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Dorothea Siems: Geld macht keine Kinder

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • Studium der Volkswirtschaftslehre
      Mitarbeiterin der Welt-Gruppe
 
       
     
       
   

Dorothea Siems in ihrer eigenen Schreibe

 
   

SIEMS, Dorothea (2001): Kinder, Küche und Karriere.
Die Familienpolitik steht bereits jetzt als Wahlkampfthema 2002 fest,
in: Welt v. 22.01.

Argumentationshilfe für wohlhabende Frauen, die Beruf und Familie vereinbaren wollen.

SIEMS, Dorothea (2001): Die Überalterung ist unaufhaltsam,
in: Welt v. 01.06.

Zwei Mythen tischt Dorothea SIEMS dem Leser auf:

Paare, "die sich erst einmal für ein Kind entschieden haben, bekommen in den meisten Fällen zwei und mehr Kinder. Und zwar unabhängig davon, welcher sozialen Schicht sie angehören",

schreibt SIEMS, um dann darauf hinzuweisen, dass

"der Anteil der Akademikerinnen, die kinderlos bleiben werden, mittlerweile doppelt so hoch wie der der Hauptschulabsolventinnen"

ist. Dies ist die so genannte "Polarisierungsthese", die von den Theoretikern des Familiensektors vertreten wird, die aber in dieser Form nicht haltbar ist. Die Anzahl der Kinder pro Frau ist schichtabhängig. Mittelschichtfrauen haben weniger Kinder als Unterschicht- und Oberschichtfrauen. Der zweite Mythos ist noch gravierender:

"Jahrhundertelang waren Kinder für die Menschen unverzichtbar, um das eigene Alter abzusichern. Inzwischen hat hier zu Lande und weit gehend auch in allen anderen europäischen Staaten der Sozialstaat diese Funktion des eigenen Nachwuchses abgelöst. Damit ist die Entscheidung für oder gegen Kinder erstmals völlig losgelöst vom ökonomischen Zwang zur Vorsorge."

Die Rentenversicherung wurde erst notwendig, weil die Lebenserwartung gestiegen ist, d.h. die Lebensphase "Alter" ist neu.

Der Altersforscher Martin KOHLI weist darauf hin, dass vor 120 Jahren kaum jemand das Rentenalter von damals 70 Jahren erreichte (siehe Weser Kurier vom 31.05.2001). Er weist zudem darauf hin, dass die junge Generation von Transferzahlungen aus dem Rentensystem profitiert:

"Der Wohlfahrtsstaat verdränge die familiären Leistungen daher nicht, sondern ermögliche sie erst",

wird KOHLI zitiert.

SIEMS, Dorothea (2003): Der verpasste Kinderwunsch.
Ein Drittel der jüngeren deutschen Frauen bleibt kinderlos - mit dramatischen Folgen,
in: Welt v. 03.04.

Der unerfüllte Kinderwunsch ist ein volkswirtschaftlicher Kollateralschaden meint Dorothea SIEMS und zitiert Renate SCHMIDT.

SIEMS, Dorothea (2003): Angriff auf die Alten.
Mit Belastungen der Rentner will Rot-Grün die Altersversorgung stabilisieren. Doch der Verteilungskampf der Zukunft wird zwischen Eltern und Kinderlosen geführt - nicht zwischen Alt und Jung,
in: Welt v. 09.10.

SIEMS, Dorothea (2003): Kinder und anderes Kapital,
in: Welt v. 13.10.

Dorothea SIEMS behauptet:

"die Alten weisen zu Recht darauf hin, dass nicht sie es waren, die den Generationenvertrag verletzt haben. Schließlich haben sie nicht nur Zwangsbeiträge in die Sozialkassen eingezahlt, sondern auch genug Kinder bekommen, um das System am Laufen zu halten. Der Vertragsbruch geht vielmehr auf das Konto der Jüngeren, die zu einem großen Teil auf Nachwuchs verzichten und damit das Sozialstaatsgebäude ins Wanken bringen.
Die Konfliktlinie verläuft deshalb viel weniger zwischen Jung und Alt, wie das Gerede vom Krieg der Generationen suggeriert, als vielmehr zwischen Eltern und Kinderlosen. Die Sozialsysteme können angesichts der Überalterung der Gesellschaft nicht so bleiben wie sie sind.
"

Tatsache ist, dass dies in dieser Form falsch ist! Seit 1900 hat kaum ein Mütterjahrgang zum Bestandserhalt beigetragen, nur die Gnade der günstigen Bevölkerungsstruktur, hat dies bisher kaschiert! So schreibt z.B. Klaus JENTZSCH:

"Etwa 12 Mio. Heimatvertriebene und Flüchtlinge haben von 1945 bis 1961 die Flucht in den Westen angetreten. Die Bevölkerung auf dem Gebiet der heutigen Bundsrepublik Deutschland wuchs in diesen 1 1/2 Jahrzehnten um ca. 9 Mio. an, während die Zahl der Bewohner der heutigen DDR im gleichen Zeitraum zurückging. Die Wachstumskurve in der Bundesrepublik Deutschland wurde begünstigt durch die Alterstruktur derer, die von Ost nach West kamen" (aus: Sterben wir aus? 1979, S.31.)

Ohne Zuwanderung wäre also die Bonner Republik bevölkerungsmässig schon lange nicht mehr gewachsen. Wenn unsere deutschen Bevölkerungswissenschaftler in ihren Prognosen Zuwanderungen einfach ignorieren, dann ist dies eine politische Entscheidung und keine sachlich zu rechtfertigende Entscheidung.

SIEMS, Dorothea (2004): Kinderlose an den Pranger?
in Welt v. 07.07.

Dorothea SIEMS plädiert für einen Systemwechsel vom Umlageverfahren zur Kapitaldeckung, um das Problem der Kinderlosigkeit zu lösen:

"Kinderlosen die Rente massiv zu kürzen, wird in der Politik bereits diskutiert. Doch der Ausweg aus der Krise der Sozialsysteme liegt nicht in der Spaltung der Gesellschaft in Eltern und Kinderlose. Die Entscheidung für oder gegen Nachwuchs ist eine Privatsache und vom Staat nicht zu bewerten. Der Kern des Finanzierungsproblems des Sozialstaats sind nicht die Menschen, die gewollt oder ungewollt kinderlos bleiben. Vielmehr hat es sich als historischer Fehler erwiesen, die Sozialversicherungen nach dem Krieg als Umlageverfahren zu organisieren."

SIEMS behauptet, dass Familien die Gewinner eines Systemwechsels wären, offenbar lesen nur Besserverdienende die Welt...

SIEMS, Dorothea (2004): Teure Kopfgeburt.
Über 150 Milliarden Euro zahlt Deutschland im Jahr für Familien - trotzdem fehlen Kinder gerade aus gut gebildeten Schichten. Ein neues Elterngeld soll zu mehr Nachwuchs animieren. Aber finanzielle Förderung und Geburtenrate haben wenig miteinander zu tun,
in: Welt v. 07.09.

Dorothea SIEMS stellt das Konzept des einkommensabhängigen Elterngeldes von Renate SCHMIDT vor, das u.a. auf dem ökonomischen Konzept der Opportunitätskosten basiert. Bert RÜRUP hat dies in seiner "nachhaltigen Familienpolitik" ausgeführt. SIEMS plädiert für mehr Betreuungsangebote, da diese sinnvoller sind, denn

"für gut Verdienende ist weniger der kurzfristige Verdienstausfall ein Hindernis als vielmehr die Schwierigkeit, später Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen."

SIEMS, Dorothea (2005): Republik der Kinderlosen.
Tagesthema: Die Deutschen verzichten zunehmend auf Nachwuchs. Warum? Die wichtigsten Fakten und Facetten,
in: Welt v. 13.01.

Dorothea SIEMS fasst für den Welt-Kreuzzug gegen die Kinderlosen noch einmal alle Argumente zusammen, die unsere nationalkonservative Werteelite aufzubieten hat.

SIEMS, Dorothea (2005): Jedes Kind bringt dem Staat 77.000 Euro.
Ifo-Studie: Spätere Einzahlungen ins Steuer- und Sozialsystem übertreffen die staatlichen Leistungen deutlich,
in: Welt v. 16.12.

SIEMS, Dorothea (2005): Kindermangel, staatlich gefördert.
Chronisch beklagt die Politik den Geburtenrückgang. Dabei ist der Sozialstaat selbst Verursacher der Kinderlosigkeit,
in: Welt v. 29.12.

Dorothea SIEMS bezieht sich mit ihrer Behauptung, dass der Sozialstaat zum Verursacher des Geburtenrückgangs geworden sei, auf Berechnungen der Familienlobbyisten um Hans-Werner SINN. Dessen Berechnungen sind jedoch umstritten, wie Gegenrechnungen von Astrid ROSENSCHON aufzeigen. Auch die Studie von BIEDENKOPF u.a. beweist das Gegenteil: die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen hat im Zeitverlauf nicht zu-, sondern abgenommen.

"Rund ein Viertel der Frauen des Jahrgangs 1960 sind kinderlos, dreimal mehr als beim Jahrgang 1935",

schreibt SIEMS, um den Eindruck der Linearität des Geburtenrückgangs zu erwecken. Bevölkerungshistoriker wie Josef EHMER haben dagegen darauf hingewiesen, dass es in der deutschen Bevölkerungsgeschichte immer wieder Perioden mit höherer Kinderlosigkeit gab. Das Ausmaß der heutigen Kinderlosigkeit ist keineswegs so einmalig, wie SIEMS weismachen möchte. Der Bevölkerungswissenschaftler Gert HULLEN hat sogar nachgewiesen, dass das Ausmaß der Kinderlosigkeit der in den 60er Jahren geborenen Frauen geringer ist als derjenigen, die in den 50er Jahren geboren wurden, da erstere durch erhöhte späte Mutterschaften das "anfängliche Geburtendefizit" ausgeglichen haben. Er kommt zudem zu einer wesentlich niedrigeren lebenslangen Kinderlosigkeit als SIEMS.

SIEMS, Dorothea (2006): Familienförderung soll Kinderwunsch bei Akademikern wecken.
Verbände sehen Nachteile für Geringverdiener und Alleinerziehende - Unionspolitiker gegen Bevorzugung von Doppelverdienern,
in: Welt v. 13.01.

Umfrageergebnisse zum Kinderwunsch sind kein brauchbarer Indikator für die Familienpolitik, sondern Ergebnis der medialen Inszenierung des Geburtenrückgangs. Wer die Single-Lüge zum Ausgangspunkt der Politik macht, der leistet der Kinderlosenfeindlichkeit Vorschub und schreckt damit potenzielle Eltern ab.

SIEMS, Dorothea (2007): Deutsche bekommen wieder mehr Kinder.
Erhoffter Babyboom fällt trotz Elterngeld aber nur bescheiden aus - Deutlicher Jungenüberschuss,
in: Welt v. 21.07.

SIEMS, Dorothea (2007): Kein Wunder,
in: Welt v. 21.07.

SIEMS, Dorothea (2007): Immer mehr Väter am Wickeltisch.
Die Zahl der Männer, die sich eine Erziehungspause gönnen, steigt: Jede zehnte Person, die Elterngeld beantragt, ist ein Mann. Vor allem in Berlin und Bayern nutzen Väter die zwei bezahlten Partnermonate. Doch der erhoffte Babyboom bleibt weiter aus,
in: Welt v. 14.11.

SIEMS, Dorothea (2007): Der Anteil kinderloser Frauen steigt dramatisch.
Vor allem westdeutsche Akademikerinnen verzichten auf Nachwuchs. Das ist ein Ergebnis einer Sonderuntersuchung des Statistischen Bundesamtes. Bundesweit gilt, dass gut ausgebildete Frauen selten eine große Familie haben. Festgestellt wurde außerdem ein Trend zur späteren Mutterschaft,
in: Welt v. 19.12.

SIEMS, Dorothea (2008): Das stabile Glück der Familien.
Allen Unkenrufen zum Trotz ist die traditionelle Ehe mit Kindern kein Auslaufmodell. Nie war das Verhältnis zwischen Kindern und ihren Eltern besser als heute. Das zeigt sich gerade jetzt zur Weihnachtszeit,
in:
Welt v. 23.12.

Dorothea SIEMS präsentiert u.a. Statements von Familienfundamentalisten wie Meinhard MIEGEL (vormals Leiter des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft und nun Leiter der Stiftung Denkwerk Zukunft) und des Familienbunds der Katholiken.

SIEMS, Dorothea (2009): Mehr Kinder, und günstiger,
in:
Welt v. 16.02.

SIEMS, Dorothea (2009): Geburten als Maßstab,
in: Welt Online v. 08.04.

SIEMS, Dorothea (2009): Bei den Geburten liegen die ostdeutschen Frauen vorn.
Nach wie vor ist der Anteil der Kinderlosen in den alten Bundesländern höher - Einwanderinnen sind häufiger kinderreich,
in: Welt v. 30.07.

SIEMS, Dorothea (2009): Geld statt Krippe.
OECD rügt deutsche Familienförderung,
in: Welt v. 02.09.

"Dass hierzulande viele Kinder armutsgefährdet sind, liegt weniger am Kindergeld - das durchaus Familien sehr hilft - als vielmehr daran, dass bei uns gut ausgebildete Frauen immer häufiger kinderlos bleiben", meint SIEMS.

SIEMS, Dorothea (2009): Geburten in Deutschland gehen drastisch zurück.
Neue Zahlen: Im ersten Halbjahr 2009 sind hierzulande deutlich weniger Kinder zur Welt gekommen als in den ersten sechs Monaten des Jahres 2008. Das Statistische Bundesamt verzeichnet nach vorläufigen Zahlen einen Rückgang um fast sieben Prozent. Experten bringen das Baby-Minus mit der Wirtschaftskrise in Zusammenhang,
in: Welt Online v. 14.09.

Zum wiederholten Male bringt die Zeitung Welt Zahlen zur Geburtenentwicklung ins Spiel, die nicht offiziell sind und die unwidersprochen verbreitet werden - weil sie gelegen kommen, z.B. von Florian RÖTZER.

Dorothea SIEMS spricht von rund 312.000 Geburten im ersten Halbjahr 2009 ("Geburten in Deutschland gehen drastisch zurück"). Die Bildzeitung zieht einen Tag später nach. Offenbar waren der Welt die Geburtenzahlen von 2008 noch zu positiv. Bereits zur offiziellen Veröffentlichung von Geburtenzahlen des Statistischen Bundesamtes Ende Juli antwortete die Welt mit einer Kampagne gegen Kinderlose.

In der taz erschien kürzlich ein Artikel von Gisa FUNCK, in dem Kinderlosigkeit als unentschuldbarer Makel beschrieben wird - und zwar als eine Konsequenz der Debatte um den demografischen Wandel. Anfang des Monats zählte Felix BERTH in der SZ sechs demografische Irrtümer übers Kinderkriegen auf, u. a. die überhöhten Zahlen zur Kinderlosigkeit nicht nur der Akademikerinnen. Single-generation.de hat verglichen, was sich seit 2005 verändert hat.

Bleibt die Welt weiter allein mit ihrer unseriösen Berichterstattung oder greifen nun andere Zeitungen das Thema Kinderlosigkeit auf?
Gestern veröffentlichte ZEIT Online eine dpa-Meldung, wonach die Zahlen alles andere als gesichert sind:

"Die Statistiker bestätigten (...) am Dienstag in Wiesbaden auf Anfrage einen Bericht der Zeitung «Die Welt». Betont wurde allerdings, unter Umständen seien dem Bundesamt noch nicht alle Geburten gemeldet. Eine eindeutige Aussage über den Trend sei daher noch nicht möglich."

Aussagekräftig hinsichtlich der Geburtenrate 2009 sind Halbjahreszahlen sowieso nicht.

SIEMS, Dorothea (2010): Ostdeutsche bekommen wieder mehr Kinder.
Erstmals seit der Wiedervereinigung ist Geburtenrate höher als im Westen,
in: Welt v. 28.01.

WELT AM SONNTAG-Politikthema: Ja, ich will!
....aber nicht heiraten

SIEMS, Dorothea (2010): Heiraten? Ja, bitte! Oder?
Die Ehe genießt bei den Deutschen nach wie vor ein hohes Ansehen. Doch immer mehr junge Männer und Frauen trauen sich nicht mehr,
in:
Welt am Sonntag v. 04.04.

Die Schizophrenie der Medien drückt sich heutzutage darin aus, dass sich die Print-Ausgaben mit den Headlines an die Familien richten, während die Online-Ausgaben auf die Singles zielen. Typisch ist dieser Artikel von SIEMS, der sich einzig in den Schlagzeilen unterscheidet. Die WamS hat eine Prognose beim Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung beauftragt, deren Prämissen tunlichst verschwiegen werden. Man hätte sich das also auch sparen können! Der Hinweis auf ein "aufwendiges Prognoseverfahren" kann höchstens Wissenschaftsgläubige zufriedenstellen. In einem Artikel über die Ehe vermutet man normalerweise, dass unter Alleinstehenden Unverheiratete verstanden werden. Dies ist bei SIEMS nicht der Fall, sondern Alleinstehende sind dort Personen, die in einem Einpersonenhaushalt leben. Paare, die in einem Haushalt zusammen leben, werden damit zu Quasi-Ehen stilisiert.

Der Bruch mit dem "Ehemodell" wird dagegen im Bereich der Partnerschaften ohne gemeinsamen Haushalt angesiedelt. Als Experte wird der Psychologe Jens ASENDORPF befragt. Die höhere Trennungswahrscheinlichkeit soll den Bruch rechtfertigen. Es ist jedoch zu fragen, ob die heutzutage gängigen Forschungsansätze überhaupt in der Lage sind, den Living Apart Together-Partnerschaften (LAT) gerecht zu werden.  Es mangelt an Typologien, die zwischen verschiedenen Formen der LAT-Partnerschaften unterscheiden, weswegen allgemeine Aussagen zur Trennungshäufigkeit allein den Defiziten der gegenwärtigen Sozialwissenschaften geschuldet sind. Bis in die 1990er Jahre haben viele repräsentative Forschungsdesigns LAT-Partnerschaften ignoriert, sodass der Datenbestand zu diesen Lebensformen meist keine 2 Jahrzehnte zurückreicht. Es ist davon auszugehen, dass LAT-Partnerschaften in den nächsten Jahrzehnten genauso selbstverständlich werden wie das für das unverheiratete Zusammenleben bereits heutzutage gilt, sollten sich die Mobilitätsanforderungen des Arbeitsmarktes und die Partnerschaftsvorstellungen nicht drastisch ändern.

SIEMS behauptet, dass die kindorientierte Ehe deutschlandweit verbreitet sei, dies gilt jedoch nur für Westdeutschland, weswegen die Forschung zur Geburtenentwicklung in Ostdeutschland in den Nullerjahren ein Desaster sondergleichen erlebte.

SIEMS, Dorothea (2010): Die Angst vor dem Sparen.
Weil die Kassen leer sind und der Schuldenberg steigt, bringt die Politik jetzt jeden Tag neue Sparvorschläge ins Gespräch. Von der Kinderbetreuung bis zur Rente steht auf einmal alles zur Disposition,
in: Welt v. 18.05.

Kinderlose und Rentner sind gemäß Frank SCHIRRMACHER und anderen Generationenkriegern angeblich Schuld, dass in Deutschland keine sinnvolle Familienpolitik möglich sei. Tatsächlich sind aber die schärfsten Gegner der Eltern die Eltern selber. Der Artikel von SIEMS beweist, dass immer noch um das richtige Mutterideal gekämpft wird. Gestrichen werden soll immer bei jenen, die nicht dem eigenen Familienideal entsprechen.

HEUZEROTH, Thomas & Dorothea SIEMS (2010): Neue Eltern braucht das Land.
Geburtenabsturz sprengt die Sozialsysteme. Politiker fordern Mütterquote für mehr Kinder,
in: Welt am Sonntag v. 23.05.

SIEMS, Dorothea (2010): Jede fünfte junge Frau verzichtet auf Mutterglück,
in: Welt am Sonntag v. 23.05.

SIEMS, Dorothea (2010): Immer mehr Schulden und immer weniger Kinder,
in: Welt am Sonntag v. 23.05.

SIEMS, Dorothea (2010): Die Wahrheit über Deutschlands Mitte.
Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Und die Mittelschicht schrumpft. Das ist die vorherrschende, von manchen Studien bestätigte Einschätzung. Und doch stimmt das gar nicht,
in: Welt am Sonntag v. 20.06.

Auf zwei Seiten versucht Dorothea SIEMS die DIW-Studie Polarisierung der Einkommen: die Mittelschicht verliert von Jan GOEBEL, Martin GORNIG und Hartmut HÄUßERMANN widerlegen. Dabei wird beim - aus 8 Fotos und Kurzporträts bestehenden - "Deutschlandbild" an Klischees und konservativen Wunschvorstellungen nicht gespart.
            Der Alleinlebende ist - zur Abwechslung zwar nicht weiblich, sondern männlich - aber dennoch ein besserverdienender Yuppie, was im Gegensatz zur Realität steht, da männliche Alleinlebende sowohl bei den Geringverdienern als auch bei den Besserverdienern zu finden sind. Obwohl Studieren mit Kind eher die Ausnahme und nicht die Regel ist, wird die typische Studentin als zweifache Mutter präsentiert. Doppelverdiener sind typischerweise kinderlos, was wohl eher dem konservativen Mutterideal der WamS zuzuschreiben ist. Im Gegensatz zum Homogamie-Trend, d.h. Mittelschichtler heiraten Mittelschichtler, gelten bei der WamS die althergebrachte Regeln, wonach der Arzt (hier ein IT-Berater) seine Krankenschwester heiratet. Im Beitrag wird deshalb auch der Homogamie-Trend kritisiert ("Die Mitte schottet sich ab und braucht doch frisches Blut"). Die Migrantin ist nicht Türkin, sondern Deutsch-Amerikanerin. Dies hat gleich zwei Vorteile: Erstens kann die USA als Folie für Deutschland herhalten und zweitens entspricht sie dem Ideal der "gesteuerten Zuwanderung".

SIEMS, Dorothea (2010): Großfamilien sind die Verlierer.
Mit dem Elterngeld will die Politik für mehr Nachwuchs sorgen. Doch ausgerechnet Familien mit vielen Kindern werden benachteiligt - und klagen jetzt in Karlsruhe,
in: Welt v. 23.11.

SIEMS, Dorothea (2011): Freiwillig lange arbeiten,
in: Welt v. 18.03.

SIEMS, Dorothea (2011): Die bunte Welt der Paare und Familien.
Die traditionelle Familie ist auf dem Rückzug. Noch aber genießen homosexuelle Paare, Alleinerziehende und Eltern ohne Trauschein nicht dieselben Rechte wie Eheleute. Was dafür spricht - und was dagegen,
in: Welt am Sonntag v. 15.05.

SIEMS, Dorothea (2011): Weg mit dem Elterngeld.
FDP-General Lindner hält die Familienleistung für überflüssig. Er sollte für die Abschaffung kämpfen. Denn das Instrument ist bevölkerungspolitisch kontraproduktiv und kommt die Mittelschicht teuer zu stehen,
in: Welt Kompakt v. 17.05.

SIEMS, Dorothea & Miriam HOLLSTEIN (2011): Das Leben muss perfekt sein.
Experten zu den Gründen, warum in Deutschland so wenige Kinder geboren werden,
in: Welt v. 05.08.

SIEMS, Dorothea (2012): Geschwister sind gut für Charakter und Entwicklung.
Meinung: Die Ein-Kind-Familie ist auf dem Vormarsch. Ohne Sandwich-Kinder und Nesthäkchen wird die Gesellschaft eintönig. Denn wenig prägt die Menschen so wie die Geschwister,
in:
Welt Online v. 23.03.

SIEMS, Dorothea & Flora WISDORFF (2012): Ihr Kinderlein, kommet.
Von 2013 an haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ihre ein- und zweijährigen Kinder. Doch der Ausbau kommt nicht recht voran. Das neben der Energiewende ehrgeizigste Projekt der Bundesregierung könnte scheitern,
in:
Welt am Sonntag v. 20.05.

SIEMS, Dorothea (2012): Revolution in den Familien.
Die Krippenoffensive verändert das Leben von Kindern und Eltern grundlegend. Einen Großteil seiner Zeit verbringt der Nachwuchs in Institutionen. Das ist praktisch und wirtschaftlich sinnvoll - aber manchmal auch sehr öde,
in:
Welt v. 01.06.

"Ganztagsbetreuung von Kindesbeinen an heißt auch, dass das Mittagessen nicht wie in der Vergangenheit üblich gemeinsam in der Familie stattfindet. Vielmehr speisen Kinder und Eltern heute meist getrennt in unterschiedlichen Kantinen: eine ungeheure Arbeitserleichterung für die Mütter - aber zweifelsohne auch ein Verlust an Esskultur",

beschwört Dorothea SIEMS alte Zeiten. Bezeichnenderweise stammt das Buch Kochende Leidenschaft, in dem dieser Verlust an Esskultur ebenfalls beklagt wird, von dem französischen Soziologen Jean-Claude KAUFMANN. Also aus jenem Land, das die Ganztageskinderbetreuung schon viel länger als Deutschland praktiziert!

SIEMS, Dorothea (2012): Geld macht keine Kinder.
Die Familienpolitik verpufft. Der Sozialstaat droht zu deformieren,
in: Welt v. 21.09.

"Elterngeld, Krippenoffensive und höheres Kindergeld haben keineswegs den erhofften Babyboom zur Folge. Im Westen bekommen die Frauen wieder genauso wenig Kinder wie vor der familienpolitischen Neuausrichtung, die Ursula von der Leyen 2005 eingeläutet hatte. Und im Osten ist der Nachholeffekt, der im Anschluss an den historischen Einbruch in den Neunzigerjahren die Statistik aufgebessert hatte, schon wieder vorbei. Verglichen mit Ländern wie Schweden, Frankreich oder den USA, in denen die Geburtenrate deutlich höher ist als hierzulande, ist in Deutschland nicht nur der Anteil der Kinderlosen besonders hoch. Sondern es ist auch die Quote großer Familien mit mehr als drei Kindern verschwindend gering. Einziger Lichtblick: Der alarmierende Sinkflug der Geburtenrate von Akademikerinnen ist gestoppt. Die gut ausgebildeten Frauen bekommen nicht weniger, sondern nur später ihre Kinder als ihre Geschlechtsgenossinnen",

meint Dorothea SIEMS. Im Gegensatz zu dieser Interpretation ist die ostdeutsche Geburtenrate in den letzten 20 Jahren mit 1,433 nur im vergangenen Jahr höher gewesen. Von einem Ende des Nachholeffektes zu reden, dafür ist es viel zu früh.

Auch die  Interpretation, dass der "alarmierende Sinkflug der Geburtenrate von Akademikerinnen gestoppt" ist, kann nicht belegt werden, weil die Daten zur Kinderlosigkeit erstmals 2008 korrekt erhoben wurden und erst wieder dieses Jahr erneut erhoben werden. Erst wenn diese Daten vorliegen, kann etwas über Trends gesagt werden - und das auch nur für die Mitte der 1960er Jahre geborenen westdeutschen Akademikerinnen, deren Kinderlosigkeit in der ersten Hälfte der nuller Jahre im Brennpunkt der Kritik standen.

Bis zum Vorliegen der Mikrozensus-Erhebung 2012 sollte man also allen Interpretationen skeptisch gegenüberstehen. Es steht zudem zu befürchten, dass diese Daten spätestens im nächsten Bundestagswahlkampf für familienpolitische Machtkämpfe missbraucht werden. Beispielhaft für solchen Missbrauch war der Familienwahlkampf 2005.

BORSTEL, Stefan von & Dorothea SIEMS (2012): Kommunen fürchten Folgen der Alterung.
Städte- und Gemeindebund fordert vor Merkels Demografie-Gipfel "komplettes Umsteuern" im Sozialstaat,
in: Welt v. 04.10.

SIEMS, Dorothea (2012): Die Mär vom Absturz.
Wer heute jung ist, wird im Alter weniger Geld haben als seine Eltern. Wer sehr jung ist, noch weniger. Länger arbeiten müssen alle. Damit muss man erst mal klarkommen,
in: Welt v. 15.12.

"Allein in dieser Woche kamen zwei Studien auf den Markt, die hierauf eine gegensätzliche Antwort geben. Die konservative Konrad-Adenauer-Stiftung kommt zu dem Schluss: Deutschlands Mitte ist stabil. Das eher gewerkschaftsfreundliche Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) attestiert der hiesigen Mittelschicht dagegen Schwindsucht. Erstaunlicherweise argumentieren beide Lager auf der gleichen Faktenbasis. Es ist die Interpretation, die den Unterschied macht. Definiert man die Mittelschicht breit und rechnet alle Personen dazu, die mindestens 60 Prozent und höchstens das Doppelte des mittleren Einkommens zur Verfügung haben, hat sich die Bevölkerungsstruktur in den vergangenen Jahren wenig verändert. Beschränkt man die Mittelschicht dagegen wie das DIW auf den Einkommensbereich zwischen 70 und 150 Prozent, zählen heute weniger dazu als noch 1998",

behauptet Dorothea SIEMS, um dann zum Fehlschluss zu kommen:

"Die bürgerlichen Schichten sind in aller Regel nicht auf die fürsorgliche Unterstützung von Vater Staat angewiesen. Eigenverantwortung, Fleiß und Bildungswillen gehören hier zum Selbstverständnis."

Tatsächlich widerspricht sogar die von SIEMS als "konservative Deutung" bezeichnete Mittelschicht der Konrad-Adenauer-Stiftung dieser Sichtweise:

"Die mittlere Einkommensschicht ist in Deutschland also wesentlich größer, als sie ohne Steuern, Abgaben und Transferzahlungen des Staates wäre. Der staatliche Eingriff wirkt folglich mittelschichtsvergrößernd." (2012, S.41)

Ergo: Ohne Umverteilung wäre auch die Mittelschicht im Sinne der Konrad-Adenauer-Stiftung, definiert zwischen 60 bis 200 Prozent des Medians, nicht stabil, sondern geschrumpft. Der Soziologe Berthold VOGEL spricht deswegen von der Staatsabhängigkeit der Mittelschicht, während der Zyniker Walter WÜLLENWEBER in seinem Pamphlet Die Asozialen diesen Aspekt ausblendet, denn nicht die Unterschicht ruiniert das Land, sondern große Teile der Mittelschicht profitieren von der Problemdefinition "Unterschicht".

SIEMS, Dorothea (2013): Kinder, Geld und Steuern.
Familienpolitik steht im Wahlkampf wieder im Fokus. Die einen wollen umverteilen, die anderen entlasten. Doch alle Lager satteln bei den Leistungen immer weiter drauf, statt Überflüssiges endlich zu streichen,
in:
Welt kompakt v. 21.05.

SIEMS, Dorothea (2013): Wenn für Frauen nur noch der Job zählt.
Karriere und Geld stehen bei Frauen höher im Kurs als Kinder. Das liegt nicht nur am Wunsch, im Berufsleben voranzukommen. Grund ist auch die fehlende Anerkennung dafür, Kinder groß zu ziehen,
in: Welt v. 11.09.

Sowohl für die taz als auch für die Welt bestätigt die Studie von Jutta ALLMENDINGER u.a. ihr jeweiliges Familienbild. Dorothea SIEMS sieht die geschwächte Position der Hausfrauenehe als Problem: 

"Vor allem (...) reagieren die jungen Leute darauf, dass die deutsche Gesellschaft beruflichen Erfolg wertschätzt, nicht aber Familien. Junge Menschen nehmen das Klima hierzulande als kinderfeindlich wahr. Politiker beklagen seit Jahren die niedrige Geburtenrate. Doch weder Krippen noch höheres Kindergeld oder das Elterngeld bewirkten eine Trendumkehr. Denn das Grundproblem bleibt: die mangelnde gesellschaftliche Anerkennung für die enorme Anstrengung, die es bedeutet, Kinder großzuziehen. (...).Von der finanziellen Belastung ganz zu schweigen. Vielmehr signalisierte die Politik mit der Reform des Unterhaltsrechts, die Mütter im Scheidungsfall oft brutal bestraft, und mit der unsäglichen Debatte über das Betreuungsgeld, dass heute nur der berufliche Erfolg zählt.",

Dagegen sieht SCHMOLLACK die Doppel-Karriere-Familien-Norm gestärkt:

"Gemeinsam haben Männer und Frauen das Überfällige geschafft: Birgit Kelle und ihre Hymne auf das Mutterdasein sind Schnee von gestern. Fast alle junge Frauen wollen arbeiten - auch wenn sie Kinder haben."

Während Meinungen die Stärke unserer meinungsstarken Kommentatorinnen sind, werden die Fakten dagegen schlampig präsentiert. So schreibt SCHMOLLACK über die Studie:

"Zwischen 2007 und 2012 hat das WZB in Kooperation mit dem Institut für Angewandte Sozial- und Marktforschung (infas) und der Frauenzeitschrift Brigitte insgesamt 2.000 junge Frauen und Männer zwischen 17 und 19 sowie zwischen 27 und 29 Jahren nach ihren Wünschen und Lebensrealitäten gefragt: Job, Karriere, Familie, Kinder, Geld, Partnerschaft"

In der FAZ heißt es dagegen:

"2007 wurden 2000 Männer und Frauen interviewt. Im vergangenen Jahr wurden davon 211 Männer und 290 Frauen, die heute zwischen 21 und 34 Jahren alt sind, zum dritten Mal befragt."

Und bei SIEMS lesen wir:

"Für die Studie wurden 2007 gut 2000 Männer und Frauen zwischen 17 und 19 Jahren beziehungsweise zwischen 27 und 29 Jahren ausführlich befragt. 2012 erfolgte bei 500 von ihnen eine Wiederholungsbefragung, um zu sehen, wie sich das Leben dieser Personen und ihre Einstellungen seither verändert haben. Knapp die Hälfte hat mittlerweile ein Kind bekommen, 80 Prozent sind berufstätig."

Was bitte soll der Leser mit diesen Fakten überhaupt anfangen? Außer, dass sie sich teilweise widersprechen, bleibt die "Lebensrealität" der Untersuchungspersonen doch sehr unklar.

"Knapp die Hälfte hat mittlerweile ein Kind bekommen, 80 Prozent sind berufstätig" wird in der Artikelüberschrift mit Karriere in jedem Fall - Kinder vielleicht übersetzt. Aus den Fakten geht jedoch hervor, dass lediglich 80 Prozent berufstätig sind - ob sie Karriere gemacht haben oder diese noch machen - lässt sich daraus also nicht entnehmen. Dass knapp die Hälfte Kinder hat, ist überraschend viel, wenn man bedenkt, dass ein Teil der Befragten nur 22-24 Jahre alt ist, während das Durchschnittsalter bei der ersten Mutterschaft bei ca. 30 Jahren liegt.

Mehr Fakten zur Auftragsstudie Frauen auf dem Sprung gibt es hier. Wer es ganz genau wissen will, der findet dort auch ein Diskussionspapier mit den Daten der 3 Befragungen aus den Jahren 2007, 2009 und 2012.

In den vergangenen Jahren wurde in den Medien und in einer bevölkerungspolitisch geprägten Wissenschaft viel von einer "Kultur der Kinderlosigkeit" geschwafelt. Neuere Längsschnittuntersuchungen - genauso wie die Brigitte-Studie - zeigen nun, dass Kinderwünsche bzw. "Wünsche nach Kinderlosigkeit" eher instabil sind:

"Im Jahr 2007 baten wir die jungen Frauen und Männer, uns die Zahl ihrer Kinder und ihren Kinderwunsch zu nennen. Damals wollten 12 Prozent der Männer und 9 Prozent der Frauen keine Kinder. Über die Zeit ist der Anteil bei den Männern leicht auf heute 9 Prozent, bei den Frauen auf 7 Prozent gefallen. Hinter dieser Konstanz liegen jedoch erhebliche Bewegungen. Jeweils etwa die Hälfte der Frauen und Männer, die damals keine Kinder wollten, wünschen sich nun welche. Ebenso sagt etwa die Hälfte der Frauen und Männer, die damals Kinder wollten, dass sie sich nun gegen Kinder entschieden haben. Der Kinderwunsch ist also alles andere als stabil. Dies zeigt auch die Frage nach der Anzahl gewünschter Kinder. Von jenen 6 Prozent Männern und 14 Prozent Frauen, die 2007 bereits Kinder hatten und sich weitere wünschten, wollen 2012 nur noch ein Drittel der Männer und Frauen weitere Kinder. Entsprechend haben sich zwei Drittel der Männer und Frauen von diesem Wunsch verabschiedet. Wir sehen also, dass weder der Kinderwunsch noch die Kinderzahl fixe Größen sind. Der Wunsch nach Kindern ist aber konstant hoch, da jene, die nun keine Kinder mehr wollen, ersetzt werden durch jene, die Kinder wollen." (Diskussionspapier 2013, S.34)

Bedauerlicherweise wird dem Partnerschaftsstatus bei der Betrachtung des Kinderwunsches von Kinderlosen keine Beachtung geschenkt, obwohl neuere Studien die Wichtigkeit dieses Aspektes betonen. Da der Partnerschaftsstatus der Befragten außer Acht gelassen wird, ist die Umfrage in Bezug auf die Lebensrealität der Befragten insgesamt wenig aussagekräftig.

SIEMS, Dorothea (2013): Studiert und kinderlos.
Noch nie blieben in Deutschland so viele Frauen ohne Nachwuchs,
in:
Welt v. 08.11.

Dorothea SIEMS kann zumindest abschreiben:

"Weil die meisten Frauen ihre Kinder im Alter zwischen 25 und 35 bekommen, ist für die künftige Entwicklung der Geburtenzahlen entscheidend, wie sich diese Altersgruppe in den nächsten Jahren verhält. Bis 2020 bleibt die Gruppe der 25- bis 35-Jährigen relativ konstant. Deshalb rechnen die Statistiker für diesen Zeitraum mit weitgehend stabilen Geburtenzahlen. Danach jedoch schrumpft diese Altersgruppe rapide, weshalb nach diesem Zeitpunkt deutlich weniger Kinder zu erwarten sind als heute. Nur bei einem deutlichen Anstieg der Geburtenrate auf 1,6 ließe sich der absehbare Einbruch der Geburtenzahlen nach 2020 noch verhindern",

Sobald SIEMS jedoch in den Kommentarmodus schaltet, werden die Fakten ignoriert:

"Ab 2020, so warnt das Statistische Bundesamt, droht in Deutschland ein Absturz der Geburtenraten. Denn seit Jahrzehnten schon leisten sich die Bürger hierzulande wenig Kinder. Somit sind viele Frauen, die demnächst Nachwuchs bekommen könnten, nie geboren worden."

SIEMS ignoriert dann den Unterschied zwischen  GeburtenRATE und GeburtenZAHLEN genauso wie Thomas ÖCHSNER in der SZ.

GREIVE, Martin & Dorothea SIEMS (2013): Mit mir nicht!
SPD und Union planen teure Rentenleistungen. Das geht zulasten künftiger Beitragszahler, die ohnehin durch den Generationenvertrag benachteiligt sind. Protestschreiben eines Kindes,
in:
Welt am Sonntag v. 24.11.

Generationengerechtigkeit ist ein Kampfbegriff der Finanzbranche, um sich neue Einnahmequellen zu erschließen. Dazu gesellt sich meist noch das Phantom des "Medianwählers". Dieser ominöse Wähler trennt angeblich die Interessen der jungen von alten Wählern. Tatsächlich sind die Interessen der älteren Wähler keineswegs homogen, denn je älter die Menschen werden, desto heterogener sind deren Lebensverhältnisse.

Wie heterogen die Interessen der sogenannten Babyboomer sind, zeigt allein, dass Babyboomer wie Dorothea SIEMS, Jahrgang 1963, oder Bernd RAFFELHÜSCHEN, Jahrgang 1957, zu den Lobbyisten der Finanzbranche gehören. Sie gehören außerdem zur Phantomgemeinschaft des Medianwählers.

Im Gegensatz zum scheinbaren Generationenkonflikt (die Autoren bekämpfen ja nur den "öffentlichen" und nicht den "privaten" Generationenvertrag), trennt der Klassenkonflikt also der Konflikt zwischen Kapital und Arbeit, die Generationen tatsächlich.

Um dies zu verschleiern, machen sich die Autoren zu scheinbaren Anwälten zukünftiger Generationen. Dabei hat inzwischen selbst der prominente Soziologe Heinz BUDE, selbsternannter Anwalt des neuen Bürgertums, Abschied von der Generationengerechtigkeit genommen.

KADE, Claudia & Dorothea SIEMS (2013): Renten-Geschäft auf Kosten der Jungen.
Babyboomer-Generation profitiert. Für alle anderen steigen die Beiträge,
in:
Welt v. 29.11.

KAMMHOLZ, Karsten/SIEMS, Dorothea/WIEDEMANN, Johannes (2014): Wirtschaft macht Front gegen Rentenpläne.
Koalition will 60 Milliarden Euro zusätzlich bis 2020 ausgeben. Mittelstandsvereinigung der Union fürchtet Welle von Frühverrentungen,
in: Welt v. 17.01.

Die Welt macht bereits auf der Titelseite klar, dass es bei der derzeitigen Debatte um die Rentenpläne in erster Linie um die Interessen des Kapitals geht.

Die Studie der Bertelsmann Stiftung, die auf der Titelseite der Welt mit Familien sind die Verlierer ins Spiel gebracht wird, dient der Flankierung der Kapitalinteressen, indem die Arbeitnehmer mit falschen Zahlen zur gegenwärtigen Situation gegeneinander ausgespielt werden.

Einige Zeitungen wie die Neue Westfälische benutzen die Bertelsmann-Studie zur Positionierung hinsichtlich der Mütterrente, indem sie auf der Titelseite Eltern tragen bei der Rente die doppelte Last behaupten. Dies bezieht sich jedoch nicht auf faktische Belastungen von Eltern und Kinderlosen, sondern lediglich auf die Ideologie des Generationenvertrags, der dem Rentensystem zugrunde liegen soll.

Ideologisch an der Konstruktion des Generationenvertrags ist allein schon die Tatsache, dass die Wirtschaft, die von den Kinderlosen profitiert gar nicht in den Blick kommt. Das Konstrukt des Generationenvertrags bezieht sich systemtheoretisch betrachtet lediglich auf den "Reproduktionssektor", um den "Produktionssektor" auszuklammern.

Rentensystem beutet die Familien aus, kommentiert Dorothea SIEMS in der Welt die Bertelsmann-Studie:

"Die jüngere Generation ist ein Drittel kleiner als ihre Elterngeneration. Und dieser ungünstige Trend wird sich allen Bevölkerungsprognosen zufolge auch in den nächsten Dekaden nicht wesentlich ändern",

behauptet SIEMS. Tatsächlich handelt es sich hier lediglich um eine Konstruktion, die der Realität nicht entspricht. Es wird auch nur ein Extremfall (Zeiten hoher Geburtenzahlen, die nur wenige Jahre betrafen im Vergleich zur Geburtenrate (TFR)) betrachtet, während sowohl die Zuwanderung, die - entgegen aller Prognosen - zu einem Bevölkerungswachstum, statt zur vorausgesagten Bevölkerungsschrumpfung führt, als auch die Produktivitätsentwicklung sowie die Entwicklung der Geburtenzahl von Frauenjahrgängen (CFR), ausgeblendet.

Die oftmals zitierte Zahl von 77.000 Euro betrifft nur den Vergleich eines Paares mit 2 Kindern gegenüber einem kinderlosen Paar und nicht Eltern gegenüber Kinderlosen. Zudem ist sie für einen "idealtypischen" Lebenslauf berechnet, dessen Wertmaßstäbe  intransparent bleiben (Kapitel 5.3). Ein realistische Betrachtung von Vorteilen der Kinderlosen gegenüber Eltern hätte die Erstellung anteilsmäßiger typischer Lebensverläufe von Alleinerziehenden, Doppelverdiener- bzw. Doppelkarrierefamilien, Partnerloser usw. erforderlich gemacht. Angesichts der Tatsache, dass bereits der typische Lebensverlauf von im Jahr 2000 geborenen Kindern über einen Zeitraum von ca. 80 Jahren außerordentlich spekulativ ist und sich hinter den Annahmen auch ideologische Vorstellungen (Norm des Adult Workers) verstecken, ist die ganze Studie mehr als fragwürdig.      

SIEMS, Dorothea (2014): Geldsegen allein weckt keinen Kinderwunsch.
200 Milliarden Euro werden jährlich in Familien und Ehen investiert. Forscher sehen allerdings viel Verbesserungsbedarf im System,
in: Welt v. 23.01.

Neu:
SIEMS, Dorothea (2014): Rente mit 63 schafft eine gefährliche Illusion.
Demografie-Studie plädiert für lebenslanges Lernen und flexible Übergänge in einen späteren Ruhestand,
in: Welt v. 31.01.

"Einzelne Angaben können sich insbesondere durch Zeitablauf oder infolge von gesetzlichen Änderungen als nicht mehr zutreffend erweisen. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität sämtlicher Angaben kann daher keine Gewähr übernommen werden",

heißt es in dem neoliberalen Pamphlet Demografie - Strategie 2030 aus dem Dorothea SIEMS zitiert.

Zur Prognosensicherheit erhält man in der Broschüre lediglich demografische Desinformation. Man greift sich dazu eine Bevölkerungsvorausberechnung heraus, deren Zahlen - aufgrund falscher Annahmen - in einem einzigen Punkt - die geringste Abweichung von der gegenwärtigen Zahl hat. Man verschweigt jedoch, dass die zu politischen Zwecken in Umlauf gebrachten Zahlen meist völlig daneben liegen. So weist eine Bevölkerungsvorausberechnung, mit der 1985 eine Rentendebatte ausgelöst wurde, eine Fehlprognose um 12 % bzw. 8 Millionen Menschen für Deutschland im Jahr 2000 auf. Man sollte deshalb ALLE Vorausberechnungen der letzten Jahrzehnte überprüfen und auf ihre Abweichungen zur Realität testen. Das wird aber nicht getan. Warum wohl nicht? Man möchte sich diese Blamage ersparen...

SIEMS schreibt von einer "brutal auf uns zurollende Pflegelawine". Stattdessen steht in der Studie:

"Die Menschen bleiben immer länger gesund. Die Gruppe der »Senioren« wurde bis vor wenigen Jahren mit der Gruppe der im Erwerbs- und gesellschaftlichen Leben Inaktiven assoziiert. Inzwischen wird sie in die Gruppe der aktiven Senioren, die noch rüstig und in vielerlei Hinsicht und mit steigender Tendenz aktiv sind, und jene der hilfe- und pflegebedürftigen Greise bzw. Hochbetagten (80-Jährige und Ältere) unterschieden."

Wenn aber dieser Trend weiter bestehen bleibt, dann müssten für 2030 Pflegebedürftige nicht als 80-Jährige, sondern z.B. als 85-Jährige definiert werden. Dies wird jedoch von Apokalyptikern wie RAFFELSHÜSCHEN nicht gemacht, denn Horrorszenarien werden so konstruiert, dass zwar die Lebenserwartung als steigend angenommen wird, der Gesundheitszustand aber als gleichbleibend. Bei langen Zeiträumen ergeben sich daraus märchenhafte Horrorszenarien.

Beispielhaft für falsche Annahmen zur Pflegesituation, kann auch die Studie Die Single-Gesellschaft von Stefan HRADIL gelten, der Mitte der 1990er den Pflegebedarf aufgrund der Zunahme von Alleinlebenden prognostizierte. Bereits innerhalb des kurzen Zeitraums 1990 - 2005 wurde der Pflegebedarf falsch eingeschätzt, weil die Anzahl der lebenslang Alleinlebenden zu hoch angesetzt und die Verbesserungen des Gesundheitszustandes unterschätzt wurden.

 
   

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Update: 28. August 2015