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Alexander Hagelüken: Das gespaltene Land

 
       
     
       
     
       
   

Alexander Hagelüken in seiner eigenen Schreibe

 
       
   

HAGELÜKEN, Alexander (2015): Flickwerk.
Samstagsessay: Immer mehr Mütter und Väter wollen arbeiten - und trotzdem Zeit mit der Familie verbringen. Geht aber oft nicht! Die deutsche Gesellschaft ist gerade dabei, eine Generation von Eltern zu zerreiben, die es anders machen möchte,
in: Süddeutsche Zeitung v. 13.06.

Alexander HAGELÜKEN kritisiert das Betreuungsgeld, Elterngattensplitting und Kindergeld. Mit Blick auf Frankreich plädiert er für mehr Kinderbetreuung und ein Familiensplitting. Schweden gilt ihm als Land der Gleichberechtigung, in dem nicht wie in Deutschland die Präsenzkultur in der Berufswelt dominiert.

HAGELÜKEN, Alexander (2015): Die Mittelschicht schrumpft.
Seit 1993 gibt es immer weniger Haushalte mit Durchschnittseinkommen - auch der gute Arbeitsmarkt verhindert das nicht,
in: Süddeutsche Zeitung v. 27.08.

"Immer weniger Haushalte der unteren Mittelschicht und der Unterschicht, darunter vermehrt Singles, könnten vom Lohn ihrer Arbeit leben - und das gleiche oft der Staat durch Transferzahlungen aus",

zitiert Alexander HAGELÜKEN den Beitrag Die Mittelschicht unter Druck von Gerhard BOSCH & Thorsten KALINA. Im IAQ-Report Nr.4/2015 heißt es dazu:

"Singlehaushalte und Haushalte mit nur geringer Erwerbstätigkeit sind vor allem in den unteren Einkommensschichten sehr verbreitet. Je weiter man die Einkommensschichten hinaufgeht, desto häufiger trifft man auf Haushalte mit mehr als einem Erwerbseinkommen". (S.7)

Die Autoren vergleichen jedoch keine Haushaltsformen wie HAGELÜKEN suggeriert, sondern Erwerbsmuster, die sie folgendermaßen unterscheiden:

"Mehrfachverdiener: >=2 Vollzeitstellen; Hinzuverdiener: 1 Vollzeitstelle + >=1 Teilzeitstelle; Alleinernährer: 1 Vollzeitstelle; Duale Teilzeit: >=2 Teilzeitstellen; geringe bzw. keine Erwerbstätigkeit: maximal eine Teilzeitstelle; Single: nur eine Person im Haushalt, Erwerbsumfang egal."
(Fußnote 4, S.7)

Während der Boomzeit der New Economy galten Singles als Yuppies, die angeblich besser verdienten als Familienväter, nun dagegen gelten Singles als Sozialfall. Weder das eine, noch das andere war zw. ist richtig, denn Einpersonenhaushalte sind keine homogene soziale Gruppe, sondern eine heterogene Restkategorie, die man je nach Mode missbrauchen kann.

HAGELÜKEN, Alexander (2015): Die Tücken des Booms.
Kommentar: Arbeite hat, dann geht es dir besser - das gilt nicht mehr ,
in: Süddeutsche Zeitung v. 28.08.

HAGELÜKEN, Alexander (2015): Viel für wenige.
Die reichsten zwei Prozent der Deutschen vererben ein Drittel des Geldes. Forscher sehen einen Trend zur Ungleichheit,
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.10.

Alexander HAGELÜKEN berichtet über eine Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) und von Stefan BACH u.a. (DIW) zur Erbengeneration. Es gehe um die Entlastung der Unter- und Mittelschicht (wie immer diese definiert ist), die durch die "kalte Progression" und die Mehrwertsteuererhöhung im Gegensatz zu "Einkommensstärkeren" stärker belastet wurden.

HAGELÜKEN, Alexander (2015): Eine zu simple Formel.
Ungleiche Einkommen: Ausreichend Wohnraum, Urlaub, erfüllte Wünsche. Dies Versprechen wackelt,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 03.11.

"Die deutsche Politik sollte sich nicht mehr auf die Formel zurückziehen, wonach Arbeit schon für ausreichend Gerechtigkeit sorgt. Dieses Rezept fällt zu simpel aus. Die Reformen der Agenda 2010 waren richtig, doch sie bedürfen nun einer Flankierung, die wieder für mehr Gleichheit sorgt", meint Alexander HAGELÜKEN.

HAGELÜKEN, Alexander (2016): Die Regierung verrät die Jungen.
Rente: Die Politik könnte vieles tun, zum Beispiel eine Pflichtberatung finanzieren,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 24.03.

Alexander HAGELÜKEN polemisiert gegen die Rente ab 63 und die Mütterrente. Für die Jungen hat HAGELÜKEN aber nur mehr private Altersvorsorge übrig:

"Es gibt viel, was sie Regierung tun könnte. Die private Vorsorge stärker fördern. Kostengünstigere, renditeträchtigere Produkte einfordern. Und Beschäftigten eine Pflichtberatung bei Verbraucherschützern finanzieren."

Anders formuliert: HAGELÜKEN hat für die Jungen nicht mehr als Placebos zu bieten, aber keine Lösung angesichts der Nullzinspolitik der EZB.

HAGELÜKEN, Alexander (2016): Für die Zukunft nur ein Torso.
Arm im Alter: Fair wäre ein System, in das alle einzahlen, auch Selbständige und Staatsdiener,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.04.

Alexander HAGELÜKEN nutzt ein Statement des DGB-Chefs Reiner HOFFMANN, um angeblich neue Argumente in die Rentendebatte einzuführen, aber viel mehr als die Wiederholung der Argumente vom 24. März ist nicht dabei herausgekommen. Bekanntlich ist die mantrahafte Wiederholung der Versuch den Leser vom Selberdenken abzuhalten. Tausendmal gehört? Muss wohl was dran sein!

Einzig die Forderung nach einer Bürgerversicherung, umschrieben als Einbeziehung der Selbständigen und Staatsdiener, findet sich neu bei HAGELÜKEN, wurde aber gerade auch erst im aktuellen Cicero-Heft gefordert.

Witzig ist es, wenn HAGELÜKEN andere dazu auffordert, sich aus ihren "Meinungsgräben" zu bewegen. Dann kann wenigstens HAGELÜKEN in seinem Meinungsgraben sitzen bleiben.

HAGELÜKEN, Alexander  (2016): Reiche und andere.
Samstagsessay: Ungleiche Verhältnisse lassen sich nicht einfach dadurch beseitigen, dass der Staat Geld umverteilt. Er muss auch dafür sorgen, dass die Benachteiligten faire Chancen bekommen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.10.

Alexander HAGELÜKEN erzählt uns die üblichen neoliberalen Bildungsmärchen. Längst ist Bildung kein Garant für Aufstieg, denn durch die Bildungsexpansion hat sich die Selektion vom Bildungssystem in die Berufswelt verschoben. Elitenforscher wie Michael HARTMANN sehen deshalb in der sozialen Herkunft die größte Hürde bei der Chancengleichheit in der Arbeitswelt und nicht im Bildungssystem. Dort suchen Personalchefs bevorzugt Ihresgleichen aus.

"Mittel- und Geringverdiener werden in Deutschland über Gebühr belastet. Weil ab dem ersten Euro voll Sozialabgaben abgehen, bleibt der stark gewachsenen Zahl der Niedriglöhner zu wenig übrig. Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent greift schon bei Mittelschichtlern zu, die knapp 5.000 Euro verdienen und damit weniger als das Doppelte des Durchschnitts",

erklärt uns HAGELÜKEN. In Ungleichheitsstudien wird jedoch nicht von Durchschnitt, sondern vom Medianeinkommen gesprochen. Außerdem ist es merkwürdig, dass in der SZ zwar bei der Debatte um die Altersarmut darauf insistiert wird, dass das Haushaltseinkommen entscheidend ist, während uns HAGELÜKEN hier den alleinstehenden Single präsentiert, weil dies verschleiert, dass die Akademikerschicht - und darum geht es bei dieser Einkommensklasse - meist verheiratet ist und Familie hat - also überproportional von Freibeträgen profitiert, die HAGELÜKEN verschweigt. Außerdem tut er so als ob Vermögende und Akademiker mit hohen Einkommen zwei verschiedene Sachen wären, tatsächlich profitiert die Akademikerschicht von der niedrigen Abgeltungssteuer genauso wie der Reiche.

Fazit: Es ist Verdummung, wenn HAGELÜKEN Geringverdiener und akademische Mittelverdiener in einem Atemzug zu den Opfern der Steuer- und Sozialabgabenpolitik stilisiert. Jene, die kein Vermögen aufbauen können, sind die wahren Verlierer der heutigen Politik - die obere Mittelschicht jedoch versucht sich zum Opfer stilisieren, obwohl sie sich als Verbündete der Oberschicht gegen die Interessen des Rests der Gesellschaft wendet. Sie obere Mittelschicht profitiert dabei von der Existenz einer "gefühlten" Mittelschicht, zu der sich auch jene zählen, die gar nicht gemeint sind, wenn es um Steuerleichterungen geht.

Wer wie HAGELÜKEN einerseits die Belastungen der Mittelverdiener reduzieren will und andererseits Vermögende stärker belasten will, der will uns weismachen, dass das zwei verschiedene Personen wären, obwohl es in Wahrheit ein und dieselbe Person ist. Wir haben es hier mit Spiegelfechtereien zu tun.

Die Streichung des Ehegattensplittings fordert HAGELÜKEN natürlich auch, aber er verrät uns nicht, wer davon wirklich profitieren würde.

"Das wäre keine Umverteilung im alten Stil. Es wäre keine pauschale Erhöhung von Sozialleistungen, die abhängig machen, wenn sie von der Aufnahme einer Arbeit abhalten",

erklärt uns HAGELÜKEN. Ist das vielleicht ein Plädoyer für die Rente mit 90? Mit mehr Netto-für-Brutto ködert uns HAGELÜKEN. Gerne, aber dann sollten die Arbeitgeber dafür zum Ausgleich höhere Sozialabgaben tragen.

HAGELÜKEN, Alexander (2016): Keine Zeit für Geschenke.
Das Versprechen, dass der Lebensstandard im Alter gesichert ist, löst sich in Luft auf,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 10.10.

Alexander HAGELÜKEN will Geschenke für die Finanzdienstleistungsbranche, weshalb er uns mit falschen Versprechungen ködert. Rentenlücke ist eine Wortschöpfung jener, die den Ausbau der Kapitaldeckung - und damit die Subvention der Finanzdienstleistungsbranche - verfechten. Die von Neoliberalen durchgesetzte Senkung des Niveaus der gesetzliche Rente wird uns als alternativlos gepriesen.

'Wer heute aus dem Beruf ausscheidet, lebt noch 20 Jahre. Also fast um die Hälfte länger als Senioren von 1960",

lügt uns HAGELÜKEN an. In Wahrheit leben die einen - nämlich die obere Mittelschicht - wesentlich länger als 20 Jahre, während die anderen - jene unterhalb der Privilegierten - wesentlich kürzer. Wer mit der durchschnittlichen Lebenserwartung argumentiert - oder alternativ dazu mit der Rentenbezugsdauer - der verschweigt uns die krassen Unterschiede bei älteren Menschen in Deutschland.

HAGELÜKEN stilisiert sich zum Anwalt jener

"Arbeitnehmer, die nach 2030 in den Ruhestand gehen - und jene Arbeitnehmer, die da noch arbeiten."

Dies sind nach heutiger Gesetzeslage die Geburtsjahrgänge 1964 und jünger. Für jene fordert HAGELÜKEN zum einen ein Mindestrentenniveau und zum anderen eine nicht näher benannte Obergrenze für die Beiträge. Zum Mindestrenteniveau wird HAGLÜKEN ein wenig konkreter:

"Die bisher vorgeschriebenen 43 Prozent sind eine Orientierung, mehr wäre gut".

Bei den Beiträgen wird HAGELÜKEN zum neoliberalen Dramatisierer:    

"Schon heute bezahlen ein Beschäftigter und sein Arbeitgeber bis zu 1.150 Euro im Monat in die Rentenkasse".

HAGELÜKEN geht es also keineswegs um die Arbeitnehmer, wenn er dessen Anteil von max. 575 Euro im Monat aufs Doppelte aufbläht, um dessen Belastung höher erscheinen zu lassen als sie tatsächlich ist. Die Beitragsbemessungsgrenze liegt im Westen derzeit bei 6.200 Euro Monatsbrutto. Verschwiegen wird uns, welchen Gegenwert in Form einer sicheren Rente jener angeblich zu stark belastete Beitragszahler erhält. Die Standardrente liegt 2016 bei ca. 1.340 Euro. Wer jedoch zu jenen gehört die ihr mit ihrem Einkommen an der Beitragsbemessungsgrenze liegen, beziehen eine weit höhere Rente und zwar lebenslang. Keine Kapitaldeckung ist in der Lage eine solche Rendite zu erwirtschaften. Nichtsdestotrotz jammert uns HAGELÜKEN die Ohren voll und fordert vier stabilisierende Maßnahmen:

"Zum einen sollte die Regierung die Riester-Rente durch Standardprodukte reparieren (...). Zum zweiten sollte(n) (...) auch Selbständige und Beamte einzahlen, die bisher keinen vergleichbaren Beitrag leisten. Zum dritten (...) länger (...) arbeiten (...) Und viertens (...) die (...) Rente mit 63 und Mütterrente (zurücknehmen)".

Der erste Vorschlag wird die Finanzdienstleistungsbranche freuen. Der zweite Vorschlag ist hinsichtlich der Beamten nicht durchführbar. Der dritte und vierte Vorschlag liegt wieder ganz im Interesse der Unternehmenslobbyisten. Ein Anwalt der Arbeitnehmer ist HAGELÜKEN also nicht, wenn man von den Interessen der oberen Mittelschicht absieht, die er bedient!

HAGELÜKEN, Alexander (2016): Mehr für die Mehrheit.
Populismus: Die besten Instrumente in dieser Zeit: gerechte Steuern, Entlastung der Mittelschicht,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 16.11.

"Es bringt nichts, die Unzufriedenen abzutun, wie es auch in Deutschland geschieht. Das beginnt mit der Verniedlichung ihrer materiellen Sorgen. (...). Ebenso wenig bringt es, Abstiegsängste zu verharmlosen",

erklärt uns Alexander HAGELÜKEN, nur um uns mit Etikettismus abzuspeisen:

"Große Vermögen und Erbschaften müssen wieder besteuert und Schlupflöcher für Firmen gestopft werden. Mit den Einnahmen lässt sich mehr Netto für Normalverdiener finanzieren: Weniger Steuern für die Mittelschicht und weniger Sozialabgaben für Geringverdiener. Dazu müsste die Politik mehr Tarifverträge allgemein verbindlich erklären und all die Mini- und Zeitweise-Jobs unattraktiver machen."

Solange uns HAGELÜKEN nicht erklärt, wer "Normalverdiener", "Mittelschicht" bzw. "Geringverdiener" ist, können wir uns aussuchen wer wir sein wollen - auch wenn Ihr gar nicht uns meint. Es ist diese heuchlerische Unschärfe der Begrifflichkeiten in unseren Mainstreamzeitungen, die verbergen sollen, dass sich hier die obere Mittelschicht eine Rhetorik zugelegt hat, die allein ihnen zugute kommt.

Was heißt z.B. weniger Sozialabgaben für Geringverdiener? Heißt das vielleicht mehr Angewiesenheit auf Grundsicherung im Alter? Oder heißt es noch mehr Entsolidarisierung der Besserverdienenden, die per Entgeltumwandlung die gesetzliche Rentenversicherung schädigen? Wir pfeifen auf Eure schönen Etiketten und halten uns stattdessen an die Fakten. Die Quittung erhaltet ihr mit Eurer Abwahl oder Entlassung. Wie lange glaubt Ihr eigentlich, könnt Ihr so weiter machen wie bisher? Der Absturz Eurer Auflagen ist Euch offenbar nicht Warnung genug.

HAGELÜKEN, Alexander (2017): Sozial, aber ganz anders.
Reich und Arm: Vom hart verdienten Lohn muss mehr übrig bleiben,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 10.03.

Alexander HAGELÜKEN stellt Forderungen, die man von der FDP und dem Bund der Steuerzahler kennt, also den Lobbyisten der Besser- und Spitzenverdiener. Der Sozialstaat soll dagegen auf die Armenfürsorge zurückgestutzt werden.

HAGELÜKEN, Alexander (2017): Boom ohne Boomer.
Samstagsessay: Die deutsche Politik ignoriert die Mittelschicht schon lange - gefährlich lange für die Demokratie. Bei der Bundestagswahl lässt sich das endlich ändern. Doch die Volksparteien zaudern,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.04.

Die Beiträge von Alexander HAGELÜKEN und Thomas STEINFELD ergeben zusammen ein Bild dessen, wer zur Zielgruppe der SZ gehört. Während HAGELÜKEN die Mittelschicht definiert, diffamiert STEINFELD den Begriff der Arbeiterklasse.

"Wer zur Mittelschicht gehört, wird unterschiedlich definiert. Die engere Definition reicht von jenen, die etwas weniger des mittleren Einkommens in Deutschland verdienen bis zu jenen, die eineinhalb Mal so viel verdienen. Für Singles heißt das: Etwa 1.500 bis 2.500 Euro netto im Monat. Für eine Familie mit zwei Kindern 3.000 bis 5.500 Euro im Monat. Da fallen Facharbeiter genauso darunter wie Lehrer, Sachbearbeiter und Ingenieure",

erklärt uns HAGELÜKEN, der sich damit die Definition der Arbeitgeberlobbyorganisation IW Köln zu eigen macht, die auch schon der Stern in einer Titelgeschichte verbreitet hat, nur dass er das verschleiert.

Die Mittelschicht definiert HAGELÜKEN jedoch nicht nur über das Einkommen, sondern auch über deren Vorstellungen vom guten Leben:

"Einmal zur Mittelschicht gehören, mit eigener Immobilie, Fernreisen in den Urlaub, Studium für die Kinder."

Während die FAZ aufgrund einer Studie der Arbeitgeberlobbyorganisation IW Köln von "ängstlicher Mitte" spricht, spricht HAGELÜKEN ökonomistisch von "Stagnierenden". Zudem steckt er ein hohes Politikziel, das er als gescheitert erklärt:

"Das Verspechen von zunehmendem Wohlstand, das die Mittelschicht genauso zufriedenstellte wie potenzielle Aufsteiger - es ist gebrochen."

Bezeichnenderweise wird der Begriff "Geringverdiener" erst im Zusammenhang mit dem Rechtspopulismus erwähnt. Das politische Programm, das zur neuen Größe der Mittelschicht führen soll, umreißt HAGELÜKEN folgendermaßen:

"Mehr Nettoeinkommen für breite Schichten, mehr Unterstützung für Familien, Aufstiegschancen, Perspektiven für die jüngere Generation."

Das ist vage genug, um möglichst viele anzusprechen: Dazu gehört die "Mehr Brutto fürs Netto"-Fraktion der Klientelpartei FDP genauso wie die Wählerklientel der restlichen etablierten Parteien. Das Feindbild ist die "paternalistische SPD-Sozialtradition", womit wir bei STEINFELD und der Diffamierung der Arbeiterklasse wären.

HAGELÜKEN, Alexander (2017): Mehr für die Mehrheit.
Kommentar zur Steuerreform: Manche Liberale wollen den Staat in der Badewanne ertränken,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 19.04.

Alexander HAGELÜKEN dämmert es inzwischen, dass seine bisherigen Steuersenkungsparolen zu sehr nach FDP und Neoliberalismus klangen, weshalb er nun die Reißleine zieht:

"Eine große Reform kann breite Schichten entlasten, ohne die wichtigen Aufgaben des Staates zu gefährden - wenn sie richtig angegangen werden",

verspricht uns HAGELÜKEN nun. Dumm nur dass die Sache einen gewaltigen Haken hat: Wer bestimmt, was "wichtige" und "unwichtige" Aufgaben sind? Dazu schweigt HAGELÜKEN. Auch wer "Hochverdiener" und wer "Geringverdiener" ist, definiert HAGELÜKEN nicht, weshalb sich der Leser sicher nicht als Hochverdiener angesprochen fühlen wird. Die Vorschläge sind zudem so vage, dass sich jeder sein eigenes Lieblingssteuersenkungsprojekt zusammenbastelt kann.

Fazit: Heiße Luft statt Information!

HAGELÜKEN, Alexander (2017): Einfach die Löhne erhöhen? Das allein hilft nicht.
Forscher rechnen vor, wie sich die Schieflage verändern lässt,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 20.04.

Alexander HAGELÜKEN berichtet über die unterschiedlichen Standpunkte der Ökonomen Gustav HORN (IMK) und Clemens FUEST (Ifo-Institut) zur Reduzierung der Leistungsbilanzüberschüsse in Deutschland. Während HORN in höheren Löhnen und mehr öffentlichen Investitionen eine Lösung sieht, will der Neoliberale FUEST nur die Rahmenbedingungen für private Investitionen verbessern.

HAGELÜKEN, Alexander (2017): Kinder oder Karriere.
Forscher weisen erstmals empirisch nach: Akademikerinnen entscheiden sich öfter gegen Nachwuchs als andere Frauen - weil sie Nachteile im Beruf fürchten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.12.

Seit über 20 Jahren ist die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen ein Forschungsthema. Nun will uns Alexander HAGELÜKEN glauben machen, dass es erstmals empirische Ergebnisse gäbe. Dies ist natürlich völliger Unsinn. Aber was tut man nicht alles, um Banalitäten groß aufzublasen? Dass es sich bei der vorgestellten Studie um eine Veröffentlichung des neoliberalen RWI-Institut handelt, sollte stutzig machen, denn das Institut beweist so ziemlich alles, wenn es den Interessen der Wirtschaft dient. So wird einmal verkündet, dass die Rentenversicherung der Sargnagel für die Geburtenrate war, nun also wieder einmal die mangelhafte Vereinbarkeit von Karriere und Kind. Dabei stellt die Untersuchung gar nicht auf die Karriere ab, sondern auf die Bildungsexpansion, was ganz etwas anderes ist. Der Titel des Arbeitspapiers lautet deshalb Fertility Effects of College Education: Evidence from the German Educational Expansion. Mit einer Angst vor Nachteilen im Beruf hat das erst einmal gar nichts zu tun. Dass der Bildungsstand an sich nicht für die Geburtenrate von Akademikerinnen verantwortlich ist, das wurde bereits vor längerem belegt.

Angeblich werden Kausalzusammenhänge aufgedeckt, was ebenfalls Unsinn ist, denn mit der Studie wurden keinerlei Motive erforscht, sondern lediglich Zusammenhänge auf der makroökonomischen Ebene aufgezeigt.

"Während 1963 erst fünf Prozent der Frauen an die Uni gingen, ist der Anteil heute so hoch wie bei den Männern. Parallel ging seit dem Zweiten Weltkrieg die Geburtenrate deutlich zurück: Von 1,8 auf heute 1,4 bis 1,5 Kinder pro Frau",

schreibt HAGELÜKEN. Dagegen heißt es bei Daniel A. KAMHÖFER & Matthias WESTPHAL von der Universität Paderborn:

"While only 5 percent of all women born in 1943 were enrolled in higher education in 1963, the number increased tenfold until the birth cohort 1972. After the baby-booming years succeeding World War II, the average number of births per women dropped from 1.8 to 1.5." (S.7)

HAGELÜKENs Übersetzung verfälscht die Aussagen der Wissenschaftler, die sich auf die Entwicklung der akademischen Bildung bei den Frauenjahrgängen 1963 und 1972 beziehen und nicht etwa auf den Frauenanteil an der Universität. Beides wäre nur identisch, wenn lediglich die Erstsemester betrachtet werden würden. Zum gegebenen Zeitpunkt 1963 studierten jedoch mehrere Frauenjahrgänge an der Universität. Außerdem ging die Geburtenrate nicht seit dem Zweiten Weltkrieg zurück, sondern erst seit 1965. Betrachtet wird sowieso nur Westdeutschland, d.h. die Entwicklung in Ostdeutschland wird gar nicht berücksichtigt. Die Autoren beschreiben ihr Sample folgendermaßen:

"For the purpose of our analysis we make use of the Adult Starting Cohort that covers individuals born between 1956 and 1986 in, so far, seven waves between 2007/2008 (wave 1) and 2014/2015 (wave 7)8, see LIfBi (2015). Starting with about 8,500 women, the final sample includes 4,300 women who (i) were educated in West Germany, (ii) are aged 40 or older, and (iii) have complete information in key variables." (S.15)

HAGELÜKEN behauptet in dem Artikel:

"Wenn Frauen studieren, reduziert das die Wahrscheinlichkeit um ein Viertel, dass sie Kinder bekommen."

Dagegen heißt es in der Studie:

"The key dimensions along which we analyze fertility are the extensive margin (probability of becoming a mother) and the intensive margin (number of children conditional on being a mother). (...). From the one-fifth of college-educated women about three-quarters have at least one child. For women without a college education, the share of mothers is about nine percentage points higher. Interestingly, once a woman decides to become a mother, the average number of children is almost the same for women with and without a college education (if anything, college-educated mothers have slightly more children). In other words, the main difference in the descriptives between college-educated and non-collegeeducated women is on the extensive rather than the intensive fertility margin." (S.16)

Oder anders formuliert: Von den untersuchten Akademikerinnen blieben 25 Prozent kinderlos, während von den untersuchten Nicht-Akademikerinnen nur 16 Prozent kinderlos blieben. Da jedoch in der Befragung viele Akademikerinnen nur 40 Jahre alt waren, bekommen also einige davon noch Kinder.(2014 haben die Jahrgänge 1974 und älter; 2015 die Jahrgänge 1975 und älter die 40 Jahres-Grenze überschritten. Die Aussagen beziehen sich also lediglich auf Akademikerinnen der Geburtsjahrgänge 1956 bis max. 1975.

Die Schlüsse, die die Autoren ziehen, lassen sich dagegen nicht nachvollziehen. Es ist mehr als gewagt von Durchschnitten darauf zu schließen, dass die Anzahl der Kinder im Gegensatz zur Kinderlosigkeit bedeutungslos sei. Dies gilt umso mehr, da die Entwicklung der Kinderzahlen nicht im Zeitverlauf dargestellt wird. Da sich die Geburtenrate von Akademikerinnen nachweislich gesteigert hat, ist die Analyse dahingehend kurzschlüssig.

Fazit: Zum einen verfälscht HAGELÜKEN die Darstellung der Studie, zum anderen ist die Analyse selber fragwürdig, weil lediglich Aussagen zum Gesamt der Frauenjahrgänge 1956 - 1975 getroffen werden. Dagegen hat sich die Lage dieser Akademikerinnen im Zeitverlauf verbessert. Dies wird ausgeblendet. Ob der Übergang zur Mutterschaft heutzutage noch das Hauptproblem ist, lässt sich mit der Studie nicht belegen, sondern bedürfte der Analyse der Kinderlosigkeit und der Kinderzahlen verschiedener Frauenjahrgänge.

Der Mikrozensus 2016 hat gezeigt, dass die Kinderlosigkeit von Akademikerinnen gesunken und diejenige der Nicht-Akademikerinnen gleich geblieben ist. In der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes hieß es dazu:

"Unter den 40- bis 44-jährigen Akademikerinnen war 2016 der Anteil der Kinderlosen mit 25 % um drei Prozentpunkte geringer als 2012 (28 %)."

Die Kinderlosigkeit der 40- bis 44-jährigen Nicht-Akademikerinnen liegt gemäß der Broschüre Kinderlosigkeit, Geburten und Familien dagegen weiterhin bei 20 %. Hinzu kommt, dass auch in den Altersgruppen 30 - 39 Jahre die Kinderlosigkeit zurückgegangen ist, d.h. das Erstgebäralter bei Akademikerinnen ist gesunken. Es muss deshalb gefragt werden, in wiefern die vorgestellte Publikation überhaupt noch relevant ist. Politische Ratschläge - wie HAGELÜKEN das gerne hätte - lassen sich aus der RWI-Publikation nicht ableiten, da ihre Ergebnisse offensichtlich für die Gegenwart wenig stichhaltig sind.

HAGELÜKEN, Alexander (2017): Beruf und Kinder.
Familienpolitik: Dein Job lohnt sich nicht, tönt der traditionelle Mann,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.12.

"Ein Studium reduziert die Wahrscheinlichkeit von Nachwuchs um 25 Prozent, haben Forscher herausgefunden",

behauptet Alexander HAGELÜKEN nochmals, was er bereits am 01.12. verkündete. Die zitierte Studie ist vor allem für Historiker relevant, aber nicht für die Politikberatung, denn die Frauenjahrgänge 1956 bis 1975, auf die sich die Aussage - zudem noch verfälschend - bezieht, sind für das gegenwärtige Geburtengeschehen weitgehend bedeutungslos. Bevölkerungswissenschaftler sehen das Ende der Gebärfähigkeit bei 50 Jahren erreicht, d.h. im Jahr 2017 hat der Frauenjahrgang 1967 seine endgültige Kinderzahl erreicht.

Das Statistische Bundesamt hat die altersspezifischen Geburtenzahlen für die Frauenjahrgänge bis 1971 in einer Datenbank aufgelistet. Im Jahr 2015 erreichte der Frauenjahrgang 1971 das Alter von 44 Jahren. Bis dahin ergibt sich eine endgültige Kinderzahl von 1,51 Kindern pro Frau dieses Jahrgangs. Der Frauenjahrgang 1968 erreichte bis zu diesem Alter nur eine Kinderzahl von 1,49. Die nach diesem Alter noch geborenen Kinder erhöhen die Geburtenzahl nur noch im Bereich der dritten Stelle hinter dem Komma. Die endgültige Kinderzahl des Frauenjahrgangs 1966 lag bei 1,52 Kindern pro Frau. Nach dem 45. Lebensjahr wurden gerade noch 2,8 Kinder pro 1000 Frauen geboren. Darunter dürften sich vor allem erste Kinder von Akademikerinnen befinden. Diese Zahl steigt zwar bei den jüngeren Frauenjahrgängen bislang weiter, hat aber auf das Geburtengeschehen und damit die niedrige Geburtenrate in Deutschland nur einen sehr geringen Einfluss.

Was die Kinderlosigkeit betrifft, so liegen mit dem Mikrozensus 2016 erste Ergebnisse vor, die jedoch aufgrund der mangelhaften Datenlage leider noch keine Rückschlüsse für das Jahr 2016 ermöglichen. Die Statistikämter berufen sich auf IV-Probleme und Umstellungen bei der Statistik. Aber auch die bereits vorliegenden Daten widersprechen dem, was HAGELÜKEN behauptet. Erst Recht gilt das für die Untersuchungen von Martin BUJARD u.a., die das Hauptproblem der niedrigen Geburtenrate zu Recht nicht bei der Kinderlosigkeit der Akademikerinnen, sondern beim Rückgang der kinderreichen Familien sehen. Dazu heißt es bei BUJARD & LÜCK 2015:

"Deutschland ist durch die Kombination aus hoher Kinderlosigkeit und einem geringen Anteil Kinderreicher charakterisiert. Der Effekt des Rückgangs kinderreicher Familien kann jedoch mit 66,6 % den Großteil des Geburtenrückgangs in der Bundesrepublik Deutschland erklären (Bujard/Sulak 2015). Zeitlich unterscheiden sich die Effekte: Während in der Anfangsphase der Rückgang der kinderreichen Familien fast alleine den Geburtenrückgang ausgelöst hat, war später, beim Vergleich der Kohorten von 1950 bis 1970, die Kinderlosigkeit der dominierende Faktor (ebd.; vgl. van de Kaa 1987)." (S.41)

Bei den Frauenjahrgängen der 1970er Jahre spielt die Kinderlosigkeit nicht mehr die Hauptrolle. Das gilt auch für die Akademikerinnen. Bei den Frauenjahrgängen 1967 - 1971 (45-49-Jährige) waren noch 127.000 Akademikerinnen kinderlos. Dagegen sind es bei den Frauenjahrgängen 1972 - 1976 (40 - 44-Jährige) nur noch 121.000 Akademikerinnen. Aus diesen Zahlen ergibt sich folgendes Bild:

Tabelle: Die Anzahl der Kinderlosen und Mütter (Nicht-Akademikerinnen / Akademikerinnen) der Frauenjahrgänge 1967 - 1976 im Jahr 2016
  Jahrgang 1967-1971 Jahrgang 1972-1976
in Tausend in % in Tausend in %
Gesamtzahl der Frauen 2.912   2.298  
Gesamtzahl der Nichtakademikerinnen 2.412 100,0 1.818 100,0
Anzahl der Mütter ohne Hochschulabschluss 1.943 80,6 1.450 79,8
Anzahl der Kinderlosen ohne Hochschulabschluss 469 19,4 368 20,2
Gesamtzahl der Akademikerinnen 500 100, 0 480 100,0
Anzahl der Mütter
mit Hochschulabschluss
373 74,6 359 74,8
Anzahl der Kinderlosen mit Hochschulabschluss 127 25,4 121 25,2
Quelle: Broschüre Kinderlosigkeit, Geburten und Familien, Tabellen 3.7 und 3.8; eigene Berechnungen

Während die Anzahl der Kinderlosen bei den Frauen ohne Hochschulabschluss steigt, geht sie bei den Akademikerinnen zurück. Die Zahlen sind zwar scheinbar minimal, zeigen aber eindeutig, dass ein Studium keineswegs die Wahrscheinlichkeit um 25 % steigen lässt, denn der Unterschied in der Kinderlosigkeit beträgt zwischen Akademikerinnen und Nicht-Akademikerinnen lediglich rund 5 % und verringert sich sogar.

HAGELÜKEN hat die Aussage aus dem Kontext der Untersuchung gerissen. Nur im Kontext der speziellen Untersuchung und für die untersuchten Frauenjahrgänge sowie den betrachteten Faktoren hat die Aussage überhaupt Relevanz, nicht aber für das derzeitige Geburtengeschehen in Deutschland, das von den Frauenjahrgängen nach 1971 geprägt ist.

Vergleicht man das Geburtengeschehen von Gleichaltrigen im Zeitverlauf, dann werden die Unterschiede noch deutlicher (mehr hier).

Wie entscheidend sind überhaupt Akademikerinnen für die Geburtenentwicklung in Deutschland. Auch darüber gibt der Mikrozensus 2016 Auskunft. Denn auch in den jüngeren Frauenjahrgänge dominieren die Nicht-Akademikerinnen das Geburtengeschehen - allein durch die Anzahl der gebärfähigen Frauen.

Tabelle: Die Entwicklung des Anteils der Akademikerinnen an den jüngeren Frauenjahrgängen
  Frauenjahrgang
1972 - 1976
Frauenjahrgang
1977 - 1981
Frauenjahrgang
1982 - 1986
Frauenjahrgang
1987 - 1991
in Tausend in % in Tausend in % in Tausend in % in Tausend in %
Gesamtzahl der Frauen 2.298 100,0 2.319 100,0 2.287 100,0 1.885 100,0
Anzahl der Nicht-Akademikerinnen 1.818 79,1 1.751 75,5 1.672 73,1 1.476 78,3
Anzahl der Akademikerinnen 480 20,9 568 24,5 615 26,9 409 21,7
Quelle: Broschüre Kinderlosigkeit, Geburten und Familien, Tabellen 3.7 und 3.8; eigene Berechnungen

Obwohl der Anteil der Akademikerinnen an der Gesamtzahl der gebärfähigen Frauen in den nächsten Jahren steigen wird, so wird das Geburtengeschehen dennoch hauptsächlich von den Nicht-Akademikerinnen geprägt werden. Ein Anstieg der Kinderlosen bei Nicht-Akademikerinnen ist deshalb auch in den nächsten Jahren gravierender für die Geburtenentwicklung in Deutschland. Da die Frauenjahrgänge 1987-1991 erst 25-29 Jahre alt sind, kann sich hier der Anteil der Akademikerinnen noch erhöhen.

Die altersspezifischen Geburtenziffern der Fachserie 1 Reihe 1.1, die im Juli veröffentlicht wurden, zeigen weitere Trends für die Zukunft auf. Bis zu den Frauenjahrgängen 1986 (Stand: Jahr 2014) liegen die altersspezifischen Geburtenziffern über jenen des Frauenjahrgangs 1971. Dieses deutet auf einen Anstieg des Erstgebäralters für diese jüngsten Frauenjahrgänge hin. Was dies für die fernere Geburtenentwicklung in Deutschland bedeutet, das wäre eine viel wichtigere Frage, die bei HAGELÜKEN jedoch keine Rolle spielt. 

Fazit: Die Akademikerinnen sind entgegen der Suggestion von HAGELÜKEN keineswegs für die Rentenentwicklung in Deutschland entscheidend. Weder droht wegen ihnen der Kollaps, noch sind sie die Rettung der Rentenversicherung.

HAGELÜKEN, Alexander (2018): Die Jungen müssen aufstehen.
Geschieht nichts, wird die nächste Generation zu viel für die Alterskasse zahlen müssen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.06.

Der Babyboomer Alexander HAGELÜKEN stilisiert den Krieg der Oberschicht und der oberen Mittelschicht gegen den Rest der Gesellschaft zum Generationenkonflikt. Dazu nutzt HAGELÜKEN die Propaganda der Arbeitgeberlobby zur Rentenpolitik, ohne jedoch die Herkunft seiner Argumentation zu nennen. Dass HAGELÜKEN nicht mehr zu bieten hat als die Anzeigenkampagne der INSM in den drei Leitmedien SZ/FAZ/Welt der oberen Mittelschicht schon am Mittwoch einflüsterte, sollte eigentlich zu denken geben!

Neu:
HAGELÜKEN, Alexander (2018): Hartz IV wird überschätzt.
Das deutsche Jobwunder der vergangenen Jahre hat andere Gründe, rechnet eine neue Studie vor - und nennt Möglichkeiten zur Verbesserung,
in: Süddeutsche Zeitung v. 18.06.

Der Artikel von Alexander HAGELÜKEN ist nicht wirklich ein Eingeständnis der Wirkungslosigkeit der Hartz-Reformen, sondern der Versuch kosmetische Korrekturen als grandiose Verbesserungen zu vermarkten. Die Maßnahmen, die gefordert werden - Erhöhung des Mindestlohns und Reduzierung der Sozialabgaben für Geringverdiener haben zudem mit der Hartz-Gesetzgebung im Kern gar nichts zu tun! Einzig die Forderung, dass jene die "länger Beiträge gezahlt haben" länger das höhere Arbeitslosengeld beziehen dürfen" zielt auf Veränderungen bei der Hartz-Gesetzgebung ab. Dies wird jedoch nicht mit irgendwelchen funktionalen Aspekten begründet, sondern mit einem Akzeptanzproblem bei der Bevölkerung.

 
       
       
   

Das gespaltene Land (2017).
Wie Ungleichheit unsere Gesellschaft zerstört – und was die Politik ändern muss
Knaur Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Deutschland driftet auseinander und die Kluft zwischen Reichtum und Armut wird größer: Gerade einmal 40.000 Super-Reichen gehört fast ein Fünftel des gesamten Volksvermögens. Vierzig Millionen Menschen dagegen besitzen fast nichts – oder nur Schulden. Arme sterben sogar 10 bis 20 Jahre vor den reichen Nachbarn. Vor allem aber gibt das dramatische Schwinden der Mittelschicht Anlass zur Sorge, denn sie hat das Land über Jahrzehnte dominiert und stabilisiert. Gesellschaftliche Ungleichheit geht auf Kosten des Wachstums, das hat die Wissenschaft mittlerweile nachgewiesen.
Alexander Hagelüken macht die Lage drastisch klar und zeichnet ein düsteres Bild von der Zukunft: Alters-Armut, sozialer Abstieg, politische Radikalisierung bei den Wahlen. Die Politik muss dringend handeln, so Hagelüken, sonst wird das Land nicht wiederzuerkennen sein. Hagelükens alarmierendes Debatten-Buch zeigt, dass nur ein neuer Gesellschaftsvertrag sozialen Frieden und Gerechtigkeit sowie Wohlstand für alle sichern kann."

 
     
 
       
   

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Update: 18. August 2018