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Herwig Birg: Politikziel Geburtenwettlauf

 
       
     
       
     
       
   

Herwig Birg in seiner eigenen Schreibe

 
       
   

BIRG, Herwig & FLÖTHMANN, E.-Jürgen (1996): Entwicklung der Familienstrukturen und ihre Auswirkung auf die Belastungs- bzw. Transferquotienten zwischen den Generationen,
in: Materialien des Instituts für Bevölkerungsforschung und Sozialpolitik (IBS) der Universität Bielefeld

BIRG, Herwig (2000): Perspektiven der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland und Europa.
Konsequenzen für die sozialen Sicherungssysteme.
Unterlagen für den Vortrag bei der Sachverständigenanhörung des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe am 04.07.2000
in: herwig-birg.de

Die Debatte um das Karlsruher Urteil zur Pflegeversicherung auf einen Blick: Akteure, Themen und Konsequenzen für "Singles"

FR (2002): "Von Zuwanderung profitiert vor allem der Migrant, nicht der Staat".
Was der Bielefelder Bevölkerungsforscher Herwig Birg im Auftrag des Landes Bayern herausgefunden hat / Die Zusammenfassung seines Gutachtens
in: Frankfurter Rundschau v. 18.01.

Die FR dokumentiert BIRGs Gutachten für die Bayrische Landesregierung. Die zentrale Aussage ist:

"Die bis 2020 nur mäßige Abnahme des Arbeitskräftepotenzials um rd. 8 Prozent bietet den benötigten zeitlichen Spielraum zur Vorbereitung und Durchführung einer von Zuwanderungen unabhängigen, demographisch orientierten Familienpolitik zur Anhebung der Geburtenrate. Dies bedeutet, dass das Ziel, langfristig zu einer demographisch nachhaltigen Bevölkerungsentwicklung zurückzukehren, nicht unerreichbar ist."

Der Begriff "demographisch orientierte Familienpolitik" ist die neudeutsche Sprachregelung für Bevölkerungspolitik. Wie ist dies zu erreichen?

"Um das Ziel einer bestandserhaltenden Geburtenrate von zwei Kindern pro Frau zu erreichen, müsste sich die Familienpolitik vor allem auf einen Abbau der lebenslangen Kinderlosigkeit konzentrieren."

Eine solche Zielsetzung läuft zwangsläufig auf eine Verschärfung der Kontroverse "Familien contra Singles" hinaus. Frankreich ist BIRGs Vorbild. Obwohl dort Bevölkerungspolitik eine lange Tradition hat, ist die dortige Geburtenrate kaum höher als in Deutschland. Da Frankreich länger als Deutschland ein Agrarstaat war, dürfte dort der Geburtenrückgang erst noch bevorstehen. Dreh- und Angelpunkt des Überfremdungsarguments ist der angebliche Zuwanderungsdruck aus den Mittelmeeranrainerstaaten:

"Wer über Zuwanderung spricht, muss auch die demographische Entwicklung in den potenziellen Herkunftsländern berücksichtigen. In unmittelbarer Nachbarschaft zu Deutschland und Europa - in den südlichen Anrainerstaaten des Mittelmeers von Marokko über Algerien, Tunesien, Libyen und Ägypten bis zur Türkei".

Gerade diese Länder zeigen jedoch, dass die Bevölkerungsentwicklung nicht so voraussehbar ist, wie BIRG das gerne behauptet. Im Maghreb, den ehemaligen französischen Kolonien Algerien, Marokko und Tunesien hat nach einem Bericht des französischen Nachrichtenmagazins L'Express vom 25.01.2001 in den letzten 30 Jahren ein dramatischer Geburtenrückgang stattgefunden: von 7,5 Kinder auf etwas mehr als 2 Kinder pro Frau. Würde man BIRGs Prinzipien einer linearen Fortschreibung von Geburtenraten auf diese Länder anwenden, dann gäbe es dort in 30 Jahren eine Region ohne Volk. Keiner würde jedoch so etwas für realistisch halten. Aber genau nach diesem Grundmuster sind BIRGs Prognosen für Deutschland gestrickt!

BIRG, Herwig (2002): Schrumpfen oder wachsen?
Die Lebensbedingungen sind entscheidend,
in: Das Parlament Nr.19/20 v. 10./17.05.

Herwig Birg und die Etablierung der Bevölkerungspolitik in Deutschland

BIRG, Herwig (2004): Generationenstreß.
Mit und ohne Nachkommen: Die Demographie wird zum Krisenherd,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.04.

BIRG, Herwig (2004): Demographisch bedingter Verteilungsstress.
Ein zentrales Bevölkerungsproblem der Zukunft,
in: Internationale Politik, Nr.5, Mai

BIRG, Herwig (2005): Deutschlands Weltrekorde.
Grundkurs Demographie: Erste Lektion,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.02.

Wir überlassen Herwig BIRG das Prahlen über die Prognosefähigkeit der Demografen und wenden uns stattdessen BIRGs volkspädagogischem Vorbild, dem sächsischen Minister für Volksbildung, Wilhelm HARTNACKE, zu, der im Jahr 1936 das Buch Die Ungeborenen veröffentlichte. BIRG möchte gerne ein Volkspädagoge sein, wie der Grundkurs beweist, und sein Steckenpferd sind die Ungeborenen. HARTNACKE sprach gerne davon, dass die Deutschen Weltmeister in der Selbstausrottung seien:

"Wir hatten zwischen 1900 und 1929 in Deutschland vergleichsweise den stärksten Rückgang der ehelichen Fruchtbarkeit unter allen Völkern, nämlich einen Rückgang um 57 v. H."

heißt es hierzu auf S.40 des Buches. Heutzutage wird ja gerne behauptet, dass die Nazizeit und der zweite Weltkrieg Schuld an unserer gegenwärtigen demographischen Misere seien. Offenbar stimmt bereits diese Annahme nicht! Der Geburtenrückgang ist kein Nachkriegsphänomen, sondern bereits in der Weimarer Republik ein zentraler Topos. HARTNACKE erklärt uns Mitte der 1930er Jahre, warum in den 1960er Jahren ein dramatischer Bevölkerungsrückgang einsetzen muss:

"Die Sterbelinie muß die Geburtenlinie etwa um 1960 erreichen. (...). Wir werden in den in Frage kommenden Jahren (...) mit Sicherheit einen Sterbeüberschuß von etwa 1 Million in jedem Jahre zu erwarten haben, und zwar für eine Reihe von Jahren. (...). Daß wir in den 50er/60er Jahren mit hohen Geburtenraten nicht rechnen können, zeigt ein Blick auf die schwachen Elternjahrgänge von 1915 bis heute.
Der jahrelange Geburtenunterschuß muß zu einem erschütternden Schwund am Gesamtbestande des deutschen Volkes führen". (S.38f.)

Wie wir inzwischen wissen, kam alles anders! Von wegen, dass wir in den 1960er Jahren nicht mit hohen Geburtenraten rechnen mussten. Jeder deutsche Bevölkerungswissenschaftler kommt angesichts der damaligen Geburtenzahlen ins Schwärmen. Gemäß der Prognosen, die HARTNACKE dem Leser präsentiert, hätte dies aufgrund der vielen Ungeborenen nicht sein dürfen. Was lernen wir daraus? Offenbar spielen entweder die Ungeborenen nicht die entscheidende Rolle oder bereits damals war die Bevölkerungsstatistik so rückständig, dass das Ausmaß der Kinderlosigkeit überschätzt wurde.

Um Missverständnisse gar nicht erst aufkommen zu lassen: HARTNACKE war kein Demograph wie Herwig BIRG, sondern er benutzte demografische Fakten um eigene Thesen zu untermauern. In dieser Hinsicht ist er eher in eine Reihe mit den MIEGELs und TICHYs dieser Republik einzureihen. Auch inhaltlich wird hier zwischen BIRG und HARTNACKE keinerlei Zusammenhang konstruiert. Das Anliegen, die Geburtenzahlen zu steigern, ist beiden gemein, aber die Mittel hierzu sind verschieden. Es geht hier allein um das volkspädagogische Moment und das Erklärungsprinzip der Ungeborenen, das bereits in früheren bevölkerungspolitischen Debatten eine wichtige Rolle gespielt hat.
Und nicht zuletzt geht es um die Frage, wie glaubwürdig langfristige Prognosen angesichts der Komplexität der Welt sind. Gebietsveränderungen, Kriege, Ab- und Zuwanderungen und Veränderungen der Sterblichkeit sind nur einige Faktoren, die unterhalb des Weltbevölkerungsniveau (dessen sichere Prognose BIRG so sehr betont) eine wichtige Rolle spielen.

BIRG, Herwig (2005): Die Logik der Trägheit.
Grundkurs Demographie: Zweite Lektion,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.02.

BIRG, Herwig (2005): Was taugen Prognosen?
Grundkurs Demographie - Dritte Lektion,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.02.

BIRG versucht wieder einmal die Prognosefähigkeit der Demographen ins rechte Licht zu setzen. Tatsache ist jedoch, dass es wesentlich leichter ist, die Weltbevölkerung zu prognostizieren als die Bevölkerung eines kleinen Territoriums.
Das größte Problem ist jedoch das Ausmaß der Kinderlosigkeit in Deutschland vorherzusagen. Das verschweigt Herr BIRG jedoch lieber...

BIRG, Herwig (2005): Deutschlandbericht.
Grundkurs Demographie - Vierte Lektion,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 25.02.

BIRG, Herwig (2005): 100 Jahre Geburtenrückgang.
Grundkurs Demographie - Fünfte Lektion,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.02.

Für BIRG gibt es zwei Feindbilder, die einer Erhöhung der Geburtenrate in Deutschland im Weg stehen: zum einen die lebenslang kinderlose Frau (Es gibt nur eine amtliche Gebär- aber keine Zeugungsstatistik) und zum anderen die erwerbstätige Mutter. BIRGs Ideal ist deshalb die "deutsche Mutter" der Nazi-Generation:

"Die hohen Kinderzahlen der um 1932 geborenen Eltern bildeten den »Nachkriegs-Babyboom« mit dem Geburtenmaximum von 1964 bei 1,36 Millionen Kindern. Da die Verhaltensweisen und Wertvorstellungen der um 1932 Geborenen teilweise in der Epoche vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs geprägt wurden, muß der Nachkriegs-Babyboom auch als ein Phänomen der Vorkriegsepoche interpretiert werden."

BIRG, Herwig (2005): Mängel der Sozialversicherung.
Grundkurs Demographie - Sechste Lektion,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.02.

BIRG, Herwig (2005): Standortfaktor Bevölkerung.
Grundkurs Demographie - Siebte Lektion,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.03.

BIRG, Herwig (2005): Demografische Konflikte.
Grundkurs Demographie - Achte Lektion,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.03.

Der von BIRG vorhergesagte Verteilungsstress ist keine demografische Zwangsläufigkeit, sondern eine politische Entscheidung unserer Eliten.
Wie die Politik bewusst Konflikte in der Arbeitnehmergesellschaft erzeugt, wurde von single-generation.de am Beispiel der Rente nach Kinderzahl erläutert. Unsere Eliten bleiben dabei außen vor, solange sie nicht durch eine Bürgerversicherung zur Solidarität gezwungen werden.

"Bei einem Anteil der Kinderlosen von einem Drittel bei den Jahrgängen ab 1965 erodieren nicht nur die sozialen Sicherungssysteme, sondern es entsteht ein neuer Typ von sozialer Ungerechtigkeit - »die Transferausbeutung der Familien« (Jürgen Borchert) - durch die verfassungswidrige Bevorzugung von Menschen ohne Nachkommen in der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung (Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 3. April 2001)",

schreibt BIRG. Diese Aussage ist ein typisches Beispiel für die gezielten Halbwahrheiten, die BIRG immer wieder unwidersprochen verbreiten darf.
Nicht einmal in der linken Presse ist hierzu Widerspruch zu vernehmen. Stillhalten heißt in diesen Fall jedoch einverstanden sein. Oder fehlt es der deutschen Linken etwa am notwendigen Sachverstand? Für den Jahrgang 1965 ist bereits bewiesen, dass von einem Drittel lebenslang kinderloser Frauen nicht gesprochen werden kann. Was die jüngeren Jahrgänge betrifft, handelt es sich um reine Spekulation, die wissenschaftlich nicht beweisbar ist.

BIRG, Herwig (2005): Die innerdeutsche Migration.
Grundkurs Demographie - Neunte Lektion,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.03.

BIRG setzt seinen Kreuzzug gegen die moderne Welt fort und fordert eine Lenkung der Wohnortentscheidungen durch ein steuerliches Anreizsystem.

BIRG, Herwig (2005): Der lange Bremsweg.
Grundkurs Demographie - Zehnte Lektion,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.03.

Herwig BIRG beendet heute seinen 10teiligen Kreuzzug gegen die moderne Welt.

BIRG, Herwig (2005): "Die Dritte Welt bei uns".
Der Demographie-Forscher Herwig Birg prophezeit den Deutschen den volkswirtschaftlichen Niedergang auf Grund des Geburtendefizits,
in: Focus Nr.40 v. 01.10.

Herwig BIRG darf anlässlich seines neuen Buches "Die ausgefallene Generation" seine sattsam bekannten Thesen wiederholen.
Auch das Buch bietet nichts Neues, sondern verkauft eine veraltete und spärliche demographische Faktenlage als neuesten Wissenstand. Nicht Aufklärung, sondern Propaganda und Demagogie bietet BIRGs - als Einführung ausgegebenes - Machwerk.

BIRG, Herwig (2009): Integration und Migration im Spiegel harter Daten.
Zuerst leugnete die Politik die Existenz demographischer Probleme. Dann wollte man sie durch Zuwanderungen aus dem Ausland lösen. Inzwischen wird behauptet: Zuwanderung, Alterung, Schrumpfung sind große Chancen. Aber man entgeht der demographischen Zukunft nicht, indem man sie überholt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.04.

Neu:
BIRG, Herwig (2016): Die Gretchenfrage der deutschen Demographiepolitik: Erneuerung der Gesellschaft durch Geburten im Inland oder durch Zuwanderungen aus dem Ausland,
in:
Zeitschrift für Staats- und Europawissenschaften, Heft 3, S.351-377

Mit seiner nationalkonservativen Interpretation der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland hat Herwig BIRG Anfang des Jahrtausends die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme befeuert und damit den Grundstein für die Erfolge des Rechtspopulismus in Deutschland gelegt. Der Beifall des Neoliberalismus war ihm gewiss, denn Nationalkonservatismus und Neoliberalismus sind sich einig in ihrem Feindbild Sozialstaat.

Herwig BIRG präsentiert uns immer noch die verstaubten und längst empirisch widerlegten Behauptungen, dass vor allem zeitlebens Kinderlose am Geburtenrückgang Schuld seien. Dies ist falsch. Mit überhöhten Zahlen zur Kinderlosigkeit aus einem Gutachten von BIRG rechtfertigte das Bundesverfassungsgericht 2001 die Benachteiligung von Kinderlosen bei der Pflegeversicherung. Obwohl diese nachweislich falsch waren, gab es keine Korrektur dieses Fehlurteils, stattdessen pöbelt der alterstarrsinnige BIRG weiter mit veralteten Daten gegen Kinderlose. Angeblich gebe es

"mathematische Beweise, dass die Summe der wirtschaftlichen Belastungen der mittleren Generation durch ihre noch nicht erwerbstätigen Kinder sowie ihre nicht mehr erwerbstätigen Eltern genau dann am niedrigsten ist, wenn jede Frau im Durchschnitt zwei Kinder zur Welt bringt."

Diese mathematischen Bewiese bleibt uns BIRG jedoch schuldig. Sie wären auch kaum zu erbringen. Die zitierte Literatur, in denen diese angeblichen Beweise erbracht seien, verweisen immer nur auf BIRG selber und auf keinen einzigen anderen anerkannten Fachmann. Zumindest ausländische Demographen müsste BIRG aufführen können, wenn seine Beweise auch aussagekräftig wären. Folglich steht BIRG mit seiner Meinung allein auf weiter Flur.

Um seine hanebüchenen Interpretationen zu immunisieren, greift BIRG gerne auf veraltete Daten zurück, wenn ihm neuere Daten nicht genehm sind. So geht er zwar auf die Geburtenrate des Jahres 2014 (1,47) ein, weigert sich jedoch die Zahlen für 2015 zu nennen, sondern wechselt die Kategorie von deutscher Bevölkerung zu deutschen Frauen, weil ihm die 1,5 Geburten pro Frau angesichts seines völkischen Bevölkerungskonzepts missfallen.

Weil die empirisch ermittelte Kinderlosigkeit seinen Schätzungen widerspricht, arbeitet BIRG mit statistischen Tricks, um den Anschein zu erwecken, dass er richtig läge. So schreibt er von:

"zeitlebens kinderlos bleibenden Frauen(:)(...). ein Viertel (Gesamtdeutschland) bis ein Drittel (alte Bundesländer) beim Jahrgang 1970." (2016, S.359)

Bei der Quellenangabe dieser Zahlen verschweigt BIRG das Erhebungsjahr. Dazu hätte er keinen Grund, wenn es den aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2012 entstammen würde. Die Grafik weist jedoch nur 30 % aus und nicht 33 % für den westdeutschen Jahrgang 1970. An anderer Stelle heißt es dann:

"Der Prozentsatz der Kinderlosen an einem Jahrgang erhöhte sich (...) bis zum Jahrgang 1970 auf den internationalen Spitzenwert von 30 %" (2016, S.372)

Dass hier nur westdeutsche Akademikerinnen, aber nicht Gesamtdeutschland gemeint ist, wird hier zudem verschleiert. Nicht zuletzt widersprechen die Angaben zur Kinderlosigkeit der Tabelle I (S.362). Dort wird der Anteil der 1968-1972 geborenen Kinderlosen in Deutschland mit nur 22,4 Prozent angegeben. Diese Versuche der Vertuschung sind mehr als peinlich, denn offenbar hat BIRG dabei den Überblick verloren, denn sonst würden sich seine Angaben in diesem Text nicht ständig widersprechen. 

Fazit: Weil die lebenslange Kinderlosigkeit bei den nach 1965 geborenen Frauen nicht bei einem Drittel liegt, sondern bei rund einem Fünftel, arbeitet BIRG mit Darstellungstricks um seine Fehleinschätzung von Anfang des Jahrtausends weniger dramatisch erscheinen zu lassen als sie tatsächlich ist. Inzwischen ist jedoch nachgewiesen, dass die Politik gegen Kinderlose fatale Wirkungen hatte, indem sie auch Frauen, die sich mehr als zwei Kinder wünschten, abgeschreckt hat. Erst langsam versucht nun das Bundesinstitut für Bevölkerungswissenschaft diese Fehleinschätzung zu korrigieren. Den Schaden, den der nationalkonservative Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG durch seine Polemiken und einseitige Interpretationen seit den 1990er Jahren angerichtet hat, lässt sich nicht so schnell korrigieren. Der Artikel zeigt zudem, dass BIRG weiterhin seine eigenen Fehleinschätzungen vertuschen versucht.

Wir haben es in erster Linie mit einem fatalen Versagen der nationalkonservativen Bevölkerungsforschung in Deutschland zu tun, dessen Hauptakteur Herwig BIRG weiterhin uneinsichtig ist. Das Politikversagen liegt darin begründet, dass die Politik eine rechtzeitige wissenschaftliche Erforschung der tatsächlichen Auswirkungen der Kinderlosigkeit  boykottiert und stattdessen mithilfe von genehmen Spekulationen eine Politik unter falschen Voraussetzungen betrieben hat.

 
       
   

Herwig Birg im Gespräch

 
       
   
     
 

Statements von Herwig Birg

"Die neuen Länder verzeichneten nach der Wende die niedrigste Geburtenrate Europas: Sie betrug weniger als ein Kind je Frau. Inzwischen ist ein leichter Anstieg auf ein Kind pro Frau feststellbar. Aber gegenüber den 1,3 Kindern pro Frau im Westen macht das einen Unterschied von 30 Prozent aus. Das hat zur Folge, daß die Bevölkerung in den neuen Ländern viel stärker schrumpft als in den alten. "
(
Welt v. 24.08.1998)

"es ist außerordentlich erfreulich, dass die Lebenserwartung so kräftig wächst, wie sie das seit Jahrzehnten tun. Im vergangenen 20. Jahrhundert hat sie sich verdoppelt. Sie wächst statistisch um etwa acht Wochen pro Jahr. Also ein Neugeborener, der letztes Jahr geboren wurde - im Vergleich zu einem Neugeborenen, der dieses Jahres geboren wird - die unterscheiden sich in einer Lebenserwartung von etwa acht Wochen. Und das ist eine ziemlich konstante Zunahmerate. "
(WDR 5 am 13.07.2000)

"man (müsste) ein 'Bevölkerungsbewusstsein' schaffen, so wie in den siebziger Jahren das Umweltbewusstsein mit viel Aufklärung, aber auch mit schierer Propaganda erzeugt worden ist. "
(Spiegel Online v. 26.01.2001)

 
     
 
       
   

REIF, Adelbert (1998): Die Gefahr ist groß, daß Europa als Kulturraum verschwindet,
in: Welt v. 24.08.

DENNINGHOFF, Cordula (2000): Von wegen Rentenkonsens - Deutschland fährt demographisch mit Volldampf an die Wand,
in: Morgenecho. Sendung des WDR 5 v. 13.07.2000

VOLKERY, Carsten (2001): Sterben die Deutschen aus?
Laut einer Uno-Studie braucht Deutschland 500.000 Zuwanderer pro Jahr, um den Bevölkerungsschwund zu stoppen. SPIEGEL ONLINE sprach mit Herwig Birg, den Bevölkerungsexperte an der Uni Bielefeld, der erklärt, warum die Deutschen wieder mehr Kinder kriegen müssen,
in: Spiegel Online v. 26.01.

KEILANI, Fatina (2001): Die Welt und ihre Bevölkerung.
"Uns steht ein gewaltiger Lernprozess bevor" - Der Wissenschaftler Birg warnt vor gravierendem Arbeitskräftemangel
in: Tagesspiegel v. 04.03.

GERSDORFF, Alexander von (2002): "In den Großstädten werden sich die Deutschen integrieren müssen".
Der Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg warnt vor Hoffnungen auf eine Lösung der Wirtschaftsprobleme durch verstärkte Zuwanderung,
in: Welt v. 02.01.

FAZ.NET (2002): Bevölkerungswissenschaftler Birg.
"Wir brauchen ein anderes Zuwanderungsgesetz,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Online v. 24.01.

PETER, Joachim (2005): Deutschland braucht Liebe.
Zuwenig Ehen, zu viele Scheidungen, keine Treue - staatliche Familienpolitik wird das Problem der Kinderlosigkeit nicht lösen, sagt der Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg,
in: Welt v. 31.01.

KÖNIG, Jürgen (2005): Spaltung der Gesellschaft durch demographische Entwicklung.
Interview mit Herwig Birg,
in: DeutschlandRadio  v. 16.03.

WELT (2005): "Schlimmer als der 30jährige Krieg".
Deutschland vergreist. Der Bevölkerungsforscher Herwig Birg über die Geburtenkrise und mögliche Auswege,
in: Welt v. 05.10.

SEIBEL, Andrea (2006): "Wir haben Gegen-Gesellschaften".
Die Zahl der Deutschen schrumpft, die der zugewanderten Moslems wächst. Die Demographie werde zur Waffe, sagt der Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg,
in: Welt v. 28.02.

Herwig BIRG denkt über sich hinaus: "Die WELT: Sie sind ja ein Kulturpessimist in Reinstform!
          
Birg: Ja, was meine Lebenszeit betrifft. Aber diese kurzfristige Perspektive verbirgt das Wesentliche. Auf lange Frist, also in der generationenübergreifenden Perspektive, habe ich keine Zweifel, daß die deutsche Kultur, in deren Sprache Kants »Kritik der reinen Vernunft« geschrieben wurde, überdauert."

BERLINER ZEITUNG-Serie: Volk mit Falten

SZENT-IVANYI, Timot & Regine ZYLKA (2006): "Es wird ungemütlicher in diesem Land".
Gespräch mit Herwig Birg,
in: Berliner Zeitung v. 04.03.

RÖLL, Thomas (2009): "Das System kollabiert".
Die Sozialversicherungen verleiten die Menschen dazu, auf Kinder zu verzichten, analysiert der Bevölkerungsforscher Herwig BIRG,
in: Focus Nr.33 v. 10.08.

 
       
       
   

Die ausgefallene Generation (2005).
Was die Demographie über unsere Zukunft sagt
Berlin:
C. H. Beck (2006 als Taschenbuch erschienen)

 
   
     
 

Klappentext

"Alterung und Geburtenrückgang sind in den letzten Jahren zu zentralen gesellschaftspolitischen und kulturellen Themen aufgerückt. Die zugrundeliegenden Daten und Fakten verdanken wir der Bevölkerungsforschung, deren Ergebnisse man in Deutschland aus ideologischen Gründen jahrzehntelang nicht zur Kenntnis nehmen wollte. In einem 'Grundkurs Demographie' legt der weltweit renommierte Experte für Bevölkerungsfragen Herwig Birg das Handwerkszeug und die Resultate seiner Wissenschaft für jeden von uns verständlich dar. Er zieht in seinem neuen Buch die Summe dessen, was er über Bevölkerungsforschung zu sagen hat und was wir darüber wissen müssen, wollen wir erkennen, was die demographische Uhr geschlagen hat. Der schwerwiegendste Irrtum über die Natur der Bevölkerungsdynamik ist der Glaube, daß uns kurzfristiges Handeln vor dem Eintreten der prognostizierten Folgen bewahren könnte."

 
     
 
       
   

Rezensionen

BORCHERT, Jürgen (2005): Es ist 30 Jahre nach zwölf.
Herwig Birg mahnt, dass der Rückgang der Bevölkerung unser aller Leben verändern wird,
in: Rheinischer Merkur Nr.42 v. 20.10.

Jürgen BORCHERT stellt das Buch "Die ausgefallene Generation" von Herwig BIRG vor:

"Fast die Hälfte aller Kirchen, so schätzte die evangelische Kirche jüngst, ist in Zukunft entbehrlich und soll verkauft werden: Sind das die viel beschworenen »Chancen der Schrumpfung«, von denen hierzulande so viel die Rede ist? Herwig Birg zeigt, dass nur, wer die Risiken des demografischen Wandels wirklich kennt und ernst nimmt, überhaupt die Chance hat, ihnen auch gewachsen zu sein. Kurzum: Eine Pflichtlektüre für alle, die beim Thema Zukunft mitwissen, mitdenken und mitreden wollen!"

Wir können uns der Empfehlung von BORCHERT nicht anschließen.

HEINSOHN, Gunnar (2005): Kinder, Kinder.
Will Herwig Birg wirklich eine Fortpflanzungsdiktatur einführen?
in: Welt v. 24.12.

WINKELMANN, Ulrike (2006): Bevölkerungsdämmerung.
Der Sozialstaat ist übrigens schuld am Geburtenrückgang: Herwig Birg malt ein düsteres Bild der deutschen Gesellschaft - "Die ausgefallene Generation",
in: TAZ v. 04.03.

Ulrike WINKELMANN liefert eine überaus wohlwollende Besprechung des grauenhaften Pamphlets Die ausgefallene Generation von Herwig BIRG. Ist Herr BIRG Gott persönlich, dass alle beide Augen zudrücken?

Gerne zitiert Herr BIRG neue Bücher, damit der Leser nicht merkt, dass die präsentierten Zahlen wesentlich älter sind. So verweist BIRG auf S.36 seines Pamphlets bei den 1,5 Lebendgeborenen für den Jahrgang 1965 auf sein Buch Die demographische Zeitenwende. Er gibt dazu die neueste Ausgabe aus dem Jahr 2005 an. Die selben Zahlen finden sich jedoch bereits in der Originalausgabe aus dem Jahr 2001. Hat Herr BIRG solche Praktiken nötig? Um seinen veralteten Zahlen noch einen Heiligenschein zu verpassen, schreibt er folgendes:

"Die Zahl für den zuletzt aufgeführten Geburtsjahrgang von 1965 wurde zu einem Zeitpunkt ermittelt, als die Frauen das Ende des gebärfähigen Alters noch nicht ganz erreicht hatten. Da aber beispielsweise nach dem Alter 35 nur noch 15 % oder weniger der gesamten Nachkommen eines Jahrgangs geboren werden, läßt sich die insgesamt zu erwartende Kinderzahl bereits zuverlässig vorausberechnen, bevor der Jahrgang das Intervall von 15 bis 45 ganz durchlaufen hat."

So etwas nennt sich Persilschein! Als BIRG die Daten berechnete, war der Jahrgang 1965 höchstens 35 Jahre alt gewesen (das ist jetzt äußerst wohlwollend gerechnet). Warum verschweigt Herr BIRG das? Warum nennt BIRG nicht seine Quellen? Wo ist denn eigentlich das superschlaue Nachrichtenmagazin, das sonst gerne jeden Skandal aufdeckt?
Im Statistischen Monatsheft Baden-Württemberg 11/2005 schreibt SALETH, dass im Jahr 2003 sage und schreibe bereits 19 % der Mütter 35 oder älter waren. Das sind bereits 4 % mehr als BIRG in seinem Pamphlet angibt.

DAS soll GUT GERECHNETES MATERIAL sein, Frau WINKELMANN? Jeder der willens wäre, könnte diese miesen Tricks aufdecken. Aber welcher Besserverdienende sollte das wollen? Etwa unsere hoch bezahlten JournalistInnen von der Qualitätspresse? Die Taktik ist offensichtlich: es wird auf Zeit gespielt, um singlefeindliche Reformen durchzusetzen. Erst im Dezember - also nach der Verabschiedung des Elterngelds - plant der Verlag für Sozialwissenschaften die Veröffentlichung eines Buch mit dem Arbeitstitel Kinderlosigkeit in Deutschland. Der Klappentext verheißt:

"Trotz der offensichtlichen sozialpolitischen Relevanz und großen medialen Aufmerksamkeit des Phänomens Kinderlosigkeit sind das Ausmaß, die Ursachen und die Konsequenzen der Kinderlosigkeit in Deutschland bislang unzureichend untersucht worden, mit der Folge, dass in öffentlichen Debatten eine unkritische Verwendung irreführender, wenn nicht falscher Angaben über Kinderlosigkeit vorherrscht. Das Ziel des Bandes besteht vor diesem Hintergrund darin, das Phänomen der Kinderlosigkeit in Deutschland analytisch differenziert zu durchdringen und belastbare Daten und Ergebnisse über das Ausmaß und die Struktur, die Ursachen und Folgen von Kinderlosigkeit zu präsentieren."

Single-dasein.de weist bereits seit dem Jahr 2001 nach, wie Familienfundamentalisten das Ausmaß der lebenslangen Kinderlosigkeit bewusst übertreiben. Da lebenslang Kinderlose eine Minderheit sind (ca. 20 % in den jüngeren Frauenjahrgängen), ist mit Widerstand nicht zu rechnen. Dies gilt umso mehr, je mehr Spätgebärende es gibt. Auch über 40jährige kinderlose Frauen können sich noch als potenzielle Mütter fühlen.
Dieses Land kann also gut mit seiner Lebenslüge leben, dass an der niedrigen Geburtenrate in erster Linie die lebenslang Kinderlosen schuld sind, wie das Familienfundamentalisten gerne behaupten, obwohl sie jeglichen Beleg dafür schuldig bleiben müssen. Es sollte jedoch zu denken geben, dass Mitte der 1950er Jahre die Angst vor dem Aussterben der Deutschen genauso groß war wie zur Zeit. Auch damals ging es um die Durchsetzung einer Bevölkerungspolitik.

Im Dritten Reich hatte Wilhelm HARTNACKE in seinem Buch Die Ungeborenen vorgerechnet, dass ein Baby-Boom in den 1960er Jahren völlig unmöglich sei, weil es bereits in den 20er/30er Jahren eine ausgefallene Generation gab.

"Möglicherweise ist Birgs »Bevölkerungsdämmerung« doch eher seine persönliche Professorendämmerung",

orakelt WINKELMANN am Schluss der Besprechung. Für Kinderlose kann das KEIN Trost sein!

 
       
       
   

Die demographische Zeitenwende (2001).
Der Bevölkerungsrückgang in Deutschland und Europa
Berlin:
C. H. Beck

 
   
     
 

Klappentext

"Während die Weltbevölkerung dramatisch zunimmt, geht die Bevölkerung in Deutschland und Europa seit einigen Jahrzehnten kontinuierlich zurück. Das hat weitreichende Auswirkungen auf die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Strukturen der europäischen Nationalstaaten, die bis heute nicht angemessen beachtet werden. Herwig Birg stellt nach einer demographischen Bestandsaufnahme die Szenarien und Simulationsrechnungen für das 21. Jahrhundert vor. Er erörtert auf dieser Grundlage die Folgen der demographischen Entwicklung insbesondere für das Renten- und Gesundheitssystem und wirft notwendige Fragen nach dem Verhältnis von Demographie, Politik und Ethik auf. Sein Buch ist eine unentbehrliche Einführung in eines der wichtigsten Themen der Zukunft."

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
2. Transformiert die ökonomische Globalisierung die Weltbevölkerung in eine Weltgesellschaft?
3. Das demographisch-ökonomische Paradoxon und der langfristige Rückgang der Geburtenrate in Deutschland und Europa
4. Wirtschaftliche Prosperität und demographischer Niedergang
5. Grenzen der Familienpolitik im Hinblick auf die Logik biographischer Entscheidungen
6. Zweck, Verfahren und Genauigkeit demographischer Vorausberechnungen
7. Bevölkerungsvorausberechnungen für Deutschland im 21. Jahrhundert

7.1. Die Eigendynamik der demographischen Schrumpfung und Alterung
7.2. Die demographische Entwicklung der deutschen und der zugewanderten Bevölkerung in den alten und neuen Bundesländern
7.3. Der Einfluß unterschiedlicher Geburtenraten, Lebenserwartungen und Einwanderungen auf die demographische Alterung und die Bevölkerungsschrumpfung

8. Bevölkerungsvorausberechnungen für Europa und die südlichen Anrainerstaaten des Mittelmeers
9. Veränderungen der Zahl und Größe der privaten Haushalte und des Bedarfs an Wohnraum – regionale und sozialräumliche Aspekte
10. Notwendige Vorüberlegungen zur Erforschung der wirtschaftlichen Auswirkungen
11. Konsequenzen für das soziale Sicherungssystem in Deutschland
12. Demographie und Politik
13. Ethische Aspekte der menschlichen Fortpflanzung - die Verantwortungsethik von Hans Jonas

Zitat:

Ein Drittel bei den jüngeren Frauenjahrgängen wird zeitlebens kinderlos bleiben

"Der Hauptgrund für die niedrige Geburtenzahl pro Frau ist der hohe Anteil von rd. einem Drittel zeitlebens kinderlos bleibenden Frauen bei den jüngeren Jahrgängen ab 1965. Innerhalb der Gruppe der Frauen mit Kindern hat die Geburtenrate jedoch den idealen Wert von rd. 2 Kinder pro Frau. Die Polarisierung der Bevölkerung nach den beiden Gruppen mit und ohne Kinder ist in Deutschland besonders hoch. Dies ist der entscheidende Grund, warum die Geburtenrate hier deutlich niedriger ist als in Frankreich (1,7 Geburten je Frau), wo die lebenslange Kinderlosigkeit wesentlich geringer ist."
(2001, S.80)

 
     
 
       
   

Rezensionen

ALLMAIER, Michael (2001): Fahrgäste, wir wollen Fahrgäste!
Sollen diese Schubkarren denn ewig leerstehen?,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.10.

RUOSS, Christiane (2002): Die Mehrheit wird immer grauer.
Weil die Gesellschaft zunehmend altert, muss sich vieles ändern, was den Deutschen bisher selbstverständlich war - und das wird weh tun,
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.01.

RUOSS beginnt die Rezension von Herwig BIRGs Buch Die demographische Zeitenwende und Die Alterspyramide steht Kopf mit dem Standardsatz der Polarisierer:

"Inzwischen bleibt ein Drittel der Frauen und Männer in diesem Land lebenslang ohne Nachwuchs, und es werden von Jahr zu Jahr mehr."

RUOSS ist nicht auf dem neuesten Stand, denn die deutschen Demographen müssen ihre Prognosen ständig nach unten korrigieren. Der deutsche Bevölkerungswissenschaftler Jürgen DORBRITZ muss in den Mitteilungen des Bundesinstituts für Bevölkerungswissenschaften vom 09.03.2001 gestehen, dass

"wir für den Geburtsjahrgang 1965 vor einigen Jahren noch Kinderlosenanteile von mehr als 30 % erwartet (haben). Die neueren Schätzungen zeigen, dass sich über späte Erstgeburten die Kinderlosenanteile auf 27 % verringert haben."

Weitere Korrekturen nach unten sind vorprogrammiert. Internationale Demografen wie Ron LESTHAEGHE kritisieren diese deutsche Praxis, bei der das steigende Erstgebäralter nicht ausreichend berücksichtigt wird.

SCHMID, Josef (2002): Herwig Birg - Die demographische Zeitenwende,
in: DeutschlandRadio v. 09.05.

Josef Schmid - Die Prognosefähigkeit der Demografie
 
       
   

Herwig Birg in den Medien

 
       
   

GERSDORF, Alexander von (2000): "188 Millionen Einwanderer fehlen".
Bevölkerungsexperte Herwig Birg über die Folgen des dramatischen Geburtenrückgangs für die Rente,
in: Berliner Morgenpost v. 25.06.

KERSCHER, Helmut (2001): Der Wert der Kinder.
Familienverbände betrachten ihren Sieg in Karlsruhe als Dammbruch in der Sozialversicherung,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.04.

KERSCHER geht auf die Rolle des Bevölkerungswissenschaftlers Herwig BIRG im Rahmen des Gerichtsverfahrens ein und meint:

"Möglicherweise ist eine gewisse Vorentscheidung schon durch die Auswahl eines Sachverständigen gefallen".

BAUM, Karl-Heinz (2001): Im Teufelskreis der Überalterung.
Demographen sehen Geburtenraten langfristig im Keller und beklagen, dass ihre Warnungen ungehört bleiben
in: Frankfurter Rundschau v. 20.08.

Der Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG ist ein Mann der markigen Worte:

"Wir werden in diesem Jahrhundert nie wieder so viele Kinder haben wie jetzt und haben schon zu wenig",

wird er von BAUM zitiert. Das ist keine wissenschaftlich seriöse Prognose, sondern unseriöse Propaganda. Vieles was die Demographen bisher prognostiziert haben, war falsch. Dies liegt unter anderem daran, weil das Ausmaß der Kinderlosigkeit nicht mit exakten Zahlen belegt werden kann. So schrieb der Kollege Jürgen DORBRITZ in den BIB-Mitteilungen vom 09.03.2001:

"In die Berechnungen der Kinderlosigkeit fließen zwei Schätzungen ein. Einerseits muss Kinderlosigkeit in Deutschland geschätzt werden, da wir statistische Information über die Geburtenfolge nur anhand der bestehenden Ehen erhalten. Andererseits haben beispielsweise die Frauen des Geburtsjahrgangs 1965 ihre Familienbildungsphase noch nicht abgeschlossen, so dass auch die endgültige Kinderzahl zu schätzen ist (...). So haben wir für den Geburtsjahrgang 1965 vor einigen Jahren noch Kinderlosenanteile von mehr als 30 % erwartet. Die neueren Schätzungen zeigen, dass sich über späte Erstgeburten die Kinderlosenanteile auf 27 % verringert haben."

Daraus ergibt sich zweierlei: Erstens ist die Statistik ehezentriert und das obwohl seit einem Vierteljahrhundert über hohe Scheidungsraten und die Zunahme nicht-ehelicher Kinder geklagt wird. Zum anderen wird der Anteil der Kinderlosen systematisch überschätzt. Der westdeutsche Jahrgang 1965 wird von den Bevölkerungswissenschaftlern als typisch für das Geburtenverhalten aller nachfolgenden Jahrgänge angesehen. Eine stichhaltige Begründung wird dafür nicht geliefert. Der Begriff "Individualisierung" reicht inzwischen, um nichts mehr belegen zu müssen. Der dramatische Einbruch der Geburtenzahlen in Ostdeutschland zeigt jedoch, dass politischer Wandel und veränderte ökonomische Verhältnisse, die mit Individualisierungsprozessen nichts zu tun haben, das Geburtenverhalten drastischer verändern können als dies Individualisierung oder Familienpolitik je gekonnt hätten. Einen Geburtenrückgang wie Anfang der 1990er in Ostdeutschland, das schafften weder die Einführung der Pille noch die 68er. Und das Wichtigste: Kein Bevölkerungswissenschaftler hat dies vor dem Mauerfall prognostizieren können!

Sterben die Deutschen aus? - Die Rhetorik des Aussterbens

NATORP, Klaus (2001): Volk ohne Bevölkerungsbewußtsein.
Deutschland zwischen niedriger Geburtenzahl und Einwanderungsdruck,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.12.

NATORP zitiert die Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG und Josef SCHMID. Ersterer möchte ein Bevölkerungsbewusstsein analog zur Herstellung des Umweltbewusstseins in den Köpfen der Deutschen etablieren. Anscheinend ist ihm entgangen, dass eine Generation später ein gewisser Florian ILLIES eine Anleitung zum Unschuldigsein geschrieben hat, um sich von diesem Umweltbewusstsein zu befreien. Der Florian Illies der Generation @ hätte also mit dem Bevölkerungsbewusstsein ein ähnlich dankbares Thema zu erwarten. NATORP hält sich auch gar nicht lange mit diesem Gedanken auf. Familienpolitischen Maßnahmen zur Erhöhung der Geburtenrate steht er eher skeptisch gegenüber. Wirksamer erscheint ihm eine Entwicklungspolitik, die Migranten von Deutschland fernhält, weil sie in ihrer Heimat bleiben wollen.

 
       
   

Debatte um das Gutachten zu den Auswirkungen und Kosten der Zuwanderung nach Deutschland

BAYERISCHE STAATSKANZLEI (2002): Gutachten zu "Auswirkungen und Kosten der Zuwanderung nach Deutschland" empfiehlt Begrenzung der Zuwanderung.
Beckstein: "Gutachten bestätigt bayerische Linie der Zuwanderungsbegrenzung"
in: Pressemitteilung der bayerischen Staatskanzlei vom 14.01.

HSF (2002): Spricht das Ruhrgebiet bald Türkisch?
Sprach- und Integrationsprobleme in den Grossstädten des alten Industriereviers,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 18.01.

HSF hat in Gelsenkirchen eine Grundschule ausfindig gemacht, in der die Ausländer in der Mehrheit sind, um Herwig BIRGs Bedrohungsszenario zum Thema machen zu können:

"So schockierte gerade Heinz Birg, Bevölkerungswissenschafter an der Universität Bielefeld, in einem Zeitungsinterview die Öffentlichkeit: «Wir denken immer, wenn wir von Integration sprechen, an eine ‹deutsche› Mehrheitsgesellschaft, in die eine Minderheit zu integrieren ist. Es kommt aber genau umgekehrt. In den Grossstädten kippt bei den unter 40-Jährigen schon ab 2010 das Mehrheitsverhältnis Deutscher zu Zugewanderten. Integration bedeutet dann: Wie integriere ich mich als Deutscher in eine neue Mehrheitsgesellschaft aus Zugewanderten?»"

HSF zitiert hier die Welt vom 02.01.2002. Dies war sozusagen die inoffizielle Eröffnung des STOIBER-Wahlkampfes, denn BIRG hat im Auftrag der bayrischen Landesregierung ein Gutachten (siehe FR vom 18.01.) erstellt, das die Kontroverse Familien contra Singles forcieren wird.

FRANKFURTER RUNDSCHAU (2002): "Von Zuwanderung profitiert vor allem der Migrant, nicht der Staat".
Was der Bielefelder Bevölkerungsforscher Herwig Birg im Auftrag des Landes Bayern herausgefunden hat / Die Zusammenfassung seines Gutachtens
in: Frankfurter Rundschau v. 18.01.

Die FR dokumentiert BIRGs Gutachten für die Bayrische Landesregierung. Die zentrale Aussage ist:

"Die bis 2020 nur mäßige Abnahme des Arbeitskräftepotenzials um rd. 8 Prozent bietet den benötigten zeitlichen Spielraum zur Vorbereitung und Durchführung einer von Zuwanderungen unabhängigen, demographisch orientierten Familienpolitik zur Anhebung der Geburtenrate. Dies bedeutet, dass das Ziel, langfristig zu einer demographisch nachhaltigen Bevölkerungsentwicklung zurückzukehren, nicht unerreichbar ist."

Der Begriff "demographisch orientierte Familienpolitik" ist die neudeutsche Sprachregelung für Bevölkerungspolitik. Wie ist dies zu erreichen?

"Um das Ziel einer bestandserhaltenden Geburtenrate von zwei Kindern pro Frau zu erreichen, müsste sich die Familienpolitik vor allem auf einen Abbau der lebenslangen Kinderlosigkeit konzentrieren."

Eine solche Zielsetzung läuft zwangsläufig auf eine Verschärfung der Kontroverse "Familien contra Singles" hinaus. Frankreich ist BIRGs Vorbild. Obwohl dort Bevölkerungspolitik eine lange Tradition hat, ist die dortige Geburtenrate kaum höher als in Deutschland. Da Frankreich länger als Deutschland ein Agrarstaat war, dürfte dort der Geburtenrückgang erst noch bevorstehen. Dreh- und Angelpunkt des Überfremdungsarguments ist der angebliche Zuwanderungsdruck aus den Mittelmeeranrainerstaaten:

"Wer über Zuwanderung spricht, muss auch die demographische Entwicklung in den potenziellen Herkunftsländern berücksichtigen. In unmittelbarer Nachbarschaft zu Deutschland und Europa - in den südlichen Anrainerstaaten des Mittelmeers von Marokko über Algerien, Tunesien, Libyen und Ägypten bis zur Türkei".

Gerade diese Länder zeigen jedoch, dass die Bevölkerungsentwicklung nicht so voraussehbar ist, wie BIRG das gerne behauptet. Im Maghreb, den ehemaligen französischen Kolonien Algerien, Marokko und Tunesien hat nach einem Bericht des französischen Nachrichtenmagazins L'Express vom 25.01.2001 in den letzten 30 Jahren ein dramatischer Geburtenrückgang stattgefunden: von 7,5 Kinder auf etwas mehr als 2 Kinder pro Frau. Würde man BIRGs Prinzipien einer linearen Fortschreibung von Geburtenraten auf diese Länder anwenden, dann gäbe es dort in 30 Jahren eine Region ohne Volk. Keiner würde jedoch so etwas für realistisch halten. Aber genau nach diesem Grundmuster sind BIRGs Prognosen für Deutschland gestrickt!

KÄPPNER, Joachim (2002): Ein Professor für die CSU.
Wie ein akademischer Außenseiter die Angst schürt, die Deutschen würden zur Minderheit im eigenen Land
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.01.

KÄPPNER berichtet über die Vorstellung des Gutachtens von Herwig BIRG (siehe FR vom 18.01.) und den daran anschließenden Professorenstreit zwischen BIRG und seinen Kollegen BADE und OBERNDÖRFER. KÄPPNER behauptet, dass die Prognosen von BIRG wissenschaftlich unumstritten seien. Dies mag vielleicht für Deutschland stimmen, aber nicht international! Die deutsche Praxis wird z.B. von dem belgischen Demografen Ron LESTHAEGE kritisiert.

OBERNDÖRFER, Dieter (2002): Altersheim Deutschland.
Ein drastisches Plädoyer für mehr Zuwanderung,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.01.

Der Freiburger Politikwissenschaftler Dieter OBERNDÖRFER kritisiert nicht die - keinesfalls unumstrittene - Prognose von BIRG, sondern forciert dessen Rhetorik des Aussterbens noch, indem er sogar Voraussagen bis zum Jahr 2075 vorträgt. Offenbar möchte er nur BIRGs These, dass eine Trendwende beim demografischen Wandel ohne Zuwanderung möglich sei, widerlegen. Eine solche Strategie ist um keinen Deut besser als jene von BIRG, sondern geht auf Kosten der Singles. Singlefeindlichkeit statt Fremdenfeindlichkeit, das darf nicht die Alternative sein!

 
       
   

Die deutsche Bevölkerungsprognose in der Debatte

LEVINE, Tom (2001): Praktizierte Gleichberechtigung - größere Kinderzahl,
Familienpolitik - Kinder oder Inder oder was? Deutschland ist angesichts der sinkenden Geburtenzahlen aus jahrzehntelanger Lethargie erwacht. Manche Staaten sind längst munterer,
in: Berliner Zeitung v. 14.04.

GÜRTLER, Detlef (2003): Gerontokratie? Nichts da! Bald kommt der Baby-Boom.
Warum sich Statistiker, Demographen und Schwarzseher irren, und was daraus folgt, 
in: Welt v. 19.08.

KIESER, Albrecht (2004): Demographie und Demagogie.
Über die "unumstößlichen" Grundlagen der Schröderschen "Agenda 2010",
in: junge Welt v. 09.02.

 
       
   

Herwig Birg im WWW

www.herwig-birg.de
 
       
   

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Update: 10. Juli 2017