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News vom 16. - 19. August 2016

 
 
     
 
   

Zitate des Monats:

2015: Von 2015 bis 2020 wird die Bevölkerung deutlich schrumpfen und altern 

"In der zweiten Hälfte des laufenden Jahrzehnts wird die Bevölkerungszahl deutlich schrumpfen und gleichzeitig wird der Bevölkerungsanteil der höheren Altersgruppen immer weiter zunehmen."
(Christoph M. Schmidt

"Der demografische Wandel als große Herausforderung für Wirtschaft und Gsellschaft - ein Überblick", 2015, S.39)

2016: Wir leben in einem kurzen demografischen Zwischenhoch

"Die finanziellen Folgen für die GRV fallen nur deshalb bislang nicht so stark aus, weil die gute konjunkturelle Lage und die günstige Situation auf dem Arbeitsmarkt zu einer unerwartet positiven Entwicklung der Beitragseinnahmen geführt haben (...). Ebenso hat sich ein kurzes demographisches Zwischenhoch günstig auf die Ausgabenentwicklung ausgewirkt".
(
in: "Altersarmut statt Altersvorsorge" von FELD, Lars/KOHLMEIER, Anabell/SCHMIDT, Christoph M. im ifo Schnelldienst Nr.12 vom 23. Juni 2016, S.4)

 
       
       
   

STATISTISCHES LANDESAMT BW (2016): Baden‑Württemberg: Höchste Geburtenrate seit 1974.
Im Schnitt 1,51 Kinder je Frau – Pforzheim landesweit Spitzenreiter,
in: Pressemitteilung des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg v. 18.08.

Die Pressemeldung vermischt die Begründungen für die Geburtenentwicklung in Baden-Württemberg. Zuerst werden uns nicht - wie der Leser vielleicht vermuten würde, die Gründe für den Anstieg der zusammengesetzten Geburtenziffer (TFR; umgangssprachlich auch als Geburtenrate bezeichnet), sondern nur für den Anstieg der absoluten Geburtenzahlen genannt: 

"In Baden‑Württemberg wurden im vergangenen Jahr rund 100.300 Kinder lebend geboren und damit ca. 4.600 mehr als 2014. Somit übertraf die Zahl der Lebendgeborenen nach Angaben des Statistischen Landesamts zum ersten Mal seit 2001 wieder die Marke von 100.000 und lag zum vierten Mal in Folge höher als im jeweiligen Vorjahr. Die Ursache für diesen positiven Trend wird in der in den vergangenen Jahren enorm angestiegene Zuwanderung gesehen, die auch zu einer Zunahme der Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter geführt hat. Hinzu kommt, dass nun Kinder der geburtenstarken Jahrgänge Anfang der 1960er-Jahre, die sogenannten Babyboomer, selbst wieder Kinder bekommen."

Erst danach kommt die Pressemeldung zum wesentlich wichtigeren Anstieg der Geburtenrate (TFR):

"Schließlich ist die relativ hohe Geburtenzahl auch auf einen Anstieg der Geburtenrate, also der durchschnittlichen Kinderzahl je Frau, zurückzuführen. Diese lag im vergangenen Jahr bei 1,51 Kindern je Frau. Damit stieg diese Kennziffer auch im vergangenen Jahr weiter an und lag so hoch wie seit 1974 nicht mehr."

Anders als die Pressemeldung behauptet, werden uns jedoch nicht die Ursachen dieser Entwicklung genannt, sondern lediglich familien- bzw. bevölkerungspolitisch motivierte Deutungen und spezielle Rahmenbedingungen der Entwicklung der zusammengefassten Geburtenziffer. Ursachen wären dagegen zum einen die Entwicklung der kohortenspezifische Geburtenrate (CFR) und zum anderen Veränderungen des Timings, d.h. des Erstgebäralters, denn dieses könnte die zusammengefasste Geburtenziffer (TFR) verzerren, was zu Fehlschlüssen führen kann.

Die uns verkündete zusammengefasste Geburtenziffer ist - anders als vielleicht vermutet - kein verlässliches Kennmaß für den Anstieg der Fruchtbarkeit, sondern lediglich ein Indikator. Einzig die Entwicklung der Geburtenrate von Frauenjahrgängen (CFR) ermöglicht verlässliche Aussagen über eine Trendumkehr. Angaben zu dieser Geburtenrate werden jedoch in der Pressemeldung nicht gemacht.

Lassen sich aus der Geburtenrate (TFR) Rückschlüsse auf die zu erwartende bundesweite Geburtenrate ziehen? Aufschluss darüber bietet die folgende Tabelle eines Vergleichs der Entwicklung beider Indikatoren in Deutschland und Baden-Württemberg in den letzten Jahren:

Tabelle: Vergleich der Entwicklung der zusammengefassten
Geburtenziffer in Baden-Württemberg und Deutschland in den
Jahren 2011 bis 2015
Gebiet Zusammengesetzte Geburtenziffer (TFR)
  2011 2012 2013 2014 2015
Baden-Württemberg 1,36 1,39 1,41 1,46 1,51
Deutschland 1,39 1,41 1,42 1,47 ?
Quellen: Statistisches Bundesamt (Seitenabruf: 19.08.2016);
Pressemitteilung des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg
vom 18.08.2016

Da die zusammengefasste Geburtenziffer in Deutschland in den letzten Jahren höher lag, ist es wahrscheinlich, dass die Geburtenrate auch in Deutschland im Jahr 2015 auf über 1,5 Kinder pro Frau gestiegen ist.

 
       
   

PÖTZSCH, Olga (2016): (Un-)sicherheiten der Bevölkerungsvorausberechnungen.
Rückblick auf die koordinierten Bevölkerungsvorausberechnungen für Deutschland zwischen 1998 und 2015,
in:
Wirtschaft und Statistik, Heft 4

Auf dieser Website wurden die Annahmen der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung bereits beim Erscheinen im April 2015 kritisiert. Ausführlich wurde auf die Problematik auch bei einem Vergleich mit einer IW-Bevölkerungsvorausberechnung eingegangen.

Nun erst sieht sich also auch das Statistische Bundesamt genötigt, auf Kritik zu reagieren. Olga PÖTZSCH ist nicht für eine fortschrittliche Analyse bekannt (mehr hier), sondern ihr bevölkerungspolitisch motivierte Credo lautet: Immer alles leugnen bis zuletzt. Diese Strategie wurde hier bereits seit der Jahrtausendwende immer wieder deutlich gemacht.

Auf dieser Website wurde immer wieder gefordert, die Treffsicherheit von Bevölkerungsvorausberechnungen im Vergleich mit früheren Berechnungen zu überprüfen. Denn gerne wird behauptet, dass nichts so sicher sei wie die demografische Entwicklung und das über Zeiträume von fast 50 Jahren wie zuletzt wieder die Deutsche Bundesbank mit ihren Forderungen nach einer Rente mit 69 bis 2064 gezeigt hat. Bei PÖTZSCH heißt es nun:

"Dieser Beitrag geht auf das Wesen und den Zweck der amtlichen Bevölkerungsvorausberechnungen ein und setzt sich mit der jüngsten medialen Kritik auseinander. Er vergleicht die Annahmen und Ergebnisse der 9. bis 13. koordinierten Vorausberechnungen untereinander und mit der realen Bevölkerungsentwicklung und zeigt somit Möglichkeiten und Grenzen der Bevölkerungsvorausberechnungen auf."

Hier stellt sich gleich die Frage, warum nur seit der 9. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung, denn die erste gesamtdeutsche Bevölkerungsvorausberechnung war die 7. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung mit Basisjahr 1989, während die 9. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung lediglich das Basisjahr 1997 betrifft, d.h. die Treffsicherheit wird lediglich für den lächerlichen Zeitraum von nicht einmal 20 Jahren überprüft. Die Bundesbank verlangt dagegen Rentenprognosen über 45 Jahre! Uns wird dagegen eine scheinheilige Begründung für diesen Sachverhalt geliefert:

"Die bis 1998 realisierten Bevölkerungsvorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes, darunter die ersten acht koordinierten Berechnungen, wurden bereits in früheren Publikationen von Manfred Bretz ausführlich beschrieben und analysiert (Bretz, 1986; Bretz, 2001)."

Die Überprüfung der Treffsicherheit von Manfred BRETZ ist 15 Jahre her. In dieser Zeit passierten viele weitere Veränderungen der Entwicklung, die die damalige Analyse überholt haben. Man muss daraus schließen, dass hier verharmlost werden soll. Eine Re-Analyse hätte dagegen zeigen können, was die Bundesbank-Aussagen wirklich Wert sind: nämlich nichts! Pure Kaffeesatzleserei.

PÖTZSCH lehnt mit ihrer Aufgabenbeschreibung von Bevölkerungsvorausberechnungen im Grunde jegliche Verantwortung für einen Missbrauch ab, wenn sie schreibt:

"Vorausberechnungen (...) müssen aufzeigen, was passieren würde, wenn keine »integrativen und konstruktiven« Anstrengungen unternommen werden. Die Politik kann auf dieser Grundlage gestalterisch auf die tatsächliche Entwicklung Einfluss nehmen, sofern die aufgezeigten Trends politisch und gesellschaftlich unerwünscht sind".

Dabei bezieht sie sich speziell auf einen SZ-Artikel von LESSENICH & MESSERSCHMIDT, der sich auf die Annahmen zur Zuwanderung bezog. Man könnte diese Immunisierungsstrategie von PÖTZSCH auch genauso gut auf die Bundesbank münzen, die ja mit den Annahmen der Bevölkerungsvorausberechnung ebenfalls Politik betreibt. Kann sich das Statistische Bundesamt einfach auf eine unpolitische Position zurückziehen und Missbrauch ihrer Berechnungen einfach ignorieren? Oder wäre das Statistische Bundesamt nicht dazu verpflichtet, Missbrauch aufzuzeigen? Stattdessen heißt es:

"Wenn die absehbaren Auswirkungen durch neue Trends oder gerade aufgrund von Gegensteuerung abgemildert oder gar nivelliert werden, muss die Realität von der Bevölkerungsvorausberechnung zwangsläufig abweichen."

Wenn also Treffsicherheit ein belangloses Kriterium von Bevölkerungsvorausberechnungen wäre, dann werden die Annahmen dieser Vorausberechnungen umso bedeutsamer, denn sie müssten sofort korrigiert werden, wenn erkennbar ist, dass sie unhaltbar sind. Dies jedoch geschieht ebenfalls nicht, wie das Beispiel der steigenden Geburtenrate zeigt. Immer noch wird die Geburtenrate mit 1,4 Kinder pro Frau bis 2060 fortgeschrieben. Die Bundesbank betrachtet nicht einmal mögliche Alternativen mit 1,5 oder 1,6 Kinder pro Frau.

PÖTZSCH jedenfalls will als Kriterium für Bevölkerungsvorausberechnungen nur "richtige Signale senden" gelten lassen. Damit wird die Debatte von der Treffsicherheit in Bezug auf zukünftige Entwicklungen jedoch nur auf die getroffenen Annahmen verlagert, aber die grundsätzliche Kritik an solchen Bevölkerungsvorausberechnungen nicht aus der Welt geschafft:

"Ihrer Aufgabe, richtige Signale im Hinblick auf die künftige demografische Entwicklung zu senden, können Bevölkerungsvorausberechnungen allerdings nur dann gerecht werden, wenn sie auf möglichst treffenden Analysen der Gegenwart beruhen. Ein besonderes Augenmerk wird deshalb auf die Ableitung und Begründung der Annahmen zu einzelnen demografischen Komponenten gelegt. Diese sind die eigentliche Herausforderung bei der Weiterentwicklung der Bevölkerungsvorausberechnungen." (2016, S.39)

Und es kommt hinzu, dass dann der Einfluss von politischen Entscheidungen auch kausal belegt werden müsste, denn sonst könnten ja falsche Rückschlüsse gezogen werden aus der Differenz zwischen Vorausberechnung und Realität. Was wenn die Veränderungen gar nicht auf Politik, sondern auf ganz andere - nicht berücksichtigte Faktoren - zurückzuführen wären? PÖTZSCH baut sich hier ein Kartenhaus auf, das sehr einsturzgefährdet ist. Uns interessiert vor allem die Begründung der Annahmen zur Geburtenentwicklung, da darin gegenwärtig der größte Sprengstoff im Hinblick auf die Bundesbank-Berechnungen und der Debatte um die zukünftige Finanzierung der Renten liegt. Erstmals wird uns einigermaßen ausführlich erklärt, dass die Annahmen zur Geburtenentwicklung sich nicht einfach aus der zusammengefassten Geburtenziffer ergeben, sondern aus der jeweiligen Verteilung der altersspezifischen Geburtenziffern:

"Die zusammengefasste Geburtenziffer steht erst am Ende eines iterativen Annahmenfindungsprozesses und beeinflusst indirekt – über die altersspezifischen Geburtenziffern – die Stärke der neuen Geburtsjahrgänge und somit die künftige Bevölkerungsgröße und -struktur.
Die eigentlichen Annahmen werden zur Entwicklung der altersspezifischen Geburtenziffern getroffen. Sie beruhen einerseits auf einer linearen Extrapolation der altersspezifischen Trends und andererseits auf den Hypothesen zur Weiterentwicklung der Kohortenfertilität. Die Parametrisierung der Zielverteilung erfolgt schließlich mithilfe eines Quadratic-Spline-Modells von Carl Schmertmann (2003). Die zusammengefasste Geburtenziffer ergibt sich anschließend aus der Summation der extrapolierten altersspezifischen Werte. Infolgedessen können der gleichen zusammengefassten Geburtenziffer von 1,4 Kindern je Frau im Jahr 2005 und im Jahr 2020 unterschiedliche altersspezifische Verteilungen zugrunde liegen. Ihr lang anhaltendes annähernd konstantes Niveau kommt dadurch zustande, dass der Rückgang der Geburtenhäufigkeit im jüngeren gebärfähigen Alter durch den Geburtenanstieg im höheren Alter kompensiert wird. Bei der Formulierung der Annahmen wird deshalb oft neben dem Wert für die zusammengefasste Geburtenziffer auch das durchschnittliche Gebäralter als Verteilungsmaß genannt."

Nur wird dies bislang in keiner einzigen Broschüre explizit nachprüfbar aufgeführt. Wenn also den Annahmen derart immense Wichtigkeit zukommt, warum also legt das Statistische Bundesamt diese Annahmen nicht offen, sodass darüber öffentlich diskutiert werden kann. Stattdessen wird eine Art Geheimwissenschaft betrieben. Die Beschränkung auf eine einzige Annahme zur Geburtenentwicklung in der 9. und 10. koordinierten Bevölkerungsentwicklung wird lapidar mit der damaligen schlechten Datenlage begründet, denn die Verbesserung der Datenlage wurde bis zum Beschluss des Elterngeldes von den politischen Parteien und ihren Handlangern in Medien und Wissenschaft erfolgreich verhindert, weshalb uns PÖTZSCH nun scheinheilig mitteilt: 

"Für alternative Annahmen lagen keine empirischen Hinweise vor."

Wichtig sei stattdessen allein das Geburtenverhalten ostdeutscher Frauen gewesen:

"Zum Entstehungszeitpunkt dieser Berechnungen war zudem vor allem relevant, wie schnell sich die stark gesunkene Geburtenhäufigkeit in den neuen Ländern erholen und an das westdeutsche Niveau anpassen wird (Statistisches Bundesamt, 2000, 2003). Es wurde eine Annäherung zwischen 2005 und 2010 angenommen. Tatsächlich hat sich die zusammengefasste Geburtenziffer im Jahr 2007 in beiden Teilen Deutschlands beim Wert von 1,37 Kindern je Frau angeglichen. In den neuen Ländern stieg sie anschließend weiter und überholte das westdeutsche Niveau deutlich."

PÖTZSCH drückt sich in dem Beitrag jedoch um das Eingeständnis, dass die Geburtenentwicklung in den Bevölkerungsvorausberechnungen gravierend falsch eingeschätzt wurde, denn es fehlt ein für den Leser nachvollziehbaren Vergleich mit der realen Entwicklung. Stattdessen wird uns zum Schluss erklärt:

"Andererseits erscheinen einige im Zeitraum von 1998 bis 2015 getroffene Annahmen aus heutiger Sicht überholt. (...). Die Annahme eines kontinuierlichen Rückgangs der zusammengefassten Geburtenziffer entspricht zumindest nicht der Entwicklung der letzten Jahre." (2016, S.51)

Statt die Treffsicherheit der einzelnen Annahmen zur Bevölkerungsentwicklung zu untersuchen, präsentiert uns PÖTZSCH dagegen nur jene Ergebnisse, die eine hohe Treffsicherheit suggerieren. Die hohe Treffsicherheit über einen lächerlich kurzen Zeitraum von 14 Jahren kommt jedoch dadurch zustande, dass sich diverse Fehleinschätzung gegeneinander aufgehoben haben. Zudem werden die Ergebnisse nur für das Jahr 2040 verglichen, während z.B. die Bundesbank das Jahr 2060 zum Standardprognosezeitraum machen möchte. Gerade nach 2040 würden sich Fehleinschätzungen zur Geburtenentwicklung drastisch auswirken. Wurde deshalb das Jahr 2040 gewählt? Ein Vergleich wäre für die 3 Berechnungen jedenfalls bis 2050 ohne Probleme möglich gewesen.

Fazit: Der Beitrag von PÖTZSCH verschleiert die Hauptprobleme von Bevölkerungsvorausberechnungen. Die Ausführungen zu den Annahmen der zukünftigen Geburtenentwicklung sind sehr dürftig, obwohl (oder gerade weil?) sie den größten Sprengstoff bei der gegenwärtigen Rentendebatte enthalten. Weder die Annahmen der 9. und 10. noch die aktuelleren und auf  besserer Datengrundlage basierenden Annahmen der 11. bis 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung waren besonders treffsicher. Bei ersteren wurde die Entwicklung in Ostdeutschland falsch eingeschätzt (diese wird nur bei den Annahmen, nicht aber hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Treffsicherheit dargestellt), bei letzteren bleibt der Anstieg der zusammengefassten Geburtenziffer (TFR) unberücksichtigt. Beides wird nicht ausführlich diskutiert und deshalb auch keinerlei Konsequenzen daraus gezogen. Die Nachvollziehbarkeit der Annahmen ist nicht gegeben, weil keinerlei Kriterien angegeben werden, nach denen sich die Angemessenheit der Annahmen bemessen lässt. Hier waltet Gutdünken der Behörde. Aufgrund der besonderen Brisanz wären solche Angaben das Mindeste, was hier zu fordern wäre, ansonsten muss hier Unseriosität und Unwissenschaftlichkeit unterstellt werden. Alles in allem bietet der Beitrag also keine befriedigende Antwort auf die Frage nach dem Sinn solcher Bevölkerungsvorausberechnungen. Eher deutet die Stoßrichtung der Argumentation darauf hin, dass Bevölkerungsvorausberechnungen lediglich als politisches Rechtfertigungsinstrument dienen, um die Alternativlosigkeit von Politiken zu suggerieren. Diese Zweifel kann der Beitrag nicht zerstreuen.

 
       
   

MENKENS, Sabine (2016): Die Hälfte zahlt nicht fürs eigene Kind.
Beim Unterhalt kommen viele Deutsche ihrer Verpflichtung nicht nach. Und das gilt beileibe nicht nur für Väter. Schuld daran ist die Geldnot in Trennungsfamilien, aber auch der Streit über den Kontakt zum Kind. Nun will der Staat stärker eingreifen,
in: Welt
v. 19.08.

 
       
   

HEIN, Dörte & Paul WINTERER (2016): Wohin mit den Knirpsen?
Ein Besuch in den Gemeinden mit der höchsten und niedrigsten Betreuungsquote,
in:
Neues Deutschland v. 19.08.

 
       
   

EPD/ND (2016): In Deutschland steigt das Armutsrisiko.
Studie: Rentenpolitik verringert soziale Gleichheit,
in:
Neues Deutschland v. 19.08.

Die Agenturmeldung verbreitet eine Studie der neoliberalen Bertelsmann-Stiftung zur "Zukunftsfähigkeit der 41 Industrienationen in der OECD und der EU". Dabei geht es nicht um "soziale Gleichheit" wie die Überschrift suggeriert, sondern um "Generationengerechtigkeit" - ein Begriff, der selten definiert wird, sondern ein Kampfbegriff ist, um Sozialabbau zu betreiben und Bevölkerungsgruppen gegeneinander auszuspielen.

Wie absurd diese Studie ist, das zeigt bereits, dass bei der Altenlast Mexiko den Platz 1 erreicht hat, während Deutschland auf Platz 38 rangiert. Die zugehörige Broschüre weist noch nicht einmal nach, wie der Altenquotient definiert wurde. Selbst wenn dies der Fall wäre, heißt ein gleich hoher Altenquotient noch lange nicht, dass er in Mexiko das gleiche bedeuten würde wie in Deutschland. Es wird hier suggeriert, dass mittels der Bildung eines solch simplen Index Länder in Rangreihen eingeordnet werden könnten. Hinzu kommt, dass genau betrachtet werden muss, ob überhaupt vergleichbare Statistiken in den einzelnen Ländern vorliegen. Die OECD-Berichte "Renten im Blick" geben für den Bereich der Rentenpolitik darüber Auskunft. Verdoppelt die Bertelsmann-Stiftung hier nicht nur das neoliberale Mantra? Was ist dessen besonderer Vorteil oder gibt es denn überhaupt nicht?

 
       
   

GABRIEL, Sigmar (2016): "Für eine internationale Teilhabe-Gesellschaft".
HB-Serie: Globalisierung neu denken (1). Gastkommentar: Unmut, Unruhen und der Aufstieg des Populismus: Der globalisierte Kapitalismus durchläuft eine Zeitenwende. Er muss sozial dazulernen - oder er wird scheitern,
in:
Handelsblatt v. 19.08.

STIGLITZ, Joseph (2016): "Die neuen Unzufriedenen der Globalisierung".
HB-Serie: Globalisierung neu denken (1). Gastkommentar: Die Industriestaaten brauchen ein starkes Netz, damit freier Welthandel funktionieren kann,
in:
Handelsblatt v. 19.08.

 
       
   

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Tagesthema: Bauboom und Wohnungsmangel.
Menschen ziehen in Großstädte, Zuwanderer suchen ein Zuhause, Firmen fordern Mondpreise. In den vergangenen Jahren ist es vielerorts sehr schwierig geworden, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Inzwischen werden deutlich mehr Bauvorhaben genehmigt als früher. Entspannt sich nun endlich die Lage?

MÜLLER, Benedikt (2016): Für Flüchtlinge und Großverdiener.
In Ballungsräumen entstehen neue Wohnungen. Doch das klingt besser, als es tatsächlich ist,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 19.08.

DORNER, Christoph & Benedikt MÜLLER (2016): Meister-Preise.
Der Bauboom beschert vielen Handwerkern volle Auftragsbücher. Die Kosten sind oft hoch - die Ansprüche auch,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 19.08.

GAMMELIN, Cerstin (2016): Die Vermessung der Blase.
Das Finanzministerium will mit einem Register der Immobilienkredite Krisen verhindern. Banken und Datenschützer sind dagegen,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 19.08.

 
       
   

MATZIG, Gerhard (2016): Gebaute Utopie.
Seit dem Mittelalter versprechen Städte ihren Bewohnern den sozialen Aufstieg. Was bedeutet es, wenn die Metropolen der Gegenwart diese Hoffnung nicht mehr erfüllen?
in: Süddeutsche
Zeitung v. 19.08.

Gerhard MATZIG spinnt seine Abhandlung um den Begriff "Stadtluft macht frei", der in den 1990er Jahren polemisch als "Stadtluft macht kinderfrei" Karriere machte - was MATZIG aber nicht erwähnt.

"Warum also zitiert man heute noch eine mittelalterliche Rechtsprechung, die nicht von Dauer und auch nur für sehr wenige Menschen gültig war? Wohl deshalb, weil die Strahlkraft einer Garantie, die die »Stadt« mit »Freiheit« zu einem suggestiven, utopischen Moment verdichtet, bis heute anhält",

erklärt uns MATZIG. In diese Reihe des Sehnsuchtsort Stadt gehört seit einiger Zeit die "Kreative Klasse", zuerst von Richard FLORIDA gehätschelt und dann von der "digitalen Bohème" okkupiert ("Wir nennen das Arbeit"), inzwischen zur Schreckensherrschaft der Gentrifier geronnen, wie uns MATZIG aufgrund einer umstrittenen IW-Studie, die garantiert nicht die Interessen der Benachteiligten, sondern der Baubranche vertritt. Dennoch hat MATZIG die angeblich die "Armutsfalle Stadt" im Blick:

"Nach UN-Berechnungen sollen schon in absehbarer Zeit drei von vier Menschen in großen und immer größer werdenden Städten leben. Bis zum Jahr 2050 geht man von 650 Millionen-Städten aus. Wenn Stadtluft arm macht, schreitet die Welt folglich direkt in den Untergang - und es ist die Frage, ob Tirschenreuth, nichts gegen die Perle der Oberpfalz, die richtige Antwort auf diese apokalyptische Vorstellung ist."

Man mag sich eigentlich kaum noch vorstellen, dass dies der gleiche MATZIG ist, der noch im Jahr 2003 die Abschaffung der Pendlerpauschale forderte, um die Innenstadtviertel vor dem Schrumpfen zu bewahren, während die Vororthölle wucherte. Die Stadt war noch Anfang des Jahrtausends angeblich dem Niedergang geweiht. Nun droht das Gegenteil. MATZIG geht es nicht um die Armen, sondern um die Bequemlichkeit der städtischen Mittelschicht. Die Propagierung der Armutsfalle Stadt gilt der Abwehr des Zustroms in die Großstädte:

"Es ist (...) gut, wenn die Stadt München, die täglichen Zuzug erlebt, den sie kaum verkraften kann, auch negativ bekannt ist als Armutsrisiko; und es ist gut, wenn Tirschenreuth, das am Einwohnerschwund leidet, auch positiv bekannt ist als Stadt der niedrigen Lebenshaltungskosten."   

 
       
   

PIPER, Nikolaus (2016): Die Last mit den Jungen.
Pipers Welt,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 19.08.

"15,2 Jahre beträgt das mittlere Alter der Bevölkerung in Niger. Es ist der niedrigste Wert auf der Welt und Ausdruck der hohen Geburtenrate. In der arabischen Welt weist der Gazastreifen den niedrigsten Wert auf (18,4 Jahre), Jemen erreicht 19,0 Jahre. Das höchste mittlere Alter wurde in Monaco gemessen (51,7 Jahre), gefolgt von Japan und Deutschland mit 46,5 Jahren,"

starrt es uns im Fettdruck heute aus der Süddeutschen Zeitung entgegen.

"Hilfreich ist dabei ein Begriff aus der Entwicklungsforschung: Youth Bulge. Der Begriff stammt von dem amerikanischen Autor Gary Fuller und bezeichnet eine Ausbuchtung in der Alterspyramide einer Gesellschaft. Sie entsteht dadurch, dass die Sterblichkeit der Bevölkerung sinkt, die Geburtenrate aber auf vormodernem Stand bleibt. Dadurch steigt der Anteil junger Menschen dramatisch, vor allem entsteht eine Kohorte junger Männer ohne Arbeit - ein gefährliches Gewaltpotenzial",

doziert Oberlehrer Nikolaus PIPER. Warum die Sterblichkeit in solchen Gesellschaften sinken soll, das dürfte eine empirische Frage sein. Es könnte genauso gut sein, dass die Sterblichkeit zunimmt bzw. die Lebenserwartung sinkt. Die Deutung scheint eher dem historisch bedingten Entstehungszusammenhang des Begriffs geschuldet zu sein, aber keinen allgemeingültigen Gesetzmäßigkeiten, die zu einem "Youth Bulge" führen.

"Es ist langer Debatten würdig, herauszufinden, was dieser Youth Bulge alles bewirkt. Der deutsche Ökonom Gunnar Heinsohn sieht in der Bevölkerungsentwicklung des Nahen Ostens eine wesentliche Ursache für den islamistischen Terror. Ganz sicher aber ist der Bevölkerungsdruck eine der wichtigsten Ursachen für die Migrantenströme nach Europa",

meint Nikolaus PIPER, der damit Philip PLICKERTs Argumentation in der FAZ aufgreift. Damit ist aber noch nicht mit der simplen Verschlagwortung des demografischen Minenfeldes genug:

"Es geht darum die »Bevölkerungsbombe« zu entschärfen und eine »Bevölkerungsdividende« einzufahren",

erklärt uns PIPER, Leiter des Bombenentschärfungskommando der SZ. Das nächste Mal ist wieder die Altenlast dran! 

 
       
   

MERTENS, Silke (2016): Die falschen Alleinerziehenden.
Familienpolitik: Viele Ein-Eltern-Familien sind in Wahrheit zu zweit. Wer wirklich allein ist, muss sich auf ein Leben auf Hartz-IV-Niveau einstellen,
in:
TAZ v. 18.08.

 
       
   

BAUREITHEL, Ulrike (2016): Eine Frage der Familie.
Umverteilung: Viele jüngere Erwachsene kommen ohne die Unterstützung ihrer Eltern nicht über die Runden,
in:
Freitag Nr.33 v. 18.08.

Anlässlich dreier Romane über gescheiterte Aufstiegshoffnungen und Abstiegsängste der jüngeren Generation von Friederike GÖSWEINER ("Traurige Freiheit"), Kristine BILKAU ("Die Glücklichen") und Doris KNECHT ("Wald") sinniert die Babyboomerin Ulrike BAUREITHEL über dieses Akademiker-Prekariat der Boomerang-Kids vor dem Hintergrund des in den Medien inszenierten Generationenkonflikts, der in Wirklichkeit ein sozialer Klassenkonflikt zwischen Erben und Nicht-Erben und entsprechendem Elternhintergrund.

"Die Kränkung holt insbesondere die Bildungsaufsteiger ein, die bei den Nachkommenden erleben, dass Leistung inzwischen keine Garantie mehr ist für Gratifikation",

erläutert uns BAUREITHEL, die in der Segregation eine Folge dieser Entwicklung sieht. Mit Verweis auf den Soziologen Martin KOHLI bemüht sie den privaten Generationenvertrag (Familie) im Gegensatz zum öffentlichen "Generationenvertrag" (Sozialversicherung) als Ursache dafür, dass der Generationenkrieg ausfällt. Hinzu kommt das individualisierte Bewusstsein dieser Aufstiegskrieger, das kollektive Strategien als veraltet erscheinen lässt.  

 
       
   

ÖCHSNER, Thomas (2016): Staatliche Pensionsfonds erzielen kaum noch Rendite.
Wegen der Minizinsen steht für die Beamtenversorgung in Bund und Ländern viel weniger Geld zur Verfügung als geplant,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 18.08.

 
       
   

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Serie (Teil 14)

WILKE, Felicitas (2016): "Besprechen Sie das mit Ihrem Mann".
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (14): Die meisten Frauen wollen sich im Alter nicht auf den Partner verlassen. Doch von Anlageberatern fühlen sich viele nicht ernst genommen. Das liegt an alten Rollenbildern und manchmal auch an den Frauen selbst,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 18.08.

Felicitas WILKE befasst sich mit der Unzufriedenheit von jüngeren Frauen mit den Beratern der Finanzdienstleister. Dazu werden uns die Publizistin Fleur PLATOW und Annegret STOLBERG, Leiterin einer Bankfiliale, als Expertinnen in Frauenangelegenheiten vorgestellt. Den Frauen wird mangelndes Selbstbewusstsein aufgrund fehlender Finanzbildung ("Grundwissen über Anlageklassen") zugeschrieben:

"Wer Ahnung habe, könne oft selbstbewusster auftreten."

WILKE, Felicitas (2016): Die große Unbekannte.
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (14): Viele Witwen haben sich zu Lebzeiten ihres Mannes nie mit Gelddingen befasst. Alleine fühlen sie sich überfordert,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 18.08.

Felicitas WILKE beschreibt uns über 70-jährige verwitwete Frauen als Problemfall:

"Vor allem Frauen über 70 überblicken ihre eigene finanzielle Situation oftmals schlecht. Einer der Gründe: In den Sechszigerjahren verdiente nur ein Drittel der verheirateten Frauen in Westdeutschland ihr eigenes Geld. Zehn Jahre später waren es 45 Prozent."

Als Experten werden uns Anabel OEHLMANN von der Verbraucherzentrale Bremen, Ruth STEINER ("Münchner Finanzberaterin") und Constanze HINTZE ("Geschäftsführerin der Vermögensberatung Svea Kuschel und Kolleginnen") präsentiert.

Als Problemlösung werden uns die Indienstnahme der eigenen Kinder oder professionelle Beratung durch Verbraucherzentralen oder Honorarberater empfohlen.

Passend? dazu wirbt die SZ um Anzeigenkunden für ihre geplante Altersvorsorgebeilage am 17. November, wobei das Thema bereits ziemlich genau umrissen wird:

"Mehr als 68 Millionen Lebens- und Rentenversicherungen haben die Deutschen für die Altersvorsorge abgeschlossen. Doch der einstige Verkaufsschlager hat sich zum Sorgenkind der Versicherungsbranche entwickelt. Durch die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt fällt es den Versichern schwer, die garantierten Zinsen für ihre Kunden zu erwirtschaften. Zudem zwingen die neuen EU-Eigenkapitalregeln Solvency II die Anbieter, viel Eigenkapital für klassische Lebensversicherungen mit lebenslangen Garantien vorzuhalten."

Bei so viel Entgegenkommen für die Belange der Versicherungen müssten die Gelder ja nur so fließen! 

 
       
   

GAMMELIN, Cerstin (2016): Bismarcks Erbe.
Sozialversicherung: Unternehmer müssen sich gleichermaßen an den Kosten für Sozialleistungen beteiligen,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 18.08.

Sigmar GABRIEL (SPD) hat im Wahlkampfmodus die Wiedereinführung der paritätischen Kostenteilung bei den Sozialabgaben, die unter SPD-Beteiligung vor einem Jahrzehnt abgeschafft wurde, gefordert. Cerstin GAMMELIN findet das Paritätsprinzip richtig. Das Standortargument der Unternehmenslobbyisten lässt sie nicht gelten:

"Das Argument (...) verliert (...) an Durchschlagskraft, wenn man sich ansieht, wie die Kosten der Sozialversicherungen in anderen Staaten Europas aufgeteilt sind. In Belgien und Frankreich etwa zahlen Arbeitgeber zwei Drittel der Beitragssätze, Arbeitnehmer ein Drittel. Und das ohne Beitragsbemessungsgrenze wie in Deutschland, wohlgemerkt."

Was GAMMELIN jedoch unterschlägt: Auch innerhalb der Arbeitnehmerschaft existiert längst keine paritätische Kostentragung mehr, denn in der Pflegeversicherung müssen z.B. Kinderlose bei gleichen Einkommen höhere Beiträge zahlen.  

 
       
   

FROMME, Herbert (2016): Protektor gibt Kunden weiter,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 18.08.

Herbert FROMME berichtet über die Hauptversammlung von Protektor am Dienstag auf der die Weiterverscherbelung der Versicherten der Pleite gegangenen Mannheimer Leben an die Abwicklungsgesellschaft Heidelberger Leben beschlossen wurde. Aus Steuerspargründen und zur Umgehung von rechtlichen Hindernissen wird dazu einen eigene Tochtergesellschaft gegründet ("Salvamos Lebensversicherung"). Rund 100.000 Kunden wären davon noch betroffen.

 
       
   

STRAUBHAAR, Thomas (2016): Es gibt keine Alternative zur Rente mit 69.
Wirtschaftskolumne,
in:
Welt v. 18.08.

Während der Ökonom Thomas STRAUBHAAR sich kürzlich im Handelsblatt über die Praktiken der Bevölkerungsvorausberechnung erregte, ist er auf diesem Auge in der Welt blind. Mit den fragwürdigen Annahmen der Bundesbank zur Bevölkerungsentwicklung bis 2060 befasst sich nämlich STRAUBHAAR mit keinem einzigen Wort, sondern er hinterfragt lediglich deren "optimistischen Szenarien" aber nicht die viel grundsätzlichere demografischen Annahmen auf denen diese Bundesbank-Szenarien erst aufbauen. Die Stoßrichtung dieser Attacke zielt also auf eine noch weitgehendere Forderung zum Renteneintrittsalter ab. In drei Punkten erklärt STRAUBHAAR das Szenario der Bundesbank als zu optimistisch:

1) Das Rentenniveau wird für die Generationen nach den Babyboomer -  also für die nach 1970 Geborenen - weiter sinken.
2) Die Arbeitsmarktsituation wird sich für diese Generationen derart verschlechtern (Stichwort: Digitalisierung), dass selbst eine "Vollrente" nach 49 Beitragsjahre kaum erreichbar sei. Das "optimistische Szenario" ist eine Interpretation verschiedener Bundesbank-Aussagen, dessen Annahmen uns STRAUBHAAR folgendermaßen zusammenfasst:

"die Bundesbank (geht) bei ihren optimistischen Szenarien davon aus, dass eine Vollrente nur erhält, wer bis 2030 47 und bis 2060 49 Beitragsjahre lang Vollzeit beschäftigt war."

Andre wie Karl DOEMENS in der FR interpretieren dagegen die Bundesbank-Aussage dahingehend, dass sie eine Neudefinition des Standardrentners anstrebt und damit eine Senkung des Rentenniveaus verschleiert werden soll.
3) Außerdem kritisiert STRAUBHAAR, dass Konjunktureinbrüche und eine damit einhergehende Massenarbeitslosigkeit unterschätzt würden.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass STRAUBHAAR uns erklärt, dass die Lage der zukünftigen Rentenentwicklung von der Bundesbank zu optimistisch dargestellt wird. Mit seinem Pessimismus, der in erster Linie von einem ausgeblendeten Negativszenario der Bevölkerungsentwicklung gespeist wird, das von der Bundesbank zur Grundlage ihrer Rentenszenarien genommen wurde, kommt STRAUBHAAR deshalb zu seiner Forderung einer Abschaffung des Renteneintrittsalters, denn im Gegensatz zu anderen, die die Anzahl der Stellschrauben der Rentenausgaben meist auf politische Vorgaben verkürzen, stellt STRAUBHAAR die Produktivitätsentwicklung als "fundamentale Stellschraube" in den Mittelpunkt. Produktivität wird explizit in den Zusammenhang mit Bildung und implizit in den Zusammenhang mit der Extensivierung der Arbeitszeit gestellt:

"Es gilt, sich der Diskussion zu stellen, wieso überhaupt noch ein allgemeingültiges Renteneintrittsalter festzulegen ist  - und wieso nicht alle so lange so produktiv wie möglich arbeiten, um mit selbst erwirtschaftetem Einkommen so zu leben, wie es der eigenen Lebensplanung entspricht. Ein gesetzliches Renteneintrittsalter ist dafür nicht vonnöten. Es kann abgeschafft werden."

Produktivitätssteigerungen durch Technologiefortschritte werden in dieser Sicht ausgeblendet. In seinem dieses Jahr erschienen Buch Der Untergang ist abgesagt, wird uns dagegen erklärt, dass dieser "arbeitssparende Produktivitätsfortschritt" schlicht negiert oder unterschätzt wird (vgl. 2016, S.169). Warum wird er also hier ausgeblendet? Offenbar würde er hier nur seine Stoßrichtung der Argumentation stören.

In der Online-Version wird - im Gegensatz zur Print-Version - noch für die Umstellung der gesetzlichen Rente auf ein reines Fürsorgesystem (Grundsicherung) plädiert:

"Und es gilt, die Frage zu beantworten, wieso der Sozialstaat sich nicht darauf beschränken sollte oder könnte, allen gleichermaßen das Existenzminimum zu sichern – unabhängig von Alter und Beitragsjahren."

Die Welt präsentiert sich also ihren älteren Lesern gegenüber anders als den jüngeren Lesern im Internet. Das sollte doch sehr zu denken geben. Einem Aufklärungsauftrag der Medien widerspricht eine solche Praxis, die ganz bewusst Zielgruppen mit selektiven Informationen füttert.       

 
       
   

REGENER, Sven (2016): Melancholie und Witzelsucht.
Wie Marcel Reich-Ranicki meinen Roman "Herr Lehmann" zum Beststeller machte, warum die Kunst uns Urlaub von der Sterblichkeit gewährt und was das alles mit Humor zu tun hat,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.08.

 
       
   

SCHWENN, Kerstin (2016): Bald 100 Milliarden Euro Steuergeld für die Rente.
Bundeszuschüsse steigen bis 2020 drastisch an,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.08.

Der Bundeszuschuss lag gemäß aktuellem Jahresbericht 2015 der Deutschen Rentenversicherung bei 62, 4 Milliarden Euro. Dies war Kerstin SCHWENN zu wenig dramatisch, weshalb sie die ungelegten Eier der mittelfristigen Finanzplanung der Bundesregierung für das Jahr 2020, die sich auf 100,6 Milliarden Euro belaufen. Darin sind auch Kosten aufgeführt, die nur im Koalitionsvertrag stehen, bei denen aber niemand weiß, ob sie überhaupt umgesetzt werden. Der Bundeszuschuss dient gemäß SCHWENN zur Abdeckung der "versicherungsfremden Leistung".

"Die Erhöhung des allgemeinen Bundeszuschusses richtet sich nach der Steigerungsrate der Löhne und Gehälter. Die gute Lohnentwicklung führt also zu einem kontinuierlichen Anstieg des Bundeszuschusses",

erklärt uns SCHWENN, um uns dann die Forderung des CDU-Politikers Peter WEIß, nach mehr Transparenz und einer Fixierung der Höhe des Bundeszuschusses auf einen Anteil des Bruttoinlandsprodukts (BIP), der nicht überschritten werden darf, unterzujubeln. Denn das steht im engen Zusammenhang mit dem Vorschlag der Bundesbank zur Rente mit 69 und der Beschneidung der Reaktionsvielfalt zur "Sicherung der finanziellen Tragfähigkeit" der Rentenausgaben. Den Fans einer Erhöhung des Renteneintrittsalters wird nun auch der Unternehmenslobbyist Michael HÜTHER (IW) zugeordnet.      

 
       
   

RÖßLER, Hans-Christian (2016): Seid fruchtbar und mehret euch!
Ultraorthodoxe und die arabische Minderheit treiben in Israel die Geburtenrate nach oben. Das ist schön und teuer,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.08.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

ENZ, Werner (2016): Augenmass bei den Arbeitskosten wahren.
Die Reformvorlage "Altersvorsorge 2020" als Härtetest für die Sozialpartnerschaft in der Schweiz,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 18.08.

FORSTER, Christof (2016): Höhere Rente braucht es nicht.
Gesenkter Umwandlungssatz wird laut Branchenverband in 2. Säule kompensiert,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 18.08.

 
       
   

Das Single-Dasein in den USA

SCHMIEDER, Jürgen (2016): Die dicksten Fische.
Wie angelt man sich einen Milliardär? Die gefragtesten Singles in den USA sind nicht mehr Profisportler oder Rockstars, sondern die reichen Gründer von Start-ups,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 17.08.

 
       
   

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Serie (Teil 13): Exklusive Seniorenheime.
Die Betreiber bieten reichlich Platz, Service und Luxus - gegen viel Geld

WILKE, Felicitas (2016): Unter seinesgleichen.
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (13): Dachterasse und Kalbstafelspitz: Residenzen wie das Augustinum bieten ein Zuhause für Menschen, die sich im Alter ein angenehmes Leben leisten können. Ein Besuch,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 17.08.

Nachdem uns im vorigen Teil die Billigvariante eines Pflegeheims vorgestellt wurde, wird uns nun von Felicitas WILKE die Lösung für die obere Mittelschicht vorgestellt. Beispielhaft wird uns dafür das Münchener Augustinum im CSU-dominierten Haslberg schmackhaft gemacht, das monatlich ca. 3.000 Euro verlangt - und das ohne jegliche Pflegeleistungen:

"Etwa drei Viertel der 360 Bewohner im Augustinum im Münchner Norden sind Akademiker".

erzählt uns WILKE, die uns einerseits einen Unternehmer mit Ehefrau und andererseits eine verwitwete Karrierefrau als typische Bewohner vorstellt.

"Den Luxus gönnen sich (...) auch Menschen, die in normalen Berufen gearbeitet haben und vorsorgen konnten",

zitiert WILKE den Leiter des Augustinums. Das soll uns wohl sagen: Selber schuld, wer nicht privat vorsorgt. Die Beispiele zeigen jedoch das Gegenteil.

KLIMM, Leo (2016): "Wir haben keine zweite Chance".
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (13): Die Chefin des Pflegekonzerns Korian über ihr sensibles Geschäft,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 17.08.

Im Gespräch mit Sophie BOISSARD vom französischen Korian-Konzern, dem europäischen Marktführer auf dem Pflegeheimsektor werden uns die unterschiedlichen, historisch gewachsenen, Rahmenbedingungen auf den beiden nationalen Pflegemärkten nahe gebracht:

"In Frankreich wurde die soziale Fürsorge unter staatlicher Regie aufgebaut, in Deutschland ist sie oft kirchlich geprägt. In beiden Fällen steht dahinter die Vorstellung einer karikativen Tätigkeit. Aber in Frankreich zieht sich der Staat schon seit den Achtzigern zurück, deswegen ist unser Geschäft dort heute nicht mehr so umstritten."

Das von Felicitas WILKE vorgestellte Augustinum hat einen kirchlichen Hintergrund, ist aber im vergangen Jahr mit einem Skandal in die Schlagzeilen geraten, weil er sich am Immobilienmarkt verzockt hatte, was zu erheblichen Verlusten führte. Deshalb kann BOISSARD auch das privatwirtschaftliche Modell gegenüber den gemeinnützigen Einrichtungen positiv hervorheben:

"Das betriebswirtschaftliche Modell hat klare Vorteile für die ganze Gesellschaft: Mehr Effizienz und Standardisierung der Dienstleistung garantiert besseren Umgang auch mit öffentlichen Geldern",

erklärt uns BOISSARD. Nur sollte nicht vergessen werden, dass Missmanagement kein Privileg gemeinnütziger Einrichtungen ist, wie das bei der SZ suggeriert wird. Dies gilt auch für den Hinweis auf den deutschen Pflegenotstand, dem BOISSARD nicht mit Einsparungen bei der Anzahl der Pflegekräfte, sondern mit einer Reduzierung der hohen Fluktuation von Pflegekräften begegnen will, da diese hohe Kosten verursache.

Die hohen Kosten für die Heimunterbringung, versichert uns BOISSARD, würden sich in Deutschland auf die letzten zwei Jahre vor dem Tod beschränken.    

ÖCHSNER, Thomas (2016): Programm für eine bessere Betriebsrente.
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (13): Für kleine Firmen oft zu schwierig. Gewerkschaften fordern neue Tariflösungen für betriebliche Altersvorsorge,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 17.08.

Nachdem die IG Metall ihr Rentenkonzept bereits offiziell vorgestellt hat, hat Thomas ÖCHSNER nun den Chef der zweitgrößten Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael VASSILIADIS nach den Vorstellungen seiner Gewerkschaft befragt bzw. ein Grundsatzpapier gelesen, aus dem er zitiert. Zuerst werden dabei die Gemeinsamkeiten mit der Regierungsposition herausgestellt:

"Der Befund der zweitgrößten deutschen Industriegewerkschaft deckt sich mit den Analysen des Arbeitsministeriums: Geringverdiener und Klein- und Mittelbetriebe beteiligten sich viel zu wenig an der betrieblichen Altersvorsorge. (...).
Vassiliadis macht sich dafür stark, Geringverdiener wie bei der Riester-Rente mit einem staatlichen Zuschuss zu motivieren, mehr für eine spätere Betriebsrente zu tun. Das strebt nach Angaben seines parlamentarischen Staatssekretärs Michael Meister auch das Bundesfinanzministerium an."

Vor allem werden die Vorteile durch Versorgungswerke der Tarifpartner und tarifvertragliche Lösungen gegenüber der privaten Riester-Rente dargestellt, die gleichzeitig den Einfluss der Gewerkschaften bei der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) stärken. Die Bestrebungen der IG BCE zielen deshalb auf tarifvertragliche Lösungen und die Allgemeinverbindlichkeitserklärung auf dem Sektor der bAV.

"Für 40 Prozent der westdeutschen und 54 Prozent der ostdeutschen Beschäftigten gab es 2014 keinen Tarifvertrag",

wird uns berichtet, wobei unklar bleibt inwieweit sich dies mit der Verbreitung der bAV deckt. Uns werden danach die Hürden einer Allgemeinverbindlichkeitserklärung dargestellt:

"Geht es (...) um das Einziehen von Beiträgen für die betriebliche Altersvorsorge, muss dafür »eine gemeinsame Einrichtung« der Tarifvertragsparteien vorhanden sein. Außerdem müssen die drei Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Tarifausschuss im Einvernehmen beim Ministerium vorstellig werden."

Diese Hürde ist der Gewerkschaft zu hoch. Sie wirft dem BDA in den Tarifausschüssen eine Blockadehaltung vor. ÖCHSNER sieht hier deshalb ein Konfliktfeld für das geplante Betriebsrentengesetz.

 
       
   

Der Exkurs Zur längerfristigen Entwicklung der Alterssicherung des Monatsberichts August der Deutschen Bundesbank in den Medien

SCHWENN, Kerstin (2016): Gabriel nennt Rente mit 69 eine "bekloppte Idee".
CDU-Wirtschaftsrat lobt dagegen Bundesbank-Vorschlag,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.08.

Sigmar GABRIEL (SPD) hat den Bundesbank-Vorschlag mit einem Angriff auf die Ökonomen der Bundesbank gekontert:

"Das sind alles Leute mit hohem Einkommen, geringer körperlicher Belastung, einer hohen Lebenserwartung und sehr großen Renten",

zitiert Kerstin SCHWENN, die dem die lobende Stellungnahme von Wolfgang STEIGER ("Wirtschaftsrat der CDU") gegenüberstellt.

RO/RTR (2016): Sigmar Gabriel düpiert Bundesbanker,,
in:
Tagesspiegel v. 17.08.

Der Tagesspiegel verteidigt die Bundesbanker, diese seien nicht mit Investmentbankern zu verwechseln. Es wird uns vorgerechnet, dass diese im Schnitt nur knapp 53.000 Euro im Jahr verdienen würden. Dies ist ein klassisches Eigentor, denn der Durchschnitt beinhaltet ja auch Berufseinsteiger mit niedrigem Gehalt. Der Durchschnittsverdienst für die gesetzliche Rente (West) lag dagegen bei nur 34.999 Euro im Jahr. Zumal uns verschwiegen wird, welche großzügige Versorgung die Bundesbanker beim öffentlichen Dienst erwartet - im Vergleich zur gesetzlichen Rente. Das hätte der Tagesspiegel also besser sein lassen!

 
       
   

FRÜHAUF, Markus (2016): Weniger arbeiten - weniger verdienen.
Finanzplanung mit Mitte fünfzig (3): Die Altersteilzeit muss sich das Ehepaar leisten können,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.08.

 
       
   

NASSEHI, Armin (2016): Wir brauchen eine loyale Opposition.
Die Parteien haben es beim Thema Flucht und Einwanderung versäumt, den Bürgern Alternativen zu bieten. Bekenntnisse zur Demokratie richten nichts aus gegen das Gefühl, entmachtet zu sein,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.08.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

FORSTER, Christof (2016): Milliarden auf die Kreditkarte der Jungen.
Bürgerliche Allianz bekämpft AHV-Initiative der Gewerkschaften,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 17.08.

 
       
   

Das Single-Dasein in Japan

WELTER, Patrick (2016): Japans Konjunkturmotor stottert.
Ein nominales Wachstum im zweiten Quartal und sinkende Investitionen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 17.08.

WELTER, Patrick (2016): Verunsicherte Japaner üben Konsumverzicht.
Kommentar: Abenomics ohne Glanz,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 17.08.

 
       
   

Der Exkurs Zur längerfristigen Entwicklung der Alterssicherung des Monatsberichts August der Deutschen Bundesbank in den Medien

ÖCHSNER, Thomas & Markus ZYDRA (2016): Rente mit 69? Nein, danke.
Mit 67 Jahren soll noch nicht Schluss sein: Die Bundesbank fordert, das gesetzliche Regeleintrittsalter in den Ruhestand weiter zu erhöhen. Die Bundesregierung will davon lieber nichts hören,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 16.08.

ÖCHSNER & ZYDRA zitieren nur ablehnende Stimmen zum Bundesbank-Vorschlag einer stufenweisen Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 69 Jahre bis 2064 (Geburtsjahrgang 1995). Sie nennen den Regierungssprecher Steffen SEIBERT, die SPD-Arbeitsministerin Andrea NAHLES und das DGB-Vorstandsmitglied Annelie BUNTENBACH. Uns werden nochmals die verschiedenen Vorschläge der vergangenen Monate zur Erhöhung des Renteneintrittsalters vorgestellt.

Beim Bundesbank-Vorschlag werden nur die Annahmen zur Riester-Rente kritisiert, deren Beitrag zum Gesamtversorgungsniveau als zu optimistisch eingestuft wird. Die Meldung der DRV zum Renteneintrittsalter 2015 wird nochmals referiert und das tatsächliche Renteneintrittsalter wird dahingehend problematisiert, dass dieses nichts über die Beschäftigungsmöglichkeiten der Älteren aussage:

"Dieser Wert sagt (...) nichts darüber aus, ob die Neu-Rentner es wirklich geschafft haben, so lange zu arbeiten. Sie können auch vorher arbeitslos, in Altersteilzeit gewesen sein oder wegen einer Krankheit einer Erwerbsminderungsrente bezogen haben."

Zum Schluss wird uns eine völlig absurde Forderung der Bundesbanker präsentiert:

"Die Bundesbank fordert die Bundesregierung auf, offizielle Prognosen zur Rentenentwicklung vorzulegen, die bis 2060 reichen. Das stärke die »Planungssicherung« für die Bürger und gebe »Orientierungsgrößen für den Bedarf ergänzender Vorsorge«"

Die Bundesbanker sind nicht einmal in der Lage die Wirtschaftsentwicklung für ein Jahr einigermaßen genau zu prognostizieren und verlangen Prognosen über rund 45 Jahre zur Rentenentwicklung. Selbst die Annahmen der Bundesbank zur Bevölkerungsentwicklung bis 2060 erweisen sich bei näherer Betrachtung als unseriös. Dazu heißt es im Monatsbericht:

"Den Angaben liegt die fernere Lebenserwartung aus Variante 2 der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung zugrunde (Kontinuität bei stärkerer Zuwanderung). Vgl.: Statistisches Bundesamt (2015), Bevölkerung Deutschlands bis 2060, 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung." (S.72)

Die Lebenserwartung wird also nach der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung angenommen. Zu dem Verhältnis von Beitragszahlern zu den Rentnern heißt es im Monatsbericht weiter:

"Zur Ermittlung der Rentenanpassungen wird der Rentnerquotient durch den demografischen Altenquotienten (definiert als das Verhältnis der über 65-Jährigen zu den 20- bis unter 65-Jährigen) aus der 13. Bevölkerungsvorausberechnung (Variante 2: Geburtenziffer konstant bei 1,4 Kindern je Frau, steigende Lebenserwartung, langfristiger Wanderungssaldo 200 000 Personen pro Jahr) approximiert." (S.72)

Eine Geburtenrate von 1,4 Kinder pro Frau ist bereits heute überholt, denn die aktuelle Geburtenrate geht auf 1,5 Kinder pro Frau zu. Diese Kinder wären damit die Berufseinsteiger ab 2040. Oder anders formuliert: Die Anzahl der potentiellen künftigen Beitragszahler wird in dieser Annahme unterschätzt. Hinzu kommt, dass sich nach den Berechnungen der 13. Bevölkerungsvorausberechnung der Altenquotient in den einzelnen Szenarien stark unterscheidet. Schon die Prognos-Berechnungen die uns kürzlich der Spiegel präsentiert hat, haben hier Defizite aufgewiesen. Erst gestern - möglicherweise sogar im Hinblick auf diese Bundesbank-Simulation - hat der prominente Ökonom Thomas STRAUBHAAR solche Praktiken scharf kritisiert.

Fazit: Angesichts der Unsicherheit der Entwicklungen bis zum Jahr 2060 wären Prognosen nichts als Kaffeesatzleserei. Ihr einziger Zweck bestände darin, berechtigte Forderungen hinsichtlich der gesetzlichen Rentenentwicklung auszuhebeln.

ÖCHSNER, Thomas (2016): Noch ein Vorschlag.
Kommentar zur Rente,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 16.08.

Thomas ÖCHSNER erachtet Debatten über weitere Rentenerhöhungen nicht grundsätzlich als überflüssig, sondern sieht nur noch nicht jetzt einen Bedarf dafür:

"Die Lebenswirklichkeit ist (...) sogar von der Rente mit 67 oft weit entfernt. Gerade einmal ein Drittel der 60- bis 64-Jährigen hat noch einen sozialversicherungspflichtigen Job. Noch schlechter sind die Chancen, jenseits der 65 einen Arbeitgeber zu finden."

Er sieht jedoch auch hier Fortschritte, vor allem bei Großbetrieben.

PLICKERT, Philip (2016): Bundesbank für Rente mit 69 Jahren.
Die Lebenserwartung steigt weiter. Deshalb dürfe ein noch höheres Rentenalter kein Tabu sein. Es gibt für Rentner aber eine positive Überraschung,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.08.

Die positive Überraschung wird nicht jeder so sehen, wenn damit eine Stabilisierung des Niveaus der gesetzlichen Rente durch weitere Einschnitte gemeint ist. PLICKERT zitiert zum Vorschlag nicht nur ablehnende Haltungen wie die SZ, sondern eine zustimmende Stellungnahme des CDU-Abgeordneten Michael FUCHS, der uns zwar als "stellvertretender Unions-Fraktionschef", aber nicht als Unternehmer, der eng mit dem BDA verflochten ist, vorgestellt wird.

Ausführlicher als in der SZ werden uns die Ergebnisse der Simulationsrechnungen der Bundesbank präsentiert, wobei vor allem deren angeblich positiven Überraschungen herausgestellt werden:

"Gleichzeitig unterstreicht die Bundesbank, dass die Rechnungen der Bundesregierung das künftige Versorgungsniveau unterschätzen, weil sie mit der Annahme von 45 Beitragsjahren rechnet. Rechnet man mit 47 oder 49 Jahren, ergibt sich ein gedämpfter Rückgang des Versorgungsniveaus."

Dies werden nur jene zu schätzen wissen, die dann noch gesund sind und einen Arbeitsplatz besitzen, der gut bezahlt ist. Der Rest wird das nicht als positiv einschätzen. Im Gegensatz zur SZ, die sich bei der Riester-Rente auf den Rentenversicherungsbericht 2015 und eine Rendite von 4 % verweist, teilt uns PLICKERT mit, dass die Bundesbank auch Szenarien mit niedrigeren Renditen von 1,5 und 3 Prozent durchgerechnet habe.

Kritik an den Annahmen zur demografischen Wandel wird auch von PLICKERT nicht geübt. Auch wird nicht erwähnt - anders als in der SZ, dass erst im Jahr 2064 der erste Geburtsjahrgang 1995 mit 69 Jahren in Rente gehen würde.

GÖBEL, Heike (2016): Renten im Fernrohr
Kommentar,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.08.

Heike GÖBEL kommt die Kaffeesatzleserei der Bundesbank gerade Recht, um Forderungen nach Leistungsverbesserungen in der Rentenpolitik abwehren zu können.

SEIBEL, Karsten (2016): Bundesbank: Deutsche müssen bis 69 arbeiten.
Ändert sich das System nicht, erhalten die heute Zwanzigjährigen nur noch 40 Prozent des Durchschnittslohns, warnen die Experten. Kritik an fehlender Planungssicherheit,
in:
Welt v. 16.08.

Die Welt posaunt den Exkurs zur Alterssicherung der Bundesbank als eine Art Weisheit letzter Schluss auf Seite 1 hinaus. SEIBEL spricht nur von Planungssicherheit "über das Jahr 2030" hinaus. Offenbar ist ihr die Bundesbank mit ihren Forderungen zu Prognosen bis 2060 doch zu peinlich. Die Erläuterungen zum Bundesbank-Vorschlag sind mager und stark selektiv. Weder ablehnende noch zustimmende Stellungnahmen zum Vorschlag werden uns präsentiert, aber allein die Art der Argumentation von SEIBEL kommt einer Zustimmung gleich.

POSCHARDT, Ulf (2016): Länger leben, länger arbeiten.
Kommentar,
in:
Welt v. 16.08.

Ulf POSCHARDT würde gerne die Bundesbank als liberale Partei im Parlament vertreten sehe, da die Politiker nicht in der Lage seien zu richtiger Rentenpolitik.

DRIBBUSCH, Barbara (2016): Länger leben, länger ackern.
Zukunft: Die Bundesbank schlägt ein Renteneintrittsalter von 69 Jahren bis zum Jahre 20160 vor,
in:
Welt v. 16.08.

Barbara DRIBBUSCH geht nicht über das Referieren des Bundesbank-Vorschlag hinaus, verweist lediglich noch darauf, dass auch die Prognos AG eine Rente mit 69 schon ab 2040 gefordert habe. Dies ist insofern falsch, denn sie hat lediglich Szenarien im Auftrag der Versicherungswirtschaft (GDV) berechnet. Ein Szenario wurde mit "Kopplung an die Lebenserwartung" bezeichnet - aber nicht mit Rente mit 69.

DPA/ND (2016): Bundesbank empfiehlt Rente mit 69.
Regierung weist Vorschlag zurück,
in:
Neues Deutschland v. 16.08.

DOEMENS, Karl (2016): Bundesbank für Rente mit 69.
Autoren begründen Forderung mit dem demografischen Wandel,
in: Frankfurter Rundschau
v. 16.08.

Karl DOEMENS zitiert bis auf den CDU-Generalsekretär Peter TAUBER ("mochte sich nicht festlegen") lediglich ablehnende Stimmen zum Bundesbankvorschlag. Das demografische Problem der Renten wird uns als Aufeinandertreffen von Babyboomer- und Pillenknick-Generation dargestellt. DOEMENS kritisiert an den Bundesbank-Berechnungen nicht deren bevölkerungspolitischen Annahmen, sondern nur die Annahmen zum Standardrentner:

"die Bundesbank (will)(...) die Definition der Standardrente verändern. Bislang setzt diese Rechengröße 45 Beitragsjahre voraus. Die Währungshüter plädieren dafür, die unterstellte Einzahlzeit zunächst auf 47 und dann auf 49 Jahre verlängern. Dadurch wird die Senkung des Renteniveaus teilweise kaschiert."

Die Vorstellung der Bundesbank-Ökonomen zur Prognosen erklärt uns DOEMENS folgendermaßen:

"Schon früher hatte die Bundesbank kritisiert, dass die Vorausberechnungen der Bundsregierung zur Rente in weniger als 15 Jahren enden. Nun plädieren die Währungshüter erneut für längerfristige Prognosen - möglicherweise mit alternativen Szenarien bei positiven oder negativen Abweichungen."

Die Berechnung von Alternativszenarien sollte eigentlich selbstverständlich sein und nicht nur als Ausnahmefall betrachtet werden, wobei auch mögliche Trendwenden einzubeziehen wären. Bei der Geburtenrate ist das bislang nicht der Fall, sodass die Bundesbank-Berechnungen für die Zeit nach 2040 nichts als Kaffeesatzleserei sind. 

KOKOLOGIANNIS, Georgios & Frank SPECHT (2016): Gerechtigkeit für Generationen.
Die Bundesbank plädiert für ein noch höheres Rentenalter,
in:
Handelsblatt v. 16.08.

KOKOLOGIANNIS & SPECHT weisen darauf hin, dass die Forderung der Bundesbank nach einer Rente mit 69 bereits in einem Monatsbericht des Jahres 2009 gefordert wurde. Im Monatsbericht Juli 2009 heißt es:

"Festgelegt ist bislang eine Anhebung des gesetzlichen Rentenalters auf 67 Jahre bis 2029. Obwohl in den aktuellen Bevölkerungsprognosen auch danach mit einem beinahe konstanten Anstieg der ferneren Lebenserwartung um gut einen Monat pro Jahr gerechnet wird, ist bislang keine weitere Erhöhung des Rentenalters vorgesehen. Wenn das Verhältnis von Ruhestands- und Erwerbsphase näherungsweise konstant gehalten werden soll, wäre unter den demographischen Annahmen der AWG bis 2060 eine weitere Anhebung des gesetzlichen Rentenalters auf 69 Jahre notwendig. Eine Indexierung des Renteneintrittsalters an die fernere Lebenserwartung (wie z. B. in Dänemark) könnte der zu erwartenden Entwicklung grundsätzlich Rechnung tragen und für die Beteiligten eine verlässlichere längerfristige Perspektive schaffen." (2009, S.43)

Außer der Stellungnahme des Regierungssprechers werden uns nur zustimmende Stellungnahmen präsentiert: BDA und Hubertus PORSCHEN vom Verband der jungen Unternehmer. Außerdem werden weitere Vorschläge genannt, die in die selbe Richtung weisen. Nicht zuletzt wird darauf hingewiesen, dass sich die Bundesbank für weitere Erleichterungen für die private Altersvorsorge ausspricht - aber keine konkreten Maßnahmen genannt.

Zuletzt wird die Forderung von Freibeträgen für Sozialabgaben von Thorsten SCHÄFER-GÜMBEL (SPD) mit Einnahmeneinbußen in der Rentenversicherung zusammen gebracht, die gemäß Anneli BUNTENBACH (DGB) durch Steuergeld ausgeglichen werden sollten.

RASCH, Michael (2016): Das deutsche Rentensystem ist massiv unter Druck.
Bundesbank hält langfristige Renteneintrittsalter von 69 Jahren für nötig,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 17.08.

Die Rente mit 69 sei wegen dem demografischen Wandel unvermeidlich, erklärt uns der deutsche Wirtschaftsjournalist Michael RASCH. Den Wandel definiert er als "steigende Lebenserwartung" und "zugleich sinkender Geburtenrate". Karl DOEMENS zitiert dagegen in der gestrigen FR "aufgrund gesunkener Geburtenraten und steigender Lebenserwartung". Das ist keine Haarspalterei, sondern macht einen großen Unterschied, denn seit einigen Jahren steigt die Geburtenrate in Richtung 1,5 Kinder pro Frau (TFR) und müsste deshalb auch Auswirkungen auf die Annahmen zur Bevölkerungsvorausberechnung nach 2040 haben - was es jedoch bei den Bundesbank-Ökonomen nicht tut.

Befürworter der Kapitaldeckung reduzieren das Rentenproblem gerne auf nur drei Stellschrauben (Beitragssatz, Renteneintrittsalter und Versorgungsniveau). Weitere Optionen - hier nennt RASCH nur die Ausweitung des Bundeszuschusses oder der Einbezug von Selbständigen - werden als "nicht ausreichend" betrachtet. In Deutschland wird hier auch gerne von fehlender Nachhaltigkeit gesprochen. Damit wird suggeriert, dass es Lösungen gäbe, die eine grundsätzliche Beseitigung der Rentenprobleme darstellen würde. So wird uns die private Altersvorsorge als verbesserungswürdig beschrieben. Darunter summiert RASCH auch Immobilien und die betriebliche Altersvorsorge. Die "finanzielle Tragfähigkeit der Rente" könne dagegen durch eine Kopplung an die Lebenserwartung sichergestellt werden. Dänemark, Estland und Italien werden uns diesbezüglich als Vorbilder präsentiert. Diese Sicht reduziert Rentenprobleme auf Demografie und vernachlässigt dagegen nicht-demografische Aspekte wie Produktivitäts- und Lohnentwicklung, die entscheidenden Anteil an der finanziellen Tragfähigkeit von Renten haben.

Zu den Vorausberechnungen bis 2030 tischt uns RASCH Lügen auf, wenn er behauptet, dass viele der derzeitigen Vorausberechnungen bis 2030 "auf dem Jahr 1989" basieren würden. Die Vorausberechnungen wurden in den letzten Jahre wegen Fehlprognosen in kurzem Abständen revidiert. Die letzte 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes hat das Basisjahr 2013. Darauf fußen auch die Bundesbank-Annahmen. 

 
       
   

LENGFELD, Holger (2016): Das Ende der Abstiegsangst.
Trendwende: Die Mittelschichten in Deutschland haben ihre Zuversicht zurückgewonnen,
in:
Tagesspiegel v. 16.08.

Der Soziologe Holger LENGFELD kann mit seiner Argumentation, die sich aufgrund seiner spärlich präsentierten Fakten, für uns nicht nachvollziehen lässt, nicht überzeugen. Weder werden die Mittelschichten von ihm definiert, noch lassen sich seine allgemeinen Zahlenwerte irgendeiner Schicht zuordnen. Wir müssen also glauben, was uns LENGFELD nur behauptet, aber nicht belegt.   

 
       
   

FRESE, Alfons (2016): "Wir sind kein kapitalistisches Land".
Steffen Kampeter, neuer Chef der Arbeitgeberverbände, über Sozialpartnerschaft, Tarifverträge und auskömmliche Renten,
in:
Tagesspiegel v. 16.08.

Steffen KAMPETER interessiert sich nicht für Probleme der Arbeitnehmer, sondern nur für die Profite der Unternehmen. Er redet deshalb die Rentenentwicklung schön und verteidigt die kaptalgedeckte Altersvorsorge. Die Riester-Rente hält er für rentabel. Einzig steigende Sozialausgaben sind ihm deswegen ein Ärgernis. Weshalb er Steuerentlastungen nur ablehnt, wenn diese zu höheren Sozialabgeben führen würden. An der Investitionsfaulheit der Unternehmer ist aus dieser Sicht nur der Staat schuld, der es an günstigen Rahmenbedingungen missen lässt.

 
       
   

HOFMANN, Siegfried (2016): Pensionslasten erreichen Rekordhöhe,
in: Tagesspiegel v. 16.08.

Abgespeckte Version des gestrigen Handelsblatt-Artikels von Siegfried HOFMANN.

 
   

BFCH (2016): Deutsche können sich größere Wohnungen leisten.
Die Einkommen steigen stärker als die Mieten. Gefälle zwischen den einzelnen Regionen nimmt zu,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.08.

Die FAZ referiert den gestern veröffentlichten und umstrittenen IW-Kurzbericht Mieten und Einkommen gehen meist Hand in Hand von Ralph HENGER.

 
       
   

NEUES DEUTSCHLAND-Tagesthema: Wohnungsmarkt.
Das wirtschaftsnahe Institut IW behauptet, dass Mieter sich heute im Durchschnitt größere Wohnungen leisten können als 2010. Der Mieterbund kritisiert, dass die großen Unterschiede bei den Einkommen nicht berücksichtigt wurden. Und Wirtschaftsforscher wundern sich über die Datengrundlage

OERTEL, Gabriele (2016): Vorstufe des Paradieses? Mitnichten!
Gespräch mit Ulrich Roperts, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes: Der Mieterbund hält die IW-Studie zur Mietentwicklung für realitätsfremd und abenteuerlich,
in:
Neues Deutschland v. 16.08.

POELCHAU, Simon (2016): Die Sache mit der Prognose.
Mietkostenstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln fußt auf einer fragwürdigen Datenbasis,
in:
Neues Deutschland v. 16.08.

Simon POELCHAU beruft sich mit seiner Kritik an dem IW-Kurzbericht Mieten und Einkommen gehen meist Hand in Hand von Ralph HENGER auf den DIW-Ökonom Karl BRENKE. Das IW benutze lediglich Schätzungen der GfK, aber keine amtlichen Werte, die für 2016 nicht zur Verfügung stehen. Zudem sei das Durchschnittseinkommen nicht aussagekräftig. Uns wird dagegen das Medianeinkommen von 2014 folgendermaßen dargestellt:

"2014 betrug es 19.733 Euro pro Person. Das untere Fünftel der Gesellschaft müsse mit maximal 14.163 zurecht kommen; das obere Zehntel hatte mindestens 36.871 Euro."

Welche Einkommen dazu herangezogen wurden bleibt genauso unklar wie die Tatsache, dass gewöhnlich auf das Haushaltseinkommen und nicht das Personeneinkommen Bezug genommen wird. 

 
       
   

BUNZENTHAL, Roland (2016): Was soll es kosten, wer soll es bezahlen?
ND-Serie Reicht die Rente? (3): Die Vorstellungen der Parteien zur Rente gehen weit auseinander - ein kurzer Überblick vor dem Wahlkampf,
in:
Neues Deutschland v. 16.08.

Der Überblick ist nicht nur kurz, sondern sehr selektiv. Solidarrente, Garantierente, Mindestrente und Lebensleistungsrente werden uns als Modelle verkauft, die eine Grundsicherung ohne Zwänge gewährt. Die Stabilisierung des gesetzlichen Rentenniveaus wird von Seiten der SPD als zu teuer dargestellt. Es "fehlten der Rentenkasse 2029 rund 18 Milliarden Euro". Die Linkspartei wird dagegen mit Forderungen zu einem Rentenniveau von 53 Prozent und einer damit verbundenen Beitragssteigerung "bis auf 28 Prozent" vorgestellt. Die Erhöhung des Bundeszuschusses wird von Roland BUNZENTHAL nicht als Alternative gesehen, sondern lediglich die Ausweitung des Beitragszahlerkreises zu einer Erwerbstätigenversicherung. Der Union wird lediglich Wolfgang SCHÄUBLEs Forderung nach einer Kopplung des Renteneintrittsalters an die durchschnittliche Lebenserwartung und SEEHOFERs im April gemachter Vorstoß zur Stabilisierung des Rentenniveaus zugeschrieben.

"Insgesamt vier Interessengruppen ringen um die Reform der Altersversorgung: Rentner, Versicherte, Arbeitgeber und Steuerzahler."

Dies lässt wesentliche Akteure wie die Gewerkschaften und die Finanzdienstleister außen vor. Es wird aber verständlich, wenn es dann heißt:

"Jede der vier Gruppen hat einen Brückenkopf im Parlament. LINKE und Wohlfahrtsverbände machen sich für Rentner der unteren Einkommensklasse stark. Die SPD versucht, das Gleichgewicht zwischen Beitragszahlern und Rentnern zu wahren. Die Union bringt zusätzlich ein höheres Renteneintrittsalter ins Spiel. Das heißt: Die künftigen Ruheständler sollen ihr Scherflein für die Null-Schulden-Haushaltspolitik der Union beitragen."

Die Gewerkschaften werden uns vor diesem Hintergrund mit ihrer geplanten Rentenkampagne als eine Art außerparlamentarischer Opposition beschrieben. Dabei sind sie bei den geplanten Verbesserungen im Bereich der betrieblichen Altersvorsorge ein wichtiger Akteur mit eigenen Machtinteressen.

Rot-Rot-Grün steht für BUNZENTHAL für Verbesserungen bei der Grundsicherung, die aufgestockt und um Zwänge reduziert werden soll. 

 
       
   

Der ländliche Raum und Mittelstädte im demografischen Wandel

KRAUß, Matthias (2016): Abends gratis ein Feuerwerk.
ND-Serie Industriestandorte (4): Hennigsdorf hat sich als Industriestadt bis heute behauptet,
in:
Neues Deutschland v. 16.08.

 
       
   

CREUTZBURG, Dietrich (2016): SPD will Sozialabgaben staffeln.
Arbeitsgruppe prüft neue Freibeträge für Beitragszahler,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.08.

 
       
   

LOOMAN, Volker (2016): Sind kleine Millionäre arme oder reiche Menschen?
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.08.

Volker LOOMAN stellt uns heute die Vermögenssorgen einer 50 Jahre alten Witwe bzw. eines 50 Jahre alten Manns vor, der keine Arbeit mehr findet:

"Beide haben jeweils zwei Millionen Euro auf dem Konto, die eine durch Lebensversicherungen ihres Mannes, der andere durch das Erbe der Eltern."

 
       
   

HEIN, Christoph (2016): Die Völkerwanderung vom Land in die Stadt.
In Asien schreitet die Verstädterung voran. Damit entstehen mehr Slums. Die Menschen träumen von einer besseren Zukunft in den Metropolen. Dabei steigt die Ungleichheit weiter, und das Land verödet,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.08.

 
       
 

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Zu den News vom 05. - 15. August 2016
 

   
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