 17 Mrd. €
2022 351 Mrd. € 353 Mrd. € 370 Mrd. € 19 Mrd. €
2023 366 Mrd. € 370 Mrd. € 389 Mrd. € 23 Mrd. €
2024 380 Mrd. € 388 Mrd. € 408 Mrd. € 28 Mrd. €
2025 392 Mrd. € 404 Mrd. € 424 Mrd. € 32 Mrd. €
2026 405 Mrd. € 420 Mrd. € 441 Mrd. € 36 Mrd. €
2027 419 Mrd. € 438 Mrd. € 460 Mrd. € 41 Mrd. €
2028 434 Mrd. € 456 Mrd. € 479 Mrd. € 45 Mrd. €
2029 449 Mrd. € 477 Mrd. € 500 Mrd. € 51 Mrd. €
Quelle: Reform der Alterssicherung v. 17.05.2016, Abbildung 4-2, S.15

Von 52 Mrd. Euro Mehrausgaben im Jahr wie von SCHWENN behauptet, kann also keine Rede sein. Inwiefern die Annahmen des Rentenversicherungsberichts 2015 überhaupt realistisch sind, das wäre noch eine ganz andere Frage.

Von der taz hätte man sich eigentlich Zahlen gewünscht, die nicht der neoliberalen Unternehmenslobby entstammen, aber die Zeiten der Gegenöffentlichkeit sind eben längst vorbei und die taz gehört wie die FAZ zum neoliberalen Establishment in Deutschland  

WORATSCHKA, Rainer (2016): Die 50-Prozent-Rente.
Der linke SPD-Flügel fordert ein höheres Niveau bei den Altersbezügen, doch Nahles blockt ab,
in:
Tagesspiegel v. 08.07.

Der Artikel der Printausgabe ist gekürzt!

 
       
   

BALCEROWIAK, Rainer (2016): Auch wenn niemand verhungert...
Die Berliner Armutskonferenz der Sozialverbände ist ein Auftakt zum Wahlkampf,
in:
Neues Deutschland v. 08.07.

GERNHARDT, Grit (2016): Was ist Armut?
in: Neues Deutschland v. 08.07.

 
       
   

SCHWENN, Kerstin (2016): Steuerzahler müssen höhere Renten fürchten.
Die Arbeitsministerin geht an die Angleichung des Rentenrechts in Ost und West. Da drohen Milliarden kosten und Verlierer im Osten,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.07.

Kerstin SCHWENN berichtet über die Angleichung der Ostrenten ans Westniveau, die gemäß Rainer WORATSCHKA die Bildzeitung wieder ins Gespräch gebracht hat. SCHWENN geht näher auf den Vorschlag von Eckart BOMSDORF ein, der eine stufenweise Umstellung vorsieht. Dazu zitiert SCHWENN Meinungen von Axel REIMANN ("Präsident der Deutschen Rentenversicherung", der gegen eine Belastung der Beitragszahler ist, und Alexander GUNKEL ("Vorstandsvorsitzender der Rentenversicherung", der die Interessen der Unternehmer vertritt.

Im letzten Drittel des Artikels geht SCHWENN auf das Positionspapier der parlamentarischen Linken ein. Hinsichtlich der Kosten einer Anhebung des Niveaus der gesetzlichen Rente auf 50 Prozent lügt uns SCHWENN dreist an, indem sie die Kosten für das Jahr 2029 als jährliche Kosten deklariert, obwohl sie im Jahr 2015 nur 14 Mrd. Euro betragen würden und bis 2017 sogar auf 12 Mrd. Euro sinken würden. Erst dann steigen sie langsam an. Noch im Jahr 2023 liegen sie nur bei 23 Mrd. Euro.

Auch beim wissenschaftlichen Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium ist SCHWENN nicht auf der Höhe der Zeit, wenn sie uns Axel BÖRSCH-SUPAN als dessen Vorsitzenden präsentiert, statt Hans GERSBACH.

SCHWENN, Kerstin (2016): Renten-Hochseil.
Kommentar zur Ostrentenangleichung,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.07.

 
       
   

Das SOEP-Papier The joint distribution of net worth and pension wealth in Germany in den Medien

PENNEKAMP, Johannes (2016): Rentenansprüche verdoppeln das Vermögen.
DIW-Studie: Die Ungleichheit in Deutschland schrumpft, wenn Rentenanwartschaften einbezogen werden,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.07.

Ganz dreist werden nun unter der Regie des neoliberalen DIW-Präsidenten Marcel FRATZSCHER die Deutschen mit fiktivem Vermögen reich gerechnet. Nicht etwa Renten, sondern nur Anwartschaften - also Wetten auf die Zukunft - werden nun zum Vermögen dazu gezählt, um die soziale Ungleichheit in Deutschland geringer erscheinen zu lassen. Bis zum Renteneintritt ist ein solches Vermögen jedoch im Gegensatz zu Geld oder anderen Sachwerten nicht als Vermögen nutzbar. Man wird nicht lange darauf warten müssen bis diese Studie in Rentendebatten und Ungleichheitsdebatten gegen uns missbraucht wird. Die FAZ gibt uns heute schon einen Vorgeschmack darauf.

 
       
   

HEIDE, D./SPECHT, Frank/THELEN, Peter (2016): Jenseits der Schmerzgrenze.
Die Sozialbeiträge steigen bald wieder über die magische Schwelle von 40 Prozent. Gabriels wissenschaftlicher Beirat warnt nun die Regierung vor neuen Rentengeschenken, die die Kosten weiter in die Höhe treiben würden,
in:
Handelsblatt v. 08.07.

Auch das Handelsblatt zitiert nun die BDA-Berechnungen, die dreist die Sozialabgabenlast verzerrt wiedergeben. Wir erinnern, dass man vor zwei Jahrzehnten noch von Lohnnebenkosten sprach, denn damals wurden die Sozialabgaben noch paritätisch von Arbeitnehmern und Arbeitgebern getragen. Diese Zeiten sind lange vorbei, weshalb man eine neue Sprachregelung zur Verschleierung der Entsolidarisierung der Arbeitgeber gefunden hat: Sozialabgaben.

Nun präsentieren uns die Autoren einen "Brandbrief" des wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium, der uns suggerieren soll, dass es brennt, obwohl noch nicht einmal das Streichholz angezündet wurde, um im Bilde dieser unsinnigen Metapher zu bleiben. Heute findet ein erstes Treffen des Dialogs Alterssicherung statt, weswegen wir nun im Vorfeld dieses harmlosen Treffens hysterische Berichte geliefert bekommen als ob der Untergang des Abendlandes bzw. sein ökonomisches Pendant des Wirtschaftsstandorts Deutschland bevorstehe.

Eine ganze Liste von parteipolitischen Positionen in der Rentendebatte wird von HEIDE/SPECHT/THELEN abgearbeitet - schön von links nach rechts sortiert. Am Ende steht der adlige CDU-Ex-Unternehmer Christian von STETTEN ("Chef des Parlamentskreises Mittelstand der Union").

THELEN, Peter (2016): Nahles startet Rentenunion.
Rentenangleichung Ost,
in:
Handelsblatt v. 08.07.

Peter THELEN bestätigt Meldungen der Bildzeitung zur Angleichung der Ostrenten, wie Informationen aus Koalitionskreisen zu entnehmen sei. Näher wird auf den Vorschlag von Eckart BOMSDORF eingegangen, der im Ifo-Schnelldienst 10/2016 veröffentlicht wurde.  

 
       
   

LEITEL, Kerstin (2016): Wahnsinnspreise.
HB-Serie Trendviertel 2016 (5): Bayerns Landeshauptstadt München ist und bleibt der teuerste Wohnstandort Deutschlands. Der Neubau kann mit dem Zuzug nicht mithalten,
in:
Handelsblatt v. 08.07.

 
       
   

SIEMS, Dorothea (2016): Das Job-Wunder geht zu Ende.
Der deutsche Arbeitsmarkt schneidet im internationalen Vergleich hervorragend ab. Doch die OECD sieht ein Flüchtlingsproblem,
in:
Welt v. 08.07.

Der Welt kompakt-Artikel ist um die Ausführungen zur Qualität der Arbeitsplätze gekürzt.

 
       
   

PHAM, Khuê (2016): Der Nächste, bitte!
Zeit-Serie Die Zukunft der Liebe - Was wir wollen (1): Noch nie war es so leicht, einen neuen Partner kennenzulernen. Und trotzdem scheint es schwerer denn je, die Liebe zu finden. Liegt das an den unbegrenzten Möglichkeiten? Oder liegt es an uns?
in:
ZEITmagazin Nr.29 v. 08.07.

WEGNER, Jochen (2016): "Kaum etwas ist oberflächlicher als Online-Dating".
Zeit-Serie Die Zukunft der Liebe - Was wir wollen (1): Was lernt man über die Liebe, wenn man sehr viele Online-Daten auswertet? Ein Gespräch mit Christian Rudder, der eine Dating-Website gegründet und über seine Erkenntnisse ein Buch geschrieben hat,
in:
ZEITmagazin Nr.29 v. 08.07.

 
       
 

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Zu den News vom 01. - 07. Juli 2016
 

   
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