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Franz-Xaver Kaufmann: schrumpfende Gesellschaft

 
       
   

Franz-Xaver Kaufmann bei single-generation.de

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Franz-Xaver Kaufmann in seiner eigenen Schreibe

 
       
   

KAUFMANN, Franz-Xaver (2006): Wege aus der Reformblockade,
in: Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, April

KAUFMANN, Franz-Xaver (2006): Wie Familien zu helfen wäre.
Familienpolitik hat in Deutschland eine lange Tradition - und gilt doch als tendenziell erfolglos. Gründe für die mangelnde Effektivität gibt es viele, nicht zuletzt das wirtschaftsliberale Mißverständnis, Familienpolitik sei Umverteilungspolitik. Die Sicherung ausreichenden Nachwuchses ist aber eine öffentliche Aufgabe - und verlangt mehr denn je nach einem Gesamtkonzept,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.04.

Franz-Xaver KAUFMANN ist mit dem Buch Schrumpfende Gesellschaft zum Vordenker des nationalkonservativen Paradigmas avanciert. Der Frontverlauf wird neu ausgerichtet. Es geht nicht um den Kampf der Eltern gegen Kinderlose, sondern um den Kampf der gebildeten, wohlhabenden Kinderreichen gegen den Rest der Gesellschaft. Das Credo verkündet er in der FAZ:

"Will man ein Ziel für die Familienförderung formulieren, (...) so müßte es lauten: die sozialisatorisch erfolgreichen Familien in Deutschland vermehren. Es kommt nicht allein auf die Quantität der Kinder an, (...) sondern auf deren Qualität (...).
          
Familienpolitik ist deshalb nicht Umverteilung (...). Der Staat sollte den Eltern nicht etwa deswegen helfen, weil Kinder Geld kosten, sondern weil die Aufwendungen der Eltern im öffentlichen Interesse sind."

KAUFMANN polemisiert gegen Doppelverdiener und hätschelt die Hausfrauenehe (die hier eher als Frau an seiner Seite gedacht werden muss). Mit Verweis auf die neuere Hirnforschung möchte er die Fremdbetreuung in den ersten 3 Jahren beschränken. Deshalb fordert er:

"Während der beiden ersten Lebensjahre sind Kinder in der Regel in der Familie am besten aufgehoben. Den Eltern, die sich aus beruflichen Gründen schon in dieser Phase auf Fremdbetreuung verlassen wollen - üblicherweise die qualifizierten Doppelverdiener -, ist es durchaus zuzumuten, sich selbst um eine Betreuung für ihre Kinder zu kümmern."

Kinderlosen sollte nach KAUFMANN nicht durch Anreize (z.B. Elterngeld) entgegengekommen werden, sondern ihr Lebensstil sollte bestraft werden:

"Es ist illusorisch, der Kinderlosigkeit immer größerer Teile der Bevölkerung allein mit positiven Anreizen - wie dem geplanten Elterngeld - entgegenzuwirken. Was die monetären Transfers betrifft, so muß (...) festgehalten werden, daß die Anreizstrukturen zugunsten der Kinderlosigkeit sich nur dadurch wirksam verändern lassen, daß Vorteile der Kinderlosen im Steuer- wie im Arbeits- und Sozialrecht beseitigt werden. Im Blick auf die Doppelverdiener, die mit dem Elterngeld besonders ins Auge gefaßt werden, dürfte es weit eher erfolgsversprechend sein, die Betreuungsleistungen auszubauen, als das (zweifellos zu niedrige) Erziehungsgeld durch ein verkürztes Elterngeld zu ersetzen.
          
Die Konzentration der Familienpolitik auf die Kinderlosen greift zu kurz. Es ist vielmehr unumgänglich, auch die Familien mit mehr als zwei Kindern deutlicher zu fördern."

Wenn KAUFMANN von Änderungen im Sozialrecht spricht, dann bezieht er sich auf den Singlefeind Hans-Werner SINN. KAUFMANN behauptet einerseits, dass die Kinderlosen immer mehr zunehmen, andererseits widersprechen dem seine eigenen Zahlen:

"Ein Drittel aller Männer zwischen 33 und 52 Jahren lebt derzeit partner- und kinderlos, bei den Frauen nur ein Fünftel".

Die genannten Zahlen beziehen sich jedoch nicht etwa auf das Gebären oder Zeugen, sondern hier handelt es sich lediglich um Haushaltszahlen, mit denen weder die Kinder- noch die Partnerlosigkeit belegt werden können. Die höheren "Kinderlosenzahlen" der Männer sind in erster Linie dem deutschen Rechtssystem geschuldet, das den Frauen nach der Scheidung die Kinder zuspricht. Was diese Zahlen belegen, das ist der Offenbarungseid der amtlichen Statistik in Deutschland. Das nationalkonservative Paradigma, das sich durch die Hysterisierung des demografischen Wandels zu etablieren beginnt, ist letztlich eine Kampfansage an alle Lebensformen jenseits der klassischen Hausfrauenfamilie. Dies müssen inzwischen auch jene einsehen, die offenbar noch vor kurzem geglaubt hatten, dass man dem mit Aussitzen entgegen treten könnte. Dies ist ein fataler Irrtum. Nur diejenigen, die der Single-Lüge auf den Leim gegangen sind, konnten so naiv sein, dies tatsächlich zu glauben. Diese Debatte steht erst am Anfang...

Neu:
KAUFMANN, Franz-Xaver (2006): Wenn der Nachwuchs ausbleibt und die Gesellschaft schrumpft.
Die "demographische Frage" als Leitmotiv des 21. Jahrhunderts,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 25.09.

 
       
   

Franz-Xaver Kaufmann im Gespräch

 
       
   

RÜHLE, Alex (2006): Abwärts.
"Wir müssen die ökonomischen Vorteile der Kinderlosigkeit abbauen": Der Soziologe Franz-Xaver Kaufmann über den deutschen Bevölkerungsschwund,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.03.

Franz-Xaver KAUFMANN hat mit seinem neuen Werk Schrumpfende Gesellschaften den Weg seriöser Wissenschaftlichkeit verlassen und stattdessen eine nationalkonservative Kampfschrift verfasst. Im Gespräch mit Alex RÜHLE hält sich KAUFMANN jedoch - anders als in seinem Buch - weitgehend bedeckt:

"SZ: Die zentrale sozialpolitische Aufgabe des kommenden Jahrzehnts liegt für Sie darin, dass die Kinderlosen, also diejenigen, die »nicht in das Humankapital der nachwachsenden Generation investieren, in äquivalenter Weise zur kollektiven Zukunftsvorsorge beitragen müssen, nämlich durch zusätzlichen Konsumverzicht und die Bildung von Ersparnissen«. Wie stellen Sie sich das denn in einer Demokratie vor?
          
Kaufmann: Ich gestehe zu, dass die Forderung nach einem Altersvorsorgezwang für Personen, die - manchmal aus für sie tragischen Gründen - keine Elternverantwortung übernehmen, noch als politisch unkorrekt gilt. Es ist aber praktisch unmöglich, Familien ausreichend zu fördern, ohne die ökonomischen Vorteile der Kinderlosigkeit abzubauen.
          
Diese Einsicht wird sich durchsetzen. Was die Politik daraus macht, ist schwer zu sagen."

Was KAUFMANN jedoch vorzuwerfen ist: Er sagt BEWUSST nicht, was er unter Kinderlosigkeit versteht. In den Sozialwissenschaften wird der Anteil der dauerhaft Kinderlosen auf ca. 20 % geschätzt. Der Anteil der statistischen Kinderlosigkeit, also das was in der Öffentlichkeit kursiert, beläuft sich dagegen auf 30 - 40 % (weil auch Noch-Kinderlose und Eltern mit Kindern außer Haus mitgezählt werden). Außerdem besagt die Statistik, dass dauerhafte Kinderlosigkeit eher mit niedrigen Einkommen einher geht. Nimmt man KAUFMANN ernst, dann bedeutet eine Bestrafung der Kinderlosen, dass der Anteil dauerhafter Kinderlosigkeit zunehmen wird, weil sich immer weniger überhaupt Kinder leisten können. Dies ist auch der Tenor der Elterngelddebatte: Geburtenförderung sollen in erster Linie die Erfolgreichen erhalten und nicht diejenigen, die sich Kinder wünschen.

 
       
       
   

Schrumpfende Gesellschaft (2005).
Vom Bevölkerungsrückgang und seinen Folgen
 
Frankfurt a/M: Suhrkamp

 
   
     
 

Klappentext

"Das Altern der Bevölkerung gilt als zentrales gesellschaftliches Problem der Zukunft. In seinem neuen Buch zeigt der bekannte Sozialwissenschaftler Franz-Xaver Kaufmann, daß diese These falsch ist: Nicht das Altern der Bevölkerung ist das Problem, sondern deren Rückgang.

Es werden zu wenig Kinder in Deutschland geboren, und dieser Mangel läßt sich auch nicht durch Zuwanderung beheben. Diesen lang tabuisierten Aspekt des demographischen Wandels rückt Kaufmann ins Zentrum seiner Untersuchung und zeigt die Zusammenhänge zwischen demographischer, wirtschaftlicher und sozialer Stagnation auf. Solange die deutsche Politik sich der Bevölkerungsentwicklung nur fatalistisch anpaßt, werden sich die wirtschaftlichen und sozialen Probleme langfristig verschärfen und die Zukunftsperspektiven in den kommenden Jahrzehnten weiter verdüstern."

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Kapitel: Wachsen ist leichter als Schrumpfen

1.1 Überblick
1.2 Zunahme und Rückgang - Wachstum und Schrumpfen
1.3 "Bevölkerung" als politischer Begriff, der einen Solidaritätshorizont voraussetzt
1.4 Sozialstaat und Humanvermögen
1.5 Die öffentliche Verdrängung des Bevölkerungsrückgangs
1.6 Gründe für die Verdrängung

2. Kapitel: Demographische Perspektiven

2.1 Das Altern der Bevölkerung
2.2 Der absehbare Bevölkerungsrückgang und seine Dynamik
2.3 Gibt es normative Maßstäbe zur Beurteilung der Bevölkerungsentwicklung?
2.4 Zur Gewichtung demographischer Argumentationen

3. Kapitel: Gefährdet der Bevölkerungsrückgang die Wirtschaftsentwicklung

3.1 Säkulare Stagnation
3.2 Ermöglicht ein Rückgang der Bevölkerung die Steigerung der Pro-Kopf-Einkommen?
3.3 Die zunehmende Relevanz der Humanvermögen für die Produktivitätsentwicklung
3.4 Geburtenrückgang als Investitionslücke
3.5 Der wirtschaftliche Wert der Zuwanderung
3.6 Demographischer Wandel und Produktivitätsentwicklung
3.7 Zusammenfassung: Mutmaßliche wirtschaftliche Folgen eines langfristigen Bevölkerungsrückgangs

4. Kapitel: Soziale Folgen des Bevölkerungsrückgangs

4.1 Schwierigkeiten der Integration demographischer Sachverhalte in die Soziologie
4.2 Die Wechselwirkung von demographischer und sozialer Entwicklung
4.3 Mentalität und Konkurrenz
4.4 Zwischenbetrachtung

5. Kapitel: Die Nachwuchsschwäche, ihre Bedingungen und Motive

5.1 Der säkulare Rückgang der Fertilität im Zuge der Modernisierung
5.2 Der "zweite Geburtenrückgang" seit 1965
5.3 Deutschland im internationalen Vergleich
5.4 Soziologische Interpretationen
5.5 Warum noch Kinder?
5.6 Pluralisierung oder Polarisierung privater Lebensformen
5.7 Paternalismus und Familienpolitik
5.8 Strukturelle Rücksichtslosigkeiten

6 Kapitel: Politische Perspektiven

6.1 Zwischen "Bevölkerungspolitik" und "demographischem Fatalismus"
6.2 Sozialstaat und Wohlfahrtsproduktion
6.3 Nachwuchssicherung als prioritäre Aufgabe des Sozialstaats
6.4 Zuwanderung ist nur ein bescheidender Beitrag zur Problemlösung
6.5 Bildungspolitik: Kompensation statt Selektion
6.6 Familienpolitik: Politik für Eltern und Kinder
6.7 Eltern und Kinderlose - Zukunftsvorsorge durch Kinder oder Sparen

7. Kapitel: Generationenverhältnisse und Sozialstaat

7.1 Generationen
7.2 Gibt es einen Generationenvertrag?
7.3 Das Kippen den Generationenbalance
7.4 Gibt es ein theoretisches Optimum der Versorgungslasten?
Anhang zu Abschnitt 7.4
7.5 Generationengerechtigkeit - Geschlechtergerechtigkeit - Elterngerechtigkeit
7.6 Lösungsvorschläge

8 Statt eines Schlußworts: Anmerkungen zu zwei Bestsellern

8.1 Albrecht Müller: Die Reformlüge
8.2 Frank Schirrmacher: Das Methusalem-Komplott

Zitate:

Zielgruppe des Buchs

"Diese Schrift richtet sich (...) nicht primär an Familien, sondern an politische Verantwortungsträger und eine interdisziplinäre wissenschaftliche Öffentlichkeit" (S.18)

Stimmen zum Buch

"Die Bücher und Beiträge von Franz-Xaver Kaufmann gehören zu den wenigen soziologischen Beiträgen, die auch über den engen Rahmen der Fachwissenschaft hinaus immer wieder Beachtung finden - und um es vorweg u nehmen: Das ist gerade im vorliegenden Fall gut so. Auch die hier zu behandelnde Schrift wurde bereits in Tageszeitungen rezensiert und in Zeiten, in denen das Thema Familie und Bevölkerung immer wieder den Weg in die öffentliche und veröffentlichte Diskussion und schließlich sogar in sonntägliche Talkrunden findet, ist es besonders hervorzuheben, wenn auch systematisch argumentierende und über Allgemeinplätze hinausgehende Beiträge rezipiert werden.
(...).
Wenn man das vorliegende Buch zusammenfassend betrachtet, kann man (...) die Lektüre nur empfehlen. In selten zu findender Klarheit werden hier auch komplexere Entwicklungen und Erklärungsmuster vorgestellt und diskutiert und gleichzeitig die gesellschaftliche Realität und deren politisches Veränderungspotential berücksichtigt. Ob man dem Autor in jedem Detail zustimmt oder nicht, ändert nichts an dem gerade formulierten Urteil. Selten wurde so deutlich gemacht, dass Soziologie auch eine aktuelle gesellschaftliche Funktion hat."
(Johannes Kopp in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Heft 3, 2006, S.551f.)

 
     
 
       
   

Beiträge von single-generation.de zum Thema

Albrecht Müller - Die Reformlüge

Der subsidiäre Sozialstaat - Das Feindbild "Single-Gesellschaft" als Folge der Katholisierung der Berliner Republik

Frank Schirrmacher - Leben in der Methusalem-Gesellschaft. Oder: Eine Sinnstiftung für die MÄNNLICHE deutsche Elite

Geburtenkrise - Die politische Konstruktion eines Themas

 
       
   

Rezensionen

KREKELER, Elmar (2005): Kurz und knapp.
Schrumpfende Gesellschaft von Franz-Xaver Kaufmann,
in: Welt v. 09.07.

MAYER, Susanne (2005): Familie geht doch.
Europa fehlen die Kinder. Im Wahlkampf herrscht dazu dröhnendes Schweigen. Aus Unwissenheit? Pessimismus? Lektüretipps für Politiker,
in: Die ZEIT Nr.37 v. 08.09.

Susanne MAYER klagt darüber, dass Katastrophismus in Sachen Kinderlosigkeit nicht geduldet wird. Das muss man sich einmal vorstellen, Katastrophismus in Sachen Kinderlosigkeit allüberall und Frau MAYER bedauert, dass diese Hysterie nicht honoriert wird. In dem Beitrag wird das Buch Schrumpfende Gesellschaft von Franz-Xaver KAUFMANN vorgestellt. Wissenschaftlich soll es gemäß Frau MAYER sein, obwohl dieses Etikett der Autor nicht einmal selber an sein Buch pappen würde, denn seine Thesen sind hochgradig spekulativ, sozusagen eher Theologie als Soziologie. Gläubige braucht es schon, um dem zu folgen, was KAUFMANN in dem Buch zusammengetragen hat. Fakten soll es geben, aber die Faktenlage ist in Sachen Kinderlosigkeit eben alles andere als gesichert.  KAUFMANN gehört zur Fraktion der Familienfundamentalisten und das heißt: Das Ziel - Bevölkerungsvermehrung - heiligt jedes Mittel. Der Götze, den KAUFMANN anbetet, ist eine magische Zahl: 2,1. Im Gegensatz zu seinem Kollegen Karl Otto HONDRICH sieht KAUFMANN einen engen Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum = Wohlstand und Bevölkerungswachstum. Entgegen jeglicher Historie wird dieser auch noch als durchgehend positiv beschrieben. In diesem Zusammenhang sollte man die Lektüren der 60er Jahre zur Bevölkerungsexplosion hervorkramen. Der Zusammenhang zwischen Wohlstand und Bevölkerungsvermehrung wurde damals - genau umgekehrt zu heute - als negativ beschrieben. Ein Blick in die Geschichte könnte so manches relativieren, was heutzutage zu diesem Thema geschrieben wird. In ihrem familienfundamentalistischen Rundumschlag streift Susanne MAYER auch die Bücher von Ulrich DEUPMANN, Meike DINKLAGE und Viola ROGGENKAMP.

KNIPP, Kersten (2005): Kinderkriegen als Bürgerpflicht.
Folgen einer demographisch alternden Gesellschaft,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 29.10.

PETROPULOS, Kostas (2006): Demographie, Wirtschaft und Familie.
Drei Neuerscheinungen über die Angst vorm Kinderkriegen,
in: DeutschlandRadio v. 28.11.

PETROPULOS bespricht als Anwalt der Hausfrauenfamilie die Bücher von Franz-Xaver KAUFMANN, Susanne GASCHKE und Nicola BILLER-ADORNO.

ARNING, Matthias (2006): Im Namen der Kinder.
Kaufmann über Schrumpfung,
in: Frankfurter Rundschau v. 25.01.

Die Sachlichkeit leidet unter der gefühlsmäßigen Übereinstimmung zwischen Rezensenten und Autor. Der Leser kann sich dieser Begeisterung anschließen, warum er dies tun soll, das wird jedoch nicht so richtig klar. So wird nicht zwischen Bevölkerungsentwicklung und Geburtenentwicklung unterschieden. Moderne Gesellschaften zeichnen sich hier gerade durch eine Entkopplung aus. Stattdessen wird der Geburtenrückgang mit einem Bevölkerungsrückgang gleich gesetzt. ARNING übernimmt das nationalkonservative Konzept von Franz-Xaver KAUFMANNs Buch Schrumpfende Gesellschaft, ohne dass dieses Konzept  mit seinen weitreichenden Konsequenzen für das bevölkerungspolitische Denken sichtbar wird. Ein wichtiger, aber umstrittener Punkt ist die Behauptung, dass Geburtenentwicklung und Wohlstand eng miteinander gekoppelt sind. Und nicht nur das: es wird ein positiver Zusammenhang konstruiert. Die Geschichte zeigt jedoch das Gegenteil: Phasen schnellen Bevölkerungswachstums waren in der Vergangenheit mit größerer Armut der Bevölkerung verbunden (vgl. Josef EHMER). Fragwürdig ist auch, dass ARNING soziale Ungleichheit innerhalb der Generationen zugunsten einer Generationengerechtigkeit zwischen Generationen verharmlost. ARNING schätzt bei KAUFMANN besonders dass er die bevölkerungspolitische Ethik in vordergründig wertneutrale, wissenschaftliche Begrifflichkeiten übersetzt, um sodann zu postulieren, dass Eltern gegenüber Kinderlosen generell benachteiligt sind. Es erstaunt deshalb nicht, dass ARNING dafür plädiert, Kinderlose finanziell schlechter zu stellen. Verschwiegen wird jedoch, dass die Art und Weise wie der von KAUFMANN bevorzugte katholische Sozialstaat dies tut, sowohl den Staat als auch das Kapital aus der gesellschaftlichen Verantwortung entlässt. Diese Lücke sollen die Kinderlosen füllen. Dass dies eine Milchmädchenrechnung ist, ist nur denen sonnenklar, die wissen, dass lebenslang Kinderlose eine Minderheit sind, die zurzeit einen Anteil von ca. 20 % der Bevölkerung stellen. Alle höheren Zahlen rechnen Kinderlose vor der Familiengründung und Eltern, deren Kinder nicht mehr im Haushalt leben, zu den Kinderlosen. Die Eltern werden im katholischen Sozialstaat also  letztendlich den Löwenanteil der Zeche selber zahlen! Es könnte sogar noch schlimmer kommen: Besserverdienende Kinderlose sind längst nicht mehr an einen nationalen Sozialstaat gebunden, d.h. es wird nur jene gering verdienenden Kinderlosen treffen, die keine Alternativen haben.  Der katholische Sozialstaat könnte deswegen zum weiteren Anstieg der Kinderlosigkeit führen. Die neuen Bundesländer mit ihrem Männerproletariat sind sichtbarer Ausdruck dessen, dass Kinderlosigkeit längst kein Wohlstandsproblem mehr ist.

 
       
   

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© 2002-2017
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 28. Oktober 2002
Update: 30. Mai 2017