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Horst W. Opaschowski: Minimex

 
       
     
       
     
       
   

Horst W. Opaschowski in seiner eigenen Schreibe

 
   
OPASCHOWSKI, Horst W. (2001): Lebensplanung als Designaufgabe,
in: Welt v. 09.05.

Die Weltsicht des Freizeitpädagogen ist einfach. Die Welt braucht OPASCHOWSKI, denn sonst würde ihr die kulturpessimistische Sicht auf die Dinge fehlen:

"Steigender Lebensstandard und wachsende Zeitnot, mangelnde Fantasie und nachlassende Verbindlichkeit echter sozialer Beziehungen bescheren schon heute zahllosen Serviceagenturen einen wahren Boom. Das Geschäft mit den Ängsten und Nöten der Menschen entwickelt sich zur Ausbeutung menschlicher Bedürfnisse.
          
 Vom Geschäft mit der Zeitnot profitieren Partyservice und Festeveranstalter, Homeshopping und Sofortkredite. Das Geschäft mit der Angst boomt bei Babysittern und Bodyguards in Haus und Garten, bei Diebstahl- und Reiseversicherungen. Vom Geschäft mit der Einsamkeit leben Singleklubs und Singlereisen, Telefon- und Kontaktdienste. Am Geschäft mit der Langeweile verdienen Kinos und Kneipen, Erlebnisparks und Fernsehanstalten. Das Geschäft mit den Träumen beherrschen die Traumfabriken Ferienklubs und Reiseveranstalter, Shoppingcenter und Badelandschaften. Im 24-Stunden-Service wird alles möglich: Telefondienst für Blinde oder Bodyguards für Friedhofbesucher.
          
 Der kanadische Kultschriftsteller Douglas Coupland könnte wieder einmal Recht behalten. In seinem Buch »Life after God« machte er sich schon 1995 Gedanken über ein Leben nach Gott: Der Preis, den wir für dieses goldene Leben bezahlen, ist die eigene Unfähigkeit zum Leben aus erster Hand und zum naiven Glauben an das Kultmarketing als Ersatzreligion."

OPASCHOWSKI profitiert natürlich auch irgendwie von jenen Menschen, denen er die Defizite aufzeigt, die sie seiner Meinung haben sollten. Ob das die Menschen weiterbringt, oder nur OPASCHOWSKI oder beide irgendwie unerfüllt zurücklässt?

Neu:
OPASCHOWSKI, Horst W. (2011): Zukunft findet Stadt! Abschied vom urbanen Pessimismus. In: Siegfried Frech & Richard Reschl (Hg.) Urbanität neu planen. Stadtplanung, Stadtumbau, Stadtentwicklung, Wochenschau Verlag, S.211-226

 
       
   

Horst W. Opaschowski: Porträts und Gespräche

 
   

SCHLIESSELBERGER, Helmut (2001): Zukunftstrends mal zehn.
Freunde statt Familie, Leistung als Lebenssinn, Ausgrenzung durch neue Technologien. Die Zukunft hat laut Trendforscher Opaschowski begonnen,
in: Salzburger Nachrichten v. 10.07.

Horst W. OPASCHOWSKI ist bei den Trendforschern der Gegenspieler von Matthias HORX. Sieht HORX nur die positiven Seiten der Individualisierung, so thematisiert OPASCHOWSKI nur die negativen Seiten dieses angesagten Trends. Der Freizeitpädagoge setzt Individualisierung mit Vereinzelung gleich:

"Immer mehr Menschen leben und wohnen allein. Seit 1900 hat sich der Anteil der Einpersonenhaushalte von 7% auf 35% verfünffacht. Hauptursachen: Soziale Aufwertung des Alleinlebens; Aufschub der Familiengründung; gestiegene Mobilitätsanforderungen; verlängerte Ausbildungszeiten.
            Für die Zukunft ist mit einer weiteren Zunahme dieser Lebensform zu rechnen. Noch Mitte der 80er Jahre waren Familie sowie Ehe und Partnerschaft die persönlich wichtigsten Bereiche im Leben. Jetzt haben erstmals die Freunde und der Bekanntenkreis der Familie den Rang abgelaufen. Singles sind die 'Hätschelkinder der Konsumgesellschaft, weil sie den Konsum anheizen'. Aber wer keine feste private Beziehung mehr wagt, könne in Zukunft auch keine soziale Geborgenheit mehr erwarten."

Der Fehlschluss dieser Trendaussage beruht darauf, dass der statistische Begriff "Einpersonenhaushalt" mit dem Beziehungsbegriff "Partnerlosigkeit" gleich gesetzt wird und ein Gegensatz von Familie und Single-Dasein konstruiert wird.

Der Mainzer Soziologe Norbert F. SCHNEIDER (siehe Allgemeine Zeitung Mainz vom 23.06.2001) spricht dagegen von einer "paarorientierten Gesellschaft" und die Forschungen zur multilokalen Mehrgenerationen-Familie zeigen, dass Single-Dasein und Familie kein Gegensatz sein muss.

DPA (2006): Mr. Zukunft geht in Pension.
Der Hamburger Freizeitforscher Horst Opaschowski wird 65 Jahre alt - und hat noch viel vor,
in: Welt v. 02.01.

STENZEL, Annika (2007): "Die Menschen wollen arbeiten".
Die Hamburger BAT-Stiftung für Zukunftsfragen hat sich für ein "minimales Existenzgeld" für alle Bürger ausgesprochen. Zukunftsforscher Horst Opaschowski erklärt, wie das aussehen soll,
in: TAZ Hamburg v. 28.08.

 
       
   

Zukunft findet Stadt! (2011).
Abschied vom urbanen Pessimismus.
In: Siegfried Frech & Richard Reschl (Hg.) Urbanität neu planen. Stadtplanung, Stadtumbau, Stadtentwicklung, Wochenschau Verlag,
S.211-226

 
   
     
 

Inhaltsverzeichnis

Die Zukunft ist urban: Städte schrumpfen und wachsen zugleich
Menschen wandern zum Wohlstand: Pendler kehren in die Stadt zurück
Immer mehr Singles und Senioren wohnen in zentraler Lage
Das Eigentumsdenken verändert sich: Städter mieten Lebensstile
Soziale Polarisierung: Städtische Unterschichten sorgen für Konflikte
Wohnungsunternehmen werden zu sozialen Dienstleistern
Nachbarschaftshilfen werden immer bedeutsamer
Generationen unter einem Dach: Wohnen mit Wahlfamilien
Altwerden mit Familie und Freunden statt Einweisung ins Heim
Prioritäten der Planung: Lebenswerte Städte als Leitbilder der Zukunft

Zitate:

Immer mehr Singles?

"(Der) Trend zu Ein- und Zweipersonenhaushalten (bleibt) stabil: Immer mehr Familienhaushalte wandeln sich zu kinderlosen und älteren Haushalten, d.h. die Haushalte werden kleiner, aber die Wohnfläche pro Person größer.
Zugleich steigt die Zahl der privaten Haushalte. Bereits im Jahr 2020 wird es über eine Million Haushalte mehr als heute geben. Dabei steigt vor allem der Anteil der kleinen Ein- und Zweipersonenhaushalte auf über 75 Prozent. (...).
Immer mehr Menschen leben und wohnen allein. (...). Die Wohnung der Zukunft wird also für die wachsende Zahl der Singles und Senioren gleichermaßen Ankerplatz für das Ego und Kommunikationsbörse
für Nachbarn und Freunde werden."
(2011, S.216)

"Im Jahr 2030 wird die Mehrheit (53 Prozent) der über 60-Jährigen nicht verheiratet, sondern ledig, verwitwet oder geschieden sein. Die meisten leben in Einpersonenhaushalten und sind dann, wenn sie kinder- und enkellos bleiben, auf den Auf- und Ausbau einer professionellen Infrastruktur von Hilfe- und Pflegeleistungen angewiesen. Wer keinen Partner, keine Kinder und keine Geschwister hat, muss im Alter auf bezahlte Helfer ausweichen. Es gilt als sicher, dass mit der Zunahme der Kinderlosigkeit immer mehr Menschen im Alter allein wohnen und leben und keine familiären Unterstützungsleistungen erwarten können. Ihre Hoffnungen, sich allein auf ihre guten Freunde verlassen zu können, erfüllen sich nachweislich nicht (Vaskovics u.a. 2000, S.12) bzw. erweisen sich als unrealistische Vorstellungen."
(2011, S.220) 

 
     
 
       
   

Beitrag von single-generation.de zum Thema

Sind wir auf dem Weg zur "Single-Gesellschaft" Oder: Singles als nützliche Idioten in einer paar- und familienorientierten Gesellschaft

 
       
   

Minimex (2007).
Das Zukunftsmodell einer sozialen Gesellschaft
Gütersloh:
Gütersloher Verlagshaus

 
   
     
 

Klappentext

"MINIMEX: Minimales Existenzgeld für alle

Das Modell: Jeder Bürger soll einen gesetzlichen Anspruch auf eine finanzielle Grundabsicherung durch den Staat haben - unabhängig von seinem Einkommen, Lebensalter und  Tätigkeitseinsatz. Finanziert werden soll das Modell durch eine starke Vereinfachung und Neuordnung des Steuersystems und den Abbau von Bürokratie in der Sozialverwaltung.

Eine Utopie?

Keine Utopie! Davon ist Horst W. Opaschowski überzeugt und belegt das in seinem neuen Buch. Er macht deutlich, welche gesamtwirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Auswirkungen diese revolutionäre Idee haben wird - wenn rechtzeitig die Weichen dafür gestellt werden."

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

A. Die Herausforderung. Die Krise der Erwerbsgesellschaft

I. Die Postindustrialisierung. Wenn Niedriglöhne normal werden

II. Die Prekarisierung. Wenn der Lebensstandard sinkt

III. Die Brasilianisierung. Wenn sich Armut ausbreitet

B. Die Idee. Den Sozialstaat neu denken

I. Grundsicherung für alle. Die Geschichte einer revolutionären Idee
II. Erste Realisierungsansätze. Ein internationaler Vergleich
III. Soziale Absicherung. Die wichtigste Aufgabe der Zukunft
IV. Verhinderung von Armutskarrieren. Suche nach sozialpolitischen Lösungsansätzen
V. Ende des Stillhaltens. Bundesbürger fordern mehr soziale Leistungen
VI. "Freigesetzt" - wofür? Auf der Suche nach alternativen Ideen

C. Die Realisierung. Eine Jahrhundertreform

I. Die Chance. Existenzgeld statt Existenzangst
II. Das Problem. Eine Macht- und Glaubensfrage
III. Die Umsetzung. Die Verwirklichung als Stufenmodell

D. Die Finanzierung. Mehr Sozialdividende als Sozialhilfe

I. Vom Sicherheitsnetz zum Fangnetz. Die Zukunftsrente auf Sozialhilfeniveau
II. Vom Wert der Menschenwürde. 345 Euro im Monat?
III. Befreiung von existentieller Angst. 580 Euro im Monat?
IV. Modellrechnung. Mehr real als radikal
V. Finanzierungsquellen. Eine Frage der Neu- und Umverteilung
VI. Haushaltsprinzip vor Individualprinzip. Die Förderung des familiären Zusammenhalts als oberste Priorität
VII. Minimex: Das minimale Existenzgeld. Ein 10-Punkte-Fragenkatalog

E. Die Wirkung. Das Zukunftsmodell einer sozialen Gesellschaft

I. "Zukünfte". Modell für die Welt von morgen
II. Paradigmenwechsel. Von der Erwerbs- zur Leistungsgesellschaft
III. Lebensunternehmertum. Leben ist, die Lust zu schaffen
IV. So soll es werden! Auf dem Wege zu einer besseren Zukunft

 
     
 
       
   

Rezension von single-generation.de

Horst W. Opaschowski - Minimex
Warum eine grundlegende Reform des Sozialstaats ansteht, bei denen die Modelle einer Grundsicherung, wie z.B. das minimale Existenzgeld (Minimex), eine zentrale Rolle spielen werden
 
   

Das Buch in der Debatte

RICKENS, Christian (2007): Ohne schlechte Laune träumen.
Links gegen neoliberal, das heißt viel Staat gegen wenig Staat, niedrige Steuern gegen hohe Steuern, Oskar Lafontaine gegen Hans-Olaf Henkel. Oder gibt es einen linken Neoliberalismus? Und wenn ja, warum nicht?
in: manager-magazin.de v. 29.08.

Christian RICKENS war auf einem Kongress der digitalen Bohème, wo über einen linken Neoliberalismus diskutiert wurde. Zum Stichwort Umverteilung fällt ihm u.a. OPASCHOWSKIs Minimex-Modell ein:

"Stichwort Umverteilung: Wer links ist, bejaht Umverteilung. Man kann sich aber auch als Linker dazu bekennen, dass diese Umverteilung möglichst effizient organisiert werden sollte – und wird sich in dieser Forderung mit jedem Neoliberalen einig wissen. Effizient ist Umverteilung dann, wenn sie die Anreize zu eigener Leistung möglichst wenig verzerrt. Also das genaue Gegenteil vom derzeitigen Sozialversicherungssystem, in dem einseitig der Faktor Arbeit mit Abgaben belegt wird. Und in dem es sich für Arbeitslose vielfach nicht lohnt, eine geringqualifizierte Arbeit anzunehmen, weil ihnen das schmale Gehalt größtenteils wieder vom Hartz-IV-Satz abgezogen würde.
            (...).
Ein linker Neoliberaler müsste also fordern, dass die Umverteilung über das Steuersystem organisiert wird und dass alle Einkommensarten in die Besteuerung einbezogen werden, also auch Kapitaleinkünfte. Faktisch läuft diese Forderung auf eine negative Einkommensteuer hinaus, zum Beispiel in der Form wie sie der Sozialwissenschaftler Horst Opaschowski vor wenigen Tagen in seinem Minimex-Modell vorgestellt hat.
"

 
   

Grundeinkommensmodelle in der Debatte

SAKKAS, Konstantin (2006): "Arbeitslosigkeit ist ein Sieg".
Der Soziologe Ulrich Beck will den Menschen befreien – mit einem bedingungslosen Grundeinkommen,
in: Tagesspiegel v. 30.11.

ELFFERDING, Wieland (2007): Kommunistischer Kapitalismus.
In den Fallstricken des Grundeinkommens: Der Soziologe Ulrich Beck und das merkwürdige Reich der Freiheit,
in: Freitag Nr.1 v. 05.01.

KOCH, Hannes (2007): Kompetenz-Zentrum für Grundeinkommen.
Das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut eröffnet eine Niederlassung in Erfurt. Wie HWWI-Chef Straubhaar streitet auch Thüringens Ministerpräsident Althaus für deregulierte Märkte und die sozialpolitische Alternative zu Hartz IV,
in: TAZ v. 13.02.

STRAUBHAAR, Thomas (2007): Ein Grundeinkommen für alle!
Standpunkt,
in: 
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.07.

ERNST, Klaus (2007): Man kann nicht Tausende mit sieben Fischen sättigen.
Bedingungsloses Grundeinkommen: Die rechten Befürworter des "Bürgergeldes für alle" trachten danach, den Sozialstaat abzuschaffen, die linken übersehen, dass ihr Modell unbezahlbar ist,
in: Freitag Nr.33 v. 17.08.

ENSMINGER, Petra (2007): Länger leben mit weniger Rente.
Brauchen wir eine staatliche Existenzsicherung?
in: DeutschlandRadio v. 14.09.

ENGLER, Wolfgang (2007): Das Vermögen, Nein zu sagen.
Gundeinkommen: Kann Arbeit (ab)wählbar sein?
in: Freitag Nr.37 v. 14.09.

Der Soziologe Wolfgang ENGLER erläutert die Interessenkonstellation in der Debatte um eine soziale Grundsicherung anhand des Zusammenhangs zwischen Arbeitseinkommen, Grundeinkommen und Mindestsicherung:

"Wer einem Dienstherren kündigt, muss sich einen anderen suchen, sonst drohen unliebsame Konsequenzen? Wie lange noch? Das Beschäftigungsverhältnis aus den Fesseln sozialen Zwangs, in denen es seit je gefangen war, zu lösen, das ist der nächste Schritt des zivilisatorischen Prozesses.
            Ihn zu vollziehen, unterstellt ein Grundeinkommen, das dem Leben ohne Arbeit eine materielle Basis gibt, auf der es, weil auskömmlich, überhaupt erst wählbar wird.
            Sein Auskommen finden, mittels Arbeit, in gesellschaftlicher Teilhabe, verlangt ein Entgelt, dass das ermöglicht - einen Mindestlohn. Darunter darf kein Grundeinkommen fallen - es wäre nicht mehr auskömmlich. Daher gilt: Grundeinkommen = Mindestlohn. Wer darauf Anspruch hat, verlangt nach Arbeit mit einem höheren Ertrag. Folglich gilt auch: Arbeitseinkommen > Mindestlohn. Diesen Witz hat noch niemand verstanden. Man sollte ihn wie ein Geheimnis hüten! Keine Grundsicherung ohne gesetzlichen Mindestlohn! In dieser Frage steht der fortschrittliche Liberale dem Gewerkschaftler zur Seite. Kein über dem Mindestlohn liegender Arbeitsertrag ohne Grundeinkommen! Wo ist der Gewerkschaftler, mit dem der Liberale sich in diesem Kampf verbünden könnte?
            
Ohne Deckung durch einen Mindestlohn sinkt das Grundeinkommen unter die Schwelle des Auskommens. Zuarbeit wird unentbehrlich, die aus dem Arbeitsprozess Ausgeschiedenen versammeln sich abermals beim Unternehmer, jederzeit bereit, die Stellen seiner aktuellen Mitarbeiter einzunehmen. Der folgt ihren Begehren, entledigt sich des Personals, so gut er kann, und speist die Neuen, die schon etwas auf dem Rücken haben, mit Almosen ab.
            Das »Grundeinkommen«, das dem Unternehmer schmeckt, subventioniert die Löhne - aus allgemeinen Steuermitteln."

LOSKE, Reinhard (2007): Grundeinkommen.
Ein neuer Anfang!
in: Frankfurter Rundschau v. 24.11.

"Das Konzept des Grundeinkommens, manche nennen es auch Bürgergeld, passt sehr gut zu den Grünen, weil es libertäre und soziale Ideen zusammenführt. Das hinter dem Grundeinkommen liegende Menschenbild ist das vom tätigen Menschen, der sich autonom die ihm gemäße Mischung aus Erwerbsarbeit, Familienarbeit, sozialem Engagement, kulturellem Schaffen und persönlicher Muße wählt", meint Reinhard LOSKE.

KURTH, Markus (2007): Grundsicherung.
Keine Umwälzung!
in: Frankfurter Rundschau v. 24.11.

Markus KURTH sieht die "Notwendigkeit eines vielfältigen Hilfesystems für Wohnungslose, Überschuldete, Frauen in Frauenhäusern, Weglaufkinder und die vielen anderen Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten" weiterhin bestehen.

JAHBERG, Heike (2007): Arme Rentner.
Alte Leute sollen nicht von der Fürsorge leben müssen, fordern Politik, Versicherer und Sozialverbände. Nur der Weg ist umstritten,
in: Tagesspiegel v. 25.11.

Die Versicherungsbranche versucht - angesichts zu erwartender hoher Profite - mit Rentenstudien die Menschen zur privaten Rentenvorsorge zu drängen. Dies wird jedoch von einigen Menschen weiterhin ignoriert:

"Sozialpolitiker, Wohlfahrts- und Sozialverbände sind alarmiert durch die neue Rentenstudie, die die Deutsche Rentenversicherung in der vergangenen Woche vorgelegt hat. Danach verlasse sich noch immer über eine Million Deutsche zwischen 46 und 50 Jahren allein auf die gesetzliche Rentenversicherung und habe weder eine private noch eine betriebliche Zusatzvorsorge. Das Problem: Wegen der Rentenreformen der vergangenen Jahre werden sich die heute 46- bis 50-Jährigen mit einer Durchschnittsrente von 690 Euro begnügen müssen, wenn sie keine zusätzliche Vorsorge betreiben, heißt es in der Studie."

Ein Teil dieser Menschen wird sich vermutlich denken, dass sie sowieso nichts mehr von unserem Rentensystem zu erwarten haben. Hans-Werner SINN hat kürzlich die Rente ab 77 gefordert. Wann wird der erste eine Rente ab 100 fordern? Andere wiederum wollen das Rentensystem völlig umbauen, ob Grundsicherung (also Rückkehr zur Armenfürsorge) oder Rente nach Kinderzahl.

Einige Menschen könnten dagegen individuelle Lösungen bevorzugen. Menschen jenseits der Festanstellung haben in dieser Hinsicht ganz unterschiedliche Strategien entwickelt, wie das Buch Wovon lebst du eigentlich? von Jörn MORISSE & Rasmus ENGLER zeigt.  

BEUCKER, Pascal (2007): Citoyens in den besten Jahren.
Die Grünen sind die Partei des Ökoliberalismus. Sie scheren sich zwar kein bisschen um das Wohlbefinden des so genannten Prekariats, wollen aber auch nicht als Unmenschen dastehen,
in: Jungle World Nr.49 v. 06.12.

"Konkret bedeutet das verabschiedete Modell einer »Grundsicherung« nichts weiter als eine Aufhübschung von Hartz IV. Ein bisschen mehr Geld soll’s geben und etwas weniger Sanktionen, dazu noch ein paar Milliarden Euro für ein staatliches Bildungsprogramm. (...).
Für die interessantere Variante, ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle, reichte der Mut der Grünen nicht aus. Es ist ein Grundsatzstreit: Was soll im Mittelpunkt der Gesellschaft stehen – die Erwerbsarbeit oder der selbstbestimmte Mensch? Die Diskussion der Grünen darum ist beinahe so alt wie die Partei selbst.

            
Damals, in der ersten Hälfte der achtziger Jahre, waren es noch zuvorderst »Ökolibertäre« wie der heutige Chefredakteur der Welt, Thomas Schmid, die für die Selbstbestimmung stritten. Inzwischen finden sich Befürworter und Gegner in allen Flügeln", berichtet BEUCKER.

BOLLMANN, Ralph (2008): Provokation für Alte und Junge.
Die winzige Rentenerhöhung zeigt nur: Ein Systemwechsel muss her,
in: TAZ v. 09.04.

Ralph BOLLMANN plädiert für eine Grundrente.

ALTHAUS, Dieter (2008): Die Jahrhundertreform: Das solidarische Bürgergeld,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.04.

KOVCE, Philip (2013): Die Revolution der Möglichkeiten.
Bei der Bundestagswahl ging es nicht um das bedingungslose Grundeinkommen. Schade. Denn es ist weder "rechts" noch "links". Eine Besinnung auf seine Vordenker zeigt, warum es nützlich ist,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.12.

"Der Sozialstaat bismarckscher Prägung funktioniert dauerhaft nur dann, wenn traditionelle Familienformen, eine geringere Lebenserwartung sowie das ununterbrochene Beschäftigungsverhältnis die Regel sind. Werden sie zur Ausnahme, werden Arbeit, Lebenspartner und Wohnsitz häufiger gewechselt, wechseln sich Ruhe- und Schaffensphasen unregelmäßig ab, schaffen immer mehr Maschinen materiellen Wohlstand, dann gilt es, nicht Beschäftigung zu sichern, sondern zu ermöglichen. Dann geht es nicht darum, Almosen à la Hartz IV zu verteilen, sondern Chancen zu eröffnen. Das tut ein bedingungsloses Grundeinkommen",

erklärt uns Philip KOVCE, Gründer der Bürgerinitiative bedingungsloses Grundeinkommen. Warum unser Sozialstaat, der mit demjenigen von BISMARCK eher nur noch wenig zu tun hat, nur funktionieren soll, wenn traditionelle Familienformen und eine geringere Lebenserwartung sowie ununterbrochene Beschäftigungsverhältnisse die Regel sind, erklärt uns KOVCE lieber nicht, weil er dann in Erklärungsnöte kommen würde. Die einzige Voraussetzung unseres Sozialstaates ist eine ausreichende Balance zwischen Beitragszahlern und Rentenempfängern. Diese hängt weder mit der Lebenserwartung eng zusammen, noch mit der Geburtenentwicklung, wie uns KOVCE glauben lassen will, sondern in erster Linie mit der Produktivitätsentwicklung und der sozialen Ungleichheit der Bürger. Nicht Sachzwänge, sondern politische Entscheidungen prägen die Ausgestaltung unseres Sozialstaates.

Die Debatte um das (bedingungslose) Grundeinkommen soll lediglich den politischen Abschied von der Lebensstandardsicherung verschleiern, die der Hartz-Gesetzgebung und dem Umbau des Sozialstaats als Elitenprojekten zugrunde liegen. Ein bedingungsloses Grundeinkommen - wie es KOVCE vorschlägt - macht nur in einer Klassengesellschaft mit einem großen Einkommensgefälle Sinn. Wer für ein solches Grundeinkommen wirbt, der treibt damit immer auch die neue Klassengesellschaft voran. Dafür kann man ruhig auch mal das Paradies auf Erden versprechen:

"Jeder wird freigestellt, das zu tun, was er selbst für richtig hält".

 
   

Horst W. Opaschowski im WWW

www.opaschowski.de
 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 23. August 2007
Update: 28. September 2015