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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
       
       
   

News vom 16. - 23. März 2004

 
       
     
       
   

Zitat des Monats:

"Der »Morgen danach«, der Morgen nach der ersten gemeinsamen Nacht (...) ist eine Art mehrdeutiges Intervall, an dem die verschiedenen konstitutiven Elemente der Liebe ins Spiel kommen können. Die Leidenschaft des Vorabends ist zur Ruhe gekommen, die Atmosphäre ist ruhiger; zärtliche Sinnlichkeit kann das Verlangen jedoch wieder zum Erwachen bringen. Alles ist möglich am Morgen danach, es ist ein besonders inhaltsreicher und offener Augenblick. (...).
Die typischen Szenen (das Aufwachen, das Bett als Refugium, das Aufstehen, der Gang ins Badezimmer und das Frühstück) spielen sich innerhalb weniger Stunden ab und beschränken sich auf zwei oder drei Zimmer (das Schlafzimmer, das Badezimmer, die Essecke). (...).
Der Morgen danach ist (...) ein entscheidendes Ereignis, ein Ereignis, das heute in der Folge von Mikro-Abenteuern, die Auslöser für ein Leben zu zweit sind, das entscheidendste ist. In seiner scheinbaren Bedeutungslosigkeit (...) ist der Morgen danach alles andere als ein Nicht-Ereignis. Denn fortan entscheidet sich am Morgen danach die Zukunft des Paares."
(aus: Jean-Claude Kaufmann "Der Morgen danach", 2004, S.10ff.)

 
       
       
   
  • HEWITT, Paul S. (2004): Die Geopolitik des globalen Alterungsprozesses.
    Das demographische Fenster steht weit offen, aber es kann schnell wieder zuschlagen: Was es bedeutet, daß die Gesellschaften dieser Welt immer älter werden,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.03.

    • Wenn ein FAZ-Herausgeber ein Buch schreibt, dann besitzt er die publizistische Macht, um das Thema zu pushen. Mit Paul S. HEWITTs Artikel wird ein Lieblingsthema aus dem Buch Das Methusalem-Komplott aufgegriffen.
 
       
   
  • MISIK, Robert (2004): Das McKinsey-Syndrom.
    Von Pfarrern, die ihre Predigt "eine Dienstleistung" nennen und sich als Anbieter "auf dem Markt für Sinn-Angebote" sehen: Die Unternehmensberater haben scheinbar gesiegt. Doch die Abwehr gegen eine nur ökonomische Vernunft wächst, das Feindbild der globalisierten Eliten ist groß im Kommen,
    in: TAZ v. 23.03.

 
       
   
  • WITTSTOCK, Uwe (2004): Die Grundlage für die Arbeit der Bundesregierung.
    Seit 30 Jahren sagt das "Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung" Deutschlands Rentenkrise voraus - aber keiner will es hören,
    in: Welt v. 23.03.

Die Rentenkrise gibt es genauso lange wie die Rentenreformen, nämlich seit 1957! Wer das nicht glaubt, der soll das Buch Die Transformation der Sozialpolitik. Vom Sozialstaat zum Sicherungsstaat lesen. Frank NULLMEIER & Friedbert W. RÜB haben darin bereits 1993 die demografische Debatte seit 1957 nachgezeichnet:

"Demographische »Bedrohungen« haben die Rentenpolitik immer begleitet. Prognostizierte »Rentenberge« spielten sowohl bei der Reform 1957 eine Rolle wie auch Mitte der 60er Jahre. (...). Bereits seit 1977/78 wurden die Folgen des Geburtenrückgangs als Rentenberg nach dem Jahre 2010 für restriktive Eingriffe in die Gesetzliche Rentenversicherung angeführt. Steigende Alterslasten und selbst die Warnung vor dem »Aussterben der Deutschen« waren und sind keine Rezessionsthemen."

 
       
     
       
   
  • Das Single-Dasein in Österreich

    • PROFIL (2004): Scheidung: "Den Adonis besser einfrieren".
      Helene Klaar, Wiens meistgefürchtete Scheidungsanwältin, über den Männertypus Softie, billige Hausfrauen, das Geheimnis ihrer intakten Ehe und ihr neues Buch,
      in: Profil Nr.13 v. 22.03.

 
       
   
  • Milan Kundera - Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

    • STEINFELD, Thomas (2004): Das Glück der Unzuverlässigen.
      Milan Kunderas "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins",
      in: Süddeutsche Zeitung v. 20.03.

      • Der Soziologe Jean-Claude KAUFMANN hat eine Untersuchung über den Morgen danach verfasst. Ein Zitat aus KUNDERAs Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins leitet ein Unterkapitel über Weichenstellungen am Morgen danach ein. Was es mit dem Morgen danach - dem Morgen nach der ersten gemeinsamen Nacht - auf sich hat, das wird das Thema des Monats April sein...
 
       
     
       
     
       
   
  • NICKEL, Eckhart (2004): Meer Farben.
    Fahren Sie in die Ferne, nehmen Sie ein altes Buch und einen guten Freund mit, entfliehen Sie dem Lärm des Literaturbetriebs! Communiqué einer wieder neu zu entdeckenden Form des Lesens,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 20.03.

 
       
     
       
     
       
     
       
     
       
   
Aus der Sicht der skeptischen Generation beschreibt KUENHEIM das Altern einer Kohorte, der das Goldene Zeitalter der sicheren Rentensteigerungen eine unbeschwerte Zukunft bescheren wird. Uns jüngeren dagegen hat diese Altersklasse die Zukunft genommen!

Mit der Agenda 2010 wird in erster Linie der Besitzstand der neoliberalen Mitte-Eliten gewahrt. Mit einer Bevölkerungsvorausberechnung, die eine extrem höhere Lebenserwartung annimmt als alle früheren Berechnungen und einer angenommenen Geburtenrate, deren Berechnung heute bereits umstritten ist, wurde die demografische Entwicklung dämonisiert. Die Berechnungen des Bevölkerungswissenschaftlers Gert HULLEN beweisen, dass die Anteile der lebenslange Kinderlosen der in den 1960er Jahren Geborenen Frauen IN KEINSTER WEISE mit den Annahmen des in der öffentlichen Debatte beschworenen Kinderlosen-Staates übereinstimmen. Dies ist ein Skandal. Die Single-Generation und die Generation Golf hat mit ihrer privatistischen und marktgläubigen Einstellung noch nicht begriffen, was dies bedeutet. Sie würde das sonst nicht so gelassen hinnehmen.

Heiner GANßMANN hat im Beitrag Der Großvater, sein Enkel und die Rentenreform. Die moralische Ökonomie des Generationenvertrags  vorgerechnet, dass die Umstellung vom Umlagesystem auf ein Kapitaldeckungssystem die Sandwich-Generation (jene Generation, die selbst weniger Rente erwarten kann, aber dafür die Umstellung bezahlen muss) doppelt belastet. GANßMANN schreibt:

"Ob Kapitaldeckungsverfahren oder Umlageverfahren, gegen das Problem der Alterung der Gesellschaft helfen keine Finanzierungsmodalitäten. (...). Es gibt keine individuellen Lösungen des Rentenproblems, nach dem Motto: Jeder sorgt am besten für sich selbst. Die Generationen bleiben aufeinander angewiesen. Deshalb gibt es keinen wirklichen Ausstieg aus dem Generationenvertrag, wohl aber opportunistische Versuchungen." (2002, S.283)

Wenn die Sandwich-Generation der eindeutige Verlierer der Agenda-Reformen ist, warum wehrt sich diese Generation nicht? Die Antwort ist einfach: Die Mitte-Eliten haben das Vertrauen in den Sozialstaat grundlegend erschüttert. Allein den Topverdienern nützt die private Altersvorsorge. Dies umso stärker, je schneller und je umfangreicher der Niedrigstlohnsektor ausfällt. Die Erhöhung der Einkommenskluft ist programmatisches Ziel der Neoliberalen. In der zukünftigen Klassengesellschaft wird eine kleine globale Klasse von dem Ausstieg aus dem Umlageverfahren profitieren. Die anderen werden die Kosten tragen und dies umso mehr, je geringer ihr Verdienst ist. Die Klasse der Überflüssigen sorgt dafür, dass die Einführung des Niedrigstlohnsektors gelingt. Die Bevölkerungsvorausberechnung hat in diesem Sinne das Ihrige dazu getan. Mit Verweis auf diese Daten wurde z.B. der Generation Golf jegliche Legitimität ihrer Ansprüche abgesprochen. Beispielhaft hat dies Susanne GASCHKE mit dem Slogan Kein Nachwuchs, keine Rente getan. Einzig single-dasein.de und single-generation.de haben darauf hingewiesen, dass GASCHKEs Vorwürfe verfehlt sind. Die Mitte-Medien haben eine Diskussion über die Geburtenkrise mit ihrer publizistischen Macht erfolgreich verhindert. Die Ergebnisse von Gert HULLEN bestätigen nun zwar eindrucksvoll die Richtigkeit der Argumentation von single-generation.de. Die Schlacht ist jedoch verloren.

Singles müssen sich organisieren, denn es zeigt sich immer deutlicher, dass eine anschwellende familienfundamentalistische Strömung eine Bevölkerungspolitik durchsetzen will, die auf eine "Diktatur der Eltern" hinausläuft. Junge Singles - also potenzielle Eltern - sollen bestraft werden, wenn sie die Elternschaft aufschieben (auch wenn der Berufseinstieg nicht gelingt, der Mobilitätszwang Partnerbindungen erschwert, oder weil der geeignete Partner fehlt usw.).

Hardliner wie Thomas KRALINSKI schrecken auch vor Zwangsmaßnahmen nicht zurück. In der Berliner Zeitung hat Spider schon einmal einen Blick auf diesen neuen familienfundamentalistischen ZWANGSSTAAT geworfen, der die individuelle Menschenwürde grundlegend verachtet. Agenda 2050 nennt er diese schöne neue Welt, in der Partnerlose wie "Arbeitsunwillige" behandelt werden. Strafmaßnahmen werden das Problem nicht lösen, sondern verschärfen! Bereits heute haben Geringverdiener die schlechtesten Heiratschancen, wie die Ergebnisse einer internationalen Studie von Hans-Peter BLOSSFELD beweisen. Möglicherweise soll ja genau das bezweckt werden! Geringverdienern soll die Fortpflanzung erschwert werden, während die Mütterelite kräftig gefördert wird. Dann muss man sich nicht wundern, wenn Erinnerungen an das Nazi-Regime wach werden!

 
       
   
Die ZEIT widmet dem Niedergang der SPD ein großes Dossier. Pappkamerad Franz MÜNTEFERING, der dafür sorgen soll, dass mit einem anderen Gesicht (seinem nämlich) alles beim alten Agenda-Kurs bleibt, darf SCHRÖDERs Parolen nachbeten. Es lässt sich jedoch kaum jemand mehr von dieser Schönheitsoperation täuschen. MÜNTEFERING spricht nur noch die Alten an, also jene, die sich an die alten Ritualen wie sie in SPD-Ortsvereinen dahindämmern, klammern. Die Jugend hat sich von diesem überlebten Traditionsmilieu längst verabschiedet. Wir wollen nicht noch mehr vom Gleichen! Das Elend der Mitte versuchen nun Linke wie der Soziologe Marc MULLIA neu zu definieren. Die taz höhnt angesichts der neuen Linkspartei nur und versucht die Initiatoren in die Ecke der ewig gestrigen Linke zu stecken. Dies wundert kaum. Spielen doch in der taz vor allem ehemalige Maoisten eine tragende Rolle. Sie möchten nicht, dass ihnen ihre eigenen Irrtümer vor Augen geführt werden! Ein starker Raucher, der zum Nicht-Raucher konvertiert, der wird gnadenlosen jeden Raucher missionieren wollen. Niemals Raucher können dies kaum nachvollziehen. Dieser Reflex existiert auch im politischen Milieu. Wer in den 1970er Jahren aktiver Maoist oder sonstiger Aktivist einer der vielen politischen Sekten war, und es sich nun in der Neuen Mitte gut gehen lässt, der wird heutzutage jegliche Initiative jenseits der eigenen politischen Meinung, bekämpfen - und zwar mit extremer Härte. Das heutige, selbstgerechte rot-grüne Milieu rekrutiert sich aus diesen Verblendeten der 1970er Jahre. Eine sinnvolle Korrektur ist unter diesen Umständen nicht möglich. Die neue Rechte und die neuen Reaktionäre werden sich dagegen die Gunst der Stunde nicht entgehen lassen.

Das Beispiel Frankreich zeigt, die Linke ist mittlerweile - angesichts ihrer Nachkriegsgeschichte - unfähig eine Politik der sozialen Gerechtigkeit ins Rollen zu bringen. Linke bekämpfen sich lieber gegenseitig, solange bis die Neue Rechte den Profit aus den Eifersüchteleien zieht. Schlaft weiter, Genossen! 

 
       
   
  • SÜSELBECK, Jan (2004): Die Agenda frisst die Kinder.
    Mit den rot-grünen Reformen wird die Kinderarmut wieder zunehmen, meint der Kinderschutzbund,
    in: Jungle World Nr.13 v. 17.03.

Jan SÜSELBECK berichtet über die Zunahme der Kinderarmut (ausnahmsweise im ökonomischen und nicht im bevölkerungspolitischen Sinne). In diesem Artikel geht es nicht - wie gewöhnlich - darum Eltern und Kinderlose gegeneinander auszuspielen, sondern die Agenda-Reformen als Ursache von Kinderarmut zu benennen:

"Die Kinderarmut in Deutschland eigne sich laut Butterwegge und Klundt wegen ihres hochgradig emotionalisierenden Nachrichtenwerts für konservative Meinungsführer bestens dazu, die Opfer der Kürzungsmaßnahmen im sozialen Bereich gegeneinander auszuspielen. Talkshowgäste wie Hans-Olaf Henkel, der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), oder Finanzminister Hans Eichel (SPD) führten ständig die »Verantwortung für unsere Kinder« im Munde, um weitere Kürzungen zu rechtfertigen.
Nicht etwa die Sozialreformen, die die Situation der Kinder nachweislich verschärften, sondern Singles, Kinderlose und Greise würden auf diesem Weg plötzlich für die Armut vieler kinderreicher Familien verantwortlich gemacht. So werde es möglich, ausgerechnet die
wachsende Armut als Legitimationsgrundlage für weitere Sozial- und Rentenkürzungen zu nutzen."

 
       
     
       
     
       
   
  • PED (2004): Jetzt erst recht: Neue Linkspartei präsentiert sich.
    Initiatoren weisen Vorwürfe der SPD-Spitze zurück - 76 Prozent der Deutschen bewerten Schröders Kurs als sozial ungerecht,
    in: Welt v. 17.03.

Es irritiert einzig, dass die neoliberalen Grünen und die CDU von diesem Tief profitieren. Das kann nicht daran liegen, dass diese Parteien sozial gerechter wären, sondern deutet darauf hin, dass eine echte Alternative fehlt! Ob Singles von einer Linkspartei etwas zu erwarten haben, das bleibt offen. Singles sollten sich endlich selbst organisieren!

Jörn KABISCH phantasiert in der taz von einer "Partei der Wechselwähler". Der Wechselwähler ist für die Wahlforschung, das was der Single für die Familienforschung ist: eine belanglose Restgröße, die im Normalfall nicht interessiert, aber immer dann als Erklärung herangezogen wird, wenn man einen Sündenbock benötigt.

 
       
     
       
   
  • KRALINSKI, Thomas (2004): Kinder an die Macht.
    "Bevölkerungspolitik"? Ausgerechnet bei uns in Deutschland? Das Wort klingt bedrohlich nach überwundener Vergangenheit. Doch im 21. Jahrhundert können nur Kinder den Sozialstaat retten. Für eine aufgeklärte Bevölkerung,
    in: Berliner Republik Nr.2, März/April

Was noch im letzten Jahr nur für single-generation.de denkbar war, das ist nun zum neuen Gesellschaftssport der reaktionären Elite geworden: das Plädoyer für die Bevölkerungspolitik. Thomas KRALINSKI fördert die typischen Klischees hervor:

"In der hedonistischen »Revolution« der Achtundsechziger wurzelt eine weitere Ursache für die heutige Kinderlosigkeit. Individualisierung, die säkularisierte Familie, Selbstverwirklichung haben jeden einzelnen »glücklicher« gemacht. Doch die neuen Werte lassen sich, so die Überzeugung der Individualisierten, am ehesten bei Kinderlosigkeit leben. Mittlerweile ist das Lebensgefühl der »Singleisierung« weit in die Gesellschaft vorgedrungen. Zwar signalisieren Umfragen, dass Familie und Freunde wieder hoch im Kurs stehen, doch zu mehr Kindern führt das noch lange nicht."

KRALINSKI gehört zur Kategorie der Pharisäer. Der neue Geschlechterpakt hat längst die individualisierte Familie hervorgebracht. Kinderhaben und Single-Lebensstil ist für diese neue Elite kein Gegensatz mehr (siehe Prenzlauer-Berg-Mütter), sondern wird dank Niedriglohn-Hauspersonal zum neuen Statussymbol! Gösta ESPING-ANDERSEN ist der Guru dieser neuen Hauspersonal-Gesellschaft. In den USA hat jüngst Caitlin FLANAGAN dieses neue Ausbeutungsverhältnis gerechtfertigt und auch in der NZZ konnte man jüngst darüber lesen. Man muss Michel HOUELLEBECQs zentralen Gedanken aus dem Roman Plattform aufgreifen, um eine neue Form von Kolonialismus der postfeministischen Familie deutlich zu machen. Der Sextourist sorgt gemäß HOUELLEBECQ für einen fairen Austausch zwischen erster (reiche, aber feminismusgeschädigte Sexaholics) und dritter Welt (arme, aber sexy Dienende). Die neue individualisierte Familie beruht auf einem ähnlichen Dienstleistungsverhältnis, das jedoch weniger verrucht ist, weswegen dieser Tausch auch ohne große Probleme gesellschaftlich akzeptiert wird. Wir wollen hier auch gar nicht moralisieren, sondern es geht darum, zu zeigen, dass unsere neue Mitte durchaus ihre Privilegien genießt. Der gewöhnliche Mitte-Sozialdemokrat hängt das natürlich nicht an die "große Glocke" (was würde sonst seine nicht-privilegierte Wählerschaft von ihm denken!), sondern beschäftigt sein Hauspersonal ganz verschämt! Doppelmoral Hoch zwei! Wir möchten von KRALINSKI auch keine falschen Angaben über die lebenslange Kinderlosigkeit lesen:

"Immer mehr junge Frauen verzichten ganz auf Kinder. In der Gruppe der 1965 geborenen Frauen bleiben heute etwa 30 Prozent ohne Kinder, bei den 1955 geborenen Frauen liegt diese Quote bei nur sechs Prozent."

Eine empirische Untersuchung von Gert HULLEN hat nachgewiesen, dass die lebenslange Kinderlosigkeit bei den in den 1960er Jahren geborenen Frauen bei 14 % liegt! Das sind 50 ( F- Ü - N - F - Z - I - G) Prozent weniger als uns die Polarisierer vom Schlage eines KRALINSKI weismachen möchten! Single-dasein.de und single-generation.de haben bereits vor 3 Jahren darauf hingewiesen, dass ein Abbau von 50 % der Kinderlosen bis zur Bundestagswahl 2006 möglich sei - allein aufgrund STATISTISCHER Interpretationen! So mancher hat das als Satire oder als völlig weltfremd abgetan. HULLENs Ergebnisse zeigen jedoch, dass die Wirklichkeit meist viel unglaubwürdiger erscheint als die Erfindungen mancher Wissenschaftler!

Es braucht eigentlich gar nicht mehr erwähnt werden, dass KRALINSKI ein richtiger Hardliner in Sachen Bevölkerungspolitik ist und auch vor einer "Diktatur der Eltern" nicht zurückschreckt! Rente nach Kinderzahl und das Familienrecht sind für ihn legitime Zwangsmodelle angesichts des angeblichen Kinderlosen-Staates. Wir werden Euch Eure falschen Zahlen so lange vorhalten, bis es auch der LETZTE in diesem Land begriffen hat: Die Single-Gesellschaft ist ein Mythos, von dem vor allem die Eliten profitieren!

 
       
   
  • Spider (2004): Agenda 2050,
    in: Berliner Zeitung v. 16.03.

    • SPIDER hat sich schon einmal ausgemalt, was passiert, wenn die Prinzipien der Arbeitsvermittlung auf die Partnersuche angewendet werden. Agenda 2050 nennt er sein Szenario: "Die Frau vom Amt hatte schlechte Laune. Wahrscheinlich war sie letzte Nacht wieder von ihrem Mann verprügelt worden. Immerhin hatte sie eine Beziehung.
      (...) Mich will niemand. Nicht mal die schlecht gelaunte Frau vom Amt hätte mich genommen. Ich war Langzeitjunggeselle.
      (...).
      »Sie sind gemeingefährlich«, sagte der Sachbearbeiterinnenmund, »Sie glauben, Sie können sich um eine Ehe herumdrücken, auf Kosten der Allgemeinheit.« Sie hatte recht, innerhalb ihres Horizonts jedenfalls, die Sachbearbeiterin vom Standesamt.
      (...). Eine Ablehnung musste gut begründet werden. (...). Einmal zwang mich das Amt sogar zu einer Kontaktanzeige. Und dann gab es da noch dieses alberne Bewerbungstraining, wo man alle paar Monate hingeschickt wurde. Dieses Training bestand aus Tanzstunden, Kochkursen, Kraftsport für Männer, Aerobic für Frauen, Flirtseminaren und Stilberatung. Niemand sollte sich der Partnerschaft entziehen dürfen.
      Das alles begann kurz vor den letzten Bundestagswahlen, als die Alleinstehenden zum Wahlkampfthema gemacht wurden. Die Opposition warf der Regierungskoalition geschönte Statistiken vor. In jeder Fernsehdiskussion ging es nur noch darum. Alle taten so, als seien die Singles beiderlei Geschlechts das drängendste gesellschaftliche Problem. Ein künstlich geschaffenes, meiner Meinung nach. Früher war es jedenfalls nie ein Problem gewesen, Es hatte einfach immer Singles gegeben. Die SPD gewann die Wahl mit dem Slogan: »Es gibt kein Recht auf Keuschheit.« Sie kopierte einfach die Politik, die sie um die Jahrtausendwende gemacht hatte, als plötzlich die Arbeitslosen zum Problem gemacht wurden und auch keiner gefragt hatte, warum.
      Kurz nachdem die neue Kanzlerin ihr Kabinett vorgestellt hatte, wurde der Öffentlichkeit dann die Agenda 2050 präsentiert. Ein Reformpaket, das alle Bürgerinnen und Bürger fest im Hafen der Ehe verträuen sollte. Die Nation war begeistert. Die Unterstützung für dieses Projekt war überwältigend. Die Zumutbarkeitsklauseln für die Partnerwahl wurden verschärft. Man durfte nicht wählerisch sein."
Deutschland im Jahr 2030 - Wie es dazu kam, dass die Klonpartei vor ihrem größten Wahlsieg steht
 
       
     
       
   
  • MÖLLER, Johann Michael (2004): Patriotismus - der neue Kitt der Gesellschaft,
    in: Politisches Feuilleton. Sendung des DeutschlandRadio v. 16.03.

MÖLLER plädiert dafür, den Sozialabbau mittels Pathos zu kompensieren:

"Gerade wir in unserem Land müssen lernen, uns wieder als Gemeinschaft zu empfinden, die gemeinsam gewinnt und gemeinsam Opfer bringen muss. Das ist nicht die Ideologie der Armut, sondern das Pathos des Erfolgs. Die deutsche Reformdebatte krankt daran, dass sie bis heute keine Emotionen zeigte; dass sie keine kollektiven Phantasien beflügeln konnte. Doch ein Land zu erneuern ist keine seelenlose Operation. Dafür muss man Feuer entzünden, patriotische Feuer."

MÖLLER ist offensichtlich der Auffassung, dass die Nicht-Eliten noch irgendwelche Hoffnungen in die Eliten setzen würden. Tatsächlich sind unsere Eliten dabei ihren Vertrauensvorschuss gründlich zu verspielen. Nicht erst der Anschlag in Spanien zeigt, wie eine skrupellose Regierung Tatsachen zurechtbiegt. In Deutschland wird nachweislich der demografische Wandel mit nicht zu rechtfertigenden Daten dramatisiert.
 Wir werden verschaukelt wie in einer Bananenrepublik! Um ihren Besitzstand zu wahren, schreckt das Establishment vor billigster Demagogie nicht zurück.    

 
       
   

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Zu den News vom 09. - 15. März  2004

 
       
   
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