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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 25. - 31. Dezember 2005

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

"Trotz ihrer Zugehörigkeit zum unteren Einkommensquintil (Anm.d.V.: Einkommensfünftel) bleibt eine relativ große Gruppe (ca. 30 %) von eigentlicher Armut verschont. Zu diesen »Unterversorgungsfreien« gehören überdurchschnittlich oft Menschen mit einem hohen Bildungsniveau und einer guten beruflichen Position. Hinsichtlich der Familienform finden sich hier v.a. Ehepaare ohne Kinder.
(...).

Kritisch ist, dass mehr als die Hälfte (ca. 55 %) der Niedrigeinkommenshaushalte zwei oder mehr Problemlagen vereinen. (...). Anhäufungen von Deprivationen finden sich v.a. bei Alleinlebenden, in den neuen Bundesländern und bei Alleinerziehenden."
(Tanja Mühling in der Zeitschrift für Familienforschung, Heft 2, 2005)

 
 
 
   
Ein ethisches Grundprinzip, das auf dieser Website von Anfang an vertreten wurde, lautet, dass nur eine singlefreundliche Gesellschaft auch eine familienfreundliche Gesellschaft sein kann. Es musste jedoch erst auf Seite 1 der FAZ stehen, dass Kinderlose zu den Aussätzigen der deutschen Gesellschaft zu werden drohen (Albert SCHÄFFER in der FAZ, 21.05.2005), bis es auch anderen dämmerte, dass es so nicht weiter gehen kann.

Judith KLEIN verteidigt nun die Kinderlosen gegen ihre Verächter. Der FAZ-Artikel von Hans-Werner SINN, in dem er für die Einführung einer Kinderrente plädiert (08.02.2005), gilt der 68erin (zur Begriffsverwendung mehr hier) als Beleg für die Singlefeindlichkeit der Debatte um den demografischen Wandel. KLEIN folgt der Sichtweise von single-generation.de, wenn sie schreibt, dass

"nur die Menschen eine Chance (haben), sich selbst anzuerkennen (...), die zumindest eine der Spielarten der Anerkennung durch Andere erfahren haben.
Emotionale und soziale Missachtung, die das Gegenteil von Anerkennung ist, kann die psychische Integration eines Menschen zerstören. Die Kinderlosen trifft die Verachtung um so heftiger wenn ihnen die emotionale Zuwendung eines Partners oder (z.B. aufgrund von Arbeitslosigkeit die Wertschätzung von Arbeitskollegen fehlt. Auch die im Recht verkörperte universalistische Achtung, die jedem Menschen zukommt, scheint ihnen gegenüber nicht mehr selbstverständlich zu sein."

Anhand literatur- und ideengeschichtlicher Beispiele zeigt KLEIN die "lange Tradition der Anerkennung des Beitrags der Kinderlosen" auf. KLEIN weist darauf hin, dass "Kinderlosigkeit, Mutter- und Vaterschaft keine eindeutigen Tatbestände sind". Auf die Problematik des Begriffs "Kinderloser" wurde hier des Öfteren hingewiesen. KLEIN kritisiert das nationalkonservative Paradigma, also jene politische Richtung

"welche die soziale Sicherung wieder in »blutsverwandtschaftliche« Bahnen lenken möchte."

Dazu gehört vor allem die von Hans-Werner SINN vertretene Rente nach Kinderzahl, aber auch alle anderen familienpolitischen Lösungen innerhalb der Sozialversicherungssysteme, die nur Teile der Bevölkerung heranziehen, statt Familienpolitik als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu betrachten. KLEIN kritisiert die Tendenz solcher Politik, die das "»Naturschicksal« des Menschen wieder aufwerten möchte". Die Biologisierung des Sozialen ist ein Kennzeichen der nationalkonservativen Vertreter von Herwig BIRG bis Hans-Werner SINN.

KLEIN begründet dagegen eine moderne Gesellschaftspolitik, die neben der persönlichen Solidarität auf den "vergesellschaftlichten Sozialverband" setzt. Sie begründet es damit, dass "die Nöte der individuellen Lebensgeschichte von der herrschenden Ökonomie und Ökologie mitverursacht sind." KLEIN sieht deshalb den sozialen Fortschritt durch die "vormodernen Experimente" der Nationalkonservativen in Gefahr.

Der 68er-Generation (1938 - 1948 Geborenen) - also sozusagen ihren Generationsgenossen - widmet KLEIN einen eigenen Abschnitt. Dort zeigt sich jedoch, dass KLEIN einiges ausblendet, auf das hier hingewiesen werden soll. Die "ausgefallene Generation" (Herwig BIRG) wird mit der besonderen historischen Situation begründet, in der sich die 68er befanden:

"Die sogenannte 68er Generation, zu der die Jahrgänge 1938-1948 gerechnet werden, hat sich und der Gesellschaft den »bevölkerungspolitisch korrekten Beitrag« versagt, wie heute oft beklagt wird. Mehr noch: dies »Versagen« hatte unabsehbare langfristige Folgen, wie der neueste Buchtitel zum Thema Demografie - Die ausgefallene Generation - und der (ent)sprechende Ankündigungstext des Verlages zeigen: »Die Eltern, die heute Kinder zur Welt bringen müssten, sind niemals geboren worden.« Die demografische Zurückhaltung der 68er Generation hat nicht nur mit verbesserten oder neuen Methoden der Empfängnisverhütung zu tun, sondern auch mit dem Schock, den diese Generation erlebte, als sie von den Verbrechen erfuhr, die deutsche Menschen begangen hatten. Und nicht nur das. Sie kann auch als Antwort auf eine andere Zurückhaltung verstanden werden: Die 68er hatten als erste (...) gegen die politische und historische, vor allem aber gegen die familiäre Unempfindlichkeit gegenüber der Vergangenheit protestiert. (...). Verzweiflung und Trauer waren, so ist zu vermuten, der Familiengründung nicht günstig. Die »zwanzig Jahre der Bewusstseinsverspätung« schlugen in zwanzig Jahre demografischen »Verlusts« um."

Der Debatte um die "ausgefallene Generation" wird dies jedoch zweifach nicht gerecht. Zum einen anerkennt KLEIN implizit die gesellschaftliche Relevanz eines bevölkerungspolitisch korrekten Beitrags an, als ob diese unumstritten wäre. Es wird nur gerechtfertigt, dass die 68er aufgrund der besonderen historischen Umstände diesen Beitrag gar nicht leisten konnten.

Auf single-generation.de wird dagegen die mit der Bestandserhaltungszahl 2,1 verbundene Ideologie in Frage gestellt, die einerseits mit der politischen Konstruktion der Geburtenkrise und andererseits mit dem Zusammenhang zwischen Geburtenrückgang und gesellschaftlichem Wohlstand verbunden ist.

Zum anderen überbewertet KLEIN die Kritik an den 68ern. Hier besteht eine große Kluft zwischen der oberflächlichen Aufgeregtheit der Debatten und den nüchternen Fakten der demografischen Entwicklung sowie der durchgesetzten politischen Reformen. Richtig ist, dass die 68er zwar Teil des "demografischen Problems" sind, wie im Beitrag Wer den Generationenvertrag gebrochen hat aufgezeigt wird. Der Beitrag zeigt allerdings auch, dass in der öffentlichen Debatte um die ausgefallene Generation nicht die 68er, sondern die in den 1950er und vor allem in den 1960er Jahren Geborenen im Mittelpunkt stehen.

In dem Buch Schrumpfende Gesellschaften von Franz-Xaver Kaufmann, einem in den Mitte-Milieus angesehenen Debattenteilnehmer, wird die ausgefallene Generation als Geburtenlücke sogar quantitativ beziffert. Man sollte diese Zahlen zwar mit Vorsicht behandeln, aber sie zeigen auf, um was in der gegenwärtigen Debatte überhaupt gestritten wird. KAUFMANN beziffert die Geburtenlücke zwischen 1972 und 2000 auf insgesamt 9,6 Millionen Geborene.

1938 Geborene waren im Jahr 1972 bereits 34 Jahre alt. Spätgebärene (35 Jahre und älter) waren damals jedoch eine zu vernachlässigende Minderheit. Selbst die 1948 Geborenen waren 1972 bereits 24 Jahre alt und trugen deshalb - bei einem deutlich niedrigen durchschnittlichen Gebäralter gegenüber heute - nur noch zu einem sehr geringen Teil zur Geburtenlücke bei.

Der Beitrag der 1938 - 1948 Geborenen (68er im Sinne von Judith KLEIN) zur Geburtenlücke wird dadurch relativiert. Es muss jedoch immer wieder betont werden, dass Begriffe wie "Geburtenlücke" oder "ausgefallene Generation" bereits an sich fragwürdig sind, denn sie gewinnen nur vor einem ganz bestimmten ideologischen Hintergrund überhaupt ihre Bedeutung. Dem gesellschaftlichen Wandel, der einen viel stärkeren Einfluss auf die so genannte "Geburtenlücke" hatte, wird man mit Verweisen auf die Nazi-Vergangenheit schon gar nicht gerecht. Es bleibt unberücksichtigt, dass die Bildungsexpansion die Sozialstruktur, den Arbeitsmarkt und die Berufsstruktur völlig verändert hat. KLEIN schreibt:

"Kinderlosigkeit entspringt (...) nur in seltenen Fällen einer hedonistischen, Verantwortung scheuenden Weltanschauung. Neben Krankheit, Unfruchtbarkeit (und Vorbehalten gegenüber der Reproduktionsmedizin) oder Fehlen eines Partners sind häufig ethische Erwägungen und ein skrupulöses Verantwortungsgefühl im Spiel."

Das ist eben nur die halbe Wahrheit, denn die strukturellen Veränderungen werden völlig ausgeblendet. In der Debatte zur Kinderlosigkeit steht ja nicht die allgemeine Kinderlosigkeit im Mittelpunkt, sondern die AkademikerInnen-Kinderlosigkeit. Es geht also um jenes Milieu, das seine Expansion der Bildungsexpansion der 1970er Jahre verdankt. Was dies bedeutet, das wird jetzt erst in Ansätzen deutlich. Hier besteht jedenfalls ein eklatantes Deutungsdefizit.

Zum Abschluss vergleicht KLEIN die deutsche und die französische Situation. Sie bringt die höhere französische Geburtenrate mit der in Frankreich verbreiteten Toleranz gegenüber den Kinderlosen in Verbindung. Ihr Fazit lautet deshalb:

"Die Diskriminierung der Kinderlosen ist (...), entgegen landläufigen Vorstellungen, dem demografischen Wachstum keineswegs förderlich, sie erhöht lediglich den moralischen Druck und entzweit Menschen, die aufeinander angewiesen sind. Familien mit Kindern brauchen die Kinderlosen als Ersatzmütter und -väter und als Menschen, die Horizonte öffnen."

 
       
   

Das Online-Dating in der Debatte

  • UNTERSTÖGER, Hermann (2005): "Einsamer Hase braucht Schmusekatze".
    Frauen und Männer investieren viel Mühe und Phantasie beim Formulieren ihrer Kontaktanzeigen, doch oft ist das Ergebnis peinlich,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 31.12.

  • ESSLINGER, Detlef (2005): Jude sucht Jüdin.
    Heiratsmakler José Weber hilft,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 31.12.

 
       
   

BERTH, Felix (2005): Wer zweifelt, zeugt nicht.
Warum Geburtenraten sinken und Elternratgeber boomen - Anmerkungen zur deutschen Kinderlosigkeit,
in: Süddeutsche Zeitung v. 31.12.

 
       
   
  • SIEMENS, Anne (2005): Nick Hornby über Ego,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 31.12.

 
       
     
       
     
       
     
       
   
  • Die Studie "Familienreport 2005" der Konrad-Adenauer-Stiftung in den Medien

    • DPA/EPD (2005): Deutschland ist Single-Europameister.
      In deutschen Haushalten leben laut einer Studie mittlerweile mehr Ehepaare ohne Kinder als mit Kindern zusammen,
      in: Hamburger Abendblatt v. 30.12.

    • EPD (2005): Single-Haushalte Spitze.
      In Deutschland am wenigsten Haushalte mit Kindern,
      in: TAZ v. 30.12.

Die taz druckt unkritisch eine Agenturmeldung, wonach im europäischen Vergleich Deutschland den höchsten Anteil allein Lebender aufweisen soll. Dagegen steht auf Seite 18 der Studie, dass in Schweden der Anteil der Einpersonenhaushalte 46,5 % beträgt, d.h. dort leben ca. 10 % mehr Alleinlebende als in Deutschland. Dabei gilt Schweden nicht wenigen als familienpolitisches Musterland, insbesondere gilt dies für die Verfechter des Elterngelds. Offenbar ist der Anteil der Einpersonenhaushalte kein brauchbarer Indikator zur Beurteilung des Ausmaßes der Kinderlosigkeit eines Landes.
DEH bemängelt zwar, dass die These von der lebenslangen Kinderlosigkeit nicht ausreichend belegt wird, aber es werden nicht jene Berechnungen von Jürgen DORBRITZ oder Gert HULLEN angeführt, die unzweifelhaft belegen, dass die Kinderlosigkeit des Frauenjahrgangs 1965 deutlich geringer ist als 30 %:

"Die Autorinnen erkennen in ihrer Auswertung statistischer Daten (...) einen Trend zur »lebenslangen Kinderlosigkeit«. So behaupten sie: »Deutschland ist weltweit das einzige Land, dessen niedrige Geburtenziffer durch die lebenslange Kinderlosigkeit eines Drittels der gegenwärtigen Bevölkerung verursacht wird.« Allerdings bleiben sie die Belege für diese These weitgehend schuldig. Sie weisen lediglich darauf hin, dass 22 Prozent der Frauen des Jahrgangs 1955 kinderlos geblieben seien. In Frankreich habe der Anteil nur acht Prozent betragen. Doch schon bei ihrer Schätzung, dass ein Drittel der 1965 geborenen Frauen sich für ein Leben ohne Kinder entscheiden werde, stellt sich die Frage, woher die Autorinnen das wissen wollen. Schließlich haben sie selbst in ihrer Studie festgestellt, dass immer mehr Frauen ihr erstes Kind deutlich später bekommen. Die Bilanz für den Jahrgang 1965 dürfte noch nicht abgeschlossen sein."

Moritz SCHULLER sieht weniger ein finanzielles Problem als ein Lebensverlaufsproblem wirken:

"Die durchschnittliche reale Kaufkraft einer Kleinfamilie von heute entspricht zum Beispiel ziemlich genau jener von Eltern der geburtenstarken Jahrgängen 1955 bis 1965. Verändert hat sich seitdem nicht die Menge des Geldes, sondern der Verlauf der Biographien. Wer 1955 mit 20 ein Kind in die Welt setzte, konnte davon ausgehen, sein Leben lang denselben Beruf zu haben. Wer heute mit 30 noch Praktikant ist, setzt kein Kind in die Welt."

 
       
     
       
     
       
   
  • Das Single-Dasein in der Schweiz

    • CRZ (2005): Im Zeichen der Harmonisierung.
      Angleichung der Fruchtbarkeitsraten in der Schweiz,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 29.12.

 
       
     
       
     
       
     
       
     
       
     
       
     
       
   

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