[ Debatte: Familien contra Singles ] [ Autoren der Single-Generation ] [ News ] [ Homepage ]

 
       
   

Jürgen Kaube: Die Pathologie der sozialstaatlichen Entwicklung

 
       
     
       
     
       
   

Jürgen Kaube in seiner eigenen Schreibe

 
   

KAUBE, Jürgen (2002): Wir Radarmännchen.
Zum Tod des amerikanischen Soziologen David Riesman,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.05.

KAUBE, Jürgen (2002): Wir Wunderkinder.
Was ist das für eine Gesellschaft, deren Ideal die Jugend ist?,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.09.

KAUBE behauptet die Auflösung der Generationenfrage durch die Auflösung der traditionellen Altersstufen. Er bedauert die dadurch entstandene Diffusität des Erwachsenenbegriffs:

"In dem Maße, in dem sich Jugendliche, im Unterschied zu Altersgleichen früherer Epochen, selektive Zugänge zu allen Bereichen der Erwachsenenwelt erschließen - Sexualität, Konsum, Unterhaltung -, sozialisieren sie sich innerhalb hierdurch entstehenden Teilkultur gewissermassen selbst."

Eltern verlieren dadurch ihre unhinterfragbare Autorität. Noch schlimmer: Die jugendliche Popkultur differenziert nicht mehr zwischen Jugendlichen und Erwachsenen! Unter diesen Umständen wird für KAUBE die Durchsetzbarkeit einer wünschenswerten Verzichtspädagogik zur reinen Nervensache.

KAUBE, Jürgen (2002): Verfall eines Staates.
Wie uns die Regierung bestiehlt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.11.

Für KAUBE ist der "Generationenvertrag" eine Lüge:

"Um 1980 Geborene werden für einen Euro im besten Fall achtzig Cent Rente erhalten; wer Jahrgang 1930 ist und regelmäßig eingezahlt hat, erhält für einen Euro zwei. Zum entsprechenden Verlust an Vertrauen ganzer Generationen in den Sozialstaat kommt schließlich das ebenso berechtigte Mißtrauen in die Finanzmärkte, die soeben noch als »zweite Säule« der Alterssicherung empfohlen worden waren."

Im Anschluss an den Göttinger Parteienforscher Franz WALTER stellt er fest:

"Der programmatische Erschöpfungszustand der deutschen Parteien ist offenkundig",

um hinzuzufügen:

"In Abwandlung einer berühmten finalen Geste, die einst den »Verfall einer Familie« besiegelt kann man über die Sozialpolitik sagen: Sie denken, es komme nichts mehr".

KAUBE, Jürgen (2002): Sozialforschung auf die schnelle Tour. Der weltreisende Soziologe Richard Sennett.
Novellist der Individualisierung: Richard Sennett zum sechzigsten Geburtstag,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 31.12.

KAUBE, Jürgen (2003): Wer war's?
Schmitts Rache: Die SPD hat den falschen Feind bekämpft,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.02.

KAUBE wertet die Wahlniederlagen der SPD in Hessen und Niedersachsen voreilig als Ausdruck eines Volkeswillen, der sich bereits in der FAZ-Feuilleton-Revolte als seine Speerspitze ankündigte. Das FAZ-Feuilleton versteht sich nun also als rechtmäßiges Sprachrohr des Bürgers und will nicht mehr als Aufstand einer konservativen Elite verstanden sein, die ihren Besitzstand bedroht sieht.

KAUBE, Jürgen (2003): Kinderstimmen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.05.

Die FDP ist unsichtbar geworden. Um sich sichtbarer zu machen, haben sich zwei Liberale als Verfechter des Familienwahlrechts geoutet.
Jürgen KAUBE macht sich ernsthafte Gedanken über diese Diktatur der Eltern:

"dort, wo es (...) zwei Sorgeberechtigte gibt, kann wohl nicht ganz umstandslos vorausgesetzt werden, daß diese sich über die Vergabe der einen Stimme je Kind jederzeit einig werden. Vor Heiraten quer zu politischen Präferenzen kann nur gewarnt werden".

Peter PRAGAL fordert in der heutigen Berliner Zeitung gar "Kinder an die Macht. Warum Eltern für ihren Nachwuchs das Wahlrecht ausüben sollen". Wahlrechtsdebatten gab es immer wieder, um die angeblich höheren Interessen einer Klientel durchzusetzen. Die Familienwahlrechtsdebatte definiert Singles als Schädlinge und möchte sie als Menschen zweiter Klasse, die nicht voll gesellschaftsfähig sind, per Wahlrecht diskriminieren.

KAUBE, Jürgen (2003): Los der Versicherungsteilnehmer.
Franz-Xaver Kaufmann vergleicht Europas Wohlfahrtsstaaten,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.07.

Rezension des Buches Varianten des Wohlfahrtsstaates von Franz-Xaver KAUFMANN.

KAUBE, Jürgen (2003): Wer A sagt, muß auch ABC sagen.
Adorno im Wörterbuch,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.08.

Die "Nähe der Philosophie Adornos zu Lebensmotiven Heranwachsender hat seine Rezeption empfindlich für Veränderungen der Jugendwelt gemacht. Das vorliegende Buch (...) ist ein hierfür geradezu drastisches Dokument",

meint Jürgen KAUBE. Pedantisch weist der Feuilleton-Revoluzzer dem Poptheoretiker Roger BEHRENS Stil- und Sachfehler bei seinem Adorno-ABC nach, aber am meisten stört ihn, dass BEHRENS nicht ADORNO als Angehörigen des Niveaumilieus herausarbeitet, sondern ADORNO popkulturell für das Integrationsmilieus vereinnahmt. Das bringt BEHRENS das Verdikt "Beitrag zum vollendeten Verblödungszusammenhang" ein, was die Zielgruppe von BEHRENS keineswegs zu stören braucht.  Angehörige des Niveaumilieus bedient die FAZ auf der gleichen Seite mit niveaumilieumäßig korrekten Werken. Und der heutige Spiegel lässt aus dem Leben von ADORNO plaudern.

KAUBE, Jürgen (2003): Nur ein Prognosefehler kann uns noch retten.
Wenn alles so bleibt, wird's finster: Peter Schimany über Ursachen und Folgen des demographischen Wandels,
in: Literaturbeilage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung  v. 02.12.

Die reißerische Schlagzeile führt in die Irre. Jürgen KAUBE rezensiert das Buch Die Alterung der Gesellschaft des Soziologen Peter SCHIMANY. KAUBE legt dabei - politisch korrekt - den Schwerpunkt auf den Geburtenrückgang. SCHIMANYs Buch ist jedoch umfassender. Eine Vielzahl von Faktoren beeinflussen die Bevölkerungsentwicklung. So behandelt Peter SCHIMANY auch die Folgen der Langlebigkeit, ein Thema, das zukünftig an Bedeutung gewinnen wird. Die Folgen der Langlebigkeit werden erst dann wirklich ernst genommen, wenn die anstehenden Sozialreformen, hinter uns liegen. Dann erst stellt sich die zentrale Frage der näheren Zukunft, welchen Platz die "jungen Alten" in dieser Gesellschaft einnehmen werden. Während gegenwärtig Sozialpopulisten noch den Drei-Generationen-Vertrag einfordern, verlangt die Gesellschaft der Langlebigen einen Vier- bzw. Fünf-Generationen-Vertrag.

John Bongaartz - Das Ende des Geburtenrückgangs in den Industrieländern

KAUBE, Jürgen (2004): Kinderkönig Kunde.
Kai-Uwe Hellmann hat an einer Soziologie der Marke gebastelt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.01.

Rezension des Buches Soziologie der Marke von Kai-Uwe HELLMANN.

KAUBE, Jürgen (2004): Land (schon wieder) unter oder Wohin treibt die Zeitdiagnostik?
Von Ruckbüchern und anderen Möglichkeiten, über Deutschland nachzudenken: Ein Rückblick auf zwei "Soziologien der Bundesrepublik",
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.05.

Jürgen KAUBE nimmt die "Ruck-Bücher" von Paul NOLTE & Co. zum Anlass, um das Genre der soziologischen Zeitdiagnostik anhand zweier Klassiker von Helmut SCHELSKY ("Auf der Suche nach der Wirklichkeit") und Ralf DAHRENDORF ("Gesellschaft und Demokratie in Deutschland") im Hinblick auf das Reflexionsniveau der Soziologie zu untersuchen.

KAUBE sieht in den Übertreibungen der Zeitgeistdiagnostik eine Gefahr für die Selbstwahrnehmung der Gesellschaft. Diese Sicht vertritt auch single-generation.de, wenn vom Terror der Individualisierungsthese gesprochen wird.

"Zugleich tragen Übertreibungen und ein Hang intellektueller Zeitdiagnostik hierzulande (...) vielleicht selber zu jener Art von Zukunftsangst bei, die sowohl der Konsumquote wie der Bereitschaft, Kinder zu haben, der sozialen Kraft zu Experimenten wie der Fähigkeit zu individuellem Entscheiden abträglich ist",

formuliert KAUBE vorsichtig. Während jedoch KAUBE hier einen direkten Zusammenhang zwischen diesen wissenschaftlichen Beschreibungen und dem Verhalten der Menschen herstellt, analysiert single-generation.de die - durchaus divergenten - Interessen der Mitte-Eliten an solcher Art von Zeitdiagnostik. Schließlich ist es weder Zufall noch logische Zwangsläufigkeit, dass ausgerechnet bestimmte Zeitdiagnostiken Konjunktur haben. Die Selektivität der in Deutschland gängigen Szenarien ist das, was zu erklären ist.

KAUBE arbeitet dagegen anhand von SCHELSKY und DAHRENDORF die beiden Aufgaben der Zeitdiagnostik heraus. Während er SCHELSKY als Theoretiker der "nivellierten Mittelstandsgesellschaft" beschreibt, wird DAHRENDORF als liberaler Konflikttheoretiker der gesellschaftlichen Modernisierung vorgestellt:

"Keine Beschreibung der Bundesrepublik wird von ihm heftiger (...) zurückgewiesen als die von der »nivellierten Mittelstandsgesellschaft«. (...). Weder hätten sich die wirtschaftlichen Positionen der Bürger relativ angeglichen, noch ihr Konsumstil oder ihre Chancen auf Bildung. Dies dennoch zu behaupten (...) entspreche genau der in der deutschen Gesellschaft strukturell verankerten Neigung, Kulturpessimismus mit der Leugnung und Minderschätzung von sozialen Konflikten zwischen Klassen und anderen Interessengegensätzen zu verbinden."

KAUBE, Jürgen (2004): Will ich auch haben.
Die Infantilisierung der Bürger durch den Sozialstaat,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.08.

KAUBE, Jürgen (2004): Hartz IV-Proteste.
Vater Staat und seine Kinder,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.09.

Jürgen KAUBE kritisiert die Hartz-IV-Proteste.

KAUBE, Jürgen (2004): Der Hammer.
Vollzieht Gerhard Schröder eine Wende in der Familienpolitik?
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.09.

KAUBE begrüßt, dass SCHRÖDER seine Kräfte nicht mehr an bildungsferne Schichten vergeuden will, sondern die Elite durch ein einkommensabhängiges Elterngeld bevorzugen möchte (den Erfolg dieser Maßnahme bezweifelt KAUBE nichtsdestotrotz):

"angesprochen auf die Pläne seiner Familienministerin (...) ein einkommensproportionales Elterngeld einzuführen, wehrte sich Schröder gegen den Vorwurf, das begünstige die Bessergestellten. Akademikerinnen bekämen immer seltener Kinder und eine solche Entwicklung habe Folgen, denen gegenüber man nicht »vorschnell mit dem Hammer sozialer Ungerechtigkeit« arbeiten solle. (...)
Er beobachte eine »gefährliche Zurückhaltung« von Akademikern bei der Familiengründung, so der Kanzler. (...).
Das Argument des Kanzlers ist (...) nicht nur ein Schritt zu einem unbefangeneren
Umgang mit dem Thema Demographie. Es wirkt auch (...) wie das Aufflackern einer Idee von Bildungspolitik, die nicht die Abschaffung gesellschaftlicher Schichtung zum ewig unerreichbaren und darum nur kräftevergeudenden Ideal hat."

KAUBE, Jürgen (2004): Wie geht es der Familie?
In den letzten 50 Jahren hat sich die Rolle von Ehe und Familie im sozialen Leben stark verändert. Jetzt werden die gesellschaftlichen Folgen sichtbar,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 12.09.

Jürgen KAUBE zitiert Ulrich BECK als Ankläger der "Single"-Gesellschaft, um Das ganz normale Chaos der Liebe zu beschwören. Speziell die hohe Scheidungsrate wird unter die Lupe genommen. Im Gegensatz zur üblichen Betrachtung (Bezug auf die Scheidungszahlen) hebt KAUBE die Sicht des Familiensoziologen Hans BERTRAM hervor, wonach nicht die Ehen instabil geworden sind, sondern nur die Heiratsneigung zurückgegangen ist (Bezug der Scheidungen auf die Größe der Altersgruppen):

"Im Jahr 2003 wurden etwa 383 000 Ehen geschlossen und etwa 214 000 geschieden, im Durchschnitt liegt die Scheidungsrate bundesweit also bei 55 %. Vor zehn Jahren war es noch ein Drittel. Bezieht man allerdings (...) die Zahl der Scheidungen nicht auf die der Eheschließungen, sondern auf die Größe der jeweiligen Altersgruppe, ergibt sich ein anderes Bild. (...). In Berlin sind etwa die Hälfte der Bewohner verheiratet, davon vier Fünftel in erster Ehe. Es ist also nicht die Ehe instabil geworden, sondern nur die Heiratsneigung zurückgegangen und das Ledigsein für die 25- bis 45jährigen zu einer mancherorts geradezu dominierenden Lebensform geworden".

Single-generation.de hat schon öfters auf diesen "Terror der Singlerhetorik" hingewiesen, der dann dazu führt, dass die Instabilität der Ehe thematisiert und Ehestabilität als Wert an sich beschworen wird. Neuere empirische Untersuchungen weisen dagegen darauf hin, dass die Ehe das Monopol verloren hat Beziehungen zu definieren. Nichtsdestotrotz ist es durchaus möglich, dass jüngere Generationen die Ehe - aus unterschiedlichen Gründen - wieder entdecken, weswegen das Ausrufen einer generellen, zukünftigen Tendenz verfrüht erscheint. KAUBE jedenfalls hat für die FAS eine neue Zielgruppe entdeckt, und zwar jenes großstädtische, individualisierte Milieu das der Ehe abgeschworen hat:

"Weder die Ehe noch die nichteheliche Lebens- und Wohngemeinschaften ist also in den großen Städten länger die zentrale Lebensform. 14,5 Millionen Deutsche leben als Singles. Nicht eine Individualisierung der Familienformen, sondern ihr Verschwinden und eine entsprechende Atomisierung sind zu diagnostizieren. Ledigsein heißt dabei allerdings in vielen Fällen »living apart together«, also Partnerschaft ohne Wohngemeinschaft - und ohne Kinder",

belehrt uns Jürgen KAUBE. Die FAS zieht die Konsequenz und beglückt uns zukünftig vierzehntägig mit einer neuen Kolumne: Vor dem Familiengericht, um die "sozialen Folgen individueller Entscheidungen wie Heirat und Familiengründung oder der Verzicht darauf" zu thematisieren. Es soll darum gehen, was "politisch wünschenswert, fair, effektiv und sachangemessen ist."

KAUBE, Jürgen (2004): Zurück zur Ungleichheit?
Soziologentag verfehlt sein Thema,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.10.

Gleich vorneweg: Jürgen KAUBE geht es - wie es sich für einen richtigen Bourgeois gehört -  nicht um soziale Gleichheit! Das hat er bereits in zahlreichen früheren Artikeln deutlich kundgetan. Deswegen kann KAUBE sein Steckenpferd reiten: die Theorie der Theorielosigkeit der Soziologie. Angewandt auf das Thema soziale Ungleichheit schreibt er:

"Zu zeigen, ob und wie sich aus Geld-, Karriere- und Prominenzvorteilen soziale Schichtung herstellt, wäre soziologische Mühe wert.
Die Frage aber, wie es kommt, daß gesellschaftliche Arbeitsteilung soziale Ungleichheit reproduziert, daß sich also wirtschaftliche Vorteile in Bildungsvorsprünge, Gesundheitschancen oder politischen Einfluß umsetzen, wurde kaum gestellt".

KAUBE führt soziale Ungleichheit auf die Herkunft in Familien und die Prinzipien von Organisationen zurück, zumindest hier ist also doch Theorie vorhanden. Namentlich kritisiert unser Autor die Sozialwissenschaftler Michael VESTER, Reinhard KRECKEL, Jürgen KOCKA und Richard SENNETT - alle keine Parteigänger des heiligen Niklas LUHMANN.  Gewürdigt werden dagegen André KIESERLING, Thomas SCHWINN und Volker SCHMIDT. Das Streitgespräch zwischen Ulrich OEVERMANN (qualitative Sozialforschung) und Hartmut ESSER (quantitative Sozialforschung) ist für KAUBE charakteristisch für das Dilemma der Soziologie, die sich eher mit sich selber, statt mit den gesellschaftlichen Problemen beschäftigt. Aber dafür haben wir ja Jürgen KAUBE...

KAUBE, Jürgen (2004): Heimatgefühle im Soziotop.
Seine Geburtsstadt Köln gab das ideale Forschungsfeld für Studien zur Korruption ab: Zum Tod von Erwin K. Scheuch,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.10.

Nachruf auf den Soziologen Erwin K. SCHEUCH.

KAUBE, Jürgen (2004): Die Reichen und Schönen leben länger.
Aber nicht, weil sie reich und schön sind. Sozialmedizinische Studien belegen: Es ist soziale Anerkennung, die gesund hält,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 28.11.

KAUBE, Jürgen (2004): Das Infektionsrisiko eines Keuschheitsgelübdes.
In den Vereinigten Staaten schwören viele Jugendliche, bis zur Ehe enthaltsam zu sein - mit medizinisch paradoxen Folgen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 12.12.

KAUBE, Jürgen (2005): So muß es kommen - oder ganz anders.
Aus der Schule der taktischen Improvisionen: Zum neunzigsten Geburtstag von Albert O. Hirschman, dem Moralisten unter den politischen Ökonomen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.04.

Albert O. Hirschman - Die Rhetorik der Reaktion

KAUBE, Jürgen (2005): Entrümpelung.
Was muß weg, damit es besser wird?
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.08.

Jürgen KAUBE, dem es in Deutschland zu viel Demokratie und deshalb zu viel Sozialstaat gibt, führt in eine neue FAZ-Serie ein. 

KAUBE, Jürgen (2006): Kann denn Sünde Sünde sein?
Gerhard Schulzes Soziologie des schönen Lebens,
in: Literaturbeilage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung v. 15.03.

KAUBE, Jürgen (2006): Bildungsexpansion als Trickbetrug.
Eine Studie behauptet: Um Arbeitslosigkeit zu verstecken, betreibt die deutsche Politik seit den siebziger Jahren die Erhöhung der Studentenzahlen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 23.04.

KAUBE, Jürgen (2006): Die Arbeitszeitbombe.
Wer die Älteren stillegt, legt die Gesellschaft lahm,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.05.

Bislang galt die FAZ-Feuilleton-Doktrin, dass der demografische Wandel gleichsam einer Naturgewalt alles hinwegfegt. Jetzt entdeckt Jürgen KAUBE Handlungsspielräume:

"Demographische Probleme werden hierzulande nämlich gern durch Individualisierung weggeschoben. Wem läßt sich schon ein bestimmter Lebenslauf und -stil ausreden, in dem dann eben aus vielen Gründen keine eigenen Kinder vorgesehen sein mögen? Oder man behandelt die demographischen Befunde umgekehrt, als signalisierten sie naturwüchsige Verläufe in einem Kollektiv, an denen sich nichts ändern läßt.
Beide Formen, die Zukunft für ein Schicksal zu halten, die individualistische der freien Einzelentscheidung wie die kollektivistische der Schrumpfungsdynamik, führen leicht zur selben achselzuckenden Haltung.
"

KAUBE behauptet nun, dass

"eine andere Verteilung von Arbeit zwischen den Generationen für deutliche Entlastungen der Sozialversicherungen sorgen könnte."

Dann stellt sich eigentlich nur noch die Frage, woher die sozialversicherungsfähigen Jobs kommen sollen. Liest man den Leitartikel von Heike GÖBEL, dann stellt sich die Frage nochmals ganz anders: woher nehmen die Menschen das Geld, um ihre Beiträge zu bezahlen?

KAUBE, Jürgen (2007): Du weißt doch, was ein Kuss bekennt?
Ein Warnhinweis zum nahen Valentinstag: Ein Kuss ist, auch wenn der Song aus "Casablanca" uns pianissimo etwas anderes weismachen will, selten ein Kuss. Kleine Kulturgeschichte einer so angenehmen wie riskanten Angelegenheit,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.02.

KAUBE, Jürgen (2007): Weniger Menschen, mehr Möglichkeiten,
in: DeutschlandRadio v. 21.03.

KAUBE, Jürgen (2007): Liebling, was ist heute für ein Tag?
Die Ehe gilt als gefährdete Institution. Mainzer Soziologen haben jetzt versucht herauszufinden, warum dennoch die meisten wenigstens einmal in ihrem Leben heiraten,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 01.04.

Jürgen KAUBE informiert über einen Zeitschriftenartikel von Norbert F. SCHNEIDER & Heiko RÜGER mit dem Titel Value of Marriage:

"Warum heiraten die Leute immer noch? Zumeist nicht wegen der Familiengründung. Ehe und Elternschaft sind nach beiden Seiten entkoppelt: Es wird geheiratet, auch wenn keine Kinderwünsche vorhanden sind, und es gibt Kinder, ohne dass deswegen vorher geheiraret würde. Der Anteil der nichtehelichen Geburten lag 2004 bei etwa 28 Prozent. Und selbst bei den »nachträglichen« Heiraten stellen die Soziologen einen Rückgang und zunehmende Zeitverzögerungen fest".

KAUBE, Jürgen (2007): Über die Kraft, die das menschliche Sozialverhalten antreibt,
in: DeutschlandRadio v. 13.11.

Im FAZ-Feuilleton ist von Eckart VOLAND ein Grundkurs Soziobiologie erschienen, der nun als Buch erscheint.

"In der Soziobiologie dreht sich alles um Fortpflanzung. Macht, Reichtum, Schönheit, Geist - das alles sind nur Mittel, um an brauchbare Frauen und Männer heranzukommen. Die sexuellen Möglichkeiten nehmen mit dem Prestige zu. Aber nimmt auch die Reproduktion zu? Haben die Reichen und Schönen mehr Kinder? Dazu schweigt die Theorie fast völlig. Es wird eine Studie zitiert, nach der an der Universität Wien die Professoren mehr Kinder haben als die Assistenten, aber das dürfte wohl für eine Beantwortung jener Frage nicht ausreichen. Denn sie betrifft die Grundsatzannahme der Soziobiologie: Wo liegt das reproduktive Interesse von Leuten, die Verhütung praktizieren? Oder formulieren wir es so: Was sollen wir von einer Theorie der Sexualität halten, die durch die Existenz von Kondomen widerlegt wird?"

fragt sich Jürgen KAUBE.

KAUBE, Jürgen (2007): Die große Armut.
Bafög, Rente, Kindergeld: Was tut der Staat für uns?
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.11

KAUBE, Jürgen (2008): Baron Mittelweg.
Der Soziologe Anthony Giddens wird siebzig,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.01.

KAUBE, Jürgen (2008): Klassenkampf von oben,
in: DeutschlandRadio v. 05.03.

Julia Friedrichs - Gestatten: Elite

KAUBE, Jürgen (2008): Bildung nur für Reiche,
in: DeutschlandRadio v. 09.03.

Bruno Preisendörfer - Das Bildungsprivileg

KAUBE, Jürgen (2008): Nachruf auf eine Zeitschrift,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.06.

KAUBE, Jürgen (2008): Ist die Liebe etwa ein Gefühl?
Nein, sie ist eine Gefühlsdeutung, die auf Kommunikation beruht, auf Büchern, Filmen - sagt der Soziologe Niklas Luhmann in einem Buch aus dem Nachlass,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 12.10.

Niklas Luhmann - Liebe

KAUBE, Jürgen (2008): Homo exculpans,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.10.

Jürgen KAUBE fragt sich angesichts der Äußerungen von Hans-Werner SINN, ob die Wirtschaftswissenschaft nur eine Schönwettermethodologie ist.

KAUBE, Jürgen (2010): Germany's Next Autoren-Topmodel.
Hat Helene Hegemann selbst geschrieben oder nur selbst abgeschrieben? Ihr Roman "Axolotl Roadkill" dokumentiert weit über Plagiatsfragen hinaus die Verkommenheit des Betriebs, der sie feiert,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.02.

Axolotl Roadkill und die Mediengesellschaft - Eine Annäherung an das Phänomen

KAUBE, Jürgen (2010): Pflichtlektüre für die SPD.
Deutschlands bedeutendster Sozialhistoriker verteidigt Thilo Sarrazin,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.10.

KAUBE, Jürgen (2010): Integration, Assimilation,
in: Merkur Nr.738, November

KAUBE, Jürgen (2010): Du sollst es sein!
Warum wir trotzdem paarweise lieben,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.11.

KAUBE, Jürgen & Reinhard MÜLLER (2010): Krise! Welche Krise?
Provozierendes über Zustand und Zukunft des Sozialstaats in Deutschland,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.11.

In der ansonsten sozialstaatskritischen FAZ wird plötzlich die Anpassungsfähigkeit des Sozialstaats bejubelt und der demografische Wandel als "harmlos" eingeschätzt. Da dürfte sich der Hysteriker Frank SCHIRRMACHER ziemlich auf seinen Schlips getreten fühlen. Die Einschätzung des demografischen Wandels als harmlos kommt nicht etwa von dem gewerkschaftsnahen Statistiker Gerd BOSBACH, der dies bereits seit einigen Jahren vertritt, sondern von Axel BÖRSCH-SUPAN, der von der FAZ als Nachfolger von Bert RÜRUP ins Gespräch gebracht wurde, dann aber nicht zum Zuge kam.

KAUBE, Jürgen (2010): Ordentlich sei das Leben, denn vernünftig ist der Plan.
Wie der Wohlfahrtsstaat zu seinen Steuerungsphantasien kam: Thomas Etzemüller führt Alva und Gunnar Myrdal als sozialtechnologische Pioniere vor, die nicht nur Schweden in ihren Bann schlugen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.11.

Thomas Etzemüller - Die Romantik der Rationalität

KAUBE, Jürgen (2011): Malen nach Zahlen.
Thilo Sarrazin behauptet, niemand bestreite seine Berechnungen. Jetzt legen Berliner Forscher Gegenrechnungen vor. Aus Statistiken und Umfragen ziehen beide Seiten nur, was ihnen passt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.01.

Der Wissenschaftsjournalist Jürgen KAUBE schert sich einen Dreck um Aufklärung, sondern verhält sich nicht anders als die von ihm kritisierten Kontrahenten.
Was an der Kritik an SARRAZIN auffällt: Es gibt ein einziges Thema, das in der öffentlichen Debatte ausgeklammert wird und auch in der Widerlegung des Zahlenwerks durch Naika FOROUTAN u. a. fehlt: die Geburtenentwicklung in Deutschland. Dabei ist die Forderung nach einer qualitativen Bevölkerungspolitik ein Hauptanliegen des Buches Deutschland schafft sich ab.

Kein einziger Statistiker hat dazu Stellung genommen und das ist schließlich auch eine Stellungnahme. Offensichtlich sind die Themen Integration, Zuwanderung und Rassismus in Deutschland weit weniger tabuisiert als das Thema qualitative Bevölkerungspolitik. In dem Beitrag Einübung in die Bürgerlichkeit kommt der Soziologe Heinz BUDE in dem kürzlich erschienenen Buch Bürgerlichkeit ohne Bürgertum zum Ergebnis, dass in Deutschland die Akademikerinnen wieder mehr Kinder bekommen, was im Widerspruch zu den Thesen von Thilo SARRAZIN und seines Gewährsmanns Gunnar HEINSOHN steht:

"Wie viele Kinder bracht man zur Sicherung des Erbes, wenn man mit Abweichlern in brotlose Künste oder mit Versagern am schwierigen Leben rechnen muss? Das ist der Grund dafür, dass (...) ganz ähnlich wie in der proletarischen Unterklasse in der bürgerlichen Oberklasse in der Regel mehr Kinder geboren werden als in der von ängstlichem Renditebewusstsein getriebenen Mittelklasse.
So gesehen gehört der genealogische Stolz zu einem bürgerlichen Lebensstil, was heute vor allem die besser qualifizierten Frauen verstanden zu haben scheinen. Es ist von daher nicht ganz unverständlich, dass im Zuge der wachsenden Bildungsbeteiligung der Frauen und vor allen Dingen mit dem Erwerb höherer Bildungsabschlüsse bei einer wachsenden Gruppe von Frauen das Familienmotiv eine größere Bedeutung bei der Inszenierung eines bürgerlichen Lebensstils erhält. Hier deutet sich an, dass es heute vor allem Frauen sind, die die Selbsthabitualisierung von Bürgerlichkeit nicht nur mit Perlenketten und Kaschmir-Pullover, sondern für alle sichtbar mit Bugaboo-Kinderwägen und mindestens zwei Kindern vorantreiben." (2010, S.199)

Und an anderer Stelle spricht BUDE konkret von "erstmals seit zwanzig Jahren wieder leicht steigende Geburtenrate insbesondere bei den besser gebildeten Frauen". Aufgrund welcher Statistik kommt BUDE zu diesem Ergebnis? Das verrät er nicht, anders als SARRAZIN. Inzwischen dürfte es BUDE jedoch peinlich sein, dass er 2007 bei der Tagung auf dem berühmt-berüchtigten Schloss Neuhardenburg im Vortrag Einübung in die Bürgerlichkeit die Bugaboo-Fraktion als vorbildlichen bürgerlichen Lebensstil darstellte, denn in einem Wirtschaftswoche-Interview will er nun nichts mehr davon wissen:

"Und ich finde auch diesen blöden genealogischen Stolz so mancher jungen Mütter und Väter in Berlin (...) einigermaßen peinlich. Anders Ursula von der Leyen, unsere Sozialministerin. Die hat sieben Kinder und redet nicht ständig drüber. Von der hören Sie kein Wort über Work-Life-Balance. Sie praktiziert Familie und demonstriert sie nicht. Das ist, ehrlich gesagt, bürgerlich."

KAUBE, Jürgen (2011): Mittelschicht, Klassengesellschaft.
Soziologiekolumne,
in: Merkur Nr.743, April

KAUBE, Jürgen (2011): Generation Facebook?
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.08.

KAUBE, Jürgen (2012): Der Weltgeist im Turnschuh.
Wie man eine Subkultur zur zeittypischehn Elite stilisiert: Ein Sammelband widmet sich dem Phänomen "Hipster",
in: faz.net v. 09.02.

KAUBE, Jürgen (2012): Die Ehen der Pendler.
Soziale Systeme,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.11.

"Vollzeitarbeit der Männer (stabilisiert) Partnerschaften (...), mit oder ohne Pendeln. Lange Pendelwege wiederum sind für Paare nur riskant, wenn die Frau pendelt",

fasst Jürgen KAUBE die Ergebnisse eines Beitrags von Stefanie KLEY zur Pendlermobilität im aktuellen Heft der Zeitschrift für Soziologie zusammen.

KAUBE, Jürgen (2013): Auf dem Jahrmarkt der Zeitdiagnosen.
Essay: Die Unhaltbarkeit von Zeitdiagnosen ist schon fast ein wissenschaftliches Gesetz. Wer sich dennoch auf dem Jahrmarkt der Epochenumbrüche behaupten möchte, muss eine Reihe argumentativer Kniffe beherrschen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.01.

KAUBE, Jürgen (2014): Liebe machen.
Soziologie des Seitensprungs: Umfragen zu sexuellen Einstellungen sind beliebt, aber die zugrunde liegenden Daten alles andere als verlässlich. Und was sagt uns das alles eigentlich über die Liebe?
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.02.

KAUBE, Jürgen (2014): Die schlechte Leistungsgesellschaft.
Der Sonntagsökonom: In einem Land, in dem das Leistungsprinzip verwirklicht ist, wollten wir nicht leben,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 04.05.

Jürgen KAUBE setzt das Leistungsprinzip mit eugenischer Zuchtwahl gleich, um das Herkunftsprinzip zu verteidigen. In dem Artikel Wohin mit den Flaschen? erklärt uns KAUBE dann passenderweise:

"Man hat an der Spitze von Organisationen lieber eine willige Flasche ohne alternative Aussichten als einen Leistungsträger, von dessen Leistungsbereitschaft alle abhängig werden."

KAUBE, Jürgen (2014): Sagt der Merkur zum Amor.
Soziale Systeme: Ist Liebe eine verkappte Tauschbeziehung?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 15.06.

KAUBE, Jürgen (2014): Intime Verhältnisse.
Wie lernt man, was im Verborgenen stattfindet?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.09.

KAUBE, Jürgen (2014): Die Lage, die Lage, die Lage.
Was Stadtsoziologen heute wissen - und was nicht,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 23.11.

Jürgen KAUBE referiert den Artikel Kontexteffekte von Wohngebieten von Jürgen FRIEDRICHS im aktuellen Themenheft der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie.

KAUBE, Jürgen (2014): Liebe ist eine Frage der Strategie.
Der Sonntagsökonom: Die romantischen Verwicklungen bei Jane Austen lassen sich spieltheoretisch erklären,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.12.

Neu:
KAUBE, Jürgen (2014): Bildungsgleich gesellt sich gern.
Ist Emanzipation daran schuld, dass Menschen unterschiedlich viel verdienen?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.12.

Jürgen KAUBE referiert den Artikel Ist der Anstieg der westdeutschen Einkommensungleichheit auf die Zunahme bildungshomogener Partnerschaften zurückführbar? von Martin SPITZENPFEIL & Hans-Jürgen ANDREß in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie Heft 4/2014. Die These, dass die Partnerwahl von Akademikerinnen zu größeren sozialen Ungleichheiten führt, wurde von einer Forschungsgruppe um Hans-Peter BLOSSFELD vertreten. Gleichfalls wurde jedoch die These popularisiert, dass Karrierefrauen gerade aufgrund ihres Partnerwahlverhaltens Probleme haben, überhaupt einen bildungshomogenen Partner zu finden.

Aufgrund der Tatsache, dass weniger bildungshomogame Paare zustande kommen als dies von Akademikerinnen gewünscht wird, ergibt sich das Problem, dass die empirische Widerlegung der These zum Einfluss des Partnerwahlverhaltens auf die Einkommensungleichheit gar nicht so einfach zu leisten ist. Denn dann müssten in Szenarien auch die nicht zustande gekommenen Partnerschaften miteinbezogen werden.

Hinzu kommt das Problem, dass Bildung nur eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für hohes Einkommen ist. Von daher wäre die Frage interessanter, inwiefern das Elternhaus eine entscheidende Rolle spielt, denn die These von Hans-Peter BLOSSFELD bezieht sich nicht einfach auf die Höhe des Einkommens von bildungshomogenen Paaren, sondern auf die Vererbung von Generation zu Generation:

"Da Bildung in nachindustriellen Gesellschaften ein zentraler Faktor für den Berufserfolg (den sozialen Status, das Einkommen, die Klassenlage und die Mobilitätschancen) ist, bedeutet steigende Bildungshomogamie über die Generationen, dass es im Prozess der Paarbildung zu einer wachsenden Kumulation sozialer Ungleichheiten, zur Schließung sozialer Kreise und indirekt zu einer Vergrößerung der sozialen und ökonomischen Unterschiede kommt, unter denen dann die jeweils nächste Generation der Kinder aufwächst. Mit anderen Worten, in den meisten Industrieländern hat sich im Zuge der Bildungsexpansion und der Abnahme geschlechtsspezifischer Bildungsungleichheiten - gleichsam hinter dem Rücken der Individuen und völlig ungeplant - die soziale Ungleichheit verstärkt." (BLOSSFELD & TIMM 2003)

Inwiefern SPITZENPFEIL & ANDREß diese Aspekte in ihrer Untersuchung berücksichtigt haben, wird hier zu einem späteren Zeitpunkt überprüft werden.

 
       
   

Das Reflexionsdefizit des Wohlfahrtsstaates (2003).
Beitrag zum Sammelband "Wohlfahrtsstaatliche Grundbegriffe"
(herausgegeben von
Stephan Lessenich)

Frankfurt a/M:
Campus

 
   
     
 

Zitate:

"Es ist (...) nicht übertrieben, vom Wohlfahrtsstaat zu sagen, dass diesseits der auf ihn spezialisierten Forschung allenfalls seine Gegner ihn überhaupt als die inzwischen weltweit vorfindliche Staatsform und nicht einfach nur als ein sozialpolitisches Segment von Parteiprogrammen und entsprechendem Regierungshandeln interpretieren."
(2003, S.45)

"Der Wohlfahrtsstaat ist die Form, in der Politik die Abhängigkeit der gesamten Bevölkerung von politischen Entscheidungen zu einem Programm ohne programmatische Grenzen macht."
(2003, S.46)

"Für die politische Theorie (...), die sich aus dem modernen Naturrecht herleitet, ist distributive Gerechtigkeit ein Begriff, der vollständig durch jenen der »Rechtsgleichheit« ersetzt werden kann. Die Gerechtigkeit einer sozialen Lage entspricht dann der Rechtmäßigkeit ihrer Entstehung. Staatliche Korrekturen an den Ergebnissen privatrechtlich abgesicherter Verfahren der Einkommenserzielung waren vom neueren Naturrecht nicht vorgesehen. Damit fehlte dem Wohlfahrtsstaat nicht nur eine erstrangige philosophische Starthilfe, sondern auch ein trennscharfer Grundbegriff."
(2003, S.52)

 
     
 
       
   

Jürgen Kaube in der Debatte

LESSENICH, Stephan (2004): Auf welcher Baustelle wollen wir leben?
Die "Krise" des Wohlfahrtsstaats, die "Reform" der Sozialpolitik und die Chancen soziologischer Diagnose,
in: Soziologische Revue, H.1, Januar, S.29-43

Stephan LESSENICH hinterfragt in dem Essay die sozialpolitische Kontinuitätssemantik und ihre Kehrseite, die Reformstaurhetorik. Demnach wurde bereits im Jahr 1975 die sozialpolitische Wende eingeleitet, denn seit damals sind die Sozialausgaben in Deutschland relativ zum wachsenden Problemdruck durch die "Arbeitslosen- und Seniorenquote" nicht mehr gestiegen, sondern gesunken. Sein Resümee: Reformstaudiskurs und Sozialstaatsrückbau koexistieren! LESSENICH setzt sich in dem Essay auch mit den Vorwürfen von Jürgen KAUBE ("Will ich auch haben", FAZ, 28.08.2003) auseinander. KAUBE hatte die "Infantilisierung der Bürger durch den Sozialstaat" diagnostiziert und forderte von der Soziologie, seine Diagnose anhand einer "Pathologie der sozialstaatlichen Entwicklung" zu bestätigen.

LESSENICH stimmt KAUBE zwar zu, dass eine politische Theorie des Umverteilungsstaats bisher allenfalls in Ansätzen existiert, aber der Diagnose von KAUBE, die sich einem ganz spezifischen Sozialstaatsverständnis verdankt, mag LESSENICH nicht folgen, denn

"zwischen der »Armenhilfe« und der umfassenden »Lebenssicherung« (...), zwischen Modellen staatlicher und nicht-staatlicher Wohlfahrtsproduktion (existiert) ein breites Spektrum möglicher ordnungspolitischer Wertentscheidungen."

LESSENICH kritisiert mit Hilfe eines Ansatzes des dänischen Politikwissenschaftlers Gösta ESPING-ANDERSEN die rein monetäre Sichtweise politischer Ansätze. Stattdessen geht es LESSENICH um eine normative Grundlegung der Sozialstaatstätigkeit. Die Bezugnahme auf ESPING-ANDERSEN weist darauf hin, dass es LESSENICH primär um eine familienfreundlichere Ausrichtung der Sozialpolitik geht. Solange eine solche Politik nicht singlefeindlich ist, wäre dagegen nichts einzuwenden.

 
   

weiterführende Links

 
     
   
 
   

Bitte beachten Sie:
single-generation.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
   
 
     
   
 
   
© 2002 -2015
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 11. Mai 2004
Update: 20. September 2015