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Bernd Ulrich: Die Wende zum Weniger gestalten

 
       
     
       
     
       
   

Bernd Ulrich in seiner eigenen Schreibe

 
   

ULRICH, Bernd (1992): Wie das warme Messer durch die Butter.
Reinhard Mohr entlarvt in seinem jüngsten Essay die Generation der 78er, eine Generation mit zu vielen Eigenschaften und zu wenigen Erfahrungen,
in: TAZ v. 01.09.

ULRICH, Bernd (2001): Generation ohne Grenzerfahrung,
in: Tagesspiegel v. 13.05.

ULRICH, Bernd (2001): Unser Atem - Von den Erfahrungen eines Vaters,
in: Tagesspiegel v. 17.07.

Bernd ULRICH berichtet anlässlich der Vorstellung der LBS-Studie von FTHENAKIS von seinen Vaterfreuden.  

ULRICH, Bernd (2002): Hehre Worte, leere Wiege.
Warum die Familienpolitik schlecht ist für das Kinderkriegen,
in: Tagesspiegel v. 08.03.

Die Kinderpolitiker blicken nach Frankreich, so wie Frankreich vor 100 Jahren nach Deutschland geblickt hat!

Der französische Journalist Jean-Claude GUILLEBAUD hat in seinem Buch Die Tyrannei der Lust den Geburtenwettlauf der beiden Nationen vom psychologischen Trauma der Franzosen ("der demokratische Schrecken") nach dem Krieg von 1870 bis zur "heiligen Union der Kinderfreunde" jenseits von Rechts und Links beschrieben. Während die Kirchen "Fruchtbarkeitsplädoyers" wie "Les Berceaux vides" ("Die leeren Wiegen") beisteuerte, schlug "der medizinische Diskurs apokalyptische Töne an".

Während damals jedoch Arbeiter und Soldat benötigt wurden, möchte ULRICH heutzutage die bevölkerungspolitische Offensive mit dem volkswirtschaftlichen Schaden des demografischen Wandels salonfähig machen. Eine solche Kostenrechnung ist jedoch hochspekulativ und unseriös. Der "demografische Wandel" soll sozusagen zum Synonym für das politische Problem an sich werden. Damit wird die Demografie aber zum "Mittel der sozialpolitischen Demagogie" (Christoph BUTTERWEGGE).

ULRICH möchte das Problem der Arbeitslosigkeit wegdefinieren. Denn eines ist offensichtlich: wenn man nicht die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sondern den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Familiengründung betrachtet, dann wird die Abhängigkeit der Geburtenentwicklung von der Wirtschaftspolitik sichtbar. Wer keine Arbeit findet, von der sich eine Familie ernähren lässt, dem nützt auch die beste Vereinbarkeitslösung nichts. Dies zeigt am besten der deutsche Osten: Es ist kein Zufall, dass dort die Geburtenrate in den 1990er Jahren weltweit die Niedrigste war, obgleich es dort eine wesentlich bessere Infrastruktur für Kinderbetreuung gab. Stattdessen redet man lieber moralisch korrekt vom westlichen Hedonismus.

Statt vom Zusammenhang zwischen Erwerbsquote und Geburtenrate, sollte über den Zusammenhang von Arbeitslosenquote und Geburtenrate geredet werden.

ULRICH, Bernd (2002): Familienpolitik gegen die neue Mitte,
in: Tagesspiegel v. 05.10.

Bernd ULRICH spricht aus, was der politische Kinderlosenbegriff der amtlichen Haushaltsstatistik verdeckt und worauf single-generation.de bereits gestern hingewiesen hat:

"Wenn das Ehegattensplitting gekappt wird, handelt es sich (...) in erster Linie um Umverteilung von Eltern zu Eltern. Selbst die regierungsoffiziellen Zahlen gehen davon aus, dass zu sechzig Prozent Eltern das Abschmelzen des Splittings bezahlen. Schöne Familienförderung."

Aber Eltern sind nicht gleich Eltern: Besserverdienende und die traditionelle Arbeitsteilung (seltener der Rollentausch, der deshalb meist unerwähnt bleibt) wird finanziell unattraktiver.  Der Kulturkampf zwischen der Alten Mitte (Bernd ULRICH und die CDU/CSU) und der Neuen Mitte (Rot-Grün) geht in die nächste Runde...

ULRICH, Bernd (2002): Ehe oder Familie.
Rote und grüne Probleme mit dem Splitting,
in: Tagesspiegel v. 07.10.

Bernd ULRICH formuliert das Dilemma der Koalition hinsichtlich der Änderung des Ehegattensplittings in Abhängigkeit der damit verbundenen  Zielsetzungen:

"Wird die Ehe nicht genügend geschützt? Dann darf man das Geld nicht allein von den kinderlosen Ehepaaren nehmen. Oder haben wir es mit einer sozialen Misere des unteren Mittelstandes zu tun? Dann ist die Untergrenze von 45 000 Euro viel zu niedrig. Oder ist der demografische Wandel, der Mangel an Kindern das Hauptproblem? Dann müsste ein reines Familiensplitting eingeführt werden, nach dem Motto: keine Kinder, keine Kohle".

ULRICHs eigene Präferenz liegt eindeutig bei letzterem, denn:

"Damit würde man in Karlsruhe landen. Und das dürfte ein interessanter Prozess werden".

ULRICH erhofft sich also vom BVG eine weitere familienhaushaltsfreundliche Entscheidung.

ULRICH, Bernd (2002): Familie ohne Ideologie.
Schwarze, Grüne und Rote pflegen gegenüber Menschen mit Kindern ihre Vorurteile,
in: Tagesspiegel v. 08.10.

Bernd ULRICH will nicht mehr die Kämpfe der 1970er Jahre kämpfen. Dies wirft er den Parteien unisono vor. Nichtsdestotrotz kämpft er die 1970er-Jahre-Kämpfe selbst, wenn er wie Alice SCHWARZER die Gebärstreik-These aus der 1970er Jahre-Mottenkiste holt, um die Front vom "Kampf der Eltern gegen Eltern" alternativ auch "Familienpolitik gegen die neue Mitte" (Änderung des Ehegattensplittings) an die Front "Familien contra Singles" zu verlegen.

ULRICH, Bernd (2002): Auf dem Schleichweg zur Macht.
Katrin Göring-Eckardt könnte der Prototyp der neuen Grünen-Generation sein - morgen soll sie neben Krista Sager neue Fraktionschefin werden,
in: Tagesspiegel v. 15.10.

ULRICH stellt die grüne Kinderpolitikerin Katrin GÖRING-ECKARDT in altväterlicher Manier als sein "Mädchen" vor und betreibt nebenbei familienpolitische Identitätspolitik à la Edmund STOIBER. Die Grüne verkörpert ULRICHs Ideal einer konservativen Familienpolitikerin, die bei den Grünen für einen Generationenwechsel stehen soll:

"Kerstin Müller, die scheidende Fraktionschefin. Drei Jahre ist sie nur älter als Katrin Göring-Eckardt. Trotzdem wird für die unter dem Rubrum Generationswechsel geworben. Zu Recht. Denn Müller ist gewissermaßen die letzte 68erin. Sie hat es in den frühen 80ern immerhin noch geschafft, trotz ihrer Jugend in eine der absterbenden K-Gruppen einzutreten. Während Göring-Eckardt die erste Ganz-und-gar-nicht-68erin wäre, die den Posten bekleidet".

ULRICH macht keinen Hehl daraus, dass das Familienministerium für die Durchsetzung einer anderen Familienpolitik nur zweite Wahl ist, denn Familienpolitik wird überall gemacht, am wenigsten jedoch im dafür vorgesehenen Ressort. Dies zeigt sich auch an den gegenwärtigen Koalitionsvereinbarungen. Nur konservative Zeitungen wie die Welt sind daran interessiert, dass eine ihnen genehme Ministerin wie Renate SCHMIDT oder Katrin GÖRING-ECKARDT das Ressort zugeschlagen bekommt.

ULRICH, Bernd (2002): Wenn Männer zu sehr fühlen.
Bei der SPD gibt es sie nicht, bei den Grünen auch nicht, und bei der CDU ist sie einsam: eine Frau an der Spitze. Schuld daran ist nicht der übliche männliche Chauvinismus. Das hat der Konflikt zwischen Angela Merkel und Friedrich Merz gezeigt,
in: Tagesspiegel v. 18.12.

ULRICH, Bernd (2002): Schröders Strategie.
Die Wende zum Weniger,
in: Tagesspiegel v. 21.12.

Bernd ULRICH sieht den "Anfall von Sozialdemokratismus" überstanden und den Kanzler wieder auf Neue-Mitte-Kurs. Ein Rezept, mit dem das Gürtel-enger-Schnallen für alle jenseits der Neuen Mitte schmackhaft gemacht wird, hat ULRICH auch schon parat:

"In einer Gesellschaft, die sich ihrer Knappheit bewusst, die auf Verzicht eingestellt ist, wird Schmerz als unausweichlich, als schiere Wirklichkeit verstanden und nicht als Skandal."

Die Neue-Mitte Presse à la Tagesspiegel wird da tatkräftig Wahlhilfe leisten...

ULRICH, Bernd (2003): Auf die Deutschen wetten.
Warum sich Schröder und Fischer so schwer tun mit den sozialen Zumutungen,
in: Tagesspiegel v. 06.01.

"Sozialabbau auf breiter Front. Das alles ist unausweichlich"

heißt das Credo von Bernd ULRICH, der mit seinen Kumpanen aus den anderen Neue-Mitte-Zeitungen dafür Sorge trägt, dass die rot-grüne Regierung auf Sozialabbau-Kurs bleibt. Das Problem ist jedoch, dass der Sozialstaat nach Meinung von ULRICH die Funktion des "antifaschistischen Schutzwalls" innehatte. Diese Funktion müssen nach dem Ausfall des Sozialstaats andere Institutionen übernehmen. Der mündige Bürger z.B. oder eben die Medien...

ULRICH, Bernd (2003): Krise + Knappheit = Charisma.
Die Grünen suchen nach ihrer Rolle bei der Wende zum Weniger,
in: Tagesspiegel v. 10.01.

"Der Nachteil am Funktionieren ist (...) das Funktionärshafte. Die Grünen haben mit ihren Personalwechseln in Partei und Fraktion vorerst einen Charismaverlust erlitten.
            (...)
Unwichtig ist diese Frage nicht in einer Zeit, da die Politik nichts mehr zu verteilen hat, da Glaubwürdigkeit und Orientierung gefragt sind und derweil programmatische Unterschiede verwischen. Selbst wenn Joschka Fischer einen sozialdemokratischen Text spricht, was er oft tut, wirkt das trotzdem noch urgrün. Auch wenn Rezzo Schlauch Neoliberales von sich gibt, so hat man immer noch das Gefühl, hier redet ein Unverfärbbarer. Wenn hingegen Jüngere neoliberal sprechen, hören sie sich sofort an wie FDPler", mäkelt Bernd ULRICH.

ULRICH, Bernd (2003): Reaktionäre von links.
4,6 Millionen Arbeitslose - und sie verteidigen die Privilegierten gegen die Schwachen,
in: Tagesspiegel v. 06.02.

Bernd ULRICH nervt mit seiner Wende zum Weniger, die eine Wende zum falschen MEHR ist! Wäre es eine Wende zu weniger Neue Mitte, dann wäre es zu ertragen, aber es ist eine Wende zu mehr Neuer Mitte. Die Elite will sich nicht ändern. Damit sie so bleiben kann wie sie ist, muss Restdeutschland anders werden.

Der Clou der Besitzstandswahrer aus der Neuen Mitte ist die Neudefinition des "guten" sozial Schwachen:

"in der Tat ist die Gefahr groß, dass in diesen harten Jahren die Schwächsten durch den Rost fallen. Doch müsste diese Linke auf der Höhe der Zeit sich erstmal darüber verständigen, wer denn die Schwächsten sind. Rentner, Arbeitnehmer, Angestellte im öffentlichen Dienst sind es kaum – anders als die meisten Arbeitslosen jedoch, viele allein erziehende Mütter, Obdachlose, die Langsamen, viele Kinder, die Ungeborenen."

Lässt man das Blendwerk weg, dann liegt der Tenor auf den vielen allein erziehenden Müttern und den vielen Kindern, den Ungeborenen. Rentner wird dann zum Synonym für Kinderloser, während Arbeitslose vorwiegend allein erziehende Mütter sind, weil sie keinen Job finden und schnell obdachlos werden. Schon sind wird da, wo ULRICH eigentlich schon immer ist: beim Kampf der "Eltern" gegen "Kinderlose".

Schaut man genauer hin, dann wird jedoch klar: die allein erziehende Mutter ist nicht per se sozial schwach, sondern es gibt Yuppie-Moms wie Stella BETTERMANN und es gibt jene, die zwar allein erziehend sind, aber dennoch die Wohnung mit einem Partner teilen und rechtlich/finanziell sozusagen die Vorteile einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft nutzen,  während sie die Nachteile der gegenseitigen Verpflichtung ablehnen.

Gerade in der Festung Neue Mitte ist diese Spezies stark vertreten. Deshalb ist ULRICHs Anspruch ein Anwalt der sozial Schwachen zu sein, eine Halbwahrheit. Sozial schwach ist keine Eigenschaft einer spezifischen sozialen Gruppe wie Bernd ULRICH das nahe legt, wenn er z.B. Rentner und Alleinerziehende gegeneinander ausspielt. Sozial schwach sind ganz konkrete Menschen, die man sowohl unter Rentnern als auch unter Allein Erziehenden findet.

NIEJAHR, Elisabeth & Bernd ULRICH (2003): Gerechtigkeit.
In jedem von uns steckt ein Sozi. Er pflegt die Besitzstände und verweigert reflexhaft jede Veränderung. Die Sozialdemokraten in der SPD kann der Kanzler notfalls erpressen. Die Sozialdemokraten in uns muss er noch überzeugen. Schröder kann es schaffen,
in: Die ZEIT Nr.18 v. 24.04.

Elisabeth NIEJAHR  & Bernd ULRICH melden den Erfolg der Symbolanalytiker der Alten & Neuen Mitte:

"Die Flut von schlechten Daten in Wirtschaft, Haushalt und Bildung (...) haben die Mehrheit willig gemacht hinzunehmen, was der Kanzler Agenda 2010 nennt, ein Bündel unausweichlicher Sozialkürzungen".

(Diese Elitenstrategie der Dramatisierung hat Jedediah PURDY beschrieben) Bernd ULRICH hat bereits im Tagesspiegel seine Gerechtigkeitsvorstellungen vorgetragen. Ihm geht es um die
Neujustierung der Verteilungsfrage. Die Neue Mitte macht sich scheinbar zum Anwalt der "neuen" Randgruppen, um ihre eigenen Privilegien zu sichern. Denn damit sich die Eliten nicht ändern müssen, sollen die Nicht-Eliten die Zeche zahlen. Die oberflächliche Frontlinie beschreiben die Autoren folgendermaßen:

"Nicht dass der alte Verteilungskonflikt zwischen Kapital und Arbeit geradewegs zum Nebenwiderspruch geworden wäre. Aber andere, nicht minder bedeutsame Gerechtigkeitsfragen sind hinzugekommen – der Gegensatz zwischen Alten und Jungen, Familien und Kinderlosen, Einwanderern und Einheimischen, Jobbesitzern und Arbeitslosen".

Vorbild der Neujustierung ist die USA der Clinton-Ära:

"Die Zahl der Mütter mit College-Diplomen habe sich seit 1990 um 40 Prozent erhöht. Jede vierte Amerikanerin habe zum Zeitpunkt der Geburt des ersten Kindes mindestens den Bachelor-Grad erreicht",

schreibt SIEMON-NETTO. Elinor BURKETT hat in ihrem Buch Baby Boon die Diskriminierung von Kinderlosen in den USA beschrieben, denn sie müssen die neue Familienfreundlichkeit finanzieren. Dies wäre zu verkraften, wenn die Familienfreundlichkeit allen Familien gleichermaßen zu gute käme, aber es ist in erster Linie die
Gebt-mir-alles-Familie der Neuen Mitte, die von Kinderlosen finanziert werden soll. Diese Gebt-mir-alles-Familie lebt vorzugsweise als
Family-Gentrifier in den schicken Großstadtquartieren von Dienstleistungsmetropolen wie München, Frankfurt, Berlin usw.

ULRICH, Bernd (2003): Wenn Tatsachen putschen.
Schröder und Fischer könnten jetzt mehr verändern als je zuvor - wenn sie nur wollten,
in: Die ZEIT Nr.21 v. 15.05.

"Die Macht der Tatsachen hat den Kanzler aus seiner »Weiter so«-Bahn geworfen und neue Möglichkeiten geschaffen. Ist das schon die geistig-moralische Wende? Ob sie es wird, entscheidet sich in den nächsten sechs Monaten", lautet die Vorgabe von Bernd ULRICH.

ULRICH, Bernd (2003): Vertreibung aus dem Paradies.
Noch einmal will die Regierung mit neuen Schulden gute Laune machen. Eigentlich müsste die Botschaft lauten: Alle müssen sich einschränken - denn die Wende zum Weniger hat auch Vorteile,
in: Die ZEIT Nr. 28 v. 03.07.

ULRICH, Bernd (2003): Rente ist, wenn man trotzdem lebt.
Die Rürup-Kommission, die Zumutungen des Kanzlers und die Vorteile des Kinderkriegens,
in: Die ZEIT Nr.35 v. 21.08.

Bernd ULRICH glaubt erst gar nicht an die Wirksamkeit von Bevölkerungspolitik, aber dann soll sie wenigstens der Wirtschaft helfen:

"Wenn die Regierung ganz ehrlich wäre, dann könnte sie die Rentenkrise zu einer Wende nutzen, die selbst dann lohnend wäre, wenn sie die jungen Menschen nicht zum Kinderkriegen animieren würde. Eine neue, nicht bloß staubwürgende Demografiepolitik könnte am Ende auch das andere große Problem der Deutschen beheben helfen – die lahmende Wirtschaft".

Die FAZ hat das schon längst erkannt und rührt die Werbetrommel für die private Vorsorge...

ULRICH, Bernd (2003): Frau Merkel traut sich was.
Bisher hat die CDU-Vorsitzende sich inhaltlich nie festgelegt. Nur ihre Karriere verlief nach Plan. Nach ihrer Rede vom 1. Oktober ist alles anders. Merkel predigt radikale Reformen und wagt den Streit mit ihrer Partei,
in: Die ZEIT Nr.42 v. 09.10.

Bernd ULRICH, sieht sich auf seinem Weg, die Wende zum Weniger gestalten zu können, einen Schritt weiter. Dafür vermarktet er Angela MERKELs Vorstellungen zum Sozialstaat als "Thatcherismus mit menschlichem Antlitz".

ULRICH, Bernd (2003): Alle Deutschen werden Brüder.
Notwendig oder heikel? Das Volk versöhnt sich mit seinen Vergangenheiten - weil die Zukunft zum großen Streitfall wird,
in: Die ZEIT Nr.45 v. 30.10.

Damit die Deutschen den gegenwärtigen Sozialabbau schlucken, dürfen sie nun endlich deutsch und glücklich sein. Regisseure wie Leander HAUßMANN haben diese Marktlücke bereits benannt und der Ex-SDSler Klaus HARTUNG spricht ganz ungeniert von "Sozialnation", auf die nun eine "Bürgernation" folgen soll.

ULRICH, Bernd (2004): Jetzt sind wir dran.
Frank Schirrmacher schmiedet das "Methusalem-Komplott". Aber die 40-Jährigen sind keine Opfer, sondern Gewinner,
in: Die ZEIT Nr.19 v.  29.04.

  • Bernd ULRICH kocht einen Eintopf aus ein bisschen Martin SCHACHTs Die ewige Zielgruppe und zuviel 78er-Philosophie à la Reinhard MOHR, Matthias POLITYCKI und Tilman KRAUSE. Nicht zuletzt die Gestaltung der Wende zum Weniger. Heraus kommt leider nichts Stimmiges. Den 78ern als Zwischengeneration zwischen den 68ern und der Generation Golf fehlt die Masse, um jene Macht zu erlangen, die ihnen ULRICH andichtet. SCHACHT hat dagegen 78er und Generation Golf zur machtvollen Kaufkraftgruppe zusammengefasst. Die Generation Golf schickt ULRICH ins gemütliche Monopol-Abseits:

    "Nie waren sich die 68er und ihre ewigen Plagegeister, also wir, so nahe wie nach Erfindung der Generation Golf. Dann kamen Börsenkrach und Medienkrise. Die Jungunternehmer gingen Pleite, und seit dem 11. September 2001 sind wieder Ernst und Geschichte gefragt. Von dieser Wende hat sich die Generation Golf bis heute nicht erholt. Ihr Vormann Illies hat ein verspätetes Start-up-Unternehmen, eine Zeitschrift für Kunst, gegründet – eine mutige Entscheidung, aber auch ein Signal: Seine Generation hat den Kampf um das Zentrum der Gesellschaft und um die geistige Hegemonie vorerst aufgegeben. Dabei sein reicht ihr."

    Was an Bernd ULRICH gewaltig nervt, das ist der Versuch den demografischen Wandel als unabänderliche Tatsache darzustellen, der angeblich zum alternativlosen Handeln zwingt. Politik wird hier entpolitisiert, bzw. zur Sache einer verschworenen Elite stilisiert. Single-generation.de zeigt jedoch, dass bereits der demografische Wandel ein Mythos ist, der mit neuen Denkverboten einhergeht. Ach ja, es sollte ja um Frank SCHIRRMACHERs Methusalem-Komplott gehen. Den nimmt ULRICH jedoch nur zum Anlass um sein eigenes Süppchen zu kochen. Ganz unrecht hat er ja nicht, wenn er schreibt:

    "Frank Schirrmacher wirft sich namens unserer Generation in die Opferrolle. Und das zu einem Zeitpunkt, da das krasse Gegenteil der Fall ist. Die Mittvierziger werden gerade dominant. Sie erobern Machtzentralen und Multiplikatorenrollen, sie gehen in die Spitze und in die Breite. Mit einem Wort: Sie werden zur herrschenden Generation."

ULRICH, Bernd (2004): SPD und Unterschicht.
Viel fordern, wenig fördern,
in: Tagesspiegel v. 11.07.

Bernd ULRICH ist sich in seinem sozialpädagogischen Ansatz mit Paul NOLTE einig: "Rettet die Unterschicht – das wäre ein ganz neues rot-grünes Projekt. Ja, auch grün. Die Partei hatte immer schon einen erzieherischen Ansatz, nur meist gegenüber Menschen, die der Erziehung nicht allzu sehr bedürfen. Das ist heute bei einem Teil der Sozialhilfeempfänger anders. Da muss Zivilisation gepaukt werden, vom Stellen des Weckers über das Essen und das Fernsehen bis zur schlichten Höflichkeit. Auch das ist unabdingbar, will man den Ausgeschlossenen eine Chance auf Reintegration und Selbstbestimmung eröffnen."

Neu:
ULRICH, Bernd (2005): Warum habt ihr Angst vor mir?
Akademiker bekommen immer weniger Kinder. Sie sind keine Egoisten. Ihnen fehlt auch nicht das Geld. Sie haben bloß keinen Mut,
in: Die ZEIT Nr.8 v. 17.02.

Bernd ULRICH plädiert für Wahlfreiheit, aber leider nicht für die Wahlfreiheit zwischen einem Leben ohne Kind und einem Leben mit Kind, sondern seine Wahlfreiheit beschränkt sich auf die Art des Mutterseins. Frauen dürfen jetzt erwerbstätig sein, wenn sie Kinder haben oder sie dürfen Vollzeitmütter sein. Kinderlose gelten ihm stattdessen als mutlos. Die Medien machen ihm zu wenig Mut zum Kind und sind damit mitverantwortlich für die Kinderlosigkeit in Deutschland.

Keine Frage, in einem Land, in dem so viel Feindseligkeit gegen Kinderlose herrscht, sind nicht einmal gute Gründe gegen Kinder erlaubt. In einem Land, in dem Demografen wissentlich das Ausmaß der lebenslangen Kinderlosigkeit übertreiben, ist das nicht verwunderlich.

Im Jahre 2000 hat Herwig BIRG in einer Anhörung zur Änderung der Pflegeversicherung folgende Aussagen gemacht:

"Die jüngeren, nach 1960 geborenen Frauenjahrgänge in Deutschland bleiben zu einem Drittel zeitlebens kinderlos (...). Der hohe und weiter wachsende Anteil der Kinderlosigkeit ist der entscheidende Grund für den niedrigen, langjährigen Durchschnitt von 1,2 bis 1,4 Lebendgeborenen je Frau im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts. Bei den zwei Dritteln der Frauen unter den jüngeren Jahrgänge, die nicht kinderlos bleiben, entfallen 2,1 Kinder auf jeder Frau - eine unter mehreren Gesichtspunkten ideale Zahl."

BIRG plädiert deshalb für eine Politik gegen Kinderlose.

Diese Aussagen sind jedoch nachweislich falsch. Selbst innerhalb des Bevölkerungsinstituts belegen Zahlen von Gert HULLEN und Jürgen DORBRITZ, dass die Kinderlosigkeit der in den 1960er Jahren geborenen Frauen wesentlich niedriger liegt.

Herwig BIRG gehört vor einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss! Er hat das Ausmaß der Kinderlosigkeit wider besseres Wissen hochgespielt. Das Ergebnis ist eine Strafsteuer für Kinderlose. Die 68er - wie BIRG - bleiben ungeschoren, die Zeche zahlen die Jungen. Wie ist es möglich, dass dieser Wissenschaftler unwidersprochen falsche Zahlen verbreiten darf? Wo ist die Lobby der Kinderlosen?

 
       
   

Deutsch, aber glücklich (1997)
Eine neue Politik in Zeiten der Knappheit
Berlin: Alexander Fest Verlag
(als Taschenbuch 1999 im Fischer Verlag erschienen)

 
   
     
 

Klappentext

"Deutsch, aber glücklich - ist das ein Widerspruch? Gewiss. Wir haben uns daran gewöhnt, aus sehr viel Wohlstand relativ wenig Glück und Zufriedenheit zu ziehen. Bisher lag darin kein allzu großes Problem; schließlich wuchs der Wohlstand ja unablässig; das erleichterte. Jetzt aber sind die Zeiten überquellenden Reichtums vorbei. Nie wieder werden so viele Menschen so reich und so sicher leben wie in den westlichen Wohlstandsgesellschaften am Ende des 20. Jahrhunderts. Politiker und Bürger stehen vor einer völlig neuen Herausforderung. In Zukunft nämlich muss weniger Wohlstand genügen, um Sozialstaat und Demokratie zu erhalten - und um glücklich zu sein. Wie dies gelingen kann, zeigt Bernd Ulrich in seinem Buch."

Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Reden, die was kosten

Die Wende zum Weniger

Die neue Lage
Die letzten fünfzig Jahre - ein allzu bequemer Sonderfall
Globalisierung, Allgegenwart, Beschleunigung - Leben in einer Kugel
Grenznutzen und Grenzdenken - von Kopf bis Fuß auf Wachstum eingestellt

Die aktuelle Politik in der Sackgasse

Versprechen und Verschulden
Die knappe Ressource Glaubwürdigkeit
Arbeitslosigkeit - der Preis der Freiheit?
Reform und Realität - das Bonner Illusionsspiel
Wachstum und Streß - wessen Grenzen sprengt die Technik?

Regieren in Zeiten der Knappheit

Die neue Politik: vom Schleier zum Spiegel
Ende der Naivität - das Märchen vom armen, dummen Volk
Flüssiges Gemeinschaftsgefühl - jenseits des Nationalismus

Bürgersein in Zeiten der Knappheit

Der einzelne in der neuen Lage: bedrängt und befreit
Deutsch, aber glücklich - Reichtum im Schatten
Wachstum und Glaube - jenseits der Steigerung
Aussichten: Die Aufgabe des Westens und die Selbstbehauptung der Politik
Zum Schluß: Kanzler der Knappheit gesucht - Helmut Kohl zwischen alter Gewohnheit und neuer Lage

Stimmen zum Buch

"Bernd Ulrich, altersmäßig zwischen den beiden Generationen stehend, hat in Deutsch, aber glücklich sehr genau beschrieben, wie Politik aussehen könnte in Zeiten der Knappheit. Wir wissen, dass wir den Wohlstandszenit überschritten haben. Doch die Älteren müssen das erst noch kapieren. Und das, so weiß auch Ulrich, ist unwahrscheinlich, weil die Politik zurzeit ausschließlich von Menschen verantwortet wird, die gewohnt sind, Besitzstände fortzuschreiben und mehr zu verteilen, als eigentlich da ist. Und wenn die 68er-Generation in den Ruhestand geht, werden die Pensionskassen so belastet, dass noch weniger da ist." (S.218)
(aus: Florian Illies "Generation Golf zwei", 2003, S.218)

 
     
 
       
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 20. Oktober 2001
Update: 12. Juli 2015