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Klaus Walter: Plattenspieler

 
       
     
       
     
       
   

Klaus Walter in seiner eigenen Schreibe

 
   

WALTER, Klaus (1998): Wir sind wieder wer.
Rot-Grün an der Macht (2): Wir, die Linken, sind am Ruder, tönt es überall. Aber dieses "wir" ist nur eine magische Propagandaformel,
in: TAZ v. 07.11.

Klaus WALTER weist das machtpolitische Wir auf der alltagspolitischen Ebene zurück:

"Wir: Fischer ist der erste Vizekanzler, mit dem ich unmittelbaren Körperkontakt hatte und mittelbar Körpersäfte ausgetauscht habe. Tritte beim Fußball, Sex mit den selben Frauen. Heute zeigt Bild »Joschkas Neue«", wie immer Ende zwanzig, und in Frankfurt partizipieren symbolisch einige von Joschkas »Alten« an der Boulevardrelevanz. Wieder verklärt sich die Erinnerung an radikalere (Körper-)Politiken zu einer milden Selbstzufriedenheit über das Erreichte.
          Verkörpern nicht die zehn (Ex-)Gattinnen der drei Bonner Anführer auf höchster Repräsentanzebene den längst durchgesetzten State of the art in sexual politics? Nicht mehr Tod der Familie durch subversive Promiskuität, sondern sukzessive Modernisierung und Flexibilisierung der Familie durch serielle Monogamie?"

Klaus WALTER sieht in der rot-grünen Regierung nur ein Zwischenspiel auf dem Weg zur schwarz-grünen Republik.  

WALTER, Klaus (2000): He did it schon so früh.
Berliner Barock: die "Popsingles" des Thomas Groß,
in: Frankfurter Rundschau v. 12.10.

Rezension des Buchs Berliner Barock von Thomas GROß.

WALTER, Klaus (2003): Chelsea Boys und Village People.
Avantgarde-Subs und die Regelkreise der Gentrifizierung in New York,
in: Subtropen. Beilage der Jungle World Nr.30 v. 16.07.

WALTER, Klaus (2003): Zwei tote Dandys aus Paris und die Restlinke.
Schriften zu Zeitschriften: Die neue Ausgabe der Zeitschrift "Testcard" widmet sich dem Thema "Linke Mythen". Achtung, Attacler: Mit Aplomb wird etwa der Mythos von der Globalisierung als Wahrheitsregime entlarvt. Auch wenn Stilfragen leider als Luxus gelten, am Ende lohnt die Mühe,
in: TAZ v. 01.09.

Klaus WALTER über die TESTCARD-Linke: "Hier ergreift eine glamour- wie subventionsfreie, unhedonistische Low-Budget-Linke zwischen Peripherie und Provinz das Wort, die sich die herablassende Ignoranz der Hauptstadt-Petit-Bourgeoisie schon dafür zuzieht, dass sie mehr Zeit in der Volksküche zugebracht hat als in der Volksbühne. In Testcard schreibt diese, sagen wir: junge Linke an der Fortsetzung einer Adoleszenz zwischen Hardcore und Autonomie, Gendertrouble und Antifa. Vom rot-grünen Kulturestablishment werden diese Debatten und Strömungen wenig beachtet; offenbar tut sich hier neben den (pop-)kulturellen Gräben ein generationsförmiges Rezeptionsloch auf - schließlich politisierte sich diese Jugend just zu einer Zeit nach links, als viele Alte sich von ihrer linken Vergangenheit in Richtung Zivilgesellschaft verabschiedet haben".

Martin Büsser - Wie klingt die Neue Mitte?

WALTER, Klaus (2003): Das bringt Roland Koch.
Ein Kanzlerkandidat empfiehlt sich: Das hessische Sparprogramm "Operation Sichere Zukunft" ist die effizientere Version von Helmut Kohls "geistig-moralische Wende",
in: TAZ v. 30.09.

Mit einem Seitenhieb auf unsere aufmerksamkeitsgeile Künstleravantgarde beschreibt Klaus WALTER wie Roland KOCH 1968 abwickelt: "Bei Schlingensiefs »Church of Fear« waren mehr Leute auf den Beinen, auch war die Stimmung besser. Es gibt Aufregenderes als Proteste gegen staatliche Kürzungen. Popgestützte Happenings gegen hooliganöse Populisten wie Haider oder Schill versprechen mehr Glamour. Verglichen mit dem Aufschrei, der durch Deutschland ging, als Ronald Schill zum Hamburger Innensenator aufstieg, ist die Aufregung um das »Sparpaket« der CDU-Regierung erst recht außerhalb Hessens kaum vernehmbar."

WALTER, Klaus (2004): Authentizität gegen Karaoke.
Ohne Punk kein Internet, keine New Economy und auch keine Zivilgesellschaft: zum Zwischenstand einer Legendenbildung,
in: Frankfurter Rundschau v. 28.09.

Klaus WALTER referiert die Positionen von Punklegenden und Punkheroen wie David THOMAS oder Malcolm McLAREN, nicht ohne seine eigene Position einfließen zu lassen. Wenn McLAREN z.B. die Authentizität des Punk hervorhebt, dann verweist WALTER darauf, dass Punks "den pathetischen Rock-Mythos der authentischen Selbstentäußerung einer verdienten Lächerlichkeit preisgaben".

Zum Thema Wählerbindung im Zeitalter der Wechsel- und Nichtwähler hat WALTER auch etwas hinzuzufügen:

"Finanziert wurde der Kongress von der Bundeskulturstiftung. Der verdanken weite Teile des linken Kulturproletariats ihr bisschen Existenzgeld, und sie ist für weite Teile des linken Kulturproletariats der einzige Grund auch beim nächsten Mal wieder Rot/Grün zu wählen."

WALTER, Klaus (2005): Old Mac Donald's Song.
Autos und Alkohol: Strategien des Product Placement im Pop,
in: Frankfurter Rundschau v. 04.05.

Klaus WALTER berichtet über den Zusammenhang zwischen Pop und Differenzkapitalismus, dem nach Meinung von WALTER nicht mit traditionell linken Reflexen begegnet werden kann:

"Beim jetzt erreichten Tempo der Verwertungszentrifuge nach »Entschleunigung« oder »Kontrolle« zu rufen, wäre ein ebenso hilfloser Ausdruck »linker Melancholie« (Walter Benjamin) wie das Gefasel von der »Rückbesinnung auf die soziale Marktwirtschaft« aus dem Munde deutscher Sozialdemokraten. Solche Leute kritisieren den Kapitalismus und kommen im Kino erst zum Hauptfilm. Damit sie bloß verpassen zu sehen, wie neue Körperbilder und Warenästhetiken generiert und in Umlauf gebracht werden. Trotzdem erreichen die im Zuge der in diesem Wirtschaftssystem nun mal irreversiblen Durchdringung sämtlicher Lebensbereiche durch die Ökonomie eines Tages sogar das Sauerland."

Die Theorie zur Allianz von Lifestylelinken und Differenzkapitalismus  lieferte Robert MISIK in der taz. Kapitalismus als neue Religion aus dem Geiste der Punkbewegung liefern HEATH und POTTER im Buch Nation of Rebels ("Konsumrebellen").

WALTER, Klaus (2005): Der Krebs als moralische Anstalt.
She should be so lucky: Kylie Minogues kranke Brust, der Boulevard und das antifeministische Rollback,
in: Frankfurter Rundschau v. 04.06.

WALTER skizziert den Aufstieg von Kylie MINOGUE vom Mainstream-Idol zum Liebling der Kulturlinken. MINOGUEs Zielgruppe bei den Musikzeitschriften Spex und Intro charakterisiert WALTER folgendermaßen:

"Das akzeptable Pinup, angehimmelt auch von nicht mehr pickligen, sondern längst bierbäuchigen Indiejungs, die nie Männer werden wollen, weil sie keine Frauen haben wollen, sondern Mädchen."

Inhaltlich steht dafür der Hit Can't get you out of my head. Im Mittelpunkt steht jedoch die Frage, welche Konsequenzen es hat, wenn Krankheit als Strafe begriffen wird. Diese Perspektive war in den 1970er Jahren noch äußerst populär. Der Bestseller Mars von Fritz ZORN stand für die Gewissheit, dass es Krebspersönlichkeiten gibt und dass es letztlich kein richtiges Leben im Falschen geben kann. Klaus WALTER  befürchtet nun, dass der konstruierte Zusammenhang zwischen "feministischer" Lebensweise und Krankheit einem Backlash Vorschub leistet:

"Steckt hinter den Krokodilstränen über Kylies Krebs möglicherweise - um in der fatalen Metapher zu bleiben - ein ganz anderes Geschwür? Die verbreitete Sehnsucht nach dem krebsartigen Rückwärtsgang in Geschlechterfragen? Nach mehr Kylies und Anastacias und weniger Courtneys und Madonnas? Wenn der Boulevard die moralische Anstalt der Massen ist, dann ist das hier ein Lehrstück. Möge Frau Minogue aus der Katharsis weniger beschädigt hervorgehen als es das Frauenbild - nicht nur im Pop - jetzt schon ist."

WALTER, Klaus (2005): Immer diese Widersprüche.
Was ist heute links?
in: TAZ v. 10.09.

Klaus WALTER sieht in der Konkurrenz der Prekarisierten das zentrale Problem der Linken: "Mit schlichten Slogans wie »sozial statt neoliberal« (WASG) kann linke Politik einer atomisierten Gesellschaft der Differenzen und Vielheiten nicht gerecht werden. Sie kann nicht so tun, als gäbe es in Zeiten transnationaler Ökonomie einen Rückweg zum Fordismus. Sie muss sich den Kreationen des deregulierten Postfordismus stellen und damit seinen allfälligen Ungleichzeitigkeiten. Der Bloch'sche Begriff taugt zur Beschreibung einer markanten Kluft zwischen den Zielgruppen der Linken: hier glamourfreie Anti-Hartz-IV-Demonstranten mit Ostflavour, dort prekarisierte Milieus der postmodernen (Ex-)linken aus den Großstädten der alten BRD. Zwangsflexible Bildschirmarbeiter, Agenturhopper, scheinselbstständige Ego-Profitcenter, mobile Reservearmeen des Kulturbetriebs: massenhafte Einzelfälle der Deregulierung, die keine Assoziation verbindet, die tendenziell jeder Organisation misstrauen.
          Schließlich haben sie gelernt, individuelle Qualitäten, Emotion, Kreativität, gerne auch einen gewissen Nonkonformismus in die Waagschale zu werfen. »Originelle Typen und Querdenker stellen gewissermaßen das Glamour-Modell für den Gehorsam gegenüber den Imperativen der Flexibilisierung dar. Nonkonformität wäre somit zu einer Produktivkraft, zu einem Konsumgegenstand und zu einer Ressource der Distinktion verkommen.« (Klaus Ronneberger)
          Diese unorganisierten Neoproleten verarbeiten die ständige Angst vor dem sozialen Absturz mit Routinen kulturalistischer Distinktion. Eine davon ist Unterschichtenbashing, verschärft durch Missgunst auf Seiten der Zwangsflexiblen. Für die ist das ganze Leben ein Casting. Sie müssen viel leisten und leben dennoch in permanenter Unsicherheit. Folglich bringen sie wenig Verständnis auf für schwer Vermittelbare und hoffnungslose Fälle, die vom Staat Sozialleistungen und Sicherheiten einfordern, die ihnen ob ihrer mangelnden Qualifikation und Flexibilität gar nicht mehr zustehen.
          
Warum sollen wir uns für die den Arsch aufreißen? So entsteht aus den ungleichzeitigen Verwerfungen von Old Economy und Postfordismus, Ost vs. West eine Konkurrenz der Prekarisierten, wo in der schlichten Eigentlichkeit linken Sehnens angebracht wäre: Solidarität!"

WALTER, Klaus (2005): Immer schön unentspannt.
Poplinke, Live-Rock-'n'-Roller und Querdenkerposen: auf Spurensuche in der vermeintlichen Mehrheit links von der CDU. Über produktive linke Berührungsängste und die falsche Suche nach einem Wir,
in: TAZ v. 26.10.

Klaus WALTER demonstriert poplinken Autismus: "Poschardts Bewerbungsschreiben für ein Kulturpöstchen bei Merkel verbinden den vornehmen Pluralis Majestatis mit dem dröhnenden »Du bist Deutschland«-Sound: »Deutschland braucht Wachstum«, heißt es apodiktisch, oder: »Deutschland könnte das modernste Land werden« (taz vom 30. 9.).
Mark Terkessidis hat dieses Gesprächsangebot mit guten Argumenten zurückgewiesen (taz vom 8./9. 10.). Dem ist nur hinzuzufügen: Wer ist wir? Oder: Distanz bitte! Das von Poschardt beschworene Wir ist eine Schimäre wie die viel zitierte Mehrheit links der CDU. Schon die »I can't relax«-Linke bildet kein Wir mit der erschlafften Literaturhaus-Linken. Und was verbindet Otto Schily mit den Goldenen Zitronen? Wolfgang Clement mit René Pollesch? Eine logische Gegnerschaft, ja. Aber nicht einmal wechselseitige Antipathie. Dafür müssten Schily und Clement die Hamburger Band und den nomadischen Theatermacher wenigstens kennen. Nein, links der CDU ist zu wenig Harmonie für Hegemonie. Die Linke sollte jedes falsche Wir von sich weisen und - mal wieder - die Differenz betonen. Das unterscheidet links von rechts, auch wenn es auf die Dauer langweilt, immer nur nein zu sagen.
"

WALTER, Klaus (2007): Nicht ohne meinen Vornamen!
Renaissance des Folk,
in: Frankfurter Rundschau v. 14.02.

Klaus WALTER referiert anlässlich eines Schwerpunktes in der Zeitschrift de:bug die Kontroverse um die Renaissance des Folk, um am Ende zu fragen, ob uns ein neues Biedermeier bevorsteht:

"Schon in den frühen 90ern gab's eine so genannte Neo-Folk-Bewegung: (...) gelesen wurde die angebliche Bewegung als Reaktion auf das Burn-Out-Syndrom der US-Hardcore-Szenen. 20 Jahre vorher wurden leicht androgyne Singer/Songwriter wie Neil Young, James Taylor oder Cat Stevens als Antwort auf den phallokratischen Gigantismus der Led Zeps und Deep Purples verkauft.
            
Nach dieser Logik könnte man in den neuen Folkies einen Reflex auf den re(tro)gressiven Konformismus weißer Rockmänner sehen. Das Neo-Hippietum sei artifiziell im Vergleich zur durchschnittlichen Indie-Rockband, sagt Dirk von Lowtzow. »Die ist ja mittlerweile das Kleinbürgerlichste überhaupt.«
             (...).
Die interessantere Frage ist: Transportiert Folk eine Renaissance überkommener Antagonismen von privatem und öffentlichem Musikkonsum? Zum Ausgehen Techno, House und andere Verausgabungsmusiken, daheim im Kreis der Lieben - oder allein - Folk und andere Herzensangelegenheiten? Dann wäre Folk nur die Kehrseite der Vanity-Fair-Medaille: noch ein Relaunch im poshen Neo-Biedermeier. Wir bleiben dran."

WALTER, Klaus (2007): Maximo Park Avenue.
Das Pop-Magazin "Spex" versucht ein Comeback,
in: Frankfurter Rundschau v. 09.03.

Klaus WALTER  analysiert die erste Ausgabe des Popmagazins Spex unter Leitung von Max DAX. Mit dem damit verbundenen Generationenwechsel wird der Auflösung des traditionellen poplinken Milieus - oder besser - seiner Mutierung Rechnung getragen. WALTER, ein Angehöriger der 78er-Generation, verteidigt noch einmal sein poplinkes Traditionsmilieu - ohne jegliche Selbstkritik - gegen die Generation Golf und beklagt den Paradigmenwechsel von Diedrich DIEDERICHSEN zu Ulf POSCHARDT als Vatermord:

"So umfangreich wie umständlich verabschiedet die Redaktion einen »altlinken Zwangsreflex« und unterstellt der alten Spex eine »verstümmelte Geschichtsschreibung, die Jugendkultur mit Antifaschismus verwechselt und Punk zur letzten authentischen Widerstandsgeste aufbläst.«"

Belegt werden die steilen Thesen durch ein buntes Potpourri aus Spex-Zitaten aus den vergangenen fünfzehn Jahren, die meisten, wenig überraschend, von Diedrich Diederichsen.

"Der Doyen der Poplinken hatte 1992 bei rassistischen Pogromen in Ostdeutschland junge Nazis mit Malcolm X-Kappen gesichtet und daraus den Schluss gezogen, dass die Gleichung Jugendkultur=Links nach der deutsch-deutschen Wende nicht mehr funktioniert. Der Titel des wegweisenden Essays dementiert einen sprichwörtlich gewordenen Song von The Who: »The Kids are not alright.« Wenn die neue Spex-Redaktion in ihrem Antritts-Editorial das entscheidende not zurücknimmt, dann ist das mehr als der x-te versuchte Vatermord am alten Diederichsen. »The Kids are alright« titeln sie triumphal und kündigen demonstrativ den poplinken Konsens.
            
Damit folgen sie gratismutigen Tabubrechern wie Ulf Poschardt, der ja gern verbreitet, dass man heutzutage nur FDP wählen kann, wenn man Pop ernst nimmt. Mit solchen Parolen hat es Poschardt zum Chefredakteur von Vanity Fair gebracht, dem millionenschweren Blatt für die »Movers und Shakers«."

WALTER, Klaus (2007): Wo auch der Joschka ein und aus ging.
Vor dreißig Jahren gegründet, berühmt geworden als autonome befreite Zone, heute ein von allen gehätscheltes und gelobtes Veranstaltungszentrum: die Frankfurter Batschkapp. Eine ehemalige Heimstätte alternativen und linken Lebens in Hessen - und Eliteschmiede für das neobürgerliche Deutschland. Lob von allen? Niemals!
in:
TAZ v. 14.04.

"Wie unterm Mikroskop liegen hier die politischen Konflikte und Kulturkämpfe zwischen Alten Linken, Neuen Linken, Poplinken und Exlinken zur Begutachtung bereit",

schreibt der Poplinke Klaus WALTER aus der Generation Pflasterstrand zum 30jährigen Bestehen der Batschkapp. WALTER erzählt u.a. wie die Frankfurter Spontis dazu beigetragen haben, dass die Punk-Szene zur Skinhead-Szene mutierte. Einzig die Jahre von Post-Punk & New Wave kommen bei  WALTER gut weg:

"Spätestens 1984 entspannt sich die Lage. Die letzten Hippies haben sich die Haare geschnitten und eingesehen, dass Ulla Meinecke, Lake und Lage (Klaus) irgendwie alt aussehen gegen Gun Club, Violent Femmes, Aztec Camera und die Smiths. (...).
             Mit der Blüte von Post Punk & New Wave erlebt der Laden seine besten Jahre, mit dem Verblühen dieser Strömungen beginnt der Niedergang."

WALTER, Klaus (2009): 50 Jahre nach dem Aufprall.
Vor einem halben Jahrhundert starb der Rock 'n' Roller Buddy Holly bei einem Flugzeugabsturz. Sein Folk-Kollege Don McLean setzte ihm und seiner Epoche mit "American Pie" ein lyrisches Denkmal,
in:
TAZ v. 03.02.

Klaus WALTER beschreibt Buddy Holly als "Paten aller weißen Nerds" und fragt:

"Hat »American Pie« eine kulturelle und politische Neuorientierung in den USA angestoßen? Ein amerikanisches Vorläufermodell von Helmut Kohls geistig-moralischer Wende? Beginnt mit »American Pie« eine popgestützte kollektive Nostalgie?"

Neu:
WALTER, Klaus (2010): Webstream kills the radio star.
Musikkritik, Teil 11: Schön, wenn Liebhaber Profis sind; doch wie aus professionellen Radiomachern und Musikjournalisten schlecht bezahlte "Musikliebhaber" werden, ist eine Abwertung popkultureller Arbeit,
in: TAZ v. 09.11.

Klaus WALTER positioniert sich im Popdiskurs mit Wolfgang FRÖMBERG und Diedrich DIEDERICHSEN gegen die "Verräter" Tobias RAPP & Thomas GROß:

"Inzwischen qualifiziert man sich mit unorthodoxem Schreiben für orthodoxe Festanstellungen auch im Feuilleton. Tobias Rapp etwa hat über Jahre in taz und Jungle World für wenig Geld kluge Texte über interessante Themen geschrieben, mit denen er sich für eine Stelle beim Spiegel qualifiziert hat, wo er jetzt für viel Geld weniger interessante Texte über weniger interessante Themen schreibt. Ähnlich erging es Thomas Groß, seinem Vorgänger bei der taz, der bei der Zeit einen langen, gut dotierten Vorruhestand absitzt. Das nennt man Marktwirtschaft."

 
       
   

Klaus Walter: Porträts und Gespräche

 
   

MOHR, Christina (2004): Das nächste Spiel ist immer das Schwerste: Klaus Walter - Zwanzig Jahre "Der Ball ist rund".
Im Namen des Pop Teil 1,
in: satt.org v. 31.03.

NIEDENTHAL, Clemens (2004): "Das, was wir auflegen, ist EU-Musik".
Zu Zeiten des Format-Radios geht das Medium für Musik von Format verloren. Es gibt zwei Ausnahmen: Klaus Walters "Der Ball ist rund" (mittwochs um 23.05 Uhr auf HR 2) und der "Zündfunk" mit Thomas Meinecke (täglich um 19.00 Uhr auf BR 2). Ein Round-Turntable-Gespräch über Radio und Pop,
in: TAZ v. 23.04.

RÜDENAUER, Ulrich (2005): Weltaneignungsmodell Pop.
Frank Witzel und Klaus Walter haben zusammen mit Thomas Meinecke das Buch "Plattenspieler" herausgegeben - ein Gespräch über Musik und den Jahrgang 1955,
in: Frankfurter Rundschau v. 01.04.

Klaus WALTER sieht im Jahrgang 1955 die Berufsjugendlichen des Pop und erläutert den Unterschied zwischen Frankfurt und Hamburg:

"Sie sind in den 60ern mit Pop sozialisiert worden, scheinen aber nie Teil einer Szene gewesen zu sein. Hatte das zur Folge, dass Sie rasch einen intellektuellen Zugang zur Musik gesucht haben?
        
Walter: Das ist ein Spezifikum des Jahrgangs 55. Da muss ich leider den doofen Sting zitieren, einen seiner wenigen richtigen Sätze: »Born in the '50s«, ein früher Police-Song. Da wird genau das beschrieben: Zu alt für Punk, um identifikatorisch in einer Bewegung aufzugehen und sich entsprechend anzuziehen. Und zu jung, um richtig Hippie zu sein. Dann aber hatten wir doch die Fähigkeit oder die Naivität, in einem relativ hohen Alter von 23, 24 noch mal neu zu starten, uns zu motivieren und zu entdecken, dass da mit Punk etwas Wichtiges passiert. Wir haben so eine Art Kulturtechnik erlernt, auch weitere Neustarts zumindest nicht abzuwehren, sondern wohlwollend zu beobachten. Es stimmt vollkommen: Wir waren wahrscheinlich alle drei nie Teil einer Bewegung, oder wenn, dann nur temporär. In Frankfurt war zu der Zeit, als ich jung war, Politik das vorrangige Identifikationsangebot. Ganz anders in Hamburg, wo Thomas groß geworden ist. Da spielten ganz andere Dinge eine Rolle. Es gibt ja wahnsinnige Unterschiede der Prägung durch die Besatzer. Ob man im AFN- oder BFBS-Einzugsgebiet aufgewachsen ist, hat immense Bedeutung. Hamburg hatte den relativ schnellen Seeweg nach England. Punk zum Beispiel fand in Frankfurt nie statt."

WITZEL, Frank (2005): Ein Aufschrei von einer Sekunde.
Er ist der wichtigste Plattenaufleger im ganzen Land: Klaus Walter und "Der Ball ist rund",
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.04.

 
       
   

Klaus Walter in der Debatte

 
   

DOBLER, Franz (2008): Gute Nacht, Hessen.
Die legendäre Popsendung "Der Ball ist rund" von Radio-DJ und Musikautor Klaus Walter wird eingestellt. Das sagt viel über das Kulturverständnis der Verantwortlichen beim Hessischen Rundfunk,
in:
TAZ v. 01.12.

DIEDERICHSEN, Diedrich (2009): Musik ist mehr als Musik.
Unter Kleingärtnern: Pop im öffentlich-rechtlichen Rundfunk,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 02.01.

 
       
   

Plattenspieler (2005)
(zusammen mit Thomas Meinecke und Frank Witzel)
Hamburg: Edition Nautilis

 
   
     
 

Klappentext

"Das ultimative Fanbuch in der Tradition von Teipels legendärem Verschwende Deine Jugend. Frank Witzel, Klaus Walter und Thomas Meinecke reden: über GEMACHTE MÄNNER mit Fönfrisuren oder echte Rocker mit Haaren; über ihren gemeinsamen GEBURTSJAHRGANG 1955 und ihre Jugend in Hamburg und Frankfurt; über POP UND JOB – Musik, Codes, Fußball und Politik –, über den Trendscout Bernd KÜHL, der es auch bei Wolfgang Petry eigentlich doch geschafft hat, und über LUXUS und Not. Nicht nur für Pop-Forscher und Generationenversteher.

Frank Witzel, Romanautor und Kenner der Avantgarde-Musik, Klaus Walter, Radio-DJ und Journalist, und Thomas Meinecke, vieldiskutierter Pop-Autor, ebenfalls Radio-DJ und Musiker der Band FSK, treffen sich 2004 in Frankfurt am Main. Alle drei sind 1955 geboren. Alle drei führen ein generationsuntypisches Leben. Und sie unterhalten sich über Musik, Pop und kulturelle Praxis, über Kritik, Fantum und hegelianisches Denken; über Glamour und Schrecken von Stammheim.
Auszüge ihrer mitgeschnittenen Gespräche hat Frank Witzel in Plattenspieler zusammengestellt. Ein schriftliches Audiodokument mit Groove, für den Leser als Tonabnehmer.
Die Diskussion dreht sich etwa um die Frage, warum Jimi Hendrix, gleichzeitig androgyn und Macho, weißen Rock machte; warum der Afro nicht ironisch sein kann; worin die unästhetische Anziehungskraft der Politgruppen in den Siebzigern bestand oder ob Françoise Hardy zur vorpubertären Identifikation getaugt hätte. Bei der Frage, ob die Barbarisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse zu erkennen und zu verstehen ein Luxus oder eine Notwendigkeit ist, ist sie in der Auslaufrille angelangt und überlässt das Weiterdenken dem Leser. Noch schwindlig sollte dieser das Buch sofort noch einmal lesen – gepitcht auf ’55, sozusagen."

Pressestimmen

"Durch die Lektüre von Musikzeitschriften klinkten sich Meinecke und Walter schließlich in den »Catalogue of Cool« ein. Dieser flexible Kanon zieht in die Masse der Musik einige Wahrnehmungsstreben, aber auch Grenzziehungen und Tabus ein. Witzel hält nichts von diesem Konzept"
(Nadine Langer im Tagesspiegel vom 13.03.2005)

"Vereint sind alle drei in der Verachtung des Nerdtums von Nick Hornby und der Abgrenzung gegenüber 78er-Generation-Herbeischwätzer Matthias Politycki. (...). Ob es aber mehr ist als ein Buch für »Pop-Forscher und Generationenversteher«, darf bezweifelt werden."
(Klaus Leweke im Musikexpress, Juli 2005)

 
     
 
       
   

Vorabdruck

MEINECKE, Thomas/WALTER, Klaus/WITZEL, Frank (2005): "Absolut auf der Gegenseite".
Ein Gespräch zwischen Thomas Meinecke, Klaus Walter und Frank Witzel über Joschka Fischer und die Grünen, den Luxus und die Notwendigkeit theoretischen Denkens sowie die Verschlimmbesserung der Verhältnisse durch schwule Bürgermeister,
in: TAZ v. 09.03.

 
   

Rezensionen

MOHR, Christina (2005): 150 Jahre und kein bißchen weise...
in: satt.org v. 12.03.

LANGE, Nadine (2005): Pose und Verheißung.
Thomas Meinecke & Co. plaudern über Pop,
in: Tagesspiegel v. 13.03.

LANTZ, Marek (2005): Un-cool un-cut.
Nerdtalk über Adult und anderen Rock: Frank Witzel, Klaus Walter und Thomas Meinecke reden ungeschnitten,
in: Literaturbeilage junge welt v. 17.03.

STOCK, Ulrich (2005): Die drei von der Popfront.
Großer Spaß:
Ein tripelbiografischer Selbstversuch von Thomas Meinecke, Klaus Walter und Frank Witzel,
in: Literaturbeilage der ZEIT v. 17.03.

KLOOK, Carsten (2005): Gesetze der Stilpolizei,
in: textem.de v. 18.03.

BORTLIK, Wolfgang (2005): RAF und Roxy Music.
Thomas Meinecke, Klaus Walter und Frank Witzel, alle Jahrgang 1955, reden in Buchform über Pop, Politik, Alltag und Luxus,
in: WochenZeitung Nr.13 v. 31.03.

SUNDERMEIER, Jörg/BLUM, Thomas/HARTMANN, Andreas (2005): Abba oder Devo?
Mit dem Buch »Plattenspieler« haben Frank Witzel, Klaus Walter und Thomas Meinecke eine Sozialgeschichte der Bundesrepublik unter den Bedingungen von Pop verfasst,
in: Jungle World Nr.16 v. 20.04.

LEWEKE, Klaus (2005): Plattenspieler,
in: Musikexpress, Juli

OLSCHEWSKI, Adam (2005): Pop-Geschichte.
Frank Witzel, Klaus Walter, Thomas Meinecke: Plattenspieler,
in: Literaturen, Nr.7/8, Juli/August

PILZ, Michael (2005): Jahrgang 1955,
in: Welt v. 11.08.

 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 18. Dezember 2002
Stand: 05. Juli 2015