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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
News 15.-17. November 2017
News 11.-14. November 2017
News 06.-10. November 2017
News 01.-05. November 2017
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News 01.-04. August 2017
 
 
   
Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 18. - 24. November 2017: [18.11.] [19.11.] [20.11.] [21.11.] [22.11.] [23.11.] [24.11.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Die Ungewissheit der Lebenssituation als Problem der privaten Altersvorsorge

"Die empirischen Ergebnisse zeigen, dass die allgemeinen Unsicherheiten bei der Organisation der privaten Altersvorsorge insbesondere dann für den Abschluss eines Produkts problematisch sind, wenn sich Individuen in einer unsichereren Lebenssituation befinden. So sind es gerade Jüngere und Personen in instabilen Beschäftigungslagen, die sich mit der Planung und dem Abschluss von Vorsorgeprodukten zurückhalten. Die betreffenden Personen handeln dabei nicht irrational oder kurzsichtig, sie sind sich vielmehr der problematischen Absicherungssituation im Alter bewusst, nur sind sie erst dann in der Lage größere Zeithorizonte und damit das Alterssparen in den Blick zu nehmen, wenn kurze Zeithorizonte hinreichend abgesichert erscheinen."
(Felix Wilke "Private Vorsorge zwischen Wunsch und Wirklichkeit - die ambivalente Rolle von Unsicherheit im neuen Rentenmodell" in der Zeitschrift Deutsche Rentenversicherung, September 2017, S.331)

 
       
       
   

24.11.2017

 
       
   

Bert Rürup in der Debatte

RÜRUP, Bert (2017): Agenda für eine neue Große Koalition.
Ökonomisch scheint Deutschland derzeit in den besten aller möglichen Welten zu leben. Doch damit alles so bleibt, wie es ist, muss sich vieles in der größten Volkswirtschaft Europas ändern,
in:
Handelsblatt v. 24.11.

Der Neoliberale Bert RÜRUP erteilt der noch nicht einmal im Ansatz vorhandenen Großen Koalition Ratschläge, um den "anstehenden Alterungsschub der Gesellschaft" zu bewältigen. Altern kann jedoch nur eine Bevölkerung und nicht die Gesellschaft - auch wenn Ökonomen da keinen Unterschied sehen mögen. Die "Jahre nach 2030" sind angeblich die "demografisch schwierigste Zeit für die Rentenversicherung". Ob das jedoch stimmt, das ist eine ganz andere Frage. Die Vorschläge von RÜRUP sind nicht neu, sondern werden von ihm nur mantrahaft wiederholt. 

 
       
   

Städte-Rankings in der Debatte

LOSSE, Bert & Katharina MATHEIS  (2017): Prinzip Darmstadt.
Exklusivreport: Der große WirtschaftsWoche-Städtetest zeigt, wo es sich in Deutschland am besten arbeiten, leben und investieren lässt - und welche Faktoren für den Erfolg einer Stadt entscheidend sind,
in:
Wirtschaftswoche Nr.49 v. 24.11.

Städte-Rankings hatten ihre große Zeit in den Nuller Jahren. Damals wurde das jährliche  WirtschaftsWoche-Ranking der neoliberalen Lobbyorganistation IW Köln noch groß herausgestrichen - inzwischen sind die Rankings so zahlreich wie nutzlos. Schließlich geht es nicht um Prognosen, sondern um Rückschau nach Kriterien, die nicht unbedingt Lebensqualität verbürgen. Wer nur den Medienhypes hinterher zieht, der kommt garantiert immer zu spät. Darmstadt ist so etwas wie das hässliche Entlein unter den deutschen Großstädten.     

 
       
   

Der Standortwettbewerb in der Debatte

ETTEL, Anja (2017): Der sich selbst verstärkende Aufschwung.
Die Wirtschaft ist nicht zu stoppen. Selbst die Investitionen und die Produktivität ziehen an,
in:
Welt v. 24.11.

 
       
   

23.11.2017

 
       
   

Die Entwicklung der Geburtenzahlen in Deutschland

DORBRITZ, Jürgen/EHLERT, Jörn/DRESCHMITT, Kai (2017): Kleinräumliche Fertilitätsdifferenzierungen in Berlin und ihre Ursachen, BiB Working Paper 1/2017, Wiesbaden: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung

"Als Universitätsstadt mit vielen studierenden jungen Frauen ist die Berliner Fertilitätssituation stark durch Kinderlosigkeit geprägt. Ca. 30 % der Frauen des Jahrgangs 1967 haben (noch) keine Kinder bekommen. Dementsprechend sind Frauen mit drei oder mehr Kindern (ca. 9 %) eine Ausnahme. Mit 32 % ist die Zwei-Kind-Familie die am häufigsten vorkommende Lebensform. Sieht man sich nur die deutsche Bevölkerung an, dann sind es sogar 34 % aller Frauen dieses Geburtsjahrgangs, die keine Kinder bekommen haben. Zum Vergleich: Der Anteil Kinderloser bei Frauen mit Migrationshintergrund beträgt nur etwa 17 %" (S:14),

schreiben DORBRITZ/EHLERT/DRESCHMITT. Woher die Daten kommen und wie sie ermittelt wurden, wird nicht erwähnt. Für ein wissenschaftliches Papier ist das unseriös, zumal Angaben über das Erhebungsdatum fehlen. Das ist zudem die einzige Stelle, an der überhaupt von Kinderlosigkeit geschrieben wird. Weshalb man sich fragt, warum dies überhaupt erwähnt wird, wenn es in der Studie gar kein Thema ist? Jürgen DORBRITZ sah in der Kinderlosigkeit das Hauptproblem für den Geburtenrückgang, eine Position, die mittlerweile nicht mehr zeitgemäß ist.

Die Studie der Autoren bezieht sich zudem nur auf die zusammengefasste Geburtenziffer (TFR), die im Gegensatz zur endgültigen Kinderzahl eines Frauenjahrgangs (CFR) verzerrt ist. BUJARD & SCHELLER haben in einer kürzlich veröffentlichten Studie für Berlin eine Differenz von fast 0,2 Geburten pro Frau zwischen den beiden Maßzahlen festgestellt, d.h. die Geburtenrate der Frauen wird in Berlin unterschätzt. Dies heißt im Umkehrschluss, dass die Kinderlosigkeit überschätzt wird. BUJARD & SCHELLER haben sich im Gegensatz zu DORBRITZ u.a. mit den regionalen Unterschieden der Geburtenrate der Frauenjahrgänge 1969-1972 befasst.      

 
       
   

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Wirtschaftsthema: Altersvorsorge.
Niedrige Zinsen schmälern die Überschüsse in der Lebensversicherung. Alternativen sind rar

GRÖGER, Anne-Christin (2017): Ruhe bewahren.
Zwei große Lebensversicherer wollen sich von ihren Altverträgen trennen. Das sorgt für Unsicherheit bei vielen Verbrauchern: Kündigen oder behalten? Experten raten zur Besonnenheit,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.11.

Das Geschäft mit der Unsicherheit in Sachen Altersvorsorge ist äußerst lukrativ. So verweist z.B. die vom Staat gesponserte Verbraucherzentrale darauf, dass zur Entscheidung darüber, welche Option die Beste sei, unabhängige Versicherungsmakler oder -berater konsultiert werden sollen. Aber wie unabhängig können diese sein, vor dem Hintergrund, dass das Gesetz von den Lobbyisten auf den letzten Metern noch aufgeweicht wurde? Die Kosten für die Beratung trägt auf alle Fälle der Kunde. Die Finanzdienstleisterbranche gewinnt immer. Die Dummen sind die Geringverdiener, denn Beratung - ob sinnvoll oder nicht - kostet und schmälert dadurch auf alle Fälle die Altersvorsorgerendite.

FROMME, Herbert (2017): Kampf an vielen Fronten.
Für die Lebensversicherer sind die goldenen Zeiten vorbei,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.11.

 
       
   

Richard Florida in der Debatte

WAINWRIGHT, Oliver (2017): Alles in den Städten.
Urbanismus: 15 Jahre nach dem Bestseller "The Rise of the Creative Class" findet Richard Florida nicht, dass Gentrifizierung das Problem ist,
in:
Freitag Nr.47 v. 23.11.

 
       
   

22.11.2017

 
       
   

Der Rentenversicherungsbericht 2017 geht im Gegensatz zum Rentenversicherungsbericht 2010 von einer gestiegenen Geburtenrate und einer "gesunkenen" Lebenserwartung aus

ÖCHSNER, Thomas (2017): Sieben gute und sieben schlechte Jahre.
Wie geht's der gesetzlichen Rente? Die Bundesregierung wagt in einem Bericht den Blick in die Zukunft. Danach wird das Altersgeld um durchschnittlich gut zwei Prozent steigen. Doch von 2024 an geht es mit den Beiträgen abrupt abwärts,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 22.11.

Thomas ÖCHSNER benutzt die Erfindung eines Zwischenhochs (der Zusatz "demografisch", der auch gerne benutzt wird, fehlt jedoch), um die weitere Entwicklung der Renten zu erklären:

"Dem Bericht zufolge gibt es von 2017 bis 2023 ein Zwischenhoch mit steigenden Renten, einem stabilen Beitragssatz und stabilem Rentenniveau. Der Rentenexperte Werner Siepe, der die Zahlen der Regierung analysiert hat, spricht von »sieben guten Rentenjahren«, weil der Job-Boom viel Geld in die Rentenkasse spült. 2024 folgt dann ein Übergangsjahr. Danach kommen eher sieben schlechte Rentenjahre. »Das liegt am Eintritt der Babyboomer mit den Geburtsjahrgängen 1959 bis 1968 in den Ruhestand. Die Rentenneuzugänge in diesen Jahren werden deutlich zunehmen, was zu einem starken Anstieg der Rentenausgaben führen wird«, schreibt Finanzmathematiker Siepe in seiner Analyse."

Im Rentenversicherungsberichten 2017 und 2016 heißt es zur Bevölkerungsentwicklung:

"Ausgangspunkt für die Fortschreibung der Rentenausgaben bildet die Bevölkerungsentwicklung, die der 2017 aktualisierten Version der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes entspricht. Die Wanderungsannahmen und die Geburtenrate sind somit an die tatsächliche Entwicklung am aktuellen Rand angepasst. Die mittlere fernere Lebenserwartung 65-Jähriger beträgt im Jahr 2030 bei Männern 19,1 Jahre und bei Frauen 22,5 Jahre. Die zusammengefasste Geburtenziffer wird langfristig bei 1,5 konstant gehalten. Bezüglich der Außenwanderung wird für die langfristige Vorausberechnung von einem positiven Wanderungssaldo in Höhe von 200.000 Personen jährlich ausgegangen." (2017, S.11)

"Ausgangspunkt für die Fortschreibung der Rentenausgaben bildet die Bevölkerungsentwicklung, die sich an der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes orientiert, wobei die aktuellen Bevölkerungsdaten zum 31.12.2015 sowie die tatsächlichen Wanderungssalden der letzten Jahre berücksichtigt wurden. Auch die Veränderung der Lebenserwartung wurde am aktuellen Rand angepasst. Im Vergleich zu heute wird die mittlere fernere Lebenserwartung von 65-jährigen Frauen bis zum Jahr 2030 um 1,4 Jahre auf 22,5 Jahre ansteigen. Bei Männern wird ein Anstieg von 1,3 Jahren auf dann 19,1 Jahre erwartet. Bezüglich der Fertilität wird von einer zusammengefassten Geburtenziffer in Höhe von rund 1,4 ausgegangen. Darüber hinaus wird langfristig von einer jährlichen Nettozuwanderung von 200 000 Personen jährlich ausgegangen." (2016, S.11)

Die Annahmen unterscheiden sich lediglich in einer veränderten Geburtenentwicklung (TFR 1,5 statt 1,4), welche keinerlei Auswirkungen auf die Rentenentwicklung der nächsten Jahre hat. Vergleicht man diese Annahmen mit dem Rentenversicherungsbericht 2010, dann ergeben sich erstaunliche Unterschiede bei der Lebenserwartung:

"Die Berechnungen zur Bevölkerungsentwicklung basieren auf der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes. Die mittlere fernere Lebenserwartung von 65-jährigen Frauen wird von heute bis zum Jahr 2030 um gut 2 Jahre auf 22,8 Jahre ansteigen. Bei Männern wird ebenfalls ein Anstieg von gut 2 Jahren auf dann 19,4 Jahre erwartet. Die zusammengefasste Geburtenziffer bleibt annahmegemäß langfristig auf dem gegenwärtigen Niveau von rund 1,4. Darüber hinaus wird eine jährliche Nettozuwanderung unterstellt, die bis zum Jahr 2020 auf 200 000 Personen jährlich aufwächst." (2010, S.12)

2010 wurde im Rentenversicherungsbericht im Gegensatz zu 2016 und 2017 von einer höheren Lebenserwartung ausgegangen. Nimmt man den öffentlichen Diskurs, dann müsste eigentlich von einer steigenden und nicht von einer sinkenden Lebenserwartung ausgegangen werden.

Tatsächlich wurde auch die Lebenserwartung bei Geburt zwischen der 12. und der 13. aktualisierten Bevölkerungsvorausberechnung von 85,0 (Männer) auf 84,7 Jahre und bei Frauen von 89,2 auf 88,6 Jahre reduziert. Oder anders formuliert: Es wird heute von einem geringeren Anstieg der Lebenserwartung ausgegangen als noch vor wenigen Jahren prognostiziert wurde. Dies lässt sich auch anhand einer Tabelle zur Entwicklung der ferneren Lebenserwartung von 65-Jährigen in Deutschland ablesen. Zwischen 2005 und 2010 betrug der Anstieg der Lebenserwartung noch 0,76 Jahre, während es zwischen 2010 und 2015 gerade noch 0,2 Jahre waren. Diese Fakten stehen im Gegensatz zu der Debatte um die Erhöhung des Renteneintrittsalters, die von den Neoliberalen - nicht nur in Deutschland - vorangetrieben wird.

Der Begriff "Babyboomer" findet sich nirgends im Rentenversicherungsbericht. Steigende Rentnerzahlen drücken sich jedoch im Äquivalenzrentner aus (Die Ermittlung der Anzahl der Äquivalenzrentner erfolgt durch Division des Gesamtrentenvolumens durch eine Regelaltersrente mit 45 Entgeltpunkten). Die nachfolgende Tabelle vergleicht dessen Entwicklung anhand der Rentenversicherungsberichte (Abkürzung: RV) 2010 bis 2017 für die Jahre 2015 - 2030:

Jahr Entwicklung des Äquivalenzrentners 2015 - 2030
(in Tausend; gemäß Übersicht B 18 der Rentenver-
sicherungsberichte)
RV 2010 RV 2014 RV 2016 RV 2017 tatsächliche
Entwicklung
2015 15.097 15.420     15.389
2016 15.183 15.494 15.481    
2017 15.284 15.592 15.572 15.532  
2018 15.409 15.721 15.699 15.615  
2019 15.541 15.851 15.834 15.731  
2020 15.674 15.979 15.984 15.869  
2021 15.816 16.130 16.151 16.030  
2022 15.971 16.302 16.391 16.266  
2023 16.134 16.483 16.642 16.520  
2024 16.308 16.680 16.845 16.738  
2025   16.885 17.049 16.968  
2026   17.093 17.295 17.211  
2027   17.309 17.565 17.463  
2028   17.528 17.812 17.714  
2029     18.076 17.980  
2030     18.347 18.253  

Der Vergleich zeigt, dass die Entwicklung der Rentnerzahlen wenig aussagekräftig sind, wenn es um die Rentenentwicklung geht, sondern auch die Entwicklung der Rentenhöhe eine wichtige Rolle spielt. Bereits geringe Änderungen bei den Annahmen zur zukünftigen Entwicklung können zu gravierenden Änderungen bei der Rentenentwicklung führen - jenseits des demografischen Wandels.

 
       
   

Die Prognosen zur Entwicklung der Alterssicherung in der Debatte

STEFFEN, Johannes (2017): Rentenversicherungsbericht 2017.
Gesamtversorgungsniveau: Mehr Erklärungsbedarf als Erkenntnisgewinn,
in:
sozialpolitik-portal.de v. 22.11.

 
       
   

Der ländliche Raum und Mittelstädte im demografischen Wandel

RIETZSCHEL, Antonie (2017): "Verraten und verkauft".
Für viele Beschäftigte in Görlitz war Siemens nicht nur ein Arbeitgeber, sondern eine Familie. Doch über die geplante Schließung wurden sie nur per Mail informiert. Besuch in einer Stadt, die um ihre Zukunft bangt,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 22.11.

 
       
   

Gustav Seibt in der Debatte

SEIBT, Gustav (2017): Am Anfang stand das Nein.
Die Geschichte der Weimarer Republik zeigt, warum die Versuchung für Politiker, nicht zu regieren, so groß ist - und zwar immer in allen Parlamenten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 22.11.

 
       
   

Die Pensionskassen in der Debatte

KROHN, Philipp  (2017): Pensionskassen sind das Sorgenkind der Aufsicht.
Die Bafin will Arbeitgeber überzeugen, zusätzliches Kapital für Betriebsrenten bereitzustellen. Die aber zögern, weitere Mittel dafür locker zu machen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.11.

 
       
   

Das Geburtengeschehen in Deutschland bis 2025. Oder: Warum Deutschland den Geburtenanstieg verschlafen hat

RIEDEL, Donata & Frank Specht (2017): Sehnsucht nach mehr Staat.
Nach Jahrzehnten des Personalabbaus fehlen fast überall Polizisten, Lehrer, Richter, Bauplaner und Bürgeramtsmitarbeiter. Es wächst der Frust der Bürger - und der Wunsch nach mehr Beamten,
in:
Handelsblatt v. 22.11.

RIEDEL & SPECHT widmen dem Lehrermangel lediglich wenige Zeilen des zweiseitigen Artikels:

"Der Lehrermangel (...) wächst (...) (nicht) erst seit 2015 wegen der Flüchtlinge, sondern auch wegen EU-Zuwanderern und der leicht steigenden Geburtenrate. Nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung wird die Zahl der Grundschüler von 2,8 Millionen auf 3,2 Millionen im Jahr 2030 steigen. (...). In diesem Jahr stieg die Zahl der Erstklässler um 0,6 Prozent auf 725.100 Kinder, meldete das Statistische Bundesamt am Dienstag."

Der Anstieg um 0,6 Prozent verdeckt die gravierenden Unterschiede, denn während es in Baden-Württemberg 0,8 Prozent weniger Schüler gab, gibt es in Sachsen-Anhalt 2,2 Prozent und in Thüringen sogar 2,5 Prozent mehr Schüler. Ausgerechnet Ostdeutschland ist besonders betroffen, obwohl dort das Spardiktat besonders hart ist.

 
       
   

Die nächste Große Koalition in der Debatte

NEUERER, Dietmar (2017): Schlechte Karten für die SPD.
Manfred Güllner: Der Forsa-Chef spricht über die Risiken, die für die Parteien mit einer Neuwahl verbunden,
in:
Handelsblatt v. 22.11.

Forsa lag mit seiner Sonntagsfrage zwei Tage vor der Bundestagswahl eher weit weg vom Ergebnis (Bandbreite der Meinungsforschungsinstitute siehe hier). Die Union wurde bei 36 % gesehen (Ergebnis: 32,9 %). Manfred GÜLLNER meint, dass die Union bei Neuwahlen am wenigsten zu verlieren hätte. GÜLLNER ist kein Freund der SPD, die ihm zu links ist. Angeblich ist soziale Gerechtigkeit kein Thema. Eher verkörperte die SPD das Thema aufgrund des wendigen Kanzlerkandidaten nicht. Die FDP sieht er bei den Verlierern. Die AfD sieht er nur bei einem Rückgang der Wahlbeteiligung stärker werden. Sollte es tatsächlich zur Neuwahl kommen - was derzeit nicht das Interesse der Mainstreammedien ist - dann wird sich zeigen, was von dieser Einschätzung Substanz hat. 

 
       
   

Der Prozess um das moderne Schuldenmanagement der Stadt Pforzheim in den Medien

KELNBERGER, Josef (2017): Von Handgranaten und Ostereiern.
Die frühere Oberbürgermeisterin von Pforzheim, Christel Augenstein, und ihre Stadtkämmerin sind nach missglückten Spekulationsgeschäften wegen schwerer Untreue verurteilt worden,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 22.11.

MAJEWSKI, Ina (2017): Pforzheimer Zockereien enden mit Bewährungsstrafen.
Frühere Oberbürgermeisterin und Kämmerin wegen Untreue verurteilt. Verteidiger kündigen Revision an,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.11.

JUNG, Marcus (2017): Verzockt.
Kommentar,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.11.

RATH, Christian (2017): Strafe für Zinswetten.
Landgericht Mannheim verurteilt FDP-Politikerin wegen spekulativer Geschäfte mit dem Pforzheimer Stadthaushalt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.11.

 
       
   

Die Studie Demokratieferne Räume? Wahlkreisanalyse zur Bundestagswahl 2017 in den Medien

DOERFLER, Kordula (2017): "Die NPD hat der AfD den Weg geebnet".
Studie: Rechtspopulisten sind dort erfolgreich, wo Extremismus verharmlost wird und Politikverdrossenheit herrscht,
in:
Frankfurter Rundschau v. 22.11.

Es ist eine besondere Art der Verharmlosung, wenn die nationalkonservative Strömung innerhalb der AfD ausgeblendet wird und die  AfD auf das völkische Potenzial reduziert wird. Dadurch wird der Zusammenhang von Linksliberalismus und Aufstieg der AfD einfach ausgeblendet.

Wer zudem die Arbeitslosenquote zum Indikator für die sozioökonomische Lage der AfD-Wählerschaft macht (diesen hebt Kordula DOERFLER als einzigen hervor, während die Studie noch BIP und verfügbares Einkommen betrachtet), der verdummt uns, weil es keine Arbeitslosenzahlen für jene Gebiete gibt, in denen die AfD besonders hohe Zweitstimmenanteile erhalten hat. Großräumige Quoten verdecken lediglich sozioökonomische Zusammenhänge. Das gilt ebenso für die anderen beiden Indikatoren, die noch wesentlich undifferenzierter sind.

Fazit: Ohne die breite Zustimmung zum Nationalkonservatismus bzw. Nationalliberalismus könnte die AfD keine Erfolge in der Mitte erzielen und wäre wie die NPD isoliert. Wer das verharmlost, verhilft der AfD zu weiteren Erfolgen.      

 
       
   

21.11.2017

 
       
   

Die Beamtenversorgung in der Debatte

SIEMS, Dorothea (2017): Angriff auf die Pensionen.
Beamte sind besser abgesichert als andere Arbeitnehmer. Doch der Reformdruck wächst,
in: Welt
v. 21.11.

Dorothea SIEMS berichtet über eine PR des Lobbyverbandes der jungen Unternehmer, der in der Alterssicherung gerne die unterschiedlichen Gruppen gegeneinander ausspielt, um sich eigene Vorteile für seine gut verdienende Klientel zu verschaffen. Mit dem Beamten Bernd RAFFELHÜSCHEN wird dann die Lobbyattacke relativiert, um die Zielsetzung ein wenig schön zu färben. Es geht darum die Beamtenzahl weiter zu reduzieren und einen Nachhaltigkeitsfaktor zur Senkung der Pensionen einzuführen.

 
       
   

Der ländliche Raum und Mittelstädte im demografischen Wandel

BECKER, Kim Björn & Kristiana LUDWIG (2017): In Behandlung.
Übung macht den Meister - das gilt auch für Ärzte. Gesundheitsexperten fordern, das sich einige deutsche Klinken auf bestimmte Eingriffe spezialisieren und andere dafür schließen. Doch für die Krankenhausplanung sind die Bundesländer und Kommunen zuständig. Und die haben eigene Interessen. Ein Besuch in zwei Kliniken,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 21.11.

 
       
   

Grundeinkommensmodelle in der Debatte

SCHÄFER, Ulrich (2017): Der Kardinal und die Arbeit.
Grundeinkommen: Das Leitbild darf nicht sein, Millionen Menschen zu sagen: Ihr werdet nicht mehr gebraucht,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 21.11.

 
       
   

Die Alter(n)skultur in der Debatte

KUNISCH, Hans-Peter (2017): Es ist nicht weit nach New York.
Ein Besuch in Salzwedel bei Helga Weyhe, der ältesten Buchhändlerin in Deutschland,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 21.11.

 
       
   

Die Lebensversicherer als Akteur der Altersvorsorge: Von vollmundigen Versprechungen zur Entledigung der Altlasten

KROHN, Philipp  (2017): Ertragspuffer der Lebensversicherer werden dünner.
Anbieter sind zunehmend auf andere Gewinnquellen als die Kapitalerträge angewiesen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.11.

 
       
   

Die nächste Große Koalition in der Debatte

HENKENBERENS, Carolin  (2017): "Die AfD muss nicht profitieren".
Parteienforscher Probst über Neuwahlen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 21.11.

Der Politikwissenschaftler Lothar PROBST sieht bei Neuwahlen die AfD nicht im Aufwind:

"Die Wähler wollen jetzt erst recht eine stabile Regierung (...). Das werden sich auch Wähler der FDP und AfD, die im September der CDU von der Fahre gegangen sind, überlegen. (...). Die Niedersachsen-Wahl hat gezeigt, dass es zulasten der AfD geht, wenn sich die großen Parteien im Wahlkampf klar voneinander abgrenzen."

 
       
   

Die Gebietsreform in Brandenburg in der Debatte

FRITSCHE, Andreas (2017): Angst vor Veränderungen.
Brandenburgs Linksparteichef Christian Görke zur abgesagten Kreisgebietsreform,
in:
Neues Deutschland v. 21.11.

FRITSCHE, Andreas (2017): Regieren im besten Landkreis Ostdeutschlands.
Brandenburg: Kornelia Wehlan (Linke) zieht nach vier Jahren als Landrätin von Teltow-Fläming ihre Halbzeitbilanz,
in:
Neues Deutschland v. 21.11.

Andreas FRITSCHE porträtiert die einzige Landrätin der Linkspartei in Brandenburg, die vom Skandal um ihren Vorgänger profitierte. Aufgrund der geringen Wahlbeteiligung erhielt sie nicht einmal das Mandat der Bevölkerung, sondern wurde vom Kreistag ins Amt gehievt. FRITSCHE lobt die "Organisation von Mehrheiten" - eine Fähigkeit, die nach dem Scheitern der Gebietsreform von oben herab, zum Modell stilisiert wird. Besonders hervorgehoben wird die Haushaltskonsolidierung, die eher der positiven Bevölkerungsentwicklung und der Lage geschuldet sein dürfte:

"Die Einwohnerzahl kletterte innerhalb von zehn Jahren von 162.000 auf 167.000, die Arbeitslosenquote liegt mit fünf Prozent historisch niedrig und zu Jahresbeginn setzte die Zeitschrift »Focus Money« Teltow-Fläming in einem bundesweiten Vergleich von 401 Landkreisen und kreisfreien Städten auf Rang 74. In Ostdeutschland war nur die Stadt Leipzig besser bewertet worden."

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

FORSTER, Christof (2017): Bürgerliche trauen IV-Zahlen nicht.
Die Invalidenversicherung erzeugt jetzt auch ohne Mehrwertsteuereinnahmen Überschuss,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 21.11.

 
       
   

20.11.2017

 
       
   

Die europäische Sozialpolitik in der Debatte

KAFSACK, Hendrik (2017): Soziale Säulen-Eilige.
Die Befürworter einer Transferunion machen Druck. Es wird schwer, sie aufzuhalten
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.11.

Der Artikel von Hendrik KAFSACK hätte genauso gut in einer Parteizeitung der AfD stehen können! Der Autor hetzt gegen eine Sozialunion, die angeblich von Jean-Claude JUNCKER, Stefan LÖFVEN (Schwedischer Ministerpräsident) und Emmanuel MACRON vorangetrieben werden soll. Tatsächlich ist die EU nichts als ein neoliberaler Verein, dessen sozialpolitische Propaganda nur zur Verschleierung der wirtschaftsliberalen Agenden dient.

 
       
   

Der Wandel des Parteiensystems in Deutschland in der Debatte

LOCKE, Stefan (2017): Zurück in den Hinterzimmern.
Petrys neue Partei hat große Ziele - und einige Feinde,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.11.

Stefan LOCKE berichtet über die nationalliberale Partei der Blauen, die sich als Koalitionspartner der CDU in Sachsen bei der Landtagswahl 2019 profilieren will. LOCKE benutzt den Begriff "aktivierendes Grundeinkommen", um die nationalliberale Position in Sachen Sozialstaat zu verdeutlichen. Als nationalkonservatives Element wird das Familiensplitting hervorgehoben, das auch in der FAZ besonders beliebt ist, weil es vor allem besserverdienende und reiche Familienclans (die gerne mit dem schönfärberischen Begriff "Dynastie" bezeichnet werden) subventioniert.

 
       
   

Heimat und Heimatlosigkeit in der Debatte

PLUWATSCH, Petra (2017): "Wenn einem die Erde unter den Füßen weggebaggert wird".
Nach und nach müssen einige Dörfer in Nordrhein-Westfalen dem Braunkohletagebau weichen. Die Einwohner werden umgesiedelt, doch sie verlieren, was ihnen niemand ersetzen kann: ihre Heimat,
in:
Frankfurter Rundschau v. 21.11.

 
       
   

Wie die Wahlkampfberichterstattung in der deutschsprachigen Presse im Jahr 2017 unser Frankreichbild geprägt hat

HANKE,Thomas (2017): Marcheur der ersten Stunde.
Christophe Castaner: Emmanuel Macron hat mit dem Ex-Sozialisten bei seiner Partei "La République en Marche" einen engen Vertrauten installiert,
in:
Handelsblatt  v. 20.11.

 
       
   

Das Single-Dasein in Polen

FELDGES, Dominik (2017): Eine "abgehängte" Stadt meldet sich zurück.
Die polnische Grosstadt Lodz wurde vom Niedergang ihrer Textilindustrie schwer getroffen. Doch seit einigen Jahren macht sie einen eindrücklichen Wandel durch. Einst vergammelte Altbauten werden renoviert, junge Leute finden es wieder chic, in Lodz zu wohnen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 20.11.

"Lodz hat jahrzehntelang mit Abwanderung gekämpft. Auf dem Höhepunkt Ende der 1970er Jahre lebten noch 870 000 Menschen in der Stadt – fast ein Viertel mehr als heute. Vor allem in den Jahren nach dem EU-Beitritt Polens im Jahr 2004 verliessen Tausende von Lodzern ihre Heimat Richtung Deutschland und noch mehr Richtung Grossbritannien, wo Einwanderer aus den neuen Mitgliedsländern im Osten der EU umgehend von der Personenfreizügigkeit profitierten",

erklärt uns Dominik FELDGES. Tatsächlich kann nicht von einer Trendwende gesprochen werden, weshalb auch keine konkreten Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung von Lodz genannt werden. Das wenig informative EUROSTAT bietet zu Lodz keinerlei Daten zur Bevölkerungsentwicklung an. Im September 2017 erschienenen Regionenhandbuch wird Lodz lediglich beim Durchschnittsalter der Bevölkerung erwähnt. Für EUROSTAT sind nur die 20 größten Städte in Europa von Interesse. Die Urbistat-Website präsentiert Lodz als schrumpfende Stadt (Stand 2015). Auch auf anderen Websites finden sich entweder veraltete Daten oder zumindest keine Daten, die eine Trendwende unterstützen würden.

Um den Eindruck einer Trendwende zu erwecken, greift man sich deshalb eine Altersgruppe heraus, die passend ist:

"Die schnelle Expansion dieser jungen Branche (Anm.: gemeint sind Tätigkeiten im Back Office-Bereich), die für polnische Verhältnisse gut bezahlte Arbeitsstellen anbietet, gilt als einer der Hauptgründe, warum die Abwanderung aus Lodz inzwischen weitgehend gestoppt werden konnte. Wie die Stadtpräsidentin Hanna Zdanowska betont, verzeichnet man in der Bevölkerungsgruppe der 18- bis 32-Jährigen neuerdings sogar einen positiven Wanderungssaldo."

Fazit: Der Artikel ist zu erst einmal nur Stadtmarketing im Investoreninteresse.

 
       
   

19.11.2017

 
       
   

Günter Franzen in der Debatte

FRANZEN, Günter  (2017): Das ist die Liebe der Senioren.
Wie ich einmal im Internet meine Haut zu Markte trug. Teil 4: Weiße Rosen aus Eutin,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.11.

 
       
   

Der ländliche Raum und Mittelstädte im demografischen Wandel

LEMBKE, Judith & Kristina PEZZEI  (2017): Raus aus der Großstadt.
Die Wohnungskrise kennt auch Gewinner: Die Provinz will von den hohen Preisen in den Metropolen profitieren. Die Städte im Schatten bringen sich in Stellung - und wähnen den Zeitgeist auf ihrer Seite,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.11.

LEMBKE, Judith & Kristina PEZZEI  (2017): Ganz schön provinziell!
Städte und Gemeinde, die abseits der Ballungszentren wachsen, haben in der Regel meist mehr zu bieten als günstige Immobilienpreise und Natur. Wir haben uns im Land umgehört,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.11.

 
       
   

Die politische Kultur in der Debatte

MECK, Georg  (2017): Der Fitness-Minister.
Wie fühlt es sich an, wenn mit 36 die Politkarriere zu Ende ist? Ex-Minister Daniel Bahr will als Allianz-Vorstand beweisen: Politiker können Management,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.11.

 
       
   

Das Single-Dasein in den USA

BRANKOVIC, Maja (2017): Der Ehrgeiz der Frauen. .
Der Sonntagsökonom: Ledige Frauen spielen ihren Ehrgeiz herunter - um ihre Chancen auf dem Heiratsmarkt zu erhöhen,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.11.

 
       
   

18.11.2017

 
       
   

Die Partnersuche in der Debatte

SPANHEL, Hanna (2017): War's das mit der Liebe?
Beziehung: Viele ältere Singles haben vom Alleinsein genug und wollen sich noch mal verlieben. Eine von ihnen ist Susanne. Partnersuche bei einer Wanderung im Silberwald,
in:
Stuttgarter Zeitung v. 18.11.

"Laut einer jährlich durchgeführten Studie der Universität Leipzig gilt etwa ein Drittel der Über-60-Jährigen hierzulande als alleinstehend - verwitwet, getrennt, ohne festen Partner",

schreibt Hanna SPANHEL in ihrer Reportage. Von Elmar BRÄHLER gibt es eine Langzeitstudie. Erhoben wurden die Daten aber nur 1994, 2005 und 2016. Aus der Untersuchung Sexuelle Aktivität und sexuelles Begehren in Deutschland 2016 unter besonderer Berücksichtigung der älteren Menschen geht die verwendete Definition von Partnerschaft nicht hervor. Werden z.B. nur zusammenwohnende Paare oder auch getrenntwohnende Paare erfasst? Der Text ergibt keine Hinweise darauf, dass Letztere als Paare erfasst werden, was ein Manko wäre. Zudem wird der Anteil nur nach Männern und Frauen getrennt angegeben (vgl. Tabelle 5, S.10). Es gibt danach wesentlich mehr partnerlose Frauen als Männer. Im Alter 60- 69 sind es rund 15 Prozent, bei den Über 70-Jährigen sogar fast 35 %. Dies spiegelt sich auch in der Reportage wieder, wenn bei der beschriebenen Wanderung nur 8 Männer und 26 Frauen beteiligt waren. SPANHEL geht auf die Phasen des Beziehungsverlaufs einer 54- und 71-jährigen Frau und eines über 70-jährigen Mannes näher ein.    

 
       
   

Der ländliche Raum und Mittelstädte im demografischen Wandel

LOCKE, Stefan (2017): Machtlos gegen den Umbruch.
Siemens will fast 7.000 Menschen entlassen. Görlitz trifft das besonders hart. Die Arbeitslosigkeit könnte sich verdoppeln. Stärkt das jetzt die radikalen Kräfte?
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.11.

 
       
   

Gerhard Matzig in der Debatte

MATZIG, Gerhard (2017): Bodenlos.
Die Wohnungsnot hat die Mitte der Gesellschaft erfasst. Sie ist das Resultat eines dreifachen Versagens,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 18.11.

Inzwischen dämmert es sogar Gerhard MATZIG in der Greisenzeitung, die Anfang des Jahrtausends den Niedergang des schrumpfenden und alternden Deutschlands zu bebildern versprach, dass die Schrumpfungsideologie fatale Folgen hatte:

"Die Politik begreift nicht, dass man ein endliches Gut wie den Boden und ein unendlich bedeutsames existenzielles Grundbedürfnis wie das Wohnen nicht allein dem Markt überlassen darf. Deshalb rächt sich nun (...), dass man vor Jahrzehnten nur zu gern einer Vorhersage vom angeblich »schrumpfenden Deutschland« Glauben schenkte: Deutschland, so die Annahme, sei »zu Ende gebaut«. Tatsächlich nahm aber allein zwischen 2011 und 2016 die Bevölkerung um 2,5 Millionen Menschen zu."

Wo war MATZIG als im Jahr 2012 sein SZ-Kollege Gustav SEIBT das 10 jährige Jubiläum der demografischen Zeitenwende feierte? 

 
       
   

FRANKFURTER RUNDSCHAU-Tagesthema: Klamme Kommunen.
Hessen will verschuldeten Städten helfen. Einige, die nichts bekommen, fühlen sich ungerecht behandelt

HANACK, Peter (2017): "Wir und reich, das ist ein Irrtum".
Mainhausen ist eine von 36 der 444 hessischen Kommune, die 2018 kein Geld mehr vom Land erhalten. Dabei herrscht an allen Ecken und Enden Sanierungsbedarf,
in:
Frankfurter Rundschau v. 18.11.

BEBENBURG, Pitt von (2017): Streit über die Hessenkasse.
Neues Programm soll Kommunen entlasten, doch die beklagen ihren hohen Eigenanteil,
in:
Frankfurter Rundschau v. 18.11.

 
       
   

Schwangerschaft und Geburt in der Debatte

RIESE, Dinah (2017): Wenn Gesetze Relikte werden.
Die Ärztin Kristina Hänel muss bald vor Gericht. Weil sie Frauen wissen ließ: Bei mir könnt ihr abtreiben. Über den Sinn und Unsinn eines veralteten Paragrafen,
in:
TAZ v. 18.11.

Dinah RIESE kritisiert dass heutzutage Frauen, die eine Abtreibung vornehmen wollen, aufgrund der derzeitigen Situation "fast zwangsläufig auf den Webseiten der Abtreibungsgegner*innen landen."

 
       
   

Antinatalismus in der Debatte

BAER, Claudia (2017): Kinder sind ein Ego-Projekt.
Wer Kinder grosszieht, erbringt wertvolle Leistungen für die Allgemeinheit und verdient deshalb deren Unterstützung. So lautet eine verbreitete Meinung. Aber die Fakten sagen etwas anderes,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 18.11.

Vorgestern hat Iris RADISCH in der Zeit vor den jungen Antinatalisten gewarnt. Nun wendet sich in der Schweiz Claudia BAER, Jahrgang 1957, gegen die staatliche Förderung von Kindern und bezieht sich dabei u.a. auf den "Klimakiller Kind", eine Debatte, die nicht neu ist, aber immer wieder sicher für Aufmerksamkeit in den Medien sorgt. Zuletzt am 12. Juli diesen Jahres als die  Wissenschaftler Seth WYNES & Kimberly NICOLAS die Studie The climate mitigation gap: education and government recommendations miss the most effective individual actions veröffentlichten. Neubürgerliche und rechte Medien entrüsteten sich daraufhin. Spiegel online titelte Kinderwunsch streichen, Klima retten. Wenn nationalkonservative Bevölkerungspolitik auf ökologische Heilslehren trifft, dann ist Kulturkampf angesagt.

Während die Befürworter einer stärkeren staatlichen Förderung gegen Kinderlose zu Felde ziehen, instrumentalisieren Gegner einer solchen Förderung Eltern. In diesem Kulturkampf sind krude Thesen die Normalität - mit den Bedürfnissen von Eltern und Kinderlosen hat dieser Kulturkampf nichts zu tun.

"Der bekannte Freiburger Ökonom Reiner Eichenberger betont seit Jahren, dass es unsinnig sei, «Kinder für die Altersvorsorge instrumentalisieren zu wollen». Aus den sogenannten Generationenbilanzen, die das Staatssekretariat für Wirtschaft vor einigen Jahren in Auftrag gegeben hat, geht laut Eichenberger hervor, «dass heute im Durchschnitt ein Kind über sein ganzes zukünftiges Leben gerechnet mehr Leistungen und Transfers vom Staat erhält, als es an ihn mit all seinen Steuern und Abgaben bezahlt». Und weiter sagte der Vater zweier Kinder in einem NZZ-Interview 2009: «Rein finanziell betrachtet kostet ein Kind die Gemeinschaft im Durchschnitt also mehr, als es ihr bringt. Wenn man dazurechnet, dass seine Mutter wegen Geburt und Erziehung oft weniger arbeitet und Steuern zahlt, sieht die Nettobilanz pro Kind noch negativer aus.» Finanziell lohnend für die Gemeinschaft sind laut dem Freiburger Ökonomen «nur besonders produktive Menschen, die wegen des progressiven Steuersystems weit überproportional für die öffentlichen Lasten aufkommen»",

argumentiert Claudia BAER. Interessant ist, dass sich der Ökonom Reiner EICHENBERGER eine Generationenbilanz von Bernd RAFFELHÜSCHEN und Co-Autor bezieht. Generationenbilanzen werden normalerweise gegen Kinderlose instrumentalisiert. Schon 2013 wetterte Conny SCHMID: Die Alleinstehenden ziehen den Karren. Dahinter verbirgt sich auch ein Klassenkonflikt:

"Die Nonchalance, mit der sich Paare zuweilen auf eine Schwangerschaft einlassen, ohne zuvor fundamentale Fragen wie etwa die familieninterne Aufteilung zwischen Beruf und Kinderbetreuung und die Folgen für die Karriere miteinander besprochen zu haben, ist nur schwer nachvollziehbar. Dies umso mehr, als gescheiterte Paarbeziehungen mit Kindern nicht nur viel Leid – gerade für die Kinder – bringen, sondern auch hohe Kosten verursachen können. So leben, wie die jüngsten Zahlen zeigen, in den Städten über 80 Prozent der alleinerziehenden Mütter unter 25 Jahren von der Sozialhilfe."

So genannte Sozialhilfemütter wurden in der deutschen Debatte um das Elterngeld bemüht, um Bevölkerungspolitik im Interesse des Akademikermilieus zu betreiben, denn es war immer schon klar, dass damit nicht die alleinerziehenden Akademikerinnen gemeint waren. Dass auf diesem Feld Kulturkampf betrieben werden kann, liegt auch daran, dass die Datenlage zum Thema unzureichend ist. Inzwischen gelten Zuwanderer als Hauptverursacher, weswegen die rechte Weltwoche titelt: Auffangnetz für die Welt. Migrationshintergrund ist inzwischen nicht nur im rechten Spektrum zum Synonym für Sozialhilfebezug geworden.

Fazit: Solange in der Politik die Lebensstile gegeneinander ausgespielt werden, solange wird der Kulturkampf auf dem Felde der Bevölkerungspolitik weiter gehen. Je nach Perspektive werden dann Lebensstile instrumentalisiert und Politiken gegeneinander in Stellung gebracht. Letztlich kann jedes Politikfeld in Widerspruch zu anderen Politikfeldern gebracht werden. Die Ökologie gegen Bevölkerungspolitik in Frontstellung zu bringen ist seit den 1970er Jahren eine eingeübte Praxis. Antinatalismus ist immer auch eine Reaktion auf eine nationalkonservative Bevölkerungspolitik, die Kinderlose an den Pranger zu stellen versucht.

"Kinder sind in Zeiten, wo sichere Verhütungsmittel leicht zugänglich sind, weitgehend planbar. Im Gegensatz zu Alter und Krankheit besteht beim Nachwuchs heute Wahlfreiheit: Jeder und jede kann grundsätzlich selber entscheiden, ob er oder sie Kinder haben will und wie viele es denn sein sollen",

begründet BAER ihr Sicht, dass Kinder lediglich ein Projekt (manche sagen: Statussymbol) sind. Tatsächlich sind ungeplante Schwangerschaften weit verbreiteter als diese Sicht behauptet. Waltraud CORNELIßEN, Jasmin ABEDIEH und Alexandra N. LANGMEYER wenden sich in dem Beitrag Wege in die Elternschaft. Kein Kind ohne vorgängigen Kinderwunsch seiner Eltern? in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für Familienforschung.

Insbesondere die Kinderwunschforschung wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder bevölkerungspolitisch missbraucht, indem eine angebliche Kluft zwischen Kinderwünschen und Geburten behauptet wurde, die sich in der Differenz zwischen Umfragen bzw. Befragungen und der tatsächlichen Geburtenrate ergab. Erst in neuerer Zeit wurde aufgedeckt, dass die Vorstellungen zum Zusammenhang zwischen Kinderwunsch und Verhalten sich keineswegs auf die simplen bevölkerungspolitisch motivierten Annahmen reduzieren lassen. Diese Praxis wurde auf dieser Website frühzeitig kritisiert. Während des Kulturkampfes Anfang des Jahrtausends wurden solche Kinderwunschbefragungen genutzt, um eine Kultur der Kinderlosigkeit zu behaupten, die nie in der proklamierten Weise existierte, sondern ein Forschungsartefakt der Kinderwunschforschung war. Sind Forschungsartefakte anschlussfähig zu politischen Ideologien, dann werden sie auch nicht oft empirisch überprüft, zumal die damals existierenden Forschungsdaten gar nicht für solche Fragestellungen geeignet waren. Erst ein neuerer Datensatz ermöglicht bessere Überprüfungen. So heißt es bei CORNELIßEN u.a.:

"Daten einer deutschen Längsschnittstudie (pairfam) (...) (zeigen), dass ein bis zwei Jahre vor der Geburt eines Kindes nur bei drei Viertel aller Paare eine konsensuelle positive Fertilitätsintention bestand. Bei Paaren mit geringer Bildung liegt dieser Anteil bei nur 65%. Im Durchschnitt werden 8,1% der Kinder geboren, obwohl sich ihre Eltern ein Jahr zuvor noch beide gegen ein Kind in den nächsten zwei Jahren ausgesprochen hatten, weitere 17%, obwohl das Paar noch keinen Konsens in der Kinderfrage erzielt hatte."

Die Ergebnisse zeigen, dass keineswegs nur bei Sozialhilfemüttern Kinder kein bewusstes Projekt sind und Familiengründung nicht unbedingt langfristig geplant sind. Kinderwünsche sind also nicht unbedingt geeignet, um Geburten vorherzusagen. Dies gilt ebenso für vorhandene Kinderwünsche. In ideologischen Umfragen zum Kinderwunsch werden gerne viele Altersgruppen und Kinderlose sowie Eltern in einen Topf geworfen, obwohl dies nicht zu realistischen Ergebnissen führt.      

 
       
   

Wie die Wahlkampfberichterstattung in der deutschsprachigen Presse im Jahr 2017 unser Frankreichbild geprägt hat

TZERMIAS, Nikos (2017): Mitglieder von Macrons Partei beklagen ein Demokratiedefizit.
Die Basis der Präsidentenbewegung La République en marche beschwert sich über den Mangel an Mitspracherechten,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 18.11.

 
       
 

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Zu den News vom 15. - 17. November 2017
 

   
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