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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
     
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 15. - 22. Juni 2016

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Der demografische Wandel ist kein gutes Argument zugunsten der Kapitaldeckung

"Nicolas Barr von der London School of Economics (...) erklärt: »Aus wirtschaftlicher Sicht ist der demografische Wandel kein gutes Argument zugunsten kapitalgedeckter Systeme.« Besser seien ein über Steuern und Abgaben finanzierter Sozialstaat und Investitionen in Bildung, damit künftige Generationen mittels einer hohen Produktivität das Geld für die Versorgung der Rentner und Kranken erwirtschaften können."
(Daniel Baumann & Stephan Hebel "Gute Macht-Geschichten", 2016, S.99)

 
       
       
   

PENNEKAMP, Johannes (2016): Schwierige Bevölkerungszählung.
Fachleute bemängeln Schwächen der Zensusmethode,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.06.

 
       
   

SCHWENN, Kerstin (2016): Koalition steuert auf heißen Renten-Herbst zu.
Ministerin Nahles plant einen Dialog über die private und betriebliche Vorsorge. Wohin könnte die Rente gehen?
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.06.

Kerstin SCHWENN stellt einen Terminfahrplan für die Umsetzung von Rentenprojekten vor, wobei das FAZ-Lieblingsprojekt einer Stärkung der privaten Altersvorsorgung inklusive Betriebsrenten im Vordergrund steht. Danach soll bereits Mitte September die Reform der betrieblichen Altersvorsorgung von der Bundesregierung beschlossen werden. Yasmin FAHIMI (Sozialministerium) und Johannes GEISMANN (Finanzministerium) arbeiten gemäß SCHWENN bereits an einem Gesetzesentwurf, der nach dem 8. Juli ("Dialog-Treffen) an die Ressorts verschickt werden soll.

Das von Andrea NAHLES versprochene umfassende Rentenkonzept soll bis Ende Oktober oder Anfang November zusammen mit dem  Rentenversicherungsbericht 2016 und dem nur einmal pro Legislaturperiode anstehenden Alterssicherungsbericht vorgelegt werden.

Um eine Stabilisierung des Niveaus der gesetzlichen Rente als Wahlkampfthema zu vermeiden, wird bereits jetzt mit Hochdruck an entsprechenden Konzepten und Gesetzesvorlagen gearbeitet.

Als Erfolg wird gemeldet, dass das von Horst SEEHOFER angedrohte eigene Rentenkonzept, das Emilia MÜLLER ausarbeiten sollte, nur noch als Zuarbeit zum Rentenkonzept des Kanzleramtes, dem auch Jens SPAHN und Karl -Josef LAUMANN zuarbeiten sollen, weiterlebt. Inwiefern dazu ein Entgegenkommen in der Erbschaftssteuerfrage das Einlenken von SEEHOFER bewirkte, das wird nicht erwähnt.

Sorge bereitet SCHWENN lediglich, dass die Vermischung des Betriebsrenten-Konzepts mit heiklen Fragen den Zeitplan in Frage stellen könnte. Unter diesen heiklen Fragen versteht SCHWENN zum einen die Alterssicherung von Selbständigen, die solidarische Lebensleistungsrente, ein Projekt, das durch Ursula von der LEYEN Eingang in den Koalitionsvertrag gefunden hat, die Angleichung der Ostrenten und das schrumpfende Niveau der gesetzlichen Rente. Um hier einen "Überbietungswettbewerb" im kommenden Wahlkampf zu verhindern, soll die derzeit existierende Untergrenze beim Rentenniveau von 43 % einfach bis ins Jahr 2040 fortgeschrieben werden. 

 
       
   

KROHN, Philipp (2016): Gibt es den dritten Weg in der Altersvorsorge?
Aktienfonds können hohe Renditen erzielen, aber auch Verluste einfahren. Stabiler sind Versicherungen. Sie federn Verluste ab. Ein Mischmodell ist denkbar,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.06.

Philipp KROHN erklärt uns in schönfärberischen Worten, warum die private Altersvorsorge, die uns als Beteiligung am "Produktivkapital der Wirtschaft" verkauft wird, Probleme bereitet: wegen des Garantiezinses. Würde dieser entfallen, also die Versicherten das Risiko selber tragen, dann wäre alles halb so schlimm für die Versicherungsbranche.

Außerdem zaubert KROHN die Idee eines Generationenfonds aus seinem Hut. Generation ist ein Zauberwort in der heutigen Zeit, in der magische Begriffe als Verkaufsargument gesucht werden, zumal das Renditeversprechen der Vergangenheit durch Niedrigzinsen obsolet ist. KROHN preist nun Oskar GOEDECKE, Professor für Versicherungsmathematik und Kapitalmarkttheorie am Institut für Versicherungswesen in Köln an. GOEDECKEs Idee, lässt uns KROHN wissen, habe das Gutachten von Marco ARTEAGA & Peter HANAU im Auftrag des Arbeitsministeriums beeinflusst. Angesichts der Misere in Sachen Betriebsrenten wird dringend ein neues Marketinginstrument gebraucht, um die Stärkung der Betriebsrenten noch zu rechtfertigen. In diesem Zusammenhang muss KROHNs Beitrag gelesen werden.

Uns wurde lange Zeit das Märchen aufgetischt, dass die Kapitaldeckung der Umlagefinanzierung überlegen sei, nun wird uns dagegen erklärt, dass die Kapitaldeckung auch nur das umverteilen kann, was gerade erwirtschaftet wird:

"Egal, wie das System der Altersvorsorge aufgebaut ist - ob als Kapitaldeckung oder als Umlage, es kann nur verteilt werden, was erwirtschaftet wurde."

Als "generationenübergreifender Austauschmechanismus" wird der Generationenfonds vermarktet, obgleich von Generationengerechtigkeit keine Rede sein kann, vielmehr soll ein Ausgleich zwischen Altkunden und  Neukunden hergestellt werden. Anfang des Jahrtausends lockte dagegen die Versicherungsindustrie mit hohen Renditen, nun also wird der Rückabwicklung des Renditeversprechens vollzogen!

Wir haben es hier nicht mit einem Generationenausgleich, sondern mit einem Altersgruppenausgleich zu tun, denn wie in der Rentenversicherung, kann nur ausgezahlt werden, was gerade eingenommen wird. Der Begriff "Generation" ist hier eine plumpe Verschleierungstaktik.

Im Endeffekt geht es immer nur um eines: Wie macht man dem Versicherten den Verzicht auf den Garantiezins schmackhaft, ohne dass dieser merkt, dass er am Ende das Risiko alleine tragen soll.

Zum Schluss zeigt sich, dass selbst die Versicherungsbranche nichts von dem Modell eines Generationenfonds wissen will, denn es würde bedeuten, dass eine hohe Geldsumme bereitgehalten werden muss, nur um eine minimale Rentenniveausteigerung zu erzielen. Deswegen sieht GOEDECKE sein Modell auch eher für Pensionsfonds geeignet - womit wir wieder bei der betrieblichen Altersversorgung und deren Misere wären.

Wenn man den Beitrag genauer liest, dann lässt sich daraus schließen, dass die Idee des Generationenfonds deshalb benötigt wird, um eine Rechtfertigung für die staatliche Förderung der betrieblichen Altersversorgung zu haben:

"Beitragsrückerstattung glätten (...) Verluste und Gewinne. So entsteht ein kollektiver Ausgleich zwischen den Risiken unter den Versicherten unterschiedlicher Vertragsgenerationen. Diese Systematik war einst der Grund dafür, dass private Rentenversicherungen steuerlich begünstigt wurden."

Fazit: Der Begriff "Generation" ist ein Zauberwort, das klares Denken verhindern soll.                 

 
       
   

DOEMENS, Karl (2016): Die Frau für die Rente.
Die Deutsche Rentenversicherung Bund bekommt eine Chefin,
in:
Frankfurter Rundschau v. 22.06.

Karl DOEMENS berichtet über Personalkarussell bei der Deutschen Rentenversicherung Bund, das morgen von der Bundesvertreterversammlung in Bremen beschlossen werden soll. Wie schon von der FAZ berichtet, soll Gundula ROßBACH ab 1. Januar 2017 neue Präsidentin werden. Ihren Posten im dreiköpfigen Direktorium soll Brigitte GROSS einnehmen. Im Herbst 2017 soll dann Stephan FASSHAUER, der bei Peter BOFINGER promoviert hat, Nachfolger von Herbert SCHILLINGER werden. 

DOEMENS lobt die Tatsache, dass ROßBACHER "eher Managerin als Sozialpolitikerin" ist, denn sie soll Versuche, die Rentenformel zu ändern, abwehren, die DOEMENS herbei beschwört. Außerdem weist er auf Spannungen zwischen den Regionalträgern und der Spitzenorganisation hin. Da sich alle drei Personalbesetzungen aus dem Landesverband Berlin-Brandenburg rekrutieren, ließe das auf eine starke Stellung dieses Regionalverbandes im Gefüge der DRV schließen - falls hier nicht Proporzgesichtspunkte die entscheidende Rolle gespielt haben.

 
       
   

ÖCHSNER, Thomas (2016): Magere Zeiten für Rentner.
Versorgungswerke senken Zinsen, jetzt sogar auf 0,25 Prozent,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 22.06.

Die Mainstreamzeitungen erklären uns seit Monaten, dass es richtig sei, die betriebliche Altersversorgung, das Lieblingsprojekt von Sozialministerin Andrea NAHLES (SPD), zu stärken, aber

"nicht nur das Rentenniveau, also das Verhältnis eines Durchschnittsverdiensts zur Standardrente, sinkt. Auch die Einschnitte bei der betrieblichen Altersversorgung werden auf Grund der historisch niedrigen Zinsen immer größer.
Das zeigt jetzt der Vorstoß der mit Abstand größten Zusatzversorgungskasse in Deutschland, der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL). Diese hat zum 1. Juni 2016 den Garantiezins für Mitglieder, die freiwillig über ihren Arbeitgeber zusätzlich einen Teil ihres Gehalts in einen Riester-Vertrag oder sozialabgabenfrei für eine spätere Betriebsrente zurücklegen, von 1,75 Prozent auf konkurrenzlos niedrige 0,25 Prozent gesenkt.",

erklärt uns Thomas ÖCHSNER, der keinen Widerspruch zwischen der geplanten Stärkung der betrieblichen Altersversorgung und deren gravierenden Abhängigkeit vom Finanzmarkt sieht. Sogar mit sanftem Zwang sollen zukünftig solche unlukrativen betrieblichen Rentenverträge gefördert werden.

Für den Finanzmathematiker Manfred SIEPE, den ÖCHSNER zitiert, ist eine Vertrag nicht mehr lohnenswert. Weil dies so ist, soll die betriebliche Rente gefördert werden, was lediglich eine Subvention der Finanzdienstleistungsbranche wäre, die uns Bürgern viel Geld kostet. Dafür streicht dann z.B. die IG Metall mit ihrem Versorgungswerk Metallrente die Profite ein und die Unternehmen sollen vom Haftungsrisiko auch noch entlastet werden, d.h. der Arbeitnehmer trägt noch mehr Risiken als vorher.

250.000 freiwillig versicherte Angestellte im öffentlichen Dienst sind von der Senkung des Garantiezinses bei VBL betroffen, im Gegensatz zu den 1,9 Millionen Pflichtversicherten der VBL, die aufgrund der Umlagefinanzierung - im Gegensatz zum viel gepriesenen freiwilligen Kapitaldeckungsverfahren - nicht durch die Niedrigzinsphase tangiert werden. Anhand einer Beispielrechnung beziffert ÖCHSNER die Einbußen der freiwillig versicherten folgendermaßen:

"Ein 37 Jahre alter Angestellter, der noch Ende 2011 einen VBL-Extra-Vertrag unterschrieben hat und 30 Jahre bis zur Rente mit 67 genau 175 Euro monatlich einzahlt, hätte noch eine garantierte Zusatzrente von 617 Euro bekommen. Bei einem Neuabschluss von Juni 2016 an sind es jedoch nur noch 208 Euro. Das entspricht einem Minus von fast 70 Prozent"

Auch andere Finanzdienstleister der betrieblichen Altersversorgung haben bereits reagiert:

"So hat die größte Pensionskasse Deutschlands, die BVV Versorgungskasse des Bankgewerbes mit gut 350 000 Versicherten, angekündigt, dass ihre Kunden mit vor 2005 abgeschlossenen Altverträgen und einem hohen Garantiezins von vier Prozent für künftige Beiträge fast ein Viertel weniger Rente erhalten werden. Auch die Neue Leben Pensionskasse, die zum Versicherer Talanx gehört, will den Garantiezins bei Altverträgen für künftige Einzahlungen von 3,25 auf 1,25 Prozent senken".

Der Finanzmathematiker SIEPE geht davon aus, dass weitere Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung folgen werden.         

 
       
   

ARVIDSSON, Bengt (2016): Schweden verschärft Asylgesetz.
Land verabschiedet sich von bislang großzügigsten Regeln in Europa,
in:
Neues Deutschland v. 22.06.

 
       
   

SCHOETTLI, Urs (2016): Malthus auf den Kopf gestellt.
Geopolitische Perspektiven: Japan und China schrumpfen und altern gleichermassen. Sie reagieren jedoch unterschiedlich auf die demografische Herausforderung. China aspiriert weiter auf den Platz an der Sonne – mit Folgen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 22.06.

Wie hirnrissig demografische Betrachtungen sind, zeigt sich, wenn die Situation in China genauso betrachtet wird, wie jene in Deutschland. Begriffe wie "Überalterung" werden mit einer Selbstverständlichkeit auf andere Länder übertragen, die von allen sonstigen Unterschieden abstrahiert. Wie früher Feldherren vom Hügel aus ihre Schlachtfelder betrachteten, so wird heute mit demografischen Indikatoren das Bevölkerungsschlachtfeld inspiziert.

"Die Gesamtfertilitätsrate liegt mittlerweile bei 1,6 Geburten pro Frau, mithin markant unter der für die Erhaltung des Bevölkerungsstandes nötigen Marke. Zu den grossen Erfolgen von Chinas Modernisierung gehört die substanzielle Erhöhung der allgemeinen Lebenserwartung. Bei Maos Tod im Jahre 1976 konnte ein Durchschnittschinese mit einer Lebensspanne von 63 Jahren rechnen. Heute sind es bereits 75 Jahre. Zusammen mit dem Rückgang der Geburten bedeutet dies eine bald spürbare Veränderung der Bevölkerungspyramide. Heute sind 18 Prozent der Chinesen unter 15 Jahren alt, derweil Menschen von über 65 Jahren 11 Prozent ausmachen. Dieses Verhältnis wird sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten kräftig verschieben, wobei die Bevölkerung bis 2030 noch auf 1,4 Milliarden wachsen und danach zurückgehen wird, um 2050 mit 1,35 Milliarden kleiner zu sein als im Jahre 2016. Bereits heute zeichnen sich Engpässe auf dem Arbeitsmarkt ab, und in der Zukunft wird sich der Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung weiter stark vermindern",

berichtet uns Urs SCHOETTLI aus China. Ohne dass z.B. gefragt wird, was es bedeutet, wenn die Ein-Kind-Politik beendet wird und welche Auswirkungen eine selektive Geburtenkontrolle auf die Bevölkerungsstruktur haben. Stattdessen werden uns die Bevölkerungen asiatischer Staaten wie Heere präsentiert, die nur Figuren im Demografiekrieg sind.

"2025 wird Japan voraussichtlich noch 124 Millionen Einwohner haben, und im Jahre 2050 werden es bloss noch 109 Millionen sein, wovon 40 Prozent 65 Jahre alt oder älter sein werden",

erzählen uns die Kaffeesatzleser über Japan, als ob hier Wahrheiten verkündet würden. In einer Welt der Unsicherheit, bieten demografische Prognosen wenigstens noch scheinbaren Halt. Deswegen ist diese Gier nach magischen Zahlen eine neue Art von Religionsersatz geworden.

Wir werden dann mit Mantras aus der Überalterungsmottenkiste abgespeist, die lauten:

"Eine alternde Gesellschaft mit einer rasch schrumpfenden Population, die bewusst keine substanzielle Zuwanderung will, neigt naturgemäss zu Konservatismus und Pessimismus."

Im Gegensatz zu dieser Japan zugeschriebenen Resignation, wird von SCHOETTLI China als Land vorgestellt, das gegen die "resignierte Hinnahme des demografischen Niedergangs" ankämpft, womit die Lockerung der Ein-Kind-Politik gemeint ist. Vielleicht erinnert man sich noch an jene Zeiten, als Japan aufgrund seiner konfuzianischen Tradition sagenhafte Kräfte im Kampf gegen die Überalterung zugeschrieben wurden.

Hängen diese Projektionen nicht viel mehr mit unserer westlichen Sichtweise auf die Demografie zusammen als mit der Situation in diesen Ländern? Darauf verweist die ängstliche geopolitische Einschätzung von SCHOETTLI nach dem Ende der Globalisierungseuphorie, ein Begriff jener, die sich von der Globalisierung viel erhofft haben und deshalb enttäuscht werden konnten:

"Nach dem Ende des Kalten Kriegs schienen die liberale Demokratie und die Marktwirtschaft endgültige Siege errungen zu haben. Doch der Schein trog. Mit der «Pivot Asia»-Politik – der Schwergewichtverlagerung nach Asien – der Obama-Administration und mit den intensivierten Bemühungen Chinas, seinen angestammten Status als asiatischer Hegemon und als Weltmacht zurückzugewinnen, ist in jüngster Zeit das Bewusstsein für die Schlüsselrolle geopolitischer Positionierung in der Weltwirtschaft gewachsen. Nicht nur aus US-Sicht lohnt es sich deshalb, einen Blick auf die sicherheitspolitische und weltwirtschaftliche Relevanz der demografischen Entwicklungen in Ostasien zu werfen.
Als 2011 die Volksrepublik China Japan als zweitgrösste Wirtschaftsmacht der Welt ablöste, kam dies für die Japaner einem Schock gleich. Dieser wurde durch den Bedeutungsverlust der supranationalen Vereinigungen der sieben bzw. acht führenden Industrieländer (G-7 bzw. G-8), in denen Japan als einzige asiatische Macht vertreten war, zusätzlich akzentuiert. Inzwischen scheint man sich mehr oder weniger komfortabel in einer marginaleren Position eingerichtet zu haben."    
 

 
       
   

KLUTE, Hilmar (2016): Pott raus, Glück rein.
Wolfgang Welt war Pop-Journalist, Schriftsteller, Nachtportier - und in Bochum eine feste Größe. Nun ist er gestorben,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 21.06.

 
       
   

NAHLES, Andrea (2016): Wir brauchen einen neuen sozialen Kompromiss.
Standpunkt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.06.

Die FAZ druckt Auszüge aus dem 10-seitigen Positionspapier Ein neuer sozialer Kompromiss für das Zeitalter der digitalen Transformation. NAHLES unterscheidet hinsichtlich der Debatte um die Industrie 4.0 zwischen Entwarnern, Apokalyptikern und Utopisten, um sich als Gestalterin profilieren zu können. Die aktuelle Entwicklung bestätigt gemäß NAHLES die Prognosen von Peter GLOTZ zum Kulturkampf im digitalen Kapitalismus, den er in dem 1999 erschienen Buch Die beschleunigte Gesellschaft beschrieben hat. 

 
       
   

ANGER, Heike (2016): Keine Frage des Alters.
Urteil des Europäischen Gerichtshof sorgt für Klarheit bei Rentensystemen,
in:
Handelsblatt v. 21.06.

Heike ANGER sieht durch ein Gerichtsurteil des Europäischen Gerichtshof in Luxemburg die Rechtssicherheit von Unternehmen gestärkt. Das Gericht hatte die Klage eines österreichischen Pensionsbeziehers abgewiesen, der sich aufgrund des Alters durch die Festlegung von Altersgrenzen diskriminiert fühlte. Das Gericht bescheinigte zwar, dass es sich um eine Diskriminierung handele, wenn eine solche Diskriminierung jedoch auf nationaler Ebene einheitlich erfolgt, dann ist eine solche Diskriminierung lediglich Ausdruck einer zuerkannten Freiheit von EU-Mitgliedsstaaten und damit rechtens. Gemäß eines zitierter Fachanwalts für Arbeitsrecht hat dieses Urteil Bedeutung für alle Rentensysteme von abhängig Beschäftigte und Selbständige.  

 
       
   

HILDEBRAND, Jan & Axel SCHRINNER (2016): Schweres Erbe.
Nach einem Jahr Streit einigt sich die Koalition auf eine neue Erbschaftssteuer. Doch wirklich glücklich ist niemand mit der Reform. Klar ist vor allem eins: Es wird noch komplizierter,
in:
Handelsblatt v. 21.06.

SCHRINNER, Axel (2016): "Die Erbschaftssteuer bleibt verkorkst".
Gespräch mit Lars Feld,
in:
Handelsblatt v. 21.06.

Für den Ökonomen Lars FELD ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Erbschaftssteuerreform erneut vor dem Bundesverfassungsgericht verhandelt werden muss.

 
       
   

RIEL, Aert van (2016): Reiche Firmen privilegiert.
Erbschaftssteuer bleibt wenig ertragreich,
in:
Neues Deutschland v. 21.06.

 
       
   

RÜRUP, Bert (2016): Gefährliche Einmalzahlung.
Leidartikel: Die Pläne der Links-Partei gefährden die Rentenkasse,
in:
Handelsblatt v. 20.06.

Bert RÜRUP, Mitverantwortlicher für die Teilprivatisierung der Rente, kritisiert die Pläne der Linkspartei, die eine Stärkung der gesetzlichen Rente vorsehen. Dem Altersvermögensgesetz, das eher ein Altersvermögensvernichtungsgesetz ist und mit dem 2001 die Subventionierung der Finanzdienstleistungsbranche durch die Riester-Rente ermöglicht wurde, möchte die Linkspartei ein Ende bereiten. Dazu hat sie einen Antrag auf Überführung der Riester-Rente in die gesetzliche Rentenversicherung in den Bundestag eingebracht (vgl. Bundestags-Drucksache 18/8610). Dieser sieht vor, dass das bereits mittels Riester-Verträgen angesparte Vermögen auf freiwilliger Basis in die gesetzliche Rentenversicherung übertragen werden kann, um dadurch höhere Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung zu erwerben. Dies ist als erster Schritt zur Anhebung des Niveaus der gesetzlichen Rente auf 53 % geplant. Ein Gutachten hat bereits signalisiert, dass eine solche Möglichkeit nicht gegen die Verfassung verstößt, lediglich die Freiwilligkeit müsse dabei gewahrt bleiben. RÜRUP erzählt uns nun seine Märchenvariante:

"nirgendwo auf der Welt gibt es aus freiwilligen Beiträgen finanzierte Sozialversicherung"

Dies stimmt nicht einmal für die deutsche Rentenversicherung, wo z.B. bestimmten gesellschaftliche Gruppen ihre Ansprüche durch freiwillige Beiträge aufstocken können. Das erste Argument RÜRUP ist genauso ein Scheinargument wie das zweite: das Prinzip der Teilhabeäquivalenz werden durch die Einmalzahlung verletzt. Dieses Prinzip wird seit eh und je verletzt, z.B. durch die Wiedervereinigung oder zuletzt durch die Mütterrente und erst Recht durch die Grundsicherung im Alter. Das gesetzliche Rentensystem ist längst durch andere Prinzipien ergänzt worden und spiegelt nicht mehr die "Pyramide der Lohnempfänger" wieder.

RÜRUP ist deshalb auch gar nicht generell gegen Einmalzahlungen, sie sollen dann aber die Renten von Geringverdienern aufbessern. Das aber würden sie tun, wenn sie der Anhebung des Niveaus der gesetzlichen Rentenversicherung zugute kommen.

Ganz absurd wird es, wenn RÜRUP auf die Rendite der gesetzlichen Rente abhebt:

"Weil sie sich von der gesetzlichen Rentenversicherung eine höhere Rendite als von der Riester-Rente versprechen, werden sie die Option der Einmalzahlung nutzen."   

War die private Altersvorsorge nicht Anfang des Jahrtausends mit der Lockung einer höheren Rendite gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung angetreten? Und jetzt ist das Gegenteil der Fall?

Fazit: RÜRUP geht es lediglich um die Stärkung der privaten Altersvorsorge, die er selber mitzuverantworten hat. Die Abschaffung der Riester-Rente und damit die Subvention der Finanzdienstleistungsbranche ist überfällig. Die Finanzdienstleistungsbranche soll gefälligst zeigen, dass sie besser ist als die gesetzliche Rentenversicherung. Das tut sie anscheinend nicht, sonst müsste RÜRUP nicht Angst haben, dass sich viele gegen die private Altersvorsorge und für die gesetzliche Rente entscheiden würden. Die Argumentation von RÜRUP muss als Eingeständnis des Scheiterns der Riester-Rente betrachtet werden. 

 
       
   

FEUERBACH, Leonie (2016): Um Opa kümmert sich der Pole.
Eigentlich ist Pawel Baszak Klarinettist. Gerade lebt er mit einem Rentner zusammen und entlastet so das deutsche Pflegesystem,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.06.

"Eine Osteuropäerin oder, in seltenen Fällen, ein Osteuropäer, die oder der zu den alten Menschen ins Haus zieht und rund um die Uhr für sie da ist, erscheint (...) fielen als perfekte Lösung. Experten gehen von 150.000 bis 300.000 osteuropäischen Pflegekräften in deutschen Rentnerhaushalten aus",

erklärt uns Leonie FEUERBACH anlässlich ihrer Reportage über ein solches Pflegearrangement, das meist in einer umstrittenen Grauzone angesiedelt sei, bei dem Vermittlungsagenturen viel Geld verdienen. Als Expertin wird die Soziologin Helma LUTZ zitiert und die Situation in Skandinavien und der Schweiz mit der deutschen Pflegesituation verglichen. Der Tenor des Artikels: die Zeit der billigen Pflegekräfte aus Osteuropa neigt sich dem Ende entgegen.

 
       
   

PEZZEI, Kristina (2016): Gestern fremd, morgen Nachbar.
Neu in der Stadt? In Zeiten des Internets ist das kein Problem. Eigentlich. Gleich mehrere Nachbarschaftsvernetzer treten an, die Anonymität zu durchbrechen. Das ist schwerer als gedacht,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.06.

 
       
   

DETTMER, Markus/KNAUP, Horand/SCHMERGAL, Cornelia (2016): Auf Abstand.
SPD: Parteichef Gabriel und Arbeitsministerin Nahles streiten über den richtigen Kurs in der Rentenpolitik. Es geht um mehr als Wahlkampftaktik. Dahinter steht eine persönliche Fehde,
in:
Spiegel Nr.25 v. 18.06.

Die Psychodoktoren vom Spiegel legen Andrea NAHLES und Sigmar GABRIEL auf die Psychocouch und inszenieren eine Seifenoper, um uns auf ihren neoliberalen Rentenkurs einzuschwören. NAHLES wird von DETTMER/KNAUP/SCHMERGAL zur Agenda 2010-Retterin aufgebaut, die sich gegen ihren Parteivorsitzenden GABRIEL, den bösen Rentenpopulisten, zur Wehr setzen muss. Dazu wird GABRIELs Wahlkampftaktik, mit der die "kleinen Leute" mitangesprochen werden sollen, in einen Gegensatz zur "pragmatischen Position" von NAHLES gebracht. Uns wird nochmals die Story der Rentendebatte vom Ende Februar bis heute nacherzählt. Beim Showdown steht dann der innerparteiliche SPD-Konflikt, der auf die Interessengegensätze innerhalb der Gewerkschaften trifft, im Fokus:

"Während Gabriel seine Ideen eher an linksorientierten Gewerkschaften wie Verdi-Chef Frank Bsirske ausrichtet, hält Nahles es mit den Pragmatikern von der IG Bergbau, Chemie und Energie (BCE) und der IG Metall, die vor allem auf höhere Betriebsrenten setzen.
Längst hat sie ihr Ministerium passend aufgestellt. Um die Rente kümmert sich vor allem Staatsekretärin Yasmin Fahimi, die einst die Grundsatzabteilung der IG BCE leitet".

Ausgeblendet bleibt, warum z.B. die IG Metall auf höhere Betriebsrenten setzt, denn die IG Metall profitiert mit ihrem Versorgungswerk Metallrente von einer Stärkung der betrieblichen Altersversorgung. Mit den Metallarbeitgebern zusammen setzen sie deshalb auf einen Kompromiss zu Lasten der Arbeitnehmer.

Stattdessen bekommen wir nochmals die Seifenoper vorgespielt, die mit der Agenda 2010 beginnt und ein Figurenkabinett entfaltet, das Olaf SCHOLZ und NAHLES ab 2012 im Kampf gegen die Rente ab 63 zu Bündnispartnern gegen GABRIEL werden lässt. NAHLES wird wie bereits SCHOLZ als Verfechter einer Verbesserung der Erwerbsminderungsrente hervorgehoben. Seitdem sei NAHLES die starke Frau, die sich nie mehr für Rentenprojekte vereinnahmen lässt, hinter denen sie nicht selber stehe.

Fazit: NAHLES wird vom Spiegel als diejenige in der SPD aufgebaut, die den Agenda-Kurs - auch gegen den Parteivorsitzenden - weiterführt und die vom Spiegel gewünschte neoliberale Reform der Betriebs- und Riesterrente retten soll.   

 
       
   

GABRIEL, Sigmar (2016): Im Schafspelz.
Gastbeitrag: Eine radikalte bürgerliche Rechte sagt der Republik den Kampf an. Jetzt braucht Deutschland ein Bündnis der progressiven Kräfte,
in:
Spiegel Nr.25 v. 18.06.

 
       
   

JURETZEK, Rainer (2016): Den Ruhestand sorgfältig planen.
Die Vermögensfrage: Eine Beratung kann nicht nach ein bisschen Fingertippen eine Lösung parat haben. Wunderschön aufbereitete Grafiken nach wenigen Dateneingaben sind mit Vorsicht zu genießen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.06.

Rainer JURETZEK berichtet über eine neue Masche der Finanzdienstleistungsbranche, die mit dem Begriff der Ruhestandsplanung  die vermögende Zielgruppe 50Plus, gerne auch als "Best Ager" angesprochen, im Auge hat.

JURETZEK stilisiert sich zum Anwalt dieser Zielgruppe und preist das Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Finanzplanung e.V. (DFP) als Qualitätsmerkmal. Pikant daran ist jedoch, dass der Autor auch gleichzeitig Vorsitzender dieses Vereins ist, was die FAZ uns jedoch verschweigt. Weshalb? Auf alle Fälle ist das ein Zeichen von schlechtem Journalismus, wenn jemand PR in eigener Sache betreibt und das nicht kenntlich gemacht wird.

JURETZEK beschreibt die Ruhestandsplanung als Teilbereich der seit 20 Jahren in Deutschland etablierten Finanzplanung, was sozusagen mit der Gründung der DFP im Jahr 1995 zusammenfällt.

Mit Blick auf neue Kreditvergaberegeln im Immobilienbereich, die in der FAZ ausgiebig behandelt worden sind, sieht JURETZEK das eigene Geschäftsfeld im Aufwind:

"Das heißt letzten Endes die Erstellung einer langfristigen Finanzplanung. Das hat sich zwar noch nicht überall herumgesprochen, erhöht aber natürlich auch den Zeitaufwand für Kunde und Berater, ist aber in jedem Fall sinnvoll zur beiderseitigen Sicherheit. Für den Finanzierungskunden sinkt das Finanzierungsrisiko und für den Finanzberater das Haftungsrisiko; also eine Win-win-Situation."

Mit der Teilprivatisierung der Rentenversicherung im Jahr 2001, die die Etablierung der Ruhestandsplanung befördert hat, wurde die Deckungslücke zum Profitcenter der Finanzdienstleistungsbranche. JURETZEK beschreibt das folgendermaßen:

"Im Hinblick auf das steigende Lebenshalter ist selbst im Zeitpunkt des Renteneintritts mit einem Planungshorizont von wenigsten zwei Dekaden zu rechnen. Zu diesem Zeitpunkt ist in der Regel die Ausgabensituation bekannt, ebenso die Rentenansprüche aus gesetzlicher Rente, aus Betriebsrenten und gegebenenfalls privater Rentenversicherungen sowie das vorhandene Vermögen. Wenn man davon ausgeht, dass in vielen Fällen mit den zugesicherten Rentenansprüchen der geplante Lebensstandard nicht gehalten werden kann, muss das vorhandene Vermögen zum Einsatz kommen. Es lässt sich dann schnell ausrechnen, wie viel Rendite das liquide Vermögen erwirtschaften muss, um die erkannte Lücke zu schließen."

Heikel ist vor allem die Einbeziehung der Inflationsrate in die Finanzplanung, denn wer hätte vor einem Jahrzehnt die jetzige Situation schon vorausgesehen?

Fazit: Der Artikel weist auf etliche Punkte hin, die eine gute von einer schlechten Ruhestandsberatung unterscheiden, ob dabei eine Vorgehensweise nach den Grundsätzen ordnungsgemäßer Finanzplanung im Sinne der DFP hilfreich ist angesichts der Abstraktheit dieser Grundsätze, ist jedoch fraglich. Hilfreicher wäre hier eine Liste konkreter Punkte, die in einem solchen Beratungsgespräch angesprochen werden müssen. Falls man eine solche Beratung überhaupt für notwendig erachtet.

 
       
   

UTHENWOLDT, Deike (2016): Cheflein sein statt Rentner.
Es gibt mehr von ihnen, als man denkt: Ältere Menschen, die keine Lust haben, sich nur aufs Altenteil zurückzuziehen - die Geschäftsideen entwickeln und auch jenseits der siebzig noch ein Unternehmen gründen. So wie Helmut Meyer, der vom Flugplatz "Hungriger Wolf" aus in die weite Welt starten will,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.06.

Diese Überschrift suchen Sie in der FAZ natürlich vergeblich. Dort heißt es politisch korrekt: Chef statt Rentnerlein.

 
       
   

ZEKRI, Sonja (2016): Wir sind die Guten.
SZ-Serie Bewegte Mitte (1): Zwischen Angst und Anspruch. Der Münchener Soziologe Stephan Lessenich über eine alarmierte Bevölkerungsgruppe,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 17.06.

Der Soziologe Stephan LESSENICH sieht in der Mitte keinen stabilisierenden politischen Faktor mehr. Die Mitte ist für ihn sowieso nur ein spezieller deutscher Volksersatz im Gegensatz zu Frankreich (Republikanismus) oder den USA (Verfassungspatriotismus), die von anderen Demokratieprinzipien geprägt sind.

Der Kampf um die wahre Mittelschichtdefinition, beispielhaft zuletzt an den Studien von DIW bzw. IW oder an der Ungleichheitsserie der FAZ abzulesen sind Selbstverständigungsdiskurse in Sachen mittelschichtorientierter Politik. Dabei entdeckt LESSENICH eine gewisse Schizophrenie:

"Mittelschichten (kritisieren) (...) einen ausufernden Staat oder zu viel Staatlichkeit (...), obwohl sie davon profitieren"

Beispielhaft lässt sich dies im Beitrag von Dorothea SIEMS in der heutigen Welt ablesen:

"Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat die Verteilungswirkung der wichtigsten Familienleistungen für die den Grünen nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung analysiert. Danach erhält das reichste Zehntel der Haushalte 13 Prozent der Förderung, das ärmste dagegen nur sieben Prozent. Pro Haushalt am unteren Ende der Einkommensskala sind dies 107 Euro monatlich gegenüber 199 Euro am oberen Ende",

erläutert uns SIEMS, nur um darauf hinzuweisen, dass schließlich die Wohlhabenden (obere Mittelschicht und die Oberschicht?) auch diese Leistungen finanziert:

"Allerdings tragen die Wohlhabenden mit 44 Prozent auch fast die Hälfte der gesamten Einkommensteuerlast, während die unteren Einkommensgruppen fast keinen Beitrag leisten müssen."

Aus dieser Tatsache heraus wird dann abgeleitet, dass diese "Wohlhabenden" auch das Recht haben die Politik zu bestimmen bzw. gekränkt sein dürfen, wenn die Politik sich nicht um diese Interessen kümmert. Und Umverteilung ist diesem neoliberalen Milieu ein besonderes Ärgernis. So jedenfalls sieht das zu Recht Stephan LESSENICH, der auf den Unterschied zwischen einkommensdefinierter Mittelschicht (50 - 60 % der Bevölkerung) und gefühlter Mittelschicht (80 %) aufmerksam macht. Diesen Unterschied nutzen Mainstreammedien, um ihre Politik für die obere Mittelschicht als Mittepolitik auszugeben.

LESSENICH weist darauf hin, dass die Mittelschichtdystopien im Zusammenhang mit dem Demografiediskurs gesehen werden müssen. Generativität ist für die wohlhabende Mittelschicht ein wichtiges Moment ihres Handelns und führt zur Abgrenzung gegen den Rest der Gesellschaft, denn:

"Wenn es immer weiter nach oben gehen soll, ist schon Stillstand eine Bedrohung",

erläutert LESSENICH die Wachstumsfixierung eines von Generativität getriebenen Milieus. In diesem Sinne ist eine Verschiebung im Mittelschichtkonsens eingetreten: Neureiche sind nicht mehr wie früher verpönt, sondern gehören nun dazu, denn

"an die Stelle von Leistung als Kriterium sozialer und öffentlicher Akzeptanz tritt zunehmend der Erfolg."

In diesem Sinne interpretiert LESSENICH die Erfolge der AfD und des Rechtspopulismus als Erfolg einer Mittelschichtbewegung und eines Extremismus der Mitte, den bereits der Sozialstrukturforscher Theodor GEIGER für die Weimarer Republik konstatierte und der für den Aufstieg des Nationalsozialismus mitverantwortlich war.  Begriffe wie Dummdeutsche, Dunkeldeutsche oder Modernisierungsverlierer sind aus dieser Sicht eine Selbstlüge der Mittelschicht, weil sie den eigenen Anteil an der Entwicklung ausblenden.

 
       
   

SEIBT, Gustav (2016): 208 Millionen Deutsche.
Bitte jetzt mal keine Panik: Lucian Hölschers "Entdeckung der Zukunft" relativiert viele Sorgen,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 17.06.

Gustav SEIBT zitiert eine Bevölkerungsprognose von Gustav SCHMOLLER aus dem Jahre 1899. Demzufolge sollten 1965 rund 104 Millionen und im Jahr 2135 rund 208 Millionen Menschen im Deutschen Reich leben. Bekanntlich ist es anders gekommen und auch Hans GRIMMs Roman Volk ohne Raum, wird heutzutage von Apokalyptikern zum Raum ohne Volk stilisiert:

"Heute ist Europa von umgekehrten Ängsten geplagt: Ein sich leerender Wohlstandsraum sauge riesenhafte Bevölkerungsüberschüsse armer Weltteile an. Begriffe wie »Umvolkung«, über den Umweg des französischen »Remplacement« wieder salonfähig gemacht, kursieren mindestens bei den neuen Rechten",

erläutert SEIBT ohne auch nur im Mindesten seine eigenen Anteil daran mitzureflektieren, stattdessen die Behauptung:

"Schmollers Prognose ist lehrreich als Irrtum."

Leider lässt sich jedoch nicht erkennen, dass dies irgendwelche Konsequenzen hätte. SEIBT mag zwar den Begriff "Umvolkung" nicht verwenden, aber seine Sicht auf die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland deckt sich in vielem mit der neuen Rechte.   

 
       
   

HASSEL, Florian (2016): Leben mit Schwester und Schwager.
Serie Wohnungsmarkt in den Metropolen: In Polens Hauptstadt sind viele Unterkünfte klein, veraltet und beherbergen oft mehrere Generationen. Das liegt vor allem an den hohen Mieten oder Kosten. Wohnen in Warschau ist für die Bewohner - gemessen am Einkommen - doppelt so teuer wie für die Berliner,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 17.06.

 
       
   

SIEMS, Dorothea (2016): Wo kommt das viele Geld an?
Die Familienleistungen reduzieren die Kinderarmut erheblich. Doch für Alleinerziehende wären andere Hilfen notwendig,
in:
Welt v. 17.06.

Dorothea SIEMS betrachtet anlässlich einer der Welt zugespielten Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), im Auftrag der Grünennahen Heinrich-Böll Stiftung, die Familienleistungen im Hinblick auf deren Mittelschichtzentrierung:

"Die größte Entlastungswirkung für die einkommensstarken Familien entfalten (...) nicht Transferleistungen, sondern die steuerlichen Regelungen."

Neben Steuerfreibeträgen wird insbesondere das Elterngeld hervorgehoben. Die Anrechnung des Kindergeldes auf die Grundsicherung findet SIEMS gerecht, genauso wie die Tatsache, dass Wohlhabende Kindergeld erhalten.

Das Ehegattensplitting wird als Abmilderung der Steuerprogression gelobt. Mit Hinweis auf den am Wochenende stattfindenden Gerechtigkeitskongress der Grünen lässt SIEMS ihre Leser wissen, dass die Grünen dort auch über das Ehegattensplitting diskutieren, das die Grünen bislang als Bevorzugung der Alleinverdienerehe kritisiert haben.

Franziska BRANTNER (Grüne) wird dahingehend zitiert, dass die erst 2015 beschossene Aufstockung des Entlastungsbeitrags für Alleinerziehende durch eine auf Alleinerziehende beschränkte Kindergelderhöhung um 100 Euro ersetzt werden soll. 

SIEMS, die gerne gegen Sozialtransfers hetzt, muss konstatieren, dass die Aktivierungspolitik zu einem familienpolitischen Dilemma führt:

"Diejenigen Leistungen, die nur Haushalten mit geringen Einkommen zugutekommen, reduzieren das Armutsrisiko am effizientesten, schwächen aber die Anreize zur Erwerbstätigkeit. Umgekehrt erreichen Leistungen zur Förderung der Erwerbstätigkeit nicht die am stärksten Bedürftigen",

wird die ZEW-Studie zitiert.

 
       
   

STOCKER, Frank (2016): Immobilienblase hat Deutschland schon erfasst.
Die BIZ hat den Kollaps des US-Häusermarktes vorhergesagt - jetzt warnen die gleichen Experten erstmals vor einer Überhitzung in der Bundesrepublik,
in:
Welt v. 17.06.

 
       
   

SIEVERS, Markus (2016): Koalition fast einig bei Reform der Erbschaftssteuer.
Familienbetriebe sollen bei Generationswechsel weiter entlastet werden - letzte Details wollen Union und SPD am Wochenende klären,
in:
Frankfurter Rundschau v. 17.06.

Markus SIEVERS berichtet wenig Inhaltliches über das Treffen von Horst SEEHOFER, Sigmar GABRIEL und Wolfgang SCHÄUBLE, stattdessen wird der Anlass (BVG-Gerichtsurteil von 2009) hervorgehoben und eine Schätzung des DIWs zum Anteil der jetzt verhandelten Erbschaften im Rahmen des gesamten Erbschaftsvermögen vorgestellt:

"Derzeit und in den nächsten Jahren werden nach Schätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung alle zwölf Monate zwischen 200 und 300 Milliarden Euro vererbt oder verschenkt. Rund 30 bis 40 Milliarden Euro davon entfallen demnach auf Unternehmensübertragungen."

HILDEBRAND, Jan (2016): Entscheidung über Erbschaftssteuer vertragt.
Die Koalitionäre Schäuble, Seehofer und Gabriel ringen bis zuletzt um jede Formulierung,
in:
Handelsblatt v. 17.06.

Jan HILDEBRAND verspricht Insiderinformationen vom Treffen und spricht das vom BVG monierte Gesetz an, das lediglich bei Betrieben über 20 Arbeitnehmern eine gesonderte Prüfung vorsah. Dies hätte 90 Prozent aller Unternehmen betroffen. Nun soll die Grenze bei 4 oder 5 Arbeitnehmern liegen.

Außerdem wird hervorgehoben, dass Horst SEEHOFER auch Betriebsvermögen außerhalb von Deutschland mitberücksichtigen will, was Steuertricksereien ermöglichen würde.

 
       
   

REICHEL, Reiner (2016): Klagen auf hohem Niveau.
Die Wohnungsbranche kritisiert Pläne der Politik, dabei geht es ihr bestens,
in:
Handelsblatt v. 17.06.

Reiner REICHEL konfrontiert die Klagen der Wohnbau-Lobbyisten mit dem vierteljährlich veröffentlichten Index Wohnen des IW Köln und dem halbjährlich veröffentlichten Wohninvestment-Index von Aengevelt.

 
       
   

LOBE, Adrian (2016): Die Angst vor der Vierzig-Stunden-Pause.
Warum plädieren Wagniskapitalgeber aus dem Silicon Valley für das bedingungslose Grundeinkommen?
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.06.

Die Angst der Print-Medien vor den Internetmedien schlägt sich in einem eingeengten Tunnelblick auf die Digitalisierung nieder. Warum das bedingungslose Grundeinkommen nur wegen dem "datengesteuerten Kapitalismus" notwendig sein soll, will angesichts des "Internets der Dinge" und der Roboterisierung nicht so recht einleuchten. Eher einleuchtend ist, dass Journalisten sich davor fürchten durch Softwareprogramme ersetzt zu werden. Denn wenn ein Großteil der Texte in Qualitätsmedien sowieso nur auf wenige Agenturmeldungen und PR von Lobbygruppen rückführbar sind, dann weint sowieso kaum jemand diesen Zeiten nach. Vielleicht täte Journalisten ein Blick über den eigenen Tellerrand gut!    

 
       
   

Die OECD-Broschüre Regions at a Glance 2016  in der Debatte

CREUTZBURG, Dietrich (2016): Deutschland ist gleicher als viele OECD-Länder,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.06.

Die Lebensverhältnisse in Deutschland seien weniger ungleich als in anderen Ländern meint Dietrich CREUTZBURG. Die Daten der Studie beziehen sich jedoch nicht auf vergleichbare Regionen und sind für spezielle Indikatoren auch nicht für alle 34 Länder auf dem gleichen Regionenlevel verfügbar, was uns CREUTZBURG verschweigt.

"Auch bei anderen Faktoren der Lebenszufriedenheit sind die regionalen Unterschiede innerhalb Deutschlands geringer. Das betrifft etwa die Lebenserwartung, wie die Forscher ermittelt haben. Sie schwankt hierzulande deutlich weniger als in Spanien oder Frankreich",

behauptet CREUTZBURG. Die Daten zur Lebenserwartung wurden in den Ländern Frankreich, Spanien und Deutschland auf dem Territoriallevel 2 für das Jahr 2013 erhoben (vgl. 2016, S.159). Dies bedeutet, dass 16 Bundesländer in Deutschland, 22 Regionen in Frankreich und 19 spanische Bezirke miteinander verglichen wurden. Für 3 OECD-Länder fehlen die Daten, für andere Länder existieren die Daten nur aus früheren Erhebungen oder sind unvollständig

Sowohl in Frankreich als auch in Spanien ist die durchschnittliche Lebenserwartung höher als in Deutschland, sodass sich hier die Frage stellt, inwiefern die geringeren regionalen Unterschiede in Deutschland überhaupt als positiv bewertet werden können, zumal Deutschland nur 16 im Gegensatz zu 19 bzw. 22 Regionen aufweist. Haben wir es hier vielleicht nur mit einem künstlichen Unterschied aufgrund der unterschiedlichen Regionalzuschnitte zu tun? Mit Gebietsreformen könnten solche Unterschiede zwar verringert werden, was aber heißt das dann für solche Rankings?

 
       
   

ZWINZSCHER, Felix (2016): Die große Sexismus-Theorie.
Hacker und Computernerds sind die starken Männer unserer Zeit. Frauen haben zu ihrer Szene meist keinen Zugang - und wenn doch, drohen ihnen Belästigung oder Schlimmeres. Eine Fehlermeldung,
in:
Welt v. 16.06.

Felix ZWINZSCHER erzählt uns die Geschichte des Nerd-Klischees, das durch den Erfolg der Nerd-Kultur im US-amerikanischen Silicon-Valley nun eine Umwertung erfährt: Nerds werden längst nicht mehr als schüchterne Männer mit unbeholfenen Verhaltensweisen gegenüber Frauen wahrgenommen wie sie noch in der US-Sitcom The Big Bang Theory zum Nerd-Bild dazugehörten, sondern als einflussreiche sexistische Männer.

ZWINZSCHER berichtet neben den Sexismus-Vorwürfen gegen Jacob APPELBAUM über eine Debatte, die der MIT-Professor Scott AARONSON durch einen Blog-Eintrag ausgelöst hat:

"Nerds prägende Erfahrungen in ihrer Sozialisation, die dazu führen, dass sie blind für sexistisches Verhalten werden. Das beste Beispiel dafür ist der äußerst emotionale Blog-Eintrag des MIT-Professors Scott Aaronson, der vergangenes Jahr für eine monatelange Diskussion weit über die Szene hinaus gesorgt hat. Aaronson beschreibt darin die sozialen Ängste, die sein Heranwachsen als nerdiger Mann geprägt haben. Die Tatsache, dass er nicht dem traditionellen Männlichkeitsbild entsprach und sich dessen sehr wohl bewusst war, habe jeden Kontakt zu Frauen über Jahre hinweg nahezu unmöglich gemacht. Frauen hätten ihn geradezu verängstigt. Deshalb bezweifelt Aaronson, dass er als männlicher Nerd Teil des Sexismusproblems ist.
Selbst die Feministin Laurie Penny hatte Verständnis für Aaronsons Beschreibung. Sie verwies in ihrem Artikel im »New Statesman« aber zugleich darauf, dass das Leid männlicher Nerds sicherlich real sei, viele Nerds aber durch beruflichen Erfolg in technischen Berufen inzwischen zu den gesellschaftlich einflussreichsten Schichten zählen. Frauen, besonders weibliche Nerds, haben diese Option wesentlich seltener."

Welche Auswirkungen hat dieser gesellschaftliche Einstellungswandel jedoch auf den gewöhnlichen, männlichen Nerd, der nicht Teil dieser männlichen Elite ist? Diese Frage wird in diesen Debatten ausgeblendet.  

 
       
   

GREIVE, Martin (2016): Dichtung und Wahrheit.
Ungleichheit wird zum Wahlkampfthema. Dabei geht es in Deutschland nicht ungerechter zu als vor zehnt Jahren,
in:
Welt v. 16.06.

Ein Schaubild soll uns vortäuschen, dass die Ungleichheit in Deutschland abgenommen hat, überschrieben ist es mit Komfort hat zugenommen. Von 1985 bis 2015 hat sich der Ausstattungsgrad mit technischen Geräten (Telefon/Handy, Fotoapparaten, Videorekordern, Fernsehgeräten usw.) in Mittelschicht (warum nicht Unterschichthaushalten?) erhöht.

Dass nun die Ungleichheit zum Wahlkampfthema gemacht werden soll, dafür führt GREIVE den neoliberalen Ökonomen Marcel FRATZSCHER an, auf dessen Buch zwar der Titel Verteilungskampf steht, in dem es aber gerade um eine Absage an den Verteilungskampf geht. Und auch Sigmar GABRIEL ist kein Verfechter des Verteilungskampfes, sondern versucht seinen neoliberalen Agenda-Kurs nur auf rhetorischer Ebene zu verschleiern. GREIVE stellt uns nun sieben ausgewählte Thesen auf, die er bewertet. Es geht dabei jedoch nur um materielle, aber nicht um die entscheidendere soziale Ungleichheit und selbst hier wird mit unseriösen Argumenten und Thesen gearbeitet, wie das Beispiel der ersten These zeigt.

These 1: Fast nirgendwo ist die Ungleichheit so hoch wie in Deutschland. Dazu liefert uns GREIVE eine Untersuchung mit lediglich 35 Ländern, obwohl es weltweit allein 194 Staaten gibt, die von der UN als solche anerkannt werden. Warum also nicht eine besser überprüfbare These nehmen: Fast nirgendwo in den OECD-Ländern ist die Ungleichheit so hoch wie in Deutschland. Das ist nämlich auch jene These, für die GREIVE tatsächlich Daten liefert. Hier fehlen jedoch Staaten, die wie Russland, China, Brasilien oder Indien große wirtschaftliche Bedeutung haben.

Bei den Berechnungen wird lediglich der Gini-Koeffizient als Maßstab herangezogen, der jedoch voraussetzt, dass überhaupt eine vergleichbare Datenqualität vorhanden ist. Darüber erfahren wir nichts bei GREIVE, nicht einmal aus welcher Quelle die Daten stammen und aus welchem Jahr.

Am gravierendsten ist jedoch die Tatsache, dass nicht erwähnt hat, wer die jeweilige These aufgestellt hat. Oder werden hier etwa lediglich Thesen widerlegt, die gar kein Ökonom behauptet?

 
       
   

ALEXANDER, Paul (2016): Schäuble lockt Länder mit Sondersparrechten.
Sozialgesetzgebung soll in Landesverantwortung eingeschränkt werden können,
in:
Neues Deutschland v. 16.06.

Paul ALEXANDER berichtet anlässlich von Verhandlungen der Ministerpräsidenten mit dem Bund zur Reform des Länderfinanzausgleichs am heutigen Donnerstag über eine mögliche Einführung von Länderöffnungsklauseln, mit denen bestehende bundeseinheitliche Sozialstandards regional abgesenkt werden können. Solche Abweichungsrechte beabsichtigten CDU/CSU sowie Hessen und Bayern bereits 2009 einzuführen, scheiterten aber damals.

"Das Perfide an den Abweichungsrechten ist, dass sie nur eine Zielgruppe kennen: Hilfebedürftige und Menschen mit geringem Einkommen",

wird Sabine ZIMMERMANN (Linkspartei) zitiert. Eine solche Regionalisierung würde den Sozialstaat weiter schwächen. 

 
       
   

THELEN, Peter (2016): Metallarbeitgeber unterstützen Nahles-Plan zur Betriebsrente.
Südwest-Metall-Chef Dick sieht viele Vorteile, wenn die Teilnahme für die Unternehmen freiwillig bleibt,
in:
Handelsblatt v. 16.06.

Peter THELEN berichtet über die Sicht der Unternehmenslobby hinsichtlich einer Reform der betrieblichen Altersversorgung. Der Hauptgeschäftsführer des Südwest-Metall-Arbeitgeberverbandes Peer-Michael DICK wird mit 3 Forderungen zitiert. Als besonders reizvoll wird die Beseitigung von Haftungsrisiken für die Unternehmen geschildert, denn

"wenn Gewerkschaft und Arbeitgeber vereinbaren, dass die Beiträge zu einer Betriebsrente an einen externen Versorgungsträger, etwa eine Pensionskasse oder eine Direktversicherung gezahlt werden, wird künftig der Unternehmer von der Haftung für Zahlung und Höhe der Betriebsrente befreit."

Dieses "Pay and forget"-Prinzip soll dafür sorgen, dass Arbeitgeber nicht mehr für Leistungskürzungen von Pensionskassen einstehen müssen. Inzwischen haben nämlich bereits erste Pensionskassen ihren Garantiezins gesenkt. In einem solchen Fall müssten nicht mehr die Arbeitgeber einspringen. Wenn also diese Forderung der Arbeitgeber Gesetzeskraft erhält, dann heißt dies, dass Gewerkschaften und Arbeitgeber ein Profitmodell entwickelt haben, dessen Risiken letztlich der Arbeitnehmer trägt.

Außerdem sollen nicht nur Arbeitnehmer mittels Opt-out-Modell nur gegen Widerspruch aus der betrieblichen Altersversorgung aussteigen können, sondern Unternehmen wollen sich ebenfalls vorbehalten nicht mitzumachen.

"Viele größere Unternehmen hätten bereits gut funktionierende Betriebsrentensysteme",

erläutert THELEN dazu. Aus Sicht der gesetzlichen Rentenversicherung ist jedoch die letzte Forderung gravierend:

"Wenn (...) der Gesetzgeber darauf verzichte, bei der gesetzlichen Rente zulasten der Wirtschaft nachzujustieren, könne er sich auch eine Verpflichtung des Arbeitgebers vorstellen etwa Kostenvorteile bei der Entgeltumwandlung in die Betriebsrente einzuzahlen."

Dies würde Forderung würde eine Schwächung der gesetzlichen Rente bedeuten, denn die Unternehmen wenden sich damit ausdrücklich gegen höhere Beitragssätze zur Stabilisierung des gesetzlichen Rentenniveaus. Wenn solche beschlossen würden, dann müssten Arbeitnehmer alleine die Beitragssatzlast zahlen.

Sollten die Gewerkschaften dem zustimmen, dann wären sie mitschuldig an der Schwächung der gesetzlichen Rente. Man darf also gespannt sein, inwiefern die Arbeitgeber ihre Forderungen in einem Gesetz durchsetzen können und welche Kompromisse die Gewerkschaften schließen, um ihre eigenen Profite (Metallrente) zu sichern.   

 
       
   

JANISCH, Wolfgang (2016): Zwei Mütter und ein Kind.
Der Bundesgerichtshof stärkt die Position von gleichgeschlechtlichen Paaren und erkennt eine doppelte Elternschaft an,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 16.06.

"Der Bundesgerichtshof (BGH) hat einem lesbischen Paar, das nach südafrikanischem Recht verheiratet ist, die doppelte Elternschaft zuerkannt - ihr Kind hat damit auch nach deutschem Recht zwei Mütter, und zwar ganz ohne Adoption",

berichtet Wolfgang JANISCH. Das BGH erkennt damit wie in anderen Fällen auch, die Rechtsordnung jenes Landes an, das den Lebensmittelpunkt eines Kindes darstellt. Inwiefern durch diese Praxis Methoden der künstlichen Befruchtung, die hierzulande unzulässig sind, durch die Hintertür auch in Deutschland gebräuchlich werden, darüber lässt sich JANISCH nicht aus.

 
       
   

STEPHAN, Björn (2016): Ansage. Liebt doch mal vernünftig!
"Partnerbörsen denken die Liebe vom Ende her. Sie fragen nicht: Warum verlieben sich Menschen? Sie fragen: Warum trennen sie sich?"
in:
Die ZEIT Nr.26 v. 16.06.

 
       
   

ROHRBECK, Felix (2016): Der Erbe des Miethais.
Wohnungsnot plus Flüchtlingskrise: Kaum ein Konzernchef ist derzeit so gefragt wie Rolf Buch. Wohin führt er Deutschlands größtes und umstrittenstes Wohnungsunternehmen Vonovia?
in:
Die ZEIT Nr.26 v. 16.06.

Felix ROHRBECK porträtiert Rolf BUCH, einst Bertelsmann-Manger und jetzt Chef des Wohnungskonzerns Vonovia, der bundesweit ca. 350.000 Wohnungen besitzt und als Deutsche Annington von der neoliberalen Privatisierungspolitik profitierte:

"An ihn verscherbelte der Staat einen beträchtlichen Teil der insgesamt 700.000 Wohnungen in öffentlicher Hand, die seit 1997 privatisiert wurden. Sie fehlen heute, um den Markt zu beruhigen."

Das Porträt schwankt zwischen Lobpreisung und Minimalkritik.

 
   
ZITTY-Titelgeschichte: Die Neubau-Lüge.
Warum mehr Beton die Wohnungsnot noch verschärft - und was wirklich helfen würde

SCHWARZBECK, Martin (2016): Die Neubau-Lüge.
Rund 20.000 Wohnungen will Berlin künftig jedes Jahr errichten. Doch denen, die am dringendsten eine suchen, hilft das nicht. Die Neubauten verschärfen das Problem eher, sie ziehen die Mieten nach oben und sind für Geringverdiener kaum erschwinglich, selbst mit Subventionen nicht. Aber es gibt Wege aus der Wohnungsnot - allerdings nur im Bestand,
in: zitty
Nr.24 v. 16.06.

Martin SCHWARZBECK präsentiert 3 Thesen, dazu was getan werden müsste:
1) Zusammenrücken
2) Verschwendung verbieten
3) Umzüge fördern

Das klingt gut, ist aber in erster Linie purer Populismus:

"In fast der Hälfte der Haushalte in Berlin lebt nur eine einzelne Person. Die gute alte WG, gern auch generationenübergreifend, könnte eine Lösung sein, wie wir alle miteinander auch in der Stadt von morgen leben können"

lügt uns SCHWARZBECK an, denn Wohngemeinschaften werden in der amtlichen deutschen Statistik als Einpersonenhaushalte geführt. Eine WG mit 7 Mitgliedern zählt in der Regel als 7 Einpersonenhaushalte, obwohl die 7 Personen zusammen in einer einzigen Wohnung leben. Es ist eine der großen Lebenslügen der 68er, dass Wohngemeinschaften eine Alternative zum Alleinwohnen seien. Fakt ist: WG oder Alleinwohnen - der Haushaltsstatistik ist das völlig egal!

Bevor uns also eine Scheinlösung vorgeschlagen wird, müsste zuallererst geklärt werden, in wie vielen Wohnungen überhaupt nur eine Person wohnt. Wenn es dazu verlässliche Daten gibt, kann weiter diskutiert werden. SCHWARZBECK jedenfalls bleibt jeden Beleg schuldig.

Unter dem Punkt Verschwendung verbieten kritisiert SCHWARZBECK den Trend zur Multilokalität:

"Der Leerstand von Zweit- und Drittwohnsitzen ist vermutlich enorm. Würde man diese verbieten, bliebe mehr Platz für die Menschen, die wirklich hier wohnen. Die meisten Bundestagsabgeordneten würden dann während der Sitzungswochen in Hotels residieren. Und die Bauherren müssten endlich wieder für die Berliner bauen."

Warum nimmt SCHWARZBECK Politiker als Beispiel und nicht z.B. Ärzte, Sozialarbeiter, Monteure und vom Arbeitsamt zur Arbeit weit weg von der Familie gezwungene Menschen? Ganz einfach: Politiker haben ein schlechtes Image, weshalb SCHWARZBECK damit punkten kann. Berlin den Berlinern das ist eine lokalpatriotische Forderung, die auf nationaler Ebene Deutschland den Deutschen heißen würde. Zitty also auf dem Weg zur fremdenfeindlichen Postille?

Umzüge fördern, wenn dies auf Freiwilligkeit basiert - und nicht etwa auf Zwang - ist ein Vorschlag, der durchaus überlegenswert ist, aber unbürokratisches Handeln von öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften erfordern würde.

 
       
   

MÄRZHÄUSER, Antonia (2016): So schön hyggelig.
Nicht in Berlin. In Kopenhagen stehen Kinderwagen oft unbeaufsichtigt vor Cafés - samt Insassen,
in:
Freitag Nr.24 v. 16.06.

Antonia MÄRZHÄUSER beschreibt das dänische Phänomen unbeaufsichtigter Kinder als Zeichen entspannter Elternschaft. Die Dänen werden uns jammernden - also unglücklichen - Deutschen als Musterbeispiel glücklicher Menschen vorgeführt.

 
       
   

BRILL, Klaus (2016): Wenn nur die Kirche im Dorf bleibt.
Die länglichen Regionen in Deutschland verwaisen. Wo Arbeitsplätze fehlen, Geschäfte, Gaststätten oder Arztpraxen schließen, zieht es nicht nur die jungen in die großen Städte. Wie lässt sich dieser Trend aufhalten,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 15.06.

Was ist ein Trend? Antwort: wenn es in den Zeitungen steht! Nach diesem Motto versuchen die Mainstreammedien seit einiger Zeit das Bild vom ländlichen Raum im Sinne einer Stadtflucht zu inszenieren.

"Bisher gibt es nicht einmal verlässliche Daten darüber, wie der Rückgang der Bevölkerung und der damit verbundene Zuwachs des Anteils älterer Bewohner sich etwa in den deutschen Kleinstädten auswirken",

schreibt Klaus BRILL anlässlich der Tagung Grosse Dörfer, kleine Städte. Tatsächlich wird unser Bild von der deutschen Binnenwanderung in erster Linie von neoliberalen Privatinstituten wie dem Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung und der Bertelsmann-Stiftung dominiert. Fakten sind nicht die Sache von BRILL, der uns lediglich spärliche Informationshappen zukommen lässt:

"Zu beobachten ist eine neuartige, mikrokosmische Migration, deren Orientierungspunkt die vorhandenen und nichtvorhandenen Versorgungseinrichtungen sind",

erzählt uns BRILL und zitiert die Soziologin Annett STEINFÜHRER mit einem Fazit:

"Was wir aus vielen, vielen Kleinstädten jetzt hören: dass die Menschen auf Infrastrukturangebote reagieren".

Angesichts neoliberaler Städte- und Regionenrankings, die seit Mitte der Nuller Jahre in immer schnelleren Takten und für immer speziellere Zielgruppen durchgeführt werden, wäre eine solche Entwicklung durchaus denkbar. Dennoch erscheint vieles eher Propaganda statt Wirklichkeit, denn sonst müssten uns doch empirische Belege, statt nur Beobachtungen von Praktikern, vorgelegt werden. So wird uns z.B. die folgende Beobachtung der Bürgermeisterin aus dem bayerischen Hollfeld bei Bayreuth mitgeteilt:

"In den dörflichen Teilen Hollfelds - es sind immerhin 19 - hätten bereits viele Witwen ihre alten Bauerhäuser verkauft und kleinere Wohnungen im Zentrum bezogen. Trotz Sanierungsmaßnahmen, Kulturprojekten oder Leerstandsmanagements sei die Bevölkerungsprognose für Hollfeld vorerst negativ."

Wenn ältere Witwen innerhalb einer Gemeinde umziehen, wie bitte soll das die Bevölkerungsprognose beeinflussen, die lediglich Wanderungen zwischen Gemeinden erfasst?

Da werden schon Befürchtungen angesichts eines prognostizierten Bevölkerungsrückgangs ab 2036 geschürt, obwohl wir nach früheren Bevölkerungsvorausberechnungen schon seit Mitte der Nuller Jahre mitten in einem Bevölkerungsrückgang stecken müssten.

Zum Schluss präsentiert uns BRILL die gängigen neoliberalen "Lösungsansätze": Unermüdliches bürgerschaftliches Engagement (dazu wird das fränkische Langenfeld und ein "Aktivist" bemüht) sowie Lage im Speckgürtel einer Metropole bzw. eines Ballungsraumes (Pfaffenhofen an der Ilm, das sich seit 2011 als "lebenswerteste Kleinstadt der Welt" vermarkten darf).

 
       
   

MASCHER, Ulrike (2016): Reiches Land, arme Kinder.
Gastwirtschaft: Wir brauchen eine Grundsicherung,
in:
Frankfurter Rundschau v. 15.06.

 
       
   

POTHMER, Brigitte (2016): Ruhigstellen reicht nicht.
Gastbeitrag: Die Schere zwischen arm und reich geht auseinander. Das lässt sich nur mit einem Strategiewechsel ändern,
in:
Frankfurter Rundschau v. 15.06.

Brigitte POTHMER von den Grünen fordert einen Rhetorikwechsel:

"In der deutschen Debatte müsste es mehr um die Chancen für den sozialen Aufstieg gehen, statt immer nur um die Sicherungsleinen gegen den sozialen Abstieg."

Der Rhetorikwechsel ist ein Phantom, denn seit Jahren wird uns von neoliberalen Aktivierungsaposteln nichts anderes eingetrichtet. Die Bildungsreform der 1970er und 1980er Jahre wird uns als Erfolg verkauft, obwohl sie lediglich Massenarbeitslosigkeit produzierte. Lediglich die in der ersten Hälfte der 1950er Jahre Geborenen konnten in Westdeutschland von der Bildungsexpansion profitieren. Statt der Arbeiter kam jedoch das katholische Mädchen vom Lande in den Genuss der damaligen Aufstiegsgesellschaft. Wir können daraus lernen, dass kompensatorische Bildung - wie das damals genannt wurde, was POTHMER uns als Wunderwaffe präsentiert, eher ungeahnte Nebenwirkungen zeitigt. Das Herkunft immer noch entscheidend ist, hat weniger mit Bildung als mit Habitusselektion auf dem Arbeitsmarkt zu tun. Wer keinen deutschen Namen trägt, der hat von vornherein weniger Chancen, darüber können auch Leuchtturmprojekte wie die Rütli-Schule in Berlin-Neukölln nicht hinwegtäuschen. 30 Prozent Arbeiter und Migranten in Führungspositionen wäre eine angemessene Forderung, wenn es die Grünen mit Chancengleichheit ernst meinen würden.

 
       
   

KROHN, Philipp (2016): Wie sicher sind Betriebspensionen?
Die ersten Pensionskassen senken für künftige Beiträge die Leistungen an Mitarbeiter. Der Niedrigzins macht ihnen zu schaffen. Es gibt Auswege,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.06.

Nachdem die SZ bereits zu Junibeginn auf die Probleme der Pensionskassen hingewiesen hat, widmet sich nun auch die FAZ dem Thema:

"Die 141 Pensionskassen in Deutschland trifft es derzeit besonders hart. 7,3 Millionen Anwärter werden hellhörig, wenn über einen niedrigeren Rechnungszins berichtet wird. Die 1,2 Millionen Pensionäre, die schon Leistungen beziehen, sind dagegen weitgehend auf der sicheren Seite",

gibt Philipp KROHN teilweise Entwarnung, um dann auf die unterschiedlichen Formen der betrieblichen Altersversorgung hinzuweisen:

"Etwa die Hälfte der Ansprüche basieren auf Direktzusagen der Unternehmen, die andere Hälfte teilt sich auf vier weitere Durchführungswege auf: Unterstützungskassen, Pensionskassen, Pensionsfonds und Direktversicherungen. Von 550 Milliarden Euro in der betrieblichen Altersversorgung werden 130 Milliarden Euro durch Pensionskassen gedeckt, die von der Finanzaufsicht Bafin beaufsichtigt werden."

Am Beispiel des Versicherungsvereins des Bankgewerbes (BVV), der für rund 450.000 Bankbeschäftigte die betriebliche Altersversorgung darstellt, beschreibt KROHN die Möglichkeiten des Umgangs mit der Niedrigzinskrise. Falls der Arbeitgeber seiner Nachschusspflicht nicht nachkommen würde, könnte bei einer drohenden Insolvenz eine Sanierungsklausel greifen:

"Sie erlaubt ihnen auch Leistungen aus schon eingezogenen Beiträgen oder gar an Pensionäre zu kürzen".

KROHN beruhigt jedoch die Leser, denn davon seien Pensionen Passen wie die BVV, die Neue Leben und andere, die den Garantiezins kürzen, noch weit weg.

Als Ausweg zeigt KROHN den Verzicht auf eine Zinsgarantie auf, die die Hamburger Pensionskasse, die für ca. 640.000 Personen zuständig ist, bereits seit 14 Jahren praktiziert und deshalb keine Probleme mit den Niedrigzinsen hat. Einen weiteren Ausweg wird anhand der Zusatzversorgungskasse der Bauwirtschaft aufgezeigt, die tarifvertraglich eine Senkung des Garantiezinses auf 1,25 Prozent vorgenommen hat.

Fazit: Während KROHN also die Handlungsmöglichkeiten der Pensionskassen ausführlich beschreibt, bleiben die Folgen für die Kunden eher im Dunkeln.

KROHN, Philipp (2016): Der Manndecker.
Weil sie unter dem Nullzins leiden, deckt Bafin-Chef Felix Hufeld Pensionskassen eng. Besonnenheit hilft,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.06.

Philipp KROHN liefert ein wohlwollendes Porträt, mehr aber auch nicht.

 
       
   

SIEDENBIEDEL, Christian (2016): Die Last der negativen Zinsen.
Die Negativzinsen sind wie ein Virus, das sich ausbreitet. Was heißt das für die Altersvorsorge,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.06.

Christian SIEDENBIEDEL sieht zwar die Renditen bei allen Formen der Altersvorsorge schwinden, plädiert aber weiter für diese unlukrative Anlageform, mit der einzigen Begründung, dass die staatliche Rente aufgrund der demografischen Entwicklung in Zukunft nur eine Basissicherung bieten würde. Dies tut sie jedoch nur, wenn erstens die Politik weiter auf eine Schwächung der gesetzlichen Rente setzt und zweitens die Demografie überhaupt ein Problem darstellt, was nicht als sicher gelten kann. Im Vergleich zur Kapitaldeckung ist die Umlagefinanzierung keineswegs mit Sicherheit die schlechtere Lösung wie uns SIEDENBIEDEL einredet, dies gilt umso mehr je länger die Negativzinsphase dauert und Aktien sich keineswegs als Königsweg erweisen. Die Unsicherheit der betrieblichen Altersvorsorge zeigt sich bereits jetzt. Die Unternehmen werden sich deshalb zu Lasten der Arbeitnehmer von ihren Risiken befreien.  

 
       
 

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