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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 25. - 30. April 2016

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Der Geburtenrückgang in Deutschland wurde in erster Linie durch den Rückgang von Frauen mit drei und mehr Kindern verursacht

"Deutschland ist durch die Kombination aus hoher Kinderlosigkeit und einem geringen Anteil Kinderreicher charakterisiert. Der Effekt des Rückgangs kinderreicher Familien kann jedoch mit 66,6 % den Großteil des Geburtenrückgangs in der Bundesrepublik Deutschland erklären (Bujard/Sulak 2015). Zeitlich unterscheiden sich die Effekte: Während in der Anfangsphase der Rückgang der kinderreichen Familien fast alleine den Geburtenrückgang ausgelöst hat, war später, beim Vergleich der Kohorten von 1950 bis 1970, die Kinderlosigkeit der dominierende Faktor".
(Martin Bujard & Detlev Lück "Kinderlosigkeit und Kinderreichtum", 2015, S.41)

 
       
       
   
taz-Titelgeschichte: Deutschland unterkuschelt.
Nähe: Kennen Sie Oxytocin? Das Hormon entsteht beim Anfassen. Wie wichtig es für die Gesellschaft ist. Und wem es fehlt

MOULIN, Margarete (2016): Die unterkuschelte Gesellschaft.
Nähe: Millionen Menschen verweigern sich Berührungen. Bei vielen ist die Produktion des Hormons Oxytocin gestört. Befördern Fernbeziehungen, Wunschkaiserschnitte und 70-Studen-Wochen diesen Mangel?
in:
TAZ v. 30.04.

Der Artikel von Margarete MOULIN berichtet über Körperkontaktstörungen, für die von den Psychologen Uta STREIT & Fritz JANSEN eine spezielle Therapie entwickelt wurde, mit der z.B. Autisten behandelt werden können. Fragwürdig wird der Artikel besonders dadurch, dass ein psychologisches Phänomen zur Diagnose für eine kranke Gesellschaft wird. Auch wenn von traumatischen Geburtserlebnissen, die zu Körperkontaktstörungen führen können, darauf geschlossen wird, dass NUR die natürliche Geburt dies vermeiden könne, obwohl zwischen Trauma und "natürlicher Geburt" ein ganzes Spektrum an Möglichkeiten existiert, dann erinnert das doch sehr an Strömungen in den 1970er oder 1980er Jahren, die sich bei Natürlichkeit an den Naturvölkern orientierte, weil angeblich nur diese noch wüssten, was ein Kind wirklich brauche.

Wenn dann 10 Prozent der Bevölkerung in Deutschland eine Körperkontaktstörung bescheinigt wird, dann möchte man schon genauer wissen, wie eine solche Schätzung zustande kommt. Meist überschätzen Psychologen durch ihre Tätigkeit das Ausmaß von psychischen Störungen. Zudem scheint dieses Gebiet noch untererforscht zu sein, sonst müsste der Artikel nicht zu großen Teilen spekulativ bleiben.

Der Ausdruck "unterkuschelte Gesellschaft" stammt offenbar von der schwedischen Physiologin Kerstin Uvnäs MOBERG. Ein Buch dieser Physiologin wurde in Deutschland wiederum von STREIT & JANSEN herausgegeben, d.h. es handelt sich hier lediglich um einen sehr kleinen Kreis von Wissenschaftlern, die sich mit diesem Phänomen beschäftigen.

"Der Anteil der Singlehaushalte in Deutschland liegt bei mehr als 40 Prozent. Aber die Biologie des Menschen ist womöglich weniger flexibel",

behauptet MOULIN. In Deutschland leben jedoch nicht einmal 20 % der Menschen in Einpersonenhaushalten und diese müssen noch nicht einmal allein in einer Wohnung leben, sondern können in WGs oder als Paar kuscheln. Und offenbar reicht bereits ein Hund oder eine Katze, um das Kuschelbedürfnis zu stillen - auch wenn das nur eine "Ersatzhandlung" ist.

Und ob frühere Gesellschaften der "Biologie des Menschen" besser entsprachen, darf durchaus bezweifelt werden. Wenn man den flexiblen Kapitalismus kritisieren möchte, dann bitte nicht mit solch krudem Biologismus. Ist es etwa nicht schlimm genug, dass Menschen die Paar- und Familienbildung durch Gesetze erschwert wird? Unter Fernbeziehungen leiden vor allem jene, die solche Beziehungen nur führen, weil sie der Arbeitslosigkeit entgehen wollen oder gar durch die Hartz IV-Gesetze dazu gezwungen werden. Stattdessen moralisiert MOULIN, wenn sie von Selbstverwirklichung schwadroniert. Wer sich durch die Arbeit selbstverwirklichen kann, der gehört eher zu den Happy Few. 

WRUSCH, Paul (2016): Hände auf meiner Brust.
Selbstversuch: Erst Fluchtgedanken, dann Löffelchenstellung. Zu Gast auf einer Kuschelparty,
in:
TAZ v. 30.04.

 
       
   

BLECH, Jörg (2016): Die Methusalem-Formel.
Medizin: Warum sterben Männer früher als Frauen? Bisher wurde die unterschiedliche Lebenserartung meist auf biologische Faktoren zurückgeführt. Doch das ist falsch. In sardischen Bergdörfern lüften Altersforscher das Geheimnis der Langlebigkeit,
in:
Spiegel Nr.18 v. 30.04.

Jörg BLECH verkauft uns als letzten Schrei Sardinien als Land der Hundertjährigen. Es ist noch nicht lange her, da blickte die Welt nach Japan. Wohin werden wir als nächstes blicken müssen?

"Porcu ist einer von sechs noch lebenden Hundertjährigen, die in Villagrande Strisaili geboren wurden. Für eine 3300-Seelen-Gemeinde ist das ein hoher Wert",

verkündet uns nun BLECH. Wir erinnern uns möglicherweise daran, dass Japan bis zum Skandal mit den Karteileichen als Land der Methusalems gefeiert wurde. Nun wird uns ein kleines Dorf als Wunderort verkauft.

Aber eigentlich geht es gar nicht um Methusalems, sondern um die Ungerechtigkeit, dass Männer meist früher sterben als Frauen - und darum, dass in erster Linie Frauen die deutschen Pflegeheime bevölkern. Wenn Männer länger leben würden, dann könnte die Pflege auf die Familien verlagert werden, so die dahinter stehende Vorstellung.

Ein Großteil des Artikels beschäftigt sich mit biologischen Erklärungen, die jene, die an solchen Erklärungen nicht interessiert sind, eher nerven dürften. Neben Lebensstilunterschieden wird uns auch die leicht angestaubte Kloster-Studie von Marc LUY noch einmal erzählt.

Und was hat es mit Sardinien auf sich? Wer als Hirte lebt, der könnte auch als Mann länger leben, so die Quintessenz. Nicht rauchen und Bewegung legt uns der Artikel nahe. Und was ist daran neu?

Fazit: Viel Aufwand für eine magere Story!  

 
       
   

MINGELS, Guido (2016): Die Welt bleibt zu Hause.
Globale Migration: Die Flüchtlingsdebatte erweckt den Eindruck einer noch nie da gewesenen Massenwanderung. Ein völlig falsches Bild. Betrachtet man die Migration global, so stellt sich eher die Frage: Warum gibt es so wenig davon?
in:
Spiegel Nr.18 v. 30.04.

Guido MINGELS will uns unsere falschen Bilder im Kopf über die Migration austreiben. Woher er über unsere Bilder Bescheid weiß, das verrät er nicht. Offenbar meint er nur die Bilder, die der Spiegel in die Welt gesetzt hat. Weil uns der Spiegel die ganze Zeit falsche Bilder zur Migration geliefert hat, durfte MINGELS nun den Sozialstatistiker Guy J. ABEL in Wien besuchen, der diesen Schaden nun beheben soll. In die Welt gesetzt hat die Zahlen nicht der Spiegel (der verbreitet höchstens Zahlen, die andere in die Welt setzen), sondern die Vereinigten Nationen:

"Alle Zahlen zur Migration stammen von den Vereinten Nationen, und die misst, indem sie die Migranten und Flüchtlinge alle Länder zusammenzählt. Ein Migrant ist dabei definiert als eine Person, die »nicht in dem Land lebt, in dem sie geboren wurde«",

erklärt uns MINGELS. Offenbar kennt MINGELS das Statistische Bundesamt genauso wenig wie das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Deutschland. Und all die anderen staatlichen Stellen, die Statistiken erstellen. Die Daten stammen also nicht von den Vereinten Nationen, sondern werden höchstens von diesen gesammelt.

MINGELS wirft der UN Lügen mit Zahlen vor - da kennt sich der Spiegel gut aus, denn das gehört zu dessen Standardrepertoire. Aufgeklärt wird darüber nur, wenn es dem Spiegel gerade passt. Und ein paar Seiten weiter liest man selbst bei MINGELS, dass die Zahlen gar nicht von der UN stammen:

"Zahlen wie diese - oder ihre nationalen Pendants, aus denen sie sich addiert."

Wenn der Spiegel nicht so gerne mit Zahlen lügen würde, dann wären solche Artikel überflüssig, denn dann müsste auf Darstellungstricks immer sofort hingewiesen werden: bei jeder Meldung! Dies würde jedoch heißen: Journalismus wäre Recherche- und Aufklärungsarbeit und nicht nur Verbreitung von Pressemitteilungen.

In dem Artikel wird kritisiert, dass in den Medien nicht zwischen zwischen Migranten und "Binnenvertriebenen" unterschieden wird, die nach der Genfer Konvention nicht als Flüchtlinge gelten. Ist das also ein Problem der UN oder eher der Medien, die uns Leser nicht aufklären?

In einem Artikel von Andreas ETTE & Frank SWIACZNY, Mitarbeitern des Instituts für Bevölkerungsforschung, wird in der aktuellen Ausgabe der Geographischen Rundschau auf die unterschiedlichen Begriffsverwendungen im Kontext verschiedener Wissenschaften hingewiesen:

"Weltweit sind heute über 60 Mio. Menschen auf der Flucht (...)(UNHCR 2015). Aus sozialwissenschaftlicher Sicht werden Flüchtlinge miest mit all jenen Personen gleichgesetzt, deren Migration durch Zwang ausgelöst wurde. Dazu zählen neben der internationalen Migration von Flüchtlingen auch die Gruppe der Binnenvertriebenen und zwar ganz unabhängig davon, ob die Vertreibung durch politische Konflikte, Naturkatastrophen, Hungersnöte oder andere Ursachen ausgelöst wurde (...).
Trotz der zunehmenden Vermischung der Motive, die Migration und Flucht zugrunde liegen, entspricht ein solch umfassendes Verständnis von Flucht nicht den im politischen und rechtswissenschaftlichen Kontext verwendeten Konzepten. Hier stellt die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 den wichtigsten Bezugspunkt dar, wonach individuelle verfolgte Personen als Flüchtlinge definiert werden."

Es gibt also offenbar keine einheitliche Definition des Begriffs "Flüchtling", den einige sogar ganz ablehnen und lieber von "Geflüchteten" sprechen.

Was also ist eigentlich das Problem? MINGELS stellt uns zwei Begriffe vor, die sich unterscheiden: Migranten und Flüchtlinge. Wenn Medien diese durcheinander bringen, ist das doch ein Problem der Medien und nicht der UN. Wenn MINGELS der Meinung ist, dass die UN reißerische Zahlen in Umlauf bringt, dann liegt das wohl auch daran, dass die Medien nur an reißerischen Zahlen interessiert sind. Und wenn es um Demografie geht, dann ist der Spiegel immer vorne dran. Wie oft z.B. sind die Deutschen schon im Spiegel ausgestorben? Und wie oft war das Boot schon voll? Bitte zuerst im eigenen Hause aufräumen!

Fazit: Der Artikel wäre überflüssig, würden die Medien ihrer journalistischen Aufklärungspflicht nachkommen, statt auf reißerische Storys zu setzen. Mitleiderzeugung und Angst schüren sind keine Qualitäten von Links und Rechts, sondern haben ihren Platz mitten im Spiegel.      

 
       
   

ILLOUZ, Eva (2016): Vom Wissen und der Liebe.
Essay: Wie das digitale Zeitalter unsere Beziehungen verändert,
in:
Spiegel Nr.18 v. 30.04.

Eva ILLOUZ, eine populäre Soziologin, von der sich vor allem Frauen verstanden fühlen, erklärt uns fast 800 Jahre auf zwei Seiten, in denen sich angeblich die Liebe vom Nicht-Wissen zum Wissen gewandelt hat. Leider hat das wenig mit der Realität, aber viel mit dem Wissen bzw. Nicht-Wissen über die Vergangenheit zu tun: Am Anfang wird die Liebe in der Dichtung beschrieben - zu einer Zeit, in der Lesen eine Kunst weniger war. Danach kommt der Roman. Genannt wird ein Bestseller von Jean-Jacques ROUSSEAU. Auch damals war Lesen noch nicht sehr weit verbreitet und Bestseller hatten keine Millionenauflage wie heute. Danach wird uns die Psychologie mit ihren Büchern zur Selbsthilfe als Liebeslektüre vorgestellt. Genannt werden jedoch nur Konzepte der Psychoanalyse, die in den 1930er Jahren eher wenig bekannt waren. Und dann kommt gleich das Internetzeitalter. Man könnte dies eher eine elitäre Kulturgeschichte nennen, in der die Mehrheit der Bevölkerung ausgeblendet wird.

"Die Macht des Nicht-Wissens ist stark, doch in unserer informationsgesättigten Gesellschaft ist das Wissen zu einem so zentralen Bestandteil von Wirtschaft, Technik und Kultur geworden, dass wir begonnen haben, seine Macht zu ignorieren."

ILLOUZ plädiert also für mehr Nicht-Wissen über die geliebte Person. Man könnte jedoch sagen, dass ILLOUZ hier Information mit Wissen verwechselt. Nicht-Wissen ist kein Merkmal vergangener Gesellschaften, sondern der Kern unserer Wissensgesellschaft. Die Wirtschaft wird von Intransparenz dominiert, die Technik soll Geheimnisse wahren und Kultur beruht auf Distinktion und Habitus - also dem Gegenteil von Wissen.       

 
       
   

MENGUE, Marlene & Michaela SCHWINN (2016): Für immer zu zweit.
"Alleingeborene", so nennen sich Menschen, die glauben, einen Zwilling gehabt zu haben - der lange vor der Geburt gestorben ist. Über ein rätselhaftes Phänomen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 30.04.

 
       
   

SERRAO, Marc Felix (2016): Verdammt lang hin.
Buch zwei: Die Rente mag sicher sein - üppig wird sie für die kommenden Generationen garantiert nicht mehr. Wer heute Mitte dreißig ist und im Alter nicht kurztreten will, muss anderweitig vorsorgen. Ein Selbstversuch,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 30.04.

Marc Felix SERRAO, Jahrgang 1978. Damals wurden 808.619 Kinder in Deutschland geboren. Wenn er die Babyboomer beschimpft als ob er nicht dazu gehört, dann könnte es ihm im Jahr 2045 selber einmal passieren, dass er zu diesen dazu gezählt wird. Wer im Glashaus sitzt, der sollte nicht mit Steinen werfen!

SERRAO erzählt uns, wie seine Rente als festangestellter Journalist aussieht. Davon können viele seiner Kollegen nur träumen, den jenseits der Festanstellung arbeiten. Die Mittelschicht, die uns der Autor skizziert hört bei der mittleren Mittelschicht auf. Jene, die der unteren Mittelschicht angehören sind von SERREA gar nicht erst mitgedacht, wenn er vom  Angestellten mit Festanstellung als Prototyp der Mittelschicht redet. Er gehört zudem zu jenen Besserverdienenden, die die Sozialabgaben für zu hoch halten, also das System der gesetzlichen Rente schwächen möchten:

"Journalist (...) nach Tarif bezahlt. Mit etwa 4200 Euro brutto kann man zwar keine großen Sprünge machen, zumal in München - aber es sind etwa 250 Euro mehr als der durchschnittliche Bruttolohn eines männlichen Arbeitnehmers im Westen der Republik."

Den anderen kommt SERRAO mit Walter Riester, der derzeit mit einem Superangebot aus dem Bereich Riester-Rente Werbung für sich macht:

"Eine Alleinerziehende mit zwei Kindern und Teilzeitjob »zahlt 60 Euro im Jahr ein und bekommt dafür aufs Jahr gesehen die volle Zulage, 154 Euro, dazu zweimal 300 Euro pro Kind«"

Während im Tagesspiegel diese Alleinerziehende 10.000 Euro verdient, bekommt sie bei der Augsburger Allgemeinen Zeitung  "800 Euro im Monat". Der Riester-Wegweiser macht dagegen folgende Rechnung auf:

"Alleinerziehende mit 2 Kinder, Jahreseinkommen 12.000 €: Der Staat schenkt Ihnen 524 € jährlich, Sie brauchen dafür nur 60 € pro Jahr in einen Riester Vertrag einzahlen."

230 Euro pro Jahr macht allein der Unterschied aus, ob eine Alleinerziehende mit 2 Kindern ihre Kinder vor oder nach 2008 bekommen hat. Eine Alleinerziehende mit einem Jahresgehalt von mehr als 20.500 Euro kommt schon nicht mehr in den Genuss der vollen Zulage. Die Grenze für Geringverdiener liegt - wenn man die volle Zulage bei einem Mindestbeitrag von 60 Euro im Jahr wie Walter RIESTER als Maßstab nimmt - bei ca. 20.000 Euro Jahresgehalt. Ein Versicherungsvertreter erklärt SERRAO dagegen:

"»Geringverdiener« Für die lohne sich das Einzahlen oft nicht, weil die Erträge im Alter von der staatlichen Grundsicherung abgezogen würden. Wegen der geringen Beiträge zur gesetzlichen Rente reiche es bei Geringverdienern oft nur für die Grundsicherung, eine Art Harzt IV für Rentner."

Ist jener Geringverdiener, den der Versicherungsvertreter im Auge hat, aber identisch mit jenem Geringverdiener, den Walter RIESTER im Auge hat? Der Artikel stellt diese Frage nicht, sondern lässt den Leser damit allein. SERRAO interessiert sich ja nur dafür, ob seine Mittelschicht von Altersarmut betroffen ist, wie das eine umstrittene WDR-Berechnung nahe legt:

"»Fast jedem Zweiten droht eine Armutsrente«, trompete der WDR Anfang April",

behauptet SERRAO. Der WDR aber sprach am 12. April noch von Altersarmut und erst nach Kritik an den Berechnungen am 18. April von Armutsrente, was auf dessen Homepage nachzulesen ist. Kommentatoren sprachen dagegen meist nur von Mini-Renten, um dann aufzuzählen, warum das etwas anderes ist, als ein Rentner, dem Altersarmut droht.

Vom DIW-Forscher Markus GRABKA lässt sich SERRAO 7 Tipps gegen Altersarmut geben, die Besserverdienende zur Absicherung nutzen können. Interessant ist Tipp 7:

"»Die Wahl des richtigen Partners kann finanzielle Vorteile bringen«, sagt Grabka. »Ein durchschnittlich verdienender Journalist, der eine Chefärztin von sich überzeugt, kann sein Risiko für Altersarmut deutlich senken.«"

In den Medien wird gerne die Einsamkeit der Karrierefrau, die keinen Partner abkriegt beschworen. SERRAO meint dagegen:

"Da unverheiratete Chefärztinnen nicht gerade in Scharen in Münchner Cafés herumsitzen, ist der letzte Tipp eher für den Hinterkopf."

Wie das gemeint ist, darf sich der Leser dann selber denken. Am Schluss einer eher oberflächlichen Betrachtung am Beispiel eines fest angestellten Journalisten, der für die Mittelschicht stehen soll, zieht SERRAO folgende Bilanz:

"Wenn sich keine Katastrophe ereignet, also Krieg in Europa oder Hyperinflation, droht dem Angestellten im Alter kein Elend. Aber seine Selbstverortung in der Mitte der Gesellschaft könnte wanken. (...). Auf der Hälfte des Gehalts, das der »Ich hätte gerne mehr Geld«-Staat seinen Bürgern überlässt, kann man nichts mehr aufbauen."

Wenn also der Staat die Beiträge zur Sozialversicherung senken würde, so muss man das wohl interpretieren, ginge es den Besserverdienenden gut:

"Wer früher 20.000 Euro für 30 Jahre anlegte und dafür 5,0 Prozent Zinsen erhielt, hatte am Ende rund 86.500 Euro. Mit 0,5 Prozent Zinsen hat man nach 30 Jahren rund 23.000 Euro. Ein Witz",

rechnet uns SERRAO vor. Hätte er die unterschiedliche Höhe der Inflation miteinbezogen, sähe die Rechnung anders aus, aber wer meint die Sozialabgaben seien Schuld an seinem Schicksal, der lässt sich von solchen Einwänden nicht beirren.

Ach ja, ganz zum Schluss merkt SERRAO doch noch, dass er vielleicht in seinem Glashaus nicht mit Steinen werfen sollte:

"Die Renten de Autors und seiner Generation müssen die bezahlen, die heute zur Schule gehen oder erst noch geboren werden."

Ob jedoch für die späteren Generationen die Renten der Älteren das Hauptproblem sein werden, das ist in erster Linie keine Frage der Demografie, sondern der politischen Entscheidungen und der Wirtschafts- und Arbeitsmarktentwicklung.      

THEILE, Charlotte (2016): Rentnerparadies.
Buch zwei: Das Schweizer Modell gilt als vorbildlich, weil es sich am individuellen Bedarf orientiert,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 30.04.

"Das Schweizer System der Altersvorsorge gilt international als vorbildlich",

erzählt uns Charlotte THEILE. Das sagen uns jedoch nur die Befürworter des so genannte "Cappucino-Modells". Andere sehen Österreich als Modell, wo noch immer die gesetzliche Rente die Hauptrolle spielt, im Gegensatz zu Deutschland.

Gerechtigkeit ist ein dehnbarer Begriff und THEILE beschreibt uns das Schweizer System als "Bedarfsgerechtigkeit":

"Jeder soll so viel bekommen, wie er zum Leben braucht."

Darunter kann sich der Reiche etwas anderes vorstellen wie der Arme.

Neoliberale jedoch planen dieses Schweizer Modell umzubauen. Ihre Argumentation ist - wie überall - auf dem demografischen Wandel aufgebaut, der die Entsolidarisierung verschleiern soll:

"Die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er kommen ins Rentenalter, was der AHV Probleme macht."

Die AHV (erste Säule: der Espresso) ist in etwa gleichzusetzen mit unserer Grundsicherung im Alter. Daneben gibt es jedoch die Berufsvorsorge (zweite Säule: die Milch) - eine Art betrieblicher Altersvorsorge, deren Probleme aus der Niedrigzinsphase resultieren, was die Anfälligkeit von Systemen der Kapitaldeckung vom Kapitalmarkt  aufzeigt. Die private Vorsorge (dritte Säule: der Schaum) der Besser- bzw. Bestverdiener entspricht dagegen dem Ideal der Neoliberalen, weswegen im Artikel nur deren Vorteile gepriesen werden.

Das mittlere Vermögen der Schweizer ist nach Darstellung der SZ mit 370.000 Euro mehr als 6 mal so hoch wie in Deutschland. Was jedoch erst einmal wenig aussagt, wenn man die unterschiedliche Kaufkraft nicht berücksichtigt. Darüber schweigt die SZ. Es wird zwar erwähnt, dass die Schweizer im Durchschnitt zwei Jahre länger leben als die Deutschen, aber ansonsten interessiert die unterschiedliche Sozialstruktur nach Meinung der SZ nicht.    

ÖCHSNER, Thomas (2016): Lebensfragen.
Buch zwei: Was man über die gesetzliche Rente und die zusätzliche Altersvorsorge wissen muss,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 30.04.

Thomas ÖCHSNER erklärt uns die zukünftige Entwicklung der Rente anhand von Prognosen, deren Annahmen jedoch nicht reflektiert werden. Einzig wenn er schreibt

"Derzeit sieht es sogar besser aus, als prognostiziert wurde"

wird klar, dass die Zahlen, mit denen ÖCHSNER operiert, sowohl zu optimistisch als auch zu pessimistisch sein könnten. Seriös wäre deshalb einen Korridor der Entwicklung zu benennen. Aber Journalismus hat sich längst schon von einer Ethik der Aufklärung verabschiedet, sondern ist selber ein interessenpolitischer Player - und damit Teil des politischen Systems, statt unabhängige "vierte Macht".

Beim Thema Altersarmut nennt ÖCHSNER zumindest zwei konkurrierende Einschätzungen:

"Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium schätzt, dass sich der Anteil der mindestens 65-Jährigen, die auf die Grundsicherung im Alter angewiesen sein werden, auf fünf bis sechs Prozent erhöhen könnte. Der Paritätische Wohlfahrtsverband fürchtet sogar, dass jeder zehnte Rentner in einem Jahrzehnt die staatliche Hilfe benötigt."

Die WDR-Berechnungen werden dagegen als unrealistisch kritisiert.

Der wissenschaftliche Beirat beim Bundesministerium umfasst derzeit 41 Mitglieder. Ein Gutachten zur Altersarmut vom November 2012 wurde federführend von Axel BÖRSCH-SUPAN erstellt. Ein DIW-Round up zur zukünftigen Altersarmut von Johannes GEYER vom 24. Juni 2014 betrachtet die Frage der Altersarmut differenzierter und kritisiert u.a. auch den das Gutachten zur Altersarmut (2014, S.6f.). GEYER weist darauf hin, dass die Prognose der Altersarmut schwierig ist und vor allem von der Entwicklung der Rahmenbedingungen abhängt. Sein Fazit:

"Das Einkommen im Alter hängt von der Erwerbshistorie, den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und vom Haushaltskontext ab. Die langfristige Abschätzung von Einkommensrisiken im Alter ist schwierig. Bereits heute zeichnen sich allerdings bestimmte Risikogruppen ab. Langzeitarbeitslosigkeit oder Niedriglohnbeschäftigung, die schon in der Erwerbsphase ein Armutsrisiko darstellen, wirken kumuliert im Ruhestand fort. Zugleich werden die Einkommen aus der GRV nicht mehr ausreichen, um das Einkommensniveau im Ruhestand zu erhalten. Inwieweit Beschäftigte mit höheren Armutsrisiken diese Lücke durch private Vorsorge schließen können, bedarf trotz aller Schwierigkeiten der Fortschreibung weiterer Forschung."

Was ÖCHSNER dem Wissenschaftlichen Beirat in einem einzigen Satz zuschreibt, das hat im Gutachten zur Altersarmut sehr viele Voraussetzungen, die ÖCHSNER unterschlägt und wird zudem mit Schuldzuweisungen verbunden:

"Sollte es also in Zukunft zu einem Anstieg der Altersarmut kommen, so wird dies nicht primär eine Folge der Rentenreformen 2001–2007 sein, sondern andere Ursachen haben: Zum einen wird Altersarmut zunehmen, wenn Arbeitnehmer die notwendigen Anpassungen an neue Rahmenbedingungen (späterer Renteneintritt und eigene Sparanstrengungen) versäumen. Ebenso wird die Altersarmut zunehmen, wenn der Arbeitsmarkt versagt (in den Simulationsrechnungen repräsentiert durch eine Beschäftigungslücke während eines Viertels des Erwerbslebens bzw. fehlende Aufstiegsmöglichkeiten für junge Arbeitnehmer in den neuen Bundesländern). Beides hängt eng miteinander zusammen, da nur in einem funktionierenden Arbeitsmarkt ein späterer Renteneintritt und eigene Sparleistungen möglich sind."

Diese Aussagen gelten zudem nur für die 1965 - 1979Geborenen, die im Jahr 2030 im Alter zwischen 51 und 65 Jahre sein werden - also bei einem Renteneintrittsalter von 67 Jahren noch gar nicht zu den Rentner gehören würden. Woher kommen also die Zahlen von ÖCHSNER wirklich? Dem letzten Gutachten zur Altersarmut entstammen sie jedenfalls nicht!

Auch ÖCHSNER erzählt zur Riester-Rente nur die halbe Wahrheit, aber wenigstens nennt er die Bedingungen für die Ausschöpfung der Zulage genauer als seine Kollegen:

"Eine alleinerziehende Mutter mit zwei ab 2008 geborenen Kindern und 20.000 Euro Bruttoverdienst sichert sich bereits mit dem Mindesteigenbeitrag von 60 Euro im Jahr die volle Förderung von 754 Euro (...). Vom Staat stammen also 93 Prozent der Einzahlungen. Solche Förderquoten gibt es sonst nirgends."

Die halbe Wahrheit ist dies jedoch, weil am Ende durch die nachgelagerte Besteuerung der Rente von der hohen Förderung weniger übrig bleibt. Darüber schweigt sich nicht nur die SZ aus. Hinzu kommt: Wenn der Vertrag wegen Zahlungsschwierigkeiten gekündigt werden muss, ist das Geld genauso weg wie im Falle einer Inanspruchnahme der Grundsicherung im Alter.

Hinsichtlich möglicher Reformen der gesetzlichen Rentenversicherung, sieht ÖCHSNER vor allem Chancen für den Vorschlag einer neuen Untergrenze bei der gesetzlichen Rente von 45 statt 43 %, den Karl SCHIEWERLING ("einflussreiche CDU-Sozialexperte") in die Debatte eingebracht hat. Würde sich die positive Arbeitsmarktentwicklung der letzten Jahre fortsetzen, dann wären diese 45 % auch ohne irgendeine Änderung erreichbar. Es wäre also eine Art Plazebo, die uns ÖCHSNER hier als Reform verkauft. Lediglich bei einer schlechteren zukünftigen Arbeitsmarktentwicklung würde die Festschreibung greifen. Es könnte aber auch ein Vorgriff auf eine Debatte für die Entwicklung nach 2030 sein. Danach wird nämlich mit einer weiteren Senkung gerechnet, wenn die Beiträge stabil bleiben sollen. Eine Absenkung auf 43 % z.B. erst im Jahr 2035 könnten Politiker dann wieder als einen Erfolg verbuchen. 

Fazit: Im Vergleich zu vielen seinen Kollegen klärt ÖCHSNER über die Vor- und Nachteile der privaten Altersvorsorge ausführlicher und differenzierter auf. Das ändert aber nichts daran, dass die Ausführungen zur weiteren Rentenentwicklung, die auf Prognosen beruhen, zu einseitig sind.

 
       
   

SCHÄFERS, Manfred (2016): Warum immer mehr Rentner Steuern zahlen.
Der Fiskus langt bei jedem Rentnerjahrgang etwas stärker zu. Für Beamte gelten spezielle Regeln. Der Prozess des Übergangs zieht sich bis 2040 hin. Viele Details erschweren für alle gültige Aussagen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 30.04.

Manfred SCHÄFERS erklärt zuerst, dass die Alterseinkünfte mit einem Gesetz aus dem Jahre 2005 aufgrund eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts besteuert werden. Danach erläutert SCHÄFERS etliche Regelungen zur nachgelagerten Besteuerung von Renten und Pensionen, die ausführlich in einer Broschüre des Bundesfinanzministeriums nachgelesen werden können.

"Wenn die Inflation steigt, wird der steuerfreie Betrag schleichend entwertet. Die kalte Mehrbelastung der Rentner ist gleichsam im System angelegt",

merkt SCHÄFERS an, verteidigt aber nichtsdestotrotz die nachgelagerte Besteuerung:

"Für den Fiskus hat das den Vorteil, dass er bei der absehbaren Alterung der Gesellschaft mehr Einnahmen erhält.
Sinkende Steuerfreiheit und steigende Renten sorgen dafür, dass mehr Senioren steuerpflichtig werden.
(...).
Dass mehr Rentner steuerpflichtig werden, ist alles andere als ein Skandal, wie gerne suggeriert wird, sondern Kernelement des Systems: Wer leistungsfähig ist, muss sich an der Finanzierung des Gemeinwesens beteiligen. Das heißt, wer mehr verdient, zahlt mehr oder eben erstmals Steuern."

Fazit: Auch beim Alterseinkünftegesetz ist nur der Arbeitnehmer belastet, aber nicht die Arbeitgeber. Diese sind außen vor, genauso wie bei der privaten Altersvorsorge. Das Gesetz belastet zudem einseitig die Rentner und entlastet die Beschäftigten, wäre also ein Beitrag zur Generationengerechtigkeit - was jedoch nirgends so bezeichnet wird. Das Schlagwort "Generationengerechtigkeit" wird immer nur einseitig ins Spiel gebracht, wenn angeblich Rentner von Gesetzesänderungen profitieren bzw. die Jungen angeblich belastet werden. Ganz davon abgesehen ist der Begriff "Generationengerechtigkeit" für die Beschreibung des Verhältnisses unterschiedlicher Altersgruppen zueinander ungeeignet.    

 
       
   

WIDMANN, Arno (2016): Die Kosten des Lebens.
FR-Serie Wie wollen wir wohnen?: Den Platz, den wir uns zum Wohnen nehmen, müssen andere teuer bezahlen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 30.04.

Arno WIDMANN hält denen, die zu zweit eine 100 qm-Wohnung in zentraler Großstadtlage bewohnen, eine Moralpredigt. Kaum vorstellbar, dass diese die FR lesen. Der Rest kann sich das ersparen. 

 
       
   

HEIDEMANN, Britta (2016): "Er kann es nur falsch machen".
Michael Kumpfmüller hat einen Roman über die "Erziehung des Mannes" geschrieben. Ein Gespräch über schwierige Rollenmodelle und Hengste an der Spülmaschine,
in:
Welt v. 30.04.

 
       
   

WAGNER, David (2016): Lies dich doch selbst.
Achtung, Sie betreten den literarischen Sektor! Wie Zombies ziehen Schriftsteller durch die Berliner Bezirke. Jede Nacht kann man sie hier in freier Wildbahn sehen. Vielleicht ist diese Stadt in Wahrheit sogar nur für die Autoren da. Ein Erfahrungsbericht,
in:
Welt v. 30.04.

 
       
   

WILLE, Joachim (2016): Auf diese Ideen lässt sich bauen.
FR-Serie Wie wollen wir wohnen?: Wo neuer Wohnraum herkommen kann. Zehn Vorschläge gegen die grassierende Bauwut in Deutschland,
in:
Frankfurter Rundschau v. 29.04.

Joachim WILLE sieht in der Förderung von WGs eine Möglichkeit neuen Wohnraum zu schaffen:

"Eigentümer von Wohnungen und Häusern sollten Räume bevorzugt an WGs abgeben, die pro Kopf im Schnitt deutlich weniger Wohnfläche brauchen. Die Förderung jeglicher Art von Wohngemeinschaften sollte ausgebaut werden. Bisher gibt es schon Förderprogramme für Senioren-WGs und Pflege-WGs. Wieso nicht auch für andere Gruppen? Auch Wohnprojekte wie Mehrgenerationenhäuser helfen, den Wohnungsmarkt zu entspannen, da beim Einzug etwa von Senioren deren bisherige (größere) Wohnungen oder Häuser frei werden."

Woher will WILLE wissen, dass WGs einen geringeren Wohnraum pro Kopf beanspruchen? Dazu müssten Statistiken existieren. Wo sind also diese Zahlen? Hinzu kommt, dass vor allem WGs um Wohnraum mit jungen Familien konkurrieren. Lediglich der Umzug von Witwen/Witwern würde Wohnraum schaffen. Aber viel mehr als zu Vorzeigeprojekten haben es Mehrgenerationenhäuser bislang nicht gebracht. Massenhafte Umzüge sind nicht zu erwarten, weil ältere Menschen an ihrer Wohnung und ihrem Wohnumfeld meist hängen. Oder will WILLE solche Umzüge erzwingen? 

 
       
   

RATZBERGER, Pia (2016): Männerwirtschaft.
Bisher haben allein Männer bestimmt, was Ökonomie ist und wie man die Welt in Zahlen fasst. Frauen und ihre Arbeit haben sie dabei schlecht vergessen - dabei bräche ohne sie die Gesellschaft zusammen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 29.04.

"Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ignoriert ziemlich viele Aufgaben, die über Jahrhunderte den Frauen zugefallen sind. Kochen, waschen, putzen, alles was in den Fünfzigerjahren eine vorbildliche Hausfrau mit Schütze und Schnellkochtopf übernahm",

behauptet Pia RATZBERGER. Die ist jedoch nur die halbe Wahrheit, denn lediglich wenn Waschen, Putzen und Kochen von Nicht-Erwerbstätigen ausgeführt werden, werden sie nicht im BIP erfasst. Sobald Wäschereien, Bügelservice, legale Putzhilfen usw. diese Tätigkeiten ausführen, sind sie Teil der Dienstleistungsgesellschaft und werden damit im BIP erfasst. Und es es prinzipiell egal ob sie von Männern oder Frauen verrichtet werden.

Das Statistische Bundesamt über Sinn oder Unsinn von Statistiken zu befragen, ist Blödsinn, denn das Amt rechtfertigt lediglich das, was politisch vorgegeben ist. Da könnte man genauso fragen, warum Singles bzw. Paare statistisch nicht erfasst werden. Die Antwort wäre: weil die Statistik eine Haushaltsstatistik und keine Beziehungsstatistik ist. Solange die Politik nicht die entsprechenden Weichen stellt, erfassen die Statistiker das, was im Mikrozensusgesetz steht.

RATZBERGER stellt zum einen Katharina MADER vor, die als erste Wissenschaftlerin in feministischer Ökonomie habilitiert werden will und zum anderen Katrine MARCAL ("Machonomics"), deren Buch Elisabeth NIEJAHR in einem anderen Zusammenhang behandelt hat.

 
       
   

DRIBBUSCH, Barbara (2016): Ein Polster für die Armen.
Rente: Alterseinkommen sind höchst ungerecht verteilt. Wir brauchen deshalb eine neue Verzahnung von gesetzlicher Rente und Grundsicherung,
in:
TAZ v. 29.04.

Barbara DRIBBUSCH dementiert zuerst die umstrittenen WDR-Berechnungen, wobei sie insbesondere auf den Unterschied zwischen Mini-Renten und der Zusatzversorgung von Ehefrauen, die von der Altersversorgung der Partner profitieren und von Selbständigen, die der WDR fälschlicherweise im Begriff "Armutsrente" zusammenfasst.

Sowohl einer Stabilisierung bzw. Erhöhung des Niveaus der gesetzlichen Rente als auch einer Erhöhung des Renteneintrittsalters bzw. des Ausbaus der Renten- zur Erwerbstätigenversicherung erteilt DRIBBUSCH eine Absage.

In Anlehnung an die Lebensleistungsrente, deren Verhetzungspotenzial (Berücksichtigung des Partnereinkommens) sie hervorhebt, plädiert sie dafür Teile der gesetzlichen Rente nicht mit der Grundsicherung im Alter zu verrechnen, was zu einer Aufstockung der Renten von Risikogruppen (SchlechtverdienerINNEN, Nichterben und alleinerziehenden Singles) führen würde. Der Grundgedanke dieses Modells stammt aus Schweden und wird von der Ökonomin Irene BECKER vertreten:

"Die Botschaft ist klar: Wer in ein Rentensystem eingezahlt hat, muss am Ende mehr zum Leben haben als nur Hartz IV."

 
       
   

HERRMANN, Ulrike & Malte KREUTZFELDT (2016): "Habe Spaß am Disput".
Denkgebäude: Hans-Werner Sinn über seine Rolle als Wirtschaftsmahner. Warum er Mindestlöhne ablehnt, aber höhere Löhne befürwortet. Warum er dennoch lächelt,
in:
TAZ v. 29.04.

Hans-Werner SINN beschreibt das Wesen der Ökonomie als Alarmismus. Er vergleicht dabei die Ökonomie mit der Medizin. Ein Vergleich, der hinkt, wenn man der Metapher vom "Volkskörper" eine Absage erteilt. In einem hat SINN bei diesem Vergleich jedoch recht: Beim Arzt hängt die Behandlung davon ab, welchen Arzt man aufsucht. Bei der Ökonomie ist es genauso, mit dem Unterschied, dass man Fehler besser vertuschen kann.

 
       
   

WORATSCHKA, Rainer (2016): Wenn die Betriebsrente schrumpft.
Viele Arbeitnehmer sind nach dem Renteneintritt entsetzt, weil sie auf ihr Erspartes nochmals 18 Prozent Sozialbeiträge nachzahlen müssen. Linkspartei, Gewerkschaften und Arbeitgeber wollen das unterbinden,
in:
Tagesspiegel v. 29.04.

Rainer WORATSCHKA berichtet über einen Streit im Gesundheitsausschuss, bei dem es um die Doppelbesteuerung von Betriebsrenten durch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge. WORATSCHKA erklärt, dass dieses Problem erst durch eine Gesetzesänderung im Jahr 2004 unter SPD-Ministerin Ulla SCHMIDT entstanden sei. Seitdem müssen Arbeitnehmer nicht nur ihren Arbeitnehmer- sondern auch den Arbeitgeberanteil bezahlen:

"Die Auszahlungssumme mindert sich nicht nur um neun, sondern um 18 Prozent. Mit dem Renteneintritt kommt für viele das böse Erwachen: Von 60.000 Euro etwa knapsen sich die Kranken- und Pflegekassen dann fast 11.000 Euro ab."

Über diesen Sachverhalt gibt es jedoch unterschiedliche Sichtweisen. WORATSCHKA skizziert sowohl die Sicht von Klaus STIEFERMANN ("Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung") und des Spitzenverbandes der gesetzlichen Kassen. Wie so oft, gibt es auch hierzu keine genauen Daten. Ein Antrag der Linkspartei zur Beseitigung der Doppelbesteuerung wurde von Union und SPD abgelehnt. Die Kosten einer Abschaffung würden sich gemäß Krankenkassenberechnungen auf 2,6 Milliarden Euro pro Jahr belaufen. 

 
       
   

HERGERT, Stefani (2016): Naiv in die Altersarmut.
Sparen: Junge Frauen verkennen, dass Gleichberechtigung leider noch Grenzen hat,
in: Handelsblatt
v. 29.04.

Stefani HERGERT benutzt die MetallRente-Studie 2016, um junge Frauen zur Vorsorge zu drängen:

"Nur noch 34 Prozent statt wie vor sechs Jahren 47 Prozent der jungen Frauen berichteten von einer Angst, im Alter arm zu sein"

Die Umfrage bei 17- bis 27-Jährigen dient der besseren zielgruppengerechten Ansprache im Sinne privater Anbieter von Altersvorsorgeprodukten. Die Stärkung der gesetzlichen Rente ist dagegen kein Anliegen dieser Studie im Auftrag eines Anbieters der betrieblichen Altersvorsorge.

HERGERT argumentiert, dass Gleichberechtigung höchstens für lebenslang kinderlose Frauen zu haben ist, während Frauen, die Kinder bekommen wollen, aufgrund des Vorherrschens traditioneller Arbeitsteilung, die Altersarmut droht. Verstärkt wird dies durch die Änderung des Scheidungsrechts, das die Ökonomisierung des Sozialen betreibt.

Renate SCHMIDT, unter SCHRÖDER für die Umstellung von Familien- auf Bevölkerungspolitik zuständig, hat zusammen mit der Finanzberaterin Helma SICK das Buch Ein Mann ist keine Altersvorsorge veröffentlicht, in dem die Finanzialisierung als Frauensache betrieben wird. Die Individualisierung finanzieller Risiken ist für die Finanzbranche eine lukrative Angelegenheit und Frauen können als lukrativer Markt gesehen werden, da hier das Marktpotenzial sehr groß ist.    

ANGER, Heike & Klaus STRATMANN (2016): Vorbereitung auf den Wahlkampf.
In der SPD-Zentrale hat die Programmkommission die Arbeit aufgenommen,
in: Handelsblatt
v. 29.04.

ANGER & STRATMANN stellen die Programmkommission für den SPD-Wahlkampf vor. Schwerpunkt des Artikels sind die Gefahren, die durch die SPD-Linke drohen, weshalb lediglich auf die beiden Arbeitsgruppen Wirtschaft, Bildung und Investitionen und Finanzen (Hubertus HEIL und Thorsten SCHÄFER-GÜMBEL) und Neue Gerechtigkeit und Zukunft des Sozialstaats (Karl LAUTERBACH und Ralf STEGNER). Letzteres klingt nach Spielwiese bzw. Deckmäntelchen, um sich den Anschein als "Schutzmacht der kleinen Leute" geben zu können.

Die SPD hat kein Imageproblem, wie das nach der Agenda 2010 und dem Machtverlust gesehen wurde, sondern ihre Rolle als neoliberale Reformpartei führte zum Glaubwürdigkeitsverlust bei den Arbeitnehmern. Das ist mit einer Spielwiese, auf der sich die Parteilinke zum Aushängeschild einer - weiterhin stramm neoliberalen Partei - machen lässt, nicht rückgängig zu machen. Wahlversprechen glaubt der SPD höchstens noch ewig Gestrige.

 
       
   

GÖBEL, Heike (2016): Die Alternative(n) prüfen.
Vieles was die AfD fordert, würde ernsthaft diskutiert, käme es von einer etablierten Partei,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.04.

Heike GÖBEL bemängelt aus neoliberaler Sicht die Bevölkerungspolitik der AfD:

"In Widerspruch gerät die AfD in der unausgegorenen Sozial- und Familienpolitik, deren wichtigster Maßstab Geburtenförderung zu sein scheint. Vom vollmundig propagierten Ideal des schlanken Staats, der sich auf Sicherheit, Justiz, Auswärtige Beziehungen und Finanzverwaltung konzentriert, bleibt da nichts mehr. Die AfD verspricht Eltern höhere Renten samt einem nach Kinderzahl gestaffelten Rentenbeginn, steuerliche Entlastung über ein Familiensplitting sowie Darlehen zum Studium und Eigentumserwerb, deren Rückzahlung sich mit jedem Kind verringert, wie einst in der DDR. Die Kosten dieser Familienpolitik dürften kaum vereinbar sein mit dem Anspruch, die Steuer- und Abgabenquote auf heutigem Niveau einzufrieren."

 
       
   

RITTER, Johannes (2016): Die Schweizer Rente ist nicht genug.
Was die AfD wirklich von der Alterssicherung der Eidgenossen lernen kann,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.04.

Johannes RITTER schwingt die "demographische Keule", denn diese - warnt er jene, die bei der Lösung der Rentenfrage Richtung Schweiz schauen - bedrohe auch das Schweizer Rentenmodell. Dabei lenkt RITTER den Blick vor allem auf die erste Säule: die umlage- und steuerfinanzierte Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), die reformiert werden soll. RITTER stellt dazu die Reformvorschläge des Innenministers und des Arbeitgeberverbandes vor. Letzterer präferiert eine neoliberale Lösung wie in Deutschland.

 
       
   

NIEJAHR, Elisabeth (2016): Buchführung für Liebende.
Kann die Ökonomie helfen, große Gefühle zu ergründen? Drei neue Bücher gehen dieser Frage nach,
in:
Die ZEIT Nr.19 v. 28.04.

Elisabeth NIEJAHR bespricht im Wirtschaftsteil die Bücher eines Ökonomen und zweier Journalisten zur Partnerwahl. NIEJAHR will darin einen Trend hin zur Ökonomie der Partnerwahl erkennen. Von dem Ökonom Alvin ROTH ist das Buch Wer kriegt was und warum erschienen. Demnach soll früher ein Mangel an Gelegenheiten nach der Ausbildungszeit spätere Partnerwahlen verhindert haben, heutzutage hätte sich das dank Internet geändert. Früher meint offenbar die historisch kurze Zeit, in der Männer und Frauen sich in Bildungsinstitutionen kennenlernen konnten.

Das Buch des US-amerikanischen Journalisten Datanomics gibt es in Deutschland (noch) nicht. Die Thesen über die einsame Karrierefrau, die keinen Partner abbekommt, kennt man in Deutschland bereits zur Genüge. Zudem wird mit einer primitiven Theorie des Männer- bzw. Frauenüberschusses argumentiert und daraus weitreichende Schlüsse gezogen wie:

"Man müsste 15-jährigen Teenagern klarer sagen, dass sie mit ihrer Entscheidung für eine Ausbildung auch eine Entscheidung darüber fällen, ob sie später zum Pool der Männer mit Collegeabschluss gehören, die vom Frauenüberschuss in ihrem Umfeld profitieren, oder zu einer Arbeiterklasse, deren männliche Vertreter kaum Chancen auf dem Beziehungsmarkt haben."

Der Ratschlag für Frauen, in Städte mit Männerüberschuss zu ziehen ist wohl die Folge der vermehrten Verfügbarkeit von demografischen Daten. Nicht nur das Geschlechterverhältnis, sondern auch die Alters- und Sozialstruktur wäre dabei jedoch zu beachten.

Das Buch Machonomics - Die Ökonomie der Frauen der schwedischen Journalistin Katrin MARCAL legt den Schwerpunkt auf geschlechtsspezifische Unterschiede und ihren Einfluss auf die Partnerwahl.

 
       
   

THEILE, Merlind (2016): Mein Bauch gehört ihm.
Nicolas Bergruen ist mithilfe von Leihmüttern zweifacher Vater geworden. Doch die medizinische Errungenschaft fordert auch Opfer,
in:
Die ZEIT Nr.19 v. 28.04.

 
       
   

TÖNNESMANN, Jens (2016): Riestern ist gescheiter.
Sozialpolitisch mag die Riester-Rente ihre Ziele verfehlt haben - für die meisten Menschen lohnt sie sich trotzdem,
in:
Die ZEIT Nr.19 v. 28.04.

Jens TÖNNESMANN ist zumindest so ehrlich und weist darauf hin, dass die Riester-Rente in der Auszahlphase versteuert werden muss. Die Förderung beläuft sich nach seinen Aussagen auf maximal ein Drittel der Beiträge. Aber was heißt das? Walter RIESTER hat vorgerechnet, dass eine Alleinerziehenden mit zwei Kindern, die nach 2008 geboren wurden, mit 60 Euro Beitrag eine staatliche Förderung von 754 Euro zustehen. Wenn der Staat jedoch letztlich nur ein Drittel der 60 Euro (eingezahlter Betrag!) finanziert, dann wären das 20 Euro, die von den 754 Euro am Ende übrig blieben? Welcher Leser soll eigentlich diesen Artikel von TÖNNESMANN verstehen?

"Wer ruft, Riester sei gescheitert, muss sich klar sein: Er stiftet noch mehr Verwirrung."

Wer schreibt Riestern ist gescheiter, der sollte verständlicher schreiben, denn sonst stiftet er noch mehr Verwirrung! 

 
       
   

LAMBECK, Fabian (2016): Rente mit 70: Jeder Fünfte stirbt vorher.
Besonders Geringerverdiener mit schlechten Aussichten,
in:
Neues Deutschland v. 28.04.

Fabian LAMBECK berichtet im Zusammenhang mit einer von SCHÄUBLE angestoßenen Debatte eines höheren Renteneintrittsalters über eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Sabine ZIMMERMANN von der Linkspartei:

"zwischen 2005 und 2014 (sind) fast 16 Prozent aller Verstorbenen höchstens 65 Jahre alt (...)(gewesen). Rund 22 Prozent waren 70 Jahre oder Jünger."

Nicht nur die Lebenserwartung von Armen ist niedriger, sondern auch die gesunden Jahre sind kürzer, wird Rolf ROSENBROCK vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zitiert.

Hinzu kommt, dass Arbeitsplätze, die für Ältere geeignet sind, rar sind. Der Artikel endet deshalb mit einer Parole:

"Die, die uns bis 70 arbeiten lassen wollen, und die, die keinen über 50 mehr einstellen, das sind dieselben, oder?"

 
       
   

BAUREITHEL, Ulrike (2016): Es wird Zeit, alle in die Pflicht zu nehmen - auch Ärzte, Banker und Parlamentarier.
Über die Rentendebatte,
in:
Freitag Nr.17 v. 28.04.

Ulrike BAUREITHEL droht der Politik mit dem Wählerpotential der Babyboomer. Dies schallt uns höchstens wieder als Vorwurf der Rentnerdemokratie oder Gerontokratie zurück. Als ob ein Rentenwahlkampf die SPD retten könnte und Sigmar GABRIEL für Standhaftigkeit bekannt sei. Die SPD hat bereits unter SCHRÖDER ihre Rentenversprechen nicht eingelöst und in der großen Koalition mit der Rente ab 63 (2,7 Mrd Euro) der falsch finanzierten CDU-Mütterrente (6,3 Mrd Euro) das Feld überlassen. Die SPD hat sich selber ins Abseits manövriert.

 
       
   

DETTLING, Daniel (2016): Altersarmut ist ein Mythos.
Eine alternde Gesellschaft muss uns keine Angst machen. In Wahrheit ist der demografische Wandel ein Prozess der Verjüngung,
in:
Welt v. 28.04.

DETTLING Junior verwechselt die Theorie des produktiven Alters mit der Realität in Deutschland, denn er hat nur die obere Mittelschicht und Oberschicht im Blick, aber nicht die Gesamtgesellschaft.

"Im Jahr 2035 wird Deutschland die älteste Bevölkerung der Welt haben",

behauptet DETTLING, der übersieht, dass Japan schneller altert und bereits seit längerer Zeit - im Gegensatz zu Deutschland - schrumpft. Da in Deutschland - im Gegensatz zu allen anderen Industrieländern der Babyboom der Nachkriegszeit mehr als mickrig ausfiel, wird dem demografischen Wandel, ob als Heilsbringer oder als Horrorszenario, viel zu viel Aufmerksamkeit geschenkt, während die nicht-demografischen Faktoren unterbelichtet bleiben: Wandel der Arbeitswelt und der Produktivitätsentwicklung.

Fazit: Nicht die Altersarmut ist ein Mythos, sondern der demografische Wandel. 

 
       
   

LENZEN-SCHULTE, Martina (2016): Mehrwert Mutterschaft.
Kinderkriegen setzt ungeahnte Kräfte im Gehirn frei, das hat die Verhaltensforschung eindrucksvoll belegt. In der Debatte um die bereuenden Mütter braucht es weder Trost noch die fatale Selbstentwertung der Frauen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.04.

Martina LENZEN-SCHULTEs Artikel wird auf Seite 1 der FAZ als #enjoyingMotherhood und einem Bild einer Löwenmutter mit Löwenkind angepriesen. Der Autorin zufolge wird an Müttern kein gutes Haar gelassen, weshalb sie nun die Leistungsträgerin Mutter propagieren muss: Statt Gender ist hier Biologismus angesagt.

 
       
   

GÄRDITZ, Klaus Ferdinand (2016): Kein Recht auf Begrenzung der Einwanderung.
Das Grundgesetz enthält keine Aussagen über die Zusammensetzung der Bevölkerung,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.04.

ASTHEIMER, Sven (2016): "Die meisten Menschen wollen unbequeme Fakten nicht hören".
Der Soziologe Ruud Koopmans kritisiert dass sich muslimische Migranten zu wenig anpassen. Multikulti hält er für fatal, Merkels Türkei-Politik ebenso. In Deutschland wird er bislang kaum gehört - und er ahnt warum,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.04.

 
   
FRANKFURTER RUNDSCHAU-Tagesthema: Generation Mainstream

REINSCH, Melanie (2016): Auf der Suche nach Halt.
Die Jugendlichen von heute schätzen Freiheit und wollen Sicherheit,
in:
Frankfurter Rundschau v. 27.04.

Bericht über die Sinus-Jugend-Studie 2016 Wie ticken Jugendliche?

 
       
   

RÜSSMANN, Ursula (2016): "Ein Armutszeugnis".
FR-Serie Wie wollen wir wohnen: Es gibt zwar ein Recht auf Wohnen, doch den Schwachen hilft das nicht. Gespräch mit Michael Kennerich,
in:
Frankfurter Rundschau v. 27.04.

DAHMS, Martin (2016): Aus der Krise mit erhobenem Kopf.
FR-Serie Wie wollen wir wohnen: In Spanien haben Zehntausende ihre Wohnung verloren, die neuen linken Stadtregierungen suchen Lösungen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 27.04.

MICHELSEN, Claus (2016): Gegen Wohnungsnot.
Gastbeitrag: Die Bundesregierung will mit steuerlichen Anreizen Investoren dazu bringen, mehr zu bauen. Das wird nicht funktionieren,
in:
Frankfurter Rundschau v. 27.04.

 
       
   

DOEMENS, Karl (2016): Auch CDU schraubt an der Rente.
Fraktionsexperte fordert Zwölf-Milliarden-Reform. Betriebsrente soll Pflicht werden,
in:
Frankfurter Rundschau v. 27.04.

Karl DOEMENS referiert die Position von Karl SCHIEWERLING ("sozialpolitischer Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion"), der eine Stabilisierung des Niveaus der gesetzlichen Rente bei 45 statt bei 43 Prozent in die Rentendebatte einbringt:

"Allerdings würde auch eine Stabilisierung des Niveaus bei 45 Prozent rund zwölf Milliarden Euro kosten, die entweder aus dem Bundeshaushalt überwiesen oder von den Beitragszahlern gestemmt werden müssten. Rein rechnerisch entspricht das einer Anhebung des langfristig erwarteten Beitragssatzes von 22 auf 23 Prozent",

wirft DOEMENS ein. Lieber ist ihm die Stärkung der Betriebsrente, die SCHIEWERLING befürwortet. Diese solle zudem verpflichtend sein. Dazu wird wieder die beliebte Erzählung über das einstige Scheitern dieses Vorhabens präsentiert. Nur die Adenauer-Story von den Kindern, die die Deutschen immer bekämen, ist noch beliebter.

 
       
   

ENDT, Christian (2016): Die Lücke.
Fast überall auf der Welt leben Frauen mehrere Jahre länger als Männer. Aber warum variiert der Unterschied von Land zu Land? Die Zahlen verraten einiges über die Situation der Geschlechter in verschiedenen Gesellschaften,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 27.04.

"Eine Frau, die 2014 geboren wurde, wird im weltweiten Durchschnitt 73,6 Jahre zu leben haben. Ein Mann dagegen nur 69,4 Jahre - fast vier Jahre weniger",

erklärt uns Christian ENDT. Berechnet hat dies die Weltbank. Glücklicherweise wird das nie jemand nachprüfen. Das haben Prognosen so an sich, dass sie mehr als selten überhaupt nachgeprüft werden. Oder macht sie heutzutage jemand die Mühe Prognosen von Mitte des 20. Jahrhunderts danach zu untersuchen, ob sie mit der Realität übereinstimmen?

Die Prognose der Weltbank könnte erst in fast 74 Jahren überprüft werden, abgesehen davon, dass die Statistiken in den unterschiedlichen Ländern kaum auf dem gleichen Niveau sind. Angesichts vieler Kriege weltweit, kann davon ausgegangen werden, dass viele Statistiken fehlerhaft sind. Die Exaktheit der genannten Zahlen soll offenbar darüber hinwegtäuschen, dass es sich hier höchstens um ganz grobe Unterschiede gehen kann.

"Am geringsten unterscheidet sich die Lebenserwartung zwischen Männern und Frauen in den armen Ländern Afrikas",

fasst ENDT das Ergebnis für einen ganzen Kontinent zusammen. Erstaunlicherweise kommt Krieg als Erklärung nicht vor. Die Länder Südamerikas werden im Gegensatz zu Afrika als Schwellenländer im Gegensatz zu Entwicklungsländern bezeichnet. Uns wird also eine modernitätstheoretische Sichtweise als Erklärung für Unterschiede in der Lebenserwartung angeboten.

Mit Blick auf die Nachfolgestaaten der Sowjetunion kommt dann die geschlechterpolitische Dimension des Artikels in den Blick:

"Für Hausfrauen hat sich mit dem Systemwechsel weniger verändert als für berufstätige Männern, deren Arbeitswelt plötzlich vollkommen anders aussah."

Zum Schluss wird am Beispiel von Europa, das ja so unterschiedliche Staaten wie die ehemaligen Ostblockstaaten, die südländischen Krisenstaaten und die wohlhabenden Nordeuropäer umfasst, eine simplifizierende modernisierungstheoretische Perspektive untergejubelt:

"Während der Abstand in der Lebenserwartung beim Schritt vom Entwicklungs- zum Schwellenland wächst, geht es beim Aufstieg vom Schwellen- zum Industrieland in die andere Richtung. Die Lücke schließt sich wieder."

Sollte ein Land nicht in dieses Konzept passen, dann wird es als statistischer Ausreißer klassifiziert. So einfach macht es sich die Modernitätstheorie. Der Begriff taucht in dem Artikel nirgends auf. Stattdessen wird uns erklärt, dass mit den Forschungen biologische von gesellschaftlichen Ursachen getrennt werden sollen.

Vielleicht wäre es sinnvoller genauer hinzuschauen, statt uns eine solche undifferenzierte, westliche Modernitätsideologie vorzusetzen.

 
       
   

PIPER, Nikolaus (2016): Was den Jungen zusteht.
Trotz Riester: Der Gedanke der privaten Vorsorge ist richtig,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 27.04.

Nikolaus PIPER beginnt seinen Leitartikel fast gleichlautend wie Rainer HANK in der aktuellen FAS:

"Während die Regierung in der vergangenen Woche die fetteste Rentenerhöhung seit 23 Jahren gebilligt hat (...), debattiert das Land (...) über eine drohende Verarmung alter Leute. (...) Wie passt das zusammen? Antwort: Da passt gar nichts zusammen."
(HANK)

"Rentner in Deutschland erleben in diesem Sommer die kräftigste Erhöhung ihre Bezüge seit 23 Jahren. Fast gleichzeitig hat eine erbitterte Debatte um Altersarmut und die Rente an sich begonnen. Wie passt das zusammen?
Es passt nicht zusammen."
(PIPER)

Könnte man unsere Leitartikler nicht gleich durch Maschinen ersetzen lassen? Die fabrizieren solches Standardvokabular kostengünstiger und schneller! Eine einzige Maschine könnte locker alle unsere Wirtschaftsredakteure in Deutschland überflüssig machen. Ein paar mal die Woche die Zeitungen auswerten und dann nur noch die Satzelemente ein wenig anders kombinieren. Fertig der neoliberale Leitartikel!

Die Demografie ist Schuld? Es wird immer auf die wenigen geburtenstarken Jahrgänge verwiesen - während die Migration und die Dauer des Geburtenbooms ausgeblendet wird. Dass die geburtenstarken Jahrgänge lediglich eine kurze historische Zäsur war, das wird verschwiegen. Es geht hier also lediglich um eine Überbrückungszeit, aber nicht um grundsätzliche Probleme. Das gleiche gilt für Konjunkturschwankungen, die merkwürdigerweise keine Rolle spielen.

In Generationen denkt angeblich nur PIPER, der jedoch nur an eine einzige Generation denkt, statt an die nachfolgenden Generationen. Schwankungen in der Stärke von Generationen sind genauso selbstverständlich wie Konjunkturschwankungen. Prognosen dagegen gehen von linearen Entwicklungen aus, weswegen sie selten zutreffend sind.

Der Artikel kommt übrigens ganz ohne die verbrauchten Begriffe  Generationengerechtigkeit oder Generationenvertrag aus, denn diese werden inzwischen beim Schlagwort Demografie automatisch mitgedacht. Der jahrzehntelang betriebenen Demografisierung gesellschaftlicher Probleme sei Dank!

PIPER rechnet mit der Kurzsichtigkeit der jungen Menschen, die mit demografischer Demagogie die Umstellung des Rentensystems vom Umlage- auf das Kapitaldeckungssystem bezahlen sollen. Ist die gesetzliche Rente erst entscheidend geschwächt, dann führt kein Weg mehr zurück - außer über einen Umsturz, den niemand will. Bei der Kapitaldeckung trägt das volle Risiko der Altersvorsorge jeder Einzelne. Staat und Unternehmen, die das Humankapital namens Mensch ausbeuten, sind dadurch jeglicher Verantwortung enthoben. Die private Altersvorsorge ist unlukrativ? Einfach Garantien und Haftungsrisiken ganz entsorgen - die Unternehmen freuen sich über diese Vorschläge unserer neoliberalen Ökonomenschar. Das Alter soll rentabel werden. Soylent Green lässt grüßen!

Den Jungen wird als Alte nichts mehr zustehen! Nicht wegen der demografischen Entwicklung, sondern aufgrund der Ökonomisierung des Sozialen. Schließlich ist nicht einmal der Tod umsonst, sondern ein ertragreiches Geschäft für die Bestattungsbranche.

 
       
   

BALCEROWIAK, Rainer (2016): Rentenpolitisches Vorbild Österreich.
Bevor die Rente endgültig zum Wahlkampfthema wird, sollten die Beteiligten einen Blick ins Nachbarland werfen - und lernen,
in:
Neues Deutschland v. 27.04.

Rainer BALCEROWIAK berichtet über ein Fachgespräch mit dem Motto "Lebensstandard im Alter sichern - Rentenniveau anheben". BALCEROWIAK stellt zuerst die Position des Sozialwissenschaftlers Johannes STEFFEN vor:

"Steffen forderte eine Stabilisierung des Brutto-Rentenniveaus bei 53 Prozent des durchschnittlichen Einkommens - also auf dem Stand des Jahres 2000"

Klaus MICHAELIS (SoVD) geht über diese Forderung hinaus und plädiert für die Wiedereinführung der Rente nach Mindesteinkommen und Freibeträge für Kleinstrentner sowie einen Ausbau zur Erwerbstätigenversicherung. Zuletzt wird Österreich als rentenpolitisches Vorbild präsentiert:

"Bei 45 Versicherungsjahren und einem Eintrittsalter von 65 Jahren beträgt die Pensionshöhe 80 Prozent des gewichteten durchschnittlichen Lebenseinkommens (netto). (...) 15 Beitragsjahre begründen bei Erreichen des Pensionsalters den Anspruch auf eine Mindestrente von 1030 Euro pro Monat".

In der FAZ wurde bereits vor diesem rentenpolitischen Vorbild Österreich gewarnt. 

 
       
   

DOEMENS, Karl (2016): Neues Rentenkonzept gesucht.
Ministerin Nahles will bis zum Sommer Pläne für die Reform der betrieblichen Altersversorgung vorlegen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 26.04.

Karl DOEMENS interpretiert erst einmal die sonntäglichen Interviewaussagen von Andrea NAHLES, bevor er zum Besuch einer Fachtagung über die betriebliche Altersversorgung berichtet. Arbeitsministerium (vertreten durch die Staatssekretärin Yasmin FAHIMI von der SPD) und Finanzministerium (vertreten durch Staatssekretär Michael MEISTER von der CDU) wollen gemäß DOEMENS unterschiedliche Klientel bedienen: letztere die Unternehmen, erster die Geringverdiener. Gemäß DOEMENS soll die Rentendebatte vorerst möglichst beiseite gelegt werden.

SIEVERS, Markus (2016): Linke Tasche, rechte Tasche.
Viele Senioren zahlen wegen der Rentenerhöhung erstmals Steuern - die FR erklärt, warum das so ist,
in:
Frankfurter Rundschau v. 26.04.

Markus SIEVERS erklärt die Folgen des Alterseinkünftegesetzes im Zusammenhang mit der diesjährigen Rentenerhöhung:

"Durch die Rentenerhöhung zum 1. Juli müssen laut Bundesfinanzministerium rund 160.000 Senioren erstmals Einkommensteuer auf ihre Altersbezüge abführen. Damit steigt die Zahl der steuerpflichtigen Rentner im kommenden Jahr auf 4,4 Millionen Euro. Mehr als jeder fünfte Rentner muss also einen Teil seiner Bezüge ans Finanzamt abtreten."

Während SIEVERS die Herkunft der Zahl "rund 160.000 Senioren" verschweigt, heißt es heute im Weser-Kurier:

"Rund 160.000 Rentner müssen wegen der Erhöhung zum ersten Mal Einkommensteuer zahlen. Das teilte das Bundesfinanzministerium in Berlin jetzt auf Fragen des Linken-Bundestagsabgeordneten Axel Troost mit. Durch die Rentenerhöhung nimmt der Staat im kommenden Jahr 720 Millionen Euro mehr Steuern ein, heißt es weiter."

STAIGER, Martin (2016): Von wegen teure Rente.
Gastwirtschaft: Anteil der Altersbezüge am BIP schrumpft,
in:
Frankfurter Rundschau v. 26.04.

"Der Anteil an der deutschen Wirtschaftsleistung, den die gesetzliche Rentenversicherung ausgibt, sinkt seit Jahren – von 10,5 Prozent 2003 auf 9,1 Prozent 2014. Mit 9,1 Prozent des BIP finanziert die gesetzliche Rentenversicherung 25 Millionen Alters-, Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrenten, eine Million Rehamaßnahmen sowie ihre gesamte Verwaltung – die mit etwa 1,4 Prozent der Gesamtausgaben nur einen Bruchteil dessen kostet, was bei privaten Versicherungen anfällt",

rechnet Martin STAIGER vor und wundert sich über den einstimmigen Chor derjenigen, die von Unbezahlbarkeit sprechen, wenn es um die Stabilisierung des Niveaus der gesetzlichen Rente geht.

 
       
   

GAMMELIN, Cerstin (2016): Reize für die Rente.
Schäuble will betriebliche Altersvorsorge fördern,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 26.04.

Der Artikel fasst neoliberale Positionen zur Stärkung der privaten Vorsorge zusammen: Wolfgang SCHÄUBLEs Aussagen auf einer Veranstaltung des Zentralverbandes des Deutschen Handwerkes zur betrieblichen Altersvorsorge, Wolfgang STEIGERs überflüssiges Lob für Rentengarantien (die gibt es schließlich schon) vom Wirtschaftsflügel der Union. Auch der Finanzwirtschaft-Lobbyist Bernd RAFFELHÜSCHEN wird zitiert, der berechnet haben soll, dass die Altersarmut allenfalls auf fünf Prozent steigen wird. Auch das Interview, dem das entnommen wurde, bietet keine Fakten dazu, weshalb man diese Aussage genauso wenig ernst nehmen kann wie die umstrittenen WDR-Berechnungen. Es gehört in die Rubrik: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern!

"Man darf nicht alle Eier in einen Korb legen" ist seit der Osterzeit das Mantra der Befürworter einer Stärkung der privaten Altersvorsorge. Für  Weihnachten sollte man sich allerdings ein anderes Mantra zulegen. Wir wärs mit: Man darf nicht alle Christbaumkugeln an einen Baum hängen? Damit könnte man zusätzlich noch das Weihnachtsgeschäft ankurbeln.   

 
       
   

LAMBECK, Fabian (2016): Rente sich, wer kann.
Die SPD will die Probleme der Altersvorsorge zum Wahlkampfthema machen, die Union reagiert gespalten,
in:
Neues Deutschland v. 26.04.

Fabian LAMBECK hat in diversen Zeitungen die Position von SPD- und CDU/CSU-Franktionsmitglieder gelesen und referiert diese. Der SPD-Vize Ralf STEGNER, dessen Position ausführlicher behandelt wird, wird von LAMBECK der Parteilinken zugeordnet.

Die merkwürdige Überschrift ist einem gleichnamigen Spiel des katholischen Familienbundes entlehnt, mit dem dieser nicht gerade fortschrittliche Lobbyverband für die Rente nach Kinderzahl eintritt.

 
       
   

ARNTZ, Jochen (2016): Rentenwahlkampf hat begonnen.
Andrea Nahles wirft Riester-Kritikern vor, Betroffene zu verunsichern,
in:
Frankfurter Rundschau v. 25.04.

Jochen ARNTZ referiert Agenturmeldungen. Ausführlich wird aus den Bild am Sonntag-Interviews von Andrea NAHLES und Norbert BLÜM zitiert. Die Rente mit 70, die Wolfgang SCHÄUBLE ins Spiel gebracht hat, rahmt diese Positionen. Der demografische Wandel verlangt angeblich einen steigenden Rentenzuschuss:

"Die starken Jahrgänge ab Mitte der 50er Jahre kommen ins Rentenalter. (...). Der Bund muss immer mehr zuschießen. Der Rentenzuschuss soll zwischen 2017 und 2019 von rund 91 Milliarden auf 98 Milliarden steigen."

 
       
   

BORSTEL, Stefan von (2016): "Menschen können nicht bis 67 oder 70 arbeiten".
Rente wird zum Wahlkampfthema. IG-Metall-Vizechef Hans Jürgen Urban will das Riester-Konzept beerdigen - und warnt Schäuble vor einer großen Kampagne,
in:
Welt v. 25.04.

IG-Metall-Vorstand Hans-Jürgen URBAN hält die Riester-Rente für gescheitert, verzichtet aber darauf Zahlen zu nennen, die das belegen. Die Lebensleistungsrente wird als nicht sinnvoll erachtet. URBAN will eine Anhebung des Niveaus der gesetzlichen Rente, wobei er auch einen "akzeptablen Beitragssatz" im Auge hat. Dem Vorschlag einer Anhebung des Renteneintrittsalters kann URBAN nichts abgewinnen.

 
       
   

SCHÄFERS, Manfred & Maximilian WEINGARTNER (2016): Nahles kündigt umfassende Rentenreform an.
Ministerin will alle drei Säulen erneuern. FDP-Chef Lindner fordert flexibles Rentenalter,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 25.04.

SCHÄFERS & WEINGARTNER zitieren aus dem Bild am Sonntag-Interview mit Andrea NAHLES. Aussagen über eine Stärkung der gesetzlichen Renten berücksichtigen die Autoren, sondern stellen die Lebensleistungsrente (Einführung einer Partnerprüfung!), die Förderung der Betriebsrente (Attraktivität für Unternehmen erhöhen, Stichwort Haftung) und den Einstieg in die Flexi-Rente in den Mittelpunkt ihres Artikels. Zudem wird die Position des FDP-Vorsitzenden Christian LINDNER einfließen lassen.   

 
       
 

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