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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 23. - 24. April 2016

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Der Geburtenrückgang in Deutschland wurde in erster Linie durch den Rückgang von Frauen mit drei und mehr Kindern verursacht

"Deutschland ist durch die Kombination aus hoher Kinderlosigkeit und einem geringen Anteil Kinderreicher charakterisiert. Der Effekt des Rückgangs kinderreicher Familien kann jedoch mit 66,6 % den Großteil des Geburtenrückgangs in der Bundesrepublik Deutschland erklären (Bujard/Sulak 2015). Zeitlich unterscheiden sich die Effekte: Während in der Anfangsphase der Rückgang der kinderreichen Familien fast alleine den Geburtenrückgang ausgelöst hat, war später, beim Vergleich der Kohorten von 1950 bis 1970, die Kinderlosigkeit der dominierende Faktor".
(Martin Bujard & Detlev Lück "Kinderlosigkeit und Kinderreichtum", 2015, S.41)

 
       
       
   

HUMMEL, Katrin (2016): Stets nur Nr. 2.
In Zeiten von Patchwork gibt es immer mehr von ihnen: Stiefmütter. Die neue Frau des Vaters ist eine Rolle, die klassischerweise mit Eigenschaften wie hinterlistig und eifersüchtig verbunden wird. Doch es kann auch klappen mit einem guten Verhältnis zu den Kindern des neuen Partners,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 24.04.

 
       
   

HANK, Rainer (2016): Von wegen Altersarmut,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 24.04.

Rainer HANK, der schreibt als ob er beim großen Boulevardblatt angestellt wäre, hat sich aus dem aktuellen Rentenbericht mit Unterstützung der Deutschen Rentenversicherung bedient, um uns die Zukunft bis 2030 rosarot zu malen. Glücklich wer ein Eckrentner ist und Prognosen für die Realität hält. Wer dagegen von Prognosen nichts hält, weil die Zukunft sich selten daran hält, der kann diesen Artikel schnell zur Seite legen.

SCHERFF, Dyrk (2016): Ist die Riester-Rente gescheitert?
Zu teuer, zu kompliziert, kaum Rendite: Die Riester-Rente gerät in Verruf. Zu Unrecht. Eine Ehrenrettung,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 24.04.

Dyrk SCHERFF will nachweisen, dass die Riester-Rente auch für unter 100-Jährige lukrativ sei. Dazu greift er - wie schon Philipp KROHN - auf schöngerechnete Daten des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung:

"Die Rechnungen berücksichtigen die aktuell gültigen Sterbetafeln ohne den Sicherheitspuffer von etwa vier Jahren, den die Versicherer noch aufschlagen",

heißt es dazu. Außerdem bleibt die gegenwärtige Niedrigzinsphase unberücksichtigt. Dass die Riester-Rente nicht gegen Altersarmut hilft, schreibt er der Niedrigzinspolitik der EZB und der geringen Verbreitung der Riester-Rente zu:

"Tatsache (ist), dass nur 16,5 Millionen Deutsche riestern, dies sind nur etwa 40 Prozent der Förderberechtigten. Auch viele Geringverdiener riestern nicht",

erläutert SCHERFF. Auch SCHERFF setzt fälschlicherweise die Anzahl der Verträge mit Personen gleich.

Obwohl SCHERFF viele Vorwürfe als - zumindest teilweise - berechtigt ansieht, verkauft uns der Autor die Riester-Rente als lukrativ - nur aufgrund der fragwürdigen Berechnungen des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung.

 
       
   

EUBEL, Cordula & Rainer WORATSCHKA (2016): "Private Altersvorsorge muss Pflicht werden".
Ex-Arbeitsminister Walter Riester über die aktuelle Rentendebatte, seine Nachfolgerin Andrea Nahles und die Krise der Sozialdemokratie,
in:
Tagesspiegel am Sonntag v. 24.04.

"16 Millionen Menschen haben sich auf freiwilliger Basis entschieden, einen Vertrag abzuschließen",

lügt uns Walter RIESTER wissentlich an. Denn er müsste es besser wissen! Gemäß Statistik des Bundesarbeitsministeriums gab es 2015 ca. 16,5 Millionen Verträge. Wenn viele Menschen jedoch mehr als einen Vertrag abgeschlossen haben, dann haben wesentlich weniger Menschen Riester-Verträge abgeschlossen. Hinzu kommt, dass ca. 20 % dieser Verträge ruhen, d.h. es werden keine Beiträge mehr bezahlt. Wurden 2001 noch in einem Jahr 1,4 Millionen Verträge abgeschlossen, waren es 2015 nicht einmal mehr 200.000 Verträge. Ein Erfolg sieht anders aus!

Als der WDR solche Zahlen zu den sogenannten Mini-Renten vorlegte, gab es einen medialen Aufschrei in den Printmedien, weil Renten mit Rentnern gleichgesetzt wurde. In der Debatte um die Riester-Rente sucht man vergeblich nach solchen Richtigstellungen.

RIESTER will nun nichts mehr davon wissen, dass zu hohe Arbeitskosten Anfang des Jahrtausends das Problem für eine Senkung des Niveaus der gesetzlichen Rente war. Er schiebt die Schuld nun auf das Volk ("Mehrheit der Gesellschaft"). Tatsächlich bestimmten damals neoliberale Lobbyorganisation wie die Initiative Soziale Marktwirtschaft, Pensionärsclubs wie z.B. der BürgerKonvent, die Finanzwirtschaft und ihre Experten (z.B. Bernd RAFFELHÜSCHEN) sowie die Medien, die deren Argumente meist unwidersprochen wiederkäuten, die Rentenpolitik. Unliebsame Experten, die für eine Stärkung der gesetzlichen Rente eintraten, wurden von der rot-grünen Regierung abserviert und durch Befürworter einer privaten Altersvorsorge ersetzt.

"Wenn eine Kassiererin auf 450-Euro-Basis arbeitet und keine Rentenbeiträge zahlt, muss sie sich nicht wundern, wenn sie am Ende auch keine Rente, sondern Grundsicherung ausgezahlt bekommt",

belehrt RIESTER die Geringverdiener und fordert außerdem eine Pflicht zum privaten Vorsorgesparen:

"Nehmen sie eine alleinerziehende Mutter, teilzeitbeschäftigt, mit zwei kleinen Kindern. Wenn die im Jahr 10.000 Euro verdient, muss sie pro Monat nur fünf Euro aufwenden, um die volle Förderung zu bekommen. Das kann sich jeder leisten. Aus 60 Euro Erspartem im Jahr werden mit der Förderung 814 Euro auf dem Konto",

rechnet uns RIESTER vor. Dyrk SCHERFF schreibt dagegen in der heutigen FAS:

"Die volle Förderung erhält nur der, der jedes Jahr prüft, ob er die dafür geforderten vier Prozent des rentenversicherungspflichtigen Einkommens (inklusive Zulagen) in den Riester-Vertrag einbezahlt hat."

SCHERFF schreibt, dass jeder 154 Euro Zulage erhält. Bei vor 2008 geborenen Kindern gibt es je Kind 185 Euro. Für jedes danach geborene Kind 300 Euro. Für eine Mutter mit zwei Kindern, die nach 2008 geboren wurden ergibt das zusammen 754 Euro Förderung. Bei den 814 Euro sind also noch die 60 Euro Eigenanteil dabei.

RIESTERs Beispiel trifft dagegen nicht für Alleinerziehende zu, deren beiden Kinder vor 2008 geboren wurden. Diese hätte nur 584 Euro auf dem Konto. Der Unterschied macht bei Alleinerziehenden also 230 Euro pro Jahr aus - je nachdem wann ihre Kinder geboren wurden. Davon ist bei RIESTER nichts zu lesen. Aufgrund des Alterseinkünftegesetzes müssen Riester-Verträge in der Auszahlungsphase voll versteuert werden:

"Leistungen aus Altersvorsorgeverträgen werden erst in der Auszahlungsphase besteuert. (...). Die Höhe der Besteuerung korrespondiert grundsätzlich mit der steuerlichen Freistellung der Beiträge in der Ansparphase. Wurden die jeweiligen Beitragszahlungen steuerlich gefördert, dann sind die sich daraus ergebenden Altersleistungen voll nachgelagert zu versteuern."
(Broschüre Besteuerung von Alterseinkünften, herausgegeben vom Bundesfinanzministerium, Stand: November 2015, S.23)

Die Alleinerziehende hat also zwar die Erträge auf dem Konto, wie es im schönen RIESTER-Deutsch heißt, aber was am Ende davon noch übrig bleibt - darüber schweigt sich RIESTER aus.      

Dass die Riester-Rente mit der Grundsicherung im Alter verrechnet wird, kümmert RIESTER nicht, denn:

"Wer davon abrücken will, stellt ein Grundprinzip infrage."

RIESTER widerlegt die Kritik, dass Geringverdiener nicht riestern mit folgenden Argumenten:

"Mehr als 25 Prozent der Zulagenempfänger haben im Jahr unter 10.000 Euro. Weitere 20 Prozent verdienen zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Bei einem Jahreseinkommen bis zu 35.000 Euro - der gegenwärtige Verdienstdurchschnitt - der gegenwärtige Verdienstdurchschnitt - sind es zwei Drittel der Leistungsempfänger. Wer da behauptet, Geringverdiener würden zu wenig von der Förderung profitieren, der plappert entweder irgendwas ungeprüft nach oder er informiert die Menschen bewusst falsch",

hält uns RIESTER vor. Hier wird mit dem Durchschnittsverdienst und nicht mit dem mittleren Einkommen argumentiert, der durch die Superreichen verzerrt wird. Und seit wann zählt ein Durchschnittsverdiener als Geringverdiener? Die Argumentation ist davon abgesehen ein Scheinargument, da die Anzahl der Zulagenempfänger nicht genannt wird. Die Zahl liegt mindestens um 20 % unter den abgeschlossen Verträgen (ruhende Verträge werden nicht gefördert), wobei die Anzahl der Personen unbekannt ist.

Den Gewerkschaften schlägt RIESTER vor, die Beschäftigten in die betriebliche Altersvorsorge zu locken - was angesichts der Entgeltumwandlung die gesetzliche Rente weiter schwächen würde

Fazit: Die Zahlen, die uns RIESTER vorlegt, sind ungeeignet, das zu belegen, was er verbal behauptet. Erfolg sind anders aus!        

KÖHLER-RAMA, Tim (2016): Rentenpolitik ohne Ziel.
Position: Deutschland ist nicht bereit, die steigenden Kosten der Alterssicherung zu tragen,
in:
Tagesspiegel am Sonntag v. 24.04.

"Heute liegt der Beitragssatz zur GRV bei 18,7 Prozent. 1996 lag der Beitragssatz bei 19,2 Prozent. Der Anteil der Ausgaben für Alterssicherung am BIP ist ebenfalls gesunken, von 11,2 Prozent im Jahre 2000 auf 10,5 Prozent im Jahre 2013. Dies zeigt: Deutschland ist bislang nicht bereit, die steigenden Kosten der Alterssicherung in einer alternden Gesellschaft aufzubringen",

meint Tim KÖHLER-RAMA. Auch im OECD-Durchschnitt sieht er das Niveau der gesetzlichen Rente als unterdurchschnittlich an:

"Das Absicherungsniveau der gesetzlichen Rente in Deutschland liegt weit unterhalb des OECD-Durchschnitts. Die künftige Nettoersatzrate (...) liegt im OECD-Durchschnitt für Geringverdiener bei 75 Prozent. In Deutschland beträgt dieser Wert 42 Prozent. Von den 34 OECD-Staaten weisen nur Mexiko und Südafrika eine geringere Nettoersatzrate für Geringverdiener aus",

rechnet uns KÖHLER-RAMA vor. Er plädiert deshalb für ein neues rentenpolitisches Leitbild, das sich an der Lebensstandardsicherung im Alter orientiert. Dazu sei entweder ein Wiederanstieg des Niveaus der gesetzlichen Rente oder eine Verpflichtung zur privaten Altersvorsorge bzw. ein Mischsystem aus beidem notwendig. Außerdem sei zur Armutsvermeidung mehr Umverteilung notwendig.   

 
       
   

KLÖCKNER, Marcus (2016): Die Armen in Deutschland - dem Tod so nah.
Über den Umgang mit den Besitzlosen in unserer Gesellschaft,
in: Telepolis
v. 24.04.

 
   
WELT AM SONNTAG KOMPAKT-Titelgeschichte: Tricksen, aber richtig!
Mit Zahlen lässt sich alles beweisen - oder widerlegen. Wie Sie Manipulationen erkennen und selbst auch ein wenig mitschummeln können

LOSSAU, Norbert (2016): So wird die Wurst zum Mörder.
Politiker, Unternehmer und Forscher präsentieren und interpretieren Statistiken gern so, dass sie ihren Zielen dienen. Selbst wenn der Missbrauch später auffliegt - im Gedächtnis bleibt oft die erste Botschaft,
in:
Welt am Sonntag kompakt v. 24.04.

Norbert LOSSAU klärt leider nicht immer - wie versprochen - über statistische Tricks auf, sondern will in erster Linie politisch missliebige Begriffe diffamieren. So wird z.B. der Begriff der relativen Armut (fehlende gesellschaftliche Teilhabe) kritisiert, d.h. nur die absolute Armut (Hunger, Obdachlosigkeit) gilt LOSSAU als "wahre" Armut.

Das Prinzip der relativen Armut beruht darauf, dass nicht der Durchschnitt aller Einkommen entscheidend ist, sondern das Medianeinkommen. Veränderungen bei den Spitzenverdienern wirken sich also nicht auf diese Armutsdefinition aus. Genau dies wird jedoch als unsinnig dargestellt. Wäre es also besser, wenn der Zu- oder Wegzug von Superreichen die Armut in einem Lande verringern oder erhöhen könnte? Diese Frage behandelt LOSSAU aber erst gar nicht, denn er will ja lediglich das Konzept der relativen Armut lächerlich machen. Dazu zitiert er einen einzigen Experten, hätte er dagegen noch andere Statistikexperten, z.B. Gerd BOSBACH & Jens Jürgen KORFF zitieren müssen, dann wäre die dahinter stehende Ideologie sichtbar geworden. 

Bei diesem Beispiel geht es nicht um statistische Tricks, sondern um den Armutsbegriff und dessen Operationalisierung. Es geht hier also um ein Messproblem und nicht um Darstellungstricks, die dann an anderer Stelle von LOSSAU ebenfalls aufgelistet werden.

Die 9 Tipps, die LOSSAU auflistet, sind ebenfalls wenig hilfreich. Dort heißt es u.a.:

"Nennen Sie relative Veränderungen und nicht die absoluten Zahlen. Auf diese Weise kann man trefflich dramatisieren."

Dies ist jedoch nur die halbe Wahrheit, denn auch mit absoluten Zahlen kann ausgezeichnet dramatisiert werden wie z.B. Bevölkerungsvorausberechnungen zeigen. Mit simplen Anweisungen wie bei LOSSAU ist es eben nicht getan...

Bei der Arbeitslosenstatistik macht LOSSAU darauf aufmerksam, dass die Definition "Arbeitsloser" häufig geändert wird. Dies führt dazu, dass Vergleiche über längere Zeiträume erschwert oder sogar gänzlich unmöglich gemacht werden. Dieser wichtige Aspekt wird aber von LOSSAU gar nicht erwähnt.

Aktuell sind vor allem die Ausführungen zu Finanzprodukten, wobei jedoch so getan wird, als ob statistische Tricks in diesem Bereich hauptsächlich während der Finanzmarktkrise angewandt wurden. Tatsächlich lädt jedoch gerade die gegenwärtige Niedrigzinsphase dazu ein, die Rendite von Vorsorgeprodukten per Statistik schön zu reden.

"Sind Forschungsergebnisse von hoher Relevanz, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Täuschung entdeckt wird",

erklärt uns LOSSAU. Dies gilt vielleicht für die Naturwissenschaften, aber nicht für Ökonomie, Sozial- und Geisteswissenschaften, denn hier bestimmt der Zeitgeist bzw. die "scientific Community", was gerade "richtig" oder "falsch" ist. Meist kommen deshalb Fehler erst dann ans Licht, wenn sich die herrschende Lehre ändert.

Je exklusiver eine "scientific Community" ist, desto unwahrscheinlicher ist eine Revidierung ihrer Grundlagen. So war die nationalkonservative Bevölkerungswissenschaft noch bis nach der Jahrtausendwende eine verschworene Gemeinschaft, die ihre Problemdefinition ohne große Einmischung von außen durchsetzen konnte. Dies ändert sich mittlerweile langsam - auch aufgrund internationaler Forschung und zunehmender Konkurrenz auf dem Felde der Demographiepolitik. Von alledem findet sich in dem Artikel von LOSSAU nichts!

In der Welt am Sonntag ist der Artikel unter der Überschrift Exakte Lügen erschienen. 

 
       
   

VITZTHUM, Thomas (2016): Kaum Raum.
Studium: Kleine Wohnungen werden immer knapper und immer teurer. Der Staat investiert zu wenig, private Wohnheime verlangen astronomische Preise. Schon bald könnte Studieren wieder etwas für Besserverdienende sein,
in:
Welt am Sonntag kompakt v. 24.04.

 
       
   

SEIBEL, Karsten & Holger ZSCHÄPITZ (2016): Gut gemeint.
Das Vertrauen in die Riester-Rente ist verloren: hohe Kosten, magere Renditen. Drei Strategien, die Altersvorsorge umzubauen,
in:
Welt am Sonntag kompakt v. 24.04.

SEIBEL & ZSCHÄPITZ versprechen den überlebenden Riester-Sparern goldene Riester-Zeiten angesichts der von den Versicherungen zu hoch angesetzten Lebenserwartung:

"In den nächsten Jahrzehnten müssten Riester-Sparer allein schon davon profitieren, dass Versicherte früher sterben als angenommen. Für die Berechnung der jährlichen Rentenzahlung nehmen die Anbieter eine bestimmte Lebenserwartung an. Stirbt der Versicherte früher, gehen 90 Prozent der nun nicht mehr notwendigen Zahlungen laut Gesetz an alle Kunden. Da der Großteil der Riester-Sparer nach maximal 25 Beitragsjahren vom Rentenalter noch ein Stück entfernt ist, kann diese Gewinnquelle noch nicht sprudeln."

Gemäß dem Diskussionspapier Zur Kritik an der Riester-Rente des Otto-Wolf-Instituts aus dem Jahr 2013 haben SEIBEL & ZSCHÄPITZ offenbar die Gesetzesänderung des Jahres 2005 nicht berücksichtigt:

"Bis 2005 waren Versicherungen verpflichtet, 90% der Risiko- und Sterblichkeitsüberschüsse an die Versicherten zu verteilen und 2005 wurde diese Grenze rückwirkend für alle seit 2001 abgeschlossenen Riester-Verträge auf 75% gesenkt (Hagen / Kleinlein, 2011, 9-10)."
(2013, S.7)

Wie weiter unten noch beschrieben, gibt es auch keine einheitliche Sterbetafel, wie uns SEIBEL & ZSCHÄPITZ suggerieren.

Wie schon die FAZ jubeln uns SEIBEL & ZSCHÄPITZ Zahlen eines mysteriösen Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) unter, um die Riester-Rente schönzureden. Die IVFP macht Front gegen die Riesterprodukte der Versicherungen und rät dagegen zu Bankenprodukten. Der Bund der Versicherten, der ebenfalls Versicherungsprodukte kritisiert, sieht Korrekturbedarf bei der Auszahlungsphase. Die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg propagiert ein Vorsorgekonto mit allen Rentenprodukten und möchte selber als Player auf Vorsorgemarkt einsteigen. Bei der Deutschland-Rente wird die Opt-out-Regel gepriesen, weil sie der privaten Altersvorsorge zu mehr Verbreitung verhelfen soll.

Zuletzt wenden sich SEIBEL & ZSCHÄPITZ gegen eine Rückabwicklung der Riester-Rente. Dieser ständen juristische und einkommenssteuergesetzliche Hindernisse im Wege. Sie propagieren deshalb eine Individuallösung: Weder Verträge kündigen noch den Anbieter wechseln, sondern den alten Vertrag ruhen lassen und einen neuen Vertrag mit besseren Konditionen abschließen.

Am Schluss blicken die Autoren noch einmal zurück auf die goldenen Zeiten der Anfangsphase:

"Am besten stehen noch Policen-Sparer der ersten Stunden da: Bis 2004 noch lag der Garantiezins bei 3,25 Prozent. Zudem war die Sterbetafel sparerfreundlicher. Kunden von damals müssen also längst nicht so alt werden wie die heutigen, damit sich die Versicherung rechnet."

Das wird Neukunden ab 2004 wenig trösten, was jedoch nicht das einzigste Problem dieser Sichtweise ist: Wie die Autoren darauf kommen, dass die damalige Sterbetafel sparerfreundlicher war, ist unklar.

Das Diskussionspapier Zur Kritik an der Riester-Rente des wirtschaftsnahen Otto-Wolf-Instituts zur Riester-Rente aus dem Jahr 2013 weist darauf hin, dass staatliche Förderungen NICHT an eine einheitliche Sterbetafel gebunden sind:

"§ 1 Abs. 1 Nr. 3 AltZertG definiert als Bedingung für riesterförderungsfähige Produkte, dass der Anbieter zusagen muss, dass »zu Beginn der Auszahlungsphase mindestens die eingezahlten Altersvorsorgebeiträge für die Auszahlungsphase zur Verfügung stehen und für die Leistungserbringung genutzt werden«. Nicht gesetzlich regu-liert ist hingegen, welche Sterbetafel ein Versicherungsunternehmen zugrunde zu legen hat. Welche Sterbetafel eine Versicherung bei der Kalkulation eines Versicherungstarifs zugrunde legt, hat große Auswirkungen auf die Versicherten. Je höher die kalkulierte Lebenserwartung, desto höher fällt die Versicherungsprämie bzw. desto niedriger die Versicherungsleistung im Rentenalter aus."
(2013, S.5f.)

Jede Versicherung zimmert sich mehr oder weniger seine eigene Sterbetafel zusammen, weshalb die oben genannten Ausschüttungen auch nicht bundeseinheitlich sind, sondern von Versicherung zu Versicherung differieren können. Das Diskussionspapier erläutert dazu:

"In der vom Statistischen Bundesamt erstellten Sterbetafel soll die Lebenserwartung der Gesamtbevölkerung prognostiziert werden. Nachgezeichnet werden deshalb keine speziellen Risiken, sondern ausschließlich die reine Sterblichkeit nach Geburtsjahrgängen. Die von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) empfohlene Sterbetafel der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) sowie unternehmensspezifische Sterbetafeln sollen hingegen die Lebenserwartung der jeweiligen Versicherten prognostizieren. In diesen Sterbetafeln wird nach sozioökonomischen Kriterien gewichten, da mit steigendem Bildungsniveau und steigendem Einkommen die Wahrscheinlichkeit, einen Riester-Vertrag abzuschließen, steigt (Greyer, 2011, 16-21) sowie der sozioökonomische Status die Sterblichkeit beeinflusst."
(2013, S.7f)

Fazit: Lebensversicherungen sind in jedem Fall intransparent, weil sie versicherungsmathematischen Prozeduren unterliegen, z.B. Prognosen der Sterblichkeit von Versicherten, die nicht offen gelegt werden müssen und von der jeweiligen Klientel des Unternehmens abhängen. Sie unterliegen zudem kapitalistischen Konkurrenzgesichtspunkten, die wenig mit Lebenserwartungen, sondern mehr mit Angebot und Nachfrage zu tun haben.

CLAUSS, Ulrich (2016): Redet über Renten!
Leitartikel,
in:
Welt am Sonntag kompakt v. 24.04.

Das Wort zum Rentensonntag predigt uns Ulrich CLAUSS. Mit gesalbtem Geschwafel sülzt er von nachhaltiger Rentenpolitik, als ob die Zukunft feststehen würde. Da die Zukunft jedoch offen ist, kann es keine Generationengerechtigkeit geben. Jene die das meinen, sollten uns jemanden aus dieser Zukunft herbeibringen, damit er uns diese zeigt. Prognosen, d.h. in die Zukunft projizierte Vergangenheiten, sind untauglich, oder warum müssen sie alle paar Jahre neu berechnet werden? Doch wohl nicht, weil sie nachhaltig sind. 

 
   
TAGESSPIEGEL-Beilage: Sind Väter heute anders?
Über das Vatersein im Großvateralter

MÜLLER, Kai (2016): Die neuen alten Väter.
Mit dem ersten Kind fallen Männer meist in traditionelle Rollen zurück. Dabei gibt es für Männer heute viel mehr Möglichkeiten, Familie und Beruf in Einklang zu bringen,
in:
Tagesspiegel v. 23.04.

GRÜNBERG, Karl (2016): Suche nach dem Vaterglück.
Liebe geben. Grenzen setzen. Vorbild sein. Gar nicht so einfach. Was macht einen guten Vater aus? Unser Autor stellt sich diese Frage selbst - und trifft Männer, die darauf eigene Antworten haben,
in:
Tagesspiegel v. 23.04.

 
   
FRANKFURTER RUNDSCHAU-Serie: Wie wollen wir wohnen?

HEBEL, Stephan (2016): "Wir müssen die Spekulation stoppen".
Der Soziologe Andrej Holm über das heikle Geschäft mit Wohnraum, die gesellschaftlichen Folgen und das Versagen der Politik,
in:
Frankfurter Rundschau v. 23.04.

LEMHÖFER, Anne (2016): Ist Kaufen asozial?
Pro: Ja. Wer heute die schick sanierte Altbauwohnung erwirbt, fördert ein System der Verdrängung,
in:
Frankfurter Rundschau v. 23.04.

RÜSSMANN, Ursula (2016): Ist Kaufen asozial?
Contra: Nein. Nicht alle Hausbesitzer sind Abzocker und das Klischee vom armen Mieter passt nicht mehr,
in:
Frankfurter Rundschau v. 23.04.

HEBEL, Stephan (2016): Der Staat auf dem Rückzug.
Mehr Wohngeld, eine Milliarde für sozialen Wohnungsbau, Mietpreisbremse - die Bundesregierung tut einiges, um bezahlbaren Raum für alle zu schaffen. Aber reicht das aus?
in:
Frankfurter Rundschau v. 23.04.

 
       
   

MOHR, Daniel (2016): Der Königsweg zu einer höheren Rente.
Der eigentliche Sinn der kapitalgedeckten Rente wird durch zu viele Garantien nicht erreicht,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.04.

Daniel MOHR präsentiert sich als Anwalt der Finanzdienstleister. Dafür hat er eine Berechnung der Frankfurt School of Finance & Management herangezogen, die uns belegen soll, dass ein Garantiezins für uns schlecht sei, weil dies den Profit der Finanzdienstleister schmälert. Von unserem größeren Risiko spricht MOHR dagegen nicht. In den höchsten Tönen wird der Aktienmarkt gelobt. Es werden uns sagenhafte Renditen ( 8 %) versprochen, nur weil sie "historisch üblich" seien. Hat man das uns nicht auch für die nun darniederliegende Altersvorsorge versprochen gehabt?

"Selbst scharfe Einbrüche am Aktienmarkt waren immer innerhalb weniger Jahre wieder aufgeholt."

Schön für jene, die dann gerade nicht in ihre Rente gehen wollen. Die anderen müssen dann jedoch ihren Renteneintritt "um die wenigen Jahre" verschieben. Pech, wem dann der Tod dazwischen kommt.

Weil aber offenbar auch MOHR seine Lobeshymne für zu dick aufgetragen hält, preist er uns den Mittelweg:

"Doch zwischen dem derzeitigen Extrem einer fast ausschließlich auf Kapitalerhalt fokussierten Altersvorsorge und einem rein aktienbasierten Ansatz gibt es genug Mittelwege, die dem Anleger eine deutliche Verbesserung zum Status quo bieten."

Zu deutsch: Wer nicht mutig genug für die Zockerei ist, der wählt eben einen konservativen Anlagestil. Jeder ist seines Glückes Schmied!

Den Vorschlag einer Deutschland-Rente nutzt MOHR, um global orientierte Aktienindesfonds als Lösung zu propagieren:

"(sie) erfüllen alle Kriterien einer guten Altersvorsorge: Sie streuen das Vermögen breit über viele Aktien zu günstigen Kosten."

Wer nichts als Streuung anzubieten hat, der gibt zu, dass es große Risiken gibt, denen man nur dadurch entgehen kann, indem man einen Teil seiner Anlagen am besten gleich abschreibt...    

Weil das offenbar alles noch zu wenig reizvoll ist, ruft er zum Schluss noch den mündigen Bürger an! Der Aktionär könne doch DIREKTEN Einfluss auf die Unternehmen nehmen. Wer schon einmal etwas von Kleinaktionären gehört hat, der weiß, dass der Einfluss dieser Aktionäre gegen Null geht.

KROHN, Philipp (2016): Riester ist besser als sein Ruf.
Eine Untersuchung für diese Zeitung ergibt eine angemessene Rendite der staatlich geförderten Altersvorsorge,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.04.

Philipp KROHN, Helfershelfer der Finanzdienstleister, präsentiert uns eine Berechnung des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung, über das es selbst im Netz nichts zu erfahren gibt. Die Selbstdarstellung erschöpft sich in nichtssagender Prosa. Macht das bereits skeptisch, dann liest man erstaunt, dass in der Berechnung die Niedrigzinsphase erst gar nicht berücksichtigt wird!

BORSTEL, Stefan von (2016): Arbeitgeber verteidigen Riester-Rente.
"Sinkendes Rentenniveau führt nicht zu Altersarmut",
in:
Welt v. 23.04.

Stefan von BORSTEL zitiert aus einem der Welt zugespielten Argumentationspapier des Arbeitgeberverbands (BDA). Dass der Arbeitgeberverband die Riester-Rente verteidigt ist wohl kein Wunder. Das Interesse der Arbeitgeber besteht in der Senkung der Beitragssätze zur gesetzlichen Rente. Dass diese für Arbeitnehmer Einkommen darstellen, spielt dabei keine Rolle.

"Im schlimmsten Fall werde der Anteil derjenigen, die ab 2030 auf eine Grundsicherung angewiesen sein werden, von heute knapp drei Prozent auf etwa fünf Prozent steigen",

erklärt uns BORSTEL. Man sollte genau lesen: "Ab 2030" heißt es und nicht im Jahr 2030! Man müsste schon Hellseher sein, um eine solche Aussage machen zu können.   

 
       
   

Michael Nast - Generation Beziehungsunfähig

HERTREITER, Laura (2016): Der Singlechecker.
Michael Nast wird für sein Buch "Generation Beziehungsunfähig" gefeiert. Aber steht es bei den Thirtysomethings wirklich so schlecht um die Liebe?
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.04.

Laura HERTREITER war auf einer Lesung von Michael NAST und will uns  - wie schon Fanny JIMENÉZ - den Erfolg des Buches und der Diagnose "beziehungsunfähig" erklären.

Im Gegensatz zu JIMENÉZ hält sich HERTREITER erst gar nicht mit den unterschiedlichen Bindungsstilen auf, sondern zitiert eine Expertin, die den Anteil des unsicheren Bindungsstils mit 30 - 40 Prozent angibt. Dieser Anteil sei sogar konstant. Da es diese psychologische Bindungstheorie aber noch gar nicht so lange gibt, lässt sich das weder empirisch nachweisen noch widerlegen.

Kürzlich muss man bei HERTREITER mit "vor einem dreiviertel Jahr" übersetzen, denn damals schrieb im konservativen FAZ-Blog eine 29-Jährige über ihre Liebesblödigkeit und weil das einsam machen würde, projiziert sie dies auf die - gerade zeitgeistmäßig angesagte - Generation Y. 20 Millionen Egoisten seien sie und natürlich Single:

"Sagen wir mal, jeder Dritte ist Single. Singles in Deutschland sind schwer zu zählen, auch wenn es da immer mal wieder Versuche gibt. Aber wie wollen wir auch etwas zählen, das sich permanent verändert? Wie wollen wir »Beziehungen« zählen, wenn das Wort bei Millionen Menschen Brechreiz auslöst? Aber ein Drittel kann gut sein, weil etwa jeder dritte Haushalt ein Singlehaushalt ist. Darin leben dann die Menschen in Pendlerbeziehungen, ihnen gegenüber stehen die Wohngemeinschaften; sagen wir also: ein Drittel der Deutschen ist Single. Im Zensus-Atlas können Sie sich das anschauen: Unsere Großstädte sind das Ödland der Einsamkeit."

Abgesehen davon, dass deutsche Journalisten beim Lesen von Statistiken oftmals zum funktionalen Analphabeten werden, hätte ein kurzer Blick in die verlinkte Pressemeldung des Statistischen Bundesamtes genügt, um dort zu lesen, dass lediglich 17,1 % der Bevölkerung allein leben. Und warum stehen sich Pendlerbeziehungen und Wohngemeinschaften in Singlehaushalten gegenüber? Eine WG mit 7 Personen wird meistens als 7 Singlehaushalte gezählt - im Gegensatz zur Kommune der 68er, bei der alle zusammen wirtschaften. Mit Pendlerbeziehungen sind offenbar Paare ohne gemeinsamen Haushalt gemeint. Die Autorin zählt also offenbar Überschätzung (Pendlerbeziehung) und Unterschätzung (WGs) von Partnerlosigkeit zusammen, um ein Drittel (17 % der Bevölkerung) als glaubwürdig zu halten. Diese Schätzung ist jedoch in doppelter Hinsicht falsch, denn erstens werden WGs mit 7 Personen eben nicht wie von der Autorin angenommen als ein Singlehaushalt gezählt) und zweitens sind WGs wesentlich seltener als Paare ohne gemeinsamen Haushalt. Vergessen wird dagegen von der Autorin, dass z.B. alleinerziehende Partnerlose NICHT als Singlehaushalte gezählt werden.  

Wie wir Beziehungen zählen könnten? Dazu wären lediglich Längsschnitt- statt Querschnittsdaten erforderlich. Aber selbst dann werden meist nur Lebensformen statt die Dauer von Beziehungen erforscht, denn eine Person kann eine Beziehung mit ein und derselben Person haben, obwohl sie erst bei den Eltern wohnt (Nesthocker), dann im Singlehaushalt lebt (Paar ohne gemeinsamen Haushalt), dann eine zeitlang zusammen lebt und danach wieder im Singlehaushalt, weil der Beruf keinen gemeinsamen Haushalt zulässt usw. usf.

Fazit: Unsere Statistiken unterschätzen aufgrund der zugenommenen Mobilität die Dauer von Beziehungen.

Zum Schluss führt HERTREITER die Diagnose "beziehungsunfähig" auf die Bequemlichkeit der Generation Y zurück, denn:

"Der Einzelne ist nicht verantwortlich, Beziehungsunfähigkeit ist ein Fehler im System, schuld sind die Datingportale, das Internet, der Kapitalismus. Oder die Politik."

Diese Diagnose steht jedoch im Widerspruch zur weiter oben vorgestellten psychologischen Theorie der Bindungsstile als Persönlichkeitsmerkmal. Ist also nun Beziehungsunfähigkeit ein neuer soziologischer Begriff? Dann wissen die Soziologen bislang noch nichts davon!   

 
       
   

MATZIG, Gerhard (2016): Endspiel.
Größer, teurer, raffinierter - und bald auch seniorentauglich: Was die Aufrüstung der Spielplätze mit dem schlechten Gewissen einer kinderarm alternden Gesellschaft zu tun hat,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.04.

Seit Mitte der Nuller Jahre beglückt uns Gerhard MATZIG mit seiner "All-Age-Gesellschaft". Heute geht es nun um den All-Age-Spielplatz! Auf dem Spielplatz fehlen eigentlich nur Kinder, selbst MATZIG ist ja erwachsen, macht sich aber seine Gedanken über Klagen gegen Kinderlärm.

In einem Heidelberger Vorzeigeprojekt, das eng mit dem Namen Alexander MITSCHERLICH verbunden ist - genau jener, den kaum einer kennt, aber alle kennen zumindest den Titel seines Buches: Die vaterlose Gesellschaft! Also in diesem ehemaligen Heidelberger Vorzeigeprojekt, das zum sozialen Brennpunkt wurde, gibt es einen tollen Kinderspielplatz, über den eine Hauptverkehrsstraße dieses Stadtteils führt. Der Song Where do the children play von Cat STEVENS erzählt von dieser "goldenen Zeit" der Kinderfeindlichkeit. Damals gab es noch keine Juristen, die über Kinderlärm entscheiden durften (das erledigte man damals nämlich per Ohrfeige). Aber war diese Zeit damals deshalb besser, nur weil Kinder - quantitativ gesehen - besser vertreten waren?

"Deutschland zählt mit durchschnittlich 1,36 Kindern pro Frau zu den Schlusslichtern Europas",

erzählt uns MATZIG. Vielleicht sollte er lieber seine Statistik mal wieder auf den aktuellen Stand bringen.  

 
       
   

BERNDT, Christina (2016): Die Schneeflocken-Babys.
Ein Mann verliert seine erste Frau an den Krebs. Auf Eis lagern ihre Embryonen. Der Mann verliebt sich erneut. Darf seine zweite Frau die Kinder austragen?
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.04.

Wie schon die ZEIT im September letzten Jahres befördert Christina BERNDT die Ideologie der religiösen Rechte, indem sie die Sicht eines tiefreligiösen Paares schildert und deren Begrifflichkeit unrelativiert transportiert.

Während der Deutsche Ethikrat in seiner Stellungnahme von Embryonenspende spricht, wird im Artikel nahe gelegt, dass Embryonen Kinder seien, die adoptiert werden müssen. Wie Lebensschützer, die Abtreibungen grundsätzlich verhindern wollen, wird hier das gleiche Vokabular benutzt, um die Embryonen"adoption" durchzusetzen:

"es kann doch wohl kaum im Interesse der Kinder sein, dass sie sterben müssen, bevor sie geboren werden,"

zitiert BERNDT diese "Kindes"wohl-Argumentation. Erst am Ende des Artikels wird klar, dass es sich in diesem geschilderten Fall möglicherweise gar nicht um Embryonen im Sinne des deutschen Gesetzes handelt, sondern lediglich um befruchtete Eizellen. Die Lebensschutzbewegung sieht darin jedoch keinen Unterschied.

Fazit: Immer mehr bestimmen in Deutschland religiöse Fundamentalisten den medialen Diskurs. Ihre Sichtweisen fließen untergründig in Medienberichte ein, ohne dass über verschiedene Sichtweisen gleichrangig aufgeklärt wird.

Muss zur Freigabe der Embryonenspende, die BERNDT im Sinne des Deutschen Ethikrats in diesem Artikel betreibt, unbedingt das Vokabular von Lebensschützern verwendet werden? Und wer klärt eigentlich über Lobbyisten wie das Netzwerk Embryonenspende auf? Die Medien lassen uns im Stich, weil sie ihrer Aufklärungspflicht nicht nachkommen und stattdessen lieber selber Interessenpolitik betreiben. Der Glaubwürdigkeit der Medien dient dies sicher nicht.   

 
       
   

WEISS, Marlene (2016): Die Zwillings-Pille.
In Deutschland hat sich der Anteil der Mehrlingsgeburten seit den Achtzigerjahren verdoppelt. Das liegt auch an einem Medikament,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.04.

Marlene WEISS berichtet über die Ursache der Zunahme von Mehrlingsgeburten. Im Mittelpunkt steht dabei der Einfluss des Medikaments Clomifen, das den Eisprung anregt, auf die Zunahme, während der Anteil der Reproduktionsmedizin und des Erstgeburtsalters nur im letzten Drittel erwähnt wird. Der Beitrag erweckt zudem den Eindruck, dass die Reproduktionsmedizin bzw. Kinderwunschzentren ihren Tätigkeitsbereich immer mehr auch auf ganz normale Geburten ausdehnen möchten:

"Es klingt nicht so, als könne er der unkontrollierten Romantik (...) besonders viel abgewinnen. Bei seinem Team, mit genauer Ultraschall-Überwachung, lägen die Zwillingsquoten unter Clomifen nahe bei null",

wird die Position eines Kinderwunschzentrum-Leiters wiedergegeben. Die Entwicklung der Mehrlingsgeburten beschreibt WEISS folgendermaßen:

"Heute kommen auf 1000 Geburten 18,4 Zwillingsgeburten, das ist etwa jede 54. Geburt. Der Anteil hat sich in den vergangenen Jahrzehnten mehr als verdoppelt, jener der Drillinge vervierfacht. Ab den Fünfzigerjahren fiel mit dem damals sinkenden Alter der Mütter der Anteil der Frauen, die Zwillinge bekamen, lange stetig ab; im Jahr 1978 war bei einer von 111 Geburten der Tiefstand erreicht. Danach ging es steil bergauf"

Das Statistische Bundesamt meldete Anfang dieses Jahres dagegen:

"2014 (war) bereits jedes 27. neugeborene Kind in Deutschland ein Mehrlingskind. Unter den gut 700 000 Neugeborenen waren knapp 27 000 Mehrlingskinder (25 954 Zwillinge, 846 Drillinge sowie 44 Vierlinge). Damit war der Anteil der Mehrlingskinder an allen Neugeborenen so hoch wie nie zuvor.
Den geringsten Anteil an Mehrlingskindern hatte es im Jahr 1977 gegeben. Von den gut 800 000 geborenen Kindern waren damals knapp 15 000 Mehrlingskinder. Damit war 1977 nur jedes 56. Kind ein Mehrling gewesen, der Anteil der Mehrlinge war somit nicht einmal halb so hoch wie 2014."

 
       
   

BRÜCKER, Herbert/FRATZSCHER, Marcel/WEIZSÄCKER, Jakob (2016): Masterplan für Integration.
Samstagsessay: Deutschland braucht klare, ambitionierte und realistische Ziele für die Integration von Flüchtlingen. Denn davon hängt unser Wohlstand ab,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.04.

 
       
   

GRÄBER, Berrit (2016): Sauber gespart.
Millionen Menschen in Deutschland lassen schwarz putzen. Allerdings lohnt sich das meist gar nicht. Wie aus einer heimlichen eine legale Haushaltshilfe wird und sich Ehrlichkeit dank Steuervorteil auch noch rechnet,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.04.

 
       
   

NEIDHART, Christoph (2016): Ein Land sieht alt aus.
Japan vergreist, und die Regierung hat kein Rezept gegen die demografische Krise. Stattdessen geht man recht kaltblütig mit Rentnern um: Sie werden aufs Land abgeschoben oder müssen sich nützlich machen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.04.

"In den nächsten 50 Jahren wird die Bevölkerung (...) jährlich um knapp 200.000 Menschen schrumpfen, wenn man den Vorhersagen glaubt",

schrieb Cornelia TUTT im Jahr 2007 - nicht über Japan, sondern über Deutschland. Christoph NEIDHART schildert die Entwicklung in Japan folgendermaßen:

"Bereits heute sind mehr als ein Viertel der Japaner älter als 65 - acht Prozent älter als 80. Und mehr als 60.000 Menschen jenseits der 100. In 20 Jahren werden 40 Prozent aller Japaner Rentner sein, so die Statistiker der Regierung. Zugleich nimmt die Gesamtbevölkerung jährlich um mehr als 200.000 Einwohner ab. Japan verliert also jedes Jahr fast so viele Einwohner, wie die Stadt Augsburg hat."

NEIDHARDT malt ein typisches neoliberales Horrorgemälde wie wir es z.B. aus dem ZDF-Film 2030 - Aufstand der Alten kennen:

"In einem Altenheim in Kawasaki hat ein junger Pfleger drei greise Patienten vom Balkon in den Tod gestoßen. (...). Der Dreifach-Mord ist in seiner Radikalität ein Einzelfall, aber er verrät doch, dass Japans Altenpflege in einer Krise steckt. Das Gesundheitsministerium hat für 2014 mehr als 300 Fälle schwerer Misshandlungen alter Patienten im Pflegeeinrichtungen gemeldet."

Und nun sollen Alte auch noch "zwangsumgesiedelt" werden.

Wurde uns Deutschen noch zur Jahrtausendwende Japan als Vorbild einer alternden Gesellschaft vorgehalten - wir erinnern uns: Wir sollten die Agenda 2010 als alternativlose Politik empfinden, wird uns nun Japan als Schreckensbild präsentiert, das zur Lösung der Probleme unfähig ist:

"Die am nächsten liegende Lösung, junge Leute aus Südostasien ins Land zu holen, gerade auch als Pflegepersonal kommt für Abes Konservative nicht infrage. Sie reden eher davon, mehr Roboter in der Pflege einzusetzen."

Noch im Jahr 2007 hat NEIDHARDT Japan als Vorbild für den Umgang mit den Alten gepriesen:

"Obwohl vom Konfuzianismus nicht viel geblieben ist, begegnet man in Ostasien Eltern, überhaupt alten Leuten mit mehr Respekt als im Westen. Und zugleich mit mehr Milde und Nachsicht: fast wie Kindern gegenüber. Die Alten andererseits suchen, so lange wie möglich, Aufgaben in der Gesellschaft zu übernehmen."

Jetzt also eine 180 Grad-Kehrtwende! Hat das Japanbild, das uns von den Medien vermittelt wird, vielleicht mehr mit Deutschland als mit Japan zu tun?    

 
       
   

ECKERT, Daniel (2016): Kranker Mann in Fernost steht auf.
Alt und verschuldet: Japan gilt als Problemfall der Weltwirtschaft. Doch der Yen zeigt Muskeln,
in:
Welt v. 23.04.

"Japan leidet unter ähnlichen Problemen wie die Euro-Zone und erlaubt daher einen Blick in unsere eigene Zukunft",

rechtfertigt Daniel ECKERT dieses selektive Japanbild. ECKERT schildert die Ansichten zweier Experten: zum einen Guido LINGNAU, dessen 2014 erschienenes Buch Auch die sicheren Häfen sind in Gefahr im Untertitel verspricht: Schützen Sie Ihr Vermögen vor der demographischen Katastrophe. LINGNAU gehört also zu den Apokalyptikern, dessen Einschätzung sich allein aus der pessimistischen Sicht auf den demografischen Wandel ergibt. Als zweiter Experte wird der Ökonom Ralph SOLVEEN von der Commerzbank genannt, von dem eine positive Einschätzung zitiert wird:

"Eine alternde Gesellschaft kann weiter produktiv und wettbewerbsfähig sein. Seit 1995 ist die Bevölkerung im Erwerbsalter von 15 bis 64 Jahren um 9,6 Millionen Menschen geschrumpft. Und es geht so weiter. »In den nächsten 20 Jahren wird diese Altersgruppe fortgesetzt um etwa ein Dreiviertelprozent im Jahr abnehmen«, sagt Solveen.
Gleichwohl habe die reale, also die inflations- und deflationsbereinigte Wirtschaftskraft pro Einwohner im erwerbsfähigen Alter von 2000 bis 2015 um 25 Prozent zugelegt, mehr als in den USA. »Japan ist gar nicht so krank«, sagt der Ökonom."

Wie schnell als "kranke Männer" (warum nicht kranke Frauen?) bezeichnete Volkswirtschaften gesunden können, zeigt der Fall Deutschland. Die Diagnose "krank" oder "gesund" ist jedoch immer auch eine Frage der ökonomischen Ideologien.

 
       
 

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Zu den News vom 16. - 22. April 2016
 

   
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