[ News-Hauptseite ] [ Glossar ] [ Übersicht der Themen des Monats ] [ Homepage ]

   

Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
News 12.-17. Mai 2016
News 07.-11. Mai 2016
News 01.-06. Mai 2016
News 25.- 30. April 2016
News 23.- 24. April 2016
News 16.- 22. April 2016
News 14.- 15. April 2016
News 09.- 13. April 2016
News 04.- 08. April 2016
News 01.- 03. April 2016
News 13.- 31. März 2016
News 10.- 12. März 2016
News 01.- 09. März 2016
News 01.-29. Februar 2016
News 18.-31. Januar 2016
News 01.-17. Januar 2016
News 15.-31. Dezember 2015

News 07.-14. Dezember 2015
News 01.-06. Dezember 2015
News 09.-30. November 2015
News 01.-08. November 2015
News 16.-31. Oktober 2015
News 01.-15. Oktober 2015
News 08.-30. September 2015
News 01.-07. September 2015
News 24.-31. August 2015
News 09.-23. August 2015
News 01.-08. August 2015
News 15.-31. Juli 2015
News 01.-14. Juli 2015
News 15.-30. Juni 2015
News 01.-14. Juni 2015
News 08.-31. Mai 2015
News 01.-07. Mai 2015
News 11.-30. April 2015
News 01.-10. April 2015
News 09.- 31. März 2015
News 01.- 08. März 2015

News 01.-28. Februar 2015
News 17.-31. Januar 2015
News 01.-16. Januar 2015
 
 
   
Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 18. - 27. Mai 2016

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Die Zuwanderung macht viele Prognosen zum demografischen Wandel obsolet

"Zu erwarten ist, dass jährlich bis zu einer Million oder sogar noch mehr Flüchtlinge kommen. (...) Sie werden das Schrumpfen der Bevölkerung für lange Zeit verhindern und später verzögern. Damit aber werden viele Prognosen zum demografischen Wandel - insbesondere die Schrumpfungsszenarien - schlicht Makulatur werden."
(Thomas Straubhaar "Der Untergang ist abgesagt",, 2016, S.16)

 
       
       
   

Die Entwicklung der Armut in Deutschland in der Debatte

BÖS, Nadine (2016): Vanessas grenzenlose Welt.
Wie sieht Kinderarmut in Deutschland aus? Das kann man zum Beispiel bei Vanessa sehen. Da gibt es Eis, Spielplätze und genügend Geld zum Monatsende. Es gibt eine Mutter, die alles für das Kind tut. Und trotzdem fehlt es am Nötigsten. Eine Spurensuche,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 27.05.

Nadine BÖS beschreibt die Hartz IV-Kindheit einer 7-Jährigen im Kölner Stadtteil Buchheim:

"Fast ein Viertel der Einwohner hier im Stadtviertel sind auf Hartz IV angewiesen, der Anteil der Hartz-IV-Bezieher bei den unter 15-Jährigen liegt sogar bei etwas mehr als 36 Prozent. Vanessa gehört dazu. Ihr Mutter ist arbeitslos, solange Vanessa lebt. (...). Ihr Vater hat noch nie gearbeitet. Und Vanessas großer Bruder, der mittlerweile neunzehn ist, hat die Schule nach der achten Klasse abgebrochen."

 
       
   

Die Lebensversicherer in der Debatte

KROHN, Philipp (2016): Rentenversicherungen werden doppelt besteuert.
Der niedrige Zins hat schon zu einigen Verwerfungen geführt. Nun scheint er auch dafür zu sorgen, dass Vorsorgesparer zweifach Steuer abführen müssen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 27.05.

 
       
   

Der IW-Kurzbericht Wie lange arbeiten für ein stabiles Rentenniveau? in den Medien

SOMMERFELDT, Nando & Holger ZSCHÄPITZ (2016): Den Deutschen droht die Rente mit 73.
IW-Prognose: Bleibt der Beitragssatz konstant, müssen die Jungen deutlich länger arbeiten,
in:
Welt v. 27.05.

 
       
   
HANDELSBLATT-Wochenendthema: Städte mit Zukunft.
Digitalisierung, Bildung, Lebensqualität: Die Prognos-Studie 2016

HÖPNER, Axel/KAPALSCHINKSI, Christoph/RICKENS, Christian/SCHRÖDER, Miriam (2016): Wer hat, dem wird gegeben.
Prognos Zukunftsatlas (1): Digitalisierung und Zuwanderung machen die wirtschaftliche ohnehin starken Ballungsräume noch dominanter. München hebt ab, Berlin holt auf - und Hamburg muss sich endlich mal anstrengen,
in:
Handelsblatt v. 27.05.

Der Prognos Zukunftsatlas beschreibt seit 2004 die Entwicklung Deutschlands aus neoliberaler Sicht. Die Metropolregion München wird zum Star stilisiert und München wird in einem Atemzug mit London zur einzigsten "Global City" (Saskia SASSEN) in Deutschland erklärt.

Der demografische Wandel gilt in dieser neoliberaler Sicht lediglich als Problemgenerator:

"Die Bevölkerung in Deutschland wächst wieder. Doch dieses Zuwanderungsplus hilft nicht dabei, die demografischen Probleme vieler deutschen Regionen zu lindern. Die Zuwanderer strömen nämlich fast ausschließlich in attraktive Großstädte. Die Zuwanderung verschärft somit noch den Gegensatz zu den vielen schrumpfenden Regionen."

Dies sehen ETTE & SWIACZNY nicht unbedingt so, denn Zuwanderer ist nicht gleich Zuwanderer, das gilt umso mehr für Geflüchtete, die im Mittelpunkt ihres Artikels stehen. Auch Armut ist aus neoliberaler Perspektive ein Minuspunkt:

"Vor allem die enormen sozialen Probleme, abzulesen zum Beispiel an der hohen Zahl er Hartz-IV-Empfänger, verhindern, dass Berlin im Prognos-Zukunftsranking noch besser abschneidet."

Besser macht es aus dieser neoliberalen Sicht München, das seine sozialen Probleme einfach durch hohe Mieten ins weitere Umland exportiert.

Solche Städterankings kranken vor allem daran, dass sie ungleiche Gebiete mit denselben Indikatoren messen und dadurch die unterschiedlichen politischen Gegebenheiten außer Acht lassen. So werden Stadtstaaten wie Berlin, Bremen und Hamburg mit einer Landeshauptstadt wie München oder ganzen Landkreisen verglichen. Das Indikatorensystem ist zudem nicht transparent. Es gibt 29 Indikatoren. Wie diese gewichtet werden und welche Indikatoren verwendet werden, verzerrt die Ergebnisse. Nichts davon lesen wir im Handelsblatt.     

WERMKE, Christian (2016): Heimlicher Aufstieg.
Prognos Zukunftsatlas (1): Still und leise hat sich in Flensburg eine starke Start-up-Szene entwickelt. Vor allem viele Studenten wagen hier den Schritt in die Selbständigkeit,
in:
Handelsblatt v. 27.05.

Welche Indikatoren sollen Flensburg als positives Beispiel charakterisieren?
Ein Schaubild nennt die Einwohnerzahl 2014, Einwohnerentwicklung in Prozent (ohne Zeitraum), Arbeitslosenquote Dezember 2015, Bruttoinlandsprodukt in Euro je sozialversicherungspflichtig Beschäftigter. Der Anteil des Dienstleistungsbereichs wird als Stärke gesehen und nicht etwa als Schwäche. Dagegen wird der Anteil an Bedarfsgemeinschaften als Schwäche gewertet
- 2,49 Gründungen pro 10.000 Einwohner werden als Innovationsmerkmal vermarktet. Nichts über die Anzahl der so geschaffenen Arbeitsplätze, die Lebensdauer einer solchen Gründung bzw. deren Aussichten auf Erfolg
- Ein Fünftel der Einwohner sind junge Erwachsene. Welche Altersgruppe hier gemeint ist, wird nirgends erläutert.

Fazit: Fakten werden lediglich in homöopathischen Dosen verabreicht. Stattdessen viel Stadtmarketing. Nachvollziehbar ist für den Leser nicht, warum Flensburg so toll sein soll. Dies mag daran liegen, dass hier nicht die Gegenwart zählt, sondern eine erhoffte Zukunft in die Stadt projiziert wird. Kreativität ist schließlich alles!

 
       
   

Marcel Fratzscher - Verteilungskampf

FRATZSCHER, Marcel (2016): Unfair und gefährdet.
Gastkommentar: Der Autor sieht die soziale Marktwirtschaft in einer tiefen Krise,
in:
Handelsblatt v. 27.05.

 
       
   

Grundeinkommensmodelle in der Debatte

FISCHER, Konrad (2016): Sozialstaat mit Ledersitzen.
Geld: Das bedingungslose Grundeinkommen elektrisiert die digitale Elite. Es soll unser Gesellschaftsmodell in eine Welt der arbeitenden Roboter retten und das kreative Potenzial der Massen wecken. Eigentlich aber ist es: eine Selbstverständlichkeit,
in:
Wirtschaftswoche Nr.11 v. 27.05.

Konrad FISCHER erklärt uns, dass das Grundeinkommen in Deutschland längst Wirklichkeit ist. Das stimmt nur, wenn man das entscheidende Wörtchen "bedingungslos" weglässt und das garantierte Einkommen - wie Neoliberale das gerne sehen würde - auf Hartz IV-Niveau (lieber natürlich noch niedriger) absenkt. Im Gegensatz zu anderen, z.B. BORCHARDT, sieht KONRAD aber auch den Grundfreibetrag als Element eines Grundeinkommens.

"die Forderung, dass die Grundalimentation auch dann nicht entfallen soll, wenn man eine Arbeit aufnimmt (...) gibt es in Deutschland de facto längst. So müssen in Deutschland alle Einkommen unter 8652 Euro nicht versteuert werden. Im Vergleich zu einer vollen Besteuerung entspricht der Grundfreibetrag einer direkten jährlichen staatlichen Zahlung von 1211,28 Euro. Daraus ergibt sich ein real existierendes Grundeinkommen von 100,94 Euro im Monat für die arbeitenden Bevölkerung",

rechnet uns FISCHER vor. Die Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen (hier wird zudem über ganz verschiedene Konzepte diskutiert) dient im Grunde nur zur Rechtfertigung der jeweils eigenen Position zum deutschen Sozialstaat, den Neoliberale zu umfangreich und üppig ausgestattet betrachten, während Linke das Repressionspotenzial als zu hoch und das eingeräumte Existenzminimum zu niedrig ansehen. Einig sind sich beide am ehesten bei den hohen Bürokratiekosten.

 
       
   

Die Ökonomen-Elite und die Ökonomie in der Debatte

FISCHER, Malte (2016): Daten-Tuning im Dienst der Wissenschaft.
Serie Die Tücken der Statistik (3): Studien und statistische Modelle lassen sich so frisieren, dass sie die gewünschten Ergebnisse liefern. Dagegen hilft nur mehr Transparenz,
in:
Wirtschaftswoche Nr.11 v. 27.05.

Es erstaunt kaum, dass sich die Beispiele zum Lügen mit Zahlen auf den politischen Gegner beziehen. So nennt Malte FISCHER eine Studie des DIW, obwohl er es genauso gut eine Studie des IW nennen könnte. Die Aufklärung über das Lügen mit Zahlen ist also keinesfalls wertneutral, sondern selber interessengeleitet. In der Öffentlichkeit werden Studien, die den herrschenden Zeitgeist einer Demografisierung gesellschaftlicher Probleme wiederspiegeln selten kritisiert, weshalb das Schwergewicht auf dieser Website auf eine solche Kritik gerichtet ist.

FISCHER fordert mehr Transparenz, z.B. durch Replikationsstudien. Das Problem im Bereich der Ökonomie bzw. der Sozialwissenschaften: Es werden insbesondere jene Studien überprüft, die den herrschenden Interessen bzw. dem jeweiligen Zeitgeist widersprechen oder große publizistische Aufmerksamkeit erregen. Erst ein Wandel der herrschenden Interessen bzw. des Zeitgeistes führt dann oftmals zur "Entdeckung" von Fehlern. Hinzu kommt, dass sich auch die Methodenkritik wandeln kann. Was gestern methodisch in Fachkreisen als angemessen betrachtet wird, das kann morgen schon falsch sein.

 
       
   

Die Rentenpolitik der Parteien in der Debatte

RIEXINGER, Bernd (2016): Gefährliche Entsolidarisierung.
Gastbeitrag: Die Demokratie kann dauerhaft nur erfolgreich verteidigen, wer ihre sozialen Grundlagen verteidigt,
in:
Frankfurter Rundschau v. 27.05.

Bernd RIEXINGER, einer der beiden Parteivorsitzenden, fordert mehr soziale Gerechtigkeit, jedoch mit einer Rhetorik die über weite Strecken von vorgestern stammt und höchstens noch stramme Linke ansprechen kann. Er zeigt damit das ganze Dilemma der sozialen Linken, die von der Schwäche der SPD nicht profitieren kann und dem Erstarken der Rechtspopulisten tatenlos zuschauen müssen.

"Heute reichen selbst 45 Jahren ununterbrochener Arbeit in Vollzeit mit einem Bruttolohn von 2500 Euro gerade mal für eine Rente knapp über der Grundsicherung. Wer weniger als zwölf Euro pro Stunde bekommt, geht trotz lebenslanger Arbeit sicher in die Altersarmut. Um die Renten zu stabilisieren, braucht es höhere Löhne, einen Mindestlohn von zwölf Euro und eine Abkehr von der Agenda-2010-Politik. Statt aber das Rentenniveau wieder auf mindestens 53 Prozent zu erhöhen – wie vor den Rentenkürzungen unter Rot-Grün – und eine armutsfeste Mindestrente einzuführen, flüchtet sich die Regierung in Scheinlösungen",

schreibt RIEXINGER zur Rententhematik. Aber wer versteht das überhaupt? Gemäß Deutscher Rentenversicherung lag das Gehalt des so genannten Eckrentners 2015 im Westen bei ca. 2.900 Euro, im Osten dagegen bei ca. 2.500 Euro. Ein Westrentner hätte dafür 2015 ca. 1.300 Euro, der Ostrentner 100 Euro weniger bekommen. Die Grundsicherung im Alter liegt derzeit bei ca. 773 Euro. Aktuell gilt also das Gesagte nicht. RIEXINGER geht jedoch davon aus, dass dies z.B. nach 2030 so sein könnte wenn das Rentenniveau so bleibt oder gar sinkt. Je nach Anhebung der Grundsicherung im Alter schrumpft dann der Abstand tatsächlich zusammen, wenn an der gegenwärtigen Rentenformel nichts geändert wird und sich die Arbeitsmarkt- und Bevölkerungsentwicklung nicht grundlegend ändert. RIEXINGER kann sich hier auch auf die umstrittenen Berechnungen des WDR berufen, während sich die Verfechter einer Stärkung der privaten Altersvorsorge die Verharmlosung des Altersarmutsproblems auf ihre Fahnen geschrieben haben.

Mit seiner Forderung auf Anhebung des gesetzlichen Rentenniveaus auf mindestens 53 Prozent liegt RIEXINGER derzeit weit über den Forderungen der anderen Parteien - ausgenommen der Parteilinken in der SPD oder dem DGB. 

 
       
   
BERLINER ZEITUNG-Wochenthema: Alt werden in Berlin.
Heute: Die letzte Wohnung

BISCHOFF, Katrin (2016): "Mir fehlt nüscht".
Eva Staikowski wagte nach dem Tod ihres Mannes den Neuanfang. Als es ihr zu einsam wurde, zog sie ins Seniorenwohnhaus Singerstraße. Dort blüht die 88-Jährige auf,
in:
Berliner Zeitung v. 26.05.

WIMALASENA, Jörg (2016): Immer in Bewegung.
Vorgestellt: Ingeborg Neumann,
in:
Berliner Zeitung v. 26.05.

FUCHS, Claudia (2016): Oben alt, unten Jung.
Kooperation,
in:
Berliner Zeitung v. 26.05.

 
       
   

Die räumliche Mobilität als Ideal des flexiblen Kapitalismus in der Debatte

REINSCH, Melanie (2016): Wenn der Vater pendelt, leiden die Kinder.
Verhaltensauffälligkeiten nehmen zu, je weiter der Arbeitsort der Eltern vom Lebensmittelpunkt entfernt ist,
in:
Berliner Zeitung v. 26.05.

Melanie REINSCH erzählt eine Fallgeschichte, die die Forschung von Matthias POLLMANN-SCHULT & Jianghong LI zu den Auswirkungen des Pendelns von Vätern auf ihre Kinder illustrieren soll, zu der am 23. Mai eine Pressemitteilung des WZB erschienen ist. Anlass war das Erscheinen des Artikel Fathers’ commute to work and children’s social and emotional well-being in Germany.

 
       
   

Die Architektur und Stadtplanung in der Debatte

BERNAU, Nikolaus (2016): Mein Irrtum.
Architektur,
in:
Berliner Zeitung v. 26.05.

Nikolaus BERNAU entschuldigt sich für seine Lobpreisung des Berliner Hauptbahnhofs zur Eröffnung vor 10 Jahren. Wer schon einmal in diesem grauenhaften Bahnhof aufgrund einer Gleisänderung seinen Zug suchen musste, der weiß klar strukturierte und übersichtliche Bahnhöfe zu schätzen. Höchstens diejenigen, die den Bahnhof nicht zum Reisen benutzen müssen, können sich an dieser Architektur erfreuen.

 
       
   

Die Entwicklung der Geburtenzahlen in Deutschland

BUNZENTHAL, Roland (2016): Schrumpfszenario trotz Rekordwerts.
Noch nie war die Bevölkerung so groß wie heute - ab 2030 setzt Schrumpfung ein,
in:
Neues Deutschland v. 26.05.

 
       
   

Martin Greive in der Debatte

GREIVE, Martin (2016): Der Bauch muss weg.
Der Haushalt hat die Ausgaben für die Flüchtlinge gut verkraftet. Die berühmte schwarze Null wackelt nicht. Deshalb sieht der Finanzminister jetzt doch wieder Spielraum für Steuersenkungen,
in:
Welt v. 26.05.

 
       
   

Die Lebensversicherer in der Debatte

KUNZ, Anne (2016): Diese Versicherer sind die größten Wackelkandidaten.
Niedrige Zinsen nagen an der Substanz der Unternehmen. Es gibt eine Kennziffer, die für einige Anbieter bedrohlich nahe rückt,
in:
Welt v. 26.05.

 
       
   
WELT-Titelgeschichte: Mein Leben in der Großfamilie

TIETGEN, Madita (2016): Meine Eltern, meine fünf Geschwister und ich.
Sechs Kinder in einer Familie, das ist inzwischen eine absolute Seltenheit. Zwar reden alle davon, dass die Deutschen wieder mehr Nachwuchs bekommen sollten. Aber stellt sich der Kindersegen ein, hagelt es Vorurteile. Unsere Autorin erzählt,
in:
Welt v. 25.05.

"Im Jahr 2014 lebten 11,5 Millionen Familien mit Kindern in Deutschland. Davon hatten rund sechs Millionen Familien ein Kind, und vier Millionen Familien hatten zwei Kinder. Die Anzahl der Familien mit drei Kindern oder mehr liegt bei 1,33 Millionen in ganz Deutschland, das entspricht knapp 11,6 Prozent aller Familien in Deutschland. Der Anteil von Familien mit sechs Kindern ist entsprechend gering",

rechnet uns TIETGEN vor und meint damit ihre Ausnahmesituation begründen zu können. Die Haushaltszahlen sagen jedoch nichts über Familien mit 6 Kindern aus, was TIETGEN wissen müsste, denn sie lebt ja auch nicht in einem 8-Personenhaushalt, sondern in einem 3-Personen-Haushalt, weil ihre Geschwister bereits ausgezogen sind. Hinzu kommt, dass der Mikrozensus, den TIETGEN hier zitiert nichts über biologische Elternschaft aussagt, sondern lediglich über soziale Elternschaft. Die Statistik rechnet also auch Patchworkkinder und Pflegekinder - und auch so genannte Kuckuckskinder - zu einem Haushalt dazu.

Fazit: Die uns präsentierte Statistik sagt nichts über die Anzahl der Kinder einer Frau oder eines Mannes aus, genauso wenig wie die gerne zitierte zusammengefasste Geburtenzahl.

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung hat seit kurzem erkannt, dass nicht die Kinderlosigkeit für die niedrige Geburtenrate verantwortlich ist - wie uns die letzten zwei Jahrzehnte eingebläut wurde, sondern auch das Fehlen der kinderreichen Familien. Nun darf also ein Kind einer kinderreichen Familie die in Deutschland kursierenden Vorurteile über solche Familien widerlegen.

 
       
   

Nina Pauer in der Debatte

PAUER, Nina (2016): Die große Illusion.
Der Unterschied zwischen Mann und Frau spielt keine Rolle, heißt es. Bis es um Schwangerschaft und Geburt geht,
in:
Die ZEIT Nr.25 v. 25.05.

Nina PAUER kritisiert den Genderwahnsinn, der mit der Mutterschaft an seine biologischen Grenzen stößt. PAUER fühlt mit ihren Kolleginnen Cathrin GILBERT und Ronja von RÖNNE mit, die den Feminismus für von vorgestern halten. PAUER ist der Meinung, dass man eine Frau erst durch die Mutterschaft wird, d.h. kinderlose Frauen sind im Grunde keine Frauen, sondern nur dem Vorstadium des Genderwahnsinns verhaftet:

"Das Entstehen neuen Lebens ist ein archaischer GAU, der moderne Individuen zurück ins Affenzeitalter bombt, und sei es für noch so kurze Zeit. Während diese Phase für die meisten Männer nach einigen Tagen oder wenigen Wochen durch eine Rückkehr in die Arbeitswelt endet (lediglich ein Drittel nimmt Elternzeit, 80 Prozent nicht mehr als zwei Monate), wird sie für die große Mehrheit der Frauen zum Alltag."

PAUER wendet sich gegen die Missy-Redakteurin Stefanie LOHAUS und ihr naives Plädoyer für eine gleichberechtigte Arbeitsteilung: Papa kann auch stillen. Dem Babyboomer Stefan WILLEKE und seinen bevölkerungspolitischen Forderungen erteilt sie ebenfalls eine Absage:

"Und die Gesellschaft? Hält sich raus. Vor allem das erste Jahr mit Kind wird ehrfürchtig umgangen, reine Privatsache, Hauptsache, es werden wieder mehr Kinder geboren."

Auch die Regretting Motherhood-Debatte vereinnahmt PAUER in ihrem Sinne der Rebiologisierung gesellschaftlicher Probleme, die bereits als Demografisierung gesellschaftlicher Probleme die Debatte um den demografischen Wandel bestimmt. Die Biologie ist unser Schicksal lautet auch das rechtspopulistische Motto. Kommt nun die nächste Stufe der Konvergenz von Neuer Mitte und der Neuen Rechte?

 
       
   

Die Generationenrhetorik in der Debatte

LÜTGERT, Christoph (2016): Antwort auf Stefan Willeke.
Ansage: Wir sind die Schmarotzer, die schamlose Generation. Wir haben nicht gesät, aber wir fahren eine satte Ernte ein,
in:
Die ZEIT Nr.25 v. 25.05.

Teil 3 folgt dem klassischen Schema von Generationvertrags-Tiraden: Christoph LÜTGERT, Angehöriger der 68er-Generation, verteidigt die Enkelgeneration Y und kritisiert die Kindergeneration der Babyboomer. LÜTGERT liefert eine Selbstanklage, die leider 13 Jahre zu spät erscheint und deshalb belanglos für die aktuelle Rentendebatte ist. Wo sind die Kinder? fragte damals Susanne GASCHKE ihre Generation, um gleichzeitig 68er wie LÜTGERT und ihre luxuriösen Renten zu verteidigen. Warum schrieb also LÜTGERT damals nicht diesen Artikel?

Auf Scheindebatten à la Wohlfühl-Zeit können wir gerne verzichten!

 
       
   

Die Angleichung der Ostrenten in den Medien

BOMSDORF, Eckart (2016): Zügige Einführung eines einheitlichen Rentenwertes in Ost und West.
Anregungen zu einem "Rentenüberleitungsabschlussgesetz",
in:
ifo Schnelldienst Nr.10 v. 25.05.

 
       
   
BERLINER ZEITUNG-Wochenthema: Alt werden in Berlin.
Heute: Die Fragen des Alters

SYLVESTER, Regine (2016): Gestern war ich doch noch jung.
Das Altern wirft jede Menge Fragen auf: Werde ich halbwegs gesund bleiben? Werde ich schwierig werden? Starrsinnig, jammernd? Eine Suche nach Antworten,
in:
Berliner Zeitung v. 24.05.

"Um 2030 wird jeder Jahrgang, der in Rente geht, doppelt so groß sein wie der Jahrgang, der einen Beruf beginnt. Wir haben zu wenige Kinder bekommen, als wir es noch gekonnt hätten",

droht uns Regine SYLVESTER. Doch stimmt diese Rechnung überhaupt? Wer nur auf die Geburten schielt, der übersieht die Zuwanderung und Sterbefälle.

Nimmt man den Geburtsjahrgang 1990, dann umfasste dieser ca. 905.000 Geburten. Nimmt man das Jahr 2014, dann umfassen die 1990 Geborenen (24-25-Jährige) ca. 1,04 Millionen Menschen. Innerhalb von 25 Jahren ist der Jahrgang also durch Zuwanderung um 100.000 Personen gewachsen und es können noch viel mehr dazu kommen.

Dagegen umfasste der Geburtsjahrgang 1964 ca. 1,35 Millionen Menschen. Bis zum Jahr 2014 ist er nur um ca. 70.000 Personen, die 1964 geboren wurden, angewachsen. Der Jahrgang 1964 schrumpft bereits, weil Zuwanderer im Alter oftmals in die alte Heimat zurückkehren und die Sterbefälle zunehmen. Während der Jahrgang 1964 im Jahr 2009 noch ca. 1,45 Millionen Personen umfasste, waren es im Jahr 2014 schon fast 26.000 weniger (dies wurde aber auch durch den Zensus 2011 mitverursacht).

Dass das Verhältnis zwischen Berufsanfängern und Rentnern wesentlich günstiger aussieht, zeigt ein Vergleich der Jahrgänge 1949 und 1974:

  Jahrgang 1949 Jahrgang 1974
Lebendgeborene 1.106.825 805.500
40-Jährige   930.754
65-Jährige 962.406  

Obwohl im Jahr 1949 über 300.000 Personen mehr geboren wurden als im Jahr 1974, waren die beiden Geburtsjahrgänge im Jahr 2014 fast gleich groß (Unterschied von nur noch ca. 32.000 Personen). Während der Geburtsjahrgang 1974 durch Zuwanderung stark angewachsen ist, ist der Jahrgang 1949 durch Abwanderung und Sterbefälle bereits im Alter von 65 Jahren stark dezimiert worden.

Wie es im Jahr 2030 in Deutschland aussieht, das hängt also nicht allein vom Geburtenverhalten ab, sondern auch vom Wanderungsgeschehen bzw. den Sterbefällen. Aber in erster Linie hängt die Situation im Jahr 2030 von nicht-demografischen Entwicklungen der Wirtschaft, d.h. von den Produktivitätsfortschritten und der Arbeitsmarktsituation ab. Darüber können die Ökonomen jedoch lediglich spekulieren.

FUCHS, Claudia (2016): Alt werden mit Gert.
Vorgestellt,
in:
Berliner Zeitung v. 24.05.

 
       
   

Die Finanzialisierung in der Debatte

BLZ (2016): Privat vorsorgen gegen Berufsunfähigkeit.
Krank aus dem Beruf ausgeschieden - wie weiter? Experten beantworten Leserfragen beim Telefonforum,
in:
Berliner Zeitung v. 24.05.

 
       
   

Oswald Metzger in der Debatte

METZGER, Oswald (2016): Mutlos in Berlin.
Deutschland profitiert noch immer von Schröders Agenda 2010. Doch die große Koalition ist dabei unsere Zukunft zu verbrauen,
in:
Welt v. 24.05.

 
       
   

Die Bevölkerungsprognose des IW Köln "Einfluss der Zuwanderung auf die demografische Entwicklung in Deutschland" in den Medien

CREUTZBURG, Dietrich (2016): Deutschland schrumpft langsamer.
Im Jahr 2035 soll es mehr Einwohner als heute geben - die Einwanderung löst die Probleme der Rentenkasse nicht,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.05.

Dietrich CREUTZBURG berichtet über die gerade veröffentlichte Bevölkerungsprognose von Philipp DESCHERMEIER, der lediglich Vergleiche mit dem Statistischen Bundesamt, aber nicht mit seiner eigenen Prognose vom April 2015 zieht. Damals hieß es bei DESCHERMEIER:

"Im Jahr 2030 wird die Bevölkerung Deutschlands zwischen 77,9 Millionen (Untergrenze des Intervalls) und 79,4 Millionengrenze Obergrenze des Intervalls) liegen. Der Median im Jahr 2030 beträgt 78,7 Millionen Personen."
(DESCHERMEIER 2015, S.107f.)

Während uns also DESCHERMEIER noch vor einem Jahr im Jahr 2030 eine Bevölkerung von 78,7 Millionen Personen errechnet hat, so sind es jetzt 2035 - also sogar 5 Jahre später - mit 83,1 Millionen Personen fast 5 Millionen mehr Personen!

Bereits im November 2015 wurde im Winterthema von single-generation.de darauf hingewiesen, dass die IW-Köln-Prognose vollkommen unrealistisch ist - und zwar nicht allein wegen der Zuwanderung, sondern auch weil der Geburtenanstieg der letzten Jahre nicht angemessen berücksichtigt wird. Der Vorteil der stochastischen Bevölkerungsprognose, die uns DESCHERMEIER vollmundig preist, ist in unsicheren Zeiten eher ein Nachteil: "robust gegenüber Strukturbrüchen" heißt nichts anders als unfähig Trendwenden zu berücksichtigen! Man darf also gespannt sein, wann DESCHERMEIER seine Prognose wieder erneuern muss, weil die Annahmen nicht mehr stimmen.

Die gravierenden Abweichungen zur Prognose vor einem Jahr zeigen die Schwäche des Prognosemodells von DESCHERMEIER. Davon ist bei CREUTZBURG nichts zu lesen!

KAISER, Tobias (2016): Deutschlands Zukunft hat überraschend viele Köpfe.
Studie: Zuwanderung bremst die Alterung der Gesellschaft und entlastet den Arbeitsmarkt,
in:
Welt v. 24.05.

Auch Tobias KAISER geht nicht über das hinaus, was das IW Köln selber sagt, d.h. es wird nur mit der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes verglichen - aber nicht auf die krasse Fehlprognose von DESCHERMEIER vom April 2015 hingewiesen. Brauchen wir solch einen unkritischen Journalismus, der die schönfärberische Sicht eines arbeitgebernahen Forschungsinstituts übernimmt?

 
       
   
BERLINER ZEITUNG-Wochenthema: Alt werden in Berlin.
Schon heute ist jeder Fünfte in der Hauptstadt älter als 65, im Jahr 2030 wird es fast jeder Vierte sein. Was brauchen Senioren, um an der Gesellschaft teilzuhaben? Und was erwarten sie von der Politik? Heute: Die Stadt der Senioren

ZYLKA, Regina (2016): "Alte brauchen Lobbyisten".
Sozialunternehmer Friedrich Kiesinger über barrierefreies Wohnen, dörfliche Strukturen in der Großstadt und seine Wünsche an den Senat,
in:
Berliner Zeitung v. 23.05.

BRENNBERGER, Iris (2016): Ein Freund alter Menschen.
Vorgestellt: Klaus Pawletko,
in:
Berliner Zeitung v. 23.05.

 
       
   

Die Finanzialisierung in der Debatte

FREIBERGER, Harald (2016): Riskante Zeiten.
Sechs Thesen, wie sich Anleger auf den Kurs der EZB einstellen können,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.05.

Harald FREIBERGER legt 6 Thesen zur Niedrigzinsphase vor:
1) Die Niedrigzinsphase der EZB wird noch mindestens bis 2018 anhalten
2) Fast jeder ist betroffen
3) Wer Zins will, muss ins Risiko gehen
4) Die Aktie ist der Königsweg
5.) Die Immobilie ist ein Risiko
6.) Konsum ist keine Lösung

 
       
   

Der OECD-Bericht Pensions at al Glance 2015 in den Medien

DÖRING, Diether (2016): Im Stresstest.
Wirtschaftsbücher: Alterssicherungssysteme der Industrienationen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.05.

 
       
   

Fernbeziehungen - Wie der veränderte Arbeitsmarkt unsere Liebesbeziehungen prägt

DANGMANN, Madeline (2016): 48 Stunden für immer.
Endlich vereint! So einfach ist es aber nicht: Wenn Paare nach einer langjährigen Fernbeziehung zusammenziehen, kann es oft schwierig werden,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 22.05.

"Rund 1,7 Millionen Paare leben in Deutschland mehr als 100 Kilometer voneinander entfernt und führen damit eine Fernbeziehung",

hat Madeleine DANGMANN einer Umfrage einer Online-Partneragentur vom Mai 2013 entnommen. Dort heißt es aber auch:

"Nur knapp jedes zehnte Paar in einer Fernbeziehung (acht Prozent) kann die große räumliche Distanz von 100 Kilometern oder mehr täglich überbrücken",

Diese 8 Prozent müssten also bei einer sinnvollen Definition von Fernbeziehung abgezogen werden. Denn wer täglich zusammen ist, der führt eine Pendel- aber keine Fernbeziehung. Unter diesem Gesichtspunkt wäre die Dauer solcher Partnerschaften wichtig gewesen, denn eine Partnerschaft im Anfangsstadium hätte eine andere Qualität als eine Fernbeziehung über mehrere Jahre.

DANGMANN erzählt uns zuerst von einer Fernbeziehung zwischen Stuttgart und Hannover (500 km). Weil über eine Studie einer Online-Partneragentur berichtet wird, wird nicht der Hauptgrund von Fernbeziehungen genannt, nämlich beruflicher Mobilitätszwang, sondern soziale Medien, die eine Partnersuche über größere Entfernungen ermöglichen würden. 

In der erzählten Fallgeschichte kannten sich die beiden Personen jedoch bereits vorher. Ob sich das Paar auch ohne diese frühere Beziehung - allein über soziale Medien - gefunden hätte, dürfte bezweifelt werden.

Das zweite Fallbeispiel handelt von einer geglückten binationalen Partnerschaft, während die Beziehung im ersten Fall scheiterte. DANGMANN zitiert einen Psychologen, der Tipps zum Gelingen von Fernbeziehungen gibt, ohne zu erwähnen, dass er für die Online-Partneragentur, die jene Umfrage durchgeführt hat, tätig ist.

Stellt sich die Frage, warum ein Artikel über Fernbeziehungen erscheint, der über eine 3 Jahre alte Umfrage berichtet. Hatte man da bei der FAS etwa noch Platz übrig, der gefüllt werden musste?

 
       
   

Die neuen Väter in der Debatte

HUMMEL, Katrin (2016): Hallo? Papa? Bist du eigentlich da?
Wenn Väter zu viel arbeiten, leiden die Kinder. Das haben zwei Soziologen jetzt bewiesen. Es gibt aber einen Ausweg,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 22.05.

 
       
   

Der ländliche Raum und Mittelstädte im demografischen Wandel

BUDRAS, Corinna & Sharon EXELER (2016): Pirmasens, abgehängt.
Arme Menschen haben wenig Geld und sterben früher. Pirmasens hält den traurigen Rekord. Ein Besuch,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 22.05.

"Das Leben in Pirmasens ist gefährlich. Das zeigt ein Blick in die Statistik. Nirgendwo in Deutschland sterben die Menschen so früh wie hier in der Westpfalz, auf den sieben Hügeln zwischen Kaiserslautern und der französischen Grenze, direkt an der Bundesstraße 10. Nach durchschnittlich 73 Jahren sind die Männer tot, mit 77 Jahren die Frauen. Am Starnberger See hätten sie dagegen noch acht Jahre länger zu leben, womöglich sogar die schönsten Jahre",

erzählen uns BUDRAS & EXELER. Bringt uns dies schon in Verwirrung, wird es noch verwirrender, wenn man den Text mit der Grafik vergleicht. Dort wird für Pirmasens und Starnberg jeweils nur für die Männer eine Lebenserwartung von 73 bzw. 81 Jahren angegeben. Gilt die Lebenserwartung nun für die Westpfalz oder für Pirmasens und warum leben Frauen nicht länger als Männer, wenn für Pirmasens oder Westpfalz bereits ein Unterschied von 4 Jahren besteht? Gemäß Wikipedia wird die kreisfreie Stadt Pirmasens vom Landkreis Südwestpfalz umschlossen.

Die Verwirrung hat offenbar eine dpa-Meldung Ende März ausgelöst. Seitdem sind Zahlen zur regional unterschiedlichen Lebenserwartung im Umlauf, die mit einer Anfrage von Sabine ZIMMERMANN (Linkspartei) in Verbindung stehen. In einem Welt-Beitrag von Stefan von BORSTEL wird die geschlechtsspezifische Lebenserwartung in den beiden Regionen noch am differenziertesten dargestellt.

BUDRAS & EXELER beschreiben die derzeitige Situation mit einer Arbeitslosigkeit von 13 Prozent (ohne Jahresangabe) vor dem Hintergrund einer golden Epoche:

"Pirmasens war einmal eine stolze Stadt, mit einer boomenden Schuhindustrie, die in der ganzen Welt ihresgleichen suchte. Die Stadt mit der höchsten Millionärsdichte und nahezu Vollbeschäftigung: 350 Schuhfabriken, die zu ihren Glanzzeiten 25.000 Menschen beschäftigten, und das über Generationen hinweg und mindestens bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts."

Das Bleiben eines traditionsreichen Schuhherstellers wird dann zum Wendepunkt stilisiert. Pirmasens wird jungen Familien und Rentnern als guter Standort gepriesen:

"Pirmasens mag zwar eine sterbende Stadt sein, aber eine, in der es sich leben lässt. Vor allem billig. Das ist ein Standortvorteil in einem Land mit explodierenden Immobilienpreisen. Rentner und Familien lieben Pirmasens, sagt sie. Da pendelt man schon mal ins nahe gelegene Daimler-Werk oder sogar nach Stuttgart, wie ihr eigener Ehemann",

zitieren BUDRAS & EXELER eine Immobilienmaklerin, die PR in eigener Sache betreibt und den Niedergang von Pirmasens auf Ende der 1990er Jahre datiert.

"Seitdem bleiben sie vornehmlich zu Hause, kassieren Hartz IV und bekommen Kinder, die mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls zu Hause bleiben und Hartz IV kassieren. Jedes dritte Kind unter 15 Jahren lebt hier in einer Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaft",

wird uns erzählt und die niedrige Lebenserwartung in Pirmasens damit nicht nur erklärt, sondern auch gleichzeitig die Verschärfung dieses Problems suggeriert.

Das Hauptproblem solcher Daten ist jedoch, dass nicht Lebensläufe, sondern die Korrelation von Gebiet und Bevölkerung, Grundlage sind, d.h. eine niedrige Lebenserwartung einer Region sagt erst einmal nichts über die Lebenserwartung konkreter Menschen aus, denn dann dürfte es innerhalb eines Menschenlebens keinerlei Mobilität in diesem Gebiet gegeben haben. Wie also soll eigentlich aus solchen Korrelationsdaten überhaupt sinnvoll die Lebenserwartung von Menschen ermittelt werden? Sagen die Zahlen nicht viel mehr über das Wanderungsgeschehen als über die Lebenserwartung aus? Deshalb bemühen die Autorinnen zur Erklärung Studien des Robert-Koch-Instituts, wobei deren Erkenntnisse sich offenbar nicht auf die Stadt Pirmasens beziehen, sondern lediglich allgemeine Zusammenhänge beschreiben:

"Nicht zuletzt dank des Robert-Koch-Instituts ist das alles hinreichend erforscht. Und doch verblüffen, gar empören die Befunde immer wieder aufs Neue. Dass arme Menschen schlechter leben als reiche, ist bekannt und wohl auch akzeptiert. Aber dass die Höhe des Einkommens und der Stand der Bildung über die Länge des Lebens entscheiden, ist nichts, woran sich eine Gesellschaft gewöhnt – oder gewöhnen sollte. Denn die Konsequenzen sind riesig: Armut, vor allem gepaart mit einem niedrigen Bildungsniveau, kostet rund zehn Jahre des Lebens. Rauchen, Alkohol, Übergewicht sind bei Hartz-IV-Empfängern weiter verbreitet als bei Menschen mit höherem Einkommen. Arme kümmern sich weniger um gesundes Essen und treiben weniger Sport, all das befördert Herz-Kreislauf-Krankheiten und Atemwegsbeschwerden. Hinzu kommen Stress und Frust über die eigene Situation. Auch das verkürzt das Leben."

Diese Situation wird uns als Grund für einen "Pakt für Pirmasens" präsentiert, der vor 7 Jahren geschlossen wurde und nun für Abhilfe sorgen soll. BUDRAS & EXELER präsentieren am Ende sogar noch Erfolge, die von dem Leser dem Projekt zugeschrieben werden sollen:

"Langsam geht es vorwärts, im vergangenen Jahr ist die Einwohnerzahl erstmals seit zwanzig Jahren wieder gestiegen, die Arbeitslosenzahl gesunken. Wenn in zwanzig Jahren 25 Prozent der betreuten Kinder eine Ausbildung schaffen, wäre das ein Erfolg, sagt Oberbürgermeister Matheis in einem Anflug von Pirmasenser Realismus."  

 
       
   

Der Wandel des Wohnideals in der Debatte

HEBEL, Stephan (2016): Wir sind viel mehr als nur alt.
FR-Serie Wie wollen wir wohnen?: Unsere Wünsche sind mit 60 plus so vielfältig wie mit 20. Genau so sollten auch unsere Wohnungen sein - ein Plädoyer für Entscheidungsfreiheit,
in:
Frankfurter Rundschau v. 21.05.

Stephan HEBEL stellt uns 5 individualisierte Wohnmodelle jenseits der Tradition vor und erteilt eine Absage an die typischerweise von Politikern propagierten Wohnformen fürs Alter: Senioren-WGs oder Mehrgenerationenhaus.

WILLE, Joachim (2016): Ein Paradies mit Abstrichen.
FR-Serie Wie wollen wir wohnen?: Im Mehrgenerationenhaus begegnen sich Alt und Jung, der Manager und die Hartz-IV-Empfängerin leben Tür an Tür. Doch nicht für alle ist die Wohnform ideal - sie erfordert Engagement und Sinn für Basisdemokratie,
in:
Frankfurter Rundschau v. 21.05.

RIPPEGATHER, Jutta (2016): Zusammen ist man weniger allein.
FR-Serie Wie wollen wir wohnen?: Senioren-Wohngemeinschaften sind im Kommen, doch wer sich im Alter Mitbewohner sucht, muss bestimmte Regeln beachten,
in:
Frankfurter Rundschau v. 21.05.

HONNIGFORT, Bernhard (2016): Geh doch einfach rüber.
FR-Serie Wie wollen wir wohnen?: Görlitz zieht westdeutsche Rentner an,
in:
Frankfurter Rundschau v. 21.05.

Der ländliche Raum und Mittelstädte im demografischen Wandel

GROSSMANN, Uta (2016): "Dörfer müssen sich vernetzen".
FR-Serie Wie wollen wir wohnen?: Gabriele Göhring von der Caritas über das Altwerden auf dem Land, Fahrdienste zum Arzt oder Einkaufen und eine Bürokratie, die fantasievolle Lösungen blockiert,
in:
Frankfurter Rundschau v. 21.05.

HENDRICKS, Barbara (2016): Altersarmut besonders im Blick.
FR-Serie Wie wollen wir wohnen? Gastbeitrag: Bezahlbaren und zugleich seniorengerechten Lebensraum zu schaffen, ist die wichtigste Zukunftsaufgabe der Wohnpolitik,
in:
Frankfurter Rundschau v. 21.05.

"Das Wohnen im Alter ist eine der zentralen stadtentwicklungspolitischen Herausforderungen. Schon jetzt ist ein Fünftel der deutschen Bevölkerung 65 Jahre und älter. 2030 werden es nach Prognosen des Statistischen Bundesamtes 28 Prozent sein. Die über 80-jährigen werden dann acht Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen",

beschreibt die Bundesbauministerin Barbara HENDRICKS die Bevölkerungsentwicklung bis 2030. Die FR zeigt uns in einem Schaubild sogar die Entwicklung zwischen 2007 und 2050, ohne uns mitzuteilen auf welcher Bevölkerungsvorausberechnung die Daten beruhen. Das ist schlechter Journalismus.

MOLL, Sebastian (2016): Schwule als Bahnbrecher.
FR-Serie Wie wollen wir wohnen? Der deutsche Architekt Matthais Hollwich plant von New York aus neue Wohnformen für ältere Menschen - und orientiert sich dabei an den Lebensmodellen der Homosexuellen-Comunity,
in:
Frankfurter Rundschau v. 21.05.

MAYER-KUCKUK, Finn (2016): Roboter statt Nachwuchs.
FR-Serie Wie wollen wir wohnen? Ein japanischer Forscher hat ein Haus gebaut, das alten Bewohnern die Wünsche am Gehirn ablesen soll Liegt die Lösung des Pflegeproblems in der totalen Automatisierung?
in:
Frankfurter Rundschau v. 21.05.

ZANG, Kexin (2016): Die Überhalbhunderter.
FR-Serie Wie wollen wir wohnen? In China haben die Alten Parks und Plätze als Lebensraum für sich entdeckt,
in:
Frankfurter Rundschau v. 21.05.

"Im Jahr 2000 wurde China zur »Alternden Gesellschaft«. Das heißt, der Anteil der Chinesen, die über 65 Jahre alt sind, betrug 7 Prozent. Heute sind es 10,5 Prozent. Die Chinesen nennen ihre Alten liebevoll »Die Überhalbhunderter«",

erläutert uns Kexin ZANG zwar die merkwürdige Überschrift des Artikels, lässt uns jedoch mit einer sinnvollen Definition des absurden Begriffs "alternde Gesellschaft" allein. Es gibt alternde Bevölkerungen, aber keine alternde Gesellschaft und wodurch würde sich diese von einer jünger werdenden Gesellschaft auszeichnen - was ja wohl das Gegenteil dieses absurden Begriffs wäre.

DIETERICH, Johannes (2016): Bis zuletzt im Kreise der Familie.
FR-Serie Wie wollen wir wohnen? In Afrika ist es verpönt, Alte in Heimen unterzubringen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 21.05.

Johannes DIETRICH liefert uns südafrikanische Folklore. Was sollen wir daraus lernen? Auch in Deutschland sind Heime verpönt oder etwa nicht? Wer es sich leisten kann, zieht deswegen in eine Senioren-Anlage. Im Kreise der Familie alt werden in Deutschland, das hieße dann wohl, dass unsere Arbeitsgesellschaft radikal auf Immobilität umgestellt werden müsste. Also was sollen wir daraus lernen?

 
       
   

Die Finanzialisierung in der Debatte

PIPER, Nikolaus (2016): Aus den Fugen.
Noch nie in der Geschichte waren die Zinsen so niedrig wie heute. Ökonomen glauben, dass sich daran auch in Zukunft wenig ändern wird - denn die Wirtschaft funktioniert heute anders als früher. Der einstige US-Notenbankchef Ben Bernanke spricht von einem "langfristigen Trend",
in:
Süddeutsche Zeitung v. 21.05.

 
       
   

Der Immobilienmarkt in Deutschland in der Debatte

PSOTTA, Michael (2016): Nicht nur die Metropolen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.05.

Michael PSOTTA stellt uns den neuen Wohnungsmarktreport 2016 von CBRE und Vonovia vor, der die 30 "wichtigsten" deutsche Städte untersucht hat und sie in 5 Kategorien eingeteilt hat:

"Am überraschendsten klingt die fünfte Gruppe der Strukturwandler und Trendumkehrer, die vor kurzem noch als die klassischen Verlierer galten: Städte wie Bremen, Chemnitz, Dortmund, Duisburg, Essen, Halle, Magdeburg und Rostock. Ihnen wird bescheinigt, nach teilweise schmerzhaften Anpassungsprozessen die Umkehr bewältigt zu haben. Auch die Wohnungsmärkte normalisieren sich dort, wenn auch meist noch auf niedrigem Niveau."

PSOTTA operiert nicht mit dem modischen Label "Schwarmstadt", sondern, die Menschen ziehen in

"Städte mit Arbeitsplätzen, intakter Infrastruktur, medizinsicher Versorgung und sozialer Attraktivität."

 
       
   

Die betriebliche Altersvorsorge in der Debatte

REZMER, Anke (2016): Mehr Zuschuss ist gut - jetzt aber nicht eine Reform der betrieblichen Altersversorgung.
Eine milde Gabe von Minister Schäuble allein würde Betriebsrentnern wenig bringen,
in:
Handelsblatt v. 20.05.

Anke REZMER will nicht nur Geringverdiener riestermäßig fördern (Grenze bei 1.500 Euro im Monat bzw. 18.000 Euro im Jahr), sondern auch die Doppelverbeitragung abschaffen sowie die Nichtanrechnung auf die Grundsicherung einführen - jedoch nur, wenn die Finanzierung gesichert ist. Sanfter Zwang würde es vielleicht auch tun.

Fazit: Um die gesetzliche Rente zu schwächen ist REZMER jedes Mittel recht.

 
       
   

Der Immobilienmarkt in Deutschland in der Debatte

MÜLLER, Benedikt (2016): Auf die Akademiker kommt's an.
Die Wohnungspreise steigen in Städten mit vielen Hochschulabsolventen schneller,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 20.05.

Benedikt MÜLLER durfte die heutige Pressemitteilung der Postbank zum Wohnatlas 2016 schon vorab lesen und erklärt uns, dass der Anteil der Akademiker an einer Stadt deren Preisniveau bestimmt. Die Postbank hat jedoch nur 36 Städte untersucht. Mannheim und Nürnberg werden zu den neuen Trendstädten erklärt. MÜLLER verweist hier auch auf den Wohnungsmarktreport 2016 von CBRE und Vonovia, der jedoch die beiden Städte in der Kategorie Traditionell nachgefragte Standorte mittlerer Größe führt (vgl. 2016, S.12).

 
       
   

Generationengerechtigkeit in der Debatte

WILLEKE, Stefan (2016): Antwort auf Alard Kittlitz.
Ansage: Ich wette, dass euer erstes selbst finanziertes Fahrrad teurer war als unser erstes Auto. Ihr wollt über Renten streiten, über materielle Wellness? Ganz schön spießig,
in:
Die ZEIT Nr.22 v. 19.05.

Im Jahr 1985 erschien der Roman Von der Nutzlosigkeit erwachsen zu werden, der im Milieu der Jungakademiker spielte, denen damals die Arbeitslosigkeit drohte. Stefan WILLEKE, Jahrgang 1964, spielt darauf an, wenn er darauf verweist, dass aus den damaligen Jungakademikern viele Karriere gemacht haben. Die Generation Praktikum, einst von der Zeit erfunden und nach einiger Zeit auch wieder widerrufen, wird ebenfalls ins Felde geführt.

Tatsächlich sind diese inszenierten Generationenkonflikte mehr als öde, weil sie sich in jeder Generation nach dem gleichen Schema wiederholen. WILLEKE hat dann auch nur die üblichen Stereotypen, die über die Generation Y kursieren, auf Lager. Gestern 68er-Generation gegen Generation Golf und umgekehrt. Heute: Babyboomer gegen Generation Y und vice versa. Nur sind diese Generationenkonflikte nicht mehr politisch, sondern setzen auf die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme. Zeugen oder Maul halten, kreischen die einen - Generationengerechtigkeit grölen die anderen. Das ist der kleinste gemeinsame Nenner dieser öden Generationenvertrags-Tiraden. Wutjournalisten spielen Wutbürger! Geht's noch dümmer?

 
       
   

Der Wandel des Parteiensystems in Deutschland in der Debatte

MARKWARDT, Nils (2016): Kleiner Mann, warum?
Soziologie: Immer wenn es im sozialen Gebälk knirscht, hat der "kleine Mann" seinen großen Auftritt in der Politik und in den Medien. Eine Identitätssuche,
in:
Freitag Nr.20 v. 19.05.

Nils MARKWARDT erklärt uns die Sozialfigur des "kleinen Mannes", die heutzutage von einer Putzfrau mit Minirente repräsentiert wird. MARKWARDT definiert den "kleinen Mann" folgendermaßen:

"Sammelbegriff für jene Bevölkerungsteile (...), die irgendwo zwischen oberer unterer Mittelschicht und unterer oberer Unterschicht zu Hause sind. Oder wie es das Wörterbuch der deutschen Ideomatik formuliert: Er ist »der wenig einflussreiche, finanziell nicht besonders gut gestellte Durchschnittsmensch«."

Der kleine Mann ist zudem gemäß MARKWARDT durch seine "doppelte Distinktion" gekennzeichnet: zum einen gegenüber den Eliten und zum anderen gegenüber der Unterschicht. Der kleine Mann ist für MARKWARDT ein Mann ohne Eigenschaften, der sowohl dem Linkspopulismus als auch dem Rechtspopulismus anheim fallen kann.

Der "kleine Mann" wird also einerseits von der Politik missbraucht und andererseits von Medienintellektuellen wie MARKWARDT, denn er ist die "schweigende Mehrheit", der Übervorteilung und Betrug durch die da oben zugeschrieben wird.

Der "kleine Mann" ist zum einen der ideale Sündenbock für Medienintellektuelle, zum anderen der ideale Anhänger populistischer Parteien. Er hat entweder ein "falsches Bewusstsein" oder er geht im Volke auf bzw. ist einfach nur "die Masse". Der "kleine Mann" ist für MARKWARDT das, was Karl MARX unter "Lumpenproletariat" verstanden hat.

Der "kleine Mann" ist keine Sozialfigur der Gegenwart, so der Untertitel eines soziologischen Sammelbandes. Er gehört stattdessen ins Repertoire derjenigen, die gerne in die Mottenkiste der Rhetorik greifen, weil es leichter ist Vorurteile zu bedienen als sich mit der Realität auseinanderzusetzen.  

 
       
   

Späte Elternschaft - Eine Bibliografie

BERNDT, Christina & Verena MAYER (2016): Alltag hoch vier.
Vor einem Jahr brachte die 65-jährige Annegret Raunigk Vierlinge zur Welt. Mit ihrer späten Schwangerschaft löste die Mutter von insgesamt 17 Kindern Diskussionen über künstliche Befruchtung aus. Wie geht es den Babys heute?
in:
Süddeutsche Zeitung v. 19.05.

BERNDT & MAYER berichten anlässlich des ersten Geburtstags der Vierlinge der damals 65-jährigen Mutter. Im Vordergrund stehen die Risiken von Mehrlingsschwangerschaften. Anhand der Vierlinge werden die Risiken solcher Schwangerschaften aufgezeigt. Die Autorinnen zitieren einen Hamburger Reproduktionsmediziner, der sich gegen die künstliche Befruchtung bei älteren Frauen und Singles richtet. 

 
       
   

Der Fachkräftemangel in der Debatte

BEEGER, Britta (2016): Alles auf Abruf.
Die "Gig-Economy" ändert die Art zu arbeiten: Wer für Uber führt oder für Postmates Essen liefert, wird je Auftrag bezahlt. Was bedeutet das für die soziale Sicherung?
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.05.

Britta BEEGER berichtet über das US-amerikanische Phänomen der "Gig-Economy", d.h. Freelancer werden nur noch pro Auftrag ("Gig") bezahlt. Die Folge:

"Die Arbeitskräfte haben kein festes Einkommen, keine Krankenversicherung, keine soziale Absicherung, bekommen nichts für die Wartezeit zwischen zwei Aufträgen. Die Unternehmen können so viel Geld sparen, bis zu 30 Prozent im Vergleich zu festangestellten Mitarbeitern",

zitiert BEEGER den Buchautor Stefen HILL ("Raw Deal"), der auf einer Veranstaltung der Stiftung Neue Verantwortung in Berlin zum Thema Gig-Economy - Bedrohung für den deutschen Sozialstaat? sprach. HILL propagiert eine Art Künstlersozialkasse für alle. Zur Einschätzung der Auswirkungen dieser Arbeitsform für Deutschland wird lediglich Holger BONIN vom ZEW zitiert, der auf die berüchtigte Selbstregulierung des Marktes vertraut.

ASTHEIMER, Sven & Uwe MARX (2016): Jeder zehnte Arbeitsplatz durch Roboter gefährdet.
Wachsende Automatisierung und Digitalisierung verändern die Arbeitswelt. Wer davon am stärksten betroffen ist - und was sich tun lässt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.05.

ASTHEIMER & MARX berichten über zwei Studien zur Industrie 4.0: Ein OECD-Gutachten, das vom Mannheimer ZEW durchgeführt wurde und eine Studie der Soziologin Sabine PFEIFFER für den Bereich Maschinen- und Anlagenbau.

SIEMS, Dorothea (2016): Digitalisierung frisst Arbeitsplätze.
In Deutschland ist der Anpassungsdruck durch den Vormarsch der künstlichen Intelligenz besonders groß. OECD fordert lebenslanges Lernen und warnt vor einer wachsenden sozialen Kluft,
in:
Welt v. 19.05.

 
       
   

Der Renten-Dialog in der Debatte

SCHWENN, Kerstin (2016): Jungpolitiker streiten über Rente.
Ministerin Nahles will ergebnisoffene Debatte führen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.05.

 
       
   

Segregation in der Debatte

GIRGERT, Werner (2016): Sehnsucht nach der Zauberformel.
FR-Serie Wie wollen wir wohnen?: Gemischte Quartiere gelten als sozial- und integrationspolitisches Ideal. Reine Glaubensfrage, sagen die Kritiker,
in:
Frankfurter Rundschau v. 18.05.

 
       
   

Die Rentenpolitik der Arbeitgeber- und Unternehmensverbände in der Debatte

SIEVERS, Markus (2016): Firmen bestehen auf Rentenkürzungen.
Arbeitgeber kämpfen für den Erhalt der existierenden gesetzlichen Regelungen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 18.05.

Markus SIEVERS berichtet über das Positionspapier der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und das neoliberale INSM-Gutachten Reform der Alterssicherung von Jochen PIMPERTZ. Beides richtet sich gegen eine Stärkung der gesetzlichen Rente. SIEVERS weist auf die Grenzen und Einseitigen des Gutachtens, die in anderen Zeitungen ignoriert werden, hin:

"Diese Zahlen können je nach Entwicklung der Beschäftigung, der Arbeitsproduktivität und der Löhne jedoch auch ganz anders ausfallen. Insgesamt macht die Untersuchung keine belastbare Aussage darüber, ob stärker als geplant steigende Rentenausgaben in der Zukunft finanziert werden könnten oder nicht. Gerade die Digitalisierung der Wirtschaft, bekannt unter dem Stichwort Industrie 4.0, könnte aber durchaus viel zusätzlichen Wohlstand generieren.
Ebenfalls nicht in Betracht gezogen wird, dass eine Bundesregierung ein höheres Rentenniveau auch über eine Erhöhung des Steuerzuschusses finanzieren könnte statt über steigende Beitragssätze."
 

DOEMENS, Karl (2016): Aufklärung statt Alarmismus.
Leidartikel: Wer sich von verallgemeinernden Horrorprognosen etwa bei der Altersarmut treiben lässt, befeuert diffuse Ängste. Damit treibt er unfreiwillig der AfD die Wähler zu,
in:
Frankfurter Rundschau v. 18.05.

 
       
   

Der Renten-Dialog in der Debatte

FISCHER, Eva & Frank SPECHT (2016): Nahles' Milliarden-Dilemma.
Die Sozialministerin lädt Jugendorganisationen zum Rentengipfel. Auch bei ihnen tobt längst der Wahlkampf,
in:
Handelsblatt v. 18.05.

FISCHER & SPECHT nutzen das einseitige INSM-Gutachten von Jochen PIMPERTZ, um die junge Generation zu Verlierern zu stilisieren. Ausführlich wird nur die Position von Hubertus PORSCHEN ("Bundesvorsitzender der Jungen Unternehmen") und des Bundesvorsitzenden der Jungen Union Paul ZIEMIAK vorgestellt. Beide setzen auf die Stärkung der privaten Altersvorsorge. Die nur knapp erwähnten Positionen von Johanna UEKERMANN ("Juso-Chefin"), Simon HABERMAAß ("Verdi-Jugendsekretär"), der Grünen Jugend und der Linksjugend werden dem Verdikt "zu teuer" belegt und deshalb gar nicht erst genauer betrachtet.

FISCHER, Eva (2016): "Nicht jeder ist Dachdecker".
Paul Ziemiak: Der Jungpolitiker über die Rentenpläne der Jungen Union,
in:
Handelsblatt v. 18.05.

Die 26-jährige Eva FISCHER gibt die Stichworte für den 30-jährigen JU-Vorsitzenden Paul ZIEMIAK. Dieser kritisiert das teure Rentenpaket der schwarz-roten Koalition, nennt jedoch nur die "Rente mit 63" und die Gesamtkosten. Er unterschlägt also die wesentlich teuere Mütterrente - die Herzensangelegenheit von CDU/CSU.

Mit der Forderung nach einer Kopplung des Renteneintrittsalter an die statistische Lebenserwartung wähnt er sich bei Franz MÜNTEFERING und Wolfgang SCHÄUBLE in guter Gesellschaft. Zur Abfederung solle die Erwerbsminderungsrente verbessert werden. Zur Förderung der Profite von Finanzdienstleistern schlägt er die teilweise Nichtanrechnung von Riester-Leistungen auf die Grundsicherung im Alter vor, um für Niedriglöhner Anreize zu schaffen, in unlukrative Versicherungsprodukte zu investieren.

 
       
   

Die Pensionskassen in der Debatte

REZMER, Anke & Yasmin OSMAN (2016): Pensionskassen ächzen unter den Niedrigzinsen.
Die Finanzaufsicht nimmt die versicherungsförmigen Pensionsreinrichtungen ins Visier,
in:
Handelsblatt v. 18.05.

Einseitiger, faktenarmer und oberflächlicher Artikel zu den Problemen im Bereich der betrieblichen Altersversorgung. Es wird lediglich auf die Folgen für Unternehmen aufmerksam gemacht, während die Konsequenzen für die Arbeitnehmer ausgeblendet werden bzw. nur als Kostenfaktor in den Blick kommen. 

 
       
   

Die Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung in der Debatte

SCHWENN, Kerstin (2016): Mehr Rentenniveau kostet 52 Milliarden Euro.
Wer ein höheres Rentenniveau verlangt, darf die Rechnung nicht ohne den Wirt machen: Der Beitragssatz könnte dann schon 2024 auf mehr als 22 Prozent steigen, hat das IW ausgerechnet,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.05.

SCHWENN, Kerstin (2016): Teure Renten-Bastelei.
Kommentar,

in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.05.

PICHLER, Roland (2016): Koalition will die Renten stabilisieren.
Alterssicherung: Die große Koalition bereitet eine neue Rentenreform vor. Sie soll das Rentenniveau sichern,
in: Stuttgarter Zeitung
v. 18.05.

Roland PICHLER berichtet darüber, dass das CDU-Präsidium Jens SPAHN und Karl-Josef LAUMANN beauftragt hat, Vorschläge zu einer Rentenreform auszuarbeiten. Während PICHLER uns eine große Rentenreform noch 2017 in Aussicht stellt, deuten die Einsetzung einer Kommission und Vorschläge zu einer Untergrenze beim Niveau der gesetzlichen Rente nach 2030 eher auf eine Vertagung hin. PICHLER zitiert Martin ROSEMANN (SPD) und Peter WEIß ("rentenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion"). Letzterer bringt eine Kapitalrücklage ins Spiel, während ROSEMANN auch eine Steuerfinanzierung in Betracht zieht. Am Schluss wird auf die geplante Reform der betrieblichen Altersvorsorge und Vorschläge zur Reform der Riester-Rente von Anja KARLICZEK ("CDU-Finanzpolitikerin") hingewiesen, bei der es um die Nicht-Anrechnung der geförderten Altersvorsorge auf die Grundsicherung im Alter geht.

Ein Schaubild zeigt 5 Beispiele von Alterseinkünfte, die jedoch im Text nicht erläutert werden. Der Leser muss sich also selber seinen Reim darauf machen.  

PICHLER, Roland (2016): Es kommt auf die Balance an.
Kommentar: Es ist richtig, dass die Koalition gegen ein zu starkes Sinken künftiger Renten vorgeht,
in: Stuttgarter Zeitung
v. 18.05.

Roland PICHLER bleibt vage (siehe auch heutige Badische Zeitung)

REINERS, Willi (2016): "Es kostet viel Geld, das Rentenniveau zu erhöhen".
Interview: Der Vorsitzende des Sozialbeirats, Gert G. Wagner, warnt vor einer Rentenreform mit einer Gießkanne,
in: Stuttgarter Zeitung
v. 18.05.

 
       
   

Das Renteneintrittsalter und die Erhöhung der Erwerbsquote von Älteren in der Debatte

HEIDENREICH, Ulrike (2016): Gehen können, bleiben dürfen.
Ruhestand: Ja zur Flexi-Rente - denn es gibt mehr Lebensabschnitte als früher,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 18.05.

Ulrike HEIDENREICH schwärmt von den privilegierten Älteren, die mit 70 und 75 Jahren noch arbeiten können bzw. wollen. Das nicht immer freiwillige Weiterarbeiten wird als "neuer Lebensstil" vermarktet. Dazu wird der Popanz einer an die statistische Lebenserwartung gekoppeltes Renteneintrittsalter aufgebaut, um die Flexi-Rente in einem schönerem Licht zeichnen zu können.

"Wer nicht kann, weil er ausgelaugt ist, darf früher aufhören, ohne in Altersarmut und Ausgrenzung zu landen",

verspricht HEIDENREICH vollmundig. Die jungen Alten werden gepriesen:

"Das tradierte Bild von den drei Lebensabschnitten (...) ist um eine vierte Phase erweitert, die Zeit zwischen 65 und etwa 80 Jahren."

Man erinnert sich vielleicht an die Zeit Anfang des Jahrtausends und auch noch später als uns 75-Jährige als Hochbetagte und diese als pflegebedürftig beschrieben wurden. Sollte demnächst wieder statt der Rentenreform eine Pflegereform anstehen, werden uns nicht die rüstigen 80-Jährigen sondern die pflegebedürftigen 75-Jährigen vorgeführt. Alte nach Politikreformvorhaben!

GAMMELIN, Cerstin (2016): Rentenalter rauf, Niveau runter.
Arbeitgeber warnen vor Mehrbelastung der Jungen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 18.05.

Cerstin GAMMELIN referiert unkritisch das INSM-Gutachten.

BUNZENTHAL, Roland (2016): Das Niveau sinkt weiter.
Neoliberale Denkfabrik will Beschäftigte noch länger für ihre Rente arbeiten lassen,
in:
Neues Deutschland v. 18.05.

Roland BUNZENTHAL streut Gerüchte über eine geplante Rentenreform von Andrea NAHLES. Danach soll das derzeitige Rentenniveau von 47,6 Prozent als neue Untergrenze gelten, die Riester-Rente langfristig abgeschafft und zuletzt wird noch eine Rente mit 68 ins Spiel gebracht, eine Forderung, die auch der INSM zugeschrieben wird. BUNZENTHAL will darin Eckpunkte für Koalitionsverhandlungen nach der nächsten Bundestagswahl sehen.

"Pro Prozentpunkt, den das künftige Niveau nach oben von geltendem Recht abweicht, betragen sie rund sechs Milliarden Euro, hat die Rentenversicherung errechnet",

behauptet BUNZENTHAL. Diese Zahlen kursieren auch in anderen Mainstream-Zeitungen, wo sie jedoch nicht der Rentenversicherung zugeschrieben werden. Unkritisch werden auch die Berechnungen des INSM-Gutachtens wiedergegeben. Am Ende wird die Position der Linkspartei (Rentenniveau von 53 %; Ausbau des Rentensystems zu einer Erwerbstätigenversicherung) skizziert und als Hemmnis die "Privilegien der Beamten und Politiker" genannt.

BUNZENTHAL referiert noch eine DPA-Meldung zum Schmelzen der Rücklagen der Rentenversicherung und eine AFP-Meldung über das Positionspapier der BDA wird in einem Artikel mit der Überschrift Arbeitgeber stützen Riesterrente behandelt.

 
       
   

Die Lebensversicherer in der Debatte

FROMME, Herbert (2016): Der Manndecker bittet zum Rapport.
Erstmals müssen die Lebensversicherer ihre wahre Lage nach neuen Regeln melden,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 18.05.

 
       
   

Die Finanzialisierung in der Debatte

SOMMERFELDT, Nando & Holger ZSCHÄPITZ (2016): Die fatale Ignoranz der deutschen Sparer.
In einer Ära der Niedrigzinsen müssen die Deutschen ihren Anlagestil vollkommen ändern - ansonsten gefährden sie ihre Altersvorsorge,
in:
Welt v. 18.05.

SOMMERFELDT & ZSCHÄPITZ drohen den Deutschen mit Altersarmut, wenn sie nicht endlich ihr Geld in Aktien anlegen. Der BDI hat ihnen die Zahlen zum Anlageverhalten geliefert. Während die Deutschen ihr Geld aus kostengünstigen Indexfonds abziehen würden, legen sie lieber ihr Geld in zweifelhaften Fondsarten wie offenen Immobilienfonds oder Mischfonds an, kritisieren die Autoren. Zum Schluss wird das Mantra wiederholt:

"Im Kampf gegen Altersarmut sind Aktien (...) die einzige Option."

Zumindest werden jedoch nicht wie anderen Artikeln sagenhafte Renditen versprochen, sondern die Langfristigkeit einer solchen Anlage hervorgehoben. Wer also bald in Rente geht, sollte auf Aktien, die er jetzt erst erwirbt, nicht so bald angewiesen sein. Wer zu den Geringverdienern gehört, den dürften Aktien auch nicht vor der Altersarmut schützen, sondern nur eine Rentenreform, die diesen Namen auch verdient.

 
       
 

[ zum Seitenanfang ]

Zu den News vom 12. - 17. Mai 2016
 

   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
 
   

Bitte beachten Sie:
single-generation.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
 
  [ Glossar ] [ Übersicht der Themen des Monats ] [ Homepage ]
 
   
© 2000-2017
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Stand: 28. Mai 2017 Counter Zugriffe seit
dem 03.Juni 2002