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Jörg Rössel: Lebensstilforschung

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1968 geboren
    • 2011 Mitherausgeber von "Lebensstilforschung"
    • Professor für Soziologie an der Universität Zürich
 
       
     
       
   

Jörg Rössel in seiner eigenen Schreibe

 
   

RÖSSEL, Jörg (2003): Die Erlebnisgesellschaft zwischen Sozialstrukturanalyse und Zeitdiagnose,
in: Österreichische Zeitschrift für Soziologie, S.82-101

HOELSCHER, Michael  & Jörg RÖSSEL (2005): Eine städtische Unterklasse? Die sozialen Netzwerke räumlich konzentrierter, sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen. In: Petra Bauer and Ulrich Otto (Hrsg.): Mit Netzwerken professionell zusammenarbeiten. Weinheim & München: dgvt.

RÖSSEL, Jörg (2006): Kostenstruktur und Ästhetisierung.
Zur Erklärungskraft von Lebensstilen,
in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, S.453-467

RÖSSEL, Jörg & Gunnar OTTE (Hrsg.) (2011): Lebensstilforschung.
Sonderheft 51 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften

Neu:
RÖSSEL, Jörg & Michael HOELSCHER (2012): Lebensstile und Wohnstandortwahl,
in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Heft 2, Juni, S.303-327

 
       
   

Jörg Rössel im Gespräch

 
   

fehlt noch

 
       
   

Lebensstile und Wohnstandortwahl (2012)
(zusammen mit Michael Hoelscher)
In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Heft 2, Juni, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften, S.303 - 327

 
   
     
 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lebensstilforschung und Stadtsoziologie

3. Daten und Methoden

4. empirische Resultate

5. Zusammenfassung und Diskussion

Zitate:

Forschungsstand zu Gentrifizierung und Personengruppen

"Unter Gentrifizierung wird eine soziale und bauliche Aufwertung von Stadtteilen verstanden (für Definitionen: Zukin 1989; Dangschat und Blasius 1990; Friedrichs 1998). Diese findet typischerweise in innerstädtisch gelegenen Altbauquartieren mit einem gründerzeitlichen Baubestand und niedrigen Mieten statt, die vor Beginn des Prozesses häufig eine sozial schwache Bevölkerung aus Arbeitern, Ausländern und Älteren aufweisen. Im Prozess der Gentrifizierung drängen sukzessive Gruppen von neuen Bewohnern in das Viertel ein. Handelt es sich im ersten Schritt um Personengruppen wie Künstler und Studenten auf der Suche nach günstigem und attraktivem Wohnraum, so folgen im zweiten Schritt besser verdienende Bevölkerungsgruppen mit urbanen Lebensstilen und Haushaltsformen, also häufig unverheiratet zusammenlebende Paare ohne Kinder, die einen innerstädtischen Lebensstil pflegen wollen. Für diese zweite Gruppe ist das Viertel unter anderem auch aufgrund der Aktivitäten der ersten Gruppe attraktiv, die zur Ansiedlung interessanter Geschäfte, Galerien und Gaststätten auf der einen Seite und zur Renovierung zahlreicher Gebäude geführt haben. Die erstgenannte Gruppe wird in der Forschung häufig als Pioniere bezeichnet, während die zweite Gruppe zumeist als Gentrifier benannt wird." (2012, S.306f.)

Urbaner Lebensstil als urbane Kulturorientierung und hochkulturelle Ästhetisierung

"Häufig taucht (...) die These auf, dass bestimmte Lebensstilgruppen mit stark urbanen Lebensstilen die städtische Szenerie und ihre Wohnungen als Bühne für das Zelebrieren ihres Lebensstils verwenden (...). Dieser Mechanismus soll hier als urbane Kulturorientierung bezeichnet werden." (2012, S.307)

"Zweitens wird aber neben der Nutzung des räumlich situierten Kulturangebots als Gelegenheitsstruktur zum Ausleben des eigenen, urbanen Lebensstils auch auf eine verallgemeinerte ästhetische Dimension verwiesen (...). Die Diskussion knüpft hier insbesondere an Bourdieus Vorstellung an, dass die oberen Klassen sich durch eine ästhetische Einstellung auszeichnen, die es ihnen erlaubt nicht nur die Werke der legitimen Kultur (Hochkultur) unter ästhetischen Gesichtspunkten zu betrachten, sondern auch Produkte der Populärkultur, ja sogar Alltagsgegenstände zu ästhetisieren (Bourdieu 1982, S.80). Insofern sollten Personen mit einem hochkulturellen Lebensstil ihre Wohnung und ihren Wohnstandort nicht allein aufgrund des jeweiligen kulturellen Angebotes auswählen, sondern auch auf Grundlage der ästhetischen Merkmale von Wohnung und Wohnumfeld, also beispielsweise der Architektur, der planerischen Gestaltung und der Ausstattung der Wohnung oder des Wohngebäudes, also z.B. der Wohnungsgröße, Holzfußböden und Stuckdecken (...). Dieser Mechanismus soll hier als hochkulturelle Ästhetisierung bezeichnet werden." (2012, S.308)

Stadtteil in Leipzig mit zwei unterschiedlichen Quartieren als Untersuchungsgebiet

"Die empirische Studie geht zurück auf ein Lehrforschungsprojekt, das im Jahr 2002 in einem Stadtteil im Leipziger Westen durchgeführt und anschließend weitergeführt wurde. Es handelt sich hier also um eine Studie unter den spezifischen Bedingungen des ostedeutschen Wohnungsmarktes, der insbesondere für Personen mit einem mittleren bis höheren Einkommen ein ausgesprochenes Überangebot von Wohnungen ausweist (...). Im Vergleich zu anderen räumlichen Kontexten sind hier also eher starke Effekte von lebensstilbasierten Präferenzen erwartbar. Damit kann die Untersuchung aber zentral zur Klärung der Rolle von Lebensstilen bei der Wohnstandortwahl beitragen (...).
Im Rahmen des Projektes wurden in den Jahren 2002 und 2005 zwei schriftliche Befragungen von Personen in zwei ausgewählten Quartieren dieses Stadtteils durchgeführt. Die bisherige Forschung zu Segregation und Aufwertung in Ostdeutschland hat gezeigt, dass sich derartige sozialräumliche Prozesse typischerweise sehr kleinräumig entwickeln (...). Daher wurden zwei Quartiere ausgewählt, die sich jeweils um einen Straßenzug gruppieren und durch Verkehrsachsen und einen Fluss oder einen Kanal deutlich abgegrenzt sind. Es wurde ein Quartier berücksichtigt, das eine deutliche Aufwertungstendenz zeigt: Zentraler architektonischer Anziehungspunkt ist eine gründerzeitliche Textilfabrik, die aufwändig für die Wohnnutzung umgewidmet wurde. Das Quartier ist geringfügig näher an der Innenstadt als das andere Quartier, sodass die Einrichtungen der urbanen Hochkultur, die sich im Stadtzentrum befinden, leichter erreichbar sind. Zudem liegt es somit auch deutlich näher am städtischen Grüngürtel, der die Quartiere des Leipziger Westens vom Stadtzentrum trennt. Die umgenutzte Textilfabrik und der zentrale Straßenzug des ausgewählten Quartiers liegen unmittelbar an einem Fluss. Im Quartier selbst gibt es gewisse Hinweise auf die für Aufwertungsprozesse typische Infrastruktur, vor allem im Bereich der Gastronomie. (...). Darüber hinaus wurde über die Kneipen und Restaurants in diesem Quartier häufiger im Leipziger Stadtmagazin »Kreuzer« berichtet, sodass der Aufwertungsprozess auch nach außen sichtbar wurde. Hinweise auf Aufwertungstendenzen im Bereich des Einzelhandels gab es allerdings kaum. Das andere berücksichtigte Quartier wird durch einen Kanal begrenzt, der durchaus hohe Freizeitqualitäten aufweist. Allerdings waren weder im Bereich der Gastronomie noch des Einzelhandels Aufwertungstendenzen sichtbar. Es gab weniger Neubauten als im anderen Quartier und der Anteil nicht sanierter und unbewohnter Altbauten lag deutlich höher. Diese Unterschiede spiegeln sich auch in der Bevölkerungszusammensetzung der beiden Quartiere wider. Während in dem Quartier mit Aufwertungstendenz lediglich 6 % der Befragten arbeitslos waren, sind dies in dem anderen Quartier 20,4 %."
(2012, S.312f.)

Übereinstimmungen und Differenzen zwischen Mietwohnungsangebotsanalyse und Bewohnerbefragung

"Zweitens wurden vom Juli 2002 bis zum Juni 2003 Mietwohnungsangebote für die beiden Quartiere im Internet einer Inhaltsanalyse unterzogen. Dabei wurden alle Wohnungsannoncen für die beiden Gebiete erhoben und Informationen über die Lage, den Preis und die Ausstattung der angebotenen Mietobjekte erhoben. (...). Im Hinblick auf die betrachteten Wohnstandort- und Wohnungsmerkmale weisen die statistischen Analysen dieser Datenquellen übereinstimmend drauf hin (...), dass Wohnungen im Quartier mit Aufwertungstendenzen eine höhere Miete pro Quadtratmeter aufweisen als Wohnungen im Vergleichsquartier. Auch für den Balkon und den Holzfußboden als Ausstattungsmerkmale zeigen beide Analysen übereinstimmend, dass diese Merkmale zu einer höheren Miete führen. Dagegen kann nur mit Hilfe von Befragungsdaten gezeigt werden, dass Loftwohnungen typischerweise höhere Mieten aufweisen und dass Stuckdecken als Ausstattungsmerkmal keinen statistisch signifikanten Einfluss haben. Darüber hinaus kann generell unterstellt werden, dass der Gesamtmietzins mit der Größe der Wohnung ansteigt, die Analyse der Wohnungsangebote weist allerdings mit zunehmender Quadratmeterzahl auf einen sinkenden Quadratmeterpreis hin, während sich dieses Ergebnis in den Befragungsdaten nicht zeigt." (2012, S.315)

Der Einfluss des Lebensstils auf das Wohnen im Quartier und auf das Wohnen im Loft

"Das Wohnen im Quartier mit Aufwertungstendenz wird offensichtlich durch Determinanten aus allen betrachteten Variablengruppen geprägt. Erstens zeigt sich, dass in dieses innenstadtnähere und baulich attraktivere Quartier, das ein größeres Angebot an Freizeitmöglichkeiten aufweist, tatsächlich eher Personen mit einer Hochkulturorientierung und einer urbanen Kulturorientierung ziehen. Darüber hinaus wird diese Quartier aber auch von Personen mit Partnern, mit Kindern und von älteren Mietern vorgezogen. Schließlich hat auch das Einkommen einen starken Einfluss auf die Wohnstandortentscheidung. Die Ergebnisse für das Wohnen im Loft sind weniger vielfältig: Hier hat eine urbane Kulturorientierung nur noch einen auf dem 10%-Niveau statistisch signifikanten Einfluss, während sowohl das Einkommen als auch das Wohnen mit dem Partner für das Leben in einer solchen Wohnform relevant ist. Damit zeigt sich, dass die Lebensstile der befragten Personen durchaus einen Einfluss auf ihre Wohnstandortwahl haben, dieser ist aber für die Auswahl des Quartiers ausgeprägter als für das Wohnen im Loft. Insgesamt zeigt sich in diesen Resultaten auch, dass wir es in dem Quartier mit Aufwertungstendenz und in den Lofts nicht mit sogenannten Pionieren zu tun haben, sondern mit einer Personengruppe, die eher den sogenannten Gentrifier zugerechnet werden kann, die also einen Partner haben, zum Teil Kinder und über überdurchschnittliche Einkommen verfügen. Dies ist nicht zuletzt auf die eher anspruchsvolle Sanierung der Gebäude zurückzuführen, wie dies insbesondere am Beispiel der Loftwohnungen in einem umgenutzten Fabrikgebäude demonstriert wurde (...)." (2012, S.317)"

Einfluss der Lebensform (Haushaltszusammensetzung statt Partner- bzw. Kinderlosigkeit) auf die Wohnungsauswahl

"Analysiert man die Lebensform als Einflussgröße, so zeigt sich, dass Partnerhaushalte und Haushalte mit Kindern weniger Wohnraum pro Kopf zur Verfügung haben, Partnerhaushalte haben häufiger einen Balkon, Haushalte mit Kindern verfügen über alle betrachteten Ausstattungsmerkmale häufiger. Dies deutet darauf hin, dass der Bereich des Wohnens für Paare und Familien eine besonders hohe Relevanz aufweist, sodass eher Wohnungen mit einer anspruchsvolleren Ausstattung ausgewählt werden." (2012, S.318)

"Zweitens zeigt sich auch die Lebensform als überaus wichtig. Befragte mit Partnern oder mit Kindern unterschieden sich in ihrer Auswahl von Wohnungen und Wohnstandorten ausgeprägt von Singles." (2012, S.322) 

Fazit:

"Insgesamt zeigt sich (...), dass vor allem das Einkommen und die Lebensform das Leben in qualitativ hochwertig ausgestatten und großen Wohnungen prägt, weniger dagegen der Lebensstil." (2012, S.319)

 
     
 
       
   

Lebensstilforschung (2011).
(Herausgegeben zusammen mit Gunnar Otte
)
Sonderheft 51 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften

 
   
     
 

Klappentext

"Das Verhältnis von Sozialstruktur und Kultur gehört zu den zentralen Themen der Soziologie. Es wurde in Deutschland mehr als in anderen Ländern im Rahmen der Lebensstilforschung behandelt, die sich als eigenständiges Forschungsgebiet etabliert hat. In den letzten Jahren sind deren Erträge, aber auch Schwächen herausgestellt worden: Lebensstilansätze hätten sich als erklärungskräftige Ergänzung zu klassischen Sozialstrukturkonzepten erwiesen, seien aber in vielen Aspekten noch nicht hinreichend untersucht worden. Unklar seien die theoretischen Mechanismen, die für die Herausbildung spezifischer Lebensstile und deren Wirkungen verantwortlich seien. Diese Bilanzierung auf eine breitere Grundlage zu stellen und Defizite produktiv aufzugreifen, ist die Zielsetzung des vorliegenden Sonderheftes. Der Band ist darum bemüht, die deutschsprachige Lebensstilforschung für Beiträge der internationalen Forschung im Grenzgebiet von Kultursoziologie und Sozialstrukturanalyse zu öffnen."

     
 
       
   

Die Beiträge des Sammelbandes

Einleitung

OTTE, Gunnar & Jörg RÖSSEL - Lebensstile in den Soziologie

I. Theorien, Methoden und Anwendungspraxis der Lebensstilforschung

RÖSSEL, Jörg - Soziologische Theorien in der Lebensstilforschung
HARTMANN, Peter H. - Methodische und methodologische Probleme der Lebensstilforschung
GÖTZ, Konrad/DEFFNER, Jutta/STIEß, - Lebensstilansätze in der angewandten Sozialforschung – am Beispiel der transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung

II. Produktion und Diffusion von Lebensstilangeboten

DOWD, Timothy J. - Production and Producers of Lifestyles: The Fields of Popular and Classical Music in the United States
JANSSEN, Susanne/VERBOORD, Marc/KUIPERS, Giselinde - Comparing Cultural Classification: High and Popular Arts in European and U.S. Elite Newspapers, 1955-2005
GEBESMAIR, Andreas - Die kulturellen Konsequenzen der Globalisierung. Eine produktionsbezogene Perspektive

III. Entstehung und Entwicklung von Lebensstilen auf der Individualebene

SULLIVAN, Alice - The Intergenerational Transmission of Lifestyles
JACOB, Konstanze & Frank KALTER - Die intergenerationale Transmission von hochkulturellen Lebensstilen unter Migrationsbedingungen
EIJCK, Koen van - Vertical Lifestyle Differentiation: Resources, Boundaries, and the Changing Manifestations of Social Inequality
BAUR, Nina & Leila AKREMI - Lebensstile und Geschlecht
ISENGARD, Bettina - Die Prägung von Lebensstilen im Lebensverlauf: Eine alters- und kohortenanalytische Perspektive
SPELLERBERG, Annette - Kultur in der Stadt - Autopflege auf dem Land? Eine Analyse sozialräumlicher Differenzierungen des Freizeitverhaltens auf Basis des SOEP 1998-2008
KATZ-GERRO, Tally - Cross-National Cultural Consumption Research: Inspirations and Disillusions

IV. Bereichsspezifische Wirkungen von Lebensstilen

OTTE, Gunnar - Die Erklärungskraft von Lebensstil- und klassischen Sozialstrukturkonzepten
BLASIUS, Jörg & Jürgen FRIEDRICHS - Die Bedeutung von Lebensstilen für die Erklärung von sozial-räumlichen Prozessen
NAGEL, Ineke/GANZEBOOM, Harry/KALMINJN, Matthijs - Bourdieu in the Network: The Influence of High and Popular Culture on Network Formation in Secondary School

 
   

Jörg Rössel  im WWW

www.suz.uzh.ch/roessel.html

 
   

weiterführende Links

 
     
   
 
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 29. Juli 2012
Update: 29. Juli 2012