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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 12. - 17. Mai 2016

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Die Zuwanderung macht viele Prognosen zum demografischen Wandel obsolet

"Zu erwarten ist, dass jährlich bis zu einer Million oder sogar noch mehr Flüchtlinge kommen. (...) Sie werden das Schrumpfen der Bevölkerung für lange Zeit verhindern und später verzögern. Damit aber werden viele Prognosen zum demografischen Wandel - insbesondere die Schrumpfungsszenarien - schlicht Makulatur werden."
(Thomas Straubhaar "Der Untergang ist abgesagt",, 2016, S.16)

 
       
       
   

STORTZ, Wolfgang (2016): "Von links kommen heute keine Visionen".
Die Soziologin Sabine Pfeiffer über Roboter, Irrtümer der Digitalisierungsdebatte und die Arbeit der Zukunft,
in:
Neues Deutschland v. 17.05.

Die Soziologin Sabine PFEIFFER sieht in der jetzigen Debatte um die Industrie 4.0 keine wirklich neuen technischen Entwicklung, sondern in erster Linie einen rhetorischen Wandel, der den Blick von der Dienstleistungsgesellschaft auf die Industriegesellschaft lenkt:

"Neu ist seit zwei, drei Jahren, dass dieses Thema der neuen Techniken von der Industrie selbst, also den Unternehmen und ihren Verbänden, und der Politik richtig gepusht wird. (...).
Mindestens 20 Jahre lang blickten die meisten Menschen auf die Dienstleistungsgesellschaft und nicht auf die Industrie. Sie wurde bestenfalls als Umweltverschmutzer wahrgenommen oder als von Verlagerung bedrohtes Auslaufmodell. (...). Deswegen haben viele auch nicht wahrgenommen, was dort in den vergangenen Jahren ständig an technischer Weiterentwicklung und Digitalisierung gelaufen ist."

Die Soziologin sieht in erster Linie Arbeitsplätze nicht in der High-Tech-Industrie, sondern im Angestelltenbereich wegfallen:

"In den Verwaltungen, in den Angestelltenbereichen und an den Rändern der Produktionssphäre (...), also beispielsweise in der Logistik, wird es starke Rationalisierungen geben in den kommenden Jahren."

PFEIFFER bemängelt, dass große Visionen inzwischen nur noch von den weltweit operierenden Unternehmen und Unternehmensberatungsfirmen kommen, statt von fortschrittlichen gesellschaftlichen Kräften. Tatsächlich arbeiten sich die gesellschaftlichen Kräfte vor allem an Dystopien ab, statt Utopien zu entwickeln.  

 
       
   

WILLE, Joachim (2016): Mobile Dörfer.
FR-Serie Wie wollen wir wohnen?: Die Verödung der ländlichen Räume ist kein unabwendbares Schicksal. Politik und Experten setzten ihre Hoffnung in die Digitalisierung,
in:
Frankfurter Rundschau v. 17.05.

Joachim WILLE berichtet u.a. am Beispiel des rheinland-pfälzischen Dorfes Mannebach über Aktivitäten zur Mobilisierung von Senioren. Außerdem werden neue Ideen der Gegensteuerung zur Landflucht vorgestellt. Zuletzt wird Reiner KLINGHOLZ mit seiner Kritik an der Anspruchshaltung der Bewohner ländlicher Räume zitiert ("Vollversorgung" das funktionale Äquivalent zur Sozialabbau-Volte "Vollkaskomentalität"). Totgesagt werden von ihm Dörfer, die nicht in Pendlerentfernung zu attraktiven Städten liegen oder touristisch nicht attraktiv sind. Was das sein soll, dürfte wohl auch von der entsprechenden Infrastruktur abhängig sein. Wenn z.B. Bahnstrecken in ländlichen Räumen neu errichtet bzw. stillgelegt werden, dann ändert sich dadurch auch die Pendlerdistanz. Nicht demografische Entwicklungen, sondern politische Entscheidungen sind also verantwortlich dafür wie sich ländliche Räume entwickeln.  

KNUF, Thorsten (2016): Dorthin, wo das Leben tobt.
FR-Serie Wie wollen wir wohnen?: Der Ökonom Harald Simons über boomende Städte, die Mobilität junger Menschen und das Ausbluten der Provinz,
in:
Frankfurter Rundschau v. 17.05.

Der Ökonom Harald SIMONS, Vorstand des Privatinstituts Empirica belegt westdeutsche Städte mit großen bzw. bekannten Universitäten wie Heidelberg, Regensburg, Darmstadt oder gehypte ostdeutsche Städte mit dem modischen Label "Schwarmstädte". Die Zielgruppe von SIMONS sind Studenten, die dann als young urban professionals die Family-Gentrification der Städte vorantreiben. Rentnern wird dagegen eine Stadtflucht zugeschrieben:

"Bei Menschen im Rentenalter lässt sich wiederum beobachten, dass sie verstärkt die großen Städte wieder verlassen, um in landschaftlich attraktiven Regionen wie an der Küste oder am Alpenrand ihren Alterssitz zu nehmen."

SIMONS erklärt das Phänomen der Schwarmstädte, die doch eher als Städte mit angesagten Szenevierteln zu bezeichnen wären, als Phänomen der geburtenschwachen Jahrgänge:

"Die ersten Schwärmer waren die Geburtsjahrgänge nach dem Pillenknick. Diese Leute wurden also ab der zweiten Hälfte der 1970er Jahre geboren und sind jetzt etwa 40 Jahre alt. Das sind einfach wenige. Wer auf dem Land oder in einer Provinzstadt lebt, findet dort inzwischen zu wenig Gleichaltrige in Fuß- oder Fahrrad-Entfernung vor. Mangels Masse fehlte es irgendwann auch an der passenden Infrastruktur, etwa an Kneipen oder Jugendzentren, möglicherweise sogar an Schulen. Das geht teilweise so weit, dass man in manchen Dörfern nicht mal mehr elf Leute für eine Fußballmannschaft zusammenbekommt."

Diese Erklärung macht es sich entschieden zu einfach, denn selbst in den 1970er Jahren gab es so gut wie keine Infrastruktur für die Jugend in der Provinz und die Jungen zogen in die Städte.

SIMONS plädiert für ein von oben verordnetes Zentrenkonzept, das ländliche Regionen vor drohender Abwanderung bewahren soll. Aber kann man attraktive Szenen politisch verordnen? Bereits heute gibt es politische Zentrenkonzepte, die ja offensichtlich ihre Grenzen haben. Wie will man z.B. Handelsunternehmen dazu zwingen, ihre neuen Filialen dort zu bauen, wo sie zur Stabilisierung einer Region gebraucht werden? Durch teuere Standortsubventionen?   

 
       
   

RÜRUP, Bert (2016): Nachhilfe auch für Parteivorsitzende.
Leitartikel: Warnung der Politiker vor einem Rentenwahlkampf,
in:
Handelsblatt v. 17.05.

Bert RÜRUP kramt noch einmal die alten Debatten von Mitte April hervor, um sich gegen diese überholten Aussagen zu wenden:

"die eigentliche demografische Herausforderung für die Rente (steht) erst noch bevor",

erklärt uns RÜRUP nicht erst seit heute, sondern spätestens seit 1979. Seit über 35 Jahren wird uns der demografische Wandel zum gravierendensten Problem der Rentenversicherung erklärt. Tatsächlich rührten die Probleme des Rentensystems jedoch nicht vom demografischen Wandel, sondern von der Überfrachtung des Rentensystems durch versicherungsfremde Leistungen. Dies wird auch in Zukunft so sein - mit einer Ausnahme: die Stärkung der privaten Altersvorsorge wird zur weiteren Schwächung der gesetzlichen Rente missbraucht, obwohl sie keineswegs die Lösung des Problems darstellt, sondern Teil des Problems ist.

RÜRUP behauptet, dass uns bereits vor 2020 ein "neuer Alterungsschub" droht. Dies widerspricht jedoch aktuellen Bevölkerungsvorausberechnungen, die jedoch weder die aktuellen Zuwanderungstrends noch die Geburtentrends angemessen berücksichtigen. RÜRUP muss schon mit grafischen Darstellungstricks lügen und die Rente mit 67 ignorieren, um überhaupt zu seiner dramatisierenden Sicht zu kommen.

RÜRUP spricht von "zweitem Alterungsschubs". Welches soll eigentlich der erste gewesen sein? Darüber schweigt sich RÜRUP aus, denn der lag in den angeblich goldenen 1950er Jahren, wenn man seine Grafik betrachtet! Die 1950er Jahren waren gerade jene Zeit, in der das Rentensystem enorm ausgebaut wurde - trotz steigenden Altenquotient. Denn nicht der Anstieg der so genannten "Altenlast" ist das Problem, sondern die Wirtschaftsentwicklung. Damals gingen Wirtschaftswunder und Anstieg der "Altenlast" einher. Dies könnte in Zukunft genauso wieder passieren. Es spricht nichts dagegen.

RÜRUP lobt stattdessen seine neoliberale Agenda 2010. Er stellt seine vier Stellschrauben vor, die er bereits seit 4 Jahrzehnten predigt - die Ausweitung es Versichertenkreises ist nicht darunter.

"Die Senkung des Renteniveaus um einen Punkt entlastet derzeit die Rentenkasse um etwa sechs Milliarden Euro jährlich",

erklärt uns RÜRUP, um dies als Totschlagargument gegen eine Stabilisierung des Rentenniveaus zu missbrauchen. Allein die Verluste des Bankenrettungsfonds verschlingen Milliarden. Die Commerzbank hat ihre Rettung damit gedankt, dass sie Milliarden am Fiskus vorbei geschafft hat. Es wird Zeit die Rentendebatte in den gesellschaftlichen Kontext zu stellen, statt sie isoliert zu betrachten.

 
       
   

CREUTZBURG, Dietrich (2016): Einfacher Überblick über Rentenansprüche gefordert.
Alle Bürger sollten sich auf einer Plattform informieren können,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.05.

Dietrich CREUTZBURG berichtet über ein Gutachten der Beratungsgesellschaft PWC im Auftrag des Lobbyverbandes Wirtschaftsrat der CDU e.V., das der FAZ zugespielt wurde. Ein neues Informationssystem, das alle Formen der Rente umfasst, soll zu mehr Transparenz führen. Den Befürwortern einer Schwächung der gesetzlichen Rente ist der Anteil der privaten Altersvorsorge viel zu gering:

"Laut Gutachten stammen derzeit zwei Drittel aller Altersbezügen in Deutschland aus der gesetzlichen Rente, aber nur 9 Prozent aus der privaten und 8 Prozent aus der betrieblichen Vorsorge."

Das Gutachten konkurriert mit Vorschlägen der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg und der FDP. 

CREUTZBURG, Dietrich (2016): Zwangsrente für Hartz-IV-Bezieher soll selten werden,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.05.

Dietrich CREUTZBURG berichtet über die Kritik von Gewerkschaften, Grünen und Linkspartei an einer geplanten Änderung einer Verwaltungsvorschrift, die im Widerspruch zu einer geplanten Gesetzesänderung im Rahmen der Flexi-Rente steht, die eine Zwangsverrentung beschränken soll:

"Nur wer in seinem Berufsleben ausreichend hohe Rentenansprüche erworben hat, um auch mit den Rentenabschlägen im Alter nicht auf Sozialhilfeniveau abzurutschen, soll künftig noch von der Regelung erfasst werden."

 
       
   

RHONHEIMER, Martin (2016): Welche Wirtschaft tötet?
Der Volkswirt: Papst Franziskus verdammt die "absolute Autonomie der Märkte" und preist staatliche Eingriffe und Sozialprogramme. Sein Heimatland Argentinien zeigt: Dies ist eine Sackgasse. Die katholische Soziallehre hat einen blinden Fleckt: Die Rolle des Unternehmers,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.05.

RHONHEIMER, Martin (2016): Vom Wandel der katholischen Soziallehre,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.05.

 
       
   

SIEMS, Dorothea (2016): Rentenpflicht bei fast allen?
Arbeitgeber fordern für Selbständige eine verbindliche Versicherung und Zulagen für die private Altersvorsorge. Dei Pläne der Bundesregierung halten sie schlicht für falsch,
in:
Welt v. 17.05.

Dorothea SIEMS berichtet über das rentenpolitische Positionspapier die BDA, das der Welt zugespielt wurde.

"Gerade auch Personen mit niedrigen Einkommen würden gefördert, unterstreicht die BDA. So verdienten mehr als 60 Prozent aller Riester-Sparer weniger als 30.000 Euro",

zitiert SIEMS. Vor Wochen war Walter RIESTER mit ähnlichen Zahlen durch die Gazetten gereicht worden. Die BDA plädiert für üppige Förderungen, um die für Arbeitnehmer unlukrative Riester-Rente attraktiver zu machen. Die Versicherungsbranche wird sich darüber freuen.

 
       
   

SCHAAF, Julia (2016): "Wir sind eine bewegliche, kleine Zelle".
Alleinerziehend, die Arme! - Von wegen: Bernadette Conrad sieht ihr Leben nicht als defizitär. Eine Gespräch mit Mutter und Tochter,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 15.05.

Julia SCHAAF interviewt ihre Kollegin Bernadette CONRAD, von der gerade das Buch Die kleinste Familie der Welt erschienen ist, das vom spannenden Leben allein mit Kind erzählt - so jedenfalls der Untertitel. Der Titel spielt auf die Mehrheit jener 1,6 Millionen Alleinerziehenden an, die nur ein Kind haben.

 
       
   

SCHMIDT, Lucia (2016): Die schweigsame Tochter.
Redet ein Kind nicht, obwohl es könnte, sprechen Ärzte von selektivem Mutismus - einem noch eher unbekannten Krankheitsbild in Deutschland. Lucia Schmidt hat eine Familie getroffen, die den Alltag mit einem mutistischen Kind meistert,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 15.05.

In einer Gesellschaft, in der Extraversion die Norm ist, werden Menschen, die dieser Norm nicht entsprechen schnell pathologisiert. Immer mehr psychische Krankheiten werden auf diesem Gebiet klassifiziert. Mutismus ist eine dieser neuen Klassifikationen:

"Das DSM5, das Diagnose-Klassifkationssystem der amerikanischen psychiatrischen Gesellschaft, zählt selektiven Mutismus zu den Angststörungen, das aber erst seit dem Jahr 2013"

Mutismus wird von darauf spezialisierten Forschern als gelöstes Diagnoseproblem dargestellt, wenn es heißt:

"Die richtige Diagnose führe zur Entlastung der Eltern. Schwencks Kollegin Angelika Gensthaler von der Frankfurter Universität hat einen Fragebogen entwickelt, der nachweislich zuverlässig zwischen mutistischen Kindern, solchen mit sozialer Angst oder schlichtweg zurückhaltenden, aber gesunden differenzieren kann."

Lediglich einen Therapeuten zu finden, sei noch das Problem. Der Artikel könnte in diesem Zusammenhang zum einen die Nachfrage bei Eltern wecken und zum anderen zum steigenden Angebot von Therapeuten führen. Während der Spiegel vor 10 Jahren noch davon sprach, dass zwischen 3 und 7 von 1000 Kindern von Mutismus betroffen seien, spricht die FAS nun bereits von 7 bis 19 pro 1000 Kindern. Die Ursache?

"Tendenz steigend, da durch bessere Kenntnisse immer mehr Kinder diagnostiziert werden."

Eine Diagnose schafft sich sozusagen ihre Nachfrage. Dies ist aber nur die eine Seite, denn wäre nicht Extraversion, sondern Introversion die gesellschaftliche Norm, dann sähe die Sache ganz anders aus!       

 
       
   

CREMER, Georg (2016): Die Armut richtig bekämpfen!
Der Sozialstaat werde kaputtgespart, ist oft zu hören: Die Empirie deckt diese Empörung nicht. Der Sozialstaat steht sich nur oft selbst im Weg,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 15.05.

 
       
   

ADORJÁN, Johanna (2016): Muss man wirklich ganz Mitte sprengen?
Erst kamen die Schwaben, dann die guatemaltekischen Kaffeebohnen, dann die Fashion-Week. Ist noch irgendetwas übrig von dem Versprechen, das diesen Stadtteil mal zu begleiten schien?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 15.05.

 
       
   

DELIUS, Mara (2016): Je oller desto doller.
Popkultur: Rock 'n' Roll am Rollator: Die großen Männer der Musikszene sind alt geworden. Muss uns das peinlich sein? Oder ist das Alter gerade einfach modern?
in: Welt am Sonntag kompakt
v. 15.05.

Im Zeitalter der Ökonomisierung des Alters wird uns das Ideal des produktiven Alters schmackhaft gemacht. Mara DELIUS glorifiziert dieses neue Altersideal anhand der Überlebenden der Rockmusik. Ausgerechnet Männer, deren Lebenserwartung im Gegensatz zu den Frauen eher niedrig ist, werden uns als Idole angedient. Frauen sind dagegen nur produktiv, indem sie ihr Gebäralter nach oben verschieben. In der WamS, die sich an Ältere richtet heißt die Überschrift des Artikels dagegen: Der Alterswahn.

 
       
   

ZWICK, Daniel (2016): Tue Gutes und pendle rüber.
Millionen Deutsche haben täglich sehr weite Arbeitswege. Stress für sie - aber ein Segen für manch darbende Region. Sonst würde da gar keiner wohnen, wie in der Südwestpfalz,
in: Welt am Sonntag kompakt
v. 15.05.

Daniel ZWICK argumentiert im Dienste der Wirtschaft gegen Sozialpolitiker und Umweltpolitiker, die in der Pendlermobilität nur die Ruinierung der Gesundheit oder die Beeinträchtigung der Lebensqualität sehen. Am Beispiel des Landkreises Südwestpfalz zeigt ZWICK, dass Studien, die sich z.B. wie das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung oder die Bertelsmann-Stiftung nur an politischen Territorien, aber nicht an der Realität der Menschen orientieren, zu Fehleinschätzungen neigen:

"Rippertsweiler liegt in dem Landkreis Deutschland, der in gewisser Hinsicht der ärmste ist im ganzen Land. Südwestpfalz. Unternehmen gibt es hier fast keine mehr, Arbeitsplätze nur noch wenige, und die Wirtschaftsleistung (BIP) pro Kopf beträgt 14.473 Euro - weniger als in allen Kreisen Ostdeutschlands oder auch in Griechenland",

erklärt uns Zwick, um dann auf statistische Verzerrungen bei Vergleichen hinzuweisen:

"Größere Firmen gibt es nur in Pirmasens und Zweibrücken. Doch ausgerechnet diese Städte gehören nicht zum Kreis, »das führt zu starken statistischen Verzerrungen«, sagt Heiner Röhl, Regionalexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Viele Pendler arbeiten dort. »Gäbe es in Rheinland-Pfalz eine Kreisreform, ähnlich wie in Mecklenburg-Vorpommern, dann würde die Region bei der Wirtschaftskraft insgesamt zu den schwächeren Ostkreisen aufschließen.«"

Tatsächlich entscheiden oftmals historisch gewachsene Territorien über Wohl und Wehe der dortigen Bewohner und nicht irgendwelche demografischen Entwicklungen wie uns immer wieder gerne erzählt wird.

 
       
   

HAIMANN, Richard (2016): Lust oder Last.
Immobilien: Fast 90.000 Häuser werden in Deutschland pro Jahr vererbt. Oft hängen Erinnerungen daran. Aber leider sind die Häuser oft auch total veraltet. Also abreißen und neu bauen - oder doch sanieren?
in: Welt am Sonntag kompakt
v. 15.05.

In der WamS heißt der Artikel über die Luxusprobleme der Erbengeneration: Teures Vermächtnis.

 
       
   

BRAUCK, Markus (2016): Wohltat für alle.
Utopien: Das bedingungslose Grundeinkommen soll nicht nur dem Einzelnen ein Leben ohne Existenzangst ermöglichen, sondern auch die Folgen der Digitalisierung und Robotisierung mildern. Aber geht das?
in:
Spiegel Nr.20 v. 14.05.

 
       
   

VAN ACKEREN, Margarete & Frank THEWES (2016): "Dieser depressive Grundton in Deutschland nervt".
Er ist jung, konservativ, schwul: Der CDU-Politiker Jens Spahn warnt vor einem Konflikt der Generationen, fordert mehr Mut der eigenen Partei und ärgert sich über die Gier der VW-Bosse,
in:
Focus Nr.20 v. 14.05.

Der neoliberale CDU-Politiker Jens SPAHN plädiert einerseits für ein Elternwahlrecht und andererseits für die Homo-Ehe, damit hat er sich identitätspolitisch für Schwarz-Grün positioniert.

Zur Rente hat SPAHN nichts Neues zu bieten, sondern argumentiert auf der CDU-Linie: Schwächung der gesetzlichen Rente und Stärkung der privaten Altersvorsorge. Wer wie SPAHN gegen eine Stabilisierung des Niveaus der gesetzlichen Rente ist, der trägt dazu bei, dass die gesetzliche Rente zu einer Grundsicherung im Alter herabgestuft wird.

 
   
FOCUS-Titelgeschichte: So klappt es mit der Rente.
Mehr Geld im Alter

HALBUER, Andreas Grosse/KOWALSKI, Matthias/NIESMANN, Andreas/THEWES, Frank/WENDT, Alexander (2016): So klappt es mit der Rente.
Im Alter nicht arm: Jeder zweite Deutsche unter 50 hat Sorge, dass das Geld später nicht reicht. Flexi-Rente? Rister-Rente? Versorgungslücke? Die Politik versucht sich an einem neuen Gesellschaftsvertrag. Nur: Einen Lebensabend in Reichtum kann niemand versprechen. Deshalb sind kreative Tipps gefragt, um den Lebensstandard zu halten,
in:
Focus Nr.20 v. 14.05.

Die Autoren skizzieren zuerst einmal die Rentendebatte seit April. Spricht die Schlagzeile "Jeder zweite Deutsche unter 50 hat Sorge, dass das Geld später nicht reicht", so heißt es dagegen im Text:

"Jeder Zweite zwischen 50 und 64 Jahren glaubt, nicht genügend gegen Altersarmut geschätzt zu sein. Bei den 35- bis 49-Jährigen fürchten laut ARD-Deutschlandtrend 58 Prozent den persönlichen Rentencrash."

Die 18- bis 34-Jährigen interessieren die Autoren dagegen nicht, sondern nur, dass diese zu wenig vorgesorgt haben, was schließlich nichts über deren Sorgen aussagt.

Die Autoren stilisieren die Rentendebatte sodann zu einem Generationenkonflikt, für den sie jedoch keine Belege vorlegen können. Stattdessen verweisen sie lediglich ein Treffen mit der "jungen Generation":

"Nahles (...) hat (...) für den 18. Mai die Chefs von Junger Union, Jusos, der Gewerkschaftsjugend, der Jungen Unternehmer und des Deutschen Bundesjugendrings in ihr Ministerium geladen."

Im Handelsblatt vom 18. Mai wird dagegen auch die grüne Jugend und die Linksjugend genannt. Einzig die Flexi-Rente ist den Autoren ein Anliegen:

"Die Flexi-Rente, die vor allem junge Abgeordnete der CDU um Carsten Linnemann einfordern, soll nun 2017 kommen".

Zum Schluss wird die optimistische Sicht des Statistikers Gerd BOSBACH mit der pessimistischen Sicht des emeritierten nationalkonservativen Bevölkerungswissenschaftlers Herwig BIRG, dessen vollmundige Propaganda zwar die Politik bestimmt hat, aber gleichzeitig mit gravierenden Falschinformationen der Öffentlichkeit einherging, konterkariert. und danach drei Strategien gegen Altersarmut propagiert: länger arbeiten, auswandern und Familie gründen. Wem dies nützen soll, das wird jedoch nicht erklärt.

Danach kommen 33 Tipps für eine glückliche Rente. Tipp 5 bezieht sich auf die geplante Flexi-Rente, für die noch nicht einmal ein Gesetzesentwurf existiert. Seriöse Tipps sehen anders aus.         

 
       
   

ALBERTI, Manfred (2016): Plötzlich arm.
Ein Leben lang gearbeitet und schon vor der Rente ohne Rücklagen? Für die Mittelsicht ist das ein Albtraum - und Realität,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 14.05.

Das Wort zu Pfingsten spricht heute der pensionierte Pfarrer Manfred ALBERTI:

"Die Altersarmut ängstigt Geringverdiener. Die Voraltersarmut ist die Sorge der Mittelschicht."

Am Dienstag haben dann wieder die Ökonomen das Sagen!

 
       
   

HEIDTMANN, Jan (2016): Mehr Drama gesucht.
Die Grünen sind nun Staatspartei: Wer übernimmt den Protest? Heinz Bude im Gespräch,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 14.05.

Heinz BUDE sieht in der SPD die neue Alternativpartei - nachdem sie endlich von ihren Regierungsämtern abgewählt wurde. BUDE übersieht jedoch: Alternativparteien können nur NEUE Parteien sein und keine abgewrackte Altpartei. 

 
       
   

REINECKE, Stefan (2016): Das mürrische Glück der Aufsteiger.
Essay: Sigmar Gabriel ist clever, schlagfertig, durchsetzungsfähig. Und er verkörpert das Drama der SPD,
in: TAZ
v. 14.05.

"Die Sozialdemokratie hat lange und erfolgreich für den Aufstieg der Arbeiter in die Mittelschicht gekämpft. Sie hat in den 70er und 80er Jahren deren Kindern vor allem den Töchtern, den Weg in die Gymnasien und Universitäten geebnet. Jetzt ist das mürrische, zerrissene Glück der Aufgestiegenen Teil der Krise der Sozialdemokratie. Und die verkörpert derzeit niemand deutlicher als Gabriel",

lobt Stefan REINECKE zuerst die glorreiche Vergangenheit der SPD. Der Göttinger Politikwissenschaftler Franz WALTER sah die Krise dieser Aufsteiger-SPD bereits im Jahr 2003 voraus. Nun folgert REINECKE:

"die Agenda symbolisiert den Verrat des Aufsteigers, der oben angekommen, mit Verachtung auf die Zurückgebliebenen schaut. (...).
Zentrale SPD-Akteure wie Wolfgang Clement und Walter Riester hatten in den Organisationen der Arbeiterbewegung Karriere gemacht - und als Minister nichts Eiligeres zu tun, als sich Unternehmern und Versicherungskonzernen anzudienen. Darin ist unschwer die Statusunsicherheit des Aufsteigers zu erkennen - und die Sehnsucht, von der Elite anerkannt zu werden.
Fatal wirkt dies, weil gleichzeitig die kollektive Aufstiegsverheißung der Sozialdemokratie erlosch."

Diese Sicht vernachlässigt jedoch die damalige Medienmacht von Wirtschaftslobbyisten bis hin zur Agenda-taz. Ohne die Interessenidentität von großen Teilen der Medien und der Politik hätte die Agenda 2010 niemals zustande kommen können. Nichtsdestotrotz hat sich die SPD ihren Niedergang selber zuzuschreiben.

"Überflüssig zu sagen, dass bei Gabriels Manövern die Glaubwürdigkeit pulverisiert wird",

merkt REINECKE zum Schlingerkurs von GABRIEL an.

 
       
   

GREIVE, Martin (2016): Rückwärts in die Zukunft.
Ob Rente, Leiharbeit oder Niedriglohnsektor: Die SPD hat die eigene Agenda 2010 entschärft. Und Parteichef Gabriel ist noch nicht fertig,
in: Welt
v. 14.05.

Martin GREIVE nimmt das Gerede des SPD-Vorsitzenden GABRIEL als Maßstab, um Ängste zu schüren. Wir warten dagegen auf die Gesetzesvorlagen und darauf was im Laufe der Gesetzgebung noch von Lobbygruppen bis zum Inkrafttreten als Gesetz verändert wird. Gerede interessiert uns dagegen nur in diesem Zusammenhang.

 
       
   

HELLER, Gottfried (2016): Nur Aktien können das Rentenproblem lösen.
Geld-Welt,
in: Welt
v. 14.05.

 
       
   

DAMS, Jan (2016): Deutschlands rasanter Aufschwung.
Die heimische Wirtschaft legt das stärkste Wachstum seit zwei Jahren hin. Dafür verantwortlich sind auch die niedrigen Zinsen und eine Sonderkonjunktur durch Flüchtlinge,
in: Welt
v. 14.05.

 
       
   

MUßLER, Hanno (2016): Bankenrettung immer teurer.
Fonds hat 22,6 Milliarden Euro Verlust angehäuft,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.05.

Seit Oktober 2008 bis 2015 hat der staatliche deutsche Bankenrettungsfonds bereits 22,6 Milliarden Euro Verlust angehäuft, erklärt uns Hanno MUßLER. In erster Linie die Commerzbank und die HRE kosten uns Geld.

Die Commerzbank hat ihre Rettung damit gedankt, dass sie Milliarden Euro der Vermögenden am deutschen Fiskus vorbeigeschleust hat. Das ist jedoch kein Skandal für unsere Wirtschaftsblätter, sondern ein Skandal wäre es nur, wenn der gleiche Geldbetrag in Renten geflossen wäre!

 
       
   

MOHR, Daniel (2016): Ohne Zins fehlt im Alter viel Geld.
Die Vermögensfrage: Die private Altersvorsorge fußt auf regelmäßiger Verzinsung. Doch ohne Zins und Zinseszins geht die Rechnung nicht auf. Die meisten Anleger wissen das und finden in offenen Immobilienfonds und Mischfonds die beliebtesten Alternativen. Doch auch sie haben ihre Tücken,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.05.

 
       
   

WIRTSCHAFTSWOCHE (2016): Das DIW hat falsch gerechnet.
Korrektur: Die deutsche Mittelschicht ist größer, als eine aktuelle DIW-Studie behauptet hat - auch die WirtschaftsWoche übernahm die unkorrekten Daten,
in: Wirtschaftswoche Nr.20
v. 13.05.

Die Wirtschaftswoche erklärt uns nicht die Konsequenzen der Falschberechnung für die Titelgeschichte, sondern begnügt sich damit, darauf hinzuweisen, dass auch der Spiegel und die Agentur Bloomberg berichtet hat!

LOSSE, Bert (2016): Kopf in der Sauna, Fuß im Kühlschrank.
Serie: Die Tücken der Statistik,
in: Wirtschaftswoche Nr.20
v. 13.05.

Über Statistik aufzuklären ist offenbar nun modern geworden. Dies sagt uns viel über den Glaubwürdigkeitsverlust von Prognosen, aber ob wir auch durch solche Serien aufgeklärt werden oder nur jene Tricks zur Sprache kommen, die unseren Medien genehm sind, das ist die andere Frage.

LOSSE, Bert (2016): "Statistik lässt sich drehen und dehnen.
Nachgefragt: Walter Krämer,
in: Wirtschaftswoche Nr.20
v. 13.05.

Schon die Wahl des Statistikexperten, Walter KRÄMER statt Gerd BOSBACH, sagt viel über die Art der Aufklärung und deren blinden Flecken aus.

FISCHER, Konrad (2016): Optische Täuschung.
Die Tücken der Statistik (I): Die grafische Darstellung von Daten entscheidet mit, welche Schlüsse der Betrachter daraus zieht,
in: Wirtschaftswoche Nr.20
v. 13.05.

Optische Täuschung funktioniert nur bei denjenigen, die sich mit der Materie nicht auskennen. Das ist die erste Voraussetzung, die ungenannt bleibt. Grafische Darstellungstricks zeigen uns zuallererst, dass diejenigen, die sie verwenden, mit unserer Dummheit rechnen. FISCHER bringt als Beispiel die Entwicklung einer Aktie. Wer den Aktienkurs einer Aktie aber über Jahre verfolgt, der lässt sich nicht blenden von Darstellungstricks. FISCHER zeigt uns jedoch nicht, wie wir solch einem Trick auf die Schliche kommen, z.B. indem wir im Internet verschiedene Darstellungen des Aktienkurses aufrufen und ihn vergleichen. Täuschungsmanöver rechnen also nicht nur mit unserer Unwissenheit, sondern auch mit unserer Bequemlichkeit.

 
       
   

KAMANN, Matthias (2016): Kinder im Dienst der Ideologie.
Am Beispiel der Familienpolitik wird deutlich, dass viele Fragen der AfD rational begründbar und legitim sind. Wäre da nicht das ethnische Denken: Es soll mehr deutsche Kinder geben einzig als Bollwerk gegen Zuwanderer. Das ist familienfeindlich,
in:
Welt v. 13.05.

Matthias KAMANN hält die familienpolitischen Forderungen, die ja z.B. Konrad ADAM und andere Nationalkonservative vor nicht allzu langer Zeit in der Welt gepredigt haben, ganz in Ordnung. Würden diese neoliberal statt nationalistisch gerechtfertigt, dann wäre daran nichts auszusetzen. Schließlich setzt sich die AfD für die Besserverdienenden der gehobenen Mittelschicht ein, indem sie Familiensplitting und Abkindern fordert. Natürlich benutzt KAMANN nicht den DDR-Begriff Abkindern, sondern umschreibt ihn umständlich mit "durchs Gebären abstottern". Fazit: Nationalkonservatismus und Neoliberalismus unterscheiden sich familienpolitisch nicht in der Praxis, sondern nur im Begründungszusammenhang. Aber an diese ideologischen Sprachregelungen hat sich schon Thilo SARRAZIN nicht gehalten. Und der gelobte Ökonom Hans-Werner SINN hat schon seit Jahrzehnten gezeigt, dass Neoliberalismus und Nationalkonservatismus kein Widerspruch ist, sondern eine Einheit.

Fazit: Lässt man die neoliberale Heuchelei weg, kommt der Nationalkonservatismus zum Vorschein.

 
       
   

SCHNEIDER, Susanne (2016): Frag ihn doch selbst.
Willst du mich heiraten? Diesen Satz sagen auch heute noch fast immer die Männer: Frauen trauen sich nicht, selbst einen Antrag zu machen. Aber dafür ist es höchste Zeit,
in:
SZ-Magazin Nr.19 v. 13.05.

 
       
   

GAMMELIN, Cerstin & Markus ZYDRA (2016): Der ist ja doch nicht an allem schuld.
Lange war er der böse Bube, der die armen Sparer enteignet. Nun wird Mario Draghi plötzlich von allen verteidigt. Warum der EZB-Präsident so enorm auf der deutschen Beliebtheitsskala steigt,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 13.05.

Schon vor Wochen konnte man in den neoliberalen Wirtschaftsteilen der  Printmedien jene Argumente lesen, mit denen nun die Politiker zitiert werden.

 
       
   

AMREIN, Marcel (2016): Vollpension im Hotel Helvetia.
Die Grundeinkommen-Initianten wollen gleichsam alle Schweizer in Rente schicken. Der Unsinn ist offensichtlich - das Begehren wird an der Urne scheitern. Es sollte aber zumindest die Augen dafür öffenen, dass eine Art bedingungsloses Grundeinkommen längst am Entstehen ist,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 13.05.

Für Marcel AMRHEIN ist die gesetzliche Rente (AHV) eine Art bedingungsloses Grundeinkommen, also ein Ärgernis:

"Die steigende Lebenserwartung verfälscht dieses Gepräge allmählich. (...). Schon fast ein Fünftel der Bevölkerung befindet sich über dem Renteneintrittsalter, und der Anteil wird immer grösser."

 
       
   

PLICKERT, Philipp (2016): DIW-Forscher haben sich in Mittelschicht-Studie verrechnet.
Schrumpfen der Mittelschicht geringer als angegeben,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.05.

Philipp PLICKERT freut sich über den Übertragungsfehler des DIW, das eine US-amerikanische PEW-Studie auf deutsche Verhältnisse übertragen wollte, um die Ungleichheitsdebatte hierzulande anzuheizen (mehr hier).

Sowohl die Wirtschaftswoche als auch der Spiegel berichteten groß über die DIW-Studie. Die Spiegel-Story fällt mit den korrigierten Zahlen in sich zusammen wie ein Kartenhaus - eine Blamage für das Blatt.

Auf den Fehler wies das DIW gemäß PLICKERT erst am Mittwoch hin. Auf der Homepage des DIW ist nicht ersichtlich, wann die Korrekturen erfolgten. Es erstaunt jedenfalls, dass z.B. die Wirtschaftswoche zwar andere Ökonomen zur Studie Stellung nehmen ließ, aber keiner den Berechnungsfehler bemerkte.

 
       
   

SZ-Tagesthema: Koalitionskompromisse.
Monatelang haben sie gestritten, jetzt einigten sich Union und SPD überraschend schnell auf zwei Sozialgesetze, welche die Rechte von Leiharbeitern stärken und den Übergang in die Altersrente erleichtern sollen. Beide Seiten konnten so eines ihrer Lieblingsprojekte durchsetzen. Damit wollen sie vor allem eins unter Beweis stellen: die Arbeitsfähigkeit ihres Regierungsbündnisses

ÖCHSNER, Thomas (2016): Flexibel bei der Flexi-Rente,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 12.05.

Es offenbar sehr schlecht um die SPD bestellt, ansonsten müsste die SZ eine Tagung des Koalitionsausschusses nicht dermaßen aufblasen! Nico FRIED leitartikelt Besser als ihr Ruf. Dabei hat der neoliberale Wirtschaftsflügel der CDU und die CSU die SPD in die Pfanne gehauen. Die Flexi-Rente, die Carsten LINNEMANN von der Mittelstandsvereinigung der CDU eingebracht hat und die auch von FDP und den Arbeitgeber-Lobbys gefordert wird, soll vorangetrieben werden. ÖCHSNER stellt das nun so dar, dass vor allem Frührentner ab 63 davon profitieren würden. Entscheidender ist die Entlastung der Unternehmen bei arbeitenden Rentnern ab der Regelaltersgrenze:

"Arbeitgeber müssen in Zukunft (...) den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung nicht mehr zahlen. Dies ist zunächst auf fünf Jahre befristet. Arbeitnehmer sind davon ohnehin befreit".

Die Vorteile für diese Arbeitnehmer lesen sich in den verschiedenen Zeitungen sehr unterschiedlich:

"Für Rentner, die wieder arbeiten gehen, müssen die Arbeitgeber weiter der Rentenversicherung Beiträge überweisen. Zahlt der Arbeitnehmer freiwillig zusätzlich seinen Beitrag erhöht dies künftig die Rente des Beschäftigten",

erklärt uns ÖCHSNER. Bei Frank SPECHT im Handelsblatt liest sich das dann so:

"Arbeiten auch über das normale Rentenalter hinaus (...) lohnte sich bisher für den Senior kaum und war für den Arbeitgeber teuer. Denn der musste seinen Teil des Rentenbeitrags weiter einzahlen, ohne dass der Betroffene selbst durch eine höhere Rente davon profitiert hätte. Wenn ein Arbeitnehmer künftig das Rentenalter erreicht und danach weiterarbeitet, soll auch er künftig seinen Beitragsteil in die Rentenversicherung einzahlen und am Ende durch höhere Altersbezüge davon profitieren können."

Karl DOEMENS erklärt uns das in der FR folgendermaßen:

"Heute können Arbeitnehmer über das gesetzliche Rentenalter zwar hinaus arbeiten. Der Betrieb muss dann aber den Arbeitgeberbeitrag zur Renten- und Arbeitslosenkasse weiter bezahlen, ohne dass sich irgendwelche Vorteile für die Beschäftigten ergeben. Um mehr Anreiz zu schaffen, sollen die Arbeitslosenbeiträge gestrichen werden. Die Rentenbeiträge sollen die Altersbezüge künftig steigern, sofern der Beschäftigte freiwillig auch seinen Beitragsanteil zahlt."

Während SPECHT die Perspektive des Unternehmens in den Vordergrund rückt, schreibt DOEMENS anscheinend aus Sicht der Arbeitnehmer. Kosten spart jedoch einseitig das Unternehmen durch die Streichung der Arbeitslosenbeiträge. Der Arbeitnehmer muss die Schmälerung seines Lohnes hinnehmen, um in den Genuss einer Rentenerhöhung zu kommen, deren Höhe ungewiss ist, wenn die Senkung des Niveaus der gesetzlichen Rente nicht gestoppt wird - was der neoliberale Mainstream ablehnt.    

 
       
   

SPECHT, Frank (2016): Länger arbeiten lohnt sicht.
Flexi-Rente,
in:
Handelsblatt v. 12.05.

DOEMENS, Karl (2016): Länger arbeiten soll attraktiver werden.
Koalition einigt sich auf die Ausgestaltung der sogenannten Flexi-Rente - die wichtigsten Punkte im Überblick,
in:
Frankfurter Rundschau v. 12.05.

Karl DOEMENS vergleicht die Ergebnisse des "Koalitionsausschusses" (ÖCHSNER; DOEMENS spricht dagegen von "Koalitionsrunde", "Einigung der Koalitionsspitzen") mit der Koalitionsvereinbarung. Dabei tut er so, als ob nicht die SPD am Verhandlungstisch gesessen hätte, sondern der DGB dabei gewesen wäre. Nicht die Koalitionsvereinbarungen werden also zum Vergleich herangezogen, sondern Erwartungen im Vorfeld, um dann die Ergebnisse als "bescheiden" darstellen zu können. Zudem sind diese Eckpunkte der Flexi-Rente für DOEMENS noch nicht abschließend festgelegt, sondern weiter verhandelbar:

"Ministerin Andrea Nahles (SPD) (will) im Herbst ein Gesamtkonzept zur Rente vorstellen. Dann könnte die Flexi-Rente neu diskutiert werden."

GÖBEL, Heike (2016): Bewegung im Ruhestand,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.05.

Heike GÖBEL hebt die Kosteneinsparung der Unternehmen hervor und begrüßt es, dass die Frührente nicht attraktiver gemacht wurde:

"Die Freiheit, früher in Rente zu gehen, muss man sich leisten können.
Hier dürfte die Flexirente manchen enttäuschen. Aber Union und SPD wollten nicht wieder ein Schlupfloch in den subventionierten Vorruhestand öffnen. Diese Einsicht hätte man sich schon früher gewünscht."

 
       
   
CREUTZBURG, Dietrich (2016): Gleiche Renten in Ost und West für zwei Milliarden Euro.
Union und SPD wollen die Einheit der Rentenversicherung herstellen - nun gibt es einen konkreten Vorschlag,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.05.

Dietrich CREUTZBURG berichtet über das Konzept einer Ost-West-Angleichung der Renten, das der Kölner Ökonom Eckart BOMSDORF erstellt hat. Die Angleichung wird von ostdeutschen Ministerpräsidenten gefordert.

 
       
   

FLASSBECK, Heiner (2016): Journalistischer Renten-Mischmasch – oder wie man ein wichtiges Thema mit Vorurteilen erledigt, obwohl die Lösung auf der Hand liegt,
in:
flassbeck-economics.de v. 12.05.

 
   
JUNGLE WORLD-Thema: Da ist was faul.
Einfach abhängen. Das bedingungslose Grundeinkommen verspricht ein Leben in individueller Freiheit, ohne Arbeitszwang und Existenzängste. Wird diese linke Utopie nun ausgerechnet in der Schweiz Wirklichkeit? Oder geht es weder um die soziale Hängematte noch um die Emanzipation der Arbeiterklasse? Kann das Grundeinkommen sogar zu einem Rollback bei den Geschlechterrollen führen?

NORDSIECK, Viola (2016): Die Freiheit des Staatsbürgers.
Das bedingungslose Grundeinkommen ist eng mit dem Konzept der Staatsbürgerschaft verbunden. Von dem liberalen Vorhaben und der individuellen Freiheit profitieren also nicht alle,
in:
Jungle World Nr.19 v. 12.05.

KRÜGER, Anja (2016): Das bisschen Hausarbeit.
Ob ein bedingungsloses Grundeinkommen die Geschlechterhierachie zwischen Männern und Frauen aufheben kann oder sie vielleicht sogar noch verstärkt, hängt vom Modell ab. Wenn Care-Arbeit durch das Grundeinkommen wieder privatisiert wird, reproduziert es auch alte Rollenbilder,
in:
Jungle World Nr.19 v. 12.05.

NOWAK, Peter (2016): Es gibt kein Recht auf Faulheit, Genossen!
Das bedingungslose Grundeinkommen hat in Deutschland viele Gegner. Zu den schärfsten Kritikern gehören die Gewerkschaften,
in:
Jungle World Nr.19 v. 12.05.

 
       
   

VOIGT, Claudius (2016): Stütze nur für Deutsche.
Das Grenzregime wird immer mehr an die Sozialbehörden ausgelagert, indem Nichtdeutschen die Leistungen gekürzt werden,
in:
Jungle World Nr.19 v. 12.05.

 
       
   
FINKE, Christine (2016): Der wahre Rentenskandal.
Alleinerziehende werden dafür bestraft, dass sie sich um ihre Kinder gekümmert haben,
in:
Die ZEIT Nr.21 v. 12.05.

Die ZEIT präsentiert uns heute die angeblichen Verlierer der nächsten Rentenreform (wie immer die überhaupt aussehen mag): zum einen die Alleinerziehenden und zum anderen die Jungen.

Den Anfang macht Christine FINKE, bloggende Alleinerziehende, von der im März das Buch Allein, alleiner, alleinerziehend erschien, und Stadträtin für das Junge Forum in Konstanz; die ihre 3 Kinder, aber nicht ihren Geburtsjahrgang: 1966, also Angehörige der Generation Golf bzw. Ally. Von Generationenkriegern wie Alard von KITTLITZ einfach Babyboomer genannt: 1,318 Millionen Geburten.

Rentenpolitik ist auch gar nicht das Thema von FINKE, sondern fehlende Arbeitsplätze, fehlende Kitaplätze und Steuererleichterungen für Alleinerziehende. In Deutschland gibt es ca. 1,6 Millionen Alleinerziehende, das sind kaum mehr als im Jahr 1966 Kinder geboren wurden. In ihrem Buch schreibt FINKE über sich:

"Ich muss etwas beichten: Erst seitdem ich selbst alleinerziehend bin, fällt mir auf, dass ich früher nie einen Gedanken an Alleinerziehende verschwendet habe. (...).
Seit sechs Jahren bin ich eine dieser Frauen, die ich früher nicht wahrnahm: Ich lebe mit meinen drei Kindern alleine." (2016, S.7)

Jetzt also ist FINKE alleinerziehend und so wie sie früher nie an Alleinerziehende gedacht hat, denkt sie nun nur noch an Alleinerziehende. In Zeiten der Lifestyle-Soziologie hieß es: Armut ist nur eine Scheidung weit entfernt. In Zeiten der neuen Unterschicht vollzieht sich jedoch eine Wandlung, die noch nicht bis zu allen durchgedrungen ist. 

FINKE kritisiert die Debatte um die Stärkung von Betriebsrenten und die Privilegierung der privaten Altersvorsorge als Mittel gegen die Altersarmut von Alleinerziehenden als ungeeignet.  

KITTLITZ, Alard von (2016): Ihr macht uns arm!
Ansage: Die Babyboomer hatten in unserem Alter Kinder, Autos und Häuser. Wir haben wechselnde Beziehungen, ein Fahrrad und den Dispo am Anschlag,
in:
Die ZEIT Nr.21 v. 12.05.

Früher konnte man höchstens Klassensprecher werden, heute wird man Generationensprecher:

"Schlechte Zeiten nämlich für mich und meine Generation, die zwischen 1980 und 1995 Geborenen, die sogenannte Generation Y",

beschreibt Alard von KITTLITZ (Jahrgang 1982, 861 Tausend Geburten) seine Generation mit einer einzigen Eigenschaft:

"Uns eint (...), dass wir politisch nicht ins Gewicht fallen."

Angesichts der Tatsache, dass diese Geburtsjahrgänge mit bis zu 905 Tausend Geburten pro Jahr den geburtenschwachen Jahrgängen der 1970er Jahre als geburtenstarke Jahrgänge erscheinen könnten, ist die Konstruktion einer solchen Generation durch nichts zu rechtfertigen, außer dass sie als Feuilletonerfindung durch die Gazetten geistert.

Leithammel dieser Sicht auf die Rentnerdemokratie ist der Marktradikale und Babyboomer Rainer HANK (Jahrgang 1953, 1,095 Millionen Geburten). Wer sind eigentlich die Babyboomer?

"Sie besetzen die Schlüsselpositionen in Politik und Wirtschaft. Die stärkste Alterskohorte waren die zwischen 1950 und 1965 Geborenen schon immer",

erklärt uns KITTLITZ, der offenbar nicht rechnen kann:

Jahrgang 1950: 1,12 Millionen
Jahrgang 1965: 1,36 Millionen

Wenn man den Jahrgang 1950 dazu zählt, dann gehören mindestens noch die Jahrgänge 1966 - 1969 dazu, die alle mehr Geburten als der Jahrgang 1950 umfassten.

Minderheiten sind viel durchsetzungsfähiger als Massenbewegungen. Denn wenn Masse zählen würde, dann müssten Eltern, die sich gerne zu Verlierern stilisieren, die Gewinner dieser Gesellschaft sein. Aber wie man am Beispiel von FINKE sieht, giften sich Eltern gerne gegenseitig an, weil sich die einen Eltern gegenüber den anderen Eltern benachteiligt fühlen oder diese gar nicht als richtige Eltern anerkennen. Und wie sieht es mit den Eliten aus? Sind das etwa Viele? Warum sind sie dann an der Macht und nicht längst davon gejagt, wenn Masse zählen würde?

KITTLITZ fordert ein Beschäftigungsprogramm für junge, einheimische Berufstätige, das er als "New Deal für Flüchtlinge" vermarktet:

"in diesen Programmen fände unsereins, die Jungen, unbefristete, vernünftig bezahlte, steuerpflichtige Arbeit."

Was hat das eigentlich mit der Rentendebatte zu tun? Schließen sich Renten, die den Lebensstandard erhalten, und vernünftige Löhne für Beschäftigte aus? KITTLITZ baut einen Popanz auf, mit dem er Scheinkämpfe führt.

Fazit: KITTLITZ jammert über Babyboomer wie FINKE und HANK und diese jammern über die Rentendebatte. Dies zeigt bereits, dass Generationengerechtigkeit ein Scheinargument ist. In unserer Klassengesellschaft ist es entscheidender, ob jemand wie die beiden Autoren zur gut situierten Mittelschicht gehören oder nicht.    

 
       
   
NIEJAHR, Elisabeth (2016): Nur keine Angst.
Wohlstand in Deutschland: Der Mittelschicht geht es gar nicht so schlecht wie behauptet - weil viel mehr Frauen berufstätig sind,
in:
Die ZEIT Nr.21 v. 12.05.

Elisabeth NIEJAHR ist unter die Gesundbeter gegangen. Angesichts des Niedergangs der Volksparteien und des Aufstiegs der AfD gehen unser Journalisten nun vermehrt unter die Gesundbeter, nachdem sie uns jahrelang im Zeichen neoliberaler Reformen und dem Motto: die Stimmung ist viel besser als die Lage, das genaue Gegenteil erzählt haben. Geringverdienende Frauen? Kein Problem, denn das sind ja alle nur Zuverdienerinnen:

"Der typische Industriearbeiter hat heutzutage eben keine Hausfrau, sondern eine Teilzeitkraft an seiner Seite."

Willkommen im Jahr 1957! Christine FINKE soll sich nicht so haben, erklärt uns NIEJAHR:

"Lebenssituation, Bezahlung und Absicherung (...) mögen nicht ideal sein. Aber sie sind doch besser als die von ehemaligen Industriearbeitern, die einen sozialen Abstieg verkraften müssen."

Vorbeter einer solchen neuen Gesundbeterei ist der Ökonom Gert G. WAGNER.

SCHIERITZ, Mark (2016): "Auf dem Weg in die Plutokratie".
Wie kommt es, dass in allen Ländern die Ungleichheit der Einkommensverhältnisse zunimmt? Fragen an den Starökonomen Branker Milanovic,
in:
Die ZEIT Nr.21 v. 12.05.

 
       
 

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Zu den News vom 07. - 11. Mai 2016
 

   
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