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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
       
       
   

News vom 21. - 30. April 2004

 
       
     
       
   

Zitat des Monats:

"Sie haben das Privileg, zu einer Generation zu gehören, die nicht aufs Abstellgleis geschoben werden kann. Der Grund dafür ist einfach: Die Alterspyramide erfährt eine dramatische Umkehrung, die Tanne verwandelt sich in einen Atompilz.
      
   Altwerden als Massenphänomen wird vor allem die Industriegesellschaften grundlegend verändern.
(...).

      
   Während diese Entwicklung gemeinhin als Schreckensszenario dargestellt wird, das der Jugend ihr Recht auf Zukunft nimmt und generell unfinanzierbar ist, birgt es für die Alten von morgen - und das sind wir- ungeahnte Chancen.
(...). Die umworbene Masse ist automatisch die privilegierte Klasse. Nur was uns interessiert, lässt sich verkaufen oder politisch durchsetzen. (...).

      
   Die Investmentbank UBS Warburg vertritt die These, dass die Gesellschaft zwar altert, aber alle davon profitieren. Da sich in der Gruppe der heute 30- bis 49-Jährigen ein überdurchschnittlich großer Anteil von Singles oder »Dinks« (Double income, no kids) tummelt, ständen der Wirtschaft goldene Zeiten bevor - ganz unabhängig von der US-Wirtschaft oder strukturellen Reformen in Europa. Dinks und Singles geben ihr Geld aus, statt es für die Nachkommen fest anzulegen.
      
   Die Rentendiskussion ist wie ein letztes Aufbäumen der Angstmacher."
(aus: Martin Schacht "Die ewige Zielgruppe", 2004, S.12ff.)

 
       
       
   
  • SALLES, Alain (2004): Les transfert multiméia de Houellebecq.
    En attirant l'écrivain, le groupe Lagardère affirme sa puissance. Consternation chez Flammarion,
    in: Le Monde des Livres v. 30.04.

    • Alain SALLES kündigt den Verlagswechsel von Michel HOUELLBECQ an. 2005 soll ein neuer Roman beim Verlag Fayard erscheinen.
 
       
   
  • BLÄSKE, Gerhard (2004): Frauen müssen draußen bleiben.
    Ein dichtes Netz von Betreuungseinrichtungen erlaubt es den meisten Französinnen trotz Kindern zu arbeiten, - in die Chefetagen kommen aber fast nur Männer,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 30.04.

 
       
     
       
   
  • HINTERMEIER, Hannes (2004): Gerechtes Denken ist langweilig.
    Dem Zeitgeist ein Schnippchen: Der Karolinger Verlag und seine Verleger,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 30.04.

Hannes HINTERMEIER porträtiert die Verleger Peter WEIß (Jahrgang 1942) und Jean-Jacques LANGENDORF (Jahrgang 1938) des österreichischen Karolinger Verlag. Das Verlagsprogramm wird uns von HINTERMEIER mittels Zitat präsentiert:

"»Morgens Republikaner, bei Sonnenuntergang Monarchist; Atheist bei Sonnenschein, ultramontaner Katholik in gewissen Stunden des Schattens und des Schweigens« schreibt Fernando Pessoa am 5. April 1915 (...). Karolinger steht für diese komplizierte Vielfalt des Denkens."

Im Karolinger Verlag erschien u.a. Die Häresie der Formlosigkeit von Martin MOSEBACH.

 
       
     
       
     
       
     
       
   
NOUVEL OBSERVATEUR-Titelgeschichte: Les nouveaux célibataires.
Ils inventent d'autres façons d'être ensemble
  • LEMONNIER, Marie (2004): Les nouveaux célibataires.
    Ils inventent d'autres façons de vivre ensemble,
    in: Nouvel Observateur Nr.2060 v.  29.04.

  • NICOLOPOULOS, Stéphane (2004): Coeurs à prendre,
    in: Nouvel Observateur Nr.2060 v.  29.04.

  • LEMONNIER, Marie (2004): Suivez le guide...
    in: Nouvel Observateur Nr.2060 v.  29.04.

  • LEMONNIER, Marie (2004): Angelina Jolie,
    in: Nouvel Observateur Nr.2060 v.  29.04.

  • LEMONNIER, Marie (2004): De soi à soi, les vertus de la solitudes,
    in: Nouvel Observateur Nr.2060 v.  29.04.

  • LEMONNIER, Marie (2004): Libres, ensemble?
    Vivre chacun chez soi et se retrouver deux week-ends par mois, telle est l’une des recettes des évadés de la solitude pour éviter l’usure de la vie à deux,
    in: Nouvel Observateur Nr.2060 v.  29.04.

  • BUI, Doan (2004): Solo bizness.
    Europe: un marché de 140 milliards d'euros,
    in: Nouvel Observateur Nr.2060 v.  29.04.

  • BUI, Doan (2004): Jeune, jolie, seule... et flambeuse,
    in: Nouvel Observateur Nr.2060 v.  29.04.

  • BUI, Doan (2004): Le boom des romans pour coeurs solitaires,
    in: Nouvel Observateur Nr.2060 v.  29.04.

 
       
   
Andreas MIMH meldet, dass angeblich bereits im Mai ein Gesetz beschlossen wird, das Kinderlose in der Pflegeversicherung stärker belastet. Dies wäre der Einstieg in den katholischen Sozialstaat, der darauf abzielt Staat und Arbeitgeber aus dem Familienlastenausgleich herauszuhalten und mittels der neuen Konfliktlinie Familien contra Singles den Klassenkonflikt zwischen Kapital und Arbeit auf die Reproduktionssphäre zu verschieben. Der katholische Sozialstaat verschiebt die Lasten der Bevölkerungspolitik auf die  zwangsversicherten Arbeitnehmer. Die Richter des Bundesverfassungsgerichts können sich die Hände reiben: ihre Altersversicherung ist davon unabhängig!

Bert RÜRUP, der neuerdings für eine nachhaltige Familienpolitik plädiert, die ebenfalls die Kinderlosigkeit als zentrales Problem definiert, wendet sich entschieden gegen eine Lösung innerhalb der Sozialversicherungen, weil diese gerade Geringverdiener bestraft, während Beamte, Selbständige, Richter und andere Besserverdienende nicht an den Kinderkosten beteiligt werden.

Wer sich als Single (darunter fallen in diesem Fall auch Eltern, deren Kinder nicht mehr im Haushalt leben) gegen diese Ungerechtigkeit nicht wehrt, der lebt verkehrt! Um die Dimensionen des Betrugs ein wenig deutlicher zu machen ein paar Zahlen zur Lage der 45-55-Jährigen im Jahr 1994:

Damals lebten nur 18 % Kinderlose, aber 42 % Eltern ohne Kinder im Haushalt mit einem Pro-Kopf-Einkommen über 3000 DM dieser Altersgruppe in den alten Bundesländern. Bei den 2500-3000 DM-Einkommen waren es 14 % Kinderlose, aber 33 % Eltern ohne Kinder im Haushalt. Unter jenen, die weniger als 2500 DM verdienten, lebten gar nur 1 - 5 % Kinderlose, aber zwischen 6 und 35 % Eltern ohne Kinder im Haushalt.  Diese Daten wurden vom Deutschen Jugendinstitut erhoben (BIEN/BAYER/BAUEREIß/DANNENBECK "Die soziale Lage von Kinderlosen, 1996, S.102).

Die Daten sind zwar bereits 10 Jahre alt, aber die Veränderungen sind nicht so groß, dass diese Daten keinen Anhalt mehr geben könnten. Sie zeigen eindeutig, dass unter den Zwangsversicherten nur eine kleine Minderheit tatsächlich lebenslang kinderlos ist. Der größte Teil sind Eltern, deren Kinder nicht mehr im Haushalt leben. Wenn heute die Kinderlosigkeit auf über 30 % geschätzt wird, dann ist damit viel Demagogie, aber wenig Stichhaltiges mit im Spiel. Eltern werden durch die Verwendung eines weiten Begriffs von Kinderlosigkeit darüber getäuscht, dass sie die Hauptlast dieser Politik tragen werden. Es ist ja bezeichnend, dass der Familiensurvey neuere Daten aus dem Jahr 2000 zuließe. Sie aber entweder nicht ausgewertet oder nicht veröffentlicht werden. Der Bürger soll offenbar über seine Lage im Unklaren gelassen werden.

 
       
     
       
   
  • FRANKFURTER RUNDSCHAU (2004): Deutschland braucht mehr Kinder.
    Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften wollen eine neue "Allianz für Familie" schmieden, die allen Gewinn bringt,
    in: Frankfurter Rundschau v. 28.04.

Die FR druckt die Präambel der Allianz für Familie - Balance für Familie und Arbeitswelt ab. Der Text hebt vor allem auf die Geburtensteigerung ab, wenn es heißt, dass wir eine "aktive Bevölkerungsentwicklung" brauchen und das Ziel einer "bevölkerungsstabilisierenden Geburtenrate" genannt wird. Daraus wird dann hergeleitet, dass Familienwerten gute Entfaltungsbedingungen gegeben werden müssen und Anreize sollen neu gesetzt werden. In dieser Sicht wird Kinderlosigkeit nicht nur zum Defizit, sondern zum zentralen gesellschaftlichen Problem erklärt!

Bezeichnenderweise werden die 1970er Jahre zum Ausgangspunkt des Problems, sowohl des Arbeitsmarktes als auch der demografischen Krise, gemacht. Normativer Bezugspunkt ist ganz offensichtlich die angebliche Familienidylle der 1950er Jahre. Der Unterschied ist jedoch, dass nicht die Einernährerfamilie, sondern die Doppelverdienerfamilie propagiert wird. Die Steigerung der Ehefrauenerwerbstätigkeit ist ein gleichwertiges Ziel dieser nachhaltigen Familienpolitik.

Die Ganztagsbetreuung für Karrierefrauen wird dem Normalo, der das schließlich hauptsächlich finanzieren wird, als kompensatorisches Bildungsprinzip schmackhaft gemacht, denn der

"Lebens- und Bildungsweg eines Kindes wird vor allem innerhalb der ersten sechs Lebensjahre geprägt".

Kinderlose Akademikerinnen, ihr Anteil wird auf über 40 % geschätzt, sind die Kernzielgruppe einer Politik für die Mütterelite, wie sie von Renate SCHMIDT vertreten wird, auf deren Initiative diese Allianz entstanden ist.

Im Papier stellt sich die Bevölkerungspolitik als liberale Angebotspolitik dar. Was aber passiert, wenn Kinderlose gar nicht einsehen, dass sie mit Kind glücklicher sein sollen? Man kann gewiss sein, dass dann über kurz oder lang die Hardliner mit rigiden Maßnahmen gegen Kinderlose vorgehen werden.

 
       
   
  • PEITZ, Christiane (2004): Von Raben und Müttern.
    Warum die Deutschen immer weniger Kinder kriegen. Ein Plädoyer gegen das Sicherheitsdenken,
    in: Tagesspiegel v. 28.04.

Christiane PEITZ bringt das Kunststück fertig einerseits die Hysterie bezüglich der Bevölkerungsentwicklung zu beklagen und andererseits die Ängste vor dem Aussterben der Deutschen zu instrumentalisieren. Ihre Botschaft ist: alles ist richtig, solange es der Geburtensteigerung dient:

"Wenn die Deutschen nicht aussterben wollen, müssen sie lernen, ihre Pflichten zu vernachlässigen. Familienplanung? Wir brauchen nicht mehr Vorzeigeeltern, sondern mehr Improvisationskunst, individuelle Freiheit und lebenspraktische Fantasie. Vielleicht bekommen dann eines Tages auch in Deutschland mehr unverheiratete Paare Kinder, getrennt erziehende oder alleinstehende Eltern, Patchworkfamilien, Wohn- und Lebensgemeinschaften jeglicher Couleur. Und zwar ohne schlechtes Gewissen und gesellschaftliches Misstrauen oder gar moralische Ächtung. Klar, Kinder brauchen Verbindlichkeit. Aber nicht rund um die Uhr und nicht unbedingt von den biologischen Eltern.".

Bereits die Prämisse von PEITZ ist jedoch fragwürdig, wenn sie behauptet, dass nur bei einer Geburtenrate von 2,1 (...) die Bevölkerungszahl halbwegs stabil (bleibt). Seit über 50 Jahren beweist die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland das Gegenteil. Ob Flüchtlingsströme in den 1950er Jahren, Gastarbeiter in den 1960er und 1970er Jahren oder Ost-West-Wanderungen seit der Wiedervereinigung. Immer spielte die Zuwanderung die entscheidende Rolle für die Bevölkerungsentwicklung. Auch die neue Ost-Erweiterung der EU wird hier keine Ausnahme machen. Die gegenwärtige Hysterie speist sich in erster Linie aus einem neuen Nationalismus. Es geht um eine neue Blut- und Bodenpolitik, die nicht zuletzt bei Frank SCHIRRMACHER anklingt, wenn er die alten 68er dem "youth bulge" der Islamisten gegenüberstellt. Es ist auch kein Zufall, dass neuerdings der Nazi-Slogan "Volk ohne Raum" reaktiviert als "Raum ohne Volk" wiederkehrt. Die allseitige Zustimmung der Eliten zu einer Politik der aktiven Bevölkerungsentwicklung kann nicht allein aus familienpolitischen Gesichtspunkten erklärt werden, sondern dahinter stehen neuartige geopolitische Überlegungen.

 
       
   
  • KRÖNER, Magdalena (2004): Die blaue Blume haut ins Auge.
    Markiert der aktuelle Boom des Romantischen in Mode, Design und Kunst die nostalgische Hinwendung zu einer reaktionären Innerlichkeit? Und was sucht eine neue Garde junger Maler, die gegenwärtig das Arsenal des Romantischen plündert? Eine prosaische Recherche in den Gefilden des Elegischen,
    in: TAZ v. 27.04.

 
       
   
  • OLOEW, Matthias (2004): Kinder, Küche, Kirche.
    Warum die Stadt Cloppenburg keine Nachwuchssorgen hat,
    in: Tagesspiegel v. 27.04.

  • TSP (2004): Kinder, Kinder.
    Wie die Bevölkerungsstruktur Deutschlands 1980 aussah und wie sie sich bis 2020 verändert haben wird. Gründe und Konsequenzen,
    in: Tagesspiegel v. 27.04.       

 
       
     
       
     
       
   
  • BÄUMLISBERGER, B/BEHREND, T./FUHRER, A./HEISSMEYER, A./SCHWAB, F. (2004): Die geteilte Republik.
    Bis zum Jahr 2020 öffnet sich eine Riesenkluft zwischen Boomregionen und Landschaften, die veröden. Der Abstieg trifft nicht nur den Osten, sondern auch Teile des Westens,
    in: Focus Nr.18 v. 26.04.

 
       
     
       
     
       
   
Einer der größten Mythen ist die kinderlose Akademikerin. Sie geistert seit den 1980er Jahren durch die Gazetten der wertkonservativen Medien. Links- und Rechtspopulismus widmen sich dem Sujet gleichermaßen. Die Linken begrüßen den angeblichen Gebärstreik im Namen einer Verbesserung von Beruf und Familie, während der Rechtspopulismus das Aussterben der intelligenten Deutschen zelebriert. Beide Seiten haben deshalb keinerlei Grund, ihre Vorurteile an empirischen Fakten messen zu lassen. NIRGENDS, aber auch NIRGENDS! Nirgends lassen sich exakte Daten über die Kinderlosigkeit der Akademikerfrauen finden. Warum? Es gibt sie schlicht nicht! Es kursieren allenfalls Schätzungen, die fragwürdig sind. Aus der Anzahl von Single-Haushalten, die von Frauen mit Hochschulabschluss geführt werden, wird z.B. auf die lebenslange Kinderlosigkeit dieser Frauen geschlossen. Im neuen Mai-Heft von GEO wird erstmals so deutlich wie sonst nirgends diese Gruppe definiert:

"44,3 Prozent der 35-39-jährigen westdeutschen Frauen, die in einem kinderlosen Haushalt leben, haben einen Hochschulabschluss." (Anke SPARMANN, Vielleicht irgendwann..., S.101)

Dies ist im Gegensatz zu den sonstigen schwammigen Aussagen eine Aussage, die sich kritisieren lässt, wenngleich - grob fahrlässiger Fehler! - die Jahreszahl fehlt. Stammen die Daten etwa aus dem Jahr 1990 oder sind sie neueren Datums? Wenn die Daten nicht völlig veraltet sind, dann ist eine Angabe ja keine Problem, oder? Fehlen die Angaben, dann müssen wir unterstellen, dass die Daten eigentlich ihr Verfallsdatum überschritten haben. Wir wollen den Journalisten doch nicht gleich Schlamperei unterstellen, oder?

Der Besitz eines Hochschulzeugnisses heißt noch lange nicht, dass diese Frauen auch in einem akademischen Beruf tätig sind, also eine Karriere machen. Wo bleiben die Daten darüber, welchen Berufserfolg kinderlose Frauen mit Hochschulabschluss haben? Wo sind die Daten über die Arbeitslosigkeit dieser Frauen? So genau will man es jedoch gar nicht wissen. Vorab ist bereits klar woran es liegen muss: Konsum statt Kinder ist der einzige Grund, den Sozialpopulisten kennen.

Die Herangehensweise über Single-Haushalte kann nicht ausschließen, dass eine Frau Kinder geboren hat. Es könnte sich um einen Zweithaushalt handeln, d.h. das Kind wird im Haushalt des Vaters erzogen. Gerade in der neuen Mitte ist es nicht unüblich, dass der Mann weniger verdient und deshalb für die Kindererziehung zuständig ist. Bei Scheidungen könnte das Kind beim Vater aufwachsen. Das ist zwar nicht selbstverständlich, aber gerade in den neuen Milieus auch nicht ausgeschlossen. Erst recht nicht ausgeschlossen werden kann, dass diese Frauen noch Kinder gebären.

Gerade die Zahl der Spätgebärenden hat bei den Hochschulabsolventen enorm zugenommen. Bei den 35-39-jährigen Frauen werden also auch potenzielle Eltern mitgezählt. Warum werden also nicht die Prozentzahlen von 40-45jährigen Frauen angegeben? Dann wären schon viele potenzielle Mütter weggefallen. Nur wer spätgebärende Mütter nicht gesellschaftlich akzeptiert und deswegen mit allen Mitteln versucht sie als Kinderlose oder Rabenmütter zu diffamieren, hat ein berechtigtes Interesse, die Kinderlosigkeit der Akademikerfrau zu dramatisieren.  

 
       
     
       
     
       
   
Das Berlin-Institut hat die Zukunftsfähigkeit deutscher Regionen bis ins Jahr 2020 prognostiziert. In den Medien wird entweder der demografische Wandel und/oder die ökonomische Situation als Ursache mangelnder Zukunftsfähigkeit in den Mittelpunkt gerückt.

Welt und WamS nutzen die Studie, um gegen Kinderlose zu hetzen. Obwohl die Wissenschaftler 22 Indikatoren zur Beurteilung der Zukunftsfähigkeit herangezogen haben, interessieren sich die wertkonservativen Medien nur für die Geburtenentwicklung.

Die Studie zeigt jedoch, dass der heutige Altersaufbau das Produkt von Entwicklungen ist, die zum Teil vor den 1960er und 1970er Jahren datieren. Bayern verdankt z.B. seine gegenwärtig günstige Altersstruktur den Flüchtlingsströmen aus den Ostgebieten während der 1950er Jahre.  Ländliche Gebiete mit hohen Geburtenraten profitieren von nahen Städten mit einer florierenden Wirtschaft. Das größte Manko: Eine Studie, die ihre Ergebnisse aus der Sicht politischer Gebietskörperschaften aufbereitet, verzerrt zwangsläufig den Blick auf die Ursachen.

Menschen halten sich mit ihrem Verhalten nicht an politische Grenzen. Eine Politik, die nicht über ihre kleinkarierten Grenzen schaut, führt deshalb zu kontraproduktiven Maßnahmen. Standortkonkurrenz verhindert den effizienten Einsatz der Mittel und führt dazu, dass Regionen gegeneinander ausgespielt werden.

Das Mai-Heft der Zeitschrift GEO präsentiert in ihrer 32seitigen Beilage zu den demographischen Perspektiven Deutschlands ausführlich die Ergebnisse der Studie. Es werden die Länderprofile dargestellt, die alle Kriterien der Zukunftsfähigkeit genannt und die Benotung aller Städte in einer Tabelle aufgeführt. Das grundsätzliche Problem der Studie besteht darin, dass die einzelnen Kriterien nicht gewichtet werden, sondern unverbunden nebeneinander stehen. Die Gesamtnote ist deshalb durchaus fragwürdig.

Die Stadt Heidelberg hat z.B. mit 0,88 die niedrigste Geburtenrate in Deutschland. Eine Universitätsstadt wie Heidelberg, lebt zu allererst durch seine Studenten. Man kommt nicht zum Kinderkriegen, sondern zum Studieren in die Stadt. Junge Familien ziehen dagegen ins Umland. Ausnahme: Family Gentrifier. Städte sind für Menschen also vor allem in einer ganz bestimmten Lebensphase attraktiv. Wer Städten ihre historisch gewachsene Kinderarmut zum Vorwurf machen möchte, der stellt die moderne, arbeitsteilige Gesellschaft grundlegend in Frage. Es geht dabei zentral um die Frage, ob die Einnahmen zwischen einzelnen Kommunen gerecht verteilt werden. Darf es sein, dass der Wohnort höher bewertet wird als der Arbeitsort, der Bildungsort oder der Freizeitort? Eine kleinräumige Betrachtung von Geburtenzahlen führt möglicherweise zu weitreichenden Fehlschlüssen, wenn nicht die besondere Funktion einer Stadt berücksichtigt wird.

Wenn auf die vielen Alten in Baden-Baden hingewiesen wird, als ob das ein Defizit sei, dann wird dies sofort fragwürdig. Ein Kurort zeichnet sich nun einmal durch einen höheren Anteil an älteren Menschen aus. Daraus jedoch waghalsige Prognosen über die Zukunftsfähigkeit abzuleiten, das wirft eher ein seltsames Licht auf die Forscher und ihre Herangehensweise. 

  • BAUER, Friederike (2004): Der Süden hat die Zukunft noch vor sich.
    Eine Studie des Berlin-Instituts für Demographie macht große regionale Unterschiede in Deutschland aus,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.04.

  • SCHWÄGERL, Christian (2004): Im alten Land.
    Raum ohne Volk: Zwischen Usedom und Fichtelgebirge wird man schon im Jahr 2020 kaum noch Menschen begegnen,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.04.

  • GRASSMANN, Philip (2004): Forscher sehen Deutschland auf dem Weg in die zweite Liga.
    Studie über Folgen der Überalterung und des Wegzugs junger Menschen. Schlechte Zukunftschancen für den Osten, aber auch für einige Regionen im Westen/Bayern und Baden-Württemberg am besten gerüstet,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 23.04.

    • Philip GRASSMANN weist darauf hin, dass die 5 Landkreise mit der schlechtesten Zukunftsfähigkeit allesamt Leidtragende des Zusammenbruchs traditioneller Industrien seien: "Altenburger Land (Braunkohletagebau), Wismar und Bremerhaven (Schiffbau), Gelsenkirchen (Kohle), Löbau-Zittau (Textilwirtschaft)."
    • HERRMANN, Ulrike (2004): Wo Deutschland jung ist.
      In religiös geprägten Gegenden kommen viele Kinder zur Welt. Bald öd und leer: Gelsenkirchen und Löbau-Zittau
      in: TAZ v. 23.04.

    • SIEMS, Dorothea (2004): Die Schlauen sterben aus,
      in: Welt v. 23.04.

    • DSI (2004): "Immer weniger Kinder in bildungsfernen Schichten",
      in: Welt v. 23.04.

    • PETER, Joachim (2004): Die Gegensätze verschärfen sich.
      Bevölkerungswanderungen in wohlhabende Gebiete - Dramatischer Geburtenrückgang - Der Osten verliert,
      in: Welt v. 23.04.

 
       
   
  • BUHR, Elke (2004): Weil ich ein Mädchen bin,
    in: Frankfurter Rundschau  v. 23.04.

 
       
     
       
     
       
   
  • KREMP, Herbert (2004): Als die Jungen begannen, die Alten zu töten.
    Auf die demographische Katastrophe folgte das Pogrom: Eine Vision aus dem Jahr 2029,
    in: Welt v. 22.04.

    • Die Zukunfts-taz war schon ein Graus. Die Neue Mitte ist ausgeblutet und ideenlos. Herbert KREMP möchte es nun der taz nachmachen, nur ist Oswald der SPENGLER sein Untergangsprophet. Die Welt macht kostenlos Werbung für sein Book on Demand Memoiren der Zukunft - Deutschland 2050. KREMP, Jahrgang 1928, wird man im Jahr 2050 nicht mehr haftbar machen können, wenn seine Horrorszenarien nicht eingetroffen sind. Selbst Bevölkerungswissenschaftler übernehmen ja bekanntlich keinerlei Haftung für ihre Prognosen oder Modellrechnungen. In Deutschland übertreffen sich die Miesepeter gegenseitig. Wer heutzutage nicht seine ganze Energie in Bücher über den Abstieg Deutschlands investiert, der scheint den neuesten Trend noch nicht erkannt zu haben. Die Deutschen also ein Volk von Masochisten?
 
       
   
Neuerdings muss sich die taz öfters mit dem Spießer beschäftigen. Früher war das unnötig, denn es wäre niemand auf die Idee gekommen, die taz für spießig zu halten. Was ist spießig? Nicht als spießig gelten zu wollen! Joachim BESSING wird unter der Rubrik "neuerdings spießig" abgehandelt. Das muss man bei SCHULTHEIS als  Adelsprädikat auffassen. 
 
       
   

JUNGLE WORLD-Titelgeschichte: A-wop-bop-a-loo-lp a-lop bam boo! Wang dang sweet poontang! Boom boom boom boom A-haw haw haw haw! Gabba gabba hey!
Der Rock’n’Roll wird 50! Panik erfasste Eltern, Pfarrer und Sittenwächter, als Bill Haley begann, rund um die Uhr zu rocken. Die Haare wurden länger, die Gitarren quietschten, die Fans kreischten, die Steine rollten und flogen. Stay high, live fast, die young. Wenn Sie die lauteste Revolte aller Zeiten überlebt haben, drehen Sie jetzt die Regler hoch.

Axel GRUMBACH mit einem verfrühten Nachruf auf den Plattensammler: "Der klassische Plattensammler, der viel Zeit und Geld in seine Leidenschaft investiert hat, würde den Vorwurf des Fetischcharakters seiner nüchtern betrachtet als Warenanhäufung bezeichneten Tätigkeit entrüstet zurückweisen. Erst recht seitdem sein Tun durch Nick Hornby in »High Fidelity« höhere Weihen bekommen hat: »Plattensammeln ist nicht so wie Briefmarken oder Bierdeckel oder antike Fingerhüte sammeln. Da steckt eine ganze Welt drin, eine schönere, schmutzigere, gewalttätigere, friedlichere, farbenfrohere, schlüpfrigere, gemeinere und liebevollere Welt als die, in der ich lebe.«
Trotzdem werden Selbstbild und Identität des Plattensammlers regelmäßig erschüttert, wenn ein dowloadender Jugendlicher in ein paar Monaten seinen zigarettenschachtelgroßen MP3-Player randvoll mit ebenso viel Musikgeschichte gestopft hat, wie der Collector es nur durch jahrelanges Durchforsten von Plattenläden schaffte. Das scheibenweise erworbene Gefühl der Exklusivität ist verloren gegangen, das vermeintliche Geheimwissen offenbart. Es ist nun für jedermann verfügbar im Internet. Die große coole Plattensammlung, die stolz die Stationen der individuellen musikalischen Sozialisation repräsentierte, hat für den Sammler selbst zwar noch einen großen Wert, aber nicht mehr so sehr für seine unmittelbare Umgebung: Immer seltener wird er von seinen Mitmenschen gefragt, ob er vielleicht so gnädig ist, von seinen raren Perlen die eine oder andere Aufnahme zu machen.
"
 
       
     
       
     
     
       
   
  • BERTRAM, Hans (2004): Familien brauchen Zeit.
    Warum wir so wenig Geburten haben,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.04.

 
       
     
       
   
  • Das Single-Dasein in Japan

    • AP (2004): "Er ist so goldig".
      In Japan sollen Roboter Alte und Kinder therapieren - die emotionalen Folgen sind noch kaum erforscht,
      in: Welt v. 21.04.

 
       
   

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Zu den News vom 15. - 20. April  2004

 
       
   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
   
 
   

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