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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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News 01.-08. November 2015
 
 
   
Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 20. - 26. August 2016

 
 
     
 
   

Zitate des Monats:

2015: Von 2015 bis 2020 wird die Bevölkerung deutlich schrumpfen und altern 

"In der zweiten Hälfte des laufenden Jahrzehnts wird die Bevölkerungszahl deutlich schrumpfen und gleichzeitig wird der Bevölkerungsanteil der höheren Altersgruppen immer weiter zunehmen."
(Christoph M. Schmidt

"Der demografische Wandel als große Herausforderung für Wirtschaft und Gsellschaft - ein Überblick", 2015, S.39)

2016: Wir leben in einem kurzen demografischen Zwischenhoch

"Die finanziellen Folgen für die GRV fallen nur deshalb bislang nicht so stark aus, weil die gute konjunkturelle Lage und die günstige Situation auf dem Arbeitsmarkt zu einer unerwartet positiven Entwicklung der Beitragseinnahmen geführt haben (...). Ebenso hat sich ein kurzes demographisches Zwischenhoch günstig auf die Ausgabenentwicklung ausgewirkt".
(
in: "Altersarmut statt Altersvorsorge" von FELD, Lars/KOHLMEIER, Anabell/SCHMIDT, Christoph M. im ifo Schnelldienst Nr.12 vom 23. Juni 2016, S.4)

 
       
       
   

DESTATIS (2016): 82,2 Millionen Einwohner am Jahresende 2015 – Bevölkerungszunahme durch hohe Zuwanderung,
in: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 26.08.

 
       
   

KNAUL, Susanne (2016): Das Recht auf Kinder.
Queer Familien: Lesben und Schwule sollten sich ihren Babywunsch mit Hilfe der Reproduktionsmedizin erfüllen können. Israel ist dafür ein Vorbild,
in:
TAZ v. 26.08.

 
       
   

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Serie (Teil 18)

GRÄBER, Berrit (2016): Vom richtigen Zeitpunkt.
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (18): Senioren sollten rechtzeitig ans Wohnen im Alter denken, denn Umzug oder Umbau brauchen Zeit,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 26.08.

Berrit GRÄBER stellt uns vor die beiden Alternativen altersgerechten Wohnens: Umzug oder Umbau. Dazu gibt es Ratschläge von Experten der Verbraucherzentrale NRW, der KDA und der BAG sowie Informationen zu Fördergeldern und Finanzierungsmöglichkeiten.

 
       
   

Der ländliche Raum und Mittelstädte im demografischen Wandel

ÖFINGER, Hans-Gerd (2016):  In 50 Jahren von der Karte getilgt.
Die Stadt Pirmasens gilt als "Armenhaus" von Rheinland-Pfalz,
in:
Neues Deutschland v. 26.08.

 
       
   

GEYER, Christian/KILB, Andreas/MÖNCH, Regina (2016): Ein Traum für Deutschland.
Gespräch mit Marina und Herfried Münkler: Hat die Flüchtlingsdebatte die Wirkung eines nationalen Jungbrunnens? Was heißt es, wenn man wie die Kanzlerin Migration im Kern für ein moralisches Projekt hält? Das Buch "Die neuen Deutschen" erzählt von einem Land, das seine besten Zeiten noch vor sich hat,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.08.

 
       
   

Das Single-Dasein in Frankreich

SCHUBERT, Christian (2016): Investitionen in die Mauern, nicht in die Menschen.
Seit den Aufständen in den Pariser Vorstädten hat sich baulich viel verändert, doch die sozialen Probleme sind größer denn je,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.08.

 
       
   

PICHLER, Roland (2016): Betriebe sollen nicht mehr für Rente haften.
Absicherung: Die Bundesregierung will die Betriebsrenten attraktiver machen und vor allem den kleinen und mittleren Unternehmen entgegenkommen. Die Firmen sehen das geltende Recht als Hindernis,
in:
Stuttgarter Zeitung v. 26.08.

"Das Finanzministerium und das Arbeitsministerium haben sich nach Informationen dieser Zeitung darauf verständigt, dass Untenehmen künftig nicht mehr die Betriebsrenten garantieren müssen",

behauptet Roland PICHLER. Aus einem Gutachten zitiert er Passagen, die den Unternehmenslobbyisten besonders genehm sind, nämlich die Abschaffung der Leistungszulagen. Unternehmen wären mit einer reinen Beitragszusage bei der Verantwortung für die Betriebsrente von Mitarbeitern ganz außen vor. Dieses System der so genannten "defined contributions" im Gegensatz zu den bisherigen "defined Benefits" existiert bereits in Großbritannien, das PICHLER jedoch nicht erwähnt, sondern lediglich die Schweiz. In Großbritannien führt dieses System nämlich derzeit zu Arbeitskämpfen um die Alterssicherung.

Die Risiken und Nachteile einer solchen Lösung für die Versicherten kommen bei PICHLER gar nicht erst in den Blick.

 
       
   

RASCH, Michael (2016): Mit Deutschland geht es strukturell bergab.
Der ausserordentliche milliardenhohe Haushaltsüberschuss überdeckt die Versäumnisse der jüngeren Jahre,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 26.08.

Der neoliberale deutsche Wirtschaftsjournalist Michael RASCH hetzt gegen die deutsche Politik, die angeblich die Agenda-Reformen zurückdrehe und den Konsum (durch Rente ab 63, Mütterrente und Elterngeld) statt die Investitionen stärke. Der engstirnige neoliberale Investitionsbegriff von RASCH umfasst jedoch nur Beton, aber kein Humankapital - weswegen Bildung und haushaltsferne Dienstleistungen kein Thema sind.

 
       
   

Das Single-Dasein in Japan

LATSOS, Sophia & Gunther SCHNABL (2016): Warum die lockere Geldpolitik die Geburtenraten sinken lässt.
Das Beispiel Japan zeigt: Die ultralockere Geldpolitik verschärft die Ungleichheit zwischen den Generationen zum Nachteil der Jüngeren,
in:
Wirtschaftswoche N.35 v. 26.08.

 
       
   

DACHSEL, Felix (2016): Werdet ihr mich streicheln wie diesen Mops?
Unser Autor hat sich 10.000 Profile auf der Dating-App Tinder angeschaut. Wie leben Alleinstehende heute? Was wollen sie? Und warum küssen sie alle Delfine? Ein Text zur Lage der Single-Nation,
in: Die ZEIT
Nr.36 v. 25.08.

Es ist noch nicht lange her, da wurden uns Singles als Alleinlebende präsentiert, heutzutage sind sie nur noch alleinstehend, partnerlos oder bestenfalls mit dem falschen Partner zusammen. Also auf jeden Fall immer auf der Suche nach dem besseren Partner oder dem besseren Sex. Und meist werden Singles mit ihren Profilen auf Dating-Seiten verwechselt. Wer glaubt dadurch etwas über die Single-Nation zu erfahren, der ist selber schuld! Nur weil Journalisten zu faul zur Recherche sind (oder keine Zeit dazu haben/bekommen), müssen wir uns mit Interpretationen von Selbstdarstellungen begnügen.

 
       
   

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Serie (Teil 17): Das neue Leben als Rentner.
Warum viele junge Alte ins Reisebüro gehen oder den Möbelwagen bestellen

KUNTZ, Michael (2016): Umzug ins Ungewisse.
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (17): Manche Senioren suchen im Ruhestand ihr Glück in der Ferne. Sie gehen ins Ausland oder in Gegenden, wo schon viele Gleichaltrige leben. Die mobilen Alten - ihre Hoffnungen, ihre Enttäuschungen,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 25.08.

Michael KUNTZ nimmt - wie schon Catrin KAHLWEIT - eine Pressemeldung der Deutschen Rentenversicherung Bund zu den Auslandsrenten im Jahr 2015 zum Anlass, um diese seltene Spezies (ca. 1 Prozent der Rentner) als Rahmen für jene Rentner zu nehmen, die im Alter noch umziehen, wobei KUNTZ sich zum einen auf die Luxusvariante (Tegernsee, Baden-Baden) und zum anderen auf die Billigvariante (Wilhelmshaven, Nordhessen) konzentriert, während ihm der Normalo zu uninteressant ist. Schon Gerhard MATZIG hat Benachteiligten das Wohnen in attraktiven Städten abgesprochen. Bei KUNTZ wird dieses Prinzip auf die Rentner angewandt:

"Auch wenn das oft anders gesehen wird, aber ein Anspruch darauf, dort im Alter wohnen zu bleiben, wo man gearbeitet hat und sich nun den Ruhestand nicht mehr leisten kann - einen solchen Anspruch mag es politisch geben, rechtlich gibt es ihn jedenfalls nicht. Also wird mancher Umzug schlicht uns spaßfrei der Senkung der Kosten für die Lebenshaltung dienen."

Das Stadtmarketing von Görlitz hat auch in KUNTZ einen Fan, wobei die Verzweifelung deutlich wird, wenn familienlosen Singles die östliche Grenzstadt folgendermaßen schmackhaft gemacht werden soll:

"Da immer mehr Singles alt werden, spielt es bei der Ortswahl auch keine so große Rolle mehr wie früher, ob die Familie in der Nähe wohnt. Wo Angehörige sich nicht besuchen, ist letztlich egal."

KUNTZ, Michael (2016): Das Schiff ist das Ziel.
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (17): Reiche Senioren gehen auf Kreuzfahrt anstatt ins Altenheim,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 25.08.

 
       
   

Die globalisierte Dienstleistungsgesellschaft in der Debatte

BISKY, Jens (2016): Wir Dienstherren.
Putzfrauen, Pizzaboten, Pflegehelfer: In seinem Essay "Die Rückkehr der Diener" erkundet Christoph Bartmann die neuen Heinzelmännchen-Ökonomie - unser Haushalt erweist sich als zentraler Kampfplatz der Gegenwart,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 25.08.

 
       
   

WERDERMANN, Felix (2016): "Die Spitzenmanager sind im Vergleich nur arme Schlucker".
Michael Hartmann ist Soziologe und erforscht Reichtum, die hiesige Elite und wie sich Macht vererbt,
in:
Freitag Nr.34 v. 25.08.

 
       
   

REUTER, Timo (2016): Bei 917 Euro netto geht es los.
Fakten: Ein Blick auf die richtigen Zahlen hilft, Deutschlands Armut und ihre Zusammenhänge besser zu verstehen,
in:
Freitag Nr.34 v. 25.08.

"Laut Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes für 2014 beträgt das Nettoäquivalenzeinkommen, das Einkommen von Personen aus unterschiedlich großen Haushalten vergleichbar macht, 1.528 Euro. Die Armutsschwelle liebt bei 917 Euro monatlich",

erklärt uns Timo REUTER das Medianeinkommen einer Person, das jedoch nicht mit jenem Einkommen übereinstimmt, das uns Simon POELCHAU in der Zeitung Neues Deutschland präsentiert hat.

REUTERs Artikel befasst sich - eher oberflächlich - mit unterschiedlichen Armutsdefinitionen und ihren Unterschieden.

 
       
   

BAUREITHEL, Ulrike (2016): Politik der Bierdeckel.
Wahlen: Derzeit überbieten sich die Parteien mit Ideen für eine Steuerreform. Aber eines fehlt: der Blick für den sozialen Zusammenhalt,
in:
Freitag Nr.34 v. 25.08.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

GRUNDLEHNER, Werner (2016): Und dann war die Altersvorsorge weg.
Bundesgerichtsentscheid wirft Schlaglichter auf unabhängige Vermögensverwaltung,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 25.08.

SCHÖCHLI, Hansueli (2016): Privilegien für Rentner zulasten der Jungen.
In der schweizerischen Altersvorsorge herrscht grosse Ungerechtigkeit,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 25.08.

ENZ, Werner (2016): Magere Zinsen plagen die Schweizer Pensionskassen.
Schwächere Anlageergebnisse und übersetzte Rentenleistungen führen zu einer schlechteren Risikofähigkeit,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 25.08.

 
       
   

ECKERT, Daniel (2016): Von Protest gegen Rentenpolitik keine Spur.
Die Jugendorganisationen der Parteien zeigen sich meist langmütig. Wichtig ist ihnen: Das Niveau der Altersbezüge darf nicht weiter sinken,
in:
Welt v. 24.08.

Daniel ECKERT, Jahrgang 1970 und neoliberaler Befürworter von TTIP sowie Gegner einer Stabilisierung des Niveaus der gesetzlichen Rente, will die Jungen gegen eine Änderung der Weiter-so-Rentenpolitik aufhetzen. Dumm nur, dass selbst die Jugendorganisationen der Altparteien ebenfalls gegen eine weitere Absenkung des Rentenniveaus sind. Lediglich die neoliberale Bertelsmann-Stiftung hat ECKERT an seiner Seite. Deren Lobbyist Daniel SCHRAAD-TISCHLER schwadroniert von "elderly bias", wenn es um Tendenzen des Altersrassismus geht. Wer wie ECKERT nur in den Jüngeren die Hüter richtiger Politik sieht, der will eine ganze Bevölkerungsgruppe diffamieren, obwohl es in jeder Altersgruppe unterschiedliche Positionen gibt. Der Kampfbegriff "Generationengerechtigkeit" soll eine öffentliche Debatte über die richtige Rentenpolitik verhindern genauso wie die Diffamierung ganzer Altersgruppen.

Angesichts der permanenten Kapitalmarktkrisen kommen die Verfechter einer Kapitaldeckung offenbar unter Druck, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Chile, dem Vorzeigeland unserer Neoliberalen. Dort hatte die Militärdiktatur die Kapitaldeckung rücksichtslos durchsetzen können, was unsere Eliten gerne ebenfalls gemacht hätte. Blöd nur, dass wir eine Demokratie hatten und deshalb nur eine Ergänzung des Umlagesystems erdulden müssen.   

 
       
   

ERDLAND, Alexander (2016): Staatsrente mit Schwächen.
Gastkommentar: Erdland begrüßt neue Ansätze in der Altersvorsorge. Für die Umsetzung sollte aber die Wirtschaft sorgen,
in:
Handelsblatt v. 24.08.

Alexander ERDLAND, Präsident der Versicherungslobby GDV, lobt die geplante Betriebsrentenreform. Er sieht hier ein großes Potenzial möglicher Profite:

"Denn über die Firmen können 35 Millionen Arbeitnehmer erreicht werden, von denen immerhin 40 Prozent noch keinerlei Betriebsrentenanspruch erworben haben."

ERDLAND setzt auf Zwangsmaßnahmen, denn damit werden die Profitmöglichkeiten erhöht, was er uns natürlich als "geringere Kosten" anpreist. Dem Staat unterstellt er Unfähigkeit in Sachen Kapitaldeckung, denn nur die Versicherungswirtschaft ist unser wahrer Freund. Der Staat solle den Rahmen vorgeben, damit die Versicherungswirtschaft den Staat als Buhmann geißeln kann. Die Gewinne privatisieren und die Verluste sozialisieren ist das Motto der Versicherungswirtschaft. Der Staat dient als reines Schmiermittel, damit dies möglichst reibungslos funktioniert.

Das Niedrigzinsniveau ist für ERDLAND kein Problem, wenn dadurch die Sparanstrengungen der Deutschen erhöht werden können. Wenn sich der Zins halbiert, dann heißt das lediglich, dass die Anleger doppelt so viel sparen müssen. Zudem ködert uns ERDLAND mit einem zukünftigen Zinsanstieg. Glücklich, wer den noch vor seinem Ruhestand erlebt!

 
       
   

CREUTZBURG, Dietrich u.a. (2016): Was vom Koalitionsvertrag übrig bleibt.
Die Uhr tickt für die große Koalition. Noch ein Jahr bleibt Union und SPD, um zu regeln, was sie sich 2013 vorgenommen hatten - oder was an Pflichtaufgaben hinzugekommen ist. Eine Übersicht,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.08.

In der Rentenpolitik gibt es gemäß Koalitionsvertrag nur drei offene Projekte: die Reform der Betriebsrenten, die Angleichung der Ostrenten und die Lebensleistungsrente. Die Autoren hoffen darauf, dass vor der Wahl nur noch die Reform der Betriebsrenten umgesetzt werden kann und können dabei auf die Stärke der Neoliberalen in der schwarz-roten Regierung setzen.

Für uns heißt die rentenpolitische Analyse der FAZ, dass vor Oktober, wenn "kostspielige Reformideen zur gesetzlichen Rente auf der Tagesordnung (stehen:)(...) also Lebensleistungsrente, Rentenniveau und Ostrenten", eine massive öffentliche Kampagne aller Mainstreamzeitungen gegen solche Reformen zu erwarten ist - falls dieser Zeitplan nicht noch durcheinander gewirbelt wird. Unterstützt werden solche massiven Kampagnen von Anzeigenkampagnen der Unternehmenslobby INSM, wie das schon im April der Fall war.

Gewerkschaften, die eigenen Versorgungswerke der betrieblichen Altersversorgung betreiben (z.B. IG Metall, IG BCE und IG Bau), haben kein allzu großes Interesse an einer Stabilisierung des Niveaus der gesetzlichen Rente, sondern hoffen den Druck nutzen zu können, um ihre Machtposition durch die betriebliche Altersversorgung ausbauen zu können. Vor allem Ver.di und DGB sind deshalb jene Akteure, die Druck hinsichtlich einer Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung aufbauen werden. Auch von daher ist die FAZ-Analyse sicher realistisch, was die Umsetzung der Reform der Betriebsrenten betrifft. 

 
       
   

HOCK, Martin (2016): Investieren geht vor Studieren.
Finanzplanung mit Mitte fünfzig (4): Wer das Studium der Kinder finanzieren will, sollte früh daran denken,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.08.

 
       
   

LUDWIG, Kristiana (2016): Unfreiwilliger Ruhestand.
Jobcenter schicken immer mehr Hartz-IV-Empfänger in Rente.
in: Süddeutsche
Zeitung v. 24.08.

Kristiana LUDWIG berichtet über eine Ostdeutsche, die durch das Jobcenter 7 Monate vor ihrer regulären Regelaltersgrenze in die Rente geschickt wurde. Nun kämpft sie vor dem Sozialgericht gegen diese unfreiwillige Versetzung in den Ruhestand.

LUDWIG stellt dieses Fallbeispiel in den Rahmen einer angeblich weithin praktizierten Vorgehensweise von Jobcentern. Dazu zitiert sie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linkspartei:

"Während im Jahr 2008 rund 10.000 63-Jährige aus dem Hartz-IV-Bezug ausschieden, waren es 2015 knapp 39.000 Menschen in diesem Alter. Im selben Jahr wurden aber nur 1.745 Hartz-IV-Empfänger mit 63 in Arbeit vermittelt."

Aus diesen absoluten Zahlen wird nicht ersichtlich, inwiefern der Anstieg auf den Anstieg der 63-Jährigen (also demografisch bedingt) ist, bzw. inwiefern wir es hier mit einer vermehrten Praxis zu tun haben. Dazu müssten uns relative Zahlen zu beiden Größen präsentiert werden. Hier soll also suggeriert werden, dass wir es mit einer vermehrten Praxis zu tun haben. Ein Ausscheiden aus dem Hartz-IV-Bezug ist jedoch nicht mit einer Zwangsverrentung identisch. Dazu gibt es leider keine Statistik, sondern wir bewegen uns hier auf spekulativem Gebiet.

LUDWIG stellt uns zwei Interpretationsmöglichkeiten zu diesem Sachverhalt vor: zum einen Markus WAHLE ("Berliner Arbeitslosenberater") und zum anderen Matthias W. BIRKWALD ("rentenpolitischer Sprecher der Links-Fraktion"). Während Letzterer die Jobcenter bezichtigt, ihrer Pflicht zur Förderung älterer Arbeitnehmer nicht nachzukommen, sieht WAHLE den Mangel an Arbeitsplätzen für ältere Arbeitnehmer als Ursache des Problems. Diese Sicht vertritt auch - in einem anderen Zusammenhang - Thomas ÖCHSNER. Seit dem Jahr 2008 - also im Zusammenhang mit der Erhöhung des Renteneintrittsalters - fallen über 58-jährige Arbeitslose nicht mehr - wie seit 2005 - aus der Arbeitslosenstatistik heraus. Aufgrund des rhetorischen Politikwechsels, gelten seitdem diese älteren Arbeitnehmer als Aktivierungspotential.

BIRKWALD weist darauf hin, dass Ostdeutsche von Zwangsverrentungen - auch gemäß dem Gesetzentwurf zur Flexi-Rente - vermehrt von Zwangsverrentungen betroffen werden können:

"Im Vorschlag einer Koalitionsarbeitsgruppe für »flexible Übergänge vom Erwerbsleben in den Ruhestand« steht (...), dass Jobcenter künftig keine Rentenanträge mehr stellen dürfen, wenn die Abschläge beim Rentner später eine Bedürftigkeit verursachen."

Weil die Renten von Ostdeutschen (was bereits eine Vereinfachung der Sachlage darstellt!) häufiger als bei Westdeutschen um die 1.000 Euro liegen, sieht BIRKWALD sie nicht unter die geplanten Ausnahmeregelungen fallen. Zwangsverrentungen würden also zukünftig in Ostdeutschland einfacher durchsetzbar sein als in Westdeutschland.    

 
       
   

Die Broschüre Bekämpfung von Altersarmut. Vorschläge und Forderungen des SoVD in den Medien

SAUER, Stefan (2016): Rezepte gegen die Altersarmut.
Analyse: Der Sozialverband Deutschland stellt zahlreiche Forderungen für eine bessere Absicherung im Alter auf. Sie laufen auf eine vollständige Abkehr von den vergangenen Rentenreformen hinaus,
in: Frankfurter Rundschau
v. 24.08.

Stefan SAUER reduziert den Forderungskatalog des Sozialverbands Deutschland (SoVD) zur gesetzlichen Rente auf die Armenfürsorge. Mit der nur noch teilweisen Anrechnung der Riester-Rente auf die Grundsicherung im Alter macht er sich zum Interessenvertreter der Finanzdienstleistungsbranche, die das schon lange fordert. Ansonsten gilt ihm nur noch die Anhebung der Erwerbsminderungsrente als "Gebot der Gerechtigkeit". Der Rest ist für ihn indiskutabel.

SCHREDLE, Minh (2016): Kampagne gegen Altersarmut.
Kampagne: Sozialverband Deutschland fordert: Die Rente soll wieder den Lebensstandard sichern,
in:
TAZ v. 24.08.

Minh SCHREDLE hebt vor allem die Einbeziehung von Selbständigen in die gesetzliche Rentenversicherung hervor und die Anhebung des Mindestlohns als Maßnahme zur Vermeidung einer Grundsicherung im Alter, selbst nach 45 Beitragsjahren. Er bezieht sich auf Aussagen des SoVD-Präsidenten Adolf BAUER.

LAMBECK, Fabian (2016): 35 Milliarden Euro gegen Altersarmut.
Der Sozialverband Deutschland hat sein Konzept für eine angemessene Rente präsentiert,
in:
Neues Deutschland v. 24.08.

Fabian LAMBECK stellt die Forderungen des SoVD vor und weist darauf hin, dass die Einnahmesituation der Rentenversicherung im Jahr 2011 verschlechtert worden sei, was zurückgenommen werden soll:

"Der Verband drängt (...) darauf, dass für Hartz-IV-Bezieher »sachgerechte Beiträge« in die Rentenkasse gezahlt werden. Im Januar 2011 wurden die Pflichtbeiträge für Langzeitarbeitslose, die bis dahin vom Amt gezahlt wurden, Opfer eines »Sparpakets« der damaligen schwarz-gelben Bundesregierung. Seitdem werden keine Beiträge mehr abgeführt."

Die Vorschläge zum Bundeszuschuss erklärt uns LAMBECK folgendermaßen:

"Der Verband schlägt vor, den Bundeszuschuss aus Steuern für versicherungsfremde Leistungen in der Rente um mindestens 20 Milliarden Euro anzuheben. Das würde den bestehenden Rückstau von 13 Milliarden Euro abdecken."

In der Broschüre des SoVD heißt es dagegen:

"Mehreinnahmen sind auch durch eine deutliche Erhöhung des Bundeszuschusses zu erreichen, denn viele der vorgeschlagenen Leistungsverbesserungen sind Leistungen des sozialen Ausgleichs, die nicht aus Beitragsmitteln, sondern vom Steuerzahler zu finanzieren sind. Hinzu kommt, dass der Bundeszuschuss schon heute nicht ausreicht, um die sogenannten versicherungsfremden Leistungen abzudecken, und daher zusätzlich um circa 20 Milliarden Euro erhöht werden müsste." (2016, S.7)

LAMBECK präsentiert uns zwei Stellungnahmen: zum einen Katja KIPPLING, Parteivorsitzende der Linkspartei, die die Vorschläge begrüße und zum anderen die ablehnende Haltung des IW Köln.

RT (2016): Mehr Ältere mit wenig Geld.
Fast 16 Prozent aller Rentner armutsgefährdet,
in:
Neues Deutschland v. 24.08.

Die Befürworter der Kapitaldeckung argumentieren mit der Angewiesenheit auf die Grundsicherung im Alter, während die Armutsgefährdung der 65-Jährigen und Älteren wesentlich höher liegt:

"Als armutsgefährdet gelten Menschen, die über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügen. Zuletzt lag die Schwelle in Deutschland bei einer alleinstehenden Person bei 917 Euro im Monat. (...).
Zuletzt waren in Deutschland 15,4 Prozent aller Bürger armutsgefährdet, unter den Rentnern und Pensionären war der Anteil mit 15,6 Prozent sogar etwas höher."

Die Broschüre des SoVD erklärt uns die Armutsgefährdung dagegen folgendermaßen:

"Entsprechend einer Bedarfsgewichtung markiert ein verfügbares Einkommen von weniger als 60 Prozent des MedianEinkommens die sogenannte Armutsgefährdungsschwelle. Der Median als Mittelwert in der Statistik teilt einen Datensatz in zwei gleich große Hälften, sodass die Werte in der einen Hälfte nicht größer und in der anderen Hälfte nicht kleiner sind als der Medianwert selbst. Nach den Ergebnissen des Mikrozensus galten im Jahr 2014 beispielsweise Einpersonenhaushalte mit einem monatlichen Einkommen von weniger als 917 Euro als einkommensarm oder armutsgefährdet. Die Armutsgefährdungsquote gibt wiederum an, wie hoch der Anteil der armutsgefährdeten Personen an der Gesamtbevölkerung ist. Sie lag im Jahr 2013 für das Gebiet der Bundesrepublik bei 15,5 Prozent. Für Menschen im Alter von mindestens 65 Jahren ergab sich laut Statistischem Bundesamt für dasselbe Jahr eine Armutsgefährdungsquote von 14,3 Prozent." (2016, S.9)

In den Medien kursieren derzeit über die Armutsschwelle sehr verschiedene Interpretationen. Timo REUTER spricht im Freitag von "alleinstehenden Personen". Diese können jedoch in Ein- und Mehrpersonenhaushalten leben. Die Broschüre vom SoVD spricht dagegen von Einpersonenhaushalten. Für die Armutsgefährdungsschwelle ist es jedoch nicht unerheblich, ob jemand allein wirtschaftet oder zusammenwirtschaftet, weil das Leben je nach Haushaltskontext unterschiedlich teuer ist. Weder die Angaben in der ND noch die Zahlen des SoVD stimmen jedoch mit den Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Armutsgefährdung überein (2013; 2014). 

 
       
   

PFEIFFER, Hermannus (2016): Rentenkrise im Betrieb.
Die zweite Säule der Altersvorsorge ist brüchig - und Reformvorschläge sind umstritten,
in:
Neues Deutschland v. 24.08.

Hermannus PFEIFFER liefert einen reichlich konfusen Bericht über die Situation der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) ab. Sie sei älter als die gesetzliche Rentenversicherung und friste - außer beim Öffentlichen Dienst ein Schattendasein. Erst 2002 sei das dank Riester-Rente etwas besser geworden:

"Um die Gewerkschaften ins Boot zu holen, setzte IG-Metaller Riester eine Gleichstellung von betrieblicher Altersvorsorge mit privater durch. (...). Mittlerweile gehören die »Metallrente« der IG Metall oder die »BauRente« der IG Bau zu den großen Rentenfonds-Akteuren. Allerdings verzichten sie darauf, wie US-amerikanische Vorbilder Einfluss auf Unternehmensstrategien zu nehmen."

Dass die Gleichstellung später teilweise wieder einkassiert wurde, das verschweigt uns PFEIFFER allerdings. Den gängigen Begriff Entgeltumwandlung ersetzt PFEIFFER durch Gehaltsverzicht, aber das dahinter stehende Problem der Wechselwirkung von Entgeltumwandlung und gesetzlicher Rente wird nur unzureichend und verfälscht dargestellt.

"Große Unternehmen haben zunehmend Schwierigkeiten, ihre direkt zugesagten Betriebsrenten zu finanzieren. Geht ein Unternehmen pleite, springt zwar in den meisten Fällen der Pensions-Sicherungs-Verein ein. Die insgesamt 20 Millionen Verträge dürfen als sicher gelten. Nicht aber die Renditen",

erklärt uns PFEIFFER, indem er unterschiedliche Aspekte der bAV zusammenwirft, sodass dem Leser letztlich unklar bleiben muss, was PFEIFFER hier meint, denn es gibt fünf Durchführungswege, die sich stark unterscheiden und die mit ganz unterschiedlichen Problemen verbunden sind (vgl. Soziale Sicherheit 2016, Heft 6).

Zum Schluss wird auf die geplante Reform des Betriebsrentengesetzes eingegangen. Die Kritik der Gewerkschaft ver.di gilt der - nicht unberechtigten - Gefahr, dass dies zulasten der gesetzlichen Rente gehen könnte.   

 
       
   

ECKERT, Daniel (2016): Erwerbsunfähige erhalten mehr Rente.
Neues Berechnungssystem bringt höhere Bezüge,
in:
Welt v. 23.08.

Das Rentenpaket 2014 wurde von Neoliberalen auf die Rente ab 63 und die Mütterrente reduziert. Dass Erwerbsunfähige ebenfalls profitierten, das ging im Wehklagen meist unter. Daniel ECKERT befasst sich nun mit den Verbesserungen, die jetzt erst statistisch sichtbar werden. Die Welt kompakt bringt nur eine abgespeckte Version des Artikels, in dem die Strukturdaten fehlen.

 
       
   

SELL, Friedrich L. (2016): Zwei Rentner-Kohorten.
Alterssicherung,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 23.08.

"Das Neue ist offensichtlich die simultane Existenz von zwei Rentner-Kohorten innerhalb einer einzigen Familie",

erklärt uns Friedrich L. SELL, als ob das eine Neuigkeit wäre. Vom Vier-Generationen-Vertrag sprach schon Anfang des Jahrtausends die Altersforscherin Ursula LEHR (CDU). SELL leitet daraus jedoch ab, dass das Umlageverfahren deswegen vom Kapitaldeckungsverfahren ergänzt werden muss. Eine nachvollziehbare Begründung fehlt jedoch. Hinzu kommt noch, dass SELL den Exportüberschuss in Deutschland ebenfalls aus der Altersversorgung herleitet:

"Solange Deutschland diesen hat und demgemäss netto Kapital exportiert, leidet die heimische Altersversorgung offensichtlich keine Not. (...). Denkbare Schuldenschnitte und/oder Abschreibungen von Target-Forderungen innerhalb der Euro-Zone werden die zukünftige deutsche Altersversorgung in mehr oder weniger grosse Schwierigkeiten bringen."

Dies ist auf alle Fälle eine Rechtfertigung deutscher Austeritätspolitik, ob diese jedoch einer empirischen Überprüfung standhielte, das wäre eine ganz andere Frage.

 
       
   

LOOMAN, Volker (2016): Die Unruhe des Unternehmers im Ruhestand,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.08.

 
       
   

Die Altersvorsorge in Chile in der Debatte

MOS (2016): Massenproteste gegen Chiles privatisierte Rente.
Eine Ikone des Wirtschaftsliberalismus steht unter Beschuss. Die Chilenen fordern die Rückkehr zum Umlagesystem und strafen Politiker ab,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.08.

Die FAZ berichtet anlässlich der zweiten Großdemonstration gegen die kapitalgedeckte Altersversorgung, das einstige Vorzeigeprojekt der Neoliberalen:

"Die meisten Chilenen erhalten gemäß den herrschenden Regeln eine wesentlich geringere Rente als die bei der Einführung des Systems in Aussicht gestellten 70 Prozent des letzten Arbeitseinkommens. Die Durchschnittsrente liegt bei 38 Prozent des letzten Gehalts. 90 Prozent der Rentner erhalten weniger als umgerechnet 206 Euro monatlich. Das entspricht nur etwa der Hälfte des gesetzlichen Mindestlohn".

Und was erstaunen muss: Die abhängig Beschäftigten in Chile müssen 10 Prozent ihres Bruttolohns in den Pensionsfonds abführen, der das einstige Umlagesystem ersetzte. Die Deutschen sollen nach den Vorstellungen des VZ Vermögenszentrums den gleichen Anteil in die ergänzende Altersvorsorge einzahlen. Vor diesem Hintergrund wird der Betrug offensichtlich. Hinzu kommt, dass in Chile weder der Staat noch die Arbeitgeber einen Beitrag zur Kapitaldeckung leisten. Das Renteneintrittsalter liegt mit 60 Jahren bei den Frauen und 65 Jahren bei den Männern niedriger als in Deutschland.

"Chiles Rentenmodell hat zwar die inländische Kapitalbildung erhöht und über Jahrzehnte das Wirtschaftswachstum angekurbelt. Doch die Hauptaufgabe, die Sicherung einer ausreichenden Altersversorgung, wurde bisher nicht erreicht",

wird uns erläutert, als ob es sich nicht um einen Systemfehler handele, sondern nur ein paar Korrekturen nötig wären. Entsprechend will die Regierung in Chile nicht - wie fast zwei Drittel der Bevölkerung und die Protestbewegung gegen die AFP (der Name der korrupten privaten Verwaltungsgesellschaft des Pensionsfonds) - das System kippen, sondern mit geringfügigen Änderungen (die Arbeitgeber sollen nun 5 Prozent einzahlen und Frauen erst mit 65 Jahre in Renten gehen dürfen).

"Weltweit sind 33 andere Länder bei Rentenreformen dem chilenischen Beispiel gefolgt, zumeist jedoch in deutlich weniger radikaler Form. Im Nachbarland Argentinien wurde ein gemischtes System schon nach wenig mehr als einem Jahrzehnt wieder komplett auf das Umlageverfahren umgestellt",

wird uns erzählt. Wir sollten uns ein Beispiel an der Mehrzahl der Länder nehmen und unsere ergänzende Kapitaldeckung höchstens für jene reservieren, die Einkünfte oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze beziehen. Die Beitragsbemessungsgrenzen könnten dann abgeschafft werden und dafür die gesetzliche Rente für jene mit höheren Einkünften auf eine Grundsicherung im Alter reduzieren. Die Mehreinnahmen könnten dann der Stabilisierung des Niveaus der gesetzlichen Rente zugute kommen.

MARTI, Werner J. (2016): Pensionsfonds unter Beschuss.
Landesweite Demonstrationen in Chile setzen Präsidentin Bachelet zu,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 24.08.

Werner J. MARTI erklärt uns, dass eine Stiftung die Machenschaften des privaten chilenischen Pensionsfonds aufgedeckt haben, die ca. 171 Milliarden Dollar nach Gutsherrenart investieren - oder eben auch nicht, sondern Gewinne anhäufen, während die Rentner mit niedrigen Renten abgespeist werden.

"Zur Unzufriedenheit beigetragen hat die Untersuchung einer Stiftung, wonach die AFP in den ersten zehn Monaten 2015 ihre Gewinne um 71 Prozent zu erhöhen vermochten, derweil die Chilenen ihre Gürtel wegen des Konjunkturabschwungs enger schnallen mussten",

berichtet MARTI lapidar, denn Neoliberalen begrüßen solche Sparpolitik zulasten der Rentner und zum Wohle der Profite der Wirtschaft. Die Regierung hat nun vorgeschlagen, eine Chile-Rente als Konkurrenzprodukt zu etablieren. Diese Verzweiflungstat erinnert an die schwarz-grünen Vorschläge, die von Kapitaldeckungsfans gerne goutiert werden. Die chilenische Protestbewegung will dagegen die Abschaffung dieses Systems, bei denen die Rentner die Dummen sind. Man darf also gespannt sein, ob das südamerikanische Beispiel auch in Europa Schule macht.

STEINIGER, Peter (2016): Gegen Pinochets Erbe.
Protestmärsche in Chile für ein solidarisches Rentensystem. Wegen unrentabler Fonds droht Millionen Beschäftigten Altersarmut,
in:
junge Welt v. 23.08.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

FREIBERGER, Harald & Charlotte THEILE (2016): Runter vom Gipfel.
Viele Menschen fragen sich: Wie tief können die Zinsen noch in Minus sinken? Da lohnt ein Blick in die Schweiz. Dort ist man schon viel weiter - also niedriger. Das bereitet dem einst so stabilen Land große Probleme,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 23.08.

 
       
   

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Serie (Teil 16)

BOHSEM, Guido & Thomas ÖCHSNER (2016): "Den Rentnern geht es so gut wie noch nie".
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (16): Jens Spahn hat schon Morddrohungen bekommen, weil er sagt, was er denkt. Jetzt schlägt der Finanzstaatssekretär vor, die private und die betriebliche Vorsorge zu reformieren - und länger zu arbeiten,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 22.08.

Jens SPAHN betätigt sich als Sprachrohr der Unternehmenslobbyisten und der Finanzdienstleistungslobby, die in der Kapitaldeckung ihre Profitinteressen am besten gewahrt sehen, weil Versicherungsmathematik keinen sozialen Ausgleich vorsieht. SPAHN baut einerseits das Feindbild IG Metall auf, um der Gewerkschaft andererseits in Sachen betrieblicher Altersvorsorge ("Metallrente") entgegenzukommen.

Beim Renteneintrittsalter will SPAHN einfach die bisherige Regelung über die Jahrgänge ab 1964 hinaus verlängern:

"Die derzeitige Regelung, nach der pro Jahr ein Monat länger gearbeitet werden muss, bis 2031 die Rente mit 67 erreicht ist, halte ich für vernünftig. Die sollte man auch für die Zeit nach 2030 beibehalten."

Im Prinzip läuft dies auf den Bundesbankvorschlag einer Rente mit 69 bzw. SCHÄUBLEs Rente mit 70 hinaus. Hier zeigt sich SPAHN also genauso wenig als Vordenker wie andersweitig, sondern als bloßer Mitläufer. Von daher ist die Umschreibung der SZ, er gehöre zum "politischen Inventar" berechtigt, denn Inventar steht nur herum, statt neue Impulse zu setzen.

Gerne nimmt er seinen Vater - einen Besserverdienenden - als Beispiel, um seine Forderungen für diese gut situierte Rentner-Zielgruppe zu begründen. Dies wird deutlich, wenn er bei der betrieblichen Altersvorsorge ausgerechnet die Direktversicherung anführt, mit der sich Leitende Angestellte wie sein Vater eine Luxusrente gönnen können (vgl. KERSCHBAUMER 2016).

Bei der Riester-Rente will SPAHN "höhere Renditen" zulassen, eine Lieblingsvokabel der Finanzdienstleistungslobbyisten, die damit die Abschaffung des Garantiezinses meinen. Man sollte sich an die vollmundigen Rendite-Versprechungen vor 10 bis 20 Jahren erinnern, ohne die eine Riester-Rente niemals durchsetzbar gewesen wäre. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan und kann nun gehen! Dass höhere Renditen mit höheren Risiken einhergehen, das verschweigt er jedoch - schließlich tragen diese ja allein die Versicherten. Selber schuld!

Wer einen Renten-Wahlkampf führen möchte - statt einen Steuersenkungswahlkampf wie die obere Mittelschicht ihn sich wünscht -, der wird als Totengräber der Republik diffamiert. Mit Hilfe der Demografisierung gesellschaftlicher Probleme wurde bekanntlich schon die Weimarer Republik von den angeblichen Demokraten in ihren Grundfesten erschüttert und der Nationalsozialismus dadurch salonfähig gemacht.

Im Kleingedruckten wird zu Jens SPAHN vermerkt, dass er mit Unterstützung der unternehmensfreundlichen (wird natürlich verschwiegen!) Senioren-Union der CDU ins Präsidium der Partei gehievt wurde. Im Großgedruckten wird er dagegen gerne zum Renten-Rebellen stilisiert.  

 
       
   

RICHTER, Peter (2016): Botox der Jugend.
Auch in Deutschland entwickelt sich das Schimpfen über weiße alte Männer zum Volkssport. Eine kleine Polemik gegen ein trübes Vergnügen,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 22.08.

 
       
   

DOEMENS, Karl (2016): Rentendebatte nimmt Fahrt auf.
Dass die Deutschen erstmals seit Jahren wieder früher in den Ruhestand gehen, muss die Regierung beunruhigen,
in: Frankfurter Rundschau
v. 22.08.

Karl DOEMENS, neoliberaler Einpeitscher der FR hat Zeitung gelesen und präsentiert uns zum wiederholten Male die Lobbyisten der Finanzdienstleister und der Arbeitgeber, die in einer Erhöhung des Renteneintrittsalters ihre Profitinteressen am besten vertreten sehen. Wissenschaftlich werden diese Interessen von Bert RÜRUP und Axel BÖRSCH-SUPAN als Befürworter der Kapitaldeckung flankiert.

Statt uns aufzuklären, wird uns jedoch - wie bereits in der Schwesterzeitung FAS - nur mittels Dampfhammermethode - ein wirres Sammelsurium von Vorstellungen der letzten Wochen (diese können alle auf dieser Website nachgelesen werden) präsentiert, die für uns weder vergleichbar noch nachvollziehbar sind. Da werden Zahlen zu Renteneintrittsaltern genannt, die sich auf ganz verschiedene Geburtsjahrgänge und Zeiträume beziehen. Da werden Kosten präsentiert, deren Zusammensetzung und Aufkommenszeiträume nicht erläutert werden, sondern lediglich durch ihre Herkunft (Experten, Autorität) geadelt werden.

Und nicht zuletzt finden sich keinerlei neue Argumente, die diesen Artikel rechtfertigen, sondern wir haben es hier mit einem Mantra zu tun, das eine bestimmte Argumentationsrichtung zur unhinterfragbaren Selbstverständlichkeit im öffentlichen Diskurs machen soll, um damit politische Reformen als alternativlos erscheinen zu lassen.

Die einzige angebliche Neuigkeit bei DOEMENS ist die These von einer Trendumkehr beim Renteneintrittsalter, die durch die abschlagsfreie Rente ab 63 bewirkt sein soll:

"Unter dem Eindruck der aktuell guten Finanzlage hatte die große Koalition die Rente mit 63 beschlossen. (...). Nun zeigen sich erste Auswirkungen: Nachdem das durchschnittliche Rentenalter in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen war, ist es 2015 nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins »Spiegel« von 64,1 auf 64,0 Jahre gesunken."

Die These von einer Trendumkehr ist so alt wie die Debatte um die Rente ab 63. Erst war sie nur ein Argument gegen die Einführung, als dies gescheitert war, versuchten die Gegner mittels statistischen Tricks immer wieder eine Trendumkehr herbeizuschreiben. Die Spiegel-Kurzmeldung - von einem Bericht zu sprechen wäre eine grandiose Übertreibung - die per Agenturmeldung zur Sensation aufgeblasen wurde - wird seitdem von Neoliberalen wie ein Heiligtum durch die Mainstreamzeitungen getragen, um die bösen Geister zu vertreiben.

Leider sagen die uns von DOEMENS präsentierten Zahlen nichts über den Anteil aus, den die Rente ab 63 an dieser Entwicklung hat. Es wird noch nicht einmal deutlich, ob es hier um einen Anstieg der Altersrenten oder aller Renten geht, also z.B. auch der Erwerbsminderungsrenten oder der Hinterbliebenenrenten. Auch Zwangsverrentungen durch Jobcenter könnten zu dieser Entwicklung beigetragen haben. Wir warten lieber auf seriöse Analysen!

 
       
   

WOLFF, Sebastian (2016): Wenn der Körper streikt.
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung gilt als unverzichtbar. Doch es gibt viele Fallstricke,
in: Frankfurter Rundschau
v. 22.08.

Sebastian WOLFF erklärt uns, dass ca. 20 Prozent der Arbeitnehmer in ihrem Leben berufsunfähig werden. Weil die gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente im Jahr abgeschafft wurde und durch die Erwerbsminderungsrente nur sehr unzureichend ersetzt wurde, sind vor allem jene, die 1961 und später geboren wurden mehr oder weniger gezwungen eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, um ihren Lebensstandard einigermaßen zu sichern. Die Schwächung der gesetzlichen Rente zugunsten der Profitstärkung der Versicherungswirtschaft führt also auch in diesem Bereich zu einer Entsolidarisierung in der Gesellschaft. 

 
       
   

GÖBEL, Heike & Kerstin SCHWENN (2016): Bekloppte Finnen, Dänen, Niederländer?
SPD-Chef Gabriel hat die Idee der Rente mit 69 heftig attackiert. Er sollte sich umschauen. Zehn EU-Länder sind weiter als Deutschland,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.08.

Die FAZ/FAS ist in hellem Aufruhr. Seit Sigmar GABRIEL den Bundesbank-Vorschlag zur Rente mit 69 salopp abblitzen ließ, werden bei den Mainstreamzeitungen die Kanonen aufgefahren, um den Spatz abzuschießen.

Hatte gestern schon Dyrk SCHERFF in der FAS das Ausland bemüht, das angeblich fortschrittlicher sei, blasen GÖBEL & SCHWENN diesen Aspekt nun zu einem eigenen Artikel auf, der leider wenig aussagekräftig ist, was die Rentensysteme anderer EU-Länder betrifft. GÖBEL & SCHWENN argumentieren mit Material, mit dem schon die Finnen traktiert wurden. Eine Karte, deren Informationen vom Finnish Centre for Pensions stammen, zeigt uns das VORAUSSICHTLICHE Renteneintrittsalter im Jahr 2050 statt das tatsächliche Renteneintrittsalter im Jahr 2015.

"Am weitesten mit der längeren Lebensarbeitszeit gehen die Dänen. Nach einer aktuellen Auflistung des Finnish Centre for Pensions in Helsinki dürfen die Dänen im Jahr 2050 erst mit 72 Jahren in Rente gehen",

behaupten die Autorinnen. Das widerspricht dem OECD-Bericht Renten auf einem Blick vom Mai diesen Jahres. Dieser Bericht spricht lediglich von einem Rentenalter von 67 Jahren in Dänemark, das zudem erst im Jahr 2061 erreicht wird (vgl. Pensions at a Glance 2015, 2016 S.245).

"Nun muss auch Sigmar Gabriel die Finnen zu den »Bekloppten« zählen. Denn auch sie haben in diesem Jahr eine große Rentenreform beschlossen, die das gesetzliche Renteneintrittsalter in den nächsten Jahrzehnten allmählich über 67 Jahre hinausschiebt.",

lästern GÖBEL & SCHWENN, um erst zum Schluss die Katze aus dem Sack zu lassen:

"Mit der zu Jahresbeginn verabschiedeten Reform vollziehen die Finnen von 2017 an eine Kehrtwende: Erst vor zehn Jahren hatten sie das gesetzliche Rentenalter auf 63 Jahre gesenkt. Nun wird es bis 2027 auf 65 angehoben. Der weitere Anstieg danach wird an die Lebenserwartung gebunden. Das führt nach Schätzungen der Regierung dazu, dass 1990 geborene Finnen erst mit 67 Jahren und sieben Monaten in Rente gehen dürfen. Daneben bietet die Reform Anreize, die Rente freiwillig aufzuschieben. Das politisch angestrebte »Zielrentenalter« für Kinder, die im Jahr 2000 geboren wurden, beträgt 72 Jahre."

Vergleicht man das mit deutschen Verhältnissen, dann liegen die Finnen weit hinter Deutschland zurück. Im Jahr 2027 liegt das gesetzliche Renteneintrittsalter nicht erst bei 65 Jahren, sondern bereits bei 66 Jahren und 6 Monaten. Bei uns muss der Jahrgang 1964 bereits im Jahr 2031 bis 67 Jahre arbeiten und nicht erst der Jahrgang 1990.

GÖBEL & SCHWENN heulen uns zudem mit Verweis auf eine Spiegel-Kurzmeldung vor, dass in Deutschland das tatsächliche Renteneintrittsalter im Jahr 2015 nur bei 64,0 Jahren liegt. Bei den angeblich vorbildlichen Finnen lag das tatsächliche Renteneintrittsalter dagegen 2015 bei nur 61,1 Jahren, also fast 3 Jahre niedriger wie man dem Bericht Effective retirement age in the Finnish earnings-related pension scheme des Finnish Centre for Pensions vom März 2016 entnehmen kann. Dort heißt es: 

"In 2015, the expected effective retirement age was 61.1 years, a decrease of 0.1 years compared to the previous year. For men, the expected effective retirement age was 61.2 years and for women 61.0 years." (März 2016, S.9)

Man sollte die Leser nicht mit schönfärberischen Informationen belügen. Hinzu kommt, dass in Finnland die Lebenserwartung höher liegt als in Deutschland. Bei den Frauen ist sie ein ganzes Jahr höher, bei den Männern nur ein paar Monate. Die Finnen sind also alles andere als bekloppt. Sie scheren sich um das gesetzliche Renteneintrittsalter noch weniger als die Deutschen. Wir wären bekloppt, wenn wir unseren Mainstreamzeitungen noch irgendetwas glauben, ohne ganz genau hinzuschauen.

Nachdem wir also bereits solch gravierenden Unstimmigkeiten gefunden haben, schenken wir uns den Rest, denn es ist kaum zu erwarten, dass der Rest stimmiger ist als das, was hier bereits aufgedeckt wurde. Nur so viel: die restlichen Länder, die uns voraus sein sollen, sind die Niederlande, Griechenland, Zypern, Irland, Großbritannien, Italien, Portugal und Tschechien.

Tags zuvor hat uns Dyrk SCHERFF noch ganz andere Länder genannt: Schweden (wird bei GÖBEL & SCHWENN mit 61 Jahren angegeben, was dem OECD-Bericht dem frühestmöglichen Renteneintrittsalter entspricht; erst 2059 soll danach das Renteneintrittsalter bei 65 Jahren liegen, vgl. 2016, S.352ff.), Polen und Frankreich. Dänemark wird uns dagegen im Planungsstadium beschrieben, was sich mit dem oben genannten OECD-Bericht decken würde.

GÖBEL & SCHWENN plaudern schon mal jenen Aspekt des noch unveröffentlichten CDU-Rentenkonzeptes aus, das ihnen in die Argumentationslinie passt:

"So ist die Verknüpfung von längerem Leben und längerem Arbeiten Teil des Rentenkonzepts, das Schäubles Finanzstaatssekretär Jens Spahn zusammen mit Gesundheitsstaatssekretär Karl-Josef Laumann derzeit erarbeitet. Danach soll das Renteneintrittsalter von 2030 an nicht mehr starr festgeschrieben sein, sondern entsprechend der Lebenserwartung steigen."

Jens SPAHN darf heute in der SZ selber über die Rentenpolitik plaudern.       

SCHWENN, Kerstin (2016): Scheingerechtigkeit.
Kommentar,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.08.

Kerstin SCHWENN heult uns vor, dass wir ungebremst auf einen Rentenwahlkampf zusteuern würden. Davon lässt sich nichts bemerken, stattdessen will man uns mit einem Steuersenkungswahlkampf Honig ums Maul schmieren.

 
       
   

KROHN, Philipp (2016): "Wir wollen keine homogenen Stadtviertel".
Im Gespräch: Immobilieninvestoren wird von vielen die Verantwortung für die räumliche Trennung von Arm und Reich gegeben. Der Berliner Projektentwickler Jürgen Leibfried sieht ganz andere Tendenzen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.08.

 
       
   

KLEMT, Henry-Martin (2016): Was blinkt, verkauft sich besser.
ND-Serie Industriestandorte (5): Eisenhüttenstadt, das ist EKO-Stahl? Höchste Zeit, sich neu zu erfinden,
in:
Neues Deutschland v. 22.08.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

FORSTER, Christof (2016): Viel Taktik prägt die Rentenreform.
Kommission des Nationalrats schafft vor allem bei der AHV gewichtige Differenzen zum Ständerat,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 22.08.

STALDER, Helmut (2016): Höheres Rentenalter unumgänglich.
Kommentar: Rentenreform 2020,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 22.08.

 
       
   

Das Single-Dasein in Österreich

BENZ, Matthias (2016): Infelix Austria.
Österreich steckt in einem wirtschaftlichen Malaise fest. Damit das Land wieder zu mehr Zuversicht findet, muss die Politik mit einigen Tabus des "Systems Österreich" brechen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 22.08.

"Vor einem Jahrzehnt galt Österreich noch als das »bessere Deutschland«. (...).
Aber vor gut fünf Jahren wendete sich das Blatt. Seit 2011 ist die österreichische Wirtschaft in einer hartnäckigen Stagnation gefangen",

beginnt Matthias BENZ seine neoliberale Abrechnung mit der österreichischen Politik. Dabei - wie könnte es anders sein - steht das Alterssicherungssystem im Blickpunkt, das Neoliberalen ein Dorn im Auge ist, weil es von Gegnern der Kapitaldeckung als vorbildlich gilt. Das Feindbild sind für BENZ die Sozialpartner, deren Stellung in Österreich stärker ist als in den von Neoliberalen beherrschten Ländern. Der Tunnelblick der Neoliberalen richtet sich allein auf die Kosten, statt auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Die Lösung aller Probleme von Alterssicherungssystemen liegt dabei einzig in der Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung - eine Vorgabe der globalen neoliberalen Zentralorganisationen (Weltbank, OECD usw.), die von den meisten Wirtschaftsjournalisten unreflektiert wiedergekäut wird.

"Es muss wohl erst noch schlechter kommen, bevor es besser werden kann. Es ist dies der schmerzhafte Weg durch die Krise zur Erneuerung, den die Deutschen gegangen sind",

meint BENZ, der von 2009 bis 2014 Deutschlandbeobachter der NZZ war. Die deutschen Neoliberalen dagegen sehen das ganz anders. Sie mögen zwar Österreich hassen, weil es Wirtschaftsweisen wie Peter BOFINGER als vorbildliches Alterssicherungssystem gilt, ansonsten erklären sie jene Länder als vorbildlich, die angeblich fortschrittlicher sind, d.h. auf einem bestimmten Gebiet jene neoliberalen Reformen (tatsächlich oder nur gefühlt) durchgesetzt haben, die ihnen für Deutschland noch vorschweben. Die Realität dieser Länder ist ihnen dabei völlig egal wie ein heutiger FAZ-Artikel beweist.    

 
       
   

Das Online-Dating in der Debatte

NEUMANN, Henrik (2016): Liebe digital.
Gesellschaft: Fast neun Millionen Deutsche suchen ihr Glück in Onlineportalen. Viele finden es - einige ruinieren sich. Denn es lauern auch Betrug und Mord,
in:
Welt am Sonntag kompakt v. 21.08.

 
       
   

Der ländliche Raum und Mittelstädte im demografischen Wandel

FABRICIUS, Michael (2016): Berlin ist out, es lebe die Lausitz.
Geld: Der Immobilienboom verlagert sich von den Großstädten und ihren Speckgürteln in den Provinz. Hauskäufer beleben den Markt in den Kleinstädten - und gehen damit oft erhebliche Risiken ein,
in:
Welt am Sonntag kompakt v. 21.08.

 
       
   

SCHRÖDER, Catalina (2016): "Was spricht dagegen, Kinderwünsche zu erfüllen?"
Seit Matthias Beckmann die erste Transplantation einer Gebärmutter in Deutschland plant, rufen ihn jede Woche drei Frauen an. Der Arzt sagt: Familienplanung mit einem fremden Organ funktioniert - und ist ethisch okay,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.08.

 
       
   

STÖLB, Marcus (2016): Großes Dorf mit Herz.
Wohnen in Trier: In Trier schwelgt man gerne in der Vergangenheit, mit Zukunftsfragen tut man sich gelegentlich schwer. Doch die Stadt hat mehr zu bieten als antike Ruinen und Riesling. Kein Wunder, dass sie wächst,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.08.

 
       
   

SCHERFF, Dyrk (2016): Rente mit 73.
Die Deutschen leben immer länger. Und immer gesünder. Was spricht dagegen, auch immer länger zu arbeiten?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.08.

Dyrk SCHERFF verteidigt den Bundesbank-Vorschlag einer Rente mit 69 gegen Sigmar GABRIEL. Dazu reiht er den Vorschlag in die Phalanx jener Neoliberaler ein, die im Interesse von Finanzdienstleister und Arbeitgeber bereits ähnliche Vorschläge unterbreitet haben.

"Länger arbeiten ist der Königsweg, um die Renten zu stabilisieren",

lautet das Credo von SCHERFF, der sich bislang nur als Befürworter der Kapitaldeckung hervorgetan hat. Unsicherheiten der Prognosen wischt SCHERFF einfach beiseite. Seine Expertenschar, die uns präsentiert wird, kennen wir bereits als Hausexperten der FAZ/FAS: Axel BÖRSCH-SUPAN, Andreas KRUSE, Jürgen PIMPERTZ und Jim VAUPEL. Man könnte meinen dass dies die einzigen Experten wären, die zu den Fragen arbeiten. Zumindest vertreten sie aber die richtigen Interessen. Aufklärung ist nicht die Sache von SCHERFF, sondern Kanalisierung. Wir sollen nicht nach links oder rechts schauen, sondern den Tunnelblick der Finanzdienstleister und Arbeitgeber, die nur ihren Profit im Blick haben, übernehmen. Soziale Ungleichheit? Sozialer Ausgleich? Das sind Fremdwörter - höchstens sie kommen den Profitinteressen gelegen - also als Rhetorik und nicht als Umsetzung in die Praxis.

"Schon jetzt übertrumpfen sich die Parteien mit Vorschlägen, das Rentenniveau bei 45 oder sogar 50 Prozent einfach festzuschreiben. Das würde 16 beziehungsweise 41 Milliarden Euro kosten, hat der renommierteste deutsche Ökonom für Altersfragen, Axel Börsch-Supan errechnet.
(...) Höhere Beiträge von bis zu 27 Prozent wären die Folge.",

erzählt uns SCHERFF. In der morgigen FR liest sich das bei Karl DOEMENS dagegen folgendermaßen:

"Das Prognos-Institut hatte bereits in der vergangenen Woche errechnet, dass ein Verzicht auf die beschlossenen Einschnitte bereits im Jahr 2030 mit jährlich 26,7 Milliarden Euro zu Buche schlagen würde. Wirtschaftswissenschaftler Börsch-Supan beziffert nun in der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« die Mehrausgaben im Falle einer Anhebung des Rentenniveaus auf 50 Prozent gar auf 41 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2060 würde nach seinen Berechnungen der Beitragssatz von heute 18,7 auf 27,5 Prozent steigen."

Schon Mitte Mai diesen Jahres wurden uns von Jochen PIMPERTZ vom IW Köln nicht nur 41 Milliarden, sondern sogar 51 Milliarden Euro Kosten für eine Stabilisierung des Niveaus der gesetzlichen Rente auf 50 Prozent vorgerechnet. Diese Zahlen wurden dann wieder Anfang Juli zu polemischen Zwecken gegen ein Positionspapier der SPD-Linken in Stellung gebracht.

Die Zahlen zur notwendigen Beitragssatzsteigerung, die uns DOEMENS präsentiert, finden sich nicht im Text, sondern nur in der Grafik Rente und Lebenserwartung der FAS. Als Quellen werden IW und MEA genannt. Inwiefern die Berechnung auf BÖRSCH-SUPAN zurückgehen, kann der Leser gar nicht nachvollziehen. Man müsste dazu wissen, dass BÖRSCH-SUPAN Direktor des Munich Center for the Economics of Aging (MEA) ist. Berechnungen bis 2060 sind reine Kaffeesatzleserei. Das Statistische Bundesamt hat kürzlich die Treffsicherheit von Bevölkerungsvorausberechnungen untersucht und dabei nur einen Zeitraum von maximal 17 Jahren überprüft. Schon in diesem Zeitraum gab es eklatante Fehleinschätzungen bei den Annahmen zur Entwicklung der Zuwanderung und der Geburtenrate. Das Verhältnis von Rentnern zu Erwerbstätigen im Jahr 2060 hängt aber entscheidend von diesen beiden Faktoren ab. Die Differenz zwischen dem erwarteten Beitragssatz (ohne Reformen) und einer Stabilisierung bei 50 % beträgt für das Jahr 2060 gerade einmal 4 % (27,5 % statt 23,5 %). In Anbetracht der gravierenden Unsicherheiten solcher Berechnungen sind diese Differenzen geradezu lächerlich gering. Nur so viel also zum Umgang mit Zahlen bei den vermeintlichen Qualitätszeitungen.

Der Gerontologe Andreas KRUSE, Verfechter eines Altersbildes, das den fitten Alten der oberen Mittelschicht zum Ausgangspunkt seines Gesellschaftsideals nimmt, wird uns als Gegenspieler von Sigmar GABRIEL in Sachen Arbeitsfähigkeit im Alter von Verkäuferin, Krankenschwester und Altenpfleger vorgestellt. Diese Frauenberufe werden uns als Beispiele für Berufsgruppen genannt, die nicht so lange durchhalten wie Bundesbanker. Wobei der Dachdecker, der bei der Rente mit 67 die tragende Rolle im Kampf gegen deren Einführung spielte, außen vor bleibt:

"»15 bis 20 Prozent der Erwerbstätigen haben Berufe, die körperlich im Alter schwer auszuüben sind«, sagt der Altersforscher Andreas Kruse von der Universität Heidelberg. Das heißt, für 80 Prozent der Beschäftigten gibt es zunächst einmal keinen Grund, nicht länger zu arbeiten."

Uns wird nicht verraten, welche Berufe das sind und auf welcher Stichprobe dieser Befund basiert. Möglicherweise sind die meisten Menschen bereits vorher an einer Berufskrankheit gestorben. Uns werden also wichtige Informationen zur Beurteilung der Sachlage vorenthalten. Nicht einmal eine Studie wird uns als Beleg genannt. Einzig die Expertenautorität muss uns genügen. Als Wissenschaftler lassen wir uns dagegen mit solcher Polemik nicht abspeisen. Zu jedem Experten existieren Gegenexperten. Aufklärung verlangt solche Gegenexperten vorzustellen - alles andere ist unseriös!

Zuletzt werden wir Deutschen im Vergleich zum Ausland als rückständig diffamiert. Denn uns werden selbst im Vergleich zur Vielzahl von Industriestaaten nur ein paar Ausnahmen von der Regel präsentiert, die jedoch mit dem Prädikat "fortschrittlich" geadelt werden:

"Schweden, Polen, Lettland, Italien haben ein System, in dem die Beschäftigten ihr Rentenalter frei wählen können und dann mehr oder weniger Rente bekommen, abhängig von ihren Einzahlungen."

Nach Rente mit 73 sieht das nicht aus. Und Polen als Vorbild? Sonst wird uns die nationalkonservative Regierung in Polen als eine Art Teufel präsentiert! Italien. Bankenkrise? Schweden? Sonst eine Ausgeburt des Sozialdemokratismus!

"Die Niederlande heben das Rentenalter gleitend auf mehr als 70 Jahre an. Dänemark und Norwegen planen die Einführung von Regelaltersgrenzen, die mit der Lebenserwartung steigen, Frankreich hat so etwas schon."

Bloße Absichtsbekundungen zu Reformen werden uns als Vorbilder verkauft? Offenbar sind die berechtigten Widerstände gegen eine Erhöhung des Renteneintrittsalters - oder gar einen Automatismus der Kopplung an die Lebenserwartung - so groß, dass SCHERFF kaum fündig wird. Fortschrittliche Positionen sehen anders aus! Danach werden uns die Kopplungsvorstellungen von BÖRSCH-SUPAN schmackhaft gemacht:

"Steigt die Lebenserwartung um drei Jahre, würde die Rente ein Jahr später beginnen. Zwei Jahre bekäme der Rentner »geschenkt«. Nach diesem System würde die Rente 2060 mit 69,5 Jahren beginnen."

Rente mit 73? Fehlanzeige. Im Übrigen wurden uns in den vergangenen Monaten schon diverse Vorschläge - selbst in dieser Zeitung - präsentiert, die auf größere Einschnitte hinausliefen. Offenbar hat die Debatte bewirkt, dass einige Verfechter einer Erhöhung des Renteneintrittsalters ihre Strategie geändert haben: Salamitaktik, statt Dampfhammermethode. Erst mal die Rente mit 100 fordern, dann klingt die Rente mit 69 richtiggehend human! Dieses Spielchen unserer Neoliberalen werden wir wohl vor der Wahl noch öfters vorgesetzt bekommen. 

 
       
   

SCHERFF, Dyrk (2016): Die Fonds, die immer gewinnen.
Absolute-Return-Fonds versprechen Gewinne, selbst wenn die Börsenkurse fallen. Das funktioniert ganz gut,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.08.

Dyrk SCHERFF bedient die Fraktion der Renditegierigen, denen der profitgierige Kapitalmarkt gerne mit immer neuen Produkten entgegenkommt. Krise? Kein Problem! Entwerfen wir einfach die nächste Wunderwaffe. Eine Untersuchung, die gerade einmal einen Zeitraum von 5 Jahren umfasst, ist eher wenig seriös. Höchstens etwas für Zocker, die zu viel Geld übrig haben. Die Anbieter gewinnen dagegen immer, allein durch die hohen Gebühren, die sie uns als Gegenleistung allein schon für ihre vollmundigen Versprechen abverlangen können.  

 
   
SPIEGEL-Titelgeschichte: Steuern runter.
Volle Kassen, geschröpfte Bürger

SCHMERGAL, Cornelia u.a. (2016): Diesmal ist alles anders.
Finanzen: Die öffentlichen Kassen quellen über, jede Steuerschätzung verspricht Bund und Ländern neue Rekordeinnahmen. Höchste Zeit, dass die Politik, Bürger und Wirtschaft mit einer Steuerreform entlastet,
in:
Spiegel Nr.34 v. 20.08.

Der neoliberale Spiegel macht sich wieder zum Anwalt der oberen Mittelschicht, wenn er Steuerentlastungen fordert. Am meisten profitieren nämlich jene oberhalb der Beitragsbemessungsgrenzen der Sozialversicherungen, die im Sozialstaat nur noch einen Hemmschuh sehen, der ihre Einkommen zu sehr schmälert. Erst im Mai wurde dies wieder deutlich, als der Spiegel den Falschberechnungen der DIW-Mittelschichtsstudie aufsaß und dadurch unfreiwillig die wahren Profiteure von Steuererleichterungen kenntlich machte.

Menschen, deren Gedächtnis noch bis zum Jahr 2005 zurückreicht, können sich noch erinnern wie der neoliberale Spiegel den berüchtigten Bierdeckel-Professor aus Heidelberg gegen seine Kritiker verteidigte. Erst kurz vor der Wahl wurden die wahren Profiteure der geplanten Steuerreform bekannt. Schwarz-Gelb kostete dies damals den Wahlsieg, stattdessen kam Schwarz-Rot an die Macht. Seitdem versucht der Spiegel immer wieder von Neuem den Bierdeckel-Professor zu rehabilitieren und die Absatzbewegungen der oberen Mittelschicht gegen den Rest der Gesellschaft zu unterstützen.

Es sollte zu denken geben, dass für Rentner angeblich kein Geld da ist, während Wohltaten an jene verteilt werden sollen, die schon genug haben. Das so genannte Matthäus-Prinzip, wonach nur jenen gegeben wird, die schon haben, zieht sich durch alle Fachpolitiken hindurch - auch in der Rentenpolitik und gerade dort, wo Spitzenverdiener nicht nur die staatlichen Zulagen abkassieren, sondern auch noch großzügige Steuererleichterungen mitnehmen. Besserverdienende und Spitzenverdiener können im Gegensatz zum Rest der Gesellschaft die Vorteile von betrieblicher und privater Altersvorsorge optimal ausnutzen. Der Spiegel ist die Speerspitze dieser Propagandamaschine, die in der oberen Mittelschicht die wahren Verbündeten der Oberschicht im Kampf gegen den Rest der Gesellschaft sehen.

Diesmal ist alles anders? Keineswegs! Geschröpfte Bürger? Das gilt vor allem für jene, die auch bei der vom Spiegel unterstützten Steuerentlastung nur ein Almosen abbekommen werden.

Fazit: Statt einer unfaire Steuerentlastung für die obere Mittelschicht, wäre es angebracht die Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung abzuschaffen und stattdessen die Renten für die Spitzenverdiener zu deckeln. Die Schweiz ist in diesem einen Punkt wirklich ein Vorbild. Der Rest der Gesellschaft profitiert weniger von Steuerentlastungen und dafür mehr vom Ausbau von Infrastruktureinrichtungen, die nicht erst seit der Jahrtausendwende kaputt gespart wurden.

 
       
   

COS/MAD (2016): Wieder früher in den Ruhestand,
in:
Spiegel Nr.34 v. 20.08.

Der Spiegel meldet einen Rückgang des durchschnittlichen Renteneintrittsalter von 64,1 Jahren (2014) auf 64,0 Jahren (2015). Es wird suggeriert, dass dies mit der Rente ab 63 zusammenhänge - Belege werden dazu nicht geliefert. Bei der Deutschen Rentenversicherung Bund lässt sich dieser Sachverhalt nicht überprüfen. Dort findet sich lediglich eine dpa-Meldung vom 19.08.2016, die sich wiederum nur auf die Spiegel-Kurzmeldung bezieht.

 
       
   

Das Single-Dasein in Japan

WAGNER, Wieland (2016): Kollektiv kaltherzig.
Japan: Nach einem Massenmord an Behinderten debattiert das Land über seinen schwierigen Umgang mit Randgruppen, Alten und Kranken,
in:
Spiegel Nr.34 v. 20.08.

 
       
   

HAMPEL, Lea & KLÄSGEN, Michael (2016): Verlobt, verheiratet verliebt.
Die Eltern suchen den Partner aus? Ganz schön altmodisch. Dabei kann man von arrangierten Ehen auch einiges für moderne Beziehungen lernen,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 20.08.

 
       
   

DÖRRIES, Bernd (2016): Wat willste?
Buch zwei: Oberhausen ist ein erschöpfter Ort. Die Verschuldung ist noch höher als die Arbeitslosigkeit, Kohle und Stahl sind längst Geschichte. Annäherung an eine Stadt, deren Bewohner Beleidigtsein nicht im Repertoire haben,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 20.08.

"Letzter in der Städtetabelle ist regelmäßig Oberhausen, das schon verschiedene Titel für sich in Anspruch nehmen konnte: die am höchsten verschuldete Stadt Deutschlands; das deutsche Detroit; einzige Großstadt ohne Hochschule. Und erst vor wenigen Tagen hinzugekommen: ungesündeste Stadt Deutschlands.
Wie lebt es sich also in Oberhausen, das schon so lange ziemlich pleite ist? Im Jahr 1970 lag die Arbeitslosenquote hier bei 0,8 Prozent, heute sind es 11,4 Prozent. Es fehlen 35.000 Jobs in der Industrie und etwa 50.000 der einst 260.000 Einwohner. Seit 2000 haben sich die Schulden von 700 Millionen Euro auf 1,9 Milliarden Euro mehr als verdoppelt (...). Und obwohl die Kredite Oberhausen erdrücken, sind (mit Zinsen) 350 Millionen Euro in den Osten geflossen, hat sich die Stadt weiter verschuldet, um ihren Beitrag zur Einheit zu leisten. Während es in den fünf auch nicht mehr so neuen Ländern jetzt schöne Innenstädte gibt, ist Oberhausen so, wie es ist. Eine Art neuer Osten im Westen",
hadert Bernd DÖRRIES mit dem Finanzausgleich.

 
       
   

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Serie (Teil 15): Samstagsessay.
Abschied: Wer erkennt, was er alles nicht braucht, hat weniger Angst vor Verlust
Unruhe: Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht mehr
Freunde: Altersvorsorge ist nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine soziale Frage

SLAVIK, Angelika (2016): Auf Wiedersehen.
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (15): Viele Menschen fürchten um ihren Lebensstandard im Alter. Vielleicht wird die Angst geringer, wenn  man sich von Idealen verabschiedet und mal eine grundsätzlichere Frage stellt: Was brauchen wir eigentlich?
in: Süddeutsche
Zeitung v. 20.08.

Angelika SLAVIK redet uns ein, wir hätten Luxusrentner-Phantasien. Offenbar kann sich die SZ nicht vorstellen, dass Normalos ihre Zeitung lesen und nicht nur die obere Mittelschicht ("Segelboot" sollte man eher mit Segelyacht übersetzen und bei "Cabrio" assoziiert man seit den 1990er Jahren das sozialpolitische Feindbild des Singles -  speziell der DINKs ). Dazu werden uns die Gassenhauer eines Udo JÜRGENS und Werbespots von Bausparkassen als Phantasma zugeschrieben.

Die Angst, den Lebensstandard nicht halten zu können, soll uns in die Arme der kapitalgedeckten Altersvorsorge treiben. Wir werden auf die Suche nach Lebensqualität geschickt, eine Erfindung neoliberaler Zeiten, um berechtigte finanzielle Ansprüche abzuwehren. Lebensqualität gilt als eine Art Ersatz für Sicherheit durch Geld. Neue Bescheidenheit wird heute als Minimalismus buchstabiert. Der Trend zum Weniger ist seit Ulrich BECK, dem deutschen Propheten des Dritten Weges, zum Deckelmäntelchen des Sozialabbaus gewordnen. In der ZEIT wurde dies von Bernd ULRICH den Lesern dekretiert.

Den Trend zum Weniger muss man sich erst einmal leisten können - davon liest man herzlich wenig bei SLAVIK. Weniger bedeutet meist nur teurer, weil es gerade in ist. Uns wird der Nicht-Besitz eines Autos angepriesen, das wir schon längst nicht mehr besitzen!

"Kurz - alle gängigen Vehikel der Vorsorge sind von Faktoren abhängig, deren Entwicklung kaum jemand beeinflussen, na nicht einmal seriös prognostizieren kann."

Welch kluge Erkenntnis, nur dass daraus die falschen Schlüsse gezogen werden. Werden wir in der SZ und anderen Mainstreamzeitungen nicht tagtäglich mit Prognosen bombardiert, die uns als letzte Wahrheiten verkündet werden? Und wird uns die kapitalgedeckte Altersvorsorge nicht als das Nonplusultra an Sicherheit verkauft? Wer daran je geglaubt hat, ist selber schuld!

Wir sollen uns von der Idee verabschieden, dass es im Leben einen Zeitpunkt gibt, an dem man es geschafft habe. Was sollen aber jene machen, die solche Ideen noch nie gehabt haben?

Breite Streuung, den Tipp den uns die Drei-Säulen-Prediger der Altersvorsorge heutzutage an jeder Straßenecke ins Ohr posaunen, dehnt SLAVIK - wie könnte es anders sein - auf die sozialen Netzwerke als weitere Säule unserer Altersvorsorge aus. Wir sollen unsere "Chancen optimieren" rät uns die Optimierungsbranche. Langeweile nach dem Renteneintritt wird uns - neben Netzwerklosigkeit - als unser größtes Problem zugeschrieben. Wir werden von SLAVIK als eine Abart der Arbeitslosen von Marienthal gesehen.

Wir werden wie Kinder behandelt, für die Unsicherheit ein völlig neues Phänomen ist. Wer die Jugendarbeitslosigkeit der 1970er Jahre, die Akademikerarbeitslosigkeit der 1980er, die Massenarbeitslosigkeit in Ostdeutschland in den 1990er Jahren und die Massenarbeitslosigkeit der Nullerjahre erlebt hat, der ist keineswegs so unbedarft wie uns die Autorin hält. Terror? Ist auch kein neues Phänomen, wenn man sein Leben nicht ausschließlich in Hintertupfingen verbracht hat. Prediger der wie immer gearteten Apokalypse haben uns von Kindesbeinen an umringt. Der Weltuntergang war unser ständiger Begleiter. Und da will uns jemand einreden, unser Problem sei die (Un-)sicherheit?

Jens SPAHN stellt uns die SZ als Renten-Märtyrer vor, der sich am Montag todesmutig in die Rentendebatte stürzen wird! Morddrohungen scheinen inzwischen als eine Art Ausweis zu gelten, dass ein Politiker uns nichts als die reine Wahrheit sagt! Wann wird uns der erste Rententote von den Medien präsentiert? Gestorben im heroischen Kampf für die Generationengerechtigkeit? Dann könnten die Medien endlich jenen Generationenkrieg eröffnen, den sie schon seit mehr als zwei Jahrzehnten herbei schreiben. Von daher: wer Jens SPAHN mit Mord droht wegen Äußerungen zur Rente, der ist ein irrer Volltrottel!

 
       
   

BRANDSTETTER, Barbara (2016): Früher in den Ruhestand.
Die Vermögensfrage: Ohne große finanziellen Einbußen dem Arbeitsleben früher den Rücken kehren? Möglich ist das - sofern man das entsprechende Geld hat oder rechtzeitig plant. Besonders lukrativ könnten Ausgleichszahlungen für Ostdeutsche werden,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.08.

Barbara BRANDSTETTER erklärt uns die Konditionen unter denen wird vorzeitig in den Ruhestand gehen können.

"Fein heraus sind nur diejenigen, die 45 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Sie können mit 63 Jahren ohne Abschläge in Rente gehen - sofern sie vor dem 1. Januar 1953 geboren sind. Das ist seit dem 1. Juli 2014 möglich und wird inzwischen rege genutzt. Bis Ende des Jahres 2015 haben gut 450.000 Arbeitnehmer einen entsprechenden Antrag gestellt. Alle anderen müssen rechnen",

berichtet uns BRANDSTETTER, die uns die Möglichkeit schmackhaft macht, die drohenden Abschläge mittels freiwilliger Ausgleichzahlungen zu kompensieren. Das können frühestens 55-Jährige Pflichtversicherte, soll aber mit dem Flexi-Renten-Gesetzentwurf bald auch ab 50 Jahren möglich sein, wenn das nicht der allerorten zu vernehmende Aufschrei gegen diese Neuregelung noch abwendet. Diese Möglichkeit wurde bis vor kurzem nicht propagiert, weshalb dies bislang nur wenige in Anspruch genommen haben:

"Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung Bund haben diese Möglichkeit im Jahr 2014 lediglich 967 Arbeitnehmer genutzt. Im Jahr 2013 lag die Zahl mit 1271 zwar etwas höher. Doch gemessen an der Zahl derer, die diese Option nutzen könnten, ist dies eine verschwindend geringe Zahl."

Fehlende Information oder Geldmangel nennt BRANDSTETTER als Gründe, die darauf aufmerksam macht, dass z.B. auch der Arbeitgeber die Ausgleichszahlung vornehmen kann. Uns werden 3 verschiedene Beispielrechnungen aufgezeigt. Da Ausgleichzahlungen sowohl als monatliche als auch als Einmalzahlung möglich sind, ist bei ersteren zu beachten, dass sich die Berechnungsgrundlagen ändern können, z.B. bei steigenden Beitragssätzen.

Vorteile für Ostrentner (richtig müsste es eigentlich heißen: für jene, die im Osten gearbeitet haben, denn das können auch Westdeutsche sein) hätte die von Andrea NAHLES geplante Angleichung der Ostrenten, die ihre Rendite steigern würde. BRANDSTETTER verweist hier auf den Online-Beitrag Zahlung von Rentenbeiträgen nach § 187a SGB VI von Johannes STEFFEN.

Uns wird mit Verweis auf Berechnungen von Werner SIEPE die Lukrativität der freiwilligen Ausgleichszahlung dargestellt (vgl. auch SZ 28.07.; WamS 31.07.). Erst am Schluss kommt der Pferdefuß:

"Der Versicherte muss mindestens 83 Jahre alt werden, damit sich die Einzahlung lohnt",

zitiert BRANDSTETTER einen Fachanwalt für Sozialrecht. Dies lohnt sich also eher für Frauen und männliche Besserverdiener. Wer an den Einfluss der Gene glaubt, der beherzigt sicher den Ratschlag von BRANDSTETTER und betreibt Ahnenforschung und geht zum Arzt. Garantie gibt es trotzdem keine für das lange Leben. Es ist und bleibt eine Wette auf die eigene Zukunft.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

FERBER, Michael (2016): Vorsorge-Sparpläne im Kreuzfeuer der Kritik.
Deutlich Vermögensfrage: Ohne große finanziellen Einbußen dem Arbeitsleben früher den Rücken kehren? Möglich ist das - sofern man das entsprechende Geld hat oder rechtzeitig plant. Besonders lukrativ könnten Ausgleichszahlungen für Ostdeutsche werden,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 20.08.

ENZ, Werner (2016): Für mehr Freiheit im Vorsorgesparen.
Regulierungswut im Bundesamt für Sozialversicherungen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 20.08.

SDA (2016): Kommission will Rentenalter 67.
Automatische Erhöhung angestrebt,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 20.08.

SCHÜRER, Andreas (2016): Broker buhlen um BVK-Kunden.
Die Pensionskasse hat wegen ihres Vorsorgeplans 2017 noch keine Kündigungen erhalten,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 20.08.

 
       
 

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Zu den News vom 16. - 19. August 2016
 

   
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