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Morrissey: Life is very long, when you're lonely

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1959 geboren
    • 1984 Album "The Smiths" (The Smiths)
    • 1985 Album "Meat is murder" (The Smiths)
    • 1986 Album "The Queen is dead" (The Smiths)
    • 1987 Album "Strangeways, here we come" (The Smiths)
    • 2004 Buch "Saint Morrissey" von Mark Simpson
    • 2004 Album "You are the Quarry"
    • 2009 Album "Years of Refusal"
 
       
     
       
   

Morrissey: Porträts und Gespräche

 
   
  • DOEBELING, Wolfgang (2004): "I'm not sorry",
    in: Rolling Stone, Mai

 
       
   

Beiträge zu The Smiths und Morrissey:

 
   

MÜLLER, Kerstin (2003): Wieder verzweifelt sein.
Warum der Ex-Smiths-Frontsänger Morrissey gute Chancen hat, wieder groß rauszukommen,
in: Jungle World Nr.34 v. 13.08.

Kerstin MÜLLER sieht in der 80er-Jahre-Band The Smiths die ideale Musikgruppe für die Generation Golf in der Jobkrise:

"Jetzt finden wir uns – wenn überhaupt – in Arbeitsverhältnissen wieder, in denen die Streber von gestern die Vorgesetzten von heute sind. In denen nicht Talent und Persönlichkeit zählen, sondern die Fähigkeit, auch in vorgeblich flachen Hierarchien schnellstmöglich die Obrigkeit als solche zu identifizieren und sich ebenso schnellstmöglich einzuschleimen. Wir haben Kommunikationswissenschaften studiert, um zu wissen, dass es Sender und Empfänger gibt. Wer sendet und wer empfängt – das lernen wir jetzt –, wird nur selten vom Intellekt bestimmt. Wir haben Chefs, die auf unseren Lebenslauf schauen und meinen, uns zu durchschauen. Die Sensibilität, mit der wir einst The Smiths und ihre poetischen Texte verstanden haben, ist es, mit der wir uns jetzt im Wege stehen.
Morrissey hat gute Chancen, wieder zur Stimme einer Generation zu werden. Langsam machen sich Depressionen – der Nährboden eines Künstlers, der in den neunziger Jahren kaum beachtet und so gut wie nie gecovert wurde – wieder breit: Arbeitslosigkeit bedroht auch die, die sich bisher als gut ausgebildete High Potentials verstanden haben. Tägliche Meldungen von Kürzungen, Sparmaßnahmen, Streichungen, Entlassungen, Insolvenzen kühlen die Stimmung auf den Nullpunkt herunter. Zeit, auf cool Britannia zu blicken".

Auch bei Christian KRACHT waren kürzlich bei einer Lesung The Smiths zu hören. Neben dieser Generation Golf-Verzweiflung gehört auch die Verzweiflung des einsamen Pubertären der Generation Smart zum Repertoire der Gruppe:

"Die Songtexte der Smiths handeln praktisch die gesamte Palette adoleszenter Gefühle ab: von jugendlichem Ennui, Unsicherheit und Zweifeln und immer und immer wieder Einsamkeit. Eine ihrer berühmtesten Zeilen lautet: »Life is very long when you’re lonely.« Der Eintritt ins »wahre« Leben wird verhindert durch eine tief empfundene Zugehörigkeitslosigkeit, verbunden mit einer romantisierten Todessehnsucht".

Dazu passt dann bestens die gerade erschienene Erzählung von Benjamin LEBERT.

RICHTER, Peter (2003): Durchschmidt,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 24.08.

  • Peter RICHTER über The Smiths: "Christian Kracht las neulich in Berlin seine Reisegeschichten aus der F.A.S. und spielte dazu die Smiths. Neuerdings hört man sie häufiger auch im Radio, und inzwischen gibt es ihr Lied »How Soon Is Now?« sogar von Tatu, den beiden Hysterikerinnen aus Moskau, die damals noch keine wehrlosen Menschen, sondern maximal die Kacheln ihrer sowjetischen Kreißsäle angeschrien haben, zu dem Zeitpunkt, als die Smiths sich auflösten - und übrigens die DDR gleich mit!
    Je mehr ich nämlich darüber nachdenke, was diese Renaissance nun eigentlich bedeuten mag, und wo jetzt plötzlich diese Lust and er Depression wieder herkommt, desto mehr fällt mir auf, wie treffend die Smiths im Grunde die Atmosphäre und das Lebensgefühl in der späten DDR vertont haben:
    die vor sich hin bröckelnde Melancholie".

STAUN, Harald (2004): Der Papst der Einsamkeit.
Wem die Jugend eine Marter ist, dem ist das Alter eine Erlösung: Morrissey ist wieder da. Und besser denn je,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 02.05.

Der Rolling Stone verspricht das einzige Interview mit Morrisey und bringt ein wenig informatives 16-seitiges Special über den ehemaligen Sänger und Songwriter der Popband The Smiths, die in den 80er Jahren das Lebensgefühl von Gymnasiasten und Postadoleszenten getroffen haben und auch heute wieder für Postadoleszente in der Quarterlife Crisis aktuell sind. Nun ist die erste Single des neuen Soloalbums da und das neue Abum erscheint Mitte des Monats. Anlass für Harald STAUN eine Loblied auf Morrissey zu singen:

"Es ist ein Segen, daß Morrissey sein Selbstmitglied mittlerweile ein wenig sparsamer dosiert; daß sich aber seine Verzweifelung in einen gesunden Zynismus verwandetl hat und seine Unsicherheit in Souveränität: das bedeutet viel, viel mehr. Es beinhaltet ein Versprechen, das in der Geschichte des Pop noch nie so deutlich formuliert worden ist: Das Leben wird besser, wenn man älter wird."

DANICKE, Sandra (2004): Heiliger Sebastian der Adoleszenz.
...und role model für den stilbewussten Mittvierziger: Morrissey ist zurück mit MG und Krawatte,
in: Frankfurter Rundschau v. 04.05.

"Morrissey kultivierte das Image des Außenseiter-Dandys, seit er vor exakt zwanzig Jahren mit The Smiths das erste Album herausgebracht hat. Einer Band, die in den nur vier Jahren ihres Bestehens den vielleicht hingebungsvollsten Kult der europäischen Rockgeschichte ausgelöst hat, mit ebenso originellem wie stilbildendem Schmachtrock, der bis heute unerreicht ist. Morrissey war die Ikone sich unverstanden fühlender Teenager, der Heilige Sebastian der Adoleszenz und ein role model für jene, die anders dachten und fühlten, zum Beispiel Homosexuelle. Über seine eigene Sexualität schwieg Morrissey sich geheimnisvoll aus: »I never had no one ever«" schwärmt Sandra DANICKE

FUCHS, Oliver (2004): Weine nicht um mich, Kalifornien!
Die singende Nervensäge: Morrissey beschwert sich wieder über die Welt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 08.05.

REENTS, Edo (2004): Der letzte Engländer.
Fleisch ist kein Stück Lebenskraft, aber alle Tage ein Sonntag: Morrisseys triumphale Rückkehr,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.05.

MAROLDT, Lorenz (2004): Genau zwischen die Augen.
Nach sieben Jahren wieder ein neues Album: Morrissey, der Poet des Pop, kann noch kämpfen,
in: Tagesspiegel v. 17.05.

Lorenz MAROLDT stellt die vielen Facetten des Steven Patrick MORRISSEY vor, u.a.:

"Morrissey, der scheue Einzelgänger, der Enthaltsame, das sexuelle Rätsel: The woman of my dreams, she never came along, the woman of my dreams, well – there never was one."

Für Sasha CAGEN, die in den USA eine neue Single-Bewegung ins Leben gerufen hat, ist MORRISSEY gar ein typischer Quirkyalone.

RÜTHER, Tobias (2009): Der Rächer der Verklemmten.
Kaum ein Sänger hat so treue Fans, kaum einer wird so in Liebe und Hass verfolgt wie Morrissey. Mit seiner Band The Smiths hat er Songs zum Erwachsenwerden geschrieben, die sich wie Gedichte lesen. Seine eigene Biographie ist auch die Geschichte einer Emanzipation, wie sie wohl nur in der Popmusik möglich ist. Jetzt hat Morrissey ein neues Album aufgenommen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.02.

Tobias RÜTHER beschreibt u.a. die Zielgruppe von Morrissey zu Zeiten der Band The Smiths: "Noch vor seiner Popkarriere hatte er ein Buch über James Dean geschrieben, den er als Junge verzweifelt liebte. Aber wie Morrissey das Unerreichbare anbetete, wie er Ungeküsstheit als Zölibat ausgab: Das hat vor allem junge Außenseiter angezogen, die gar nicht keusch sein wollten, sondern ganz im Gegenteil ungeduldig darauf warteten, endlich mal zum Zuge zu kommen, es aber nicht kamen und deshalb Trost suchten in Liedern wie »How Soon Is Now« von den Smiths. »Da gibt es einen Club«, singt Morrissey in dieser Hymne von 1985, »wo du jemanden kennenlernen könntest, der dich wirklich liebt, und du gehst hin, und du stehst allein herum, und du gehst heim, du weinst und du willst sterben.«
      
  Wer aus diesem Club allein heimkommt und solche Zeilen hört, will natürlich auch sofort sterben. Oft war »How Soon Is Now« sogar eben noch in genau diesem Club gelaufen, wo dann die jungen Ungeküssten gemeinsam herumstanden und litten, o Gott, was für eine fürchterliche Veranstaltung, diese Pubertät.
      
  (...)
Und auch wenn Popmusik nicht viel auf Bücherschränke gibt: Bei den Fans von Morrissey werden darin sicher die gleichen Bücher stehen, »Der Fänger im Roggen« zum Beispiel, »Das Bildnis des Dorian Gray«, »Bonjour Tristesse«, »Siddharta« und »Des Menschen Hörigkeit«, Identifikationsbücher allesamt.
      
  Man könnte sagen, dass Morrissey und die Smiths dieses Kollektiv überhaupt erst geschaffen haben, und das ist wieder so seltsam an der Popmusik: Dass sie Menschen zusammenbringt, die sich mit ihrer Kompliziertheit und ihren Körperproblemen besonders individuell vorkommen, aber alle tragen sie Parka und Schuhe von Doc Martens und den Pony tief im umwölkten Gesicht, und alle singen sie im Chor: »Sixteen, clumsy and shy / That's the story of my life.« Es gibt Parolen für Menschen, die sich einzigartig und unverstanden fühlen? Wenn das keine Kunst ist!"
ME-Dossier: Morrissey & The Smiths
  • Neu:
    SAILER, Michael (2009): The More You Ignore Me, The Closer I get.
    Er war ein hoffnungsloses, depressives Kind der Arbeiterklasse. Kurz vor seinem 50. Geburtstag ist Morrissey der einzige und letzte echte Star der britischen Popmusik und ihr größtes Rätsel. Der Schlüssel zu seinem Erfolg, seinem Scheitern, seiner Zerrissenheit könnte in seiner Kindheit und Jugend liegen,
    in: Musikexpress, März

 
       
   

Years of Refusal (2009)
Decca/Universal Music

 
   
     
 

Stimmen zum Album

"Schlüsselsong »That's how people grow up«. Er beginnt wie der Klassiker »How soon is now« von The Smiths: Damals waren es aufheulende E-Gitarren, jetzt heult die verzerrte Stimme von Kristeen Young. Er habe seine Zeit verschwendet, sinniert Morrissey, indem er versuchte, sich zu verlieben. Das ist eigentlich nichts Neues, unerfüllte Liebe war schon immer eines seiner Hauptthemen, und doch hat sich etwas geändert. Morrissey sieht ein, dass er nicht der Nabel der Welt ist; auch andere Menschen haben Probleme, womöglich schwerwiegendere als die seinen. Der Narziss ist also weise geworden, milde mit sich selbst und der bösen Welt.

Auch das Plattencover, auf dem Morrissey ein halbnacktes Baby im Arm hält (...) steht laut eigenen Angaben für das sich Öffnen seines Herzens. Wie es scheint, hat Morrissey kurz vor seinem 50. Geburtstag seine Melancholie überwunden und seinen Frieden mit sich gemacht, auch wenn er sich zwischendurch noch aufbäumt."
(Franzixka Seyboldt in der TAZ v. 13.02.2009)

 
   
 
       
   

CD-Kritiken

WEGMÜLLER, Philip (2009): "Ich will zur Hölle fahren".
Nach vielen düsteren Alben schlägt der britische Melancholiker Steven Patrick Morrissey mildere Töne an,
in:
Neue Zürcher Zeitung am Sonntag v. 08.02.

FRANK, Arno (2009): Das Denkmal atmet.
Morrisseys neuestes Album ist kein Alterswerk - es rockt,
in: Die ZEIT Nr.8 v. 12.02.

ROTIFER, Robert (2009): Doch noch Hoffnung im modernen Leben.
Auf seinem neuen Solo-Album "Years of Refusal" stellt Morrissey sich Fragen der Sterblichkeit,
in: Berliner Zeitung v. 13.02.

SEYBOLDT, Franziska (2009): So wird man erwachsen.
Nach drei Jahren der Entbehrung erscheint Morrissey auf seinem neuen Album "Years of Refusal" mit einem Baby im Arm,
in: TAZ v. 13.02.

 
       
   

Saint Morrissey (2004)

 
   
     
 

Pressestimmen

"The singer Morrissey grew up in the Stretford area of Manchester. His mother was a librarian. ('I was born in Manchester Central Library,' he later said. 'The crime section.') His father is the usual mystery: he liked football and appears not to have been close to his football-ignoring son. He got divorced from Morrissey's mother when the singer was 17 and was later rumoured to ring radio stations insisting on his estranged son's Irishness. Morrissey was a lovelorn fan of Oscar Wilde and James Dean, Elsie Tanner and the New York Dolls, and he appears to have made something of an art out of moping around the house in a melancholy, jobless, big-cardiganed way, dreaming of a wonderful romance involving himself and every image he ever cared about, dispensing epigrams over the bannister while his mother got busy with the Findus Crispy Pancakes. Morrissey wallowed in thoughts of Northern oppressiveness and delighted in ambitions of escaping it: he was every character in Shelagh Delaney's A Taste of Honey, including the city, including the baby. If you take his word for it (and one tends to), his mission had already begun when a musician called Johnny Marr came knocking on his door asking him if he wanted to form a band."
(Andrew O'Hagan in der London Review of Books vom 04.03.2004)

 
     
 
       
   

Rezensionen

O'HAGAN, Andrew (2004): Cartwheels over Broken Glass,
in: London Review of Books v. 04.03.
 
       
   

The Smiths: The Queen is dead (1986)

 
   
     
 

Songtitel:

1 The Queen ist dead
2 Frankly, Mr. Shankly
3 I know it's over
4 Never had no one ever
5 Cemetry gates
6 Bigmouth strikes again
7 The boy with the thorn in his side
8 vicar in a tutu
9 There is a light that never goes out
10 Some girls are bigger than others

Songtext:

never had no one ever

"when you walk without ease
on these
the very streets where you were raised
i had a really bad dream
it lasted 20 years, 7 months, and 27 days
never had no one ever"

 
     
 
       
   

Morrissey im WWW

www.morrisseymusic.com
 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 02. Mai 2004
Update: 22. Juni 2015