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Andrej Holm: Gentrification in Deutschland

 
       
     
       
     
       
       
   

Andrej Holm in seiner eigenen Schreibe

 
   

HOLM, Andrej (2007): "Endstation Neukölln" oder "neuer Trendkiez"?
Zwischen Rütlischule und Landwehrkanal wird darüber diskutiert, ob in Nord-Neukölln Gentrifizierung stattfindet,
in: MieterEcho Nr. 324, Oktober

Andrej HOLM zeichnet zuerst den Zusammenhang zwischen eigenen Interessen, Partizipationsmöglichkeiten und Einschätzung des Gentrifizierungsprozesses anhand zweier Veranstaltungen im Berliner Reuterkiez (Kreuzkölln) auf:

"Die beiden Veranstaltungen (...) verdeutlichten, dass die Aufwertung nicht von allen Bewohner/innen gleichermaßen beurteilt wird. Ganz im Gegenteil, Gentrifizierung ist immer auch ein Ausdruck unterschiedlicher sozialer und ökonomischer Interessen - auch innerhalb der Ortsansässigen. Auf der ersten Veranstaltung (...) wurde überwiegend von den jungen Zugezogenen der klassische Widerspruch von Pionieren einer Gentrifizierung thematisiert, nämlich dass mit den eigenen Aktivitäten im Stadtteil letztlich die ökonomisch günstigen Existenzbedingungen zerstört werden (...). Die Positionen der Quartiersmanagementveranstaltung hingegen waren stärker von einem Nachbarschaftsbezug geprägt, der die eigene Karriere mit der schrittweisen Aufwertung des Wohngebiets verbinden will. Entsprechend unterschiedlich wurden die gleichermaßen beobachteten Veränderungen interpretiert. Dass bei beiden Veranstaltungen kaum Migrant/innen anwesend waren, obwohl sie einen großen Teil der Bewohnerschaft des Viertels ausmachen, verweist zudem auf die unterschiedlichen Partizipationsmöglichkeiten. Mit den Diskussionsangeboten zur Stadtentwicklung wurden nahezu ausschließlich diejenigen Bewohner/innen erreicht, die über eine akademische Bildung verfügen oder studieren und zudem keinen Migrationshintergrund haben.“

Um von Gentrifizierung sprechen zu können, müssen die ökonomische, soziale und kulturelle Dimension der Veränderung betrachtet werden. HOLM sieht in Kreuzkölln lediglich eine "Gentrifizierung im Wartestand", bei der noch nicht entschieden ist, ob es tatsächlich zu Verdrängungsprozessen kommt:

"Zusammenfassend kann die Situation in Nord-Neukölln vielleicht als eine Gentrifizierung im Wartestand bezeichnet werden. Sowohl ökonomisch, als auch sozial und hinsichtlich des Nachbarschaftscharakters können Anzeichen einer Aufwertung beobachtet werden. Ob sich eine tatsächliche Gentrifizierung mit ihren Verdrängungseffekten durchsetzen wird, ist vor allem davon abhängig, ob es in Zukunft gelingt, die sozialen und kulturellen Veränderungen in der Nachbarschaft von der wohnungswirtschaftlich gewünschten Aufwertung zu entkoppeln."

HOLM, Andrej (2008): Wohnungspolitische Auswirkungen der Hartz-IV-Gesetzgebung. In: Klute; Jürgen; Kotlenga, Sandra (Hrsg.): Sozial- und Arbeitsmarktpolitik nach Hartz. Göttingen: Universitätsverlag Göttingen, S. 43 – 60

HOLM, Andrej & Armin KUHN (2010): Häuserkampf und Stadterneuerung.
In: Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 3, März, S.107-115

HOLM, Andrej (2010): Gentrification und Kultur: Zur Logik kulturell vermittelter Aufwertungsprozesse. In: Hannemann, Christine u. a. (Hrsg.): Jahrbuch Stadtregion 2009/10, S. 64-82

HOLM, Andrej (2010): Die Karawane zieht weiter - Stationen der Aufwertung in der Berliner Innenstadt. In: Bacik, Cicek; Ilk, Cagla; Pschera, Mario (Hrsg.): Intercity Istanbul Berlin. Berlin: Dagyeli Verlag, S. 89-101

HOLM, Andrej (2010): Townhouses, Urban Village, Car Loft.
Berliner Luxuswohnanlagen als "dritte Welle" der Gentrification.
In: Geographische Zeitschrift, Heft 2, S. 100-115

HOLM, Andrej (2010): Rette die Stadt.
Ob in den Städten die Logik des Geldes herrscht, sollten nicht nur Anwälte und Künstler unter sich ausmachen. Denn die Debatte darf nicht kulturalisiert werden
in: Freitag v.
06.08.

Der Stadtsoziologe Andrej HOLM beschreibt den Wandel der Gentrifizierungsdebatte, in deren Verlauf der Begriff "Gentrifizierung" Karriere machte:

"Vor einem Jahr war die Welt des städtischen Protestes noch in Ordnung. Vielerorts gründeten sich Initiativen und mobilisierten gegen Großprojekte und den Ausverkauf der Städte. Begleitet wurden die Kampagnen von einem regelrechten Boom an Artikeln über steigende Mieten und Verdrängungsprozesse in den Innenstädten. Die überregionale Presse berichtete über unternehmerische Stadtentwicklungsleitbilder und die sozialen Auswirkungen der Immobilienwirtschaft. »Bionade-Biedermeier« wurde zum geflügelten Wort für die dominant-spießigen Lebensstile im Prenzlauer Berg, die Süddeutsche Zeitung befürchtete die »Vertreibung aus dem reichen Herz der Städte«, und beim Axel-Springer-Verlag notierte man: »Praktisch jede deutsche Metropole hat heute ihre Gentrifizierungsdebatte«. Der kritisch gefasste Begriff der Gentrification hat sich von einer Fachvokabel in die Überschriften emporgearbeitet. Selbst der Zusatz »Soziologen nennen das Phänomen« ist verschwunden. Die Kampagne gegen das MediaSpree-Investorenprojekt in Berlin oder die Aktivitäten des Recht-auf-Stadt-Bündnisses in Hamburg surften auf der populären Welle von Stadtkritik. Doch die Zeiten der freundlichen Protestporträts sind vorbei."

HOLM, Andrej (2011): Das Recht auf die Stadt,
In: Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 8, August, S. 89-97

HOLM, Andrej (2011): Kosten der Unterkunft als Segregationsmotor.
Befunde aus Berlin und Oldenburg,
in: Informationen zur Raumentwicklung, Heft 9, S. 557-566

 
       
   

Andrej Holm im Gespräch

 
   

ELTZEL, Birgitt (2012): Der Mittelstand unter Druck.
Andrej Holm (41) beschäftigt sich als Stadtsoziologe an der Humboldt-Universität mit der Gentrifizierung in Berlin. Den Zuzug am östlichen Stadtrand sieht er als Ausdruck der extremen Veränderungen auf dem Wohnungsmarkt,
in: Berliner Zeitung v. 03.02.

RACK, Jochen (2013): Kampfzone Gentrifizierung?
Die aktuellen Probleme von Stadtentwicklung und Wohnungsbau. Gespräch mit Andrej Holm, Michael Mönninger und Michael Voigtländer,
in:
DeutschlandRadio v. 25.10.

WEISSMÜLLER, Laura (2013): Die Stadt für alle - ein absurder Traum.
Als Stadtsoziologe fordert Andrej Holm mehr Auflagen in der Baupolitik - ein Gespräch über Gentrifizierung,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 03.12.

SCHNELL, Lisa (2013): "Ärmere Haushalte bleiben auf der Strecke".
Wohnen: Politik muss sich mehr um dauerhaft preiswerte Sozialwohnungen kümmern, findet Gentrifizierungsexperte Andrej Holm,
in:
TAZ v. 04.12.

Neu:
SCHMID, Florian (2014): Es geht um Verdrängung.
Im Gespräch: Die Latte-Macchiato-Mütter sollten nicht im Vordergrund stehen, wenn wir über Gentrifizierung nachdenken, sagt Andrej Holm,
in: Freitag Nr. 15 v. 10.04.

 
   

Andrej Holm in der Debatte

 
   

SUCHSLAND, Rüdiger (2010): No Sex in the City.
Schöner wohnen: Wie uncool ist die Kritik an der Gentrifizierung?
in: Telepolis v.
06.08.

 
       
   

Wir Bleiben Alle! (2010).
Gentrifizierung - Städtische Konflikte um Aufwertung und Verdrängung
Münster: Unrast-Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Gentrification, die Inwertsetzung bisher preiswerter Wohnviertel, hat sich zu einem ständigen Begleiter städtischer Veränderungen entwickelt und steht für die neoliberale Version kapitalistischer Urbanisierung. Sanierte Häuser und neue Gewerbenutzungen stehen nicht nur für einen Wandel der Stadt, sondern vor allem für steigende Wohnkosten, die Verdrängung ökonomisch Benachteiligter und die Durchsetzung neuer Sozialstrukturen in den betroffenen Quartieren. Weltweit lösen diese immobilienwirtschaftlichen Aufwertungsstrategien Proteste und Widerstand der bisherigen BewohnerInnen aus. »Wir Bleiben Alle!« Das Recht zu Bleiben, ist dabei eine zentrale Forderung vieler Stadtteilinitiativen. An internationalen Beispielen werden die Hintergründe und Wirkungsweisen städtischer Aufwertungsdynamiken ebenso nachgezeichnet, wie die Strategien von Stadtteilbewegungen und Anti-Gentrification Mobilisierungen."

Zitate:

Methodische Probleme der Verdrängungsanalysen:

1. Räumliche Stadtgebiete, zu denen amtliche Daten vorhanden sind, sind nicht identisch mit Quartieren mit Aufwertungstendenz

"Gentrification-Studien (stehen) regelmäßig vor der Schwierigkeit der empirischen (Un-)Messbarkeit von Verdrängungsprozessen. Ein oft gewählter Weg dazu ist die nachträgliche Rekonstruktion der Veränderungen in einem Stadtviertel auf der Basis statistischer Daten. Wie viele Auswertungen von komplexen Sozialdaten haben solche Analysen oft nur eine begrenzte Aussagekraft. Viele Daten werden beispielsweise gar nicht in den räumlichen Abgrenzungen der Aufwertungsprozesse erhoben, sondern richten sich nach statistischen Gebieten oder Postleitzahlbereichen." (2010, S.62)

2. Die amtlichen Wanderungsdaten können keine genaue Auskunft über Verdrängungsprozesse geben

"viele Studien (verweisen) auf die Wanderungsdaten der Landeseinwohnerämter. Hier werden jährliche Fort- und Zuzüge über die Kreis- oder Bezirksgrenzen ausgewertet. Für den Bezirk Prenzlauer Berg in Berlin etwa wurden für den Zeitraum 1990 bis 1999 über 264.000 Fort- und Zuzüge registriert - bei einer Bevölkerungszahl von 130.000 Einwohner_innen könnte dies rein rechnerisch als ein kompletter Austausch der Bevölkerung gedeutet werden. In der Realität gab es jedoch viele Haushalte, die bereits länger dort wohnten, denn die amtlichen Zahlen lassen nicht erkennen, wie viele der Umziehenden mehrfach im Untersuchungszeitraum umgezogen sind. Typisch für Wohnquartiere in der Nähe von Universitäten ist beispielsweise, dass viele Studierende für die Zeit ihres Studiums dort wohnen und nach dem Abschluss wieder fortziehen. Hohe Wanderungsdynamiken müssen also nicht zwangsläufig Zeichen für einen Bevölkerungsaustausch sein, sind wegen der Neuvermietungserhöhungen aber fast immer ein Indiz für steigende Mieten.
Eine weitere Schwierigkeit der Umzugsstatistiken besteht in der ausschließlichen Erfassung von Umzügen über die Kreis- und Bezirksgrenzen hinweg. Etliche Stadterneuerungsstudien zeigen jedoch, dass gerade viele von den Modernisierungsmaßnahmen Verdrängte versuchen, eine noch bezahlbare Wohnung in der Nähe ihres bisherigen Wohnortes zu finden. (...). Die Umzugsdaten geben uns also keinen verlässlichen Hinweis auf das Ausmaß von Verdrängungsprozessen". (2010, S.62f.)

3. Sozialstrukturdaten liegen häufig nicht für Quartiere mit Aufwertungstendenz vor

"Typische Versuche, Gentrificationsprozesse empirisch zu beschreiben, greifen neben den Umzugsstatistiken auf Sozialstrukturdaten, wie Einkommen, Bildungsstand, Haushaltsgrößen oder Berufszugehörigkeiten zurück. Auch dabei stellen die räumlichen Bezugsgrößen amtlicher Statistiken eine Quelle von Ungenauigkeiten dar." (2010, S.63f.)

4. Die Nichtberücksichtigung des sozialen Wandels führt zu Verzerrungen

"Eine weitere Schwierigkeit besteht in der Abgrenzung von gentrificationbedingten Veränderungen und allgemeinen Wandlungsprozessen in der Gesellschaft. So ist beispielsweise ein deutlicher Rückgang von Arbeiterhaushalten oder die Zunahme von Haushalten mit höheren Bildungsabschlüssen nicht nur auf Stadtteilaufwertungen, sondern auch auf gesellschaftliche Umbrüche wie den Übergang zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft zurückzuführen. Nachbarschaftliche Besonderheiten können daher nur selten in absoluten Zahlen, sondern müssen in Relation zu gesamtstädtischen Entwicklungen herausgestellt werden." (2010, S.64)

5. Sanierungsbegleitende Befragungen zu Wegzuggründen haben das Problem, dass nach Sanierungsabschluss nur die Nicht-Verdrängten befragt werden können

"die spezifischen Ressourcen der Nicht-Verdrängten (...) zumindest zeigte, dass nicht nur Einkommen, sondern auch soziale und kulturelle Kompetenzen von ausschlaggebender Bedeutung für die Durchsetzung eigener Interessen in den Modernisierungsprozessen waren." (2010, S.64)

     
 
       
   

Beitrag von single-generation.de zum Thema

Gentrifizierung: Von Yuppies, Yetties, Bobos, digitaler Bohème, Nerds, Hipstern und Latte macchiato-Müttern - Eine Bibliografie der neueren Gentrifizierungsdebatte

 
   

Rezensionen

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Die Restrukturierung des Raumes (2006).
Stadterneuerung der 90er Jahre in Ostberlin: Interessen und Machtverhältnisse
Bielefeld:
transcript-Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Stadterneuerung ist immer politisch. Seit ca. 1990 haben sich wesentliche Koordinaten der Stadtpolitik verschoben: Im Dreieck von Raum, Macht und Sanierungspolitik vollzieht sich der Übergang von einer sozialstaatlichen zu einer postfordistischen Sanierungspolitik. Kennzeichnend dafür sind: die Ökonomisierung der Investition, die Flexibilisierung der administrativen Steuerung und die Individualisierung der Beteiligung. Am Beispiel der Ostberliner Sanierungsgebiete werden Wirkungsweise und Effekte einer neoliberalen Sanierungspolitik vor dem Hintergrund der Gentrification-Theorie detailliert beschrieben."

     
 
       
   

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Andrej Holm im WWW

www.social-science.hu-berlin.de/lehrbereiche/stadtsoz/mitarbeiterinnen/a-z/holm

http://gentrificationblog.wordpress.com

 
   

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Update: 03. Oktober 2015