[ Autoren der Generation Golf ] [ Debatte: Familien contra Singles ] [ News ] [ Homepage ]

 
       
   

Elisabeth Niejahr: Sozialpolitik für die neue Klassengesellschaft

 
       
     
       
     
       
   

Elisabeth Niejahr in ihrer eigenen Schreibe

 
       
   

NIEJAHR, Elisabeth & Jan FLEISCHHAUER (1998): Die Logik des kalten Buffets.
Der unsoziale Sozialstaat,
in: Spiegel Nr.30 v. 20.07.

"Die Rentenversicherung ist schon heute nur noch dank einer jährlichen Finanzspritze aus Steuergeldern in Höhe von 70 Milliarden Mark überlebensfähig und gerät spätestens 2030 vollends aus dem Lot. Auf jeden Beschäftigten könnte dann ein Rentner kommen, dessen Ansprüche er mit seinen Beiträgen abdecken soll", berichten NIEJAHR & FLEISCHHAUER.

NIEJAHR, Elisabeth (1999): Stille Flucht aus dem System.
Warum die alte Rente keine Zukunft hat,
in: Spiegel Special, Heft 2, Februar

NIEJAHR, Elisabeth (1999): Arme Junge, Reiche Alte.
Eine echte Rentenreform muss die Rentner zur Kasse bitten,
in: Die ZEIT Nr.43 v. 11.10.

"Die beste Voraussetzung für eine große Reform wäre, klar und offen zu sagen, wo die Probleme liegen. Länder wie Norwegen und die Vereinigten Staaten führten deshalb offizielle Generationenbilanzen ein. Sie geben an, welche Gesetze und Programme jeweils Alt und Jung begünstigen", meint NIEJAHR.

NIEJAHR, Elisabeth (2001): Geld allein macht nicht kinderreich,
in:
Die ZEIT Nr.3 v. 11.01.

Elisabeth NIEJAHR bezweifelt die Wirksamkeit bevölkerungspolitischer Maßnahmen. Familienförderung kann nach ihrer Ansicht nur den Zeitpunkt der Familiengründung verändern, aber nicht die Anzahl der gewünschten Kinder beeinflussen. Als Beispiel für die Wirkungslosigkeit nennt sie Schweden.

NIEJAHR, Elisabeth (2001): "Unsolidarisch".
Jürgen Borchert fordert ein neues Sozialsystem,
in: Die ZEIT Nr.16 v. 11.04.

NIEJAHR, Elisabeth (2001): Singles als Verlierer?
Das Pflegeurteil könnte die Rentenpolitik verändern,
in: Die ZEIT v. 11.04.

Elisabeth NIEJAHR widmet sich dem Grundsatzstreit: "Soll die Erziehung von Kindern innerhalb des Rentensystems gefördert werden (...). Oder sollte lieber die Gemeinschaft der Steuerzahler die Kindererziehung fördern?"

NIEJAHR, Elisabeth (2001): Die große Not der Kleinen.
In Deutschland wächst die Kinderarmut. Über eine Million Minderjährige leben bereits von der Sozialhilfe. Das größere Problem aber ist die fehlende Zuwendung,
in: Die ZEIT Nr. 1v. 14.12.

Die größte Gruppe der Sozialhilfeempfänger sind die Einpersonenhaushalte (siehe z.B. Nürnberger Nachrichten vom 12.12.2001). Während jedoch deren Bedürftigkeit bestritten wird (z.B. RAFFELHÜSCHEN in der FAZ vom 05.12.2001), gilt die Bedürftigkeit von Kindern und Jugendlichen unbestritten:

"Neu ist (...), wie vehement auch diejenigen bessere Leistungen für Familien fordern, die sonst generell für einen Rückzug des Sozialstaats plädieren: ordoliberale Ökonomen zum Beispiel oder auch die FDP (...).
Das neue Interesse an bedürftigen Minderjährigen gefällt nicht jedem. »In der öffentlichen Debatte gelten Kinder mittlerweile als würdige Arme und arbeitsfähige Sozialhilfeempfänger als Unwürdige, die ruhig schikaniert werden können«, schimpft der Kölner Politikwissenschaftler
Christoph Butterwegge. »Die Existenz von Armut gilt als normal, Kinderarmut jedoch als Skandal.«"

NIEJAHR, Elisabeth (2002): Das Märchen vom Aufstieg.
Die Deutschen glauben, dass es jeder nach oben schaffen kann. Falsch: Von den eigenen Bürgern unbemerkt, ist das Land zur Klassengesellschaft mutiert. Der Sozialstaat muss sich auf die Armen konzentrieren,

in: Die ZEIT Nr.20 v. 08.05.

Elisabeth NIEJAHR berichtet über einen Sachverhalt, der in der Kontroverse Familien contra Singles gerne verdrängt wird und mittels Begriffen wie "Generationengerechtigkeit" (siehe hierzu ausführlicher Christoph BUTTERWEGGE) ausgeblendet wird:

"Auf absehbare Zeit wird das soziale Gefälle innerhalb der Generationen größer bleiben als das zwischen den Generationen."

Deshalb fordert NIEJAHR:

"Die Politiker wären gut beraten, weniger zwischen Kinderreichen und Singles und stärker zwischen armen und reichen Familien zu unterscheiden."

Familienrhetoriker behaupten, dass die Lebenschancen von der Haushaltsform abhängig sind, tatsächlich sind sie jedoch bildungs- bzw. milieuabhängig. Dies gilt nicht nur für die Aufstiegschancen im Beruf (siehe hierzu Michael HARTMANN), sondern auch für die Heiratsmuster (siehe Heike WIRTH). Familienrhetoriker setzen Singles mit Yuppies gleich, obwohl die Spaltung der Gesellschaft auch die Gruppe der Alleinlebenden spaltet. Für Deutschland ersetzen immer noch Vorurteile empirische Untersuchungen. In Frankreich hat der Soziologe Jean-Claude KAUFMANN 1999 ein Buch zum Thema veröffentlicht, das kürzlich unter dem Titel  Singlefrau und Märchenprinz auch in Deutschland erschienen ist.  Obwohl das Buch die partnerlose Frau in den Mittelpunkt stellt, so wird jedoch sichtbar, dass männliche Partnerlose im mittleren Lebensalter die Modernisierungsverlierer sind. Sein Fazit:

"Die Kennzeichnung der Armut durch Einsamkeit ist öfter männlich, während die Kennzeichnung des gesellschaftlichen Erfolgs durch Autonomie häufiger weiblich ist. Alleinlebende Männer findet man häufiger unten auf der gesellschaftlichen Leiter, alleinlebende Frauen häufiger oben."

Dies gilt für männliche Partnerlose außerhalb von Einpersonenhaushalten noch viel mehr:

"eine eigene Wohnung zu haben, stellt bereits einen Indikator sozialer Integration dar. Situationen gesellschaftlich viel schwerer wiegender Einsamkeit sind hingegen mit ganz anderen Wohnsituationen verknüpft (...). Untergebracht bei Verwandten, bei Freunden, in Heimen. Und nicht zu vergessen die Wohnungslosen."

Die familienpolitische Debatte in Deutschland verhindert, dass dieser Skandal bei uns öffentlich verhandelt wird. Die Studie von Stefan HRADIL zur "Single"-Gesellschaft enthält deutliche Hinweise darauf, dass die Einschätzung von Jean-Claude KAUFMANN auch für Deutschland zutrifft. Was muss passieren, bis dies endlich zur Kenntnis genommen wird?

NIEJAHR, Elisabeth (2002): Rentenlügner unter sich.
Alle Parteien missbrauchen die Alterssicherung im Wahlkampf,
in: Die ZEIT Nr.36 v. 29.08.

NIEJAHR weist auf den Zusammenhang zwischen fehlenden Beitragszahlern und Erwerbssystem hin: "in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit ist ein Anstieg der Lohnnebenkosten kaum zu vermeiden. Die frisch Entlassenen fallen als Beitragszahler aus, und für mehr Arbeitslose werden mehr Ausgaben fällig. Solange die Finanzierung der Sozialsysteme am Faktor Arbeit hängt, wird das so bleiben."

NIEJAHR, Elisabeth (2003): Land ohne Leute.
ZEIT-Serie "Land ohne Leute" (1): Die vergreiste Republik. Deutschland verliert jährlich 200000 Einwohner, da mehr Menschen sterben als geboren werden. Es wächst ein demografisches Problem ungeheuren Ausmaßes heran, doch die Politiker ignorieren es,
in: Die ZEIT Nr.2 v. 02.01.

Elisabeth NIEJAHR ist unter die Apokalyptiker gegangen. Mit ihrer Krisenrhetorik und dem Bedauern, dass eine pronatalistische, d.h. eine direkt geburtenfördernde, Politik noch nicht allgemein durchgesetzt ist, folgt sie den "konservativen Revolutionären" Arnulf BARING und Meinhard MIEGEL. Die Krise ist die Stunde der Exekutive. Es muss gehandelt werden. Demokratische Gepflogenheiten und Interessensätze werden machtpolitisch hinweggefegt. MACHIAVELLI und Carl SCHMITT sind die Paten dieses antidemokratischen Politikstils. Krisenrhetorik dient der Einschränkung von Denkalternativen und damit der Perspektivenverengung. Zweifel dürfen gar nicht erst aufkommen.  In diesem Sinne präsentiert NIEJAHR den Super Gau der Bevölkerungsentwicklung. Während der Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG den ideologischen Charakter bevölkerungswissenschaftlicher Prognosen erst gar nicht leugnet, plappert NIEJAHR lediglich jene Slogans nach, mit denen Demografen die Prognosefähigkeit ihrer Wissenschaft behaupten:

"Einwohnerzahlen sind leichter zu prognostizieren als beispielsweise der Klimawandel. Die Alten von morgen sind schließlich heute schon auf der Welt".

Das mag - abgesehen vom Ausbleiben nicht erwünschter lokaler Katastrophen - stimmen, aber wieviel Junge bis dahin auf die Welt kommen werden, das steht genauso wenig fest wie die nicht weniger entscheidende Frage, wo diese Menschen leben werden.  Vor einigen Tagen hat der österreichische Bevölkerungswissenschaftler Wolfgang LUTZ in einem FAS-Interview die angeblich so treffsicheren UN-Prognosen der Vergangenheit als unzutreffend bezeichnet. Die prognostizierte Bevölkerungsexplosion der Weltbevölkerung findet nicht statt. Noch schlimmer: der zentrale Glaubenssatz der Demografen, wonach der Entwicklungsstand einer Nation eng mit der Geburtenrate verknüpft ist, ist in dieser simplen Form nicht aufrecht zu erhalten. Die Gleichung arm = viele Geburten & reich = wenige Geburten stimmt so nicht. "Simplify your life" mag ja ein gesellschaftlicher Trend sein, wenn es jedoch um wissenschaftliche Glaubwürdigkeit geht, dann sollte man diesen monokausalen Erklärungsmythen misstrauen. In dem 1997 erschienenen Buch Familie leben rechnet der Familiensoziologe Hans BERTRAM mit der Ideologie von Meinhard MIEGEL ab. MIEGEL hat seine Thesen zur Bevölkerungsentwicklung nicht erst in dem Buch Die deformierte Gesellschaft niedergeschrieben, sondern bereits 1994 zusammen mit Stefanie WAHL das Ende des Individualismus prophezeit. Die empirischen Daten der Längsschnittuntersuchung des Deutschen Jugendinstituts stützen MIEGELs Kritik an der hedonistischen und individualistischen Kultur in Deutschland nicht. Postmaterialistische Werte verhindern nicht per se, dass aus Singles Eltern werden. Die Frage,

"unter welchen Umständen Postmaterialisten bereit sind, Kinder zu bekommen"

ist deshalb nicht so einfach zu beantworten wie sich das MIEGEL und Konsorten wünschen. Christine CARL hat zum Thema gewollte Kinderlosigkeit ein Buch veröffentlich, das die Problemvielfalt aufzeigt.

NIEJAHR, Elisabeth & Marcus ROHWETTER (2003): Lasst sie jung aussehen.
Sie haben Geld, Zeit und Lust: Die Wirtschaft entdeckt Menschen jenseits der 50 als Zielgruppe. Willkommen in der Konsumwelt von morgen,
in: Die ZEIT Nr.4 v. 16.01

NIEJAHR, Elisabeth (2003): Unsoziale Parität.
Die SPD wendet sich gegen Rürup - und gegen sich selbst,
in: Die ZEIT Nr.15 v. 03.04.

NIEJAHR, Elisabeth (2003): Schleudersitz zur Macht.
Früher galten die Sozialexperten im Parlament als fleißig, mächtig und nicht selten unpolitisch. Jetzt rücken selbstbewusste Generalisten nach,
in: Die ZEIT Nr.16 v. 10.04.

NIEJAHR beschreibt wie jeglicher Widerstand gegen die Neue-Mitte-Politik durch einen neuen Ressortzuschnitt von vorneherein verhindert wurde:

"Der Neuzuschnitt der Sozialministerien sollte nach den Vorstellungen des Kanzlers auch die gewerkschaftsnahe Beamten-Bastion im alten Sozialministerium knacken. Sie schwächte den alten Sozialpolitiker-Verbund in den Ausschüssen gleich mit, denn deren Zuschnitt richtet sich nach den Ministerien. Jetzt verteilen sich die Sozialexperten auf zwei Fachzirkel: Zum einen auf den Ausschuss für Gesundheit und Soziale Sicherung, in dem besonders viele Parlamentsneulinge sitzen. Zum anderen auf den Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft, dem auch viele Mittelstandspolitiker angehören, woran sich alle Beteiligten immer noch gewöhnen müssen".

NIEJAHR, Elisabeth & Bernd ULRICH (2003): Gerechtigkeit.
In jedem von uns steckt ein Sozi. Er pflegt die Besitzstände und verweigert reflexhaft jede Veränderung. Die Sozialdemokraten in der SPD kann der Kanzler notfalls erpressen. Die Sozialdemokraten in uns muss er noch überzeugen. Schröder kann es schaffen,
in: Die ZEIT Nr.18 v. 24.04.

NIEJAHR  & ULRICH melden den Erfolg der Symbolanalytiker der alten & neuen Mitte:

"Die Flut von schlechten Daten in Wirtschaft, Haushalt und Bildung (...) haben die Mehrheit willig gemacht hinzunehmen, was der Kanzler Agenda 2010 nennt, ein Bündel unausweichlicher Sozialkürzungen".

Diese Elitenstrategie der Dramatisierung hat Jedediah PURDY beschrieben. Bernd ULRICH hat bereits im Tagesspiegel seine Gerechtigkeitsvorstellungen vorgetragen. Ihm geht es um die Neujustierung der Verteilungsfrage. Die Neue Mitte macht sich scheinbar zum Anwalt der "neuen" Randgruppen, um ihre eigenen Privilegien zu sichern. Denn damit sich die Eliten nicht ändern müssen, sollen die Nicht-Eliten die Zeche zahlen. Die oberflächliche Frontlinie beschreiben die Autoren folgendermaßen:

"Nicht dass der alte Verteilungskonflikt zwischen Kapital und Arbeit geradewegs zum Nebenwiderspruch geworden wäre. Aber andere, nicht minder bedeutsame Gerechtigkeitsfragen sind hinzugekommen – der Gegensatz zwischen Alten und Jungen, Familien und Kinderlosen, Einwanderern und Einheimischen, Jobbesitzern und Arbeitslosen".

Vorbild der Neujustierung ist die USA der Clinton-Ära:

"Die Zahl der Mütter mit College-Diplomen habe sich seit 1990 um 40 Prozent erhöht. Jede vierte Amerikanerin habe zum Zeitpunkt der Geburt des ersten Kindes mindestens den Bachelor-Grad erreicht",

schreibt SIEMON-NETTO. Elinor BURKETT hat in ihrem Buch Baby Boon die Diskriminierung von Kinderlosen in den USA beschrieben, denn sie müssen die neue Familienfreundlichkeit finanzieren. Dies wäre zu verkraften, wenn die Familienfreundlichkeit allen Familien gleichermaßen zu gute käme, aber es ist in erster Linie die Gebt-mir-alles-Familie der Neuen Mitte, die von Kinderlosen finanziert werden soll. Diese Gebt-mir-alles-Familie lebt vorzugsweise als Family-Gentrifier in den schicken Großstadtquartieren von Dienstleistungsmetropolen wie München, Frankfurt, Berlin usw.

NIEJAHR, Elisabeth (2003): Erst poltern, dann feiern.
Jetzt will Gerhard Schröder alle Grausamkeiten offenbaren. Pünktlich zum 1. Mai mobilisiert der Kanzler die Gewerkschaften - gegen sich,
in: Die ZEIT Nr.19 v. 30.04.

NIEJAHR, Elisabeth (2003): Die Feigheit der Flickschuster.
Kanzler Schröder will den Sozialstaat umbauen. Doch er spart nur innerhalb des alten Systems. Damit die Agenda 2010 länger als ein Jahr hält, müsste es neu finanziert werden - durch Steuern statt durch Beiträge,
in: Die ZEIT Nr.21 v. 15.05.

NIEJAHR berichtet u. a. über die Kontroverse um die richtige Finanzierung des Sozialsystems: "Bezeichnend ist, dass die Trennlinie zwischen Unterstützern und Gegnern nicht entlang den Parteigrenzen verläuft, sondern zwischen traditionellen Sozialpolitikern und dem Rest. (...).
Wie wichtig die Grundhaltung zur Politik ist, erfährt man zum Beispiel bei
Gerhard Bäcker, einem bekannten Soziologie-Professor der Universität Duisburg-Essen, der Mitautor sozialpolitischer Standardwerke ist. Er hält viel vom alten Beitragssystem. Der Abschied von Bismarck sei ein Systemwechsel »hin zu einem Fürsorge-Modell«. Für Bäcker ist das ein Rückschritt: Im bestehenden System habe der Beitragszahler schließlich einen Rechtsanspruch auf Gegenleistungen. »Jedes Fürsorge-System hat enorme Akzeptanzprobleme und ist generell gefährdet, da über die Höhe der Hilfe jährlich politisch mit der Verabschiedung der Etats entschieden wird«, sagt Bäcker.
Der frühere CDU-Sozialminister
Norbert Blüm drückte die gleiche Sorge mit dem ihm eigenen Pathos aus: Es gehe um den Unterschied zwischen »Bürger und Untertan«.
"

NIEJAHR, Elisabeth (2003): Die Bellheim-Republik.
Vergreisung? Verarmung? Die Alten werden die Retter sein,
in: Die ZEIT Nr.36 v. 28.08.

Elisabeth NIEJAHR fordert ein Umdenken: "Nötig ist eine neue Einstellung zum Alter: in den Personalabteilungen, an den Universitäten, in den Familien, im Gesundheitswesen. Schließlich ändert sich viel mehr als nur das Rentensystem, wenn Deutschland in die Jahre kommt. Wir werden anders wohnen, anders Auto fahren, anders arbeiten, anders lieben und anders essen, wenn erst einmal jeder Dritte älter als 50 ist."

HAMANN, G. & E. NIEJAHR (2003): Arme Rentner - anno 2020.
Nie war die Altersarmut so gering wie heute. Das ändert sich, wenn die Pläne der Rürup-Kommission wahr werden,
in: Die ZEIT Nr.36 v. 28.08.

NIEJAHR, Elisabeth (2003): Stimmungsmache gegen die Alten,
in: Die ZEIT Nr.39 v. 18.09.

Bernd W. Klöckner - Die gierige Generation

NIEJAHR, Elisabeth (2003): Politik vom Wickeltisch.
Familie, Demografie, Bildung und noch mal Bildung - das sind die großen Themen des dänischen Soziologen Gøsta Esping-Andersen. Jetzt hat ihn die SPD entdeckt,
in: Die ZEIT Nr.41 v. 02.10.

NIEJAHR stellt den ZEIT-Lesern den neuen Guru der Sozialdemokratie vor: den dänischen Soziologen Gösta ESPING-ANDERSEN.

NIEJAHR, Elisabeth (2003): Gefühlte Gerechtigkeit.
Viele führende Sozialdemokraten haben typische Aufsteiger-Biografien. Für Chancengleichheit kämpfen sie deshalb noch lange nicht,
in: Die ZEIT Nr.47 v. 13.11.

Elisabeth NIEJAHR bestätigt einerseits die Kritik des Göttinger Politikwissenschaftlers Franz WALTER an den Genossen und andererseits geht sie der These des Elitenforschers Michael HARTMANN nach, der den Sozialcharakter von Aufsteigern folgendermaßen beschrieben hat:

"Deutschland wird von Aufsteigern regiert. Man kann lange darüber streiten, welche politischen Folgen das hat: Der Darmstädter Soziologieprofessor Michael Hartmann unterstellt ihnen besondere Härte, nicht nur im parteiinternen Konkurrenzkampf, sondern auch beim Reformieren. Denn in der Wirtschaft seien es ja meist Außenseiter, die besonders hart sanierten, während die Bürgerkinder für das Visionäre zuständig seien."

NIEJAHR, Elisabeth (2004): Auf der Suche nach einem neuen Selbstbild.
Deutschland kommt in die Jahre,
in: Das Parlament Nr.48 v. 22.11.

NIEJAHR, Elisabeth (2003): Wirtschaftswunder in Grau.
Die Deutschen werden immer älter - und trotzdem kann es ihnen besser gehen,
in: Die ZEIT Nr.51 v. 11.12.

NIEJAHR, Elisabeth (2004): Die kommende Armut.
Wenn die Politik weiterschläft, kehrt die Klassengesellschaft zurück,
in: Die ZEIT Nr.16 v. 07.04.

"Es ist offensichtlich, dass der Konflikt zwischen Jung und Alt den Gegensatz zwischen Arm und Reich nicht etwa ablösen, sondern verschärfen wird. Das gealterte Deutschland wird ungleicher sein, weil es mehr zu vererben und weniger Rente geben wird", erklärt Elisabeth NIEJAHR

NIEJAHR, Elisabeth (2004): Die Schwiegermütter-Republik.
Je leerer die öffentlichen Kassen sind, desto wichtiger wird die Familie. Um den Sozialstaat zu entlasten, müssen nun die lieben Verwandten ran - doch die meisten sind damit überfordert,
in: Die ZEIT Nr.20 v. 06.05.

NIEJAHR, Elisabeth (2004): Panik in der Mittelschicht.
Am Wochenende berät die Bundesregierung in Neuhardenberg über die Reformen. Hartz IV kommt zwar den Sozialhilfeempfängern zugute, nicht aber den besser gestellten Arbeitslosen. Jetzt ist der Moment gekommen, eine durchdachte Politik für die Armen in Deutschland zu entwickeln,
in: Die ZEIT Nr.29 v. 08.07.

Elisabeth NIEJAHR vermisst die Anwälte der Unterschichten und verweist darauf, dass die Erfassung der Armut mit Problemen behaftet ist. Drei Definitionen der Armut werden unterschieden: weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens, Zahl der Sozialhilfeempfänger und Teilhabe bzw. Exklusion. Danach widmet sich NIEJAHR den Abstiegsängsten der Mittelschichten (Für die USA hat das Barbara EHRENREICH 1989 in ähnlicher Weise getan, dagegen hat David BROOKS im Jahr 2000 die Ängste der Bobo-Mittelschichten als Resultat eines Vergleichs mit den alten Eliten gerechtfertigt), um mit der Unterscheidung zwischen objektiver und subjektiver Sicherheitslage die Panik der Mittelschichten als ungerechtfertigt abzutun. Das hatte bereits die taz Ende 2003 praktiziert. Zuletzt stellt uns NIEJAHR die wahren Armen vor: die Familien. Dies tut sie mit der Behauptung, dass diese sich kaum artikulieren würden. Welch ein Hohn! Diese Seite beweist das Gegenteil...

NIEJAHR, Elisabeth (2004): Mehr Wohlstand für alle.
Die Deutschen werden weniger. Das ist kein Grund zur Panik, sondern auch eine Chance,
in: Die ZEIT Nr.43 v. 14.10.

Bislang galt es als Elitenkonsens der Neuen Mitte, dass eine schrumpfende Bevölkerung Wohlstandsverluste bedeutet, Elisabeth NIEJAHR hält dagegen:

"Dass der Wohlstand eines Landes durch eine sinkende Einwohnerzahl gefährdet werden kann, ist eine vergleichsweise neue Sicht der Dinge. Die Geschichte lehrt eher das Gegenteil. Ein besonders drastisches Beispiel sind die Pestepidemien des ausgehenden Mittelalters. Ganze Landstriche wurden entvölkert, Hunderttausende starben. Grundstücke und Ackerflächen verteilten sich auf weniger Köpfe, pro Person wurde mehr Kapital gebildet, der Lebensstandard in Europa stieg.
Wirtschaftshistoriker haben die Pest im Nachhinein als eine der Voraussetzungen für die Entstehung des Frühkapitalismus bezeichnet. Und meistens haben Ökonomen später ähnlich argumentiert: Schnell wachsende Bevölkerungen galten als Gefahr für den Wohlstand eines Landes. Und tatsächlich sind junge, kinderreiche Gesellschaften bis heute meistens arm – Länder wie Bangladesch oder Indien sind Beispiele dafür.
Auch in wohlhabenden Ländern ist der Zusammenhang zwischen Wachstum und Bevölkerungsrückgang nicht so einseitig, wie häufig angenommen wird: Einerseits haben die Menschen weniger Kinder, weil sie zu Wohlstand gekommen sind. Andererseits geben sie weniger für die Unterstützung ihrer Familien aus und können mehr Kapital bilden.
"

NIEJAHR, Elisabeth (2004): Mit 70 hat man noch Träume.
Ein Gesetz soll die Alten vor Diskriminierung schützen – aber so schwach sind sie nicht,
in: Die ZEIT Nr.43 v. 14.10.

NIEJAHR, Elisabeth (2005): Aus tausend kleinen Kübeln.
Chaos in der Familienförderung: Der Staat gibt viel aus, der Bürger merkt das nicht. Alle Parteien wollen, dass die Mittel künftig aus einer großen Kasse kommen,
in: Die ZEIT Nr.14 v. 31.03.

NIEJAHR, Elisabeth (2005): Den Frauen sei Dank.
Arbeitslosenquote, Rentenprognosen, Armutsbericht: Alles sieht besser aus, wenn Ökonomen gezielt auf den weiblichen Faktor achten,
in: Die ZEIT Nr.20 v. 12.05.

NIEJAHR, Elisabeth (2005): Altersbeschwerden.
Müntefering und Merkel wollen nicht bei der Rente, sehr wohl aber bei den Rentnern sparen,
in: Die ZEIT Nr.45 v. 03.11.

Elisabeth NIEJAHR referiert verschiedene Modelle für zukünftige Rentenreformen. Das Spektrum reicht von Minusanpassungen über längere Lebensarbeitszeiten bis zu einer Rentenformel, die Geringverdienern eine höhere Rendite ermöglicht.

NIEJAHR, Elisabeth (2006): Die Entdeckung des Alters.
Das Gute an der Rentendebatte: Die Deutschen merken, worauf es künftig ankommt,
in: Die ZEIT Nr.8 v. 16.02.

NIEJAHR, Elisabeth (2007): Die Jahre zählen.
Ob Elterngeld oder Rente mit 67: Nichts beschäftigt die Regierung so sehr wie der demografische Wandel,
in:
Die ZEIT Nr.16 v. 12.04.

NIEJAHR, Elisabeth (2007): Der wahre Altersunterschied.
Heute geht es den meisten Rentnern gut. Aber die Altersarmut wird zunehmen, weil viele Bürger nicht in der Sozialversicherung sind,
in:
Die ZEIT Nr.36 v. 30.08.

Aufgrund der Rentenreformen der letzten Jahre, die insbesondere die Nach-68er-Generationen betreffen, wird die Altersarmut um sich greifen:

"Waren bisher vor allem nicht erwerbstätige Mütter die Verlierer der Rentenpolitik, so werden dies in Zukunft Geringverdiener, Arbeitslose und vor allem viele Selbständige sein",

meint Elisabeth NIEJAHR. Es wird auch keinen Generationenkampf geben, wie die Verfechter von mehr Generationengerechtigkeit (meist dieselben, die auch die Rente auf eine Grundrente reduzieren möchten) behaupten, sondern die Kluft zwischen Arm und Reich innerhalb von Altersgruppen wird zunehmen:

"Die Rente ab 67 wird vor allem von den Alten gefürchtet, den Rentnern von heute - also genau von der Gruppe, die das Gesetz bestimmt nicht betrifft. Und die Vertreter der geburtenstarken Jahrgänge im Parlament, in den Verbänden und den Redaktionen haben besonders vehement Korrekturen bei der alten Rentenformel gefordert - und werden am Ende diejenigen sein, die deshalb mit kleinen Alterseinkommen leben müssen".

NIEJAHR, Elisabeth (2008): Die Legende von der Kinderlosigkeit.
Wenn der Staat will, dass die Zahl der Geburten zunimmt, sollte er die Großfamilien besser fördern,
in: Die ZEIT Nr.10 v. 28.02.

NIEJAHR, Elisabeth (2010): Die Frau, die Kanzler kann.
Lange war Ursula von der Leyen das liberale Aushängeschild der CDU. Als Hartz-IV-Reformerin macht sie erstmals konservative Politik,
in: Die ZEIT Nr.40 v. 30.09.

Elisabeth NIEJAHR verschweigt, dass Ursula von der LEYEN genau jene Politik macht, die der Vordenker und SPD-Mitglied Thilo SARRAZIN in seinem Buch Deutschland schafft sich ab fordert. Einsparungen beim Hartz IV-Regelsatz damit zu erklären, dass Tabak und Alkohol als Genussmittel nicht zum Existenzminimum gehören, das steht dort wortwörtlich auf Seite 116:

"In den Ist-Ausgaben des Durchschnittshaushalts sind 40 Euro für Tabakwaren und eine ähnliche Summe für den nur grob abzuschätzenden Verbrauch an alkoholischen Getränken und alkoholfreien Erfrischungsgetränken (Mineralwasser und Ähnliches) enthalten. Allein in diesen beiden Positionen liegt Einsparpotential, das es jedem, der in einem auf Transfer angewiesenen Haushalt lebt, ermöglicht, sich exakt so zu ernähren, wie das bei einem durchschnittlichen Verdienst möglich ist - wenn er will sogar besser."

NIEJAHR, Elisabeth  (2011): Mit der großen Gießkanne.
Ob Oberschicht oder Unterklasse, alleinerziehend oder zu zweit, mit Job oder ohne Job: Der deutsche Sozialstaat hilft fast jeder Familie - und damit keiner richtig,
in:
Die ZEIT Nr.7 v. 10.02.

Elisabeth NIEJAHR beschwört die Komplexität der Familienleistungen - also das passende Gegenstück zu Jens JESSENs beschworener Familienkomplexität.

"Die Förderei ist so unübersichtlich, dass kein seriöser Wissenschaftler berechnen mag, welche soziale Gruppe wie stark profitiert",

klagt NIEJAHR. Sie verschweigt aber, dass Transparenz gar nicht gewünscht ist, denn dann hätte die ZEIT selber ein gravierendes Problem. Sie müsste dann ihre eigene Klientelpolitik transparent machen, die von der oberflächlich beschworenen Familienkomplexität nichts wissen will. Die mediale Konstruktion der Problembeispiele in dem Beitrag folgt einer impliziten Klientelpolitik, d.h. der Förderung der akademischen Doppelkarrierefamilie. Dazu wird u. a. das mittelschichtorientierte Ehegattensplitting attackiert:

"zwanzig Milliarden kostet das Ehegattensplitting, das große Steuervorteile für Familien bietet, in denen nur ein Ehepartner berufstätig ist. Der maximale Vorteil liegt laut Bundesfinanzministerium bei 15.694 Euro pro Jahr. Ein Drittel der Splitting-Vorteile geht an kinderlose Ehepaare und an solche, deren Nachwuchs nicht mehr im Haushalt lebt. »Im Interesse der Kinder müssten wir junge Eltern stärker fördern als alte, aber das Splitting wirkt eher in die andere Richtung«, kritisiert der Familiensoziologe Hans Bertram."

Eng verbunden mit dieser Subventionierung der Ehe  statt der jungen Familie - unverheiratet oder verheiratet - ist der abgeleitete Anspruch auf Hinterbliebenenrente, den sich Rentnerpaare erhalten wollen:

"Und oft reagieren sie darauf, wie Menschen es schon immer getan haben: Sie richten sich ein und versuchen das Beste herauszuholen – auf Kosten des Gemeinwohls.
            So trägt die Familienpolitik sogar dazu bei, dass Paare ganz rational entscheiden, nicht zu heiraten. Heide Wolff ist ein Beispiel dafür. (...). Wolff und ihr Freund leben in benachbarten Wohnungen mit kleiner Verbindungstür. Seit zwanzig Jahren sind sie ein Paar.
            (...) Beide hatten Ehepartner, die gestorben sind, und bekommen deshalb Hinterbliebenenrenten. Im Fall einer neuen Ehe würden diese Ansprüche entfallen, und das Paar hätte monatlich viel weniger Geld.
"

"Wilde Rentnerehe" nennt NIEJAHR das, obwohl es dafür einen Begriff gibt, der fast so alt ist wie die alte Bundesrepublik: Onkelehe. Diese Praxis schien Ende der 1950er im Sterben zu liegen, wie Regina BOHNE in ihrem 1960 erschienen Buch Das Geschick der zwei Millionen schreibt:

"In der Tat war ja die »Onkelehe« bis vor kurzer Zeit ein heftig diskutiertes Problem im Zusammenhang mit der Rentenregelung. In den ersten Nachkriegsjahren stand die »Onkelehe« in hoher Blüte; heute liegt sie weithin im Sterben. Die günstigere Regelung für die Kriegerwitwe, die eine zweite Ehe schließen möchte (sie erhält heute den fünffachen Jahresbetrag ihrer Sozialrente ausbezahlt), dürfte hierfür entscheidend ins Gewicht fallen. Der nächst wichtige Grund ist immaterieller Art: die herangewachsenen Kinder mit ihren Problemen schärfen das Verantwortungsbewußtsein der Mutter.
Das Modell einer »Onkelehe«, wie sie vielfach ausgesehen haben mag, hat der Dichter Heinrich Böll in seinem Roman »Haus ohne Hüter« in einer exemplarisch deutlichen Sprache geschildert." (1960, S.165f.)

Wir erleben also im Zeichen der Skandalisierung der kinderlosen Ehe die Rückkehr der Onkelehe - nur mit anderen Vorzeichen. Konnte die Kriegerwitwe/Trümmerfrau noch auf politisches Verständnis hoffen, so gilt das wilde Rentnerehepaar nun als Trittbrettfahrer einer verfehlten Familienpolitik. Wer verstärkt Akademikerkinder fördern möchte, dem sind die bildungsfernen Hartz-IV-Empfänger natürlich ein Dorn im Auge. Passend dazu wird deshalb der Missbrauch der sozialstaatlichen Leistungen durch die Auflösung von Paarhaushalten angeprangert:

"Immer wieder ziehen Paare auseinander, weil ihnen die Unterstützung angenehmer ist als die vom Partner".

Die Lösung, die angeblich vor Missbräuchen schützen soll: eine Grundsicherung für Kinder. Der Pferdefuß ist aber: das mittelschichtorientierte Ehegattensplitting und das Kindergeld lässt sich nicht abschaffen, sondern nur verringern. Der Kampf um die Art des Splittingverfahrens bleibt weiterhin auf der Agenda.  Hinzu kommt: Grundsicherung ist nicht gleich Grundsicherung:

"Die Oppositionsparteien wollen die Grundsicherung in verschiedenen Varianten, die meisten Familienverbände auch".

Mit der Grundsicherung für Kinder ist also keine wirklich transparente Lösung verbunden, sondern die Verschleierung der Klientelpolitik geht lediglich neue Wege. Warum sollte sich das Problem Familienpolitik auch erledigen, wenn doch der dahinter stehende Interessenkonflikt, d.h. der Kampf von Eltern gegen Eltern um die Bevorzugung der eigenen Familienform unverändert bleibt? Leider gibt weder der Artikel von NIEJAHR noch jener von Jens JESSEN eine Antwort darauf.

NIEJAHR, Elisabeth (2011): Lasst uns länger arbeiten!
Mit 65 Jahren müssen die meisten Arbeitnehmer in Rente gehen. Warum eigentlich? Die starre Altersgrenze bevormundet den Einzelnen – und schadet den Unternehmen,
in: Die ZEIT Nr.22 v. 26.05.

Letzte Woche wurde das Gutachten des  Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung auf die Debatte um die Rente mit 69 verkürzt. Nun bearbeiten die Frontfrauen Elisabeth NIEJAHR und Luisa SEELING die Debatte weiter, die von Susanne GASCHKE am 7. April in der ZEIT angestoßen wurde.

Als wissenschaftliche Gewährsmänner (Frauen haben zu diesem Thema nichts zu sagen!) werden von NIEJAHR die Positionen von James VAUPEL, Axel BÖRSCH-SUPAN und Andreas KRUSE dargelegt. Erstere haben Grundlagenbeiträge zum kürzlich erschienenen Themenheft Demografischer Wandel der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte verfasst, letzterer repräsentiert den im letzten Jahr vorgelegten 6. Altenbericht (mehr dazu hier).

SEELING interviewt den Molekularforscher Konrad BEYREUTHER ("Ruhestand ist eine Art Winterschlaf"), um das Rentensystem zu delegitimieren. Natürlich kann die Hirnforschung und die Rede vom "Stimulus" nichts dazu beitragen, denn Herausforderungen sind ja kein Merkmal allein des "Lohnarbeitsbereichs", wie die Schlagzeile suggeriert.

NIEJAHR plädiert für die Einführung einer Teilrente als Einfallstor für den beabsichtigten gesellschaftlichen Umbau. Die Teilrente muss natürlich so niedrig sein, dass man davon nicht (gut) leben kann, sondern weiter arbeiten muss (Anreiz). Die OECD sagt es weniger schönfärberisch: Weiterarbeiten ist zukünftig für Viele - dank Agenda 2010 - die einzige Alternative zur Altersarmut.

Tatsächlich geht es in der Debatte nicht wirklich um den Segen des Weiterarbeitens für den Menschen, sondern vorrangig um die Belange der Wirtschaft (Stichwort Fachkräftemangel, Abbau des Rentensystems). Was den Marxisten als Anwälten der Arbeiter das "falsche Bewusstsein" war, das ist den Anwälten der "jungen Alten" ein falsches Altersbild der Gesellschaft, das NIEJAHRs Fazit kennzeichnet:

"Die Älteren wollen also länger arbeiten, als oft behauptet wird – und ihnen selbst oft klar ist"

NIEJAHR, Elisabeth  (2012): Der Staat in meinem Bett.
Ehegattensplitting: Nach ihrer Hochzeit wunderte sich unsere Autorin über ihre neuen Steuervorteile. Inzwischen ärgert sie sich darüber, wie sehr die Politik in ihr Liebesleben hineinregiert,
in:
ZEITmagazin Nr.6 v. 02.02.

NIEJAHR, Elisabeth (2012): Die Ehe hält.
Nie zuvor war es in Deutschland so leicht, den Bund fürs Leben zu verlassen. Aber die meisten bleiben,
in:
Die ZEIT Nr.11 v. 08.03.

"In den vergangenen Jahren haben Berichte über Kinderarmut, Alleinerziehende und Scheidungsdramen oft wie Verhütungsmittel gewirkt. Die Ehestatistik ist ein Grund, weniger Angst vor der Zukunft zu haben. Spricht sich der Befund erst einmal herum, klappt es wahrscheinlich auch mit dem Kinderkriegen besser als bisher",

verkündet uns Elisabeth NIEJAHR, die eine "Untersuchung des Instituts für Demoskopie in Allensbach" gelesen haben will. Tatsächlich handelt es sich um eine Meinungsumfrage im Auftrag eines Kaffeeherstellers und einer Springer-Zeitschrift.

Merkwürdigerweise hat sich an der Faktenlage innerhalb der letzten 20 Jahren kaum etwas geändert, aber der Terminus "Single-Gesellschaft", der in den 1990er Jahren in aller Munde war, wird nur noch selten verwendet:

"Die Single-Haushalte erklären sich unter anderem dadurch, dass in Deutschland vergleichsweise wenig junge Erwachsene im »Hotel Mama« wohnen. Außerdem leben in Deutschland mehr alte Frauen allein, weil in der Kriegsgeneration die Männer fehlen",

erklärt uns NIEJAHR. Dabei werden Nesthocker oftmals als Single-Haushalte geführt, während die Zahl der Kriegerwitwen gesunken ist.

Man darf sich über diese Zurechtbiegung der Fakten nicht wundern, denn die Meinungsumfrage - ist wie alle Fakten in Sachen Bevölkerungspolitik - lediglich willkommener Anlass um die eigene Position im Kampf der Elternlebensstile zu stärken. Denn NIEJAHR geht es nicht um die Ehe, sondern ums Kinderkriegen:

"Zu lernen wäre (...), dass Ehe und Familiengründung offenbar weniger miteinander zu tun haben, als oft unterstellt wird. Die Deutschen haben stabilere Ehen als die Amerikaner und heiraten häufiger als die Franzosen. Trotzdem haben sie weniger Kinder. Unsere Bindungsfreude hat bisher an den absehbaren Problemen durch Alterung und Schrumpfung der Bevölkerung nichts geändert. Die Geburtenrate in Deutschland gehört zu den niedrigsten der Welt. Wer sie erhöhen will, sollte die finanzielle Förderung auf Kinder statt auf Ehepaare konzentrieren."

Keine Marketing- bzw. Politkampagne ist den Vereinbarkeitsverfechtern inzwischen mehr zu unseriös, um sie nicht als willkommenen Anlass zu nehmen, sich gegen das Ehegattensplitting positionieren.

NIEJAHR, Elisabeth (2013): Fünf Mythen übers Ehegattensplitting.
Familienförderung,
in:
Die ZEIT Nr.12 v. 14.03.

NIEJAHR, Elisabeth (2013): Deutsch, alt, lässig.
Warum unsere Gesellschaft die demografische Krise meistert,
in: Die
ZEIT Nr.42 v. 10.10.

Elisabeth NIEJAHR klopft sich selber auf die Schulter. Wie toll wir doch waren. Dank unserem Einsatz für den Rentenklau, ist die demografische Krise gemeistert. Altersarmut? Das betrifft nur die anderen!

"Wäre es gerechter, nichts zu tun und damit den Jüngeren steigende Beiträge, geringere Alterseinkommen und zusätzliche Ausgaben für die private Vorsorge zuzumuten?"

fragte NIEJAHR im Jahr 2000. Den Jungen wurden tolle Renditen in der privaten Altersvorsorge vorgegaukelt, damit die Demontage der gesetzlichen Rente reibungslos funktionierte. Dass mit den Rentenreformen lediglich die Altersarmut auch der jüngeren Generation vorprogrammiert wurde, das wollte die Generation Golf, die zur Generation Laminat mutierte, erst nach der Finanzkrise 2007 wahrhaben.

Die SPD kam 1998 vor allem an die Macht, weil sie als nützlicher Idiot beim Umbau des deutschen Sozialstaats gebraucht wurde, wie NIEJAHR bereits 1999 schrieb:

"Auch im Ausland waren es meist Sozialdemokraten, denen der Umbau der Sozialsysteme gelang. Haben sie sich erst einmal zu Reformen durchgerungen, glaubt man ihnen am ehesten, dass es nicht mehr anders geht."

In der aktuellen Ausgabe von ZEITWISSEN werden vier angebliche Irrtümer über den Demografiewandel vorgestellt. Waren es aber wirklich Irrtümer oder einfach nur bewusste Propaganda? Eher doch Letzteres, denn sonst hätte es diese Webseite nicht gegeben, auf der diese angeblichen Irrtümer bereits seit der Jahrtausendwende immer wieder richtig gestellt wurden.

NIEJAHR, Elisabeth (2013): Einwanderung für Fortgeschrittene.
Wer nützt Deutschland, wer nicht so sehr? Plädoyer für eine ehrliche Integrationspolitik,
in:
Die ZEIT Nr.48 v. 20.11.

"Mit dem Umfang der garantierten Sozialleistungen wachsen (...) die Vorbehalte gegen Fremde, die davon womöglich ohne eigene Leistung profitieren. (...). Wenn vom Staat wenig umverteilt wird, wird vom Bürger auch seltener Sozialschmarotzertum unterstellt",

behauptet NIEJAHR, die damit dem Sozialpopulismus eines Thilo SARRAZIN ("Deutschland schafft sich ab") bzw. der Alternative für Deutschland (AfD) das Wort redet.

Tatsächlich richten sich Sozialschmarotzer-Debatten bekanntlich keineswegs nur gegen Ausländer wie NIEJAHR weismachen möchte, sondern wahlweise immer gegen jene Gruppen, gegen die gerade sozialpolitische Gesetze durchgesetzt werden sollen, d.h. jeder Bürger ist prinzipiell der Willkür ausgeliefert, des Sozialschmarotzertums angeklagt zu werden.

Daraus ließe sich also nur ein logischer Schluss ziehen, Sozialstaaten ganz abzuschaffen. Das wäre dann nach dem Rauswurf der FDP aus dem Bundestag, doch noch ein Sieg des Neoliberalismus!

Die bessere Lösung wäre dagegen, die Interessen hinter den Sozialschmarotzer-Kampagnen aufzuzeigen...

ZEIT-Thema: Der Preis der Liebe.
Welche Macht das Geld über Beziehungen hat

KOWITZ, Dorit & Elisabeth NIEJAHR (2014): Geliebter Konkurrent.
Von wegen Romantik - wie die Ökonomie unsere Partnerwahl prägt,
in:
Die ZEIT Nr.13 v. 20.03.

NIEJAHR, Elisabeth (2014): Liebe Alice Schwarzer!
Warum Feministinnen sich weniger um Sex und mehr um Geld kümmern sollten – eine Intervention,
in:
Die ZEIT Nr.13 v. 20.03.

NIEJAHR, Elisabeth (2014): Plötzlich arm.
Mütterrente: Die neue Rentenreform hilft den Falschen. Bedürftig werden Millionen Frauen sein, die jetzt noch arbeiten,
in:
Die ZEIT Nr.22 v. 22.05.

NIEJAHR, Elisabeth (2015): Fünf Ideen gegen Sozialneid.
Wie Deutschland Verteilungskämpfe zwischen Flüchtlinge und Einheimischen vermeiden kann,
in: Die ZEIT Nr.39 v. 24.09.

"Sozialleistungen sollten darauf überprüft werden, ob sie der Verhetzung dienen könnten",

fordert Elisabeth NIEJAHR. Als Beispiel nennt sie das Kindergeld. Oder anders ausgedrückt: Das Elterngeld, das Erfolg statt Leistung belohnt, und die Ungleichheit vergrößert gilt als unproblematisch.

Was NIEJAHR verschweigt: Verhetzung richtet sich nicht gegen Einwanderer, sondern kann sich gegen jedweden Bürger richten, je nach geplanter politischer Reform. Letztlich würde nur der völlige Wegfall des Sozialstaats im Sinne eines  "Umverteilungsstaates" vor Verhetzung schützen! Die entscheidende Frage jedoch, wer die Macht besitzt zu bestimmen, was "ungerechte" Verteilung ist, bleibt bei dieser sozialpopulistischen Forderung von NIEJAHR außen vor.

NIEJAHR, Elisabeth (2016): Miete frisst Rente auf.
Union und SPD wollen Senioren mit neuen Gesetzen helfen. Eine gute Wohnungspolitik könnte mehr nützen,
in:
Die ZEIT Nr.41 v. 29.09.

Elisabeth NIEJAHR, die uns Ende der 1990er Jahre mit Blick auf die Militärdiktatur in Chile von einem Systemwechsel von der gesetzlichen Rente zur kapitalgedeckten Altersvorsorge vorschwärmte, beschäftigt sich nun mit den Kollateralschäden einer Teilprivatisierung der Rente, die sie propagiert hat. Dazu werden uns eine Vielzahl von Maßnahmen präsentiert, von denen nicht einmal NIEJAHR selbst glaubt, dass sie helfen könnten:

"Solche kleinen Reformen werden das Problem der Altersarmut nicht beheben. Sie ändern nichts daran, dass aus der Generation der Wendeverlierer in Ostdeutschland, aus geschiedenen Hausfrauen sowie Geringverdienern und vielen Selbständigen in den nächsten Jahren wohl Rentner mit Geldproblemen werden. Das lässt sich schwer verhindern in einem Alterssicherungssystem, das nur denen viel ausbezahlt, die im Berufsleben viel eingezahlt haben."

Den letzten Satz könnte man NIEJAHR vorhalten, denn die kapitalgedeckte Altersvorsorge hätte die Ungleichheit im Alter noch verstärkt. In Chile protestierten dieses Jahr die Massen gegen ihre kapitalgedeckte Altersvorsorge, denn nicht nur in Deutschland schrumpften die Renditen, die zu Beginn vollmundig versprochen wurden.

Neu:
NIEJAHR, Elisabeth (2016): Alleinerziehend, allein gelassen.
Single-Eltern sind die Stiefkinder der deutschen Sozialpolitik. Der Streit um den Unterhaltsvorschuss zeigt. Die Bekämpfung von Kinderarmut ist keine Priorität,
in:
Die ZEIT Nr.53 v. 21.12.

"Einzelkinder mit einem alleinerziehenden Elternteil sind laut Armuts- und Reichtumsbericht doppelt so häufig arm wie Kinder, die mit beiden Eltern aufwachsen. Wenn Alleinerziehende mehr als ein Kind haben, steigt das Armutsrisiko noch einmal um 50 Prozent",

erklärt uns Elisabeth NIEJAHR, die meint dass es Zeit wäre, dass sich die "angry white mothers" organisieren, als ob es noch keine Interessenverbände der Alleinerziehenden gäbe. Dies mag daran liegen, dass "alleinerziehend" nicht unbedingt "alleinerziehend" ist. Das kommt bei NIEJAHR jedoch nur als Erziehungsproblem zur Sprache:

"Sogar den Begriff alleinerziehend halten viele Sozialforscher für überholt. Schließlich lebt ja nur ein Teil der betroffenen Mütter und Väter wirklich allein. Es gibt viele Scheidungsfamilien, in denen beide Elternteile erziehen und Verantwortung teilen, auch wenn sie nicht in derselben Wohnung leben.
Der Begriff alleinerziehend verschleiert oft auch, wo das eigentliche Problem liegt. So sprechen amerikanische Wissenschaftler oft gar nicht mehr von single mothers, sondern eher von fragile families, zerbrechlichen Familien. Als typische Alleinerziehende gilt nicht mehr die einsame Witwe, in deren Alltag eine männliche Bezugsperson für die Kinder fehlt. Stattdessen gibt es oft eher zu viele unterschiedliche Menschen, die sich kümmern: alte und neue Partner der Eltern, Freunde, Verwandte, Babysitter."

 
       
   

Elisabeth Niejahr im Gespräch

 
       
   

DÜKER, Ronald (2004): Die Verteilungskonflikte verschärfen sich.
Der demographische Wandel führt nicht zu einem "Kampf der Generationen". Er verstärkt vielmehr die altbekannten sozialen Probleme,
in: Netzeitung.de v. 29.10.

 
       
   

Elisabeth Niejahr in der Debatte

 
       
   

GAPP, Christian (2004): Paradox einfach.
Politik und Wirtschaft werden immer komplexer. Seit Jahren wird dennoch vor allem mehr individuelle Eigenverantwortung gefordert,
in: Telepolis v. 10.04.

"Wieso sollten Politiker ein Interesse daran haben, Menschen zu demotivieren? Weil die Verbindung von Demotivation und Eigenverantwortung dazu führt, dass Menschen die Gründe für ihr Scheitern individualisieren und deshalb nicht versuchen werden, sich politisch zu artikulieren. Gefährdet, der Eigenverantwortungs-Propaganda zu erliegen, sind nicht zuletzt die gut Gebildeten, die hinter ihren Zielen zurück geblieben sind. So kann es der Politik gelingen, relativ einfach von ihrem eigenen Versagen gegenüber den überindividuell-komplexen Herausforderungen abzulenken",

behauptet GAPP, der sich u.a. kritisch mit dem Artikel von Elisabeth NIEJAHR in der ZEIT auseinandersetzt.

 
       
       
   

Joschka Fischers Pollenflug und andere Spiele der Macht (2002).
Wie Politik wirklich funktioniert
(zusammen mit Rainer Pörtner)

Frankfurt a/M:
Eichborn

 
   
     
 

Klappentext

"Politik ähnelt immer mehr dem Showgeschäft. Konzepte und rhetorisches Talent reichen längst nicht mehr für einen dauerhaften Erfolg in der Berliner Welt der Selbstdarsteller, der inszenierten Konflikte und der falschen Freundlichkeiten.
Elisabeth Niejahr und Rainer Pörtner, die seit vielen Jahren die Führungsriege der Parteien als Korrespondenten begleiten und beobachten, schildern die heimlichen Gesetze des politischen Alltags. Sie erklären, in welchen Kungelrunden wirklich entschieden wird, wann ein Politiker auf keinen Fall die Wahrheit sagen darf, wie Lobbyisten den Wortlaut von Gesetzen verändern und wie Minister und Abgeordnete die Medien manipulieren und umgekehrt. Ein besonderer Blick hinter die Kulissen des Politikgeschäfts ..."

 
     
 
       
   

weiterführende Links

 
       
     
       
   
 
   

Bitte beachten Sie:
single-generation.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
   
 
     
   
 
   
© 2002-2017
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 06. Mai 2003
Update: 12. Juli 2017