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Josef Schmid: Die Prognosefähigkeit der Demografie

 
       
     
       
     
       
   

Josef Schmid in seiner eigenen Schreibe

 
   

SCHMID, Josef (2001): Demographie ist unser Schicksal,
in:
Criticón Nr.172, Winter

Josef SCHMIDs bevölkerungspolitische Vorstellungen knüpfen wie bei Jürgen BORCHERT an der Vormoderne an:

"ein gewisser Teil der Beitragsleistung von Erwerbstätigen könnte an ihre Eltern gehen. Es ist ein Versuch, Eltern in modernen Zeiten etwas vom Vorteil, Kinder in die Welt gesetzt zu haben, spüren zu lassen, wie es in der Menschheit bis ins 19. Jahrhundert hinein üblich und selbstverständlich war, - ein Versuch, den Generationenvertrag ähnlich dem alten Strickmuster wieder herzustellen: Alter mit Jugend wieder zu verknüpfen, den anonymen massenbürokratischen Nebel, der das natürliche Generationenverhältnis verhüllt, zu lichten und in seiner biosozialen Substanz wieder hervortreten zu lassen."

Thomas EBERT ("Beutet der Sozialstaat die Familien aus? Darstellung und Kritik einer politisch einflussreichen Ideologie", in BUTTERWEGGE & KLUNDT "Kinderarmut und Generationengerechtigkeit", 2002, S.99-111) hat einen solchen Ansatz als "Familienausbeutungstheorie" bezeichnet und am Beispiel von Jürgen BORCHERT dessen Prämissen offen gelegt. Er kommt zu dem Schluss:

"Die 'Familienausbeutungstheorie' leugnet letztlich die rechtliche Unabhängigkeit der Kinder, selbst wenn sie erwachsen geworden sind. Kinder gelten als unselbständiger Bestandteil des Familienverbandes, an dessen Spitze die Eltern stehen. Man befindet sich damit im diametralen Widerspruch zum modernen Verständnis von den Rechten des Individuums."

Was SCHMID fordert, das bezeichnet EBERT als "Elternzentrierte Statuspolitik":

"Sie geht davon aus, dass die Eltern eine Leistung für die Gesellschaft erbringen, indem sie durch Kindererziehung einen Produktionsfaktor bzw. den entscheidenden Produktionsfaktor zur Verfügung stellen. Dafür können sie von der Gesellschaft einen Gegenwert und eine Entschädigung verlangen. Familienpolitik wird also aus dem Eigentumsrecht der Eltern und aus dem Entschädigungsprinzip abgeleitet. Daher geht es nicht um das Recht der Kinder und Jugendlichen, sondern ausschließlich um das Recht der Eltern.
Der Statuswahrungspolitik für die Eltern kommt es in erster Linie darauf an, dass Eltern nach Möglichkeit mit Kinderlosen derselben Schicht gleichgestellt werden. Familienpolitik wird als korrigierender Eingriff des Staates in einen angenommenen Konflikt zwischen Kinderreichen und Kinderlosen konzipiert."

SCHMID tritt deshalb auch für die Abhängigkeit der Rentenansprüche von der Kinderzahl ein:

"Konkret sollten nur noch jene, die mindestens zwei Kinder aufgezogen haben, in den Genuß der vollen Rente gemäß Rentenformen kommen. Für alle gibt es Abschläge".

SCHMID geht es um nicht weniger als um die "Rettung des Abendlandes", der er mit Geburtenförderung gegensteuern möchte. Sein Szenario des Aussterbens, das er vorstellt, geht von der unrealistischen Annahme aus, dass jeweils um 1/3 schwächere Geburtsjahrgänge folgen. Dagegen spricht jedoch, dass sich bisher immer geburtenstärkere und - schwächere Jahrgänge abgelöst haben. Es existiert also gar kein kontinuierlicher Geburtenrückgang, wie er suggeriert wird. Die Prognosen gehen zudem von falschen Prämissen aus, denn das gegenwärtige Ausmaß der Kinderlosigkeit wird überschätzt.

SCHMID, Josef (2003): Die zweite Aufklärung - Zeitbombe Demographie,
in: Signale - Gedanken zur Zeit. Sendung des DeutschlandRadio Berlin v. 07.09.

Der Bevölkerungswissenschaftler Josef SCHMID versucht die Prognosefähigkeit der Demographie zu belegen. Dass 13 Jahre nach dem zweiten demographischen Übergang bereits erste Daten über die weitere Bevölkerungsentwicklung vorlagen, das wird von SCHMID als Erfolg verbucht! Vor 40 Jahren haben die Demografen für die Jahrtausendwende ein überbevölkertes Deutschland - mit Geburtenraten über dem Bestandserhaltungsniveau - prognostiziert. Nun erstellen die Demografen sogar Prognosen über Zeiträume von 50 Jahren, die Grundlage für politische Entscheidungen mit einschneidenden Folgen für viele Menschen sind. Leider zitiert SCHMID nicht, sondern fasst die damaligen Grundaussagen aus seiner heutigen Sicht zusammen. Daraus ergibt sich rückwirkend eine Plausibilität, die damals nicht vorhanden war.

Noch 1982 kritisierte die derzeitige Leiterin des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung Charlotte HÖHN, dass die Bevölkerungsstatistik an der lebenslangen Ehe ausgerichtet ist. Dadurch sind Kinder außerhalb der Ehe genauso wenig richtig zuordenbar wie Kinder einer Frau, die in verschiedenen Ehen geboren werden. Internationale Vergleiche werden dadurch erschwert. Tatsache ist, dass das Ausmaß der Kinderlosigkeit in Deutschland von der offiziellen Statistik nicht genau erfasst werden kann.

Detlef GÜRTLER hat kürzlich nachgewiesen, dass die Geburtenrate höher ist als offiziell zugegeben wird. Solange solche eklatanten Defizite der Statistik vorhanden sind, sollten Bevölkerungswissenschaftler nicht vollmundig eine zweite Aufklärung einfordern, sondern sie sollten zuerst dafür sorgen, dass ihr Datenmaterial aussagekräftiger wird.

Neu:
SCHMID, Josef (2005): Volk des Verschwindens.
RM-Spezial: Neun Bevölkerungsprognosen gibt es für Deutschland. Keine stimmt hoffnungsfroh .Selbst wenn mehr Menschen zuwandern, als heute angenommen wird, nimmt der Anteil der Senioren stetig zu. Doch die Politik schaut weg
in: Rheinischer Merkur Nr.32 v. 11.08.

Josef SCHMID interpretiert die 10. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2003.
Geburtenkrise - Die politische Konstruktion eines Themas
 
       
   

Josef Schmid im Gespräch

 
   

SCHULTE, Ulrich (2003): "Das ist eine Dauerbaustelle".
taz-Brennpunkt: Für die Altersstruktur gibt es keine nachhaltige Lösung, meint Bevölkerungswissenschaftler Josef Schmid. Er fordert: Rüstige Alte müssen für ihre eigene Hochbetagtheit vorsorgen, 
in: TAZ v. 07.06.

 
       
   

Sozialprognose (2000).
Das Schicksal der nachwachsenden Generation
(unter Mitarbeit von Andreas HEIGL und Ralf MAI)
München:
Olzog

 
   
     
 

Klappentext

"Alterung der Erwerbsbevölkerung, Zunahme der Hochbetagten, Globalisierungsdruck - ein Problem- und Konfliktkomplex, der das Leben der nachrückenden Generationen in den nächsten 50 Jahren bestimmen wird.
Die politische Zukunftsfrage lautet: Verlieren die möglichen Maßnahmen nicht allmählich ihre Wirkung, wenn Bevölkerungsrückgänge fortschreiten und Einwanderung kaum sozialverträglich gestaltet werden kann - zumindest nicht in dem Ausmaß, das nötig wäre, um ein verjüngender Ausgleich zur Alterung zu sein? Die Studie analysiert gut verständlich das »Generationenschicksal« der Heranwachsenden und bietet ein demographisch-ökonomisch-soziales Zukunftspanorama."

 
     
 
       
   

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Die Prognosefähigkeit in der Debatte

 
   

GÜRTLER, Detlef (2002): gürtlers contragnosen.
Demografen sagen ein entvölkertes Deutschland voraus - und liegen falsch,
in: TAZ v. 15.05.

 
   

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Update: 11. Juli 2015