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Christina Bylow: Familienstand: Alleinerziehend

 
       
     
       
     
       
   

Christina Bylow in ihrer eigenen Schreibe

 
       
   

BYLOW, Christina (2010): Es gibt keine ideale Mutter.
Die Gleichberechtigung ist in Gefahr, sagt die Philosophin Elisabeth Badinter. Ein Gespräch über die Rückkehr alter Rollenbilder, den Streit zwischen Kristina Schröder und Alice Schwarzer - und das Geheimnis einer jahrzehntelangen Ehe,
in: Magazin der Berliner Zeitung v. 27.11.

Elisabeth Badinter - Der Konflikt

BYLOW, Christina (2011): Niemand.
Die alleinerziehende Mutter ist ein Auslaufmodell. Auch wenn ihr das selbst vielleicht nicht bewusst ist. Und den Vätern erst recht nicht,
in: Magazin der Berliner Zeitung v. 16.04

"Als ich im Winter 2010 begann, ein Buch übers Alleinerziehen zu schreiben, war das Image alleinerziehender Frauen an einem Tiefpunkt angelangt. Im Januar 2010 charakterisierte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung unter dem Titel «Die Hätschelkinder der Nation» alleinerziehende, arbeitslose Mütter als raffinierte, vom Hartz-IV-System bevorzugte Existenzen und rückte sie in die Nähe von Sozialbetrug. (...) Im Sommer 2010 machte Henryk M. Broder im Tagesspiegel einen Lösungsvorschlag, herrlich ironisch, wie gewohnt. (...) Im Herbst 2010 ist es Thilo Sarrazin, der sich in seinem Bestseller »Deutschland schafft sich ab« über Alleinerziehende und ihre Kinder Gedanken macht",

beschreibt Christina BYLOW die Ausgangssituation, in der sie ihr Buch Familienstand: Alleinerziehend über Alleinerziehende in Deutschland schrieb. Hinweise fehlen dagegen über die Debatte um die verlassenen Macchiato-Mütter in der taz, stattdessen nur der Verweis auf Baka MISCHAs Pamphlet über die Feigheit der Frauen. Der Beginn des Angriffs auf die Alleinerziehenden datiert auf die Zeit der Durchsetzung der Agenda 2010. Beispielhaft ist dafür der Artikel Produktion und Reproduktion von Norbert BOLZ. Bereits vor dem Trittbrettfahrer Thilo SARRAZIN hatte Gunnar HEINSOHN die Sozialhilfemutter zur typischen Alleinerziehenden stilisiert. Oder wie es BYLOW formuliert:

"Die auf Sozialtransfers angewiesene alleinerziehende Mutter ist zum Inbegriff einer keineswegs homogenen Gruppe geworden. Dabei verdienen sechzig Prozent den Lebensunterhalt, wenn auch oft äußerst bescheiden, für sich und ihre Kinder weitgehend allein."

Zuvor hatten über ein Jahrzehnt lang Karrieremütter wie Stella BETTERMANN das Bild der Alleinerziehenden mit Büchern wie Mama Solo geprägt. Mit dem Umbau des Sozialstaats vom "fürsorglichen" zum "gewährleistenden" Staat ist die alleinerziehende Mutter jedoch wieder auf dem Weg zur abweichenden Lebensform. In diesem Sinne ist sie dann auch ein Auslaufmodell, denn auch die Unterhaltsgesetzgebung wurde geändert, wie BYLOW zusammenfasst:

"Auch die Unterhaltsrechtsreform setzte neue Vorgaben für das Experiment Familie. Die Reform schaffte den nachehelichen Unterhalt weitgehend ab. Gestärkt wurden die »Zweitfamilie« und die »Eigenverantwortung«. Das genuin westdeutsche Gespann aus Versorger und Gattin wird damit irgendwann aussterben. Die Gesetzgebung folgt dem Leitbild der egalitären Elternschaft. Das Prinzip »Einer zahlt, einer betreut« ist damit nahezu obsolet. Solange aber die »Sorgearbeit« - eigentlich ein schönes Wort - bei den Müttern bleibt, werden sie doppelte Einschnitte haben. Und nicht immer lassen die sich mit doppelten Freuden schönreden."

Ein grundsätzliches Problem mit Alleinerziehenden ist jedoch, dass der Begriff aus einer Zeit stammt, in der die lebenslange Ehe und das Zusammenwohnen der Eltern die Familienwirklichkeit prägte. Sowohl die moderne Arbeitswelt als auch das moderne Beziehungsideal sprengen diese politischen Vorgaben des amtsstatistischen Begriffs "alleinerziehend". Populäre Begrifflichkeiten wie "Patchworkfamilie" für "Alleinerziehende" mit neuem Lebenspartner sprengen die Haushaltsstatistik, insbesondere wenn beide Partner in verschiedenen Haushalten leben. Alleinerziehend ist nicht alleinerziehend, genauso wenig wie Single gleich Single ist.

BYLOW, Christina (2016): Is' was, Mutter?
Von Glück ist nur noch selten die Rede, wenn es um Kinder geht. Dafür um so mehr von den Lasten und Härten des Mutterseins. Ein kritischer Blick auf die neue Wut der Frauen,
in:
Berliner Zeitung v. 02.04.

Christina BYLOW kommt über einen mutterverachtenden Cabriolet-Fahrer, eine Prenzlauer Berg-Mutter, die nicht dort stillen durfte wo sie wollte zu gegensätzlichen Mutterbildern und den dazugehörigen Büchern. Ausgiebig würdigt sie das Buch Die Abschaffung der Mutter von Alina BRONSKY & Denise WILK. Sie stimmt ihnen bei der Diagnose einer Entmündigung und Marginalisierung der Mütter zu, sieht einen Wandel des Mutterbildes zwischen ihrer eigenen Generation und der jüngeren Generation:

"Als ich Mutter wurde, im Jahr 1999, gab es kein Elterngeld als Nahezu-Lohnersatz, kein Elterngeld plus (...), keinen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für unter dreijährige Kinder (...). Damals gab es keinen Beschäftigungsboom. Der Arbeitsmarkt brauchte und wollte die Mütter nicht, jedenfalls nicht in Vollzeit-Jobs. Heute sind sie gefragt. Aber ich glaube sie wollen nicht."

Beim Blick auf die Familienpolitik ergibt sich jedoch ein Dissens:

"Bündnisse entstehen so nicht, stattdessen werden falsche Feindbilder aufgebaut, die eine pragmatische Zusammenarbeit über ideologische Grenzen hinweg verhindern."

BYLOW beklagt den Rückzug der jungen Frauen aus der Arbeitswelt und die Ausblendung der wirtschaftlichen Abhängigkeit, die damit verbunden ist. Insbesondere die Ignoranz gegenüber den Problemen der Alleinerziehenden beklagt BYLOW, die dazu mehrere Bücher geschrieben hat:

"Die Vereinbarkeitsprobleme in Doppelverdiener-Haushalten sind verglichen mit denen Alleinerziehender sicher überschaubar",

wendet BYLOW mit Blick auf die "Rushhour-Eltern" der Mittelschicht, deren Probleme im Buch Die Alles-ist-möglich-Lüge von GARSOFFKY & SEMBACH beschrieben werden.

Die deutschen Bücher zu bereuenden Müttern ignoriert BYLOW ganz und arbeitet sich stattdessen an dem Buch der israelischen Soziologin Orna DONATH ab. Dies Art der Kritik konnte man bereits in der FAZ lesen:

"Gerade einmal 23 israelische Mütter hat sie befragt, eine schmale Basis für eine »Studie«, wie sie ihre Arbeit nennt",

giftet BYLOW. Dabei sind im Bereich der qualitativen Sozialforschung Interviews mit 23 Befragten oder sogar weniger durchaus üblich, gerade dann wenn es um explorative Forschungen handelt, d.h. Studien, die Neuland betreten, was für bereuende Mütter sicher zutrifft.

"Kinder sind im Zeitalter der Verhütung Folgen einer Entscheidung. Es ist meist ein schlechter, ganz und gar banaler Grund: Konformismus."

meint BYLOW. Gerade ist ein Artikel von Thorsten SCHNEIDER über Geburten aus geplanten und ungeplanten Schwangerschaften in der renommierten Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie erschienen. Offenbar ist unser Wissen über die Planung bzw. Nicht-Planung von Schwangerschaften mangelhaft. Konformismus als Ursache falscher Entscheidungen zu unterstellen, macht es sich jedenfalls entschieden zu einfach, zumal BYLOW lediglich die israelische und nicht auch die deutsche Situation betrachtet. BYLOW scheint zudem davon auszugehen, dass die Entscheidung für ein Kind allein von der Mutter getroffen wird, denn sonst müsste sie berücksichtigen, dass es auch Dissens zwischen werdender Mutter und werdendem Vater geben kann. Das wird jedoch weggewischt, denn BYLOW ist die ganze Debatte suspekt. Nicht die Frage der Familiengründung und deren Umstände interessieren BYLOW, sondern nur die Bedingungen der Mutterschaft ab der Schwangerschaft.

 
       
   

Christina Bylow im Gespräch

 
       
   

fehlt noch

 
       
   

Die verratene Generation (2014).
Was wir den Frauen in der Lebensmitte zumuten
(zusammen mit Kristina Vaillant)
Pattloch Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Ausgebildet – ausgebootet – abgespeist

Die Frauen der Geburtsjahrgänge 1955 bis 1970 – die Babyboomer – starteten als erste Frauengeneration Deutschlands mit einer guten Ausbildung und viel Elan in ein Leben, das ihnen gleiche Chancen und Rechte wie den Männern versprach. Heute, gut dreißig Jahre später, fällt die Bilanz längst nicht für alle positiv aus. Die Karrieren vieler dieser Frauen endeten abrupt, wenn sie Kinder bekamen. Anschließend war ihnen der erneute Zugang zum Arbeitsmarkt deutlich erschwert - und nach einer Scheidung trugen sie die finanzielle Verantwortung für sich und die halbwüchsigen Kinder. Heute sehen hunderttausende dieser Frauen der Altersarmut entgegen. Christina Bylow und Kristina Vaillant schreiben über die Diskriminierung der Babyboomer-Frauen in einer auf Sexiness gepolten Gesellschaft, über Rentenungerechtigkeit, die Entfremdung zwischen Männern und Frauen - und darüber, was diese Frauengeneration dennoch geleistet hat."

 
     
 
       
   

Rezensionen

SCHASCHEK, Sarah (2014): Die Babyboomerinnen in der Falle.
Geld: Ein neues Sachbuch zeigt nun, wie ungerecht das deutsche Steuer- und Rentensystem Frauen behandelt,
in:
Freitag Nr.11 v. 13.03.

SCHASCHEK bespricht das Buch Die verratene Generation von Christina Bylow & Kristina VEILLANT. Die beiden Frauen sind den Individualisierungsverheißungen von Ulrich BECK und seinen Adepten aufgesessen und fühlen sich nun betrogen. Ihre Verblendung durch den schönen Schein rechnen sie sich jedoch nicht selber an, sondern sind neidisch auf kinderlose, ledige Frauen, die sie als Gewinner der Sozialstaatsreformen sehen.

Jetzt befürchten die Autorinnen eine hohe Zahl von armen Babyboomerinnen im Alter. Aber wo waren die Autorinnen eigentlich, als die Rentenformel geändert und die Riester-Rente durchgesetzt wurde? Wo waren die Autorinnen als Susanne GASCHKE die Besitzstände derjenigen demografisch begründete, denen sie sowieso nicht zu nehmen waren? Aber die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme eingeübt wurde? Wo waren die Autorinnen als es gegen die Demografisierung sozialer Probleme hätte gehen müssen?

Zwei Jahrzehnte zu spät ist der Katzenjammer bei der Generation Laminat nun groß, denn alle Entwicklungen haben sich schon in den 1990er Jahren abgezeichnet. Aber damals war der Individualisierungsglaube gerade hip. Jetzt beklagen die Autorinnen die Liaison des Feminismus mit dem Neoliberalismus und bejammern die identitätspolitischen Folgen.

Die Autorinnen träumen von staatlich bezuschusster Teilzeitarbeit, währenddessen Deutschland Vorreiter bei der rigiden Ausdehnung der Lebensarbeitszeit ist. Die Ökonomisierung des Alters steht auf der politischen Agenda und die Babyboomerinnen sind als Speerspitze dieser Entwicklung mittendrin...

Während die Autorinnen sich noch an ihrem Individualisierungsglauben abarbeiten, setzt die Politik längst durch die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme Fakten. Aufwachen sieht anders aus!

SCHMOLLACK, Simone (2014): Weiblich, mittelalt, schwer vermittelbar.
Mitfünfzigerinnen: Die Durchleuchtung der Frau ist einen Schritt weiter. Jetzt haben sich zwei Autorinnen denen in der Lebensmitte genähert. "Die verratene Generation" heißt ihr Buch,
in:
TAZ v. 22.03.

"1964 wurden 1,51 Millionen Kinder geboren, so viel wie nie zuvor und nie wieder danach",

erklärt uns Simone SCHMOLLACK, die offenbar in einem Paralleluniversum zuhause ist, denn in Deutschland sind - selbst wenn man Ost- und Westdeutschland zusammenfasst - 1964 lediglich 1,35 Millionen Kinder geboren worden. Aber was interessieren Journalistinnen schon Fakten? Entsprechend rotzt sie die Besprechung nur so hin:

"Alles richtig, alles ausführlich recherchiert und alles genau belegt. Mit Studien, Expertenmeinungen und -erklärungen, mit Fallbeispielen und vielen Zahlen. Bylow und Vaillant legen eine Bestandsaufnahme vor, eine Art Frauenkanon, der im Regal vieler Bundestagsabgeordneter stehen sollte.
Nur: Werden die das Buch bestellen und lesen? Fraglich. Nicht nur die Frauen um die 50 haben sich arrangiert."

So wie die 1964 geborene SCHMOLLACK möchte man hinzufügen. Und wer so schlampig mit Zahlen umgeht wie SCHMOLLACK, dem wird man kaum glauben mögen, wenn sie dem Buch attestiert, dass "alles richtig" sei.

 
       
   

Das Buch in der Debatte

Neu:
NIEJAHR, Elisabeth (2014): Plötzlich arm.
Mütterrente: Die neue Rentenreform hilft den Falschen. Bedürftig werden Millionen Frauen sein, die jetzt noch arbeiten,
in:
Die ZEIT Nr.22 v. 22.05.

"Eine echte Reform muss die Rentner zur Kasse bitten", forderte Elisabeth NIEJAHR 1999. Das ist gelungen. Nun darf sie sich um die Altersarmut von Rentnerinnen aus der Babyboomer-Generation kümmern. "Die verratene Generation" fühlt sich betrogen. Die Mütterrente helfe da nicht weiter, meint NIEJAHR, sondern Gehalt statt Rente:

"Gerade Mütter, die wegen ihrer Kinder lange zu Hause geblieben sind und wenig in die Rentenkasse eingezahlt haben, wollen oft länger arbeiten. Die Rente ab 67 war für sie weniger eine Zumutung als ein Versprechen, eine Antwort auf die Rushhour des Lebens"

Warum war? Die Rente mit 67 ist immer noch Gesetz, daran ändern die Ausnahmeregelungen einer "Rente mit 63", die beschlossen werden sollen gar nichts.

 
       
   

Familienstand: Alleinerziehend (2011).
Plädoyer für eine starke Lebensform
Gütersloher Verlagshaus

 
   
     
 

Klappentext

"Leben in der Einelternfamilie eine provokante Gesellschaftsanalyse
- Ein kämpferisches Buch, das pointiert ein wichtiges Thema auslotet
- Selbstbewusst und engagiert gegen gängige Vorurteile
- Ein wichtiges Buch für alle Gremien in Politik und Gesellschaft, die sich mit der Zukunft von Familien befassen

Christina Bylow geht es in ihrem Buch um die Anerkennung einer Lebensform, die in den letzten 10 Jahren explosiv zugenommen hat. Ehe und Familie stehen unter besonderem Schutz des Staates Alleinerziehende dagegen nicht. Die Autorin beleuchtet alle Facetten dieser Lebensform, die weder wirklich wahrgenommen noch als gleichwertig anerkannt wird. Sie »unternimmt eine Reise in ein Land, das viele verurteilen, ohne es je betreten zu haben«.

Das an Zukunftsperspektiven, Ideen und Lösungswegen reiche Buch versteht sich als engagierter Anstoß zu einer Debatte, die noch immer mit Ideologie überfrachtet ist. Lebendig wird es durch Interviews sowohl mit politisch verantwortlichen Persönlichkeiten als auch mit Alleinerziehenden."

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Verantwortung ist schön, macht aber viel Arbeit. Warum Alleinerziehen weiblich ist
2. Restfamilie, Unfallmodell. Alleinerziehende als Risikogruppe in der heilen Familienwelt
3. Trennungsgründe

a) Innere Angelegenheiten. Wie sich Männer aus der Verantwortung stehlen

Väter auf der Flucht
Gen-Strategen
Reanimierung hat ihre Grenzen
Der alte Mann und das Mädchen
Mutterekel, Vaterangst

b) Äußere Angelegenheiten. Wie Politik und Mutterbild Familien implodieren lassen

4. Allein erziehen heißt nicht allein bleiben. Die Liebe - trotz alledem

Die Patchwork-Show
Vorsichtige Annäherungen
Die Liebe ist keine Versorgungsgemeinschaft
Abschied vom männlichen Universalgenie
Die Liebe hat ihre Zeit

5. Allein erziehen - gemeinsam leben. Wohnformen gegen die Isolation

Zurück zu den Eltern?
Patentlösung: Wohngemeinschaft?
Das LebensTraum-Haus oder die Macht der Muskel-Hypothek

6. Der Geld-Komplex. Arbeit, Betreuung, Unterhalt
7. Die Überleisterinnen. Vollzeitarbeit, Kinderbetreuung, kein Unterhalt
8. Alle Rechte - keine Sorge? Kinder als Spielball im Machtkampf der Eltern

Das neue Sorgerecht für unverheiratete Väter
"Das Kind zieht sowieso zu mir!"
Missbrauchsanschuldigungen als Waffe?
Antragsmodell oder Widerspruchsmodell?
Gegen ein automatisches Sorgerecht
Hebel im elterlichen Machtkampf
Wer keinen Unterhalt zahlt...
Die Grenzen der Vermittlung
Gewalt ist keine Bagatelle

9. Ausblick - In Zukunft getrennt vereint? Was Alleinerziehende bis dahin wirklich hilft

Zitate:

Die Verbreitung von Alleinerziehenden und ihre Diskriminierung

"Etwa 1,6 Millionen Menschen erziehen ihre Kinder in Deutschland allein. Neunzig Prozent davon sind Frauen, und es ist die arme alleinerziehende Mutter, die zum Inbegriff dieser Familienform geworden: ein Schreckensbild, das alles andere als Anerkennung auslöst. In jüngerer Zeit häufen sich die Diskriminierungen Alleinerziehender als defizitäre »Restfamilie«." (2011, S.6)

Berlin als Avantgarde

"Berlin ist die Hauptstadt der Alleinerziehenden, das stimmt. Jedes dritte Kind wächst in Berlin bei einem alleinerziehenden Elternteil auf. Aber Berlin ist kein Sonderfall, sondern Avantgarde. Hier zeichnet sich nur deutlicher als anderswo ein gesellschaftlicher Wandel ab, der sich seit Jahrzehnten in Deutschland vollzieht und der das Bild von Familie grundlegend verändern wird. Die Zahl der Alleinerziehenden in Deutschland stieg im Zeitraum von 1996 bis 2009 um 20 Prozent an: von 1,3 Millionen auf 1,6 Millionen. Das sind bundesweit 19 Prozent aller Familien mit Kindern. Berlin führt mit 32,2 Prozent, dicht gefolgt von Bremen und Sachsen. Schlusslicht ist Baden-Württemberg, aber auch hier sind es immerhin 14,7 Prozent. Der Mikrozensus des Statistischen Bundesamts, veröffentlicht am 29. Juli 2010, vermisst den gesellschaftlichen Umbruch detailliert. Neun von zehn Alleinerziehenden sind Frauen. Ihre Ausbildungs- und Altersmerkmale wurden im Juni 2009 im Wirtschaftsteil der »ZEIT« beschrieben: »Siebzig Prozent sind mindestens 35 Jahre alt, nur sechs Prozent sind jünger als 25. Auffällig ist, dass sich der Bildungsstand der alleinerziehenden Eltern kaum vom Rest der Bevölkerung unterscheidet. Elf Prozent von ihnen sind Akademikerinnen - kaum weniger als bei den Müttern, die mit einem Partner zusammenleben (13 Prozent). 23 Prozent der alleinerziehenden Frauen haben keinen Berufsabschluss - kaum mehr als bei den liierten Müttern (21 Prozent).«"
(2011, S.12)

Die Hartz-IV-Empfängerin als Inbegriff der Alleinerziehenden?

"Entgegen des seit Jahren festgeklopften Bildes der Alleinerziehenden als notorischer Hartz-IV-Empfängerin und ebenso raffinierter wie defizitärer Existenz, wie es im Januar 2010 in der FAZ nachzulesen war, verdienen immerhin 58 Prozent der alleinerziehenden Frauen das Geld für sich und ihre Kinder selbst. Sie sind deutlich häufiger in Vollzeit beschäftigt als Mütter in Kernfamilien: 42 Prozent der verheirateten oder in Partnerschaft lebenden Mütter. Dennoch sind alleinerziehende Frauen überdurchschnittlich stark von Armut bedroht. In Deutschland mehr als in anderen Industrienationen." (2011, S.12f.)

"Sarrazin lässt unbeachtet, was das Schreckensbild stört - nämlich jene 60 Prozent der Alleinerziehenden, die sich und ihre Kinder allein ernähren -, und greift sich gut 350 Seiten später die transferabhängige alleinerziehende Mutter unter der Überschrift »Fall I« heraus. Ein Mädchen ohne Hauptschulabschluss und Berufsausbildung, das früh Mutter wird und ihre finanzielle Lage von Kind zu Kind verbessert. (Übrigens sind nur 6 % der alleinerziehenden Frauen unter 25 Jahre alt.). Er folgert: »Zieht die Frau mit einem Partner zusammen, verschlechtert sich aus Gründen der Transferarithmetik der Lebensstandard. Das System prämiert das Fernbleiben vom Arbeitsmarkt und das Alleinerziehen, und es bestraft die traditionelle Familienstruktur.«

Die Vorstellung prämierten Scheiterns geht auf eine Formulierung des Münchner Volkswirtschaftsprofessors Hans Werner Sinn zurück. Sie findet sich in einem vieldiskutierten Artikel der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« (FAS) mit dem Titel »Alleinerziehende. Die Hätschelkinder der Nation« vom Januar 2010: »Die staatliche Unterstützung nimmt den Charakter einer Trennungsprämie an.« Alleinerziehende werden in diesem Artikel unter den Generalverdacht des Sozialbetrugs gestellt. »Hartz IV schafft nicht unbedingt Anreize, in eine Partnerschaft zurückzukehren«, so wird eine namenlose Sprecherin der Bundesanstalt für Arbeit zitiert. Die Autoren behaupten: »Eine alleinerziehende Hartz IV-Empfängerin wäre nicht nur dumm, sich offiziell wieder einen Partner zuzulegen. Es wäre auch unklug, wenn sie einen regulären Job annähme.« Der Kieler Sozialphilosoph Wolfgang Kerstin zeichnet am Ende des Artikels das schon bekannte Untergangsszenario: »Der Sozialstaat gleicht immer mehr einem totalitären Regime, das die Familien zerschlägt.« Aus solchen Quellen speist sich Sarrazins Konstruktion. Sie ist realitätsfern und boshaft." (2011, S.26f.)  

Geschlechterunterschiede beim Einkommen der Alleinerziehenden

40 Prozent aller alleinerziehenden Mütter lebt von Hartz IV. Mehr als die Hälfte der Mütter, 54 Prozent, mit kleinen Kindern hat ein Netto-Einkommen unter 1100 Euro monatlich. Zum Vergleich: Als pfändungsfreies Existenzminimum eines Erwachsenen gelten 990 Euro. Unter den alleinerziehenden Vätern mit kleinen Kindern haben nur 36 Prozent ein so geringes Einkommen. Die Zahl der alleinerziehenden Väter sinkt ohnehin kontinuierlich, 1996 waren es noch 13 Prozent, heute nur noch zehn Prozent. Alleinerziehende Väter betreuen vorwiegend ältere Kinder, was ihre Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt erleichtert." (2011, S.13)

Die vaterlose Gesellschaft ist ein Mythos

"Dass mit der Trennung das Kind zwangsläufig seinen Vater verliere, ist ein Mythos, den Familialisten ebenso aufrecht erhalten wie militante Väterrechtler. Wenn Väter tatsächlich aus dem Leben ihrer Kinder verschwinden, so liegt das zum größten Teil in der Verantwortung dieser Männer. Mögen sie »vaterentziehende Mütter« noch so sehr und medienwirksam zu Sündenböcken stilisieren - es sind Einzelfälle. Die meisten Kinder sehen ihre Väter nach der Trennung regelmäßig, oft entsteht sogar erst dann eine intensivere Beziehung zwischen Vater und Kind. Ausführlich belegt wird dies durch die große - und bisher einzige - Alleinerziehenden-Studie, die im Jahr 2001 erschien und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Auftrag gegeben worden war. Unter den 119 Ein-Eltern-Familien, die in einer qualitativen Untersuchung gefragt wurden, gab es nur eine Mutter, die den Kontakt zu ihrem in der Vaterfamilie lebenden Kind abgebrochen hatte. Sie war ins Ausland gezogen." (2011, S.30f.)

Das neue Unterhaltsrecht prämiert das Verlassen der Mütter

"Das Phänomen des Ersetztwerdens durch eine Jüngere ist uralt, war aber selten so salonfähig wie dieser Tage. Das neue Unterhaltsrecht macht es auch Männern aus mittleren bis unteren Einkommensschichten möglich, sich immer weiter zu »verjüngen«." (2011, S.48)

Die Patchwork-Lüge

Wo von Alleinerziehenden die Rede ist, fällt schnell das Wort »Patchworkfamilie«. Als leuchte den einsamen Alleinerziehenden in Gestalt der Flickwerkfamilie ein Licht am Ende des Tunnels. Patchwork - das sind aus Stoffresten zusammengesetzte Decken, und tatsächlich werden Kinder in diesen Patchworkfamilien mitunter wie Reste behandelt. Viele ehemalige »Scheidungskinder« können als Erwachsene davon erzählen: Sie mussten Zuwendung und Zimmer teilen, und im schlimmsten Fall wurden sie um ihr Erbe betrogen, weil die neue, idealisierte Frau des Vaters den Einkommensfluss geschickt auf sich und ihre Nachkommenschaft umgelenkt hatte. Es ist ein Modell, das den Erwachsenen oft besser gefällt als den Kindern. (...). Der Begriff der Stieffamilie, wie es früher hieß, ließ weniger Raum für Illusionen. Dank des märchenhaft schlechten Rufs der Stiefmutter war er selbst schon Warnung genug. (...).
Die Patchworkfamilie hingegen wischt jede genaue Betrachtung ihrer Machtverhältnisse mit einem Hauch von lässigem Zeitgeist weg. (...). Die Auftritte der prominenten Patchworkfamilien auf den People-Seiten der bunten Blätter geraten zu einem einzigen Schaulaufen mit dem Ziel, jede Frage nach der Realität zu ersticken. Dabei scheitert mehr als die Hälfte der Patchwork-Familien, eine Quote, die noch über den Scheidungsraten der ersten Familie liegt." (2011, S.61f.)

Der Partner außerhalb des eigenen Haushalts als Alternative zur Patchworkfamilie

"Die Liebe hat für viele alleinerziehende Mütter einen höheren Stellenwert als eine Versorgungsgemeinschaft. Nicht, weil sie glauben, dafür fände sich sowieso keiner mehr, sondern weil sie sich nicht in ein neues Geflecht aus zusätzlichen Pflichten einbinden wollen. Wenn sie wieder mit jemanden zusammenleben, dann nur, wenn sich das alte Muster nicht wiederholt. Zwei getrennte Wohnungen, Fernbeziehungen, Wochenend-Familien: In solchen Lebensformen fühlen sich viele Frauen wohler."

In Zeiten des Sozialdarwinismus wollen selbst Alleinerziehende nicht mehr arm sein

"Das Bild der armen Alleinerziehenden hat sich in der öffentlichen Wahrnehmung festgesetzt. Eine problembeladene Randgruppe, bedauernswert, aber zum Glück eine Minderheit. In einer Reihe mit Arbeitslosen, Behinderten und Migranten erschien das Porträt einer alleinerziehenden Mutter auf einer Plakat-Aktion der Diakonie. »Lass mich nicht allein«, steht über den Bildern. Ein solcher Hilferuf wirkt infantil in einer Zeit, die Unabhängigkeit zur höchsten Prämisse macht. Kann jemand, der zugibt, dass er sich allein und überfordert fühlt, in einer solchen Gesellschaft wirklich mit Empathie rechnen? Am Erfolg der sozialdarwinistischen Rhetorik vieler Politiker lässt sich eine andere Tendenz erkennen. Wer als Erwachsener nicht für sich sorgen kann - und das auch gar nicht will, wie es Sozialreformer unterstellen - wer also Transfer-Leistungen bezieht, wird nicht als respektabler Bürger der Gesellschaft anerkannt. Das ist keine neue und auch keine auf Deutschland beschränkte Erscheinung.

Einer der bedeutendsten Theoretiker dieser Zeit, der amerikanische Soziologe und Historiker Richard Sennett, gibt in seinem Buch »Respekt im Zeitalter der Ungleichheit« Einblicke in die Verflechtungen von Abhängigkeit, Schamgefühl und Anerkennung." (2011, S.94)

"In einem Kapitel mit dem Titel »Die Schande der Abhängigkeit« umreißt Sennett die Traditionslinie der Verachtung abhängiger Menschen in der politischen Philosophie von Kant bis hin zu den Reformern des Sozialsystems in heutiger Zeit. Im Hinblick auf das Bild alleinerziehender Frauen in Deutschland sind Sennetts Reflexionen und Schilderungen erhellend. Die lange Geschichte von Scham infolge von Abhängigkeit findet ihren Nachhall darin, dass alleinerziehende Frauen nicht als »arm« wahrgenommen werden wollen. Diese Haltung spiegelt sich auch in den Publikationen des Vereins alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) wieder.
(...).
Wer arm ist, oder auch nur dafür gehalten wird, muss sich schämen. Das hat viel damit zu tun, dass der Begriff aus dem Schicksals-Zusammenhang gelöst und dafür in einen Schuldzusammenhang gestellt wurde. In einen Topf mit den Armen geworfen zu werden, muss deshalb vermieden werden. Die angebliche »Wehrhaftigkeit« der finanziell autonomen Alleinerziehenden gegenüber den Abhängigen spricht für sich. Es ist fraglich, ob diese Abgrenzung - so sie denn überhaupt stattfindet - denen hilft, deren Existenz sich nicht leugnen lässt."
(2011, S.95f.)

Die Spannbreite schlechter Trennungen

"Bis zur egalitären Elternschaft sind noch einige Rollen-Muster zu überwinden (...):

Den Besuchsvater, der seine Kinder nur jedes zweite Wochenende sieht und seine Urlaube lieber mit der neuen Freundin verbringt. Die isolierte Mutter mit Kind als Restbestand einer Kernfamilie. Die eigenmächtige Mutter, die alles für sich allein will, auch das Kind. Den Fluchtvater, der Kind und Frau auf seinem Weg zu sich selbst und in die Welt hinter sich lässt. Die Unterhaltssäumigen, die Verantwortungslosen, die Manipulationsväter und -mütter."
(2011, S.151)

Politische Forderungen für eine gerechtere Gesellschaft

"1. Ein Steuersystem, das sich nicht an der Ehe, sondern an den Kindern orientiert.
2. Ein kostenloses Schul- und Kinderbetreuungsangebot, das von der Annahme voll berufstätiger Eltern ausgeht. Die qualifizierte Ganztagsschule hilft allen, auch Kindern, die aus anderen Gründen benachteiligt sind.
3. Eine Kindergrundsicherung, die am realen Bedarf eines Kindes orientiert ist. Die ALG II Regelsätze für Kinder reichen nicht aus.
4. Die Einführung von Mindestlöhnen; Frauen stellen den Großteil der Arbeitnehmer im Niedriglohnbereich.
5. Eine qualifizierte, flexible Kinderbetreuung, die Randzeiten der regulären Kinderbetreuung abdeckt, möglichst ohne langen bürokratischen Vorlauf.
6. Die Förderung von ehrenamtlichem Engagement wie Großelterndiensten, denn die wenigen vorhandenen Dienste weisen lange Wartelisten auf.
7. Die Förderung von bezahlbarem und durchdachtem Wohnraum für Alleinerziehende, um ihre Isolation zu verhindern.
8. Eine an der UN-Kinderrechtskonvention und an den Grundrechten orientierte Regelung von Sorgerechts- und Umgangsstreitigkeiten bei Gerichten und Jugendämtern. Das heißt auch Verzicht auf Zwangsmaßnahmen gegen Kinder (...).
9. Die bessere Integration alleinerziehender Frauen in den Arbeitsmarkt, auch nach längerer Pause. (..)
10. Flexible Arbeitszeiten für Eltern (...).
11. Eine wirksame Verfolgung von Verstößen gegen die Unterhaltspflicht.
12. Eine deutliche Heraufsetzung der Altersgrenze von Kindern, die über das Jugendamt Unterhaltsvorschuss beziehen. Die bisherige Altersgrenze von 12 Jahren stürzt Alleinerziehende und ihre Kinder, die von ausbleibenden oder zu geringen Kindesunterhaltszahlungen betroffen sind, häufig in existenzielle Not."
(2011, S.154ff.) 

 
     
 
       
   

Rezensionen

SCHMOLLACK, Simone (2011): Nicht defizitär, sondern autark.
Alleinerziehende: Frauen, die ihre Kinder ohne Mann großziehen, wollen kein Mitleid. Was sie wollen, ist gesellschaftliche Anerkennung, sagt die Autorin Christina Bylow,
in: TAZ v. 01.10.

Infos zu: Simone Schmollack - Autorin der Single-Generation

HIRSCH, Ingeborg (2011): Weder Heldin noch Leidensfrau.
Alleinerziehung - in Österreich zu mehr als 93 Prozent Frauensache - steht noch immer im Schatten eines traditionellen Familienbildes. Dabei kann es eine durchaus starke Lebensform,
in: Wiener Zeitung Online v. 14.10.

 
       
   

Die Alleinerziehenden in der Debatte

BOLZ, Norbert (2003): Produktion und Reproduktion.
Über die Entheiligung der klassischen Familie im rot-grünen Zeitalter,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.02.

"Höchste Wertschätzung genießt das berufstätige Paar mit ganztägig betreutem Kind. Dann folgt die alleinerziehende Mutter; sie ist die eigentliche Heldin des rot-grünen Alltags. Nun die Singles und die Dinks (double Income, no kids). Am unteren Ende der Werteskala rangiert die klassische Familie mit arbeitendem Ehemann und Mutter/Hausfrau", klagt Norbert BOLZ.

BRIGITTE-Dossier: Alleinerziehende Mütter

JOOSTEN, Astrid (2008): Alleinerziehend.
Wenn es um Gesetze, Geld und Gerechtigkeit geht, dann werden sie regelmäßig vergessen und verraten: Ein Skandal, wie die Gesellschaft alleinerziehende Mütter behandelt,
in: Brigitte Nr.3 v. 16.01.

AHNE, Petra (2008): Leben ohne Fallnetz.
Alleinerziehende haben die gleichen Probleme wie andere Eltern. Sie sind nur größer. Drei Begegnungen,
in: Magazin der Berliner Zeitung v. 28.06.

JANZ, Nicole (2009): "Wir sparten an Kleidung und Essen".
Michaela Huth, 45, ist alleinerziehende Mutter zweier Kinder. Die Kindergrundsicherung hätte der Familie einige Sorgen erspart, meint sie. Dass mehr Geld den Kindern nichts nütze, wie Kritiker der Grundsicherung meinen, hält sie für ein Vorurteil,
in: TAZ v. 16.04.

ZEIT-Thema: Wie allein sind Alleinerziehende?
Was Mütter (und Väter) leisten, die ihre Kinder ohne Partner aufziehen. Der Staat ist keine große Hilfe.

NIEJAHR, Elisabeth (2009): Alleinerziehend - allein gelassen.
1,6 Millionen Bürger ziehen ihre Kinder ohne Partner auf – und sind auf sich gestellt: Der Staat fördert lieber Ehepaare,
in: Die ZEIT Nr.24 v. 04.06.

NIEJAHR, Elisabeth (2009): "500 Euro, nein danke!"
Die Arbeitsforscherin Jutta Allmendinger erklärt, warum Mütter kein Geld brauchen, sondern Jobs,
in: Die ZEIT Nr.24 v. 04.06.

SCHWARZ, Patrik (2009): Unsere säumigen Väter.
Flüchtige Elternteile sollten von der Gesellschaft stärker zur Rechenschaft gezogen werden,
in: Die ZEIT Nr.24 v. 04.06.

SZ-MAGAZIN-Titelgeschichte: Eine Frau. Zwei Kinder. Und es reicht vorne und hinten nicht.
Das ganz normale Leben einer alleinerziehenden Mutter im Jahr 2009: die Geschichte einer einsamen Heldin

SCHNEIDER, Susanne (2009): Doppelbelastung.
Was läuft eigentlich schief in einem Land, in dem eine alleinerziehende Mutter (gebildet, nicht arm, früher erfolgreich im Beruf, nette Verwandte) kaum über die Runden kommt? Ein ganz normaler Fall aus München,
in: SZ-Magazin Nr.51 v. 18.12.

WEIDENFELD, Ursula (2009): Ein Zwischenruf zu Alleinerziehenden,
in: Tagesspiegel v. 20.12.

ZEIT-MAGAZIN: Ich werde immer für mich da sein.
Die Selbstinszenierung der modernen Väter

HENSEL, Jana (2009): Vater Morgana.
Der moderne Papa nimmt Elternzeit, wickelt, kocht Brei und redet gern darüber wie Cem Özdemir. Aber nach ein paar Wochen ist er wieder verschwunden,
in: ZEIT-Magazin Nr.1 v. 30.12.

FAS-Thema: Familienpolitik

ANK/MEC (2010): Ohne Partner und ohne Arbeit.
Aber mit 445 000 Euro Alimenten: Alleinerziehende,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 24.01.

HANK, Rainer & Georg MECK (2010): Die Hätschelkinder der Nation.
Alleinerziehende werden umsorgt: 40 Prozent von ihnen erhalten Hartz IV - zu besseren Konditionen als andere Bedürftige. Arbeit lohnt sich da kaum. Ein neuer Partner auch nicht,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 24.01.

SCHMOLLACK, Simone (2010): Verlieben verboten.
Was sagt uns das? Eine Studie besagt, dass es sich für Alleinerziehende nicht lohnt, einen Job zu haben,
in: TAZ v. 25.01.

SCHMOLLACK, Simone (2010): 500 Euro fürs Kind.
Hartz IV: Der Bundesverband alleinerziehender Mütter und Väter fordert Kindergrundsicherung,
in: TAZ v. 15.02.

CADENBACH, Christoph (2010): Ganztagsjobs, zwei Kinder, kein Mann.
Im SZ-Magazin haben wir vor einigen Wochen über den harten Alltag einer alleinerziehenden Mutter berichtet. Daraufhin bekamen wir einen empörten Leserbrief von Gabi T., die schrieb, dass sie es als Mutter viel schwerer hat. Wir haben sie besucht,
in: SZ-Magazin Nr.11 v. 19.03.

BUNTROCK, Tanja (2010): Frische Zweierbeziehung.
Alles ist anders: Tagesspiegel-Mitarbeiterin Tanja Buntrock, seit vier Monaten frisch gebackene und alleinerziehende Mutter, kämpft sich durch den Kiezalltag,
in: Tagesspiegel v. 21.03.

KAHLWEIT, Cathrin (2010): Die Not der neuen Mütter,
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.04.

BRIGITTE-Dossier: Trennungsgrund Kind

HELLGE, Stefanie (2010): Trennungsgrund Kind.
Wenn Paare am Elternsein scheitern,
in: Brigitte Nr.16 v.
14.07.

Alarmistische Berichte erzählen die Geschichte so wie HELLGE:

"Bei der Hälfte aller Scheidungen haben die Paare laut Statistischem Bundesamt minderjährige Kinder. 40 Prozent dieser Trennungen finden bereits im ersten Jahr nach der Geburt des ersten Kindes statt. Ohne Trauschein ist das Trennungsrisiko deutlich größer. Wenn man sich die Zahlen und die Forschung anschaut, drängt sich eine alarmierende Schlussfolgerung auf: Ohne Kinder wären viele vielleicht noch ein Paar, wegen der Kinder sind sie heute getrennt."

Das Statistische Bundesamt listet auf seiner Homepage die Scheidungsdaten für die Jahre 1985 - 2008 auf (mehr hier). Daraus kann man sehen, dass die Anzahl der Scheidungen, von denen minderjährige Kinder betroffen sind, im Trend rückläufig war. Der Satz

"40 Prozent Scheidungen, von denen minderjährige Kinder betroffen sind, finden bereits im ersten Jahr nach der Geburt des ersten Kindes statt"

liest sich dramatischer als:

"20 Prozent der Scheidungen finden bereits im ersten Jahr nach der Geburt des ersten Kindes statt",

obwohl beides den gleichen Sachverhalt schildert.
Noch nicht überprüft ist damit allerdings, ob dieser Sachverhalt überhaupt zutreffend ist. Auf seiner Homepage bietet das Statistische Bundesamt keine Tabellen an, aus dem dieser komplexe Sachverhalt zu entnehmen ist. Auch der im Artikel erwähnte Familienreport 2010 schweigt dazu. Eine Pressemeldung aus dem Jahr 2008 gibt für das Jahr 2006 an, dass das erste Kind durchschnittlich 2,4 Jahre nach der Hochzeit geboren wird. Das Statistische Jahrbuch 2009 dagegen listet auf Seite 61 nur die Ehedauer auf und ob minderjährige Kinder betroffen wurden. Der amtlichen Statistik mangelt es generell an Längsschnittdaten, weswegen die Behauptung von HELLGE zur Trennungshäufigkeit von Ehepaaren nach der Geburt des ersten Kindes mit Vorsicht zu genießen ist. Elle KRACK-ROBERG schreibt in ihrem Artikel "Ehescheidungen 2008" zu diesem Problem:

"Der amtlichen Statistik liegen keine Verlaufsdaten zu den Eheschließenden oder den Geschiedenen (als Paarinformationen) vor. Zum Beispiel fehlen Angaben über das jeweilige Eheschließungsalter der Paare oder über die jeweilige Ehedauer bis zum Tod des Partners bzw. bis zur gerichtlichen Lösung der Ehe, die für die Abschätzung des Scheidungsrisikos herangezogen werden könnten. Des Weiteren fehlt auch die Information, um die wievielte Ehe der einzelnen Ehepartner es sich jeweils handelt." (WiSt 12/2009,,S.1202)

Die Daten zur Geburtenfolge (z.B. erstes Kind in der Ehe), die zu Aussagen wie jenen von HELLGE notwendig wären, wurden bislang nur ein einziges Mal erfasst, nämlich mit einer Zusatzerhebung zum Mikrozensus 2008. Die Eheorientierung der amtlichen Statistik wurde deshalb auf diesen Seiten des Öfteren kritisiert. Eine im April 2010 in der Zeitschrift für Soziologie veröffentlichte Studie von Thomas KLEIN & Ingmar RAPP kommt hinsichtlich dem Zusammenhang von Ehen und Kindern zu ganz anderen Ergebnissen. Sie behaupten im Gegenteil, dass Kinder die Stabilität von Ehen positiv beeinflussen. Ihr Augenmerk richten sie jedoch nicht auf die Familiengründung, sondern auf den Auszug der Kinder.

NIEMANN, Julia (2010): Die verlassenen Macchiato-Mütter.
Mittelschicht: Das neue, gut ausgebildete, emanzipierte, familienorientierte Bürgertum tappt in alte Geschlechterfallen. Mit der Trennung vom Partner beginnt der soziale Abstieg der Mütter. Vom großstädtischen Lebensstil bleibt nicht viel. Ein Erfahrungsbericht,
in: TAZ v.
17.07.

Die Ergebnisse des Mikrozensus 2009 "Alleinerziehende in Deutschland" in den Medien

DERNBACH, Andrea (2010): Alleinerziehen bleibt Frauensache.
Das Statistische Bundesamt relativiert mit einer Studie das Bild der armen und abhängigen Mutter. Die Mehrzahl lebt von eigener Erwerbstätigkeit,
in: Tagesspiegel v. 30.07.

KUHR, Daniela (2010): Arme Mütter.
Jedes fünfte Kind wächst bei nur einem Elternteil auf - in neun von zehn Fällen bei der Mutter. Viele von ihnen arbeiten hart, dennoch muss jede dritte mit weniger als 1100 Euro im Monat auskommen,
in: Süddeutsche Zeitung v.
30.07.

TICHOMIROWA, Katja (2010): Zahl der Alleinerziehenden steigt.
Die traditionelle Familie ist kein Auslaufmodell aber auf dem Rückzug. Bei Alleinerziehenden ist das Armutsrisiko höher,
in: Frankfurter Rundschau v.
30.07.

LEMME, Ariane (2010): "Gleiche Rechte bedeutet gleiche Pflichten".
Elternschaft: Edith Schwab, Vorsitzende des Verbandes der Alleinerziehenden (VAMV), sieht das neue Sorgerechtsurteil zugunsten der Väter kritisch, weil diese mehr in die Verantwortung müssten,
in: TAZ v.
06.08.

BRODER, Henryk M. (2010): Adoptiert alleinerziehende Mütter.
Opfer-Vermarktung: Warum dürfen manche Tierrechtler ihr Leben am Rande der Legalität auch noch vermarkten? Und warum wälzen alleinerziehende Mütter Verantwortung und Kosten auf die Gesellschaft ab? Was Tierschützer und Frauen ohne Mann mit Kind verbindet. Ein Kommentar,
in: Tagesspiegel v. 26.08.

NIEJAHR, Elisabeth (2010): Zu viel Hilfe.
Mehr Unterstützung für Alleinerziehende - klingt gut, ist aber falsch,
in: Die ZEIT Nr.41 v. 07.10.

BEMMER, Ariane (2010): In der Förderfalle von Hartz IV.
Sie bekam Hartz IV und wollte studieren, aber das ging nicht. Sie geriet in die Förderfalle. Wie Anja Meyer, 40 und alleinerziehend, vergeblich versuchte, mit staatlicher Hilfe etwas Sinnvolles zu machen,
in: Tagesspiegel v. 12.11.

Will man einen Zustand als ungerecht kritisieren, dann stellt man am besten eine Singlefrau mit Kind in den Mittelpunkt einer Geschichte. Das Kind macht aus dem Feindbild Karrierefrau sozusagen eine Heilige, was höchstens bei strammen Neokonservativen auf Abwehrreflexe stößt. Bildungsferne Alleinerziehende gelten dagegen nicht erst seit Thilo SARRAZINs Pamphlet Deutschland schafft sich ab als förderungsunwürdig - egal ob mit Migrationshintergrund oder ohne. Die neue Heldin des Alltags buchstabiert sich im Zeitalter der Billiglohnarbeitspflicht so:

"Anja Meyer, Jahrgang 1970, alleinerziehende Mutter eines zehnjährigen Sohnes und nach mehreren Rückenoperationen nur beschränkt einsatzfähig, hat sich entschlossen, ihre wenn auch nicht ganz angenehme, so doch gesicherte Existenz als Hartz-IV-Empfängerin aufzugeben, um zu studieren. Genauer: um ein vor Jahren abgebrochenes Studium zu beenden und Lehrerin zu werden. Mit diesem Entschluss hat Anja Meyer zum einen den allenthalben eingeforderten Leistungswillen bewiesen – und zum anderen hat sie sich damit um nahezu jede staatliche Unterstützung gebracht."

Großbritannien zeigt wo es lang gehen wird. Darauf hat der verstorbene Soziologe Ralf DAHRENDORF bereits im Jahr 2000 hingewiesen und die globale Klasse als Urheber des neuen Autoritarismus bezeichnet:

"Es gibt keinerlei Beispiele für wirksame demokratische Institutionen jenseits des Nationalstaates. Doch operiert die globale Klasse eben dort, also jenseits des Nationalstaates. Damit wird die Demokratie zum Teil der »Kräfte des Konservatismus«
(...).
An Stelle der Demokratie finden wir neue Formen des Autoritarismus. Zum Teil sind diese durchaus beabsichtigt. Menschen zur Arbeit zu zwingen, auch wenn es durch indirekte Mittel geschieht, ist eine autoritäre Politik. (Das Recht auf Arbeit ist ein Mißbrauch der Sprache, da es nicht erzwingbar ist; das Recht, nicht zu arbeiten, ist hingegen ein liberales Prinzip.)
"

WOLF, Naomi (2010): Und plötzlich ist sie eine Heilige.
Mutter mit Kind, das gilt in den USA heute als hip - vor allem, wenn kein Vater dabei ist. Das Image der alleinerziehenden Frau hat sich gründlich gewandelt,
in: Welt v. 17.11.

Naomi WOLF erzählt nochmals die Story vom Wertewandel im Hinblick auf alleinerziehende Mütter (mehr hier).

SCHMELING, Inka (2011): "Alleinerziehende werden oft auf den Arm genommen".
Entlastung für die Eltern: Gerold Kirchthaler, selbst alleinerziehender Vater, organisiert Reisen für Singles mit Kind. Ein Gespräch,
in: ZEIT Online v. 03.01.2011

 
       
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 17. August 2011
Update: 29. Mai 2017