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Xaver Bayer: postadoleszente Quarterlife Crisis in Wien

 
       
     
       
   
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    Xaver Bayer im Gespräch

     
       
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    Die Alaskastraße (2003)
    Salzburg
    : Jung und Jung

     
       
         
     

    Klappentext

    "Von einem Tag auf den anderen kündigt er bei der Partnerschaftsvermittlungsagentur. Es bleibt nicht viel, was die zähe Gleichförmigkeit der Tage durchbricht. Da entschließt er sich zu einem Inselurlaub, mit seiner Freundin. In seltenen Stunden, es waren die schönsten, wurde alles leicht zwischen den beiden: die Gesten, die Berührungen, die Worte. Der helle Raum spiegelte sich hinaus in die Nacht, öffnete sich. In diesen Momenten war Einklang. Seine Liebe allein darauf zu gründen, sie frei halten zu wollen von Wiederholung und Ritual, Macht und Unterwerfung, ist kühn, hochmütig und von einer Radikalität, die sich im Handumdrehen gegen den Ich-Erzähler selbst wendet. Dem Drang nach Auslöschung, Selbstauslöschung gibt er zunehmend nach, Gewaltphantasien brechen sich Bahn, immer unkontrollierter, den Haß fühlt er an seiner Seite »wie einen großen muskulösen Freund«. Besessen von sich, seinen Versuchen, die Wirklichkeit in Erinnerung zu übersetzen, weil er sie nur vermittelt erträgt, verweigert er sich jeder Form der Erlösung, der des Augenblicks so wie der anderen, die es nicht gibt. Mit kaltem Blick, schonungslos, selbstentblößend wird hier die »perfide Allianz von Sexualität und Tod« noch einmal und noch einmal gültig seziert."

    Pressestimmen

    "Xaver Bayers Ich-Erzähler inszeniert wie weiland Handke einen langen Abschied, allerdings ohne einen kurzen Brief zu hinterlassen. Soeben hat er noch in einer Partnervermittlungsagentur erfolgreich die Liebeswünsche beziehungsunfähiger Singles befriedigt und (...) sein Leben routiniert verwaltet. Aber plötzlich kommt ihm all diese luxuriöse Lebens-Selbstverständlichkeit abhanden – und er bricht alle Brücken zu seinem bisherigen Dasein ab. Er kündigt bei seiner Arbeitsstelle, animiert seine Freundin zu einem Inselurlaub, nur um sie angewidert im Stich zu lassen und zum letzten großen Abenteuer seines Lebens aufzubrechen: in die Einsamkeit."
    (Michael Braun im DeutschlandRadio vom 22.08.2003)

     
         
     
           
       

    Rezensionen

    KIEFER, Regina (2003): Xaver Bayer: Die Alaskastraße,
    in: Wortgestöber.de v. 20.05.

    WURSTER, Stephanie (2003): Verschwinden in Posen.
    Die Nachtseite der Generation Golf zwischen Popliteratur und Fin de Siècle: Der junge österreichische Autor Xaver Bayer tritt mit seinem neuen Roman, "Die Alaskastraße", als ein Wiedergänger von Christian Kracht und Hugo von Hofmannsthal auf,
    in: TAZ v. 15.07.

    Neu:
    BRAUN, Michael (2003): Xaver Bayer: Alaskastraße,
    in: Büchermarkt. Sendung des DeutschlandRadio v. 22.08.

     
           
       

    Heute könnte ein schöner Tag sein (2001)
    Salzburg
    : Jung und Jung

    (2003 als Taschenbuch im Suhrkamp-Verlag erschienen)

     
       
         
     

    Klappentext

    "Er ist Anfang zwanzig. Niemand soll sagen, daß das die schönste Zeit im Leben ist. Die Tage verlaufen in zäher Gleichförmigkeit. Aber warum fällt ihm auch nichts anderes ein, als in Lokale zu gehen, die gerade angesagt sind, sich durch die Stadt treiben zu lassen und auf die Einladung zur nächsten Vernissage zu warten? Einzig die Musik öffnet Freiräume, manchmal zumindest. Sonst sind die Tage von gleichsam rituellen Abläufen geprägt. Er stellt sich eine Zählmaschine vor, die bei jeder Handlung, bei jedem Musikstück, bei jedem Weg anzeigt, das wievielte Mal es gerade ist - und nach 9999 springt sie wieder auf Null.
    Er nimmt Posen ein: Stilisierung ist eine Möglichkeit, unbestimmte Trauer eine andere. Doch sie überdecken den Riß in diesem Leben, dem jedes Zeichen äußerer Tragik fehlt, nicht lange. »Heute könnte ein glücklicher Tag sein« bleibt als letzte, durch Zynismus getarnte Hoffnung des Protagonisten einer Generation, für die, wie es einmal hieß, Krieg leichter zu ertragen ist als ein Montagmorgen.
    "

    Pressestimmen

    "Bayer (...) macht genau das, was die deutschen Popliteraten vor Jahren schon gemacht haben: Hedonismus, Protokollhaftigkeit, die totale Gegenwart. Schon in seinem Debütroman »Heute könnte ein glücklicher Tag sein« zählte Bayer ähnlich wie (...) Benjamin von Stuckrad-Barre in »Soloalbum« ausschnitthaft und linear die Stationen eines nicht eben bemerkenswerten Lebens auf: Junger Mann, der ausgeht und Freunde trifft, das war die ganze Geschichte. Allerdings mit einem starken Hang zu der sprichwörtlichen Wiener Melancholie. Eine Sehnsucht nach mehr, eben dem »glücklichen Tag«, zog sich durch das ganze Buch."
    (Stephanie Wurster in der TAZ vom 15.07.2003)

    Zitate:

    Orientierungslosigkeit

    "Ich muß innerlich über meine Ziel- und Planlosigkeit lachen. Es kommt mir auf einmal so absurd vor, daß ich nie weiß, was ich tun soll. Sogar das Ins-Kaffeehaus-Gehen ist dann nur so eine Art Notlösung, ein instinktives Ausweichen. Ich gehe einfach irgendwo hin, wo ich eigentlich nicht sein will, bestelle mir etwas zu trinken, worauf ich keine Lust habe, rauche eine Zigarette, obwohl mir nicht danach ist, und ich habe keine Ahnung, wie ich dem vorausgedachten Ablauf entgehen kann. Die anderen Leute auf der Straße, so kommt es mir vor, haben immer irgend etwas Bestimmtes zu erledigen. Ihre Wege sind Geschäftswege oder Einkaufswege, und alles, was sie tun, geschieht mit einer Absicht, einem Plan. Manchmal bekomme ich tatsächlich ein schlechtes Gewissen, wenn ich die Leute so sehe, die alle wissen, was zu geschehen hat und wo es langgeht. Aber wahrscheinlich täusche ich mich da nur. Ich bin auf jeden Fall einer derjenigen, die selten wissen, wo es langzugehen hat, und wenn, dann gehe ich auch da Umwege oder Abkürzungen."

    Defizite im Umgang mit Mädchen

    "Ich bin (...) der Überzeugung, daß das Gymnasium schuld daran war, daß ich so lange ein Problem damit hatte, mich in der Gegenwart von Mädchen zu bewegen. Acht Jahre lang hatte ich kaum Kontakt zu Mädchen, und wenn, dann machte ich mich meistens lächerlich. Es wurde dafür wahnsinnig viel getrunken auf der Schule.
    (...).
    Ich habe dazu eine Melodie im Kopf, und als ich eine Weile nachdenke, fällt mir auch ein, daß das Lied von The Smiths ist".

    "Ein Mädchen kommt mir entgegen und blickt mich seltsam an, und ich frage mich, ob sie mich so anschaut, weil ich ihr gefalle oder vielleicht weil ich so fertig wirke. Ich ärgere mich, daß ich sie nicht angelächelt habe".

    Geborgenheit in der Menge

    "Dieses Alleinsein inmitten der Menge der Tanzenden und Herumstehenden hat für mich heute etwas sehr Beruhigendes. Ich fühle mich geborgen".

    "Es ist Samstag. Ich schlendere ziellos auf der Straße (...), und ich bin einfach ein Fußgänger unter anderen Fußgängern, ein Stadtbewohner von vielen, und auf gewisse Weise spendet mir der Gedanke Trost, daß ich so überhaupt nicht auffalle."

    Die Unerträglichkeit der Wohnung

    "Etwas Bedrohliches geht von der Unbeweglichkeit der Gegenstände im Raum und meiner Regungslosigkeit ihnen gegenüber aus, und ich habe Angst, daß mein hilfloses Dasitzen dieses Gefühl noch verstärkt und die Gegenstände gleichsam anstachelt, meine Gegenwart undenkbar zu machen.
    Die Geräusche des Kühlschranks und der Autos auf der Straße, die Stimmen auf dem Hof, das tiefe Pfeifen der Tauben, das klingt, als würde jemand durch hohle Hände blasen, diese Geräusche sind aufdringlich und beunruhigend nah, als würden sie mich umstellen wollen.
    Ein ähnliches Gefühl, wie das, das ich empfand, wenn ich als Kind mit Fieber im Bett lag, steigt in mir hoch. Ich hatte da immer Angst vor etwas Unaussprechlichem, vor etwas, das sich auf mich zuwälzt wie eine Lawine.
    (...).
    Ich beschließe, mich nicht weiter auf meine Erinnerungen einzulassen, und ziehe mich an, um auf die Straße zu gehen."

    "Üblicherweise weiß ich an Sonntagen noch weniger mit mir anzufangen als an anderen Tagen. (...). Ich würde mich am liebsten wieder hinlegen, aber ich weiß, daß ich nicht schlafen könnte, und mein Zustand würde nur schlimmer werden. also gehe ich ins Kaffeehaus."

    "Wenn ich nicht vor Einsamkeit umkommen würde, könnte ich mir gut vorstellen, einfach nur in meiner Wohnung zu sitzen und mich in Gedanken mit jemandem zu unterhalten".

    "Ich schalte automatisch das Radio ein, und überall laufen nur Lieder, die ich schon kenne, und ich bin auf einmal furchtbar deprimiert darüber, daß ich immer dasselbe mache, wenn ich aufstehe. Ich schalte das Radio ab, aber die Stille ist noch schlimmer, und mir ist plötzlich zum Heulen zumute, und ich fühle ein komisches Würgen in der Kehle. Ich habe keine Ahnung, was ich dagegen tun soll, und diese Hilflosigkeit macht das Ganze noch schlimmer".

    Die befreiende Wirkung von Musik

    "Die Musik ist so laut, daß meine Gedanken ganz klar sind, und ich bleibe nicht in ihnen hängen. Sie treten nur kurz auf und verschwinden dann wieder, um neuen Gedanken Platz zu machen."

    "Langsam beginnt es, mir wieder besser zu gehen. Es ist, als wäre ich, umfangen von der Musik, in einen Freiraum eingetreten, in einen Zustand, wo man minutenlang den Aschenbecher anschauen kann und sich freut, daß es ein Aschenbecher ist."  

     
         
     
           
       

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    webmaster@single-generation.de Erstellt: 02. September 2003
    Update: 20. Oktober 2013