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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 07. - 11. Mai 2016

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Die Zuwanderung macht viele Prognosen zum demografischen Wandel obsolet

"Zu erwarten ist, dass jährlich bis zu einer Million oder sogar noch mehr Flüchtlinge kommen. (...) Sie werden das Schrumpfen der Bevölkerung für lange Zeit verhindern und später verzögern. Damit aber werden viele Prognosen zum demografischen Wandel - insbesondere die Schrumpfungsszenarien - schlicht Makulatur werden."
(Thomas Straubhaar "Der Untergang ist abgesagt",, 2016, S.16)

 
       
       
   

JAEGER, Mona (2016): Paare trennen sich, Eltern nicht.
Benachteiligt das deutsche Recht nach der Scheidung die Väter?
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.05.

Mona JAEGER hat Argumente für das Wechselmodell - im Gegensatz zum gegenwärtig geltenden Residenzmodell - gesammelt. Sie zitiert Befürworter wie Rainer SUCHAN (Verein "Manndat"), Hildegard SÜNDERHAUF, eine Professorin für Familienrecht in Nürnberg und Josef LINSLER (Interessenverband "Unterhalt und Familienrecht). Hinsichtlich der Parteien scheint es lediglich in der FDP Befürworter zu geben, während der SPD Skepsis gegenüber dem Wechselmodell zugeschrieben wird.

 
       
   

FRÜHAUF, Markus (2016): IWF besorgt über deutsche Banken und Versicherer.
Niedrige Zinsen belasten immer mehr,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.05.

Markus FRÜHAUF beschreibt die Sicht des IWF, der eine Neuausrichtung der Geschäftsmodelle bei den Versicherungen fordert. Lebensversicherungen ohne Garantien werden als neue Produkte zu mehr Profitabilität gesehen.

 
       
   

MUßLER, Hanno (2016): Finanzaufsicht sieht Betriebsrenten in Gefahr.
Wegen der niedrigen Zinsen fehlen Einnahmen. Pensionskassen leeren sich. Schutzmechanismen könnten bald getestet werden. Auch Banken brauchen mehr Kapital, um die Zinsrisiken zu tragen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.05.

Hanno MUßLER berichtet über die Jahrespressekonferenz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).

"Von 550 Milliarden Euro Vermögen in der betrieblichen Altersvorsorge werden 135 Milliarden Euro durch Pensionskassen und 30 Milliarden Euro durch Pensionsfonds gedeckt. Diese beiden von insgesamt fünf möglichen Wegen betrieblicher Altersvorsorge stehen unter Bafin-Kontrolle",

erklärt uns MUßLER. Während in den Niederländen bereits Betriebsrenten hätten gekürzt werden müssen, sei das in Deutschland noch nicht der Fall gewesen. In Zukunft wäre dies jedoch möglich, wenn alle Schutzmechanismen versagen.

KUNZ, Anne (2016): Pensionskassen in Bedrängnis.
Finanzaufsicht schlägt Alarm: Niedrigzinsen könnten zu Leistungskürzungen führen,
in:
Welt v. 11.05.

Anne KUNZ verschweigt uns - im Gegensatz zu MUßLER, dass nur ein kleiner Teil der Betriebsrenten überhaupt von der Bafin kontrolliert wird. Im Vordergrund stehen hier die Pensionsverpflichtungen deutscher Dax-Unternehmen.

Bei einer Insolvenz springt der Pensionssicherungsverein (PSV) ein, erklärt uns KUNZ, die als Beispiel den Strumpfhersteller Kunert nennt. Dies gelte jedoch nur für Pensionsfonds erklärt uns Friederike KRIEGER. KUNZ beschreibt dagegen das Prinzip bei Pensionskassen:

"Für wankende Pensionskassen, die als Aktiengesellschaft organisiert sind, springt in der Regel Protektor ein. Eine von der Versicherungsbranche ins Leben gerufene und finanzierte Auffanggesellschaft, die bereits die Verträge der 2003 zusammengebrochenen Mannheimer Leben übernommen hat."

Warum verschweigt uns KUNZ, dass es - im Gegensatz zu Deutschland - in den Niederlanden bereits zu Kürzungen von Betriebsrenten gekommen ist? Stattdessen geht KUNZ auf die geplante Reform der Betriebsrenten ein:

"Trotz der großen Schwierigkeiten der Pensionskassen will die Politik die Betriebsrente fördern und plant, einen neuen staatlichen Zuschuss für Geringverdiener einzuführen."

Jedoch nicht nur die Politik, sondern auch die Unternehmen sind an Betriebsrenten interessiert:

"Die Verantwortlichen sind sich zwar bewusst, dass in den kommenden Jahren möglicherweise noch höhere Kosten auf sie als Arbeitgeber zukommen. Doch sie wissen auch, dass für viele wichtige Angestellte eine betriebliche Altersvorsorge ein wichtiges Auswahlkriterium ist.
Die hohen Belastungen werden im Kampf um Mitarbeiter in Kauf genommen."

KRIEGER, Friederike (2016): Unter verschärfter Beobachtung.
Die Pensionskassen leiden unter den niedrigen Zinsen. Das sorgt die Bafin,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 11.05.

"Von den rund 140 Pensionskassen unter Bundesaufsicht befänden sich aktuell mehr als eine Handvoll (...) unter verschärfter Beobachtung. Während die Bafin den 84 von ihr überwachten Lebensversicherern kurz- bis mittelfristig »ausreichend Stehvermögen« bescheinigt",

lässt uns Friederike KRIEGER wissen.

OBERTREIS, Rolf (2016): In Manndeckung.
Bafin sorgt sich um die Pensionskassen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 11.05.

Rolf OBERTREIS erwähnt vor allem kleinere Pensionskassen als Problem.

OBERTREIS, Rolf (2016): Die Bafin schaut noch genauer hin.
"Manndeckung": Finanzaufsicht will künftig stärker unter die Lupe nehmen,
in:
Tagesspiegel v. 11.05.

Im Gegensatz zum fast gleich lautenden Artikel in der FR wird hier erwähnt, dass die Arbeitgeber, zur Finanzierung der Pensionskassen nicht rechtlich verpflichtet sind.

 
       
   

JAHBERG, Heike (2016): In Berlin ist der Frust am größten.
Der neue Axa-Deutschland-Report zeigt: Berliner wollen nicht mehr sparen,
in:
Tagesspiegel v. 11.05.

 
       
   

WAGNER, Gert G. (2016): Die Legende vom Prekariat.
Entgegen landläufiger Meinung sind reguläre Arbeitsverhältnisse auch heute noch für die große Mehrheit der Normalfall,
in:
Frankfurter Rundschau v. 11.05.

Gert G. WAGNER darf nun auch in der FR seinen Angriff auf den Popanz "Risikogesellschaft" starten. WAGNER widmet sich insbesondere den Solo-Selbständigen, die in der Rentendebatte als Risikogruppe beschrieben werden und für die deshalb neue Regelungen bei der Altersvorsorge getroffen werden sollen:

"Die Solo-Selbständigkeit ist in den vergangenen Jahren sogar zurückgegangen. Denn sie wurde ja gewissermaßen erfunden und gefördert, als die Arbeitslosigkeit in Deutschland hoch war. Das ist nicht mehr der Fall, und viele Solo-Selbständige nutzen heutzutage die Chance, wieder in eine reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zurückzukehren."

Das Phänomen des Crowd-working ist für WAGNER ein substanzloses Feuilleton-Geschöpf:

"Vieles spricht dafür, dass das normale Angestelltenverhältnis auch künftig die Normalität bleiben wird, und zwar ganz überwiegend. Vieles, was jetzt über »Crowdworker« (...) gesagt wird, ist wohl eher ein Phänomen im Feuilleton."

Bei der Propagierung der Deutschland-Rente im April klang das dagegen noch folgendermaßen:

"Die fortschreitende Digitalisierung etlicher Arbeitsprozesse und eine damit verbundene Zunahme der als Selbständige tätigen »Click- und Crowdworker« dürfte die Erosion der Lohnsumme verstärken. Vor diesem Hintergrund war (...) die Rentenreform von 2001 eine richtige Strukturentscheidung."

Wie also kann ein substanzloses Feuilleton-Geschöpf dazu missbraucht werden, um einerseits die Riester-Reform zu rechtfertigen und andererseits Crowdworker zu einem unbedeutenden Randphänomen zu erklären? In nicht einmal einem einzigen Monat schafft WAGNER diese Kehrtwende!

 
       
   

SCHROOTEN, Mechthild (2016): Von Japan lernen.
Gastwirtschaft: So funktioniert eine Post-Wachstumswirtschaft,
in:
Frankfurter Rundschau v. 11.05.

"Die Illusion einer hohen Rendite wird selbst in der Post-Wachstumswirtschaft aufrechterhalten",

erklärt uns Mechthild SCHROOTEN mit Blick auf Japans mehr als 20jährige Niedrigzinspolitik.

 
       
   

PALZER, Thomas (2016): Wie pop ist noch Literatur?
in:
Bayern 2 v. 10.05.

"Popkultur kennzeichnet, dass sie die Nähe zur Massenkultur nicht scheut. Sie will den in den 50er und 60er Jahren von Ortega y Gasset, David Riesman und Adorno & Co. denunzierten Begriff radikal aufwerten. Popkultur rächt sich am Kulturpessimismus der Frankfurter Schule - und an der gegenüber aktuellen amerikanischen Erzählpraktiken abenteuerlichen Ignoranz der Gruppe 47 - und begegnet allem mit Verachtung, was nach Hochkultur schmeckt und im Verdacht steht, von ihr vereinnahmt werden zu können.
Popliteratur ist ein Label. Sie hadert nicht damit. Sie hadert nicht mit ihrem warenförmigen Charakter. Ausdrücklich will sie sogar Ware und marktförmig sein", meint Thomas PALZER.

 
       
   

SIEVERS, Markus (2016): Zuschüsse zur Betriebsrente.
Regierung prüft finanzielle Hilfen für Menschen mit kleinen Löhnen,
in: Frankfurter Rundschau
v. 10.05.

Markus SIEVERS preist die Betriebsrente als Mittel gegen Altersarmut an. Dazu soll sie lukrativer gemacht werden. SIEVERS bringt jedoch keine neuen Fakten, sondern es geht offenbar nur darum, die Debatte um die  Stärkung der gesetzlichen Rente zu verhindern.

ÖCHSNER, Thomas (2016): Zurück auf Start.
Betriebsrente: Die Regierung muss jetzt an mehreren Punkten ansetzen, um die Altersarmut zu begrenzen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 10.05.

Thomas ÖCHSNERs Artikel bringt zwar keine neuen Fakten bzw. Gesichtspunkte zur betrieblichen Altersversorgung. Lediglich hinsichtlich der Verbreitung weist er darauf hin, dass es bei den Betriebsrenten noch trister aussähe, wenn man den öffentlichen Dienst bei der Betrachtung außen vor ließe und nur die Privatwirtschaft betrachte:

"Der Anteil derjenigen, die über den Betrieb fürs Alter sparen oder für die der Arbeitgeber etwas zurücklegt, verharrt seit Jahren bei etwa 60 Prozent, und auch das nur, wenn man die Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst mitzählt."

ÖCHSNER hält weder eine Anhebung des Niveaus der gesetzliche Rente, noch eine Deutschland-Rente als durchsetzbar, weshalb er nur die Stärkung der privaten Altersvorsorge propagiert:

"Es ist höchst unwahrscheinlich, dass diese oder die nächste Bundesregierung das gesetzliche Rentenniveau wirklich anhebt. Ein politisches Wunder wäre auch, wenn es gelänge, die Riester-Rente gegen den Widerstand der Versicherungslobby durch einen einfachen, kostengünstigen staatlichen Fonds zu ersetzen. Gerade deshalb muss die Reform der betrieblichen Altersvorsorge sitzen. Sonst wird die Altersarmut in Deutschland deutlich zunehmen."

SCHÄFERS, Manfred (2016): Bis zu 154 Euro für die betriebliche Altersvorsorge.
Arbeitgeber sollen für Geringverdiener bis zu 450 Euro zurücklegen können, ohne dass das Nettogehalt leidet,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.05.

Manfred SCHÄFERS hat auch nichts Neues zum Thema beizusteuern, weshalb er sich auf vage Äußerungen und Spekulationen beschränkt.

 
       
   

KROHN, Philipp (2016): Lebensversicherer lassen Verträge abwickeln.
Weil Verträge für die Altersvorsorge so viel Kapital binden, denken immer mehr Anbieter über einen Verkauf nach. Spezialisierte Plattformen wie die Heidelberger Leben wittern ein Geschäft,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.05.

Philipp KROHN berichtet über das Modell von Run-off-Plattformen, das aus Großbritannien stammt. Solche Plattformen kaufen die Lebensversicherungsbestände von anderen Versicherern auf, die aus dem Neugeschäft ausgestiegen sind. Diese Plattformen bieten zudem Möglichkeiten zur Umgehung von Eigenkapitalanforderungen und zur Kostensenkung, berichtet KROHN.

 
       
   

HAGEN, Jens & Anke REZMER (2016): Vorsorgen? Nein, danke!
Die Niedrigzinsen verleiden den Deutschen das Sparen für das Alter. Die Folge: Die Vorsorge wird vertragt. Ein Fehler, der sich kaum wieder gut wettmachen lässt,
in:
Handelsblatt v. 10.05.

Der Versicherungskonzern Axa hat eine repräsentative Umfrage zum Vorsorgeverhalten der Deutschen in Auftrag gegeben. Nicht die unlukrativen Produkte werden als Problem angesehen, sondern dass die Deutschen zu wenig sparen. Nach Meinung der Versicherer müssten die Deutschen aufgrund der Niedrigzinsphase mehr statt weniger vorsorgen. Die Deutschen investieren dagegen lieber in Immobilien.

"Im vergangenen Jahr fiel die Zahl der Verträge mit elf Millionen auf den Stand es Jahres 2011. Nur die steigende Nachfrage nach fondsbasierten Produkten und Wohnriester-Verträgen der Bausparkassen sorgt noch für eine zunehmende Zahl an Riester-Verträgen",

erklären uns HAGEN & REZMER. Das Analysehaus Morgen & Morgen hat heute abgeschlossene Verträge mit 2008 abgeschlossenen Verträgen verglichen, die den Verlust beziffern sollen. Die geplante Senkung des Garantiezinses wird nur aus Sicht der Versicherer betrachtet.

Die GDV, der Lobbyverband der Versicherungswirtschaft plädiert dafür, dass die Politik den Profit der Versicherer durch Anreize steigern soll:

"Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft fordert eine Anhebung von Grundzulage und Fördergrenze, eine generelle Kinderzulage von mindestens 300 Euro sowie Freibeträge bei der Grundsicherung".

HAGEN, Jens (2016): "Thema weiter in die Zukunft verschieben".
Patrick Dahmen: Der Vorstand des Versicherers Axa über die Vorsorgefehler der Deutschen,
in:
Handelsblatt v. 10.05.

Patrick DAHMEN wartet darauf, dass die Politik die Lukrativität von Versicherungsprodukten erhöht. Die Debatte um die Deutschland-Rente sei gut für die Versicherungswirtschaft, weil sie die gesetzliche Rente durch den Blick auf die kommende Altersarmut schwächt und dadurch die Vorsorgebereitschaft erhöht wird. Dass der Staat als Konkurrent auftreten will, stört den Versicherer dagegen.

 
       
   

BEWARDER, Manuel & Marcel PAULY (2016): Weniger Flüchtlinge - mehr nicht.
Die Zahl der Zuwanderer ist eingebrochen, doch die Krise hält an: Hunderttausende Asylanträge sind unbearbeitet, in Afrika sind weitere Menschen auf dem Sprung nach Europa,
in:
Welt v. 10.05.

Die Zahl der Zuwanderer ist eingebrochen? BEWARDER & PAULY setzen die Zahl der Geflüchteten mit Zuwanderern gleich. Im Bericht wird aber mit keinem Wort auf den Wanderungssaldo eingegangen, der einzig etwas über die Zahl der Zuwanderer aussagen würde.

 
       
   

MAU, Steffen (2016): Alte Grenzen, neue Grenzen.
Außenansicht: Migration zu steuern, ist komplizierter, als Mauern zu errichten. Dennoch ist es der einzig vernünftige Weg,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 09.05.

Der Soziologe Steffen MAU wendet sich gegen die Schlagbaumphilosophen Peter SLOTERDIJK und Rüdiger SAFRANSKI. Mit Blick auf die Migrationspolitik in den USA und Spanien beschreibt MAU die Unterschiede einer restriktiven (USA) und liberalen (Spanien) Migrationspolitik. Sein Credo:

"Nur dann, wenn man auf Partnerschaften setzt, Offenheit zulässt und auch die Bedürfnisse der Migranten und ihrer Herkunftsregionen Berücksichtigung finden, lässt sich Migration steuern."

 
       
   

FABRICIUS, Michael (2016): Sesshaft wider Willen.
Umzüge in Großstädten gehen rapide zurück. Die gesellschaftlichen Folgen des "Lock-in-Effekts" sind kaum abschätzbar,
in:
Welt v. 09.05.

Gentrifizierung wurde in den letzten Jahren als Königsweg der Stadtplanung gesehen. Nun, da die Flexibilität bedroht zu sein scheint, werden die Nachteile dieser Marktstrategie hervorgehoben. Familiennachwuchs und Arbeitsplatzwechsel werden als Gründe für einen Umzug genannt. Längst aber wird von der Bevölkerung nicht mehr der Umzug, sondern die Multilokalität als Mittel der Flexibilität bevorzugt. Inwiefern also steigende Wohnungspreise oder auch Faktoren wie die Zunahme von Doppel-Karriere-Haushalte den Rückgang der Umzüge erklärt, wäre also eine zu klärende Frage, die sich mit den Daten von FABRICIUS nicht beantworten lässt.  

 
       
   

SPECHT, Frank (2016): Rettung für die Riester-Rente?
Studie: Die staatlich geförderte private Altersvorsorge sollte nicht auf die Grundversicherung angerechnet werden - ein Rezept gegen die Altersarmut,
in:
Handelsblatt v. 09.05.

Frank SPECHT berichtet über eine Studie im Auftrag des INSM, also jenem Lobbyverband, der schon eine Hauptrolle bei der Durchsetzung der  Agenda 2010 spielte. Der Lobbyverband schaltet bereits seit einiger Zeit wieder Anzeigen, die auf eine Schwächung der gesetzlichen Rente abzielen:

"Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung koppeln, Rente mit 63 rückgängig machen, keine Lebensleistungsrente einführen und Leistungsprinzip sichern",

tönt der neoliberale Lobbyverband in seiner Anzeigenkampagne. Zur Lebensleistungsrente gibt es noch nicht einmal einen Referentenentwurf, nichtsdestotrotz wird die INSM bereits im Vorfeld aktiv, um die Meinungshoheit zu sichern. Wie bei der Agenda 2010 wird uns also die INSM volldröhnen bis wir ihre neoliberalen Parolen selbst noch im Schlaf nachplappern. So geht Gehirnwäsche!

Das INSM-Gutachten, das von dem WHU-Professor Christian HAGIST erstellt wurde, greift auf einen alten FDP-Vorschlag zurück und plädiert für einen Freibetrag. Riester-Renten sollen danach nicht oder nur teilweise auf die Grundsicherung im Alter angerechnet werden. Martin ROSEMANN, der als Rentenexperte der SPD tituliert wird, verteidigt dagegen die geplante Lebensleistungsrente.

 
       
   

OBERHUBER, Nadine (2016): So viel kostet der Ruhestand.
Wer später auf Urlaub, Kultur und Komfort nicht verzichten mag, braucht viel Geld. Mehr, als die meisten Leute denken,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 08.05.

Die Deutschen sparen zu wenig, lautet das interessenpolitische Credo der Finanzdienstleister, die schließlich Profite machen wollen. Nadine OBERHUBER knöpft sich in dem Artikel die 35-45-Jährigen Mindersparer vor. Die Finanzdienstleister nutzen Umfragen, um eine bessere Zielgruppenansprache zu erreichen. Sie haben herausgefunden, dass diese Altersgruppe nicht genug über die Ausgaben im Rentenalter informiert sind. Im Zeichen der Finanzialisierung wird uns unsere Vorsorgelücke (hier: Versorgungslücke) vorgerechnet.

Das Gute - für die Finanzdienstleister - bei der privaten Vorsorge ist: im Gegensatz zur gesetzlichen Rente muss die Inflation mitberücksichtigt werden. OBERHUBER zitiert die Positionen der neoliberalen Institute DIA und MEA, die zusammen mit der INSM die Agenda 2010 durchgesetzt haben.

Die versprochene Einnahmen-Ausgaben-Rechnung bleibt notwendigerweise im Vagen. Als ob es nie Börsencrashs oder eine Bankenkrise gegeben hätte, werden uns schon wieder sagenhafte Renditen von 6 Prozent versprochen - aber nur bei Fonds und Indexfonds. Offenbar wird damit gerechnet, dass bei der Erbengeneration das Geld lockerer sitzt. Wer sein Geld nicht hart erarbeitet hat, der verzockt es schneller!    

 
       
   

BALZTER, Sebastian (2016): Geld für nichts.
Tausend Euro im Monat für jeden, einfach so - ein bedingungsloses Grundeinkommen würde die Wirtschaft auf den Kopf stellen. Die Idee ist so populär wie nie zuvor,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 08.05.

 
       
   

EUBEL, Cordula & Hans MONATH (2016): "Ich wurde als Rabenmutter und Egoistin beschimpft".
Familienministerin Manuela Schwesig über die Geburt von Tochter Julia, die Elternzeit ihres Mannes und Reaktionen auf ihre Rückkehr ins Amt,
in:
Tagesspiegel am Sonntag v. 08.05.

 
       
   

SZ-Wochenthema: Muttertag.
Er ist keine Erfindung des Floristenverbands und schon gar nicht der Nazis. Was aus der schlichten Idee einer Tochter geworden ist, die ihrer Mutter einfach Danke sagen wollte

PFEIFFER, David (2016): Mamma Mia.
In Pflegeheimen werden eilig Blumenvasen hervorgekramt, in Familienhaushalten übernehmen Väter die Küchen. Zu oft gerät der Muttertag zum Opfergang statt zum Freudenfest. Das muss nicht so sein,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 07.05.

David PFEIFFER, Kind einer 68er-Mutter wie er ausdrücklich erwähnt, erklärt uns, dass der Muttertag eine US-Erfindung aus dem Jahr 1908 ist.

"In den Familienhaushalten verwüsten Kinder und Väter die Küchen, weil sie die Zubereitung des Frühstücks übernehmen."

Wem an diesem Satz nicht auffällt, dass PFEIFFER hier von Haushalten statt von Familien spricht, dem ist nicht bewusst wie sehr ihm die Sprache der amtlichen Statistik bereits in Fleisch und Blut übergegangen ist.

HEIDENREICH, Ulrike (2016): Von Zahnausfall bis Impftermin.
Wissenschaft, Statistik Sachbücher: Es gibt immer wieder Neues über Mütter zu sagen. Zum Beispiel, dass ältere Frauen fittere Kinder bekommen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 07.05.

Einzig die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung wird mit zwei Studien zitiert. Auf dem Buchmarkt hat Ulrike HEIDENREICH nur das Buch Die Abschaffung der Mutter von Alina BRONSKY & Denise WILK gefunden.

 
       
   

ROLL, Evelyn (2016): Wie bitte?
Die Babyboomer kommen jetzt in die Jahre. Sie haben noch immer die viel zu lauten Rocksongs ihrer Jugend im Ohr. Über die Generation der Schwerhörigen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 07.05.

 
       
   

HAMPEL, Lea & Pia RATZESBERGER (2016): Was vom Dorfe übrig blieb.
Viele Menschen zieht es in die Stadt. Deshalb und aus weiteren Gründen sterben die kleinen Ortschaften. Doch die Spirale muss nicht zwangsläufig abwärtsführen. Zu Besuch in zwei idyllischen Gemeinden, die sich wehren - jede auf ihre Weise,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 07.05.

HAMPEL & RATZESBERGER berichten aus den Gemeinden Kirchenlamitz im Fichtelgebirge und dem sächsischen Falkenau. Der Ort ist seit 2011 keine eigenständige Gemeinde mehr, was die Autorinnen verschweigen, sondern ein Stadtteil von Flöha.

"Kirchenlamitz ist einer dieser Orte in Deutschland, denen Statistiker prophezeien, dass sie in den nächsten Jahrzehnten viele Menschen verlieren werden, zu viele. (...). Schon 2028 sollen 500 Menschen weniger in der Ortschaft leben als heute, 2800 wären sie dann noch. Der Landkreis Wunsiedel wird in den nächsten Jahren 16 Prozent seiner Bevölkerung verlieren",

beschreiben HAMPEL & RATZESBERGER die düsteren Zukunftsaussichten der Stadt Kirchenlamitz, das eine Ansammlung von 27 Orten ist, von denen das Dorf Kirchenlamitz eines davon ist. Schreiben die Autorinnen also von Dörfern oder von Gemeinden?

Und wo immer es um die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse geht, ist Reiner KLINGHOLZ nicht weit, als ob es dazu nicht auch andere Positionen gäbe. Aber was wären die Medien ohne jene, die mit steilen Thesen ihre lahmen Storys aufpeppen würden? Und ist mit "die Statistiker" auch nur das Institut von KLINGHOLZ gemeint?  

 
       
   

GRÖGER, Anne-Christin & Ilse SCHLINGENSIPEN (2016): Was der neue Garantiezins bedeutet.
Sollte man noch schnell eine Lebensversicherung abschließen? Fragen und Antworten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 07.05.

Während die Welt am 3. Mai noch von einer geplanten Absenkung des Garantiezinses sprach, sprechen GRÖGER & SCHLINGENSIPEN bereits von einer beschlossenen Absenkung. Die Autoren zitieren Axel KLEINLEIN vom Bund der Versicherten, der das Problem der Banken nicht beim Garantiezins für Neuverträge sieht, sondern bei den Vorgaben zur Bildung der Zinszusatzreserve:

"Diese Reserve müssen Versicherer stellen, um zu gewährleisten, dass die Gesellschaften die Garantien von bis zu vier Prozent erfüllen können, die sie Kunden in den Neunzigerjahren zugesagt haben",

merken GRÖGER & SCHLINGENSIPEN an.

 
       
   

KLAUS, Julia & Alexander NEUBACHER (2016): Absturz der Normalos.
Wohlstand: Die Mittelschicht war das Rückgrat der deutschen Gesellschaft. Doch die Politik hat es ihr nicht gedankt. Eine neue Studie belegt: Die Mitte schrumpft und verliert ihren Halt,
in: Spiegel Nr.19
v. 07.05.

KLAUS & NEUBACHER stellen uns als Prototyp einer Mittelklasse-Familie ein 50 Jahre altes Ehepaar (Er Dreher in der Metallindustrie, sie verdient als Verkäuferin hinzu) mit zwei Kindern (Sohn und Tochter wie es die Bevölkerungswissenschaft gerne sieht) vor, das in der hessischen Provinz lebt. Der Arbeitsplatz des Mannes wird als bedroht hervorgehoben.

"Etwa 49.000 Euro im Jahr beträgt das durchschnittliche Brutto-Haushaltseinkommen in Deutschland. In keiner anderen Einkommensklasse ist die relative Belastung so hoch",

erklären uns die Autoren die "kalte Progression" ohne die Herkunft dieser Zahlen zu verraten. Ein Schaubild nennt als Quelle die DIW-Studie, die am Vortag veröffentlicht wurde. Diese operiert jedoch mit dem mittleren Einkommen, aber nicht mit dem Durchschnittseinkommen.

"Die Mittelschicht verdient zu viel, um Fürsorgeleistungen zu bekommen, aber zu wenig, um von Steuersparmodellen und Beitragsbemessungsgrenzen zu profitieren",

heulen uns KLAUS & NEUBACHER vor. Die Mittelschicht umfasst jedoch mehr als diese Facharbeiterfamilie, die uns präsentiert wird, nämlich in erster Linie die Akademikerfamilien. Man hätte es also gerne etwas genauer: welche Haushalte der Mittelschicht gehören zu den Gewinnern und welche zu den Verlierern der neoliberalen Politik, die vom Spiegel propagiert wird.

Ohne Probleme zitieren die Autoren Heinz BUDE und Berthold VOGEL im gleichen Atemzug, obwohl beide ein völlig anderes Verständnis von Mittelschicht haben. Während "Statuspanik" (BUDE) das Akademikermilieu im Blick hat, sieht VOGEL in erster Linie die Facharbeiterschaft gefährdet.

"Die Erosion der Mittelschicht bedroht den Zusammenhalt der Gesellschaft. Sie trägt dazu bei, dass sich das Land politisch radikalisiert. Sie dämpft die Geburtenrate."

Das Credo des Spiegels lautete bislang, dass das Akademikermilieu schuld an der niedrigen Geburtenrate sei und die Unterschicht zu viele Kinder bekämen. Jetzt dämpft plötzlich die Erosion die Geburtenrate? Das hätten wir gerne erklärt.

Von der Zwiebel zur "angematschten Birne" beschreiben KLAUS & NEUBACHER die Entwicklung der Mittelschicht:

"Die neuesten DIW-Daten zur Sozialstruktur zeichnen eher das Bild einer angematschten Birne. 33 Prozent der Erwachsenen in Deutschland zählen demnach nun zu den unteren Einkommensschichten, 13 Prozent zu den oberen. Die ehedem dicke Mitte umfasst nur noch etwas mehr als die Hälfte der Bürger."

Bei der Umrechnung von Prozentzahlen auf Jahreseinkommen kommen KLAUS & NEUBACHER auf folgende Einkommensspanne:

"Zur Mitte gehören demnach alle Erwachsenen, deren Haushaltseinkommen vor Steuern und Sozialabgaben mindestens 67 Prozent und höchstens 200 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. In Deutschland liegt diese Spanne etwa zwischen 17.000 und 50.500 Euro Jahreseinkommen."

In der heutigen FAZ erzählt uns Philipp PLICKERT dagegen:

"Zur Mittelschicht zählen demnach in Deutschland nach der Definition dieser Studie alle Personen, die ein Bruttoeinkommen zwischen 19.765 Euro und 59.000 Euro haben."

Bruttoeinkommen ist jedoch falsch, denn das DIW bezieht sich auf das Nettoeinkommen vor Steuern und Sozialabgaben inklusive Sozialtransfers und Renten.

Nachdem das DIW einige Tage später eine Korrektur seiner Berechnungen veröffentlichte, korrigiert PLICKERT in der FAZ die Einkommensspanne folgendermaßen:

"Die Mittelschicht (...) umfasst demnach alle Personen mit einem jährlichen Bruttoeinkommen von 35.845 bis 107.000 Euro."

Es stellt sich auch die Frage, warum die Zahlen zum Einkommen differieren. In der Studie selber werden lediglich Prozentzahlen genannt und keine Euroangaben. Lediglich in der korrigierten Pressemeldung des DIW heißt es dazu:

"Das Medianeinkommen in der Einkommensmitte (...). In Deutschland stieg es von 1991 bis 2000 um sieben Prozent (vorherige Version "vier") auf rund 54.500 (vorher "31.000") Euro und sank im Folgenden bis 2013 um ein Prozent (vorher "rund fünf") auf 53.500 (vorher "29.500") Euro."

Nimmt man die Zahlen, die uns PLICKERT präsentiert, dann hat er die Zahlen für das Jahr 2013 als 100 % genommen und dann die Einkommensspanne 67 bzw. 200 Prozent ausgerechnet. Wieso präsentiert uns der Spiegel dann aber davon abweichende Zahlen?

Nach den korrigierten Daten stürzt die Spiegel-Story mehr oder weniger zusammen, denn plötzlich wäre von der "kalten Progression" nicht mehr die Spitzenverdiener der Mittelschicht, sondern die untere Mittelschicht am stärksten betroffen. Die Frage stellt sich hier also: Warum wurde nicht bemerkt, dass hier etwas nicht stimmen kann?

Als zweites Fallbeispiel schildert uns der Spiegel eine 35-jährige Alleinerziehende mit einem Kind, die in der hessischen Provinz lebte und durch die Geburt ihres Sohnes auf Hartz IV angewiesen war. Erst als der Sohn mit 2 Jahren in den Kindergarten konnte, konnte die Alleinerziehende wieder arbeiten gehen. Das nächste Fallbeispiel erzählt von einem 27-jährigen Jungunternehmer.

Deutschland sei ein Hochsteuerland erklärt uns der neoliberale Spiegel. Steuern und Sozialabgaben machen jedoch für die Autoren keinen Unterschied, als ob es keine Gegenleistungen in Form von Sicherheit und Infrastruktur gäbe. Die Spiegel-Story fällt auch hier durch die Korrektur der Berechnungen in sich zusammen wie ein Kartenhaus:

"Spitzenverdiener hingegen werden im deutschen System schonend behandelt. Die Rentenkasse zieht die Grenze bei einem Jahresgehalt von 74.400 Euro, im Osten bei 64.800 Euro. Was darüber hinausgeht, wird bei der Alters- und bei der Arbeitslosenversicherung nicht angerechnet. Die Krankenkasse schlägt sogar nur bei zu einer Bemessungsgrenze von 50.850 Euro zu."

Dumm nur, dass die Mittelschicht nicht bei 59.000 Euro aufhört, sondern erst bei 107.000 Euro. Oder anders formuliert: die obere Mittelschicht profitiert von der neoliberalen Politik, während die untere Mittelschicht bluten muss. Was wäre eigentlich gewesen, wenn die DIW-Studie nicht mit falschen Zahlen operiert hätte, die dem Spiegel entgegengekommen sind?

Fallbeispiel 3 erzählt uns die Story von der Generationengerechtigkeit: Ein 65-jähriger pensionierte Lehrer sorgt sich um seine vier Kinder, die alle studiert haben. Die Autoren zitieren eine Studie von Timm BÖNKE und kommen zu folgender Aussage:

"Ihn interessierten die Erwerbsbiografien westdeutscher Männer, die zwischen 1935 und 1972 geboren, worden sind. Bönke wollte wissen, welches reale Gesamteinkommen die einzelnen Jahrgänge in den ersten 40 Lebensjahren jeweils erreicht haben.
Er fand heraus, dass es bis 1950 mit jedem Geburtsjahrgang zunächst bergaufging (...).
Doch bei den später als 1950 Geborenen setzte in der alten Bundesrepublik bereits eine Spaltung ein."

Interessant ist nun, dass die Studie bereits in der FAZ zitiert wurde. Dort wurde jedoch der Schnitt erst beim Jahrgang 1955 gesetzt. Woher also diese Differenz?

"Die Mittelschicht blieb mit ihrem Einkommen ab dem Geburtsjahrgang 1958 zunächst auf dem Niveau ihrer Vorgänger. Bei den geburtenstarken Babyboomer-Jahrgängen stagnierte das Lebenseinkommen. Doch ab dem Jahrgang 1965 setzte auch hier der Niedergang ein. Die später Geborenen erreichten das Lebenseinkommen in der Regel nicht",

erzählen uns KLAUS & NEUBACHER die Story weiter. Aber ist die Mittelschicht von BÖNKE identisch mit der Mittelschicht des DIW? Offenbar nicht. Und was heißt Lebenseinkommen, wenn lediglich das Einkommen bis zum 40. Lebensjahr betrachtet wird? Die jüngeren Geburtsjahrgänge könnten die Einbußen später durchaus wettmachen. Weder werden Haushalte, Ostdeutsche oder gar berufstätige Frauen betrachtet. Was will uns also der Spiegel hier suggerieren? Dass die Ängste des Pensionärs berechtigt sind?

Fallbeispiel 4 schildert uns das neoliberale Ideal des produktiven Alters: ein 71-Jähriger, der weiter arbeitet. Flexi-Rente pur. Der Spiegel sehnt sich die FDP und mehr Netto vom Brutto zurück.

Fazit: Nicht die Mittelschicht blutet, sondern die obere Mittelschicht lebt auf Kosten der restlichen Mittelschicht. Das ist die Ironie der Story, die mit falschen Zahlen etwas beweist, was bei korrigierten Zahlen auf den neoliberalen Spiegel selbst zurückfällt! Die obere Mittelschicht hat sich abgekoppelt und nähert sich der Oberschicht an - wenn man diesen ökonomischen Mittelschichtbegriff ernst nimmt. Soziologen würden das sowieso anders sehen. Die Propagierung einer neoliberalen Politik heißt nichts anderes als ein Bündnis zwischen Oberschicht und oberer Mittelschicht zu Lasten der restlichen Gesellschaft.

 
       
   

GROSSARTH, Jan (2016): Die Stadt ist das bessere Land.
Das Land wird zum Industriegebiet. Die Natur der Zukunft blüht in den Metropolen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.05.

SIEDENBIEDEL, Christian & Markus FRÜHAUF (2016): Starker Anstieg der Immobilienpreise in Metropolen.
Das Forschungsinstitut Empirica und das Bankhaus Metzler weisen auf Risiken hin. Sollte der Staat den Banken Grenzen für die Beleihung von Häusern und Wohnungen setzen?
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.05.

 
       
   

BEEGER, Britta (2016): Wenn der Friseursalon zur Armutsfalle wird.
Viele Solo-Selbständige können nicht für das Alter sparen. Arbeitsministerin Nahles will sie nun zur Vorsorge zwingen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.05.

Britta BEEGER weist darauf hin, dass bereits Ursula von der LEYEN im Frühjahr 2012 mit einer Reform der Altersvorsorge bei Selbständigen gescheitert sei. Dass die Debatte um die Altersarmut von Solo-Selbständigen nun neu aufgeflammt sei, sei auch eine Konsequenz der Debatte um die Digitalisierung der Arbeitswelt und hier speziell das Phänomen des Crowdworkings:

"Der Begriff beschreibt, dass Unternehmen Projekte zunehmend in kleine Aufgaben zerlegen und über Plattformen im Internet an eine große Menge Menschen auf der ganzen Welt auslagern. Diese recherchieren Adressen, schreiben kurze Werbetexte oder programmieren Software. Gerade für die einfachen Tätigkeiten gibt es je Auftrag oft nur wenige Cents. Noch handelt es sich dabei zwar um ein Randphänomen; einer weitverbreiteten Einschätzung zufolge wird es künftig jedoch zunehmen."

BEEGER beschreibt das Ausmaß der Selbstständigkeit, wobei zwischen Handwerkern und Freiberuflern unterschieden wird, die entweder in der gesetzlichen Rentenversicherung oder berufständischen Versorgungswerken versichert sind (ca. 800.000 Selbständigen) und jenen, für die keine Pflichtversicherung besteht (ca. 3 Millionen Selbständigen). BEEGER beschreibt die Entwicklung der Selbständigen und deren Einkommenssituation. Zu letzterer wird Karl BRENKE vom DIW zitiert. Gemäß dem aktuellen Alterssicherungsbericht von 2012 waren 3,7 Prozent der Selbständigen im Gegensatz zu 1,8 Prozent der Arbeitnehmer auf die Grundsicherung im Alter angewiesen.

Zuletzt Schluss wird Stefan SELL ("Arbeitsmarktexperte") zitiert, der für ein Rentensystem nach Schweizer Vorbild plädiert. Dort sind neben Selbständigen auch Beamte in die gesetzliche Rente einbezogen.    

WOLFF, Volker (2016): Männer sollten ihre Rente selbst organisieren.
Die Vermögensfrage: Sofortrenten kann man kaufen oder das gesparte Geld selbst aufteilen. Doch auch die günstigsten Versicherer kalkulieren mit Magerzinsen und müssen dabei auch noch ihre Kosten decken. Deshalb ist die selbstgestrickte Rente heute fast immer die bessere Lösung,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.05.

Volker WOLFF erklärt uns das Prinzip einer selbst gestrickten Rente. Am Beginn steht dabei die eigene Lebenserwartung, die soll man sich im Internet ausrechnen können. Angeblich schätzen die meisten Menschen ihre Lebenserwartung zu niedrig - das ist zumindest das Credo der Versicherungsbranche.

Ein Diskussionspapier, das im Sinne der Lebensversicherungsbranche argumentiert, sieht das anders: es gibt keine wahre Lebenserwartung! Wie wahr. Jahrgang und Geschlecht, fertig ist unsere Lebenserwartung? Die Lebensversicherer sind dagegen nicht so dumm: nicht nur Jahrgang und Geschlecht, sondern auch der sozioökonomische Status ist hinsichtlich der Lebenserwartung entscheidend.

Auch WOLFF verlässt sich nicht auf den Internetrechner der Versicherungsbranche, sondern berücksichtigt auch die Sterbetafel bzw. die Modellrechnung des Statistischen Bundesamtes. WOLFF erklärt uns jedoch nicht die Hintergründe der Unterschiede, sondern wertet die Unterschiede als Vorteil der selbst gestrickten Rente gegenüber der Versichertenrente.

Und warum sollen Männer ihre Rente selber stricken? Das erklärt WOLFF durch die geschlechtsspezifische Lebenserwartung und die Unisextarife der Versicherer, wodurch Männer gegenüber Frauen benachteiligt werden.   

 
       
   

PLICKERT, Philip (2016): Wo die Mittelschicht schrumpft.
Unter- und Oberschicht haben leicht zugelegt. Gründe sind geringqualifizierte Zuwanderung und Lohnspreizung,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.05.

PLICKERT, Philip (2016): Neue Unterschicht,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.05.

 
       
   

JAHN, Joachim (2016): Vom Rechts- zum Richterstaat.
Demokratisch gewählte Parlamente dürfen sich nicht von der Justiz knebeln lassen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.05.

Joachim JAHN reitet sein Steckenpferd.

 
       
   

DPA (2016): Der schleichende Tod der deutschen Mittelschicht.
Ihr Anteil schrumpft von 1991 bis 2013 um sechs Prozentpunkte. Besonders stark vom Abstieg betroffen sind junge Menschen,
in:
Welt v. 07.05.

 
       
   

EUBEL, Cordula & Rainer WORATSCHKA (2016): "Viele Selbständige sorgen nicht genug fürs Alter vor".
Der Präsident der Rentenversicherung Axel Reimann über die Probleme des Systems, die Höhe der Leistungen und den Wahlkampf,
in:
Tagesspiegel v. 07.05.

"Bisher gibt es nur die Vorgabe, dass das Rentenniveau bis 2030 nicht unter 43 Prozent sinken darf. Man muss nun klären, ob wir neue Zielgrößen insbesondere für die Zeit danach brauchen und wie sie aussehen sollen. Die demografische Entwicklung hört ja nicht 2030 auf. Klar ist: Ohne weitre Festlegungen wird der Beitragssatz weiter ansteigen und das Rentenniveau weiter zurückgehen",

meint Axel REIMANN, wobei zu fragen wäre, auf welche veralteten Prognosen sich diese Angaben beziehen. Aufgrund der erhöhten Zuwanderung und der gestiegenen Geburtenrate, die selbst in der aktuellen 13. Bevölkerungsvorausberechnung vom April letzten Jahres nicht angemessen berücksichtigt worden ist, lassen sich keine Prognosen zur Rentenentwicklung z.B. bis zum Jahr 2040 ableiten.

Hinsichtlich der geplanten Lebensleistungsrente bemängelt REIMANN, dass diese eine Fürsorgeleistung sei, die nicht durch Beiträge, sondern durch Steuern finanziert werden müsste. Außerdem wären Bedürftigkeitsprüfungen notwendig, die keine Aufgabe der Rentenversicherung seien. REIMANN weist außerdem darauf hin, dass Altersarmut auch eine Sache der zukünftigen Lohnentwicklung sei.

Hinsichtlich der privaten Altersvorsorge plädiert REIMANN für Freibeträge in der Grundsicherung, um Geringverdiener zum Sparen zu motivieren.  Selbständige ohne Altersvorsorge sollten in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert werden. Die Einbeziehung von Beamten in die Rentenversicherung lehnt REIMANN ab, weil dies keine Verbesserung der Finanzsituation bringen würde. 

 
       
   

SCHAIBLE, Ira/DPA (2016): Jeder Tag ist Muttertag.
Viele junge Erwachsene wohnen noch zu Hause. Ist der Service im "Hotel Mama" einfach zu gut?
in:
Tagesspiegel v. 07.05.

 
       
   

DPA (2016): Im Hotel Mama ist es am schönsten.
Familie: Viele junge Erwachsene wohnen noch zu Hause. Ist der Service bei den Eltern einfach zu gut? Oder liegt es am Geld?
in:
Stuttgarter Zeitung v. 07.05.

 
       
   

WASSERBÄCH, Anja (2016): Mensch Mama.
Glucke, Helikoptermutter, Karrierefrau, bloggende Stylemuddi, bereuende Mama oder Hausfrau mit akademischem Abschluss. Noch nie gab es so viele Modelle vom Muttersein wie heute. Vor allem wird laut darüber diskutiert. Betrachtungen zum Muttertag,
in:
Stuttgarter Zeitung v. 07.05.

 
       
   

PAVLOVIC, Tomo (2016): Drück mich!
Der kräftige Händedruck bei der Begrüßung stirbt allmählich aus. Stattdessen geht die jüngere Generation zunehmend auf Tuchfühlung, umarmt und küsst selbst flüchtige Bekannte bei jeder Gelegenheit. Komisch, oder?
in:
Stuttgarter Zeitung v. 07.05.

 
       
 

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Zu den News vom 01. - 06. Mai 2016
 

   
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