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Dieter Oberndörfer: Politikziel Geburtenwettlauf

 
       
     
       
   
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    Dieter Oberndörfer in seiner eigenen Schreibe

     
       

    OBERNDÖRFER, Dieter (1994): Einwanderungsland Deutschland. In: Warnfried Dettling (Hg.) Perspektiven für Deutschland, München: Knaur Verlag, S.285-301

    OBERNDÖRFER, Dieter (2002): Altersheim Deutschland.
    Ein drastisches Plädoyer für mehr Zuwanderung,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 19.01.

    Der Freiburger Politikwissenschaftler OBERNDÖRFER kritisiert nicht die - keinesfalls unumstrittene - Prognose von Herwig BIRG, sondern forciert dessen Rhetorik des Aussterbens noch, indem er sogar Voraussagen bis zum Jahr 2075 vorträgt. Offenbar möchte er nur BIRGs These, dass eine Trendwende beim demografischen Wandel ohne Zuwanderung möglich sei, widerlegen. Eine solche Strategie ist um keinen Deut besser als jene von BIRG, sondern geht auf Kosten der Singles. Singlefeindlichkeit statt Fremdenfeindlichkeit, das darf nicht die Alternative sein!

    Die Debatte um die Kosten der Zuwanderung in Deutschland

    OBERNDÖRFER, Dieter (2002): Nur Zuwanderung sichert den Wohlstand Deutschlands.
    Dieter Oberndörfer über die kollektive Verdrängungsmentalität der Politiker und die verfehlte Ausländerpolitik,
    in: Frankfurter Rundschau v. 22.01.

    Die FR dokumentiert eine Erwiderung des emeritierten Politikwissenschaftlers Dieter OBERNDÖRFER, der erster Vorsitzender des Deutschen Rats für Migration ist. Er vernimmt in BIRGs Gutachten "die Grundmelodie für den bevorstehenden Wahlkampf". OBERNDÖRFER stimmt mit Herwig BIRG bezüglich der Faktenlage zur demografischen Entwicklung überein und kritisiert deswegen nur dessen Kritik am Zuwanderungsgesetz. Gemeinsam ist den beiden Wissenschaftlern die Singlefeindlichkeit, die sich aus dem Ziel einer "energischen Familienpolitik" herleitet. Frankreich hält auch OBERNDÖRFER für das familienpolitische Musterland. Seine Einschätzung des bevorstehenden Verteilungskonfliktes liest sich folgendermaßen:

    "Der Aufbau einer wirklich wirksamen Familienpolitik wäre überaus kostspielig und wird daher ganz neue und tief greifende wirtschaftliche Umverteilungen notwendig machen. Er wird in einer Gesellschaft der 'Singles', in der Familien mit Kindern schon seit längerem als politische Lobby eine ungeliebte Minderheit geworden sind, nur gegen hinhaltenden politischen Widerstand durchsetzbar sein."

    OBERNDÖRFER setzt Familie mit der Haushaltsfamilie gleich, d.h. Familienpolitik soll sich zukünftig auf eine einzige Lebensphase im Familienbildungsprozess konzentrieren. Die familieninternen Generationenbeziehungen der Familienmitglieder werden damit weiter aufgelöst und staatlich normiert, d.h. die Individualisierung der Familie wird forciert. Eine solche Familienpolitik, die eine einzige Generation fördert, forciert den Generationenkonflikt.

    OBERNDÖRFER dramatisiert die Bevölkerungsentwicklung, indem er im Vergleich der Geburtenraten von Deutschland und Frankreich bewusst unterschiedliche Definitionen der betrachteten Bevölkerungsgruppen gegenüberstellt und somit die Kinderlosigkeit in Deutschland höher erscheint, um Frankreich als Vorbild darstellen zu können:

    "Seit Ende der 70er Jahre betrug die jährliche Geburtenrate Deutschlands (...) nur 1,35 bis 1,3. Sie lag damit weit unter der Bestandszahl. Ohne die Zuwanderung von Ausländern und deutschstämmigen Aussiedlern hätte sich die Bevölkerung Deutschlands schon bis heute um zirka drei bis vier Millionen verringert. Auch wenn es gelänge, die derzeitige Geburtenzahlen allmählich auf das höhere Niveau Frankreichs von 1,7 anzuheben, wären die Auswirkungen auf die ab 2005 sich beschleunigende Schrumpfung der Bevölkerung gering."

    Aus der Darstellung muss man davon ausgehen, dass OBERNDÖRFER hier die Geburtenrate "deutscher" Frauen (statt der Geburtenrate in Deutschland) mit denen "französischer" Frauen vergleicht. Dies ist jedoch nicht der Fall. Das geht erst aus einer Passage hervor, die sich eine Seite weiter befindet:

    "Wenn »Ausländer« nicht allein nach ihren Pässen, sondern auch nach der ausländischen Herkunft der Wohnbevölkerung definiert werden, fällt Deutschland in der Rangordnung der Aufnahmeländer Europas auch noch weit hinter Frankreich, Großbritannien und die Niederlande zurück. Ihre Zuwanderer kamen zum großen Teil aus ehemaligen Kolonialgebieten und wurden daher in der nationalen Statistik nicht unter der Rubrik »Ausländer« registriert. Zudem verringerte sich die Zahl ihrer Pass-Ausländer kontinuierlich durch großzügige Einbürgerungsregelungen. So beläuft sich inzwischen auch die Zahl der moslemischen Franzosen auf 5,5 Millionen bei einer Gesamtbevölkerung von nur 58 Millionen (Deutschland 2,3 Millionen Moslems, die meisten aber sind im Unterschied zu Frankreich nicht eingebürgert)."

    Aus dieser Passage lässt sich die Schlussfolgerung ziehen, dass die Geburtenrate "deutscher" Frauen im Vergleich mit "französischen" Frauen gar nicht so niedrig ist, wie sie eingangs von OBERNDÖRFER dargestellt wird.

    Singles werden aufgrund argumentationsstrategischer Überlegungen zum Buhmann gemacht. Während nämlich BIRG mit seinen Ausführungen belegen wollte, dass die Geburtenrate der deutschen Frauen ohne Zuwanderer auf ein ausreichendes Niveau zurückzuführen wäre, bestreitet OBERNDÖRFER gerade dies. Um zu zeigen, dass Zuwanderung notwendig ist, muss er deshalb die Bevölkerungsentwicklung noch stärker dramatisieren als BIRG dies tut, z.B. indem er den betrachteten Zeitraum ausweitet und zur Rhetorik des Aussterbens greift.

    Beiden Wissenschaftlern sind die Belange der Singles in der Phase vor der Gründung eines Familienhaushalts bzw. nach Auszug der Kinder gleichgültig. Sie sind das Bauernopfer im Familienwahlkampf. Die Dramatisierung gilt der Durchsetzung einer als Familienpolitik getarnten Bevölkerungspolitik. Die Bevölkerungsprognosen divergieren durchaus, weswegen es aufschlussreich ist, die Prognosen verschiedener Institute zu vergleichen. Das Eurostaat-Jahrbuch 2001 ermöglicht einen Überblick. Wenig erstaunlich: Die nationale Statistik von Deutschland ist jene, die mit den niedrigsten Geburtenraten operiert.

    Die Debatte um die Zuwanderung in Deutschland

    OBERNDÖRFER, Dieter (2002): In der Republik ist die Kultur pluralistisch.
    Europa steht vor der großen Aufgabe, die Nationalstaaten überwinden zu müssen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 30.08.

    OBERNDÖRFER, Dieter (2003): Warum wir Zuwanderung brauchen,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 13.06.

    Dieter OBERNDÖRFER fordert eine "energische Geburtenförderung", d.h. Familienpolitik steht nicht mehr zur Debatte, sondern es geht nunmehr unverhohlen um Bevölkerungspolitik. Die Veröffentlichung der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung dient zur Rechtfertigung dieser Forderung.

    OBERNDÖRFER, Dieter (2005): Demographie und Demagogie.
    Wissenschaft und Interesse bei Herwig Birg und Charlotte Höhn,
    in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Dezember

    Wer erwartet, dass OBERNDÖRFER die unseriösen Praktiken der Demografie anprangert, der wird enttäuscht werden. Die Überschrift hält keineswegs was sie verspricht, sondern OBERNDÖRFER hat überhaupt kein Interesse daran die Katastrophenszenarien zu kritisieren, denn ihm kommt die Demagogie geradewegs recht. Da es ihm um die Forcierung der Einwanderung geht, liegt seine Argumentation auf der gleichen Linie wie BIRG. Ihn stört lediglich, dass BIRG bei der Bekämpfung der Bevölkerungsschrumpfung auf einen Gebärwettlauf setzt, während OBERNDÖRFER auf einen Einwanderungswettlauf setzt. Zwar kritisiert er, dass

    "Birg (...) die Trennung von Sein und Sollen, von wissenschaftlicher Analyse und normativer Stellungnahme (ablehnt)",

    das hindert OBERNDÖRFER keineswegs daran, selber diese Trennung abzulehnen. Die Prämissen der Bevölkerungsvorausberechnungen werden nicht hinterfragt, sondern höchstens relativiert. Während BIRG auf seine eigenen Berechnungen setzt, rechtfertigt OBERNDÖRFER seine Position mit Berechnungen der UN. Beide Berechnungsansätze kranken jedoch daran, dass die deutsche Bevölkerungsstatistik seriöse Vorausberechnungen über einen längeren Zeitraum gar nicht zulässt.

     
           
       

    Dieter Oberndörfer: Gespräche und Porträts

     
       

    ARMBRUSTER, Irene (2001): Dieter Oberndörfer. Der Zorn der späten Jahre.
    Der Politologe kämpft für die multikulturelle Gesellschaft,
    in: Tagesspiegel v. 14.06.

    Neu:
    FORUDASTAN, Ferdos (2005): "Der Schrumpfungsprozess ist dramatisch".
    Oberndörfer: Zuwanderungsbegrenzung ist dumm und inhuman,
    in: DeutschlandRadio v. 18.12.

     
           
       

    Deutschland in der Abseitsfalle (2005).
    Politische Kultur in Zeiten der Globalisierung
    Freiburg i/B: Herder

     
       
         
     

    Klappentext

    "Der scharfe Zeit-Analytiker Oberndörfer weist nach: Zukunft kann nur gelingen, wenn wir eine offene politische Kultur entwickeln."

     
         
     
           
       

    Rezensionen

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    Dieter Oberndörfer in den Medien

     
       

    PRANTL, Heribert (2001): Deutsche Bevölkerung schrumpft dramatisch.
    Experten für radikale Erhöhung des Kindergeldes. Ex-Verfassungsrichter Kirchhof fordert Steigerung auf 1000 Mark / Studie plädiert für "energische Geburtenförderung",
    in: Süddeutsche Zeitung v. 17.04.

    DT (2001): Bevölkerungspolitik,
    in:
    Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.04.

    WOLTER, Frauke (2001): "Wir brauchen eine Geburtenpolitik".
    Der Freiburger Politikwissenschaftler Dieter Oberndörfer hat ein Gutachten zur Bevölkerungsentwicklung vorgelegt,
    in: Badische Zeitung v. 18.04.

     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 18. April 2001
    Update: 11. Juli 2015