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Meinhard Miegel: Feindbild Single

 
       
     
       
     
       
   

Meinhard Miegel in seiner eigenen Schreibe

 
   

MIEGEL, Meinhard (2000): Die Wirkungen von Bevölkerungsentwicklung und materieller Wohlstandsmehrung auf das Arbeitskräfteangebot,
in:
Criticón 168, Winter

MIEGEL, Meinhard (2002): Der Provokateur.
Der Wirtschaftswissenschaftler Meinhard Miegel ist ein unbequemer Denker, der Politikern und ihren Wählern sagt, was sie nicht gern hören. Zum Beispiel, dass wir gerade mit vereinten Kräften dabei sind, unseren Staat zu ruinieren. Der stern veröffentlicht in Auszügen Miegels Thesen, die Mitte Februar auch als Buch erscheinen,
in: Stern Nr. 7 v. 06.02.

MIEGEL, Meinhard (2002): Vor uns: 30 magere Jahre.
in: Die ZEIT Nr.31 v. 25.07.

Der 68er Meinhard MIEGEL fordert Bestandsschutz für seine Generation, um die nachfolgenden Generationen umso stärker zu belasten:

"Gegen die Rentenkasse haben viele Millionen Versicherte Ansprüche im Gesamtwert von ungefähr 4000 Milliarden Euro erworben. Diese bilden in den meisten Haushalten den wichtigsten Vermögensbestandteil und die tragende Säule der Alterssicherung. Deshalb dürfen sie durch eine Reform nicht beschädigt werden. Ebenso zwingend ist jedoch, dass im Hinblick auf die demografische Entwicklung keine weiteren Ansprüche dieser Art aufgebaut werden."

MIEGEL, Meinhard (2003): Verdrängte Wirklichkeiten.
Die Lebenswelt der Deutschen oder Eine Epoche geht unwiderruflich zu Ende,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.03.

Anlässlich der bevorstehenden Rede von Kanzler Gerhard SCHRÖDER haben in den Neue-Mitte-Zeitungen die Politikberater Hochkonjunktur. Kein Rezept ist alt genug, um nicht noch einmal ausgebreitet zu werden. Meinhard MIEGEL darf ebenfalls seine Lieblinssätze nochmals vorbringen:

"Der letzte Jahrgang, der sich in der Zahl der Kinder ersetzte, war der Jahrgang 1892. Seitdem ist jede Kindergeneration zahlenmäßig kleiner als ihre Elterngeneration".

Was soll uns das sagen? Wir nehmen einmal wohlwollend an, dass die Aussagen stimmen, wenngleich nichts dafür spricht (mit genügend Wohlwollen findet sich für jeden verwendeten Begriff eine Definition, die das gewünschte Ergebnis bringt ), aber viel dagegen (da sind andere gefordert!). Wir wissen nur, was MIEGEL uns sagen will, nämlich dass das Aussterben der Deutschen bereits vor über 100 Jahren begonnen hat und wir uns mittendrin im Prozess befinden. Um diesen Prozess zu stoppen, hat MIEGEL seinen Katalog mit Rezepten aus der 1970er-Jahre-Mottenkiste mitgebracht.

Kluge Menschen kommen jedoch ins Stutzen! Warum ist die Bevölkerung in Deutschland in den letzten Jahren permanent gewachsen? Warum haben sich Wirtschaftskrisen und Wirtschaftshochkonjunkturen abgewechselt? Warum soll sich unsere Nachkriegsgesellschaft von den Vorkriegsgesellschaften unterscheiden? Es gibt nur einen vernünftigen Schluss: Demografie und moderner Sozialstaat haben weniger miteinander zu tun, als MIEGEL behauptet und noch wichtiger: Geburtenrate und Wirtschaftswachstum haben noch weniger miteinander zu tun, als MIEGEL und neoliberale Ökonomen behaupten. Wir danken Herrn MIEGEL für diese  Erkenntnis und können uns endlich den wesentlichen Problemen zuwenden. Detlef GÜRTLER hat Herrn MIEGEL gründlich auf den Kopf gestellt, denn das hat MIEGEL verdient!

MIEGEL, Meinhard (2003): Der Staat schafft es nicht mehr,
in: Welt v. 30.05.

Die neuen Bürgerbewegungen

MIEGEL, Meinhard (2004): Mit 66 Jahren, da fängt die Arbeit an.
Die Alten werden mehr - und müssen mehr für die Gesellschaft tun,
in: Tagesspiegel v. 29.05.

MIEGEL, Meinhard (2005): Die Koalition der Suchenden.
Die Gesellschaft ist krank - die Parteien sind ohne Rezept,
in: Frankfurter Rundschau v. 20.08.

MIEGEL, Meinhard (2005): Ein Gespenst geht um in Europa.
Niedergang des Westens und asiatischer Aufstieg: Die Moral einer globalisierten Gesellschaft,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 27.08.

"»Die Möglichkeit einer Insel« ist ein Roman über die panische Angst vor dem Altwerden", stellt Julia ENCKE in der heutigen FAZ fest. Meinhard MIEGEL ist Symptom dieser panischen Angst, nur dass er diese Ängste nicht auf das Individuum, sondern auf das Kollektiv projiziert. Bereits in seinem Pamphlet Das Ende des Individualismus hat der Oswald SPENGLER der Berliner Republik seine Untergangsphantasmen ausgewalzt. MIEGEL zeigt sich einmal mehr als typisches Kind seiner 68er-Generation, die mit ihrem Altern nicht zurecht kommt. Das verdrängte Trauma der Kriegskindheit kehrt als Phantasma zukünftiger Trümmerlandschaften wieder. Kein anderer als Jörg FAUSER hat das in seiner Erzählung Alles wird gut auf den Punkt gebracht. Wir sollten uns von diesen wehleidigen und selbstgerechten Jammer-Eliten endlich befreien! Benutze Deinen eigenen Verstand...

MIEGEL, Meinhard (2008): Demokratie ohne Wohlstand?
Die Politiker sollen endlich sagen, dass die vergangenen 60 Jahre Wohlstand eine Ausnahme waren, die wohl nicht wiederkehren wird - und dass die Demokratie auch jenseits des Materiellen als kostbares Gut betrachtet werden muss,
in: Welt v. 25.10.

Meinhard MIEGEL, Lobbyist der privaten Versicherungsbranche, geht der Frage nach, wie hoch der materielle Lebensstandard des Volkes sein muss, damit es der Obrigkeit Gefolgschaft leistet.

 
       
   

Meinhard Miegel: Porträts und Gespräche

 
   

KAMANN, Matthias (2002): "Berlin wird langsam auf die Größe Hamburgs eindunsten".
Ein Gespräch mit Meinhard Miegel über die Zukunft der Hauptstadt, die Krise des Sozialstaats und die Grenzen der Zuwanderung,
in: Welt
v. 25.02.

Die Debatte um die Zuwanderung in Deutschland

WEIDENFELD, Ursula (2002): "Manipulation ist zum Breitensport geworden".
Der Sozialwissenschaftler Meinhard Miegel über Arbeitslosigkeit, Schwarzarbeit und die Rebellion der Bevölkerung,
in: Tagesspiegel v. 17.06.

MÜLLER, Uwe (2002): Kassandra vom Rhein.
Die Deutschen leben in einer deformierten Gesellschaft, in dem ein Moloch namens Sozialstaat die Initiative des Einzelnen erstickt,
in: Welt v. 24.10.

MUNSBERG, Hendrik (2002): "Deshalb quietscht und knirscht es".
Berliner Zeitung-Schwerpunktthema: Der Bonner Sozialwissenschaftler Meinhard Miegel über Zustand und Reformmöglichkeiten der deutschen Sozialkassen,
in: Berliner Zeitung v. 15.11

CLAUSS, Ulrich (2002): "Rot-Grün ist in vielen Bereich nicht regierungsfähig".
Meinhard Miegel, Geschäftsführer des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft, zur Politik der Regierung,
in: Welt v. 23.11.

MISHRA, Robin (2003): "Die Zeit ist reif".
Zukunft. Gespräch mit Meinhard Miegel,
in: Rheinischer Merkur Nr.21 v. 22.05.

SIEMS, Dorothea (2003): "Gewaltiger Zulauf".
Der Bürgerkonvent von Meinhard Miegel trifft den Nerv der Zeit. Das Ziel: endlich Reformen voranbringen - denn sonst drohen "revolutionäre Umbrüche",
in: Welt v. 22.05.

Nach über einer Woche Medienrummel um den BürgerKonvent ist das Interesse der Öffentlichkeit sichtbar abgeflaut. Nun erhält MIEGEL im Interview reichlich Platz zur Selbstdarstellung.

GÖBEL, Heike (2003): Meinhard Miegel.
Im Geschäft mit der Zukunft,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.05.

DRIBBUSCH, Barbara (2004): "Die Armen werden nicht ärmer, aber es werden immer mehr", sagt Meinhard Miegel.
Die Aufsteiger aus den unteren Milieus sind vom Abbau der Sozialleistungen am härtesten betroffen,
in: TAZ v. 31.01.

Zum Jahreswechsel hat die Regierungs-TAZ ihren Lesern die Leviten gelesen: Bloß keine Angst! hieß die Parole. Nun widerspricht Meinhard MIEGEL:

"Viele Bürger auch in mittelschichtigen Milieus haben aber Angst, durch die Kürzung der Sozialleistungen selbst abzusacken, weil etwa die Arbeitslosenhilfe abgesenkt und Lebensversicherungen aufgelöst werden müssen, wenn man lange ohne Job ist.
          
Es ist zutreffend, dass die Aufsteiger aus den unteren Milieus vom Abbau der Sozialleistungen am härtesten betroffen werden. Ich denke an Facharbeiter oder wenig verdienende Angestellte. Die müssen jetzt befürchten, in das wirtschaftlich schwächste Bevölkerungssegment abzurutschen - eine Entwicklung, die in den USA oder Großbritannien schon deutlich zu erkennen ist.
          
Das würde bedeuten, die Armen sind gar nicht so arm dran mit der Agenda 2010, sondern vor allem die unteren Mittelschichten sind betroffen?
          
So ist es. Für die wirtschaftlich Schwächsten ändert sich durch die Reformen wenig. Wer nur einen Rentenanspruch auf Sozialhilfeniveau hat, dem kann im Alter kaum etwas passieren. Denn wenn diese Rente sinkt, bekommt er Grundsicherung. Das Problem ist nicht so sehr, dass die Armen ärmer werden, das Problem ist, dass ihre Zahl in den kommenden Jahren größer wird."

BANZE, Sonja (2004): "Die Kosten sind sehr hoch".
WAMS-Thema: Ökonom Miegel warnt Pendler vor Selbstbetrug,
in: Welt am Sonntag v. 15.08.

Der 68er Meinhard MIEGEL darf das Loblied auf die Managerehe singen:  "Es gibt eine kanadische Studie, aus der hervorgeht, dass solche Familien wirtschaftlich überdurchschnittlich erfolgreich sind, wo einer der Partner seinen Berufsweg optimiert und der andere ihm oder ihr den Rücken freihält."

BREKER, Gerd (2006): Miegel: Rente hat keine Zukunft.
Experte erwartet Bezüge knapp über der Sozialhilfe,
in: DeutschlandRadio v. 18.07.

Der nationalkonservative Prophet Meinhard MIEGEL weiß heute schon ganz genau, wer wie viel Rente in Zukunft bekommt: "Breker: Lassen Sie es uns erst einmal deutlicher machen. Wer bekommt denn noch überhaupt eine Rendite?
Miegel: Ja, eine Rendite bekommen die heutigen Rentner, Menschen, die im Jahre 1935, 1940 oder 1945 geboren worden sind, die haben Beiträge einbezahlt und bekommen heute, wenn man ansieht, was sie einbezahlt haben, doch erheblich mehr heraus als das, was sie einbezahlt haben. Sie haben eine Quasiverzinsung, eine wirkliche Verzinsung ist es ja nicht, weil das Geld ja nicht angesammelt worden ist, von 3, 3,5 bis zu 4 Prozent. Und das geht dann kontinuierlich nach unten. Wer im Jahre 1950 geboren worden ist, der hat noch eine hypothetische Rendite von vielleicht einem Prozent, und, wie ich eben schon angedeutet habe, wer nach 1970 geboren worden ist, hat auch diese Rendite nicht mehr, und das kippt dann ins Negative."

HOFMANN, Gunter (2007): Vom Hasen und Igel.
Vordenker (4): Meinhard Miegel hat die Krise des Sozialstaates schon vor dreißig Jahren kommen sehen. Die Politiker, sagt er, zogen damals keine Konsequenzen - und tun es auch heute nicht,
in:
Die ZEIT Nr.30 v. 19.07.

MINKMAR, Nils (2009): 2015 - das Jahr der finalen Krise.
Im Gespräch mit Meinhard Miegel,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.06.

MÜLLER, Andreas (2010): "Wir müssen uns nach der Decke strecken".
Gespräch mit Meinhard Miegel über das Leben auf Kosten anderer,
in: DeutschlandRadio v. 23.02.

MINKMAR, Nils (2012): Das System ist am Ende, das Leben geht weiter.
Gespräch zur Krise: Als die Politik sich 2009 zur Überwindung der amerikanischen Immobilienkrise gratulierte, warnte Meinhard Miegel im F.A.Z.- Interview bereits mit den Worten "Staaten werden wackeln" vor der nächsten, größeren Krise - ein Anlass zur Nachfrage,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.08.

Meinhard MIEGEL sieht seit Jahrzehnten Deutschland und den Westen untergehen. Liest man z.B. sein Buch Die deformierte Gesellschaft aus dem Jahr 2002 heute, dann zeigt sich, dass vieles von dem was MIEGEL prophezeit hat, nicht eingetroffen ist.

Wer sich z.B. auf die von MIEGEL behauptete hohe Rendite der Altersvorsorge verlassen hat, der steht heutzutage - nach nicht einmal einem Jahrzehnt - vor einem Scherbenhaufen. Wenn die Eurokrise mit einer "moderaten Inflation" gelöst wird, dann wären gemäß Gustav SEIBT die Riester-Rentner die Hauptbetroffenen der Krise.

MIEGEL prophezeite auch das Ende der europäischen Zuwanderung:

"In der Westhälfte Europas ist der Wanderungssaldo mittlerweile ausgeglichen. Es gibt kaum noch Wanderungsgewinner oder -verlierer. Die wirtschaftlichen Unterschiede sind nicht mehr große genug, um Menschen zu veranlassen, ihre angestammten Sprach- und Kulturräume sowie ihre sozialen Bindungen aufzugeben. Die Zeiten, in denen süditalienische, protugiesische oder griechische Arbeitskräfte gen Norden zogen, sind längst vorbei." (2002, S.29)

Durch die Eurokrise ist das genauso obsolet geworden wie viele andere Prognosen aus dem Buch Die deformierte Gesellschaft.

Wenn jetzt MIEGEL von der FAZ als "Hellseher" präsentiert wird, sollte uns das eher zu denken geben. Wir benötigen keine Führer wie Meinhard MIEGEL, die uns aus unserer angeblichen Orientierungslosigkeit und der Qual der Wahlfreiheit erlösen wollen.

Neu:
SIGMUND, Thomas (2014): "Zum Verzweifeln gebracht".
Meinhard Miegel: Der Demografie-Experte hält die Rentenpolitik für einen Irrweg. Ein Gespräch über die Verführungskünste von Politik, die Notwendigkeit längerer Lebensarbeitszeit - und warum der Bürgeraufstand ausbleibt,
in: Handelsblatt v. 24.01.

Meinhard MIEGEL, dem die leistungsbezogene Rente prinzipiell als Auslaufmodell gilt und der für eine steuerfinanzierte Grundsicherung plädiert, will in der verzögerten Wirkung der Rentenreformen die Ursache für mangelnden Widerstand sehen:

"Weil die finanziellen Folgen solcher Rentenpläne schleichend eintreten."

Auch MIEGEL tritt für Bevölkerungsvorausberechnungen bis zum Jahr 2050 ein, weil sich damit schöne Horrorszenarien basteln lassen.

Die schleichende Wirkung ist tatsächlich ein Problem. Das hängt jedoch nicht mit den derzeitigen Rentenplänen zusammen, sondern mit dem 2005 durchgesetzten Nachhaltigkeitsfaktor, dessen Wirkungsweise gravierende Folgen haben wird, über die uns die neoliberalen Vorsorgelobbyisten nicht aufklären.

Hierzu ist der Artikel Generationengerechtigkeit und Rentenreform am Beispiel der Rentenanpassungsformel von Arnaud LECHAVELIER in der Zeitschrift für Sozialreform aufschlussreich. Der Autor kritisiert, dass dem gegenwärtigen Nachhaltigkeitsfaktor und damit dem Konzept der Generationengerechtigkeit ein ahistorisches Konzept unterliegt, das intragenerationelle Ungleichheiten außer Acht lässt. LECHAVELIER schlägt deshalb einen Nachhaltigkeitsfaktor vor, der weder intragenerationelle, also soziale Ungleichheiten, berücksichtigt, als auch intergenerationelle Ungleichheiten, d.h. Generationengerechtigkeit bzw. Investitionen in die Zukunft. Das wäre zur heutigen Situation, bei der einzig die Beitragssatzstabilität zielrelevant ist, zumindest ein kleiner Fortschritt. Denn im Grunde ist das ganze Konzept der Generationengerechtigkeit angesichts der Unvorhersehbar der Zukunft obsolet. Stattdessen wären Konzepte der Reversibilität von weitreichenden Entscheidungen erforderlich.

Denn was passiert, wenn die Bevölkerungsschrumpfung moderater verläuft oder sogar ein Geburtenboom die Jugendlast und Arbeitslosigkeit in die Höhe schnellen lässt? Was, wenn die Zuwanderung kein vorübergehendes Krisenphänomen, sondern nur der Beginn verstärkter Völkerwanderungen ist?

Die Fixierung der Politik auf eine starke Schrumpfung der Bevölkerung könnte fatale Folgen haben, die von der Linearitätsfiktion abweichende zukünftige Entwicklungen außer Acht lässt.

 
       
   

Meinhard Miegel in der Debatte

 
   

RÜCKERT, Sabine (2000): Was sich liebt, das stresst sich.
Wie die Leidenschaft optimiert wird. Besuche bei Scheidungswaisen, Zweitmüttern und Verliebten über 60,
in: Die Zeit Nr.34

GÜRTLER, Detlef (2003): Vorbild Deutschland, Frankfurt a/M: Eichborn

"Am 13. November 1992 erblickte ein schmales Taschenbüchlein von gerade einmal 106 Seiten das Licht der Buchläden. Es hieß Weil das Land sich ändern muss, und trotz seines geringen Umfangs vereinte es unter seinen Autoren die Creme der politischen Klasse Deutschlands: Marion Gräfin Dönhoff, Meinhard Miegel, Wilhelm Nölling, Edzard Reuter, Helmut Schmidt, Richard Schröder und Wolfgang Thierse malten die Zukunft der Republik in düstersten Farben. (...). Heute, gut zehn Jahre später, zeigt sich (...), dass der mit Abstand richtigste Satz des ganzen Pamphlets (...) war: »Allenthalben hat die Qualität der politischen Klasse nachgelassen.«
Besonders deutlich wird das im Kapitel »Damit die Deutschen nicht aussterben«. Damit der geneigte Leser bereits an der Pforte alle Hoffnung fahren lasse, beginnt es mit einem Horrorgemälde: Bis Ende der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts werde die Bevölkerung Deutschlands um rund eine Million Menschen abnehmen (...).
Starke Worte, nicht wahr? Nur mit einem kräftigen Haken: Keines davon ist wahr. Jetzt, zehn Jahre später, können wir die ersten Horror-Zahlen an der tatsächlichen Bevölkerungsentwicklung messen. Und die Zahlen, die das Statistische Bundesamt für die Bevölkerungsentwicklung in den 90er Jahren veröffentlicht, haben nicht das Geringste mit der damaligen Schmidt-Dönhoff-Miegel-Prognose zu tun: Die Bevölkerung Deutschlands hat sich im Laufe jenes Jahrzehnts nicht etwa um eine Million Menschen verringert, sie hat um mehr als drei Millionen Menschen zugenommen!"

JENSEN, Annette (2003): Standortfaktor Alter.
Das Arbeitskräfteangebot sinkt in den kommenden Jahren enorm. Trotzdem nehmen die Probleme auf dem Arbeitsmarkt zu - Regierung und Wirtschaft sparen am falschen Ende,
in: TAZ v. 10.02.

ADAM, Konrad (2003): Wer steckt hinter dem neu gegründeten Bürgerkonvent?
Meinhard Miegel, Hans-Olaf Henkel und Roland Berger haben eine parteiübergreifende wirtschaftspolitische Initiative gestartet,
in: Welt v. 14.05.

Konrad ADAM klärt die Leser über den neu gegründeten Bürgerkonvent auf, dessen Sprecher der neoliberale Besitzstandwahrer Meinhard MIEGEL ist. Eigentlich sollte der Angehörige der 68er-Generation bereits im Deutschen Herbst 2002 das Ministerium für Sozialversicherungen übernehmen, aber das "Dreamteam für Stoiber" (Capital 19/2002) von Hans-Olaf HENKEL scheiterte bekanntlich. Jetzt soll der Bürgerkonvent mit massivem Kapitaleinsatz eine Art Stützkorsett sein, die den Kanzler vor dem Umfallen in die falsche Richtung schützt:

"Weiter gehende Fragen, insbesondere solche nach den Sponsoren der nicht ganz billigen Aktion, bleiben jedoch ohne Antwort, einstweilen jedenfalls. Man habe keine Lust, sich selbst oder die Angehörigen den Angriffen und Pressionen von Leuten auszusetzen, die sich dazu berufen fühlen, an Stelle des Bundeskanzlers die Richtlinien der Politik zu bestimmen, heißt es zur Begründung."

HÖGE, Helmut (2005): Die neue Wende.
Wirtschaft als das Leben selbst,
in: junge Welt v. 06.09.

Helmut HÖGE beschäftigt sich anlässlich eines FAZ-Artikels mit Meinhard MIEGEL und dessen neuem Buch Epochenwende:

"Zwei Kernaussagen hat die FAZ aus Miegels schlängelnder Argumentation, die vom Brutpflegeinstinkt auf das Bruttosozialeinkommen und von diesem auf Darwin und die 68er kommt, aufgeblasen: »Man muß sie gesehen haben, die Jungen und Mädchen Asiens, in ihren frischgewaschenen Blusen, wie sie fröhlich schnatternd den Schulbus besteigen. Sie können die Schule kaum erwarten.« / »Die unfrohe Botschaft für die Völker des Westens lautet: Ihr wart einmal etwas Besonderes. Ihr seid es nicht mehr.«
          
Miegels Schwanken zwischen Darwin und Lamarck wird durch diese FAZ-Hervorhebungen und den FAZ-Titel »Ein Gespenst geht um in Europa« zum »Kampf zweier Linien« eines Ex-Maoisten, bis auf dessen kommunistisch-pädophilen Zellkern gewissermaßen."

 
       
   

Epochenwende (2005)
Gewinnt der Westen die Zukunft?
Propyläen Verlag

 
   
     
 

Sozialdarwinismus als Ausgangspunkt marktradikaler Politik

"Erst mit Hilfe niedlicher Gesichtszüge und Körperformen, befeuert von Hormonen und - im Falle des Menschen - gedrängt von Sozialzwängen, gelingt in der Regel das Kunststück, daß sich die starken Eltern um ihre schwachen Kinder kümmern.
          
Umgekehrt funktioniert dieser Mechanismus bereits weniger zuverlässig. Sind die Eltern schwach geworden und ihre Kinder erstarkt, bedarf es großer Anreize, um die gegebenenfalls erforderliche Zuwendung zu gewährleisten. (...). Die Versorgung Hilfsbedürftiger, Kranker, Siecher und Alter war für die menschliche Gesellschaft stets eine besondere Herausforderung. Die Natur hat für deren Bewältigung keine ausreichenden Vorkehrungen getroffen.
          
Das gilt noch weit mehr für die Teilhabe der generell Schwächeren am großen Kuchen - der Langsameren, Schwerfälligeren, Ungeschickteren, Ideenloseren oder Beziehungsärmeren".
(Meinhard Miegel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 27.08.2005)

Die Schlüsselstellung des Bevölkerungsmaterials im Machtkampf der Eliten

"Die Unterschiede zwischen Volkswirtschaften beschränken sich (...) mehr und mehr auf den Bereich sogenannter weicher Faktoren: Sicht- und Verhaltensweisen der Bevölkerung sowie deren politische und soziale Ordnung."
(Meinhard Miegel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 27.08.2005)

Der globale Wettbewerb erfordert den Niedrigstlohnsektor für das schwächliche Bevölkerungsmaterial

"Die Frage: »Was kannst du besser, was kann ich besser, und was lohnt sich am Ende des Tages auszutauschen?« ist dabei, ihren Sinn zu verlieren. Im 21. Jahrhundert wird sie ersetzt durch die Frage »Wer von uns beiden ist bereit, den niedrigeren Lebensstandard hinzunehmen, da keiner von uns etwas besser kann als der andere?« Wer hier »Ich!« ruft, der bekommt den Zuschlag, der hat im internationalen Wettbewerb die Nase vorn. Der andere hat das Nachsehen."
(Meinhard Miegel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 27.08.2005)

 
     
 
       
   

Rezensionen

HOFMANN, Gunter (2005): Vertrauter Untergangsgesang,
in: Die ZEIT Nr.37 v. 08.09.

Gunter HOFMANN geht zwar mit den Analysen von Meinhard MIEGEL in seinem neuen Buch "Epochenwende" weitgehend konform, aber er kritisiert dessen mangelhaftes Marketing, das durch die Konzentration auf die Folgen, statt auf die Ursachen charakterisiert ist:

"Die Rückwirkungen der Demografie auf die Sozialsysteme, sein Leib- und Magenthema, sind inzwischen bekannt. Oft nagelt er auch Selbstverständlichkeiten fest, die Grüne und andere Ökologen längst entdeckten. Aber bei ihm wird die Analyse überwuchert von der Anklage – schuldig sei eine herrschende Mentalität, Sittenverfall, Hedonismus, Konsumismus, Egoismus, Vandalismus, Terrorismus. Nicht mögliche strukturelle Ursachen oder inhärente Logiken der herrschenden Ökonomie spießt Miegel auf, schuld seien (vor allem) die Folgen, die sie auslösten. Dass die Leute materialistisch verführbar seien, sei der Systemfehler. Einen Ruck, damit die Marktwirtschaft floriert, möchte Miegel uns ja trotzdem verordnen."

KOERDT, Marion (2005): Wohlstand macht müde.
Meinhard Miegel: "Epochenwende. Gewinnt der Westen die Zukunft?"
in: DeutschlandRadio v. 26.09.

GREFFRATH, Mathias (2005): Deutschland ruckelt,
in: TAZ v. 05.10.

BUDE, Heinz (2005): Die Gefahr ist unsere Rettung.
Den müden, larmoyanten Gesellschaften des Westens stehen harte Zeiten bevor. Noch haben sie die Wirklichkeit nicht richtig ins Auge gefasst, da zeigt Meinhard Miegel, wie sie aus ihrer Schwäche eine Stärke machen können. In seiner Diagnose unserer "Epochenwende" entpuppt sich der harte Realist des sozialen Wettbewerbs als Moralist einer menschlichen Gesellschaft,
in: Literaturbeilage der Süddeutschen Zeitung v. 18.10.

Der Soziologe Heinz BUDE, Angehöriger der Single-Generation und Erfinder der Generation Berlin, verteidigt eloquent das Buch Epochenwende von Meinhard MIEGEL. BUDE ist für die Nuller-Jahre das, was Ulrich BECK von Mitte der 80er Jahre bis Anfang der Neunziger Jahre war: ein soziologischer Sprachmagier. Es führt kein ernstzunehmender Weg an ihm vorbei.

BUDE, der den nächsten Soziologentag mitorganisiert, setzt mit seiner Rezension die Bevölkerungspolitik an vorderster Front auf die Agenda. Dies klingt z.B. bei der Würdigung von  MIEGELs Leistungen an:

"So hat Miegel als einer der Ersten die sozialpolitische Bedeutung so archaischer Faktoren wie Bevölkerungszahl und Altersstruktur herausgearbeitet, er hat die sozialpolitischen Kosten der allgemeinen Ideologie des Individualismus dargelegt und die sozialpolitische Illusion einheitlicher Lebensverhältnisse in Deutschland benannt."

Heinz BUDE hält einerseits die "Blut, Schweiß und Tränen-Rede", die immer wieder von SCHRÖDER gefordert worden ist. Gleichzeitig formuliert er jene Vision bzw. sozialdemokratische Erzählung, deren Fehlen er in seinem letzten SZ-Artikel selber eingeklagt hatte. Damit ist das gegenwärtige "Du bist Deutschland"-Programm unserer neuen Werteelite auf den Punkt gebracht worden. Kapitalismus wird damit zur neuen Religion und trägt messianische Züge, wie sie der Marxismus in den 1970er Jahren in Westdeutschland getragen hat.

Es ist kein Zufall, dass gerade jetzt eine Flut von Bekenntnisbüchern erscheint, in denen der damalige Messianismus eine zentrale Rolle spielt. So z.B. bei Stephan WACKWITZ. Gleichzeitig wird die Geschichte der Gegenkultur neu geschrieben.

PRA (2005): Verhaltene Freude auf die Zukunft,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 22.10.

PRA charakterisiert Meinhard MIEGEL als typischen Vertreter der deutschen 68er-Generation:

"Hoffnung schöpft Miegel nicht etwa aus der Erwartung von Innovationen, neuen Ideen, Produkten, Möglichkeiten, wie sie angelsächsische Analytiker der Globalisierung, beispielsweise der US-Ökonom Jagdish Bhagwati, in den Vordergrund rücken. Nein, Optimismus schöpft Miegel vielmehr aus der Erwartung, die durch die globale Konkurrenz erzwungene Wachstumsschwäche im Westen werde zur Eindämmung gesellschaftlicher Fehlentwicklungen wie Verschwendung, Übersättigung, Umweltzerstörung und sozialer Entfremdung führen, womit die Menschen vielleicht sogar glücklicher würden. Die wachstumskritischen Ideale aus alten 68er Zeiten stimmen nicht wirklich zukunftsfroh."

JEISMANN, Michael (2005): Wohlstand, der arm macht.
Der Amerikaner Jared Diamond und der Deutsche Meinhard Miegel predigen der westlichen Welt: Wer nichts als Ausbeutung betreibt, wird zum Opfer seiner selbst. Aber kein Untergang ist ohne Hoffnung,
in: Literaturen Nr.11, November

Michael JEISMANN stellt erst einmal das Buch Kollaps von Jared DIAMOND von, um dann Meinhard MIEGEL als deutsche Version abhandeln zu können. Er sieht in MIEGELs Buch Epochenwende eine säkularisierte Predigt, deren Urgrund und Wirksamkeit er eher skeptisch beurteilt:

"Wenn es (...) in unserer Gesellschaft tatsächlich einen Mehltau an Sattheit und Selbstzufriedenheit gibt, dann steht die Gattung der Moralpredigt immer in der Gefahr, diesen medial zu verdoppelt - obwohl doch genau das Gegenteil beabsichtigt ist. Und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Unkenrufe selbst noch jener Vergangenheit angehören, der sie eine schlechte Prognose stellen."

DRIBBUSCH, Barbara (2005): Die Jäger sind müde geworden.
Meinhard Miegel fällt zu Massenarbeitslosigkeit, Alterung der Gesellschaft und Staatsverschuldung wenig ein. Er appelliert lieber an die Moral der Bildungsbürger, um eine "Epochenwende" zu erreichen,
in: TAZ v. 31.12.

 
       
   

Die deformierte Gesellschaft (2002)
Wie die Deutschen ihre Wirklichkeit verdrängen
Berlin: Propyläen Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Meinhard Miegel (...) stellt unsere Gesellschaft auf den Prüfstand – das Gemeinwesen, die Wirtschaft, die Sozialsysteme. Sein Fazit: Von einer zukunftsorientierten Leistungsgesellschaft sind die Deutschen weit entfernt. Sie verdrängen ihre Wirklichkeit und wiegen sich in Wohlstandsillusionen. Dabei fordert der dramatische Wandel der Grundlagen unserer Gesellschaft ein rasches Umsteuern auf allen Ebenen."

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

Die demographische Zeitbombe

Deutsche Erfahrungen
Vom Bevölkerungswachstum zum Bevölkerungsschwund
Zunahme der Lebenserwartung
Geburtenrückgang
Bevölkerungsentwicklung im Rückwärtsgang
Beispiellose Alterung
Folgen der Zuwanderung
Das Ende der europäischen Zuwanderung
Gefahren der Ost-West-Wanderung
Europäer in einem Boot
Aspekte außereuropäischer Zuwanderung
Vom Geber- zum Nehmerland
Lehren aus der bisherigen Zuwanderung
Bedeutungswandel der Zuwanderung
Zuwanderung - kein Allheilmittel
Szenarien der Zuwanderung
Ein neuer Abschnitt der Geschichte
Dicht besiedelter Westen, dünn besiedelter Osten
Wachsende Unterschiede zwischen West und Ost
Der Osten altert schneller
Wo kommen die Berliner her?
Optionen der Bundeshauptstadt
Breite Schultern, schmale Schultern
Folgen der Alterung
Alt und reich
Im stillsten Winkel der Republik
Interessen und Bedürfnisse im Wandel
Bevölkerungsentwicklung und Arbeitsmarkt
Staatliche Vormundschaft oder Bürgergesellschaft
Politik in der Verantwortung
Leben in einer schrumpfenden, alternden Bevölkerung

Wirtschaft und Beschäftigung im Umbruch

Massenarmut bis Mitte des 20. Jahrhunderts
Wohlstandsexplosion
Rückkehr zur Normalität
Reiche Deutsche
Armut ist relativ
Gesagt wird Armut, gemeint ist Gleichheit
Wachsende Kluft zwischen Arm und Reich
Arbeit, Arbeit, Arbeit
Vollbeschäftigung im Westen
Vollbeschäftigung im Osten
Wirtschaftswachstum ohne Arbeitszuwachs
Wissen und Kapital - Motoren der Wohlstandsmehrung
Gerechter Lohn
Füllhörner des Wohlstands
Wohlstand aus zweiter Hand
Wissen und Kapital in einer alternden Bevölkerung
Angst vor Eliten
Mittelmaß als Leitbild
Bildung - der Schlüssel zum Erfolg
Revision des Kapitalstocks
Mehr sparen, weniger konsumieren
Symbiose von Kapital und Arbeit
Pyrrhussiege der Gewerkschaften
Gewerkschaften in der Zwickmühle
Ungleiche Vermögensverteilung
Arbeitsplätze - eine Aufgabe aller
Jeder ein Arbeitgeber
Erwerbsarbeit - Packesel des Sozialstaats
Arbeitslosigkeit im Zerrspiegel
Hinter den Kulissen der Statistik
Arbeitslosigkeit ist kein Massenschicksal
Arbeit kommt von Arbeit
Arbeitgeber sind rar
Nur nicht dienen
Genug Arbeit für Ausländer
Sozialhilfe als Mindestlohn
Unverzichtbare Dienste
Die Gesellschaft der Arbeitnehmer

Sozialstaat vor dem Offenbarungseid

Mechanismus des Herrschens
Menschen sind sozial
Bismarcks Sozialgesetzgebung
Weimarer Republik und Nationalsozialismus
West und Ost auf getrennten Wegen
Sozialstaat preußischer Prägung
Bürger oder Untertan
Deutschland am Scheideweg
Explosion des Sozialstaats
Säulen staatlicher Herrschaft
Sozialstaat in der Krise
Verweigerung der Bürger
Entsolidarisierung der Gesellschaft
Gestandene Erwachsene, lallende Kinder
Starke und Schwache
Von der Existenz- zur Lebensstandardsicherung
Wiedererlangung der Mündigkeit
Illusionistentheater
Wohlstand auf Pump
Sozialstaat in der Schuldenfalle
Kosten der Wiedervereinigung
Versteckte Schulden
Vorsorge durch Investitionen
Geplatzte Wohlstandsillusionen
Das Ende des Sozialstaats als Herrschaftsinstrument
Ein neues Gleichgewicht
Aktive Altersvorsorge
Die Reform des Gesundheitswesens
Pflegeversicherung auf Kapitalbasis
Begrenzung der Arbeitslosenversicherung
Evolution oder Revolution

Schlussbemerkung

Pressestimmen

"Miegel (...) schreckt (...) vor der üblichen Ideologisierung nicht zurück (...). So bleibt der Essay am Ende doch vor allem ein Sampler der schon bekannten Miegelschen Sozialstaatsideen. Interessanter wäre es gewesen, die kulturellen Veränderungen, die eine alternde, verlangsamte Gesellschaft mit sich bringt, noch weiter gedanklich durchzuspielen."
(Barbara Dribbusch in der TAZ vom 21.03.2002)

 
     
 
       
   

Beitrag von single-generation.de zum Thema

Deutschlands Zukunft im Spiegel der Öffentlichkeit
 
   

Rezensionen

DETTLING, Warnfried (2002): Lauter letzte Warnungen,
in: Die ZEIT Nr.11 v. 07.03.

Warnfried DETTLING lobt das Buch "Die deformierte Gesellschaft" des konservativen Revolutionärs Meinhard MIEGEL. Der 68er versucht mit seiner "Niedergangsprophetie" die Notwendigkeit eines Abbaus des Sozialstaats als unabdingbaren Sachzwang darzulegen.

DRIBBUSCH, Barbara (2002): Ende des Konsums.
Meinhard Miegel befasst sich mit den Problemen der alternden Gesellschaft, ohne neue Konzepte zu finden,
in:
TAZ v. 21.03.

DECKSTEIN, Dagmar (2002): Zustände wie im alten Rom.
Die Lügen des deutschen Sozialstaats werden endgültig entlarvt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 23.09.

DECKSTEIN frohlockt über MIEGELs sozialpopulistisches Pamphlet, das sie zu einem der "wichtigsten und besten Bücher der Saison" erklärt. MIEGEL sei ein "einsamer Rufer in der Wüste bundesrepublikanischer Selbstverantwortlichkeit"! Merkwürdig nur, dass dieser angeblich einsame Rufer eine solche Heerschar von Unterstützern hat. Rennt hier nicht vielmehr einer weit offene Türen ein? MIEGELs Denken ist in vielerlei Hinsicht anschlussfähig an die neoliberalen Diskurse der Neuen Mitte genauso wie an die Neue Rechte, auch wenn DECKSTEIN dies zu bestreiten versucht.  Wenn der Sozialstaat in vormodernen Strukturen wurzelt, dann gilt das für MIEGELs Denken noch stärker. Es ist zwar richtig, dass der Sozialstaat reformiert werden muss, falsch sind jedoch die Scheinlösungen, die MIEGEL vorschlägt. Die Zivilgesellschaft ist kein Allheilmittel. MIEGEL präsentiert zwar viele Fakten, aber deren Interpretation ist mehr als umstritten.

KREUDER, Thomas (2002): Läuft  die Politik dem wirklichen Leben hinterher?
Meinhard Miegels neuer Maßhalte-Appell,
in: Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Nr.10, Oktober

RÜHMEIER, Olaf (2002): Magenbitter nach der Tortenschlacht.
Meinhard Miegels beschreibt prägnant die tiefe Krise einer Gesellschaft, die sich der Realität verweigert. Nur seine Vorschläge kommen über Hans-Olaf-Henkel-Niveau nicht hinaus,
in: Berliner Republik, Nr.6

Olaf RÜHMEIER präsentiert eine halbherzige Rezension zu Meinhard MIEGELs Pamphlet Die deformierte Gesellschaft. Statt die vorgelegten Fakten von MIEGEL zu hinterfragen, stört sich RÜHMEIER nur an MIEGELs neoliberalen Lösungsvorschlägen, an dem Hedonismus-Vorwurf und am geringen Interesse an der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

 
   

Das Buch in der Debatte

STOIBER, Edmund (2002): Ein starkes Stück Analyse.
Edmund Stoiber (CSU) über Meinhard Miegels Buch "Die deformierte Gesellschaft",
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 22.09.

STOIBER plädiert noch einmal auf seine Art für das Ende der Spassgesellschaft.

SEIBEL, Andrea & Thomas KIELINGER (2002): "Deutschland nimmt eher Prozac, als sich mit natürlichen Mitteln zu helfen".
Lord Dahrendorf über den Reformstau, die Volksparteien, und die deutsche Depression,
in: Welt v. 04.10.

Nach Meinung von Ralf DAHRENDORF steht Deutschland besser da als die offizielle Politik dies darstellt, andererseits ist die Stimmung mieser als sie sein müsste. Nicht der anspruchsgesättigte Bürger ist für DAHRENDORF das entscheidende Problem, sondern die politische Klasse. Hoffnungen hegt DAHRENDORF hier hinsichtlich der Generation der 40jährigen:

"Die 68er im weitesten Sinne, die in irgendeiner Weise durch diesen Umkreis Geprägten, haben nach wie vor das Heft in der Hand. Das ist besonders lästig, da es in der Generation der 40-Jährigen einen freieren Umgang mit vielen Themen gäbe. Das wird aber kommen".

Unverständlich bleibt jedoch, dass DAHRENDORF ausgerechnet in dem Sozialpopulisten Meinhard MIEGEL jemanden sieht, der unorthodoxe Dinge zu sagen wagt.

 
       
   

Das Ende des Individualismus (1993)
Die Kultur des Westens zerstört sich selbst
(zusammen mit Stefanie Wahl)

München: mvg-Verlag (2. Auflage 1994)

 
   
     
 
 

Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis

Worum es geht
Von der Natur- zur Kulturordnung
Die individualistischen Kulturen
Demographische Wirkungen der Individualisierung
Folgen des zahlenmäßigen Bevölkerungsrückgangs
Bevölkerungspolitische Optionen
Fazit: Das große Dilemma

Die individualistische Kultur als einzige Ursache des Geburtenrückgangs

"Bedingt durch den logisch zwingenden Gegensatz zwischen Individualismus und Kinderreichtum sinkt in individualistischen Kulturen die menschliche Fruchtbarkeit. Dies ist der eigentliche und zugleich einzige Grund für die Geburtenarmut in Ländern mit individualistischen Kulturen. Weitere Begründungen bedarf es nicht. (1993, S.64)

Die Erlöschung der ethnischen und kulturellen Identität der Deutschen Ende des 21. Jahrhunderts

"Eine überalterte Bevölkerung kann sich unter Umständen nicht mehr nachhaltig verjüngen oder binnen kurzem einen hohen Zuwandereranteil integrieren. Sollten demographische Korrekturen nicht mehr möglich sein, würde die ethnische und kulturelle Identität dieser Bevölkerung erlöschen. Ohne Veränderung der derzeitigen Trends dürfte in Deutschland dieser Zeitpunkt in etwa einem Jahrhundert erreicht sein." (1993, S.140)

Altersstruktur der Bevölkerung in Deutschland 1990 - 2030

Altersstruktur der Bevölkerung in Deutschland in Millionen (Die Prozentangaben in Klammern stammen aus der Monatszeitschrift Wirtschaft und Statistik, Heft 4, 1992, S.220)
Jahr Bevölkerung insgesamt unter 20
Jahre
20 bis 60
Jahre
über 60
Jahre
über 80Jahre über 90 Jahre
1990 79,8 17,3 (21,7) 46,2 (58,0) 16,3 (20,4) 3,0 0,3
1995 81,1 17,6 46,4 17,1 3,2 0,4
2000 81,1 17,3 (21,3) 44,7 (55,1) 19,1 (23,6) 2,9 0,5
2005 80,2 16,3 44,0 19,9 3,4 0,5
2010 78,9 14,9 (18,9) 43,6 (55,3) 20,4 (25,8) 3,7 0,5
2015 77,1 13,7 42,3 21,1 4,0 0,6
2020 75,0 13,0 (17,3) 40,0 (53,3) 22,0 (29,4) 4,7 0,6
2025 72,6 12,5 36,5 23,6 4,5 0,6
2030 69,9 12,0 (17,2) 33,5 (48,0) 24,4 (34,9) 4,4 0,8
Quelle: Meinhard Miegel & Stefanie Wahl, 1994, S.101 (auf Basis der 7. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung aus dem Jahr 1992)
 
     
 
       
   

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Update: 20. Juli 2015