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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
       
     
       
   
 
       
   

News vom 16. bis 31. Mai 2001

 
       
     
       
     
     
   
  • FTD-Serie: "Die Minus-Gesellschaft" (4)

    • HECKEL, Margaret & Cordula TUTT (2001): Glückspilze gegen den Kummer.
      FTD-Serie (4): Wir leben länger - Doch die Krankenkassen werden künftig viele Kosten nicht mehr übernehmen,
      in: Financial Times Deutschland v. 31.05.

 
   
  • KUHLBRODT, Detlef (2001): Das Genre der Nichtdabeigewesenen.
    68er im Wartestand (Teil II): Helden als Hohlformen, die man mit dem eigenen Lebensgefühl ausfüllte oder Wie wir als Teenies Jack Kerouac und Sartre nachspielten,
    in: TAZ v. 30.05.

Detlef KUHLBRODT beschreibt die Zuspätgekommenen, die "Zaungäste" (Reinhard MOHR) bzw. die 78er-Generation für die 68 alles war,

"was toll und anders schien, als das Leben um einen herum, aber eben nicht mehr da. Es gab zwar auch Reste von 68 in der norddeutschen Kleinstadt, in der ich aufwuchs (...), doch das waren nur die Reste eines Festes, zu dem man leider zu spät gekommen war, und weil man als 60er-Jahre-Jahrgang zu spät gekommen war, spielte man eben alles nach.
          
 Das bot sich an. Die Vorlagen für ein Nachspielen, die Bücher aus der großen Zeit waren ja erst in den Siebzigern erschienen und interessierten einen mehr, als etwa die 68er Lehrer, die so allmählich eintrudelten: Vespers Romanfragment »Die Reise« (77), Uwe Timms »Heißer Sommer« (75), die gesammelten »Kursbücher« von 66-70, Bommi Baumanns »Wie alles anfing«; auch die Werke der Beatgeneration, die man irgendwie auch zu 68 zählte, erschienen hier größtenteils erst in den 70er-Jahren.
Das ging vielleicht zwei Jahre, in denen wir als Teenager auf der Suche nach der verlorenen Zeit die Kerouac-Bücher nachspielten, mit »On the road« im Gepäck durch die Gegend trampten, vor allem Musik aus den 60ern hörten. Einmal fuhr ich sogar nach Hamburg und suchte lange nach einer 68er-Kneipe, die Uwe Timm in seinem Buch erwähnt hatte. Die Helden, die man hatte, waren keine Idole, sondern eher Hohlformen, die man mit seinem Lebensgefühl auszufüllen versuchte."

Der erste "78er" war Jochen SCHIMMANG, der in seinem Debütroman Der schöne Vogel Phönix bereits 1979 die Suche nach der verlorenen Zeit beschrieb. Ein Single-Roman aus den 1970ern, der von einer "Wahlfamilie" namens K-Gruppe, Fernliebe, serieller Monogamie und dem Altern von Hoffnungen handelt.

 
   
  • FTD-Serie: "Die Minus-Gesellschaft" (3)

    • HECKEL, Margaret & Tina STADLMAYER (2001): Migranten gegen das Minus.
      FTD-Serie (3): Zuwanderung bremst den Rückgang der Erwerbstätigen - Doch wenige wollen nach Deutschland,
      in: Financial Times Deutschland v. 30.05.

 
   
  • Das Single-Dasein in Frankreich

    • ZITZMANN, Marc (2001): Spinner, Spanner, Spontis.
      Die dritte Ausgabe von ArchiLab in Orléans,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 30.05.

Wer bei der Trauung gleich die Scheidung mitdenkt, dem steht nun eine neue "risikominimierende Strategie" (Elisabeth BECK-GERNSHEIM) zur Verfügung. Nach ZITZMANN wird im Muster-Familienland Frankreich jede zweite Ehe geschieden. Von daher ist eine Entwicklung wie das «Maison du divorce» nur konsequent:

"die eine Hälfte (lässt) sich abkoppeln und in sichere Distanz zur anderen bringen (...); die Verbindung mit einem neuen Hauspartner samt dazugehörigem Partnerhaus ist vorgesehen, ja erwünscht."

 
     
   
  • BROCK, Heiner (2001): Das geht richtig ins Geld.
    Warum dürfen die Kosten für erwerbsbedingte Kinderbetreuung nicht von der Steuer abgesetzt werden? Ohne Betreuung könnten viele Eltern gar nicht berufstätig sein. Ein Musterprozess bahnt sich an,
    in: Hamburger Abendblatt v. 29.05.

 
   
  • FTD-Serie: "Die Minus-Gesellschaft" (2)

    • HECKEL, Margaret/TUTT, Cordula/KNUST, Cornelia (2001): Kinder haben, Karriere machen.
      FTD-Serie (2): Familienpolitik gegen das Schrumpfen - Was Deutschland von seinen Nachbarn lernen kann,
      in: Financial Times Deutschland v. 29.05.

 
   
  • FTD-Serie: "Die Minus-Gesellschaft" (1)

    • FRICKE, Thomas/HECKEL, Margaret/TUTT, Cordula (2001): Die Krise hat begonnen.
      FTD-Serie (1): Immer weniger, immer älter - Was die Geburtenflaute für Deutschland bedeutet,
      in: Financial Times Deutschland v. 28.05.

 
   
SPIEGEL -Titelgeschichte: Süßer Horror Pubertät.
Die Entmachtung der Eltern
  • FESTENBURG, Nikolaus von/GATTERBURG, Angela/KNÖFEL, Ulrike/STEINBACH, Anna (2001): Narziss und Schmollmund.
    Pflichtbewusstsein, Anstand, Benehmen - die Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf fordert unter dem Beifall vieler Bürger die Eltern zu mehr Strenge gegenüber ihren Kindern auf. Doch was helfen konservative Erziehungsmethoden gegen die Gefährdungen in der Pubertät heute?,
    in: Spiegel Nr.22 v. 28.05.

In der gegenwärtigen Erziehungsdebatte werden die typischen Themen der 1950er Jahre aufgegriffen. Wie damals wird den Gleichaltrigengruppen, den Medien und dem Konsum ein negativer Einfluss zugeschrieben:

"Auch beobachten Experten einen viel größeren Konformitätsdruck als früher: Die Bereitschaft, jemanden auszugrenzen, weil er die falschen Schuhe, das falsche Handy, den falschen Haarschnitt hat, ist groß.
Was falsch und richtig ist, bestimmt die Clique, und die Wahrheit der Clique ist häufig die Wahrheit, die die Medien proklamieren."

Die Autoren behaupten, dass die Macht von Cliquen an die Stelle von literarischen Gegenwelten getreten sei. Diese Aussage gilt sicherlich nicht für die Nachkriegszeit. Die zitierten literarischen Figuren "Madame Bovary", "Tonio Kröger" und "Törless" haben ihre Verbreitung erst durch die Bildungsexpansion in den 1960er Jahren gefunden und mussten damals bereits mit Radio und TV konkurrieren. Der Nachweis, dass heute der Konformitätsdruck stärker sei als früher, dürfte ebenfalls schwer fallen.

 
     
   
Louis MENAND argumentiert mit Francis FUKUYAMAs The Great Disruption von 1999 und Paul BERMANs A Tale of Two Utopias gegen Bruce J. SCHULMAN und David FRUM. Letztere wollen den Generationen (Generation X usw.), die nach den 68ern ("Baby Boomer") kamen und in den 1970ern ihre Prägung erhalten haben, eine Stimme geben. Auf Deutschland bezogen geht es also um die Generation Golf oder die 78er:

"Seventies people think that changes in style and taste are where meaning is really lodged. They are the last people in America to believe that keeping up with popular culture is an intellectual duty."

Der 70er Jahre (Irr-)glaube besteht für MENAND darin, dass persönliche Lieblingssongs als Schlüssel zur nationalen Psyche angesehen werden. Oder allgemeiner: der (BoBo- oder Feministischen) Konsumkultur wird eine Prägekraft zugeschrieben, die sie gar nicht besitzt. MENAND kritisiert den kompensatorischen Charakter der gegenwärtigen Konsumkultur:

"Does the fact that we now have a choice among thirteen kinds of designer coffee mean that there is more real choice in American life, or less? Do people spend three dollars for a cup of coffee because they feel they can afford anything they want, or because they feel they can't, and overpaying for coffee helps them compensate for the fact?"

 
   
  • ZSOLNAY, Robert (2001): Ein Haus zum Wohlfühlen.
    45 Menschen haben eine Genossenschaft gegründet und einen Altbau zu einem Familienidyll umgebaut,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 28.05.

Robert ZSOLNAY berichtet über ein Münchner Wohnprojekt: "Eltern der Kinder in der Haidhauser Metzstraße haben sich unter dem Dach der »Genossenschaft für selbstverwaltetes, soziales und ökologisches Wohnen« zusammengetan, um sich ein Zuhause nach ihren Vorstellungen zu ermöglichen. Ziel der Genossenschaft ist es unter anderem, unterschiedliche Haushalts- und Lebensformen zu vereinen. Zwei der Kinder in der Metzstraße 31 sind behindert, und in einer der Wohnungen hat ein ehemaliger Obdachloser wieder Fuß gefasst.
            Die 45 Erwachsenen, darunter auch Alleinerziehende und Singles, sind Genossen und damit Mieter und Vermieter zugleich."
 
     
   
  • NEWSWEEK-Titelgeschichte: Family's New Faces

    • KANTROWITZ, Barbara & Pat WINGERT (2001): Unmarried, With Children.
      Today's single mothers may be divorced or never-wed, rich or poor, living with men or on their own. But with traditional households in decline, they're the new faces of Armerica's family album,
      in: Newsweek v. 27.05.

    • SPRINGEN, Karen (2001): Is It Healthy For the Kids?
      Unconventional families can give children the love, stability and support they need - but it's much tougher,
      in: Newsweek v. 27.05.

    • QUAYLE, Dan (2001): Why I Think I'm Still Right.
      Since the flap over "Murphy Brown," American families have come under even more pressure,
      in: Newsweek v. 27.05.

 
   
  • ORG, Luci van (2001): Tanztrieb.
    Erst abchecken, dann anmachen und zum Schluss abschleppen: Mittwochnacht tummeln sich im "Far Out" die Singles ab 30,
    in: Berliner Illustrierte Zeitung. Beilage der Berliner Morgenpost v. 27.05.

Ein typischer Single-Bericht für die Familien der Neuen Mitte. Denken Sie gerade an Scheidung? Dann machen Sie es wie VAN ORG. Gehen Sie in die Disco und schauen sich die Swinging Singles an, danach sind Sie wieder mit ihrem Ehepartner zufrieden und denken bis zur nächsten Woche nicht mehr an Scheidung.

Es gibt nur ein Problem: Die Dosis an Single-Elend muss von Mal zu Mal höher dosiert werden, um den Ehepartner weiter ertragen zu können oder es kommt noch schlimmer: Sie finden die große Liebe!

Dies ist einer der Gründe, warum die Kontroverse "Familien contra Singles" so emotional geführt wird...

 
   
  • Das Single-Dasein in der Schweiz

    • KNEUBÜHLER, Andreas (2001): Schweiz wird immer verstockter,
      Stockwerkeigentum ist die Zukunft - vor Problemen gefeit ist man damit aber nicht,
      in: Sonntagszeitung v. 27.05.

Andreas KNEUBÜHLER berichtet über die Nachfrage nach städtischen Eigentumswohnungen:

"Neben Ehepaaren, deren Kinder bereits aus dem Haus sind, gibt es (...) einen weiteren, eher neuen Kundenkreis für diese Wohnform: gut verdienende Singles, die auf dem Markt keine geeignete Mietwohnung finden, aber genügend Geld für eine trendige Loft- oder Maisonette-Wohnung zur Verfügung haben. Gemeinsam ist beiden Gruppen, dass sich ihr Interesse auf die Angebote in den Städten konzentriert. Und dass sie beispielsweise in der Stadt Zürich kaum noch geeignete Objekte finden."

 
   
  • SUTER, Martin (2001): "Sich entspannen und Spass haben können Bobos nicht".
    David Brooks über positive Eigenschaften und die Schwachpunkte der Bobos,
    in: Sonntagszeitung v. 27.05.

 
   
  • PESCHEL-GUTZEIT (2001): Kinder sind ein Signal.
    Das Thema Familie zählt zurzeit zu den beliebtesten bei Politikern aller Parteien. Doch nur wenige zeigen sich in der Öffentlichkeit mit ihren Kindern oder Ehefrauen. Dies hat womöglich eine fatale Vorbildwirkung, meint Hamburgs Justizsenatorin,
    in: Welt am Sonntag v. 27.05.

"Leben wir Politiker und Politikerinnen in der Öffentlichkeit nicht so, als wären wir kinderlos? Und wenn das so ist, was ist der Grund? Nun, was mich selbst angeht, so haben meine drei Kinder mich, als ich in die Politik berufen wurde, eindringlich gebeten, sie nicht in der Öffentlichkeit »vorzuführen«. Sie wollen ihr eigenes Leben führen",

gesteht Frau PESCHEL-GUTZEIT, um danach zur Aufgabe der Medien zu kommen:

"Politiker, die ihre Kinder sichtbar machen und auf sie Rücksicht nehmen, zu unterstützen und nicht publizistisch abwerten. Sonst könnte nämlich bei jüngeren Menschen der Eindruck entstehen, dass nur Kinderlosigkeit eine Karriere verheißt."

Da fragt mach sich eher: Ist es nicht so, dass das Kinderhaben vom Statistischen Bundesamt weggerechnet wird? Eltern sind überwiegend statistisch unsichtbar und die Medien haben dies durch ihre Berichterstattung noch verstärkt. Von einer "bedrohlichen Kinderlosigkeit" kann nicht gesprochen werden, wenn heute in Deutschland wesentlich mehr Kinder geboren werden als 1978.

Wenn es ein Problem gibt, dann vor allem deshalb, weil nach einem außergewöhnlichen Baby-Boom wieder typische Kohorten folgen und es in den neuen Bundesländern einen wiedervereinigungsbedingten Geburtenausfall gab.

Die hohe lebenslange Kinderlosigkeit trifft vor allem die bildungsabhängigen Mittelschichtfrauen. In der zukünftigen Wissensgesellschaft ist die Bildungsabhängigkeit jedoch noch größer, d.h. wer das Problem im Vorbildcharakter (siehe hierzu auch das Welt-Interview mit dem Parteivorsitzenden der Grünen Fritz KUHN) und nicht in den Strukturen unserer Gesellschaft selbst sieht, der wird an der zukünftigen Geburtenentwicklung nichts ändern.

Aber vielleicht gibt es ja demnächst neue Kinderstars. So wie man heutzutage Gesellschafter mieten kann, werden sich Kinder demnächst ihr Taschengeld als Vorzeigekinder von Politikern verdienen können, wenn deren eigene Kinder keinen Bock auf diesen Job haben oder gerade durch Schulaufgaben behindert sind.

 
   
  • Das Single-Dasein in der Schweiz

    • SCHMID, Peter A. (2001): Auswege aus der allgemeinen Verunsicherung.
      Sozialpolitik ist die beste Sicherheitspolitik
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 26.05.

    • HUSI, Gregor (2001): "Sicher ist, dass nichts mehr sicher ist".
      Versuch über die verschiedenen Gesichter der Unsicherheit,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 26.05.

 
   
  • WAGNER, Susanne (2001): Friedenskuss, Bruderkuss, Freundschaftskuss, Elternkuss und erotischer Kuss,
    Von sozialen, zensurierten und unsichtbaren Küssen,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 26.05.

 
   
  • RATH, Christian (2001): "Wahlfreiheit für Eltern".
    Die Pflegeversicherung muss so umgestaltet werden, dass Kinderlose höhere Beiträge zahlen als Eltern. Das hat das Bundesverfassungsgericht im April entschieden. Doch finanzielle Vergünstigungen sind nur ein kleiner Teil familienfreundlicher Politik, sagt Renate Jaeger, Richterin im Ersten Senat,
    in: TAZ v. 26.05.

 
     
   
  • KLUGE, Jürgen (2001): Mehr Flexibilität für Kinder!
    in: Welt v. 26.05.

 
   
  • Das Single-Dasein in den USA

    • MÜLLER-ULLRICH, Burkhard (2001): Eine Großstadt taucht auf.
      Plötzlich hat New York fast eine Million Einwohner mehr: Die überraschenden Ergebnisse der jüngsten Volkszählung in den USA,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 26.05.

 
   
  • RITZER, Uwe (2001): Eine etwas andere deutsche Familie.
    Zwölf Kinder sind ihr Lebensinhalt. Die Schmids ärgern sich nur, wenn sie wegen ihres Kinderreichtums als "asozial" angesehen werden,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 26.05.

 
   
  • CLAUDI, Ulrike (2001): Der Zweikampf der Nomaden.
    Wüste oder Wohnwagen: Wie man sich dem Ideal des total mobilen Lebens annähert,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 26.05.

 
     
   
  • Sind wir auf dem Weg zur "Single-Gesellschaft"?

    • KNEISEL, Christiane (2001): Gefangen zwischen Leidenschaft und langer Weile.
      Wie leben Paare heute? Wie haben sich Beziehungen an der Schwelle zum 21. Jahrhundert gewandelt? Mit "Wahlverwandtschaften - Beziehungen heute" beschäftigte sich ein Symposium in Weimar, zu dem kürzlich der Arbeitskreis "Zweite Moderne" vom Freundeskreis Weimar 99 eingeladen hatte. Zu Gast war auch der Soziologe, Familienforscher und Familientherapeut Prof. Dr. Bruno Hildenbrand. Er sprach über das Verhältnis von Tradition und Wandel in Paarbeziehungen,
      in: Ostthüringer Zeitung v. 25.05.

Der Soziologe Bruno HILDENBRAND rückt einige der typischen Missverständnisse unserer angeblichen "Single-Gesellschaft" zurecht:

"Traditionelle Verpflichtungen zwischen den Generationen sind in der Stadt noch stärker als auf dem Land verankert (...). Über die Hälfte der Kinder hierzulande lebt in knapper Entfernung zu den Großeltern (...). Vielfach wird heute die multilokale Mehrgenerationenfamilie bevorzugt. Die Generationen verteilen sich auf mehrere Wohnungen, bilden eine Intimität auf Distanz."

Die Zunahme der Singles ist für HILDENBRAND das Ergebnis eines veränderten Lebenslaufregimes:

Singles "gibt es deshalb, weil die Phasen des Nicht-Paarförmig-Zusammenlebens auf den gesamten Lebenszyklus gerechnet, länger geworden sind. Früher lag das durchschnittliche Heiratsalter in der Arbeiterfamilie bei 21 bis 23 Jahren, bei Mittel- und Oberschicht bei 25, 26. Das alles hat sich um drei bis vier Jahre nach hinten verlagert, was die Singlephase verlängert. Hinzu kommt: Die Ausbildung ist länger. Die Zeiten mit Kindern im Haus haben sich verlängert - besonders Söhne schätzen das »Hotel Mama«.

Und durch die Entkoppelung von Nachwuchs zeugen und Erotik betreiben, wird Partnerschaft mehr ausprobiert. Aber auf den gesamten Lebenszyklus berechnet, heiraten immer noch 80 Prozent."

 
     
     
   
"In einer auf Flexibilität und Selbstverwirklichung angelegten Zeit stellt die Entscheidung für ein Kind eine langfristige Festlegung dar, die für Frauen mit erheblichen beruflichen Risiken verbunden ist. Besonders gut ausgebildete Frauen wollen sich diesem Risiko oft nicht aussetzen, weshalb der Prozentsatz der Frauen, die innerhalb eines Jahrganges kinderlos bleiben, in nur acht Jahren von 15 Prozent (Geburtsjahrgang 1950) auf 23 Prozent (Geburtsjahrgang 1958) empor geschnellt ist",

schreibt Frank-Walter STEINMEIER. Dies ist nicht erstaunlich, aber es hat weniger mit der viel beschworenen Selbstverwirklichung zu tun, sondern mit der Tatsache, dass Mitte der 1970er Jahre die Vollbeschäftigungsgesellschaft ihr Ende fand. Jugend- und Akademikerarbeitslosigkeit wurden zu den Schlagworten jener Zeit und das "Ende der Arbeit" wurde debattiert.

Die Ausnahme war der Baby-Boom der Wirtschaftswunderzeit und nicht der "Geburtenrückgang", den STEINMEIER nicht als Rückgang der Kinderzahl pro Frau, sondern als Rückgang der Frauen, die überhaupt Kinder gebären, beschreibt. STEINMEIER suggeriert damit aber auch, dass sich dieser Rückgang im gleichen Masse fortsetzen wird. Dies ist jedoch fraglich.

 
   
  • PÖTTER, Bernhard (2001): Das Trotzdem-Prinzip.
    Kinder machen arm - aber ein VW Golf auch. Extremsport ist normal - dafür gelten inzwischen Eltern als extrem,
    in: TAZ v. 22.05.

 
   
  • HÜLSMEIER, Christian (2001): Familienpolitik.
    Kindgerechte Arbeitswelt als Zukunftsvorsorge,
    in: Hintergrund Politik. Sendung des DeutschlandRadio v. 22.05.

"Schon heute sind Familien nur noch eine gesellschaftliche Minderheit. Lediglich in einem Drittel aller Haushalte leben Eltern und Kinder. Die übrigen beiden Drittel bilden Single-Haushalte und Paare ohne Kinder".

Was Christian HÜLSMEIER mit solch einem Satzungetüm sagen möchte? Ein Tipp: Wenn jede Familie einem Single und einem Paar Asyl gibt, dann ist die Haushaltswelt wieder in Ordnung. Dann gibt es nur noch Haushalte mit Kindern, aber was hat das mit Minoritäten oder der Geburtenentwicklung zu tun?

 
   
  • Neue SZ-Serie: Die Situation der Familien in der Großstadt

    • BERTH, Felix & Monika MAIER-ALBANG (2001): Der Münchner Alltag - kein Kinderspiel.
      Zu wenige Krippen und Kindergärten, aber viele Kulturangebote: Frust und Freude der Eltern,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 22.05.

 
     
   
  • NOLTE, Dorothee (2001): Kinder, Küche, Karriereknick.
    Die "Ego-Gesellschaft" will keine Kinder, sondern Freiheit und Konsum. Das hört man allerorten. Aber es stimmt nicht. Viele Frauen wollen Kinder - und haben Angst davor. Mit guten Gründen. Denn Mutter zu sein heißt oft, auf gute Jobs zu verzichten,
    in: Tagesspiegel v. 19.05.

"Das Dümmste wäre es, jetzt einen Verteilungskampf zwischen Kinderlosen und Eltern zu inszenieren. Im Gegenteil: Die Kluft zwischen beiden in der Alltagswelt müsste kleiner werden. Warum nicht die Kinderlosen, wenn sie es denn wollen, am Leben mit Kindern teilhaben lassen, so wie es in traditionellen Gesellschaften ganz natürlich der Fall ist? Warum gibt es keine Kultur der (nicht-leiblichen) Onkels und Tanten? Warum begegnen Eltern Kinderlosen oft mit dem unausgesprochenen Misstrauen, sie machten eh alles falsch? Warum fühlen sich Kinderlose Kindern gegenüber oft unsicher, weil scheinbar naturhaft defizitär? Kinder gehören nicht ihren Eltern allein, und Eltern und Kinderlose sind sich ähnlicher, als man denkt. Berufstätige Mütter mit späten Kindern wissen das vielleicht am besten. Schließlich sind wir selbst lange genug kinderlos gewesen", meint Dorothee NOLTE.
  • HUGUES, Pascale (2001): Mütter.
    Sonderfall Deutschland,
    in: Tagesspiegel v. 19.05.

 
   
  • OESTREICH, Heide (2001): "Uns gehen die Arbeitskräfte aus".
    Seit Donnerstag ist der Weg für ein höheres Kindergeld frei. Eltern mit Kinder sollen monatlich 300 Mark erhalten. Mehr Kindergeld ist fein, wird die Lust auf mehr Kinder aber kaum steigern, vermutet Familienforscher Wassilios Fthenakis,
    in: TAZ v. 19.05.

 
   
Götz EISENBERG sieht Deutschland auf dem Weg in die Therapiegesellschaft. Der "Partner-Check-up" von Pro Familia in Fulda ist dafür ein Beispiel. Die HOUELLEBECQschen Elementarteilchen spielen dabei eine tragende Rolle...
 
     
   
  • LEICHT, Robert (2001): Und das Wohl der Kinder?
    Die Debatte krankt daran, dass die Eltern-Interessen im Mittelpunkt stehen,
    in: Tagesspiegel v. 18.05.

Es sollte misstrauisch machen, wenn jemand seine Meinung hinter dem "Kindeswohl" verstecken muss. Dann doch lieber gleich: "Kinder an die Macht!"

Ein Buch, in dem Kinder selbst zu Wort kommen und nicht nur Anwälte von Kindern:

DEMIRKAN, Renan (HG.)(2001): Der Mond, der Kühlschrank und ich.
Heimkinder erzählen, Köln: Kiepenheuer & Witsch

Heimkinder und das Versagen der Zivilgesellschaft
 
   
  • GEHRMANN, Wolfgang (2001): Schon 51? Ab in den Garten!
    Der Energiekonzern RWE verjüngt seine Belegschaft - auf Kosten der Sozialkassen. Die Arbeitsämter wollen nicht länger mitspielen, die Frührentner könnten die Dummen sein,
    in: Die ZEIT Nr.21 v. 17.05.

Die Ökonomen - jene, die NICHT in der Wirtschaft arbeiten, sondern am Theoriegebäude stricken - haben ein Patentrezept für die Lösung der gestiegenen Lebenserwartung: Die Erhöhung der Lebensarbeitszeit. Die Ökonomen, die in der Wirtschaft arbeiten, sehen das jedoch ganz anders.

Die Österreicher sind da schon weiter: sie wollen ihre Alten gleich ins Ausland exportieren: "Inländer raus!" heißt die Devise. Weitergedacht: Nicht mehr Abfindungen für Arbeitnehmer, sondern Abfindungen für Rentner!

Wer freiwillig seinen Lebensabend im Ausland verbringt und seinen deutschen Wohnsitz aufgibt, der tut schließlich etwas für die Bevölkerungsentwicklung. Die rohe Geburtenziffer könnte so elegant  erhöht werden und wir ständen im internationalen Vergleich besser da.

Noch billiger: Bevor der Tod eintritt, wird der Wohnsitz ins Ausland verlegt. Wo niemand mehr stirbt, gibt es schließlich kein Geburtendefizit! Unsere Politiker sind einfach nicht findig genug, obwohl sie ja bei der Änderung der Arbeitslosenstatistik schon auf dem richtigen Weg sind...

 
   
  • AFHELDT, Heik (2001): 65 Millionen reichen auch.
    Besser leben in Schrumpfgermanien? Wenn die Einwohnerzahl zurückgeht, ist das keine Katastrophe,
    in: Die ZEIT Nr.21 v. 17.05.

Die Rentenreform ist beschlossen, jetzt dürfen auch die Kritiker der Rhetorik des Aussterbens wieder etwas sagen:

"Man kann hoffen, die Bevölkerungsprognostiker hätten sich - wieder einmal - kräftig geirrt. So wie der Ökonom Malthus, der seinerzeit eine säkulare Hungersnot als Folge der schnell wachsenden Erdbevölkerung vorausgesagt hat. Oder wie eine Vorhersage der sonst so treffsicheren Prognos AG: Dort prophezeite man 1976, die Bevölkerung in der Westrepublik werde 1990 um mehr als 5,2 Millionen kleiner sein und dann nur noch knapp 57 Millionen Köpfe zählen. Vor allem die Zahl der Ausländer werde in dieser Zeit von 4,1 auf 2,6 Millionen zurückgehen. Und damit auch die Zahl der Arbeitslosen. Aber dann waren es 1990 fast 5,4 Millionen Ausländer und insgesamt 63 Millionen Menschen in Westdeutschland".

Heik AFHELDT beschuldigt die Bevölkerungsprognostiker zu Unrecht! Sie können gar nicht irren, sie können höchstens von falschen Prämissen ausgehen. Und Herwig BIRG bekennt offen im Spiegel Online-Interview vom 26.01.2001:

"Könnte auch Ihre Studie irren?
      Birg: Die irrt mit Sicherheit in dem Sinne, dass sie nie genau ins Schwarze treffen kann. Das ist aber auch gar nicht der Anspruch. Diese Prognosen sollen ja gar nicht eintreffen."

 
   
  • JÄHNER, Harald (2001): Alte Kids und neue Kinder,
    in: Berliner Zeitung v. 17.05.

 
     
     
     
     
       
       
   

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Zu den News vom 01. bis 15. Mai 2001

 
       
   
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