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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 13. - 31. März 2016

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Der Geburtenrückgang in Deutschland wurde in erster Linie durch den Rückgang von Frauen mit drei und mehr Kindern verursacht

"Deutschland ist durch die Kombination aus hoher Kinderlosigkeit und einem geringen Anteil Kinderreicher charakterisiert. Der Effekt des Rückgangs kinderreicher Familien kann jedoch mit 66,6 % den Großteil des Geburtenrückgangs in der Bundesrepublik Deutschland erklären (Bujard/Sulak 2015). Zeitlich unterscheiden sich die Effekte: Während in der Anfangsphase der Rückgang der kinderreichen Familien fast alleine den Geburtenrückgang ausgelöst hat, war später, beim Vergleich der Kohorten von 1950 bis 1970, die Kinderlosigkeit der dominierende Faktor".
(Martin Bujard & Detlev Lück "Kinderlosigkeit und Kinderreichtum", 2015, S.41)

 
       
       
   

Der ländliche Raum und Mittelstädte im demografischen Wandel

BORSTEL, Stefan von (2016): Wo leben die Deutschen am längsten?
Am Starnberger See werden die Menschen am ältesten. Am niedrigsten ist die Lebenserwartung im strukturschwachen Pirmasens,
in:
Welt v. 31.03.

Stefan von BORSTEL berichtet über eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Sabine ZIMMERMANN (Linkspartei) zur Lebenserwartung in Deutschland (mehr hier).

Tabelle: höchste und niedrigste geschlechtsspezifische
Lebenserwartung in Deutschland
Stadt oder Landkreis Männer Frauen
Breisgau-Hochschwarzwald (79,5) 85,0
Starnberg 81,3 (83,6)
Pirmasens 73,0 77,1
Quelle: Grafik in der Welt v. 31.03.2016
 
       
   

Die Entwicklung der Armut in Deutschland in der Debatte

KROHN, Philipp (2016): Für arme Kinder wird viel getan.
Massenarbeitslosigkeit hat auch vielen Kindern Armut gebracht. Wie ermöglicht man ihnen mehr soziale Teilhabe?
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 31.03.

 
       
   

Die Biologie der Partnerschaft in der Debatte

KARA, Stefanie (2016): Unsere Wunderdroge.
Oxytocin ist der Popstar der körpereigenen Substanzen: Das Hormon, das uns vertrauen lässt. Jetzt entdecken Forscher seine weiteren Fähigkeiten - und wollen mit ihm sogar Krankheiten heilen,
in:
Die ZEIT Nr.15 v. 31.03.

 
       
   

Die Finanzialisierung in der Debatte

RÜRUP, Bert & Gert G. WAGNER (2016): Es ist Zeit für eine neue Rente.
So könnte eine private Standardvorsorge für jedermann aussehen,
in:
Die ZEIT Nr.15 v. 31.03.

 
       
   

Nesthocker in der Debatte

DESTATIS (2016): Jeder zweite 23-jährige Mann wohnt noch bei den Eltern,
in: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 29.03.

"Junge Männer verlassen den elterlichen Haushalt später als ihre Altersgenossinnen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, lebte im Jahr 2014 rund die Hälfte (52 %) aller 23-jährigen Männer im Elternhaus. Mit 30 Jahren wohnten 12 % und mit 40 Jahren noch 4 % der Männer als »lediges Kind« bei den Eltern. Das zeigen die Ergebnisse des Mikrozensus, der größten jährlichen Haushaltsbefragung in Deutschland. Dagegen wohnte im Jahr 2014 noch etwa jede dritte Frau (35 %) im Alter von 23 Jahren als »lediges Kind« im elterlichen Haushalt. Mit 30 Jahren gehörten 5 % und mit 40 Jahren noch 1 % der Frauen dem elterlichen Haushalt an",

heißt es in der Pressemeldung. Die amtliche Statistik unterschätzt die Zahl der Nesthocker, weil durch die Zunahme der Gebäuden mit Einliegerwohnungen seit den 1980er Jahren viele Nesthocker einen Einpersonenhaushalt im Elternhaus führen. Single oder Nesthocker ist insofern auch eine Frage der Schichtzugehörigkeit. Sozialwissenschaftliche Erhebungen wie z.B. das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) könnten darüber Aufschluss geben. So erbrachte die  Studie Wer sind die Spätauszieher? Oder: Herkunftsfamilie, Wohnumfeld und die Gründung eines eigenen Haushaltes von Wolfgang LÜSCHER & Wolfgang LAUTERBACH aus dem Jahr 1999:

"Den stärksten Einfluss darauf, erst nach dem 26sten Lebensjahr einen eigenen Haushalt zu gründen, hat die finanzielle Situation des Elternhauses. Mit zunehmendem Einkommen der Eltern, damit mit zunehmender Wohlstandsposition erhöht sich die Wahrscheinlichkeit um das 13fache (13.03), dass Söhne erst nach dem 26sten Lebensjahr einen eigenen Haushalt gründen." (1999, S.24)

Eine Studie aus dem Jahr 2012 ergab für Deutschland, dass 13 % der Männer in einer Einliegerwohnung im Elterhaus lebten. Diese müssten in der amtlichen Statistik (Mikrozensus 2012) als "Single" (Einpersonenhaushalt) gezählt werden, wobei Missverständnisse hinsichtlich des Haushalts- bzw. Wohnungsbegriffs zu Falscheinordnungen führen können. Leider schweigen sich die Erhebungen zu diesem Punkt aus.

 
       
   

Das Mutterideal in der Debatte

BÄR, Julia (2016): Raus mit der Muttersprache.
Früher wurden Mütter verehrt, heute können sie nichts mehr richtig machen. Zwei gegensätzliche Bewegungen wehren sich gegen gesellschaftliche Erwartungen – nehmen sie aber gegensätzlich wahr,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.03.

Julia BÄR betrachtet die Debatten um Regretting Motherhood und die Verteidigung der Hausfrau (Aliny BRONSKY & Denise WILK) als Ausdruck zweier Milieus und ihrer spezifischen Erwartungen an die Mutterschaft: Die Abschaffung der Mutter sei eine Kritik an den Erwartungen in Großstadtvierteln wie Prenzlauer Berg in Berlin, während die Regretting Motherhood-Debatte um die frühe Mutterschaft auf dem Lande kreist. Nur in dieser Hinsicht sieht BÄR die Debatten berechtigt.

Hierzu wäre anzumerken, dass es mehr als nur diese zwei Milieus gibt, weil aufgrund der Wohnungs- und Lebenssituation nicht jede Mutter dort wohnen kann, wo sie gerne möchte und frühe Mutterschaft gibt es nicht nur auf dem Land, sondern auch in der Stadt sowie umgekehrt. Möglicherweise ist gerade die Abweichung von der medial inszenierten und sozialisierten Wohnnorm das Hauptproblem der Unzufriedenheit. Davon abgesehen verursacht auch nicht nur der Erwartungsaspekt Unzufriedenheit, sondern auch die realen, ganz konkreten Umweltbedingungen. Der Versuch von BÄR die Debatten engzuführen, ist der falsche Weg.

Gegenüber der Kritik von Edo REENTS und den Autorinnen wendet sie ein, dass die Rolle der Vaterschaft als Entlastungsmöglichkeit ignoriert bzw. zu wenig beachtet wird. Die harsche Debatte, in der jeweils nur das eigene Mutterbild als einzig Wahres vertreten wird, sieht BÄR als Ausdruck der Rollenunsicherheit. Ihr Ratschlag:

"Die Frage ist, wie man den Erwartungen begegnet. Wahrscheinlich am besten mit der Überzeugung, dass glückliche Mütter die besten Mütter sind - jede auf ihre eigene Art." 

 
       
   

Der ländliche Raum und Mittelstädte im demografischen Wandel

KELNBERGER, Josef (2016): Glanz und Gloria.
Sie hatten Glück im Leben und lieben ihre berühmte Stadt: Wie reiche Rentner Baden-Baden aufmöbeln wollen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 29.03.

 
       
   

Die Rentnermacht in der Debatte

PLICKERT, Philip (2016): Kinder-Stimmen gegen Rentnerdemokratie.
Der Sonntagsökonom: Wenn die Wählerschaft überaltert, droht eine Herrschaft der Greise. Wer denkt da noch an die Zukunft?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 27.03.

"Schon jetzt gibt es rund 20 Millionen Menschen im Rentenalter. Diese Zahl wird stark steigen, da nun die Generation der Babyboomer das Ruhestandsalter erreicht.
Und ihr Gewicht bei den Wahlen steigt. Auf 36 Prozent Wähleranteil kamen Bürger im Rentneralter bei der jüngsten Bundestagswahl. Der Logik der Politischen Ökonomie folgend, (...)(verschiebt sich) die politische Macht (...) von den Jungen zu den Alten",

lässt uns Philip PLICKERT, Jahrgang 1979, wissen. Wenn diese Theorie stimmen würde, dann müssten Eltern längst die Macht übernommen haben. Aber genauso wenig wie Eltern eine homogene und gleichgeschaltete Masse sind, genauso wenig sind das die Alten, wobei PLICKERT uns nicht sagt, wer alt ist. 50-Jährige? 60-Jährige? Seit über einem Jahrzehnt erzählt uns Hans-Werner SINN bereits, dass Reformen gegen die "Alten" unmöglich seien.

Während Neoliberale gerne auf den Medianwähler zurückgreifen, wenn es um die Rentnerdemokratie-Propaganda geht, meiden sie jedoch dieses Konzept wie der Teufel das Weihwasser, wenn es um Armut geht, dann ist plötzlich das Medianeinkommen als Maßstab zur Bestimmung von Armutsgefährdeten unbrauchbar.

Neoliberale (hier in der deutschen ordoliberalen Variante) schwadronieren zwar gerne in Markt-Metaphern, so auch diese "Institutionelle Ökonomie", die jedoch auf einen starken Staat setzt, der ihre neoliberalen Markt-Interessen durchsetzt. Im Gegensatz zur neoliberalen Markt-Ideologie gibt es nämlich keinen Markt, der irgendwelchen Naturgesetzen folgt, sondern der Markt ist eine politisch hergestellte Institution zur Profitmaximierung von Unternehmen.

Den Institutionen-Ansatz der politischen Ökonomie stellt uns PLICKERT anhand des Aufsatzes Votes on behalf of children: a legitimate way of giving them a voice in politics? von Stephan WOLF, Nils GOLDSCHMIDT (Vorsitzender der neoliberalen Lobbyorganisation Aktion Soziale Marktwirtschaft) und Thomas PETERSEN in der Zeitschrift Constitutional Political Economy Nr.3 aus dem Jahr 2015 vor.

Stellt sich jedoch die grundsätzliche Frage, wieso Eltern für Kinder ein stellvertretendes Wahlrecht bekommen sollen, aber nicht Menschen mit Migrationsintergrund stellvertretend für in Deutschland wohnende, aber nicht wahlberechtigte Ausländer. Werden deren Interessen etwa dann nicht auch mit Füßen getreten? Hier zeigt sich, dass es keineswegs um Demokratie geht, sondern allein um Machtausübung.

Aber offenbar ist die Sachlage doch nicht ganz so einfach, denn es ist durchaus umstritten, was zukunftsorientiert überhaupt heißt, wenn PLICKERT schreibt:

"Die große Frage bleibt, wie die Eltern im Namen ihrer Kinder wählen würden. Fielen ihre Entscheidungen zukunftsorientierter aus? Oder würden sie eher für mehr gegenwartsbezogene Ausgaben votieren?"

Für die neoliberale Bertelsmann-Stiftung ist zukunftsorientiert identisch mit Schuldenabbau und Kürzung von Sozialleistungen. Dann stellt sich die Frage gar nicht mehr, inwiefern Schulden und Sozialleistungen sinnvolle Ausgaben sind, von denen auch die junge Generation profitiert. Ein besserer Betreuungsschlüssel in staatliche Kitas und Schulen wird nämlich nicht als Investition in die Zukunft betrachtet, sondern vergrößert in Form von höheren Personalkosten die Staatsschulden.

Fazit: Zukunftsorientierung ist längst zur neoliberalen Phrase verkommen, die Debatten über sinnvolle Ausgaben unterbinden soll. Und offenbar glaubt PLICKERT auch nicht an die These von der Rentnerdemokratie und die Existenz eines wahlentscheidenden Medianwählers, wenn er meint, dass in Sachen Elternwahlrecht noch nicht das letzte Wort gesprochen sei. Es könnte aber auch sein, dass per Bundesverfassungsgerichtsurteil die Machtverteilung in Deutschland geändert wird. Unsere Elite könnte sich an postdemokratischen Regierungspraktiken in Osteuropa und der Türkei ein Beispiel nehmen, um hierzulande gegen die Bevölkerung und unliebsame Oppositionsparteien vorzugehen.

 
       
   

Das Mutterideal in der Debatte

TRUSCHEIT, Karin (2016): Man kann nicht alles haben - Frau auch nicht.
Work, Life, Balance? Familie und Beruf – beides ist mehr Erfüllung, als man stemmen kann. Frauen müssen sich entscheiden. Ein Kommentar,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.03.

 
       
   

Die Babyboomer in der Debatte

GROSSARTH, Jan (2016): Harter Aufstieg.
Wer gute Arbeit macht, kann sich vom Lohn ein kleines Vermögen aufbauen. So war es einmal. Für die junge Generation wird das viel schwieriger, als es noch für die Babyboomer war,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.03.

"Es bringt nichts, die Leute zu fragen, welche Generation es wirtschaftlich am besten hatte. Es ist längst erwiesen, dass die Menschen sich mit denen vergleichen, die es besser hatten, und ein Hang zum Jammern sehr verbreitet ist. (...). Also muss man die Statistiker fragen",

rechtfertigt Jan GROSSARTH die Vorstellung des Ökonomen Timm BÖNKE, der sich angeblich am besten mit der Generationenungerechtigkeit auskennt. Diese Charakterisierung soll verhindern, dass konkurrierende Experten, z.B. Politikwissenschaftler wie Christina MAY oder Soziologen, die Vorgehensweise relativieren könnten.

Allein schon die Tatsache, dass BÖNKE lediglich westdeutsche Männer der Geburtsjahrgänge 1935 bis 1972 betrachtet hat, lässt das Unternehmen fragwürdig erscheinen, denn weder Frauen noch Haushalte oder gar Ostdeutsche werden damit berücksichtigt. Da nützt es auch nichts, dass BÖNKE die Lebenseinkommen berechnet und zum Ergebnis kommt:

"Nie war das mittlere Lebenseinkommen höher als im Jahrgang 1955"

Auch die Differenzierung zwischen Ärmsten, Mittelverdiener und Bestverdiener hilft da nichts, wenn Frauen, Haushalte und Ostdeutsche ausgeklammert sind.

Zum Schluss zieht GROSSARTH den aktuellen Vermögensbericht der Bundesbank für das Jahr 2014 heran, um darauf hinzuweisen, dass Vermögen wichtiger geworden sind als die Einkommen. Während BÖNKE warnt, dass Bildung an Bedeutung verlieren könnte, wenn das Vermögen an Bedeutung gewinn, setzt GROSSARTH in der Zeitung für Besserverdiener auf den privaten Generationenvertrag. Urbane Penner nannte vor einigen Jahren Mercedes BUNZ solche Postadoleszenten, deren Lebensstil von den Eltern finanziert wird.

 
       
   

Die Rentenpolitik der Gewerkschaften in der Debatte

SCHMERGAL, Cornelia (2016): Popcorn für alle.
Soziales: Die Gewerkschaften wollen die Rente zum Thema des nächsten Bundestagswahlkampfs machen. Die Frage ist nur: Wie soll die Reform aussehen, die sie fordern?
in:
Spiegel Nr.13 v. 26.03.

 
       
   

Generationengerechtigkeit in der Debatte

HAGELÜKEN, Alexander (2016): Die Regierung verrät die Jungen.
Rente: Die Politik könnte vieles tun, zum Beispiel eine Pflichtberatung finanzieren,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 24.03.

 
       
   

Das Single-Dasein in Japan

SCHNABL, Gunther (2016): Japans langes Leiden unter dem billigen Geld.
Die ultralockere Geldpolitik hat über Umverteilungseffekte einschneidende gesellschaftliche Auswirkungen. Das zeigt sich in Japan in aller Deutlichkeit. Welche Lehren sollte die Europäische Zentralbank daraus ziehen?
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.03.

 
       
   

Das Umgangs- und Sorgerecht in der Debatte

MARTENS, Daniela (2016): Es ist auch sein Kind.
Wenn Mütter nicht kooperieren, kann es für Väter schwierig sein, ihre Kinder regelmäßig zu sehen. Peter Kees war verzweifelt - und fing irgendwann an, einen Film über seine Situation zu drehen,
in:
Tagesspiegel v. 23.03.

 
       
   

Der Literaturbetrieb in der Debatte

STEINER, Brigitte (2016): Der beschädigte Narziss kotzt sich aus.
Benjamin von Stuckrad-Barre und Karl Ove Knausgård liegen im Trend: In ihren Werken erzählen Autoren neuerdings gern breit von ihren Schwächen und Süchten. Wenn Frauen bekennen, geht es dagegen meist um Sex,
in:
Die Presse v. 23.03.

 
       
   

Die Ökonomen-Elite und die Ökonomie in der Debatte

FLASSBECK, Heiner (2016): Die herrschende Lehre beklagt die Ungleichheit!
Höchste Vorsicht ist geboten,
in:
Telepolis v. 22.03.

 
       
   

Die Migration in Deutschland in der Debatte

DESTATIS (2016): Nettozuwanderung von Ausländerinnen und Ausländern im Jahr 2015 bei 1,1 Millionen,
in: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 21.03.

 
       
   

Die Lebensversicherer in der Debatte

JELLEN, Reinhard (2016): Wer wird schon 100 Jahre alt?
Holger Balodis über das Geschäft der privaten Rentenversicherungen,
in:
Telepolis v. 20.03.

 
       
   

Das Mutterideal in der Debatte

NETZIK, Ann-Kathrin & Susanne AMANN (2016): "Ich wollte nie nur das eine".
Gespräch: BVG-Chefin Sigrid Nikutta über Vollzeitväter, die übersteigerten Ansprüche an berufstätige Mütter und effiziente Frauenförderung,
in:
Spiegel Nr.12 v. 19.03.

Während letzte Woche im Spiegel nicht-berufstätige kinderreiche Mütter attackiert wurden, wird nun ein nicht-berufstätiger Vater gehätschelt. Keine Frage danach, ob er der Volkswirtschaft Schaden zufügt, weil er mit seiner Qualifikation nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht, sondern stattdessen wird sein Exotenstatus zur Schau gestellt:

"Der Klassiker ist, dass er mit vier Kindern unterwegs ist und ihm jemand anbietet, so lange auf das kleinste aufzupassen, bis seine Ehefrau wiederkomme. Er entgegnet dann: »Da können Sie lange warten, die kommt erst in zwei Tagen wieder!«"

Ob diese Spiegel-Strategie zu mehr Wahlfreiheit in der Kinderfrage bzw. mehr Lust auf Kinder führt? 

 
       
   

Regretting Motherhood in der Debatte

REENTS, Edo (2016): Lass es wegmachen, oder was?
Das ewig Mütterliche stößt manche Betroffenen ab - aber was soll aus der Reue denn eigentlich folgen? Anmerkungen zur Merkwürdigkeit der Debatte über die bereute Mutterschaft,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.03.

 
       
   

Das Alterseinkünftegesetz in der Debatte

BRANDSTETTER, Barbara (2016): Der Staat langt bei vielen Bürgern künftig doppelt zu.
Die Vermögensfrage: Wer sich in den kommenden Jahren zur Ruhe setzt, muss laut einer aktuellen Studie aus versteuertem Einkommen gezahlte Rentenbeiträge im Alter abermals versteuern. Davor warnten bereits 2007 Mitglieder der Sachverständigenkommission das Finanzministerium,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.03.

Barbara BRANDSTETTER berichtet über die Folgen des Alterseinkünftegesetzes, das aufgrund eines Urteiles des Bundesverfassungsgerichts im Jahr 2002 beschlossen wurde und 2005 in Kraft trat. Es beinhaltet den stufenweisen Übergang von der vorgelagerten Beitragsbesteuerung auf die nachgelagerte Besteuerung der Renten.

BRANDSTETTER berichtet nun über verschiedene Auffassungen über das Ausmaß der unzulässigen Doppelbesteuerung. Sie geht dabei auf eine Studie von Werner und Günter SIEPE ein, die der FAZ zugespielt wurde, und in der ein unzulässig hohes Maß der Doppelbesteuerung für Rentner, die zwischen 2015 und 2069 in den Ruhestand, festgestellt wird. Auch eine Stellungnahme der Sachverständigen Bert RÜRUP & Herbert RISCHE vom Sommer 2007, die aufgrund von Änderungen der Rahmenbedingungen - entgegen ihres ersten Gutachtens im Jahr 2003 - eine unzulässige Doppelbesteuerung bemängeln und deshalb Änderungen am Alterseinkünftegesetz für erforderlich halten, geht in diese Richtung. Dagegen sieht das Finanzministerium aufgrund ihren Berechnungen keinerlei Anlass zu Änderungen am Gesetz. Ursache dafür ist, dass es keine konkrete Bestimmungen zur Ermittlung einer unzulässigen Doppelbesteuerung gibt und deshalb der Weg zur Konkretisierung über Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht führt.

 
       
   

Die Reproduktionsmedizin und die Fruchtbarkeitskrise

BERNDT, Christina (2016): Gespendetes Glück.
Andrea Rensch  hat bei der Geburt ihres ersten Kindes ihre Gebärmutter verloren. Weil sie sich nach einem zweiten Kind sehnt, soll sie nun ein fremdes Organ transplantiert bekommen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 19.03.

 
       
   

Stephan Hebel & Daniel Baumann - Gute-Macht-Geschichten

HEBEL, Stephan & Daniel BAUMANN (2016): Mächtige Floskeln.
In ihrem neuen Buch "Gute-Macht-Geschichten" entlarven FR-Autor Stephan Hebel und FR-Wirtschaftschef Daniel Baumann, was Politiker wirklich meinen, wenn sie von "Wettbewerbsfähigkeit" und "Reformen" sprechen. Ein Auszug,
in:
Frankfurter Rundschau v. 19.03.

 
       
   

Heinz Bude - Das Gefühl der Welt

WERMELSKIRCHEN, Simone (2016): "Die Verbitterten ergreifen das Wort".
Über die Gereiztheit der Deutschen und das mangelnde Gespür der Politiker hat der renommierte Soziologe ein Buch geschrieben Im Gespräch sagt er, was zu tun ist,
in: Handelsblatt v. 18.03.

Heinz BUDE kritisiert das Weiter wie bisher der etablierten Parteien. Er sieht in den AfD-Wählern Verbitterte mit vergiftenden Ansichten, deren Resonanzboden die soziale Spaltung der Mittelschicht ist. BUDE unterscheidet dabei zwei gesellschaftliche Spaltungen:

"Zu der Spaltung zwischen der Mehrheitsklasse der halbwegs Gebildeten, einigermaßen Verdienenden sowie prinzipiell Abgesicherten und dem »Dienstleistungsproletariat« kommt die Spaltung zwischen einem oberen und einem unteren Teil der gesellschaftlichen Mitte. Dazu zählen auch viele Akademiker. Das alles sind Menschen, die in ihrem Leben einfach nur eine oder einige falschen Entscheidungen getroffen haben."

Im Gegensatz zu anderen Interviews werden hier keine genauen Verdienstabgrenzungen vorgenommen, stattdessen wird das Beispiel eines Freiburger Juristen genannt, der die falsche Entscheidung einer Kanzleigründung ohne Spezialisierung getroffen hat.

 
       
   

Michael Nast - Generation Beziehungsunfähig

REINHARD, Claudia (2016): "Ich habe das ja nicht studiert oder so".
Der Autor Michael Nast zeichnet das Porträt von Egozentrikern, die alles, was sie tun, zum Statement machen. Ratschläge will er der "Generation Beziehungsunfähig" aber nicht geben,
in: Frankfurter Rundschau v. 18.03.

 
       
   

Die Produktion von Lebensqualität in der Debatte

PENNEKAMP, Johannes (2016): Mit weniger Wachstum leben.
Den Menschen geht es besser, als es die offiziellen Statistiken suggerieren,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.03.

 
       
   

Der Wandel des Parteiensystems in Deutschland in der Debatte

SCHLOEMANN, Johan (2016): "Vollpfosten" und "Abgehängte".
Vom schwierigen Reden über Rechtspopulismus,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 18.03.

Nach den Wahlerfolgen der AfD bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt beschreibt Johan SCHLOEMANN zwei Annahmen zur weiteren Entwicklung des Rechtspopulismus: die optimistische Entzauberungsthese und die pessimistische Vergiftungsthese. Danach listet er fünf wirkungslose Strategien des Umgangs mit der AfD auf.

 
       
   

Marcel Fratzscher - Verteilungskampf

PRANGE, Sven & Gregor Peter SCHMITZ (2016): "Der Kampf tobt doch längst".
Ungleichheit: Der Ökonom Marcel Fratzscher und die Politikerin Sahra Wagenknecht beklagen den Zustand des Kapitalismus. Ein Gespräch über die neuen Verteilungskämpfe,
in:
Wirtschaftswoche Nr.12 v. 18.03.

 
       
   

Die Partnersuche in der Debatte

GILBERT, Cathrin (2016): Arme Frau? Armer Mann!
"Ich möchte nicht beim ersten Date mit einem Mann erfahren, dass er bereit ist, in Elternzeit zu gehen, bevor ich überhaupt weiß, ob er jemals als Vater infrage kommen könnte",
in: Die ZEIT Nr.13 v. 17.03.

 
       
   

Marcel Fratzscher - Verteilungskampf

BROST, Marc & Mark SCHIERITZ (2016): "Wer unten ist, bleibt unten".
Der Ökonom Marcel Fratzscher über die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich und das Versagen des Sozialstaats,
in: Die ZEIT Nr.13 v. 17.03.

 
       
   

Die säkulare Stagnation in der Debatte

SCHIERITZ, Mark (2016): Kein Grund zur Panik.
Enteignet die EZB die Sparer? So einfach ist es nicht. Vier Fragen und Antworten zum Geld,
in: Die ZEIT Nr.13 v. 17.03.

 
       
   

Heinz Bude - Das Gefühl der Welt

JÄGER, Michael (2016): Missmut im Neoliberalismus.
Stimmungsbilder: Heinz Bude versucht eine Gesellschaftsdiagnose mit den Mitteln der Ästhetik,
in: Freitag Nr.11 v. 17.03.

 
       
   

Die neuen Väter in der Debatte

KREITLING, Holger (2016): "Männer verbringen zu viel Zeit mit Frauen".
Die Beraterin und Autorin Dasa Szekely kritisiert das vermeintlich starke Geschlecht als unreif, größenwahnsinnig und ängstlich. Ein Gespräch über Konturlosigkeit, kuschelnde Väter und schweigende Ehegatten,
in: Welt v. 17.03.

 
       
   

Michael Kumpfmüller - Die Erziehung des Mannes

BEHRENDT, Eva (2016): Seelenerkundungen starker Icherzähler.
Reifungsabenteuer: Exzess und Katzenjammer oder lieber Passivität und Beziehungsarbeit? Männerromane von Thomas Glavinic und Michael Kumpfmüller,
in: TAZ v. 16.03.

"Erst durch die Kinder gelangen die Babyboomer zur Beziehungsreife",

fasst Eva BEHRENDT die Hauptaussage des Romans von Michael KUMPFMÜLLER zusammen. Auch in GLAVINICs Roman sieht sie dieses Motiv wirken, wobei im Gegensatz zu KUMPFMÜLLER nicht das Erzogen werden, sondern die Selbsterziehung das Thema ist.

 
       
   

Die Arbeitskultur in der Debatte

KAISER, Tobias (2016): Frustrierte Arbeitnehmer.
Die überwiegende Mehrheit der Beschäftigten hierzulande hadert mit ihrem Job und kritisiert hohen Druck und mangelnde Sicherheit. Früher habe die Situation mehr dem eigenen Ideal entsprochen,
in: Welt v. 17.03.

 
       
   

Ronja von Rönne - Wir kommen

HAAF, Meredith (2016): Herzrasen zwecklos.
Ronja von Rönnes Debütroman "Wir kommen" ist so lustlos geschrieben, als wäre ihr der eigene Text genauso egal wie alles andere auch - das Buch wirkt wie der Hashtag einer apathischen Generation,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 15.03.

Wenn man die Rezensionen von Meredith HAAF, Jahrgang 1983, und Claudius SEIDL vergleicht, dann könnte man meinen, dass sie von zwei verschiedenen Büchern handeln. Für den Babyboomer SEIDL handelt RÖNNEs Buch vom Jungsein und Wir kommen ist dann keine Konstruktion eines wie auch immer gearteten Wirs, sondern nur das formale Dazugehören zur Altersgruppe der Jungen. Dieses Dazugehören wird von SEIDL als Gefühl des Nicht-Dazugehören(wollen)s zur Welt der Erwachsenen gedeutet. Nora wäre dann eine Art weiblicher Holden Caulfield, zumindest was das Lebensgefühl betrifft. Aber darin erschöpft sich auch schon die Gemeinsamkeit, denn eine Jugend ohne Plot ist eine Jugend ohne Handlungsimpuls.

HAAF dagegen sucht vergeblich eine Wir-Identität einer neuen Generation, eine programmatische Kampfansage oder einen stimmigen Plot, findet aber nur ein einsames Landei in der Großstadt und ein "tiefes Desinteresse am Menschen".

Für SEIDL erschöpft sich das Jungsein im Erfinden einer eigenen Sprache bzw. in der Wiedergewinnung der Deutungshoheit über "verbrauchte Sätze". Meinen und Schimpfen à la Thomas BERNHARD oder Rainald GOETZ sind ihm eine große und wunderbare literarische Tradition in die er den Roman stellt. HAAF wirft der Autorin dagegen die Erfahrungsarmut ihrer rund 25 Jahre vor, wenn sie z.B. Mütter beschreibt, obwohl sie doch als Kinderlose - im Gegensatz zu Mutter HAAF - gar nicht weiß, was Muttersein bedeutet.

Lässt sich die unterschiedliche Sichtweise auf RÖNNEs Text vielleicht auf das Geschlecht des Rezensenten zurückführen? Männer scheinen eher im Formalen des Textes das gelungene Element des Romans zu entdeckten. Ähnlich wie SEIDL geht Daniel HAAS von einem Sprachproblem aus, wobei dieses nicht auf die Jungen eingegrenzt wird, sondern gleich dem modernen Selbst zugeschrieben wird. Für Katharina GRANZIN klafft dagegen Inhalt und Form auseinander, denn ähnlich wie HAAF geht es ihr um den Plot:

"Weil das Flapsig-Ironische sich so unterhaltsam liest, kann man diese ganze Lebensproblematik, die da angeblich transportiert wird, nicht vollständig ernst nehmen. Es mag noch so viel von Selbstmordgedanken und Kindheitstraumata erzählt werden – viel hilft da nicht viel, alles wirkt doch wie Pose."

Die Rezension von Moritz MÜLLER-SCHWEFE, Jahrgang 1990, liegt dagegen quer zu diesen Sichtweisen. Im Gegensatz zu den weiblichen Rezensentinnen findet er den Feminismus-Artikel von RÖNNE gelungen und vermisst eher den provokanten Ton im Roman. Und zu Nora fällt ihm nicht viel mehr ein als:

"Nora hat alles, was sie braucht.
Und genau da liegt ihr Problem. Ausdruck findet es in regelmäßigen Panikattacken."

Psychologie ist nicht gerade seine Stärke, dafür eint ihn mit RÖNNE im Gegensatz zu den anderen RezensentInnen die Jahrgangsnähe.

 
       
   

Marcel Fratzscher - Verteilungskampf

AUGSTEIN, Franziska (2016): Armes Deutschland.
DIW-Chef Fratzscher hält die sinkende Kaufkraft der sozial Schwachen für eine Wachstumsbremse,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 15.03.

 
       
   

Heinz Bude - Das Gefühl der Welt

BISKY, Jens (2016): Die Stunde der grundsätzlichen Gereiztheit.
Heinz Bude erkundet in seinem neuen Buch die Stimmung der Gesellschaft zwischen empörten Kapitalismusgegnern und entspannten Systemfatalisten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 14.03.

Jens BISKY sieht einen grundlegenden Wandel in Richtung Hysterisierung der Öffentlichkeit. Vor diesem Hintergrund deutet er BUDEs Buch:

"In einem Augenblick, in dem die Republik sich wieder einmal grundlegend ändert, scheint jeder gut beraten, sein Deutungsbesteck zu putzen und sich womöglich das eine oder andere neue Analysemesserchen zuzulegen."

Inwieweit können jedoch Stimmungen als ein Phänomen, das jenseits von Sozialstatistik und Ideologiekritik Erklärungen anbieten will, die gegenwärtige Situation erhellen?

Die "Isolationsfurcht des Einzelnen", zu deutsch: die Angst als Außenseiter zu gelten, führt zur Konformität. Das ist eine Sichtweise, die der Journalist Harald MARTEINSTEIN bereits im Jahr 2011 beschworen hat. Die Wiederkehr der Konformität heißt ein Buch der Soziologin Cornelia KOPPETSCH, in dem unterschiedliche Strategien im Zeitalter der Abstiegsängste  beschrieben werden.

Der französische Sozialpsychologe Serge MOSCOVICI hat dagegen den sozialen Einfluss von Minderheiten beschrieben, der gerade in solchen Zeiten der Konformität neue Sichtweisen hervorbringen kann. Statt die Macht der Stimmungen zu beschwören, wäre es vielleicht angebrachter die zunehmende Macht von Gegenpositionen in Zeiten des Glaubwürdigkeitsverlustes der Mainstreammedien zu studieren.

Die Frage wäre dann, inwiefern BUDEs "Neudefinition von Zukünftigen" oder MOSCOVICIs Theorie des Nonkonformismus in der jetzigen Situation hilfreicher sind.   

 
       
   

Gender in der Debatte

HUMMEL, Katrin (2016): Kommst du noch mit hoch?
Männer und Frauen missverstehen einander dauernd. Aber warum nur? Katrin Hummel hat sich umgehört,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 13.03.

 
       
   

Die Amtsstatistik in der Debatte

STAAT, Yvonne (2016): Zahlen und Gefühle.
Was passiert, wenn die Menschen der Statistik nicht mehr vertrauen?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 13.03.

Yvonne STAAT porträtiert den Präsidenten des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden, Dieter SARREITHER, der die amtliche Statistik als "Stütze der Demokratie" beschreibt:

"Jeder kann sich auf der Homepage des Amtes die Statistiken anschauen und sich ein eigenes Bild machen."

Das ist leider leichter gesagt als getan, denn die Statistiken sind meist schwer auffindbar, wenn sie überhaupt online sind. Wichtige Daten muss man sich aus unterschiedlichen Statistikheften selber zusammensuchen. Lange Reihen, die Vergleiche über einen längeren Zeitraum ermöglichen würden, enden meist in den 1990er Jahren. Aufgrund von Strukturbrüchen in den Statistiken sind manchen Vergleiche gar nicht mehr - oder nur mit sehr viel Aufwand - möglich. Transparenz sieht jedenfalls anders aus.

Der Artikel geht darauf ein, dass es eine Kluft zwischen der subjektiv gefühlten Entwicklung und der Entwicklung statistischer Indikatoren gibt. Anders ausgedrückt: Lebensqualität und Wohlbefinden haben nicht unbedingt etwas mit der Entwicklung von Durchschnittswerten zu tun. Dieses Auseinanderklaffen wird als Problem beschrieben.

Der Artikel ist eher oberflächlich und für jemanden, der sich länger mit dem Problem beschäftigt hat, bietet der Artikel auch keinen Erkenntnisgewinn. Schlicht sind die Ausführungen z.B. zum statistischen Familienbegriff:

"In der Statistik spielt die Kategorie oder Schublade »Familie« eine wichtige Rolle. Lange Zeit war diese Schublade in Deutschland so gebaut, dass in ihr nur Ehepaare mit oder ohne Kinder Platz hatten sowie alleinerziehende Mütter oder Väter, die noch mit ihren Kindern zusammenwohnen. Alle anderen, etwa schwule Paare mit Kind oder Patchworkfamilien, hatten keinen Platz. Und was keinen Platz hat, erscheint in keiner Statistik. Wird nicht zu Wissen. Es hatte erst Platz, als einer von Sarreithers Vorgängern 2005 eine neue, größere Schublade baute, der er den Namen »familiale Lebensformen« gab."

Was hier beschrieben werden sollte, ist die Einführung des Lebensformen-Ansatzes, der bereits seit dem Jahr 1996 in Sonderauswertungen Verwendung findet, aber erst seit 2005 tatsächlich Standard wurde. Patchworkfamilie ist jedoch weiterhin keine Kategorie der amtlichen Statistik. Hinsichtlich der Singles betreibt der Lebensformenansatz weiterhin lediglich Kosmetik und stiftet gar noch mehr Verwirrung, denn die Zahl der Alleinlebenden (Singles im Sinne der rückständigen Amtsstatistik) ist kleiner als die Zahl der Einpersonenhaushalte. Journalisten kennen diesen Unterschied entweder gar nicht oder ignorieren ihn. Zum Schluss macht STAAT auf eines von vielen Problemen aufmerksam:

"Es reicht nicht, dass die Statistiken für alle Menschen zugänglich sind. Das allein gibt den Menschen noch keine Macht. Diese Macht haben sie erst, wenn sie die Statistiken auch lesen können. Und »lesen« heißt nichts anderes als sich bewusst zu machen, was alles hinter den Zahlen steckt, welche Fragen, welche Interessen, welche Schubladen. Vieles dazu findet man auf der Homepage des Statistischen Bundesamtes. Das ist anstrengend und kompliziert. Aber jeder, der die Macht haben will, muss da durch. Und dann kann er der Statistik auch vertrauen."

Dass jedoch Statistiken lesen zu können etwas mit Vertrauen zu tun hat, ist etwas naiv gedacht. Wer Statistiken lesen kann, der weiß, dass die amtliche Statistik Grenzen hat, die in journalistischen Berichten selten korrekt benannt werden oder so weit interpretiert werden, dass dadurch die Realität verzerrt wird. Skepsis gegen jedwede Art von Statistik ist deshalb eher angebracht als Vertrauen. Gesundes Misstrauen ist auch gegenüber den Interpretationen des Statistischen Bundesamtes wie sie z.B. in deren täglichen Pressemitteilungen zum Ausdruck kommen, angesagt. Diese haben allzu oft mehr mit politischer Erwünschtheit als mit einem objektiven Blick auf die Statistik zu tun.

 
       
   

Marcel Fratzscher - Verteilungskampf

FRATZSCHER, Marcel (2016): Wohlstand für wenige.
Die Ungleichheit in Deutschland ist hoch. Das gefährdet den Wohlstand künftiger Generationen. Mehr Staat oder mehr Steuern sind nicht die Rettung. Sondern: mehr Chancen,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 13.03.

 
       
   

Die Alter(n)skultur in der Debatte

OCHS, Birgit (2016): Smart Home für Oma.
Das Hightech-Zuhause ist noch die Ausnahme. Es könnte eine größere Rolle spielen - vor allem mit Blick auf das Wohnen im Alter,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 13.03.

 
       
   

Das Renteneintrittsalter und die Erhöhung der Erwerbsquote von Älteren in der Debatte

OBERHUBER, Nadine (2016): Arbeiten bis zum Umfallen.
Viele Deutsche arbeiten auch im Rentenalter. Die Frage ist nur: Ist das freier Wille oder blanke Not?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 13.03.

"Die Zahl derer, die hierzulande auch jenseits der 65 Jahre nicht mit dem Arbeiten aufhören, hat sich seit 1991 mehr als verdoppelt, ja sogar fast verdreifacht auf mittlerweile 830.000 Bundesbürger. In der Gruppe der 65- bis 70-Jährigen arbeitet inzwischen mehr als jeder Zehnte. Nun kann man das als politischen Erfolg werten und Gesetzesänderungen zuschreiben wie der Rente mit 67. Denn die beginnt doch offensichtlich zu greifen, wenn sich der Eintritt ins Rentenalter beim Gros der Bundesbürger von 60 auf 62 Jahre verschoben hat. Es könnte aber genauso gut ein Alarmzeichen sein und auf einen Missstand hindeuten: Vielleicht arbeiten immer mehr Rentner weiter, weil ihr Einkommen im Alter nicht ausreicht, um sich zur Ruhe zu setzen."

beginnt Nadine OBERHUBER ihre Ursachenforschung bezüglich des Arbeitens im Rentenalter. Hierzu wird eine Studie eines Marktforschungsinstituts herangezogen, die jedoch nur für den höher gebildeten Teil der Bevölkerung repräsentativ ist. Bei solchen Befragungen gibt es jedoch immer Bedenken hinsichtlich der sozialen Erwünschtheit des Antwortverhaltens. Hält z.B. die Scham davon ab, die Armut als Ursache anzugeben? Eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung wird so interpretiert, dass vor allem Höherqualifizierte und Selbständige länger arbeiten.

Bei der relativ großen Zahl der arbeitenden Ruheständler, die nur 900 - 1300 Euro verdienen (41 %) und die damit gemäß OBERHUBER unterhalb der Durchschnittsrente von 1500 Euro liegen, schließt die Autorin auf ein starkes Einkommensmotiv, da diese unzufriedener sind als die nicht-arbeitenden Ruheständler mit gleich hohem Einkommen.

Wenn die Motivation des Arbeitens im Ruhestand nur in der Vermeidung der Altersarmut oder dem Spaß an der Arbeit gesucht wird, wird vernachlässigt, dass auch die Unzufriedenheit mit der bisherigen Arbeit einen Einfluss auf die Frage des Weiterarbeitens haben könnte genauso wie das soziale Umfeld, in dem sich der Ruheständler bewegt.  

 
       
   

Ronja von Rönne - Wir kommen

SEIDL, Claudius (2016): Jugend ohne Plot.
Jung zu sein: Ist das eine Störung, die man heilen kann? Ronja von Rönnes "Wir kommen" erzählt von einem trotzigen Sommer,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 13.03.

 
       
   

Der Literaturbetrieb in der Debatte

BAUM, Antonia (2016): Der Engel, der im Callcenter arbeitete.
Laurie Penny, die zurzeit wichtigste feministische Stimme, schreibt jetzt auch Kurzgeschichten voller Horror und voller kleiner Utopien. Ist das eine gute Idee?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 13.03.

 
       
   

Der Zeitgeist in der Debatte

KAUBE, Jürgen(2016): Die Merkwürdigkeiten dieses Landes.
Philipp Felsch und Frank Witzel führen in "BRD Noir" ein Jungsgespräch über die alte Bundesrepublik,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 13.03.

 
       
   

Das Single-Dasein in China

KOLONKO, Petra (2016): Ein Dokument, das Familien auseinanderreißt.
Millionen Kinder wachsen in China ohne Eltern auf. Das liegt an einem unscheinbaren Büchlein namens Hukou,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 13.03.

 
       
   

Der ländliche Raum und Mittelstädte im demografischen Wandel

KALTENBRUNNER, Robert (2016): Raum mit Eigenschaften.
Von Eigenheimen, zersiedelten Landschaften und der verblassten Vision einer "Bodenseestadt",
in:
Telepolis v. 13.03.

 
       
 

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Zu den News vom 10. - 12. März 2016
 

   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
 
   

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