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Hartmut Häußermann: Die Invasion der Yuppies

 
       
     
       
     
       
   

Nachrufe auf Hartmut Häußermann

 
   

UHLIG, Günther (2011): Experte der neuen Urbanität.
Der Stadtsoziologe und Urbanistikforscher Hartmut Häußermann ist gestorben ,
in: DeutschlandRadio v. 02.11

SCHÖNBALL, Ralf (2011): Berliner Stadtforscher Hartmut Häußermann ist gestorben.
Soziale und wirtschaftliche Ausgrenzung, ungleiche Chancen bei der Bildung – das waren seine Lebensthemen. Ein Nachruf,
in: Tagesspiegel v. 03.11

Neu:
PEZZEI, Kristina (2011): Für gleiche Chancen.
Nachruf: Der Soziologe Hartmut Häußermann war Fürsprecher der sozialen Stadt,
in: TAZ v. 04.11

HELD, Gerd (2011): Der Mann mit dem Blick hinter die Fenster.
Menschen sind wichtiger als Straßenzüge: Zum Tod des Städteforschers und Soziologen,
in: Welt v. 04.11

 
       
   

Hartmut Häußermann in seiner eigenen Schreibe

 
   

HÄUßERMANN, Hartmut (1988): Stadt und Lebensstil. In: Volker Hauff (Hrsg.) Stadt und Lebensstil, Weinheim: Beltz, S.75-89

Hartmut HÄUßERMANN identifitziert zwei soziale Gruppen, der sich die neue Innenstadtorientierung verdankt:

"Die neue Innenstadtorientierung wird getragen von zwei sehr unterschiedlichen Einkommensgruppen, die trotz dieser materiellen Unterschiede kulturelle Gemeinsamkeiten haben. Diese kulturelle Gemeinsamkeit besteht vor allem in der Ablehnung kleinfamiliärer Wohnformen und ihren entsprechenden Konsumstilen sowie in einem Bildungs- und Qualifikationspotential, das einen abweichenden Lebens- und Konsumstil ermöglicht.
(...). Während 1965 nur etwa ein Viertel der Schulabgänger Realschulabschluß oder Hochschulreife hatten, waren es 1985 fast zwei Drittel!
Hauptsächlich aus diesem Teil der Jugendlichen bildete sich das, was man alternative Szene nennt: Intellektuelle ohne feste berufliche Anstellung, Studenten, Produzenten und Anbieter von alternativen Dienstleistungen. (...).
Die andere Gruppe rekrutiert sich aus dem wachsenden Teil jener Beschäftigten in Industrie und Dienstleistungssektor, die im weitesten Sinne zu den »produktionsorientierten Diensten« zu zählen sind. Dies sind planende, verwaltende, kontrollierende, forschende Tätigkeiten, die in der Regel von Hochschulabsolventen ausgeübt werden. (...). Sowohl die Alternativ- wie die Yuppie-Szene können daher auch als Vorboten oder Symptome einer Entwicklung der Berufs- und Tätigkeitsstruktur interpretiert werden, die sich schon heute in den großen Städten abzeichnet: Zunahme sowohl von hoch bezahlten wie von schlechtest bezahlten Jobs vor allem in Form von Dienstleistungstätigkeiten - Abnahme von »Durchschnitts-Arbeit«, deren frühere Zunahme die Grundlage für die These von der »nivellierten Mittelstandsgesellschaft« war.
Ökonomisch gesehen wird die eine Gruppe der »neuen Innenstadtbewohner« zur Dienstleistungsklasse der anderen, gemeinsam ist ihnen jedoch eine große Distanz zu jenem Lebensmodell, das bis in die 70er Jahre unangefochten zu dominieren schien." (S.83f.)

HÄUßERMANN sieht nicht in einem Wertewandel oder in einer zunehmenden Wahlfreiheit die Ursache für diese neue Lebensformen, sondern in der zunehmenden Kinderlosigkeit aufgrund steigender Opportunitätskosten:

"Das qualitative Neue ist der Geburtenrückgang und der Wandel von Haushaltsformen, denen neue biographische Orientierungen zugrundeliegen.
Wenn das Argument plausibel ist, daß die zunehmende Kinderlosigkeit der entscheidende Kern des kulturellen Wandels ist, der unsere Innenstädte in den letzten Jahren so verändert hat, dann muß zu seiner Erklärung nach den Ursachen des Geburtenrückgangs gefragt werden. (...).
Die bisher einleuchtendste Erklärung für den Rückgang von Eheschließungen und Geburtenzahlen ist die, daß die »biographischen Opportunitätskosten« (Birg) zugenommen haben - und aller Voraussicht nach weiter zunehmen werden, was für eine Fortdauer dieser Entwicklung auf absehbare Zeit spricht.
Der Begriff »biographische Opportunitätskosten« faßt alle entgangenen Möglichkeiten der Lebensgestaltung zusammen, die mit einer Eheschließung und mit Kindern verbunden sind (...).
Dies war schon immer so, aber die Opportunitätskosten werden logischerweiser größer, wenn einerseits die Möglichkeitsräume sich erweitern, und wenn andererseits die auf lange Sicht gesicherten Lebensperspektiven abnehmen - und dies verweist auf sozialökonomische Erschütterungen gewohnter und tradierter Muster von Lebenslauf und Lebensplanung." (S.86f.)

Kinderlosigkeit und Single-Dasein erscheinen in dieser Sicht nicht als zunehmende Wahlfreiheit, sondern als gesellschaftlicher Zwang:

"Diese Erschütterungen gewohnter biographischer Muster bilden den objektiven Hintergrund für die Zunahme der neuen, innenstadtorientierten Lebensstile - und zwar sowohl bei den beruflich erfolgreichen Gruppierungen wie bei denen, die einen »alternativen« Lebensstil anstreben. Jenseits der subjektiven Ideologisierungen von Single-Stil, Yuppie-Kultur oder selbstbestimmten, von gesellschaftlichen Zwängen befreiten Lebensstilen, entsprechen diese Kulturen einem gesellschaftlichen Trend, um nicht zu sagen: einer gesellschaftlichen Notwendigkeit.
Dann erscheinen Single-Kultur und Kinderlosigkeit nicht mehr nur als leuchtende Symptome einer neuen gewonnenen Freiheit in der Wahl der Lebensstile, sondern durchaus auch als gesellschaftlich erzeugte schwindende Wahlfreiheit. (...).
In den innerstädtischen Kulturen werden Lebensstile auf Dauer gestellt, die noch vor 20 Jahren als typisch für Postadoleszenz oder Übergangsphasen galten." (S.88)

HÄUßERMANN sieht die Alternativen und die Yuppies als Pioniere der postmodernen bzw. postfordistischen Gesellschaft, die zudem durch zunehmende soziale Ungleichheit gekennzeichnet ist.

HÄUßERMANN, Hartmut & Walter SIEBEL (1991): Soziologie des Wohnens. In: Häußermann, Hartmut/Ipsen, Detlef/Krämer-Badoni, Thomas/Läpple, Dieter/ Rodenstein, Marianne/Siebel, Walter: Stadt und Raum - Soziologische Analysen. Bd.1, Centaurus Verlag, S.69-116

HÄUßERMANN, Hartmut & Walter SIEBEL (1992): Von der Grossfamilie zum Single? Wandlungen des Wohnens. In: Michael Andritzky (Hrsg.) Oikos. Von der Feuerstelle zur Mikrowelle, Gießen: Anabas-Verlag, S.206-212

HÄUßERMANN & SIEBEL beschreiben die gegenwärtigen Auseinandersetzungen um das Wohnen in Abgrenzung zum bürgerlichen Wohnideal und benennen die unterschiedlichen Interessenlagen:

"Heute gerät dieses Wohnmodell immer stärker in die Kritik - offensichtlich besteht keine problemlose Übereinstimmung zwischen den heutigen Wohnungen und »menschlichen« Bedürfnissen:

- Von Seiten der Frauenbewegung wird kritisiert, daß dieses Wohnmodell die Emanzipation der Frauen behindere und zudem die Frauen der patriarchalen Gewalt ausliefere;
- Jugendliche erleben die kleinfamiliale Wohnung immer häufiger als ein Gefängnis, aus dem man möglichst früh zu entkommen versuchen muß;
- die Alternativbewegung möchte die Trennung von Arbeiten und Wohnen überwinden, um »menschliche« Lebensverhältnisse wiederzugewinnen;
- und schließlich beobachten wir eine »Abstimmung mit den Füßen« bei der wachsenden Zahl von Alleinlebenden, den »Singles«, die den wie immer gearteten oder empfundenen Zwängen des kleinfamilialen Wohnens entgehen möchten."

HÄUßERMANN & SIEBEL betrachten die neuen Haushaltstypen, ein Sammelbegriff für Haushalte jenseits des bürgerlichen Wohnideals, in erster Linie als alternative, d.h. freiwillige Wohnformen:

"Die neuen Haushaltstypen sind nicht nur Vor- und Schrumpfformen, also »unvollständige Familien«, sondern eigenständige Lebensformen. Darin liegt gerade das Neue. Mit Ausnahme der Wohngemeinschaften gab es die Wohnformen des Alleinlebens, des Alleinerziehenden und der unverheiratet zusammenlebenden Paare schon immer. Doch waren sie früher seltener selbstgewählte Wohnformen, sondern weit öfter Ergebnis versagter Möglichkeiten und gescheiterter Hoffnungen. Die Zahl der Einpersonenhaushalte in der Bundesrepublik ist von 3,2 Mio (1950) auf 8,7 Mio (1987) gestiegen."

Dieser Fehlschluss bezüglich des Alleinlebens ergibt sich daraus, dass von einer postadoleszenten Lebensphase auf dauerhaftes Alleinleben geschlossen wird:

"Dabei ist entscheidend, daß dieser Zuwachs vor allem von Jüngeren getragen wird.
Die Zunahme der Einpersonenhaushalte beruht fast ausschließlich auf Änderungen des Verhaltens, nicht auf der steigenden Lebenserwartung."

HÄUßERMANN & SIEBEL gehen jedoch nicht davon aus, dass es sich bei den Alleinlebenden um Partnerlose handelt:

"Alleinleben heißt häufig, mit einem Partner zusammenzuleben, aber in getrennten Wohnungen. So allein leben die Singles also keineswegs"

Die Unterschätzung der Zahl zusammenwohnender Paare ("nichteheliche Lebensgemeinschaften") ergibt sich dabei aus einer amtlichen Statistik, die nicht auf Höhe der Zeit ist, was die Autoren ausdrücklich begrüßen:

"Die Ausdifferenzierung der Lebensformen schreitet so rasch voran, daß die Kategorien der Statistik und ihre Erfassungsmethoden nicht mehr richtig mitkommen - glücklicherweise, muß man hinzufügen, denn um eine exakte Beschreibung der sich wandelnden Haushaltsformen und er Beziehungen zwischen ihnen zu bekommen, müßten die amtlichen Erfasser tief in die Intimität der Haushalte eindringen."

Das Glück einer rückständigen amtlichen Statistik wandelt sich in Zeiten einer autoritären Demografiepolitik und des "neosozialen" Umbaus des Sozialstaates inzwischen ins Gegenteil.

HÄUßERMANN & SIEBEL sehen das Alleinleben als Ausdruck eines Individualisierungsprozesses und nicht als Ausdruck zunehmender Mobilitätszwänge:

"Die Ausdifferenzierung der Haushalte und Lebensformen ist ein Ergebnis von Individualisierungsprozessen, die aufgrund höherer Einkommen, größeren Wohnungsbestands und sozialstaatlicher Sicherungssysteme möglich geworden sind."

Während HÄUßERMANN 1988 noch Zwänge wirken sah, hat sich durch die Wiedervereinigung das politische Klima bereits verhärtet. Mit dem Erscheinen des Buches Das ganz normale Chaos der Liebe hält der Terror der Individualisierungsthese langsam Einzug in Deutschland.

HÄUßERMANN, Hartmut (2000): Die Krise der "sozialen Stadt",
in:
Aus Politik und Zeitgeschichte
, B 10-11, S.13-21

 
       
   

Hartmut Häußermann im Gespräch

 
   

RÖTZER, Florian (1996): Tendenzen der Stadtentwicklung.
Die Utopien haben sich von den Städten auf Lebensformen verlagert,
in: Telepolis
v. 09.12.

ZEROWSKY, Gunnar & Inga HAESE (2008): "Rudi Dutschke war eigentlich eine Lachnummer".
Der Stadtsoziologe Hartmut Häußermann wurde 1967 AStA-Vorsitzender der Freien Universität Berlin. Was ist in seinen Augen von der Studentenrevolte geblieben?
in: Berliner Zeitung v. 14.04.

 
       
   

Stadterneuerung in der Berliner Republik (2002).
Modernisierung in Berlin Prenzlauer Berg
(zusammen mit Andrej Holm und Daniela Zunzer)
Opladen:
Leske + Budrich

 
   
     
 

Klappentext

"Das Buch beschreibt exemplarisch den sozialen Wandel in einem Altbaugebiet im Osten von Berlin (Prenzlauer Berg), untersucht die Veränderungen in der Stadterneuerungspolitik nach der Wende und analysiert die Möglichkeiten zur Mitbestimmung durch die Bewohner. Klassische Stadterneuerung findet seit der Wiedervereinigung in Deutschland vor allem in den neuen Bundesländern statt - und dort unter anderen Bedingungen als früher im Westen: der Erneuerungsbedarf ist ungleich größer, und die finanziellen Mittel der Städte sind erheblich knapper. Dieses Dilemma führt dazu, den privaten Eigentümern eine wichtigere Rolle in der Erneuerung zuzuweisen, die politische Steuerung zieht sich auf eher indirekte Instrumente zurück. Durch den Restitutionsprozess hat sich aber die Eigentümerstruktur in kurzer Zeit erheblich verändert, Abschreibungsinteressen stehen bei Investitionsentscheidungen im Vordergrund. Ob es unter diesen Umständen gelingen kann, die soziale Zusammensetzung der Bewohnerschaft in Sanierungsgebieten zu bewahren, ist eine der zentralen Fragen des Buches."

     
 
       
   

Rezensionen

fehlen noch

 
       
   

Großstadt. Soziologische Stichworte (1998)
(2. Auflage 2000)
Opladen:
Leske + Budrich

 
   
     
 

Klappentext

"Die soziologische Stadtforschung in Deutschland hat in den vergangenen Jahrzehnten umfangreiches theoretisches und empirisches Wissen angesammelt, über das in diesem Band ein Überblick gegeben wird. Über Gegenstände und Ergebnisse der Stadtsoziologie wird in Artikeln informiert, die jeweils ein Stichwort als Überschrift haben, das in der Diskussion über die Entwicklung der großen Städte immer wieder eine wichtige Rolle spielt. So ist ein vielseitiges und informatives Handbuch entstanden, dessen einzelne Artikel von erfahrenen Stadtforschern verfasst sind. Dieses Buch ist sowohl nützlich für wissenschaftlich Interessierte als auch für stadtpolitische Praktiker, die gerne wissen möchten, was die soziologische Stadtforschung zu einem bestimmten Problem zu sagen hat."

     
 
       
   

Rezensionen

KALTENBRUNNER, Robert (1999): Global, glokal.
Über Urbanität, Globalisierung, Milieus und andere Facetten unserer Metropolen - ein Handbuch,
in: Tagesspiegel v. 09.05.

 
       
   

Dienstleistungsgesellschaften (1995)
(zusammen mit Walter Siebel)
Frankfurt:
Suhrkamp

 
   
     
 

Klappentext

"Der Begriff »Dienstleistungsgesellschaft« bezeichnet eine mögliche Zukunft der industriell entwickelten Staaten, in der - so die Hoffnung - gesellschaftliche Konflikte und Arbeitsmarktprobleme überwunden sind. Im vorliegenden Buch wird gezeigt, daß es keineswegs eine einheitliche Form von »Dienstleistungsgesellschaft« gibt, sondern daß verschiedene Pfade in die postindustrielle Gesellschaft führen, die mit unterschiedlichen Lebensqualitäten und sozialen Strukturen verbunden sind. Die Dienstleistungsgesellschaft kann sogar durch schärfere soziale Gegensätze gekennzeichnet sein, als es die industrielle Gesellschaft war. In Deutschland hat es zwei verschiedene Modelle gegeben: das »Hausfrauen-Modell« in der (alten) Bundesrepublik, das »Staats-Modell« in der ehemaligen DDR. Einige Anzeichen sprechen dafür, daß das vereinigte Deutschland dem US-amerikanischen Modell der »Dienstbotengesellschaft« folgen wird - wofür die konservative Familienpolitik und die wachsende Zuwanderung die Voraussetzungen schaffen."

     
 
       
   
  • Links zum Thema Dienstleistungsgesellschaft

ODIERNA, Simone (2000): Die heimliche Rückkehr der Dienstmädchen. Bezahlte Arbeit im privaten Haushalt, Opladen: Leske + Budrich

Barbara Ehrenreich - Angst vor dem Absturz und Arbeit Poor

 
       
   

New York (1993).
Strukturen einer Metropole
(herausgegeben zusammen mit Walter Siebel)
Frankfurt:
Suhrkamp

 
   
     
 

Klappentext

"New York ist seit je Gegenstand faszinierter Aufmerksamkeit von Romanciers, Wissenschaftlern und Journalisten. Diese Faszination ist selbst ein reizvolles Thema für die Stadtforschung: Aus den Berichten über New York müßte sich auch etwas über die Sehnsüchte nach dem erfahren lassen, was sich mit dem Begriff der Urbanität verbindet.
New York gilt als riesiges Feldexperiment, an dem exemplarisch die Strukturen, Konsequenzen und Probleme einer »postindustriellen« Entwicklung studiert werden können; Themen wie Deindustrialisierung und Dienstleistungswachstum, soziale Ungleichheit, neuer Reichtum, Wohnungsprobleme und Stadterneuerung, Immigration und multikulturelle Entwicklung sind auch die Themen der Diskussion über die zukünftige Entwicklung der Städte. Die Berichte über die Hauptstadt des 20. Jahrhunderts sind von auffälliger Ambivalenz: einerseits voll staunender Bewunderung; New York, das ist die Stadt der Moderne, der Avantgarde in Architektur und Theater, Mode und Lebensstil, Ökonomie und Kultur. Zum anderen dient New York als unerschöpfliche Quelle für Horrorstories: Kriminalität und Drogenelend, Armut und Obdachlosigkeit, Rassenhaß und Korruption, Verkehrschaos und Umweltkatastrophen, politischer Skandale und Staatsbankrott.
Die in diesem Band versammelten Beiträge spüren dieser Ambivalenz nach. Sie analysieren die historischen, politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Dimensionen dieser Stadt unter der Perspektive, inwieweit New York die Zukunft der Metropolen Europas darstellt."

Zitate:

Distanzempfindlichkeit der Gentrifier

"Die neue Ökonomie New Yorks generiert Arbeitsprozesse, die in hohem Maße durch Flexibilität, experimentierende Rückkopplung, Engagement und Identifikation bestimmt werden; dafür kreieren sie vorrangig höherwertige Jobs; und dazu rekrutieren sie Arbeitskräfte, die solchen Leistungserwartungen gewachsen sind durch ihre (Hochschul-)Ausbildung ebenso wie ihre Einsatzfähigkeit ("swinging singles") und Lebensgewohnheiten ("young urban professionals")." (Klaus Brake, 1994, S.99)

Die gentrifizierte Stadt

"Die gentrifizierte Stadt dient den akademisch qualifizierten Spezialisten, Managern, Technikern, Yuppies zwischen 20 und 30 und Hochschulprofessoren: all jenen, denen es gut geht, die aber für andere arbeiten und letztendlich von ihnen abhängig sind. Die frustrierte Pseudokreativität ihrer Tätigkeiten treibt sie zur Suche nach anderen Befriedigungen, die sie im Konsum finden, in spezifischen Kulturformen, in »Urbanität«, ihrer ursprünglichen historischen Gehalte entleert und mehr auf Konsum bezogen als auf intellektuelle Produktivität oder politische Freiheit. Sie wählen ihre Wohngebiete nach Umweltaspekten oder sozialen Annehmlichkeiten, wegen ihrer Ruhe oder ihrer Betriebsamkeit, weil sie historisch interessant oder gerade modisch sind. Gentrifizierte Arbeiterquartiere, ältere Wohngebiete der Mittelschicht, neue Wohnkomplexe mit modernen und gut ausgestatteten Apartements - sie alle erfüllen ihre Bedürfnisse. Nähe zum Arbeitsplatz ist wichtig wegen der langen und unvorhersehbaren Arbeitszeiten, wegen der Fülle an Kontakten und der Verfügbarkeit von Dienstleistungseinrichtungen und der über sie entstehenden Kontakte." (Peter Marcuse, 1993, S.224)

     
 
       
   

Die Beiträge des Sammelbandes

HÄUßERMANN, Hartmut & Walter SIEBEL - Lernen von New York?
FAINSTEIN, Norman I. - Transformationen im industriellen New York: Politik, Gesellschaft und Ökonomie 1880 - 1973
FAINSTEIN, Susan S. - Stadtpolitik in New York. Wem gehört die Stadt?
SASSEN, Saskia - Global City: Internationale Verflechtungen und ihre innerstädtischen Effekte
BRAKE, Klaus - Die räumliche Struktur der Dienstleistungsökonomie oder: Warum gibt es keine Dezentralisierung?
WALDINGER, Roger - Ethnische Gruppen im Konflikt: Iren, Juden, Schwarze und Koreaner
MOLLENKOPF, John H. - Wechselnde Koalitionen bei den Bürgermeisterwahlen: 1985, 1989 und danach
SMITH, Neil - Gentrification in New York
MARCUSE, Peter - Wohnen in New York: Segregation und fortgeschrittene Obdachlosigkeit in einer viergeteilten Stadt
WINDHOFF-HÉRITIER, Adrienne - Das Dilemma der Städte: Sozialpolitik in New York City
ZUKIN, Sharon (Mitarbeit Jenn PARKER) - Hochkultur und "wilder" Kommerz: Wie New York wieder zu einem kulturellen Zentrum werden soll
WAGNER, Monika - Die Privatisierung von Kunst und Natur im öffentlichen Raum. Die Plazas von Manhattan 

 
       
   

Neue Urbanität (1987)
(zusammen mit Walter Siebel)
Frankfurt:
Suhrkamp

 
   
     
 

Das Buch in den Medien

"Auch bundesdeutsche Wissenschaftler beschäftigen sich seit einigen Jahren mit den neuen Städtern. In Metropolen, wo »Mode, Kultur, Banken und High-Tech prosperieren«, schreiben die Stadtsoziologen Hartmut Häußermann und Walter Siebel, tragen die erfolgreichen Yuppies gemeinsam mit den Alternativen die »Reurbanisierung«. Das vereinfachte Schema: Zunächst tritt die alternative Szene mit Intellekt und Kreativität an, um sich eine passende Infrastruktur mit Läden, Kneipen und Kulturangeboten herzurichten. Auf dem Nährboden der Alternativen entwickelt sich später dann, so das Autorenpaar, »ihr Erfolgszwilling, die Yuppie-Kultur«"
(Tom Schimmeck im Spiegel Nr.36, 1988)

     
 
       
   

Beiträge von single-generation.de zum Thema

Kurzrezension des Buches "Neue Urbanität" unter besonderer Berücksichtigung der Perspektive von Alleinlebenden

Die Wiederbelebung der Yuppie-Debatte der 80er Jahre

Gentrifizierung: Von Yuppies, Yetties, Bobos, digitaler Bohème, Nerds, Hipstern und Latte macchiato-Müttern - Eine Bibliografie der neueren Gentrifizierungsdebatte

 
   

Hartmut Häußermann in den Medien

SCHIMMECK, Tom (1988): Lachs oder Fladenbrot,
in:
Der Spiegel, Nr. 36, S. 64-75

 
   

weiterführende Links

 
     
   
 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 30. Januar 2002
Update: 08. März 2015