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Rainer Münz: Politikziel Zuwanderung

 
       
   
  • Kurzbiografie

    • 1954 in Basel geboren
 
       
     
       
   

Rainer Münz in seiner eigenen Schreibe

 
   

MÜNZ, Rainer & Ralf ULRICH (1993/1994): Demographische Entwicklung in Ostdeutschland und in ausgewählten Regionen.
Analyse und Prognose bis 2010,
in: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Heft 4, S.475-515

MÜNZ, Rainer (1997): Rentnerberg und leere Schulen? Unsere alternde Gesellschaft im 21. Jahrhundert. In: Annette Lepenies (Hrsg.) Alt und Jung: Das Abenteuer der Generationen, Basel/Frankfurt a/M: Stroemfeld Verlag, S.17-25

MÜNZ, Rainer (1998): Grau oder bunt?
Was der Alterungsprozeß der deutschen Bevölkerung für Gesellschaft und Politik bedeuten wird,
in: Berliner Zeitung v. 13.06.

MÜNZ, Rainer (2001): Wir werden immer weniger.
Die Gesellschaft schrumpft und altert: Das fordert eine von der Mehrheit akzeptierte Bevölkerungspolitik,
in: Welt v. 09.03.

Im Jahr 1979 erschien Bevölkerungsrückgang in der Bundesrepublik Deutschland: Ausmaß und Konsequenzen von Günter BUTTLER. Dort heißt es:

"Es ist verschiedentlich durchgerechnet worden, wie sich die Bevölkerungszahl der Bundesrepublik verändern wird, falls die augenblicklichen Verhältnisse in den nächsten Jahrzehnten fortdauern. Die Resultate sind alarmierend. Nach Schwarz wird sich die deutsche Bevölkerung von derzeit über 57 Millionen auf 52,2 Millionen im Jahre 2000 reduzieren, auf 39,4 Millionen im Jahr 2030 und auf 22 Millionen im Jahre 2070. In knapp 100 Jahren würde sich die deutsche Bevölkerung demnach über 60 Prozent verringern."

Der renommierte Bevölkerungswissenschaftler Karl SCHWARZ hat gemäß BUTTLER die Bevölkerung im Jahr 2000 auf 52,2 Millionen prognostiziert. 1998 lebten in Westdeutschland aber 66,7 Millionen Menschen. Sie ist also gestiegen und nicht gesunken. Dies sind über 25 % mehr Menschen als 25 Jahre vorher prognostiziert worden sind. Der Spiegel fragte schon 1975 besorgt, ob die Deutschen aussterben. Die gegenwärtige Debatte ist also keineswegs neu und erst recht nicht originell. Kurzfristige Geburtenrückgänge in langfristigen Prognosen fortzuschreiben, ist ein beliebtes politisches Spiel, um Handlungsdruck zu erzeugen, wo sich partout keiner finden will. Wo bleiben die mutigen Journalisten, die endlich die bevölkerungspolitische Debatte der 1970er Jahre aufarbeiten? Sie würden sicherlich einige interessante Befunde zu Tage fördern, die die heutige Debatte relativieren...

Ein Blick auf die Geburtenstatistik zeigt, dass die Anzahl der Geburten im früheren Bundesgebiet 1999 höher war als in den Jahren 1973 - 1987: Geburtenstatistik der Bundesrepublik 1946-1999

MÜNZ, Rainer (2001): Kinderbetreuung statt Kindergeld.
Warum wir eine bessere Förderpolitik zu Gunsten erwerbstätiger Frauen brauchen,
in: Welt v. 24.04.

MÜNZ ist wenigstens schon mal so ehrlich, dass er seinen Kinderlosenbegriff etwas differenziert:

"eines ist klar: Familien mit Kindern, die von einer solchen Regelung profitieren, sind in der Minderheit. Die Mehrheit der Erwachsenen ist kinderlos oder hat längst keine Kinder mehr im Haushalt. Diese Erwachsenen wären die Nettozahler."

Was er jedoch verschweigt: die Kinderlosen sind nicht alle lebenslang Kinderlose, sondern vor allem Noch-Kinderlose. Die Konsequenzen der steigenden Lebenserwartung erwähnt er mit keinem Wort.

Ein kleines Gedankenexperiment zu den Folgen der steigenden Lebenserwartung

MÜNZ, Rainer (2001): Verzweifelt gesucht: mehr Menschen.
Auch wenn die gebärfaulen Deutschen ein Babywunder herbeizaubern könnten, werden Arbeiter und Rentenschaffer aus dem Ausland gebraucht,
in: Die ZEIT Nr.18 v. 26.04.

"Die kommende Schrumpfung betrifft nicht alle Regionen und Altersgruppen. Der Osten Deutschlands verliert kontinuierlich an Einwohnern. Das gilt vor allem für die Zeit seit der Wende. Heute haben die neuen Bundesländer rund eine Million Einwohner weniger als die DDR im Jahr 1989. Dieser Verlust geht fast ausschließlich auf das Konto des dramatischen Geburtenrückgangs nach dem Fall der Mauer", meint MÜNZ.

MÜNZ, Rainer (2001): Auf der Flucht.
Im 20. Jahrhundert mussten in Europa 45 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen - Klaus Bade nennt die Gründe

in: Tagesspiegel v. 07.05.

MÜNZ, Rainer (2003): Mehr Kinder, mehr Macht.
ZEIT-Serie "Land ohne Leute" (2): Europa schrumpft, die USA wachsen. Auch die Einwohnerzahl entscheidet darüber, wer künftig in der Welt den Ton angibt,
in: Die ZEIT Nr.3 v. 09.01.

Elisabeth NIEJAHR hat vor einer Woche in der ZEIT die Stoßrichtung vorgegeben, dass "der Machtkampf zwischen Staaten auch in Kreißsälen und Wochenbetten entschieden werden kann". Nun darf der Bevölkerungswissenschaftler Rainer MÜNZ die Normalisierung auf dem Felde der Bevölkerungspolitik in der ZEIT einleiten und die machtpolitische Dimension ausführen. Bevölkerungspolitik als Ideologie verdankt sich in erster Linie seiner machtpolitischen Dimension. In der deutsch-französischen Rivalität und dem Schrecken von Sedan kommt jener bevölkerungspolitische Mythos zum Tragen, der nun reaktiviert werden soll. MÜNZ geht einerseits auf diese Tradition ein und andererseits wird jener Ball aufgegriffen, den der Economist vor einiger Zeit vorgelegt hat. Am Ende steht die Instrumentalisierung des Gebärens nicht mehr im Zeichen des deutsch-französischen Geburtenwettlaufs, sondern wird auf die globale Ebene des Zusammenpralls der Kulturen gehoben. Die Geschichte darf nun endlich auch auf diesem Feld zurückkehren.
 
       
   

Rainer Münz: Porträts und Gespräche

 
       
   

KLINGST, Martin & Werner A. PERGER (2001): "Wir müssen uns öffnen".
Wie soll die Reform des Zuwanderungsrechts aussehen? Fragen an Rainer Münz, Bevölkerungswissenschaftler und Mitglied der Süssmuth-Kommission,
in: Die ZEIT Nr.28 v. 05.07.

RÖTTGER, Maike & Marlies FISCHER (2001): "Einwanderung entscheidet über unseren Wohlstand".
Gedanken über Deutschland - eine Abendblatt-Serie. Heute: Rainer Münz, Professor für Bevölkerungsentwicklung,
in: Hamburger Abendblatt
v. 28.07.

PAUL, Markus (2002): Bevölkerungsexperte: Zuwanderung sichert unsere Lebensqualität,
in: Nürnberger Zeitung v. 15.01.

SALOMON, Martina (2002): Ganztagsschulen statt Hausfrauen.
Münz: Infrastruktur wichtiger als Geld
in: Der Standard v. 26.02.

Rainer Münz nimmt Stellung zum Standard-Interview von Sozialminister Haupt.

SCHÜTZE, Elmar & Jan THOMSEN (2003): "Die Jungen werden weniger".
Bevölkerungswissenschaftler Rainer Münz sagt für die Hauptstadt einen Alten-Boom voraus,
in: Berliner Zeitung  v. 20.01.

Rainer MÜNZ stimmt dem Vorurteil über Berlins junge Einwohnerschaft nicht zu: "Das Durchschnittsalter ist etwa so hoch wie im Rest Deutschlands. Vor der Wende war das mal anders. Ins alte West-Berlin zogen junge Männer, die sich die Wehrpflicht ersparen wollten, andere kamen wegen des Lebensgefühls. Und in Ost-Berlin lebten gerade in Marzahn und Hellersdorf fast nur junge Familien, die oft aus anderen Teilen der DDR herzogen. Inzwischen wandern viele Jüngere aus Berlin ab".

SIMONER, Michael (2003): "Es wird ein Rennen um die besten Köpfe".
Die EU-Osterweiterung wird dem Westen vier Millionen Zuwanderer bringen. Der Bevölkerungsexperte Rainer Münz zeigt sich überzeugt davon, dass Österreich Ausländer anwerben muss,
in: Der Standard v. 15.09.

WETZ, Andreas (2012): "Nur 15 Prozent unseres Lebens sind Arbeit".
Bevölkerungswissenschaftler Rainer Münz kann einer alternden Gesellschaft auch Positives abgewinnen. Als Voraussetzung dafür nennt er nichts weniger als grundlegende Reformen in Pensions- und Bildungssystem,
in: Die Presse v. 11.09.

Rainer MÜNZ u. a. zur Geburtenentwicklung in Österreich: "Wie viele Kinder bekommt eine Frau im Laufe eines Lebens? Da liegt Österreich seit den späten 1970er-Jahren bei ca. 1,4 Kindern. Da es mehr späte Mütter gibt, wird die tatsächliche Kinderzahl am Ende eher bei 1,7 liegen. Zweitens: Wie viele Geburten gibt es pro Jahr? Heute sind es weniger als vor 50 Jahren. Zum einen liegt das an den kleineren Familien und einer häufigeren Kinderlosigkeit. Zum anderen gibt es weniger potenzielle Eltern als zur Zeit des Babybooms. Auch dadurch sinken die Geburtenzahlen. Zum Teil wird diese Lücke durch Zuwanderer »aufgefüllt«."

 
       
   

Demographische Entwicklung in Ostdeutschland und in ausgewählten Regionen (1993/94).
Analyse und Prognose bis 2010
(zusammen mit Ralf Ulrich)
In:
Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Heft 4, S.475-515

 
   
     
 

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

1. Komponenten der demographischen Entwicklung - Annahmen für die Prognose

1.1 Prämissen
1.2 Fruchtbarkeit

1.2.1 Annahmen früherer Prognosen
1.2.2 Angleichung an westdeutsche Muster
1.2.3 Interpretationen des Geburtenrückgangs
1.2.4 Szenarien der Angleichung
1.2.5 Die Fruchtbarkeit in den Regionen

1.3 Sterblichkeit

1.3.1 Erklärungen der gegenwärtigen Sterblichkeit
1.3.2 Annahmen zur zukünftigen Sterblichkeit

1.4 Wanderungen

1.4.1 Ausgangslage
1.4.2 Annahmen zur Wanderung

2. Zur demographischen Entwicklung in Ostdeutschland: drei Szenarien
3. Ergebnisse der Bevölkerungsprojektionen bis 2010

3.1 Bevölkerungsgröße
3.2 Bevölkerungsstruktur

4. Annahmen, Hauptergebnisse, Schlußfolgerungen

Zitat:

Szenario 1: Die plausibelste Entwicklung für Ostdeutschland bis 2010

"a) Zu-/Abwanderungen: hohe Wanderungsverluste in 4 Regionen (-8 pro 1000 p.a.), moderate Wanderungsverluste in 4 Regionen (-4 pro 1000 p.a.), moderate Wanderungsgewinne in 2 Regionen (+4 pro 1000 p.a.); moderate Wanderungsverluste gegenüber Westdeutschland und dem Ausland für ganz Ostdeutschland (-3 pro 1000 p.a.); Konstanz des jährlichen Wanderungssaldos ab 1996, bis dahin graduelle Annäherung vom zuletzt ermittelten Niveau.
b) Fertilität: Annäherung der Kohortenfertilität in Niveau und Altersverteilung der Gebärenden an die derzeitigen westdeutschen Verhältnisse, beginnend mit dem ostdeutschen Geburtsjahrgang 1963; westdeutsche Altersverteilung der Gebärenden ab dem ostdeutschen Geburtsjahrgang 1973; westdeutsches Fertilitätsniveau ab dem Geburtsjahrgang 1980; Annahme, daß ein Drittel der zwischenzeitlich aufgeschobenen Geburten nicht mehr nachgeholt wird (dies ist die dritte Variante der oben dargestellten Szenarien zur Fertilität), für die Regionalprognosen: Berücksichtigung der zu Ende der 80er Jahre bestehenden regionalen Fruchtbarkeitsunterschiede.
c) Mortalität: bis 2010 Angleichung der ostdeutschen Sterbeverhältnisse an das westdeutsche Niveau von 1987.
Aufgrund der erhöhten Plausibilität seiner Annahmen bildet Szenario 1 die Hauptvariante unserer Vorausschätzung. Es wird daher als Basisszenario bezeichnet."
(1993/94, S.497)

Vergleich: Szenario 1 von Münz & Ulrich mit der tatsächlichen Entwicklung in Ostdeutschland (mit Berlin-Ost; ab 2001 einschließlich Berlin-West)
Jahr Prognose von Münz & Ulrich für Ostdeutschland
(in Millionen)
tatsächliche Entwicklung Ostdeutschland
(in Millionen)
1990 16,040 16,028
1995 14,996 15,476
2000 14,147 15,120
2005 13,476 16,740
2010 12,889 16,326
Quelle: Münz & Ulrich 1993/94, Tab.7, S.499; Statistisches Bundesamt: Bevölkerungsstand (Seitenabruf 05.12.2015); eigene Darstellung
 
     
 
       
   

Beitrag von single-generation.de zum Thema

Die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland - Teil 1: Mythen und Fakten über den Geburtenrückgang in Vergangenheit und Zukunft

 
       
   

Rainer Münz in den Medien

 
   

Studie "Alternative demographische Szenarien für die Schweiz" von Rainer Münz und Ralf Ulrich

IM (2001): Mehr als 8 Millionen?
Neue Entwicklungsszenarien für die Schweiz bis 2060,
in: Neue Zürcher Zeitung v.01.11.

MÜNZ, Rainer & Ralf ULRICH (2001): Die Schweiz im 21. Jahrhundert.
Politik und Gesellschaft im Licht demographischer Prognosen,
in: Neue Zürcher Zeitung v.10.11.

Die beiden Autoren stellen die neue Prognose von Avenir Suisse vor. Es wird nicht von einem zukünftigen Bevölkerungsrückgang in der Schweiz ausgegangen. Grundlage der Prognose ist die Annahme einer geringeren Sterblichkeit im Alter und eine höhere Einbürgerungsrate.
NZZ-Zeitfragen "Demographieszenarien fürs 21. Jahrhundert"
 
   

Die Migration in Deutschland in der Debatte

NOLTE, Dorothee (2001): "Migration war der Normalfall, Sesshaftigkeit ein Luxus".
Die Historiker Klaus Bade und Piet Emmer über Wanderungsbewegungen in Geschichte und Gegenwart,
in: Tagesspiegel v. 25.06.

KEGEL, Sandra (2006): Der Schritt.
Junge, kommt bald wieder: ein neuer Rekord an Auswandern,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.05.

ULRICH, Ralf E. (2006): Wir sterben immer wieder aus.
Seit 100 Jahren hat das Thema Demographie regelmäßig Konjunktur. Aus der aktuellen Misere hilft nur gesteuerte Zuwanderung,
in: Welt v. 11.05.

Ralf E. ULRICH, Direktor des Instituts für Bevölkerungs- und Gesundheitsforschung in Bielefeld, widmet sich den Aufmerksamkeitszyklen demografischer Themenkonjunkturen der letzten 100 Jahre (Anfang 20. Jahrhundert, ab 1972 und ab 2002). Single-generation.de hat den Zeitrahmen bereits anlässlich eines SZ-Feuilleton-Themas historisch noch weitläufiger abgesteckt.

STEINBERGER, Petra (2006): Das Bollwerk Europa ist ein Rezept für den Abstieg.
SZ-Thema: Wir brauchen mehr Migration, nicht weniger: Ein Gespräch mit dem amerikanischen Urbanisten Mike Davis,
in: Süddeutsche Zeitung v. 10.07.

Der Stadtsoziologe Mike DAVIS sieht in mehr Zuwanderung die Lösung für die Sicherung der sozialen Sicherungssysteme:

"Solange die Deutschen nicht bereit sind, Kondome zu verbieten und öffentliche Fruchtbarkeitsrituale zu veranstalten, sollten sie akzeptieren, dass Zuwanderung ihre einzige Hoffnung ist, den Transfer von Renten- und Sozialleistungen an eine alternde Bevölkerung zu sichern.
          
 (...).
Immigranten, legal oder illegal, (...) sind der Hauptgrund dafür, dass die USA als einzige der reichen Länder eine demographische Dynamik besitzen."

HARDENBURG, Nina von (2006): Das fügsame Tier.
Billig, willig, mobil: Migranten sind die Arbeitnehmer der Zukunft,
in: Süddeutsche Zeitung v. 10.07.

DERNBACH, Andrea (2006): "Ohne Einwanderer wird der Reformdruck steigen".
Deutsche gehen, Ausländer bleiben weg - Migrationsforscher Bade warnt vor Risiken fürs Sozialsystem,
in: Tagesspiegel v. 10.07.

DERNBACH, Andrea (2006): "Integration verändert auch die Mehrheitsgesellschaft".
Migrationshistoriker Klaus J. Bade über neue Chancen und einen Startschuss, der 25 Jahre zu spät fällt,
in: Tagesspiegel v. 13.07.

STÜRMER, Michael (2006): Auswanderungsland Deutschland.
Zuerst wollen die Deutschen keine Kinder zeugen, dann wollen sie nicht sterben, und der Rest wandert aus. Aus dem Statistischen Bundesamt kommt die Nachricht, dass 2005 so viele Deutsche das Land verließen wie niemals seit den späten 40er Jahren,
in: Welt v. 23.07.

STÜRMER, Michael (2006): Und der Rest der Deutschen wandert aus.
Im vergangenen Jahr haben wieder mehr als 140.000 Menschen das Land verlassen. Nicht schlimm? Doch. Es sind fast ausschließlich die Jungen, Aktiven und Tüchtigen, die gehen,
in: Welt v. 22.08.

JUNGLE WORLD-Thema: Migration à la carte.
Europa bestellt Facharbeiter

FRENZEL, Korbinian (2007): Unterschiedliche Realitäten in Europa.
Die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter nimmt in den EU-Ländern stetig ab. Die europäischen Staaten haben unterschiedliche Strategien, um den Arbeitsmarkt zu regulieren. Migration spielt dabei eine immer wichtigere Rolle,
in: Jungle World Nr.39 v. 27.09.

Der auch bei Feministinnen beliebte neoliberale Ökonom Thomas STRAUBHAAR hat in seinem Beitrag  Demographische Entwicklung: Problem oder Phantom? (zusammen mit Sebastian SCHRÖER) vorgerechnet, dass es kein demografisches Problem gibt, wenn die Sozialsysteme an die veränderte Altersstruktur angepasst werden und das Arbeitsmarktproblem gelöst wird, das folgendermaßen beschrieben wird:

"Aufgrund des technischen Fortschritts und des wachsenden internationalen Wettbewerbs steigen (...) die Qualifikationsanforderungen, was den Bedarf an hoch qualifizierten Erwerbstätigen erhöht und gleichzeitig die Nachfrage nach gering qualifizierten sinken lässt. Wenn zukünftig das durchschnittliche Alter der Erwerbstätigen steigt und damit ihre Ausbildung immer weiter zurückliegt, führt dies tendenziell zu einer ungedeckten Nachfrage nach Hochqualifizierten bei gleichzeitigem Überangebot Niedrigqualifizierter."

STRAUBHAAR plädiert deshalb für gezielte Migration und einen radikalen Umbau der Sozialsysteme. Die Titelgeschichte der Jungle World schließt an diese prinzipielle Lage-Einschätzung an, wenngleich die Frage des Umbaus der Sozialsysteme hier ausgeklammert bleibt und die Migrationsfrage etwas anders akzentuiert wird.

UWER, Thomas (2007): Herzenssache Abschottung.
Nicht einmal wenn man sie braucht, wollen sich Deutsche mit Ausländern umgeben. Wirtschaftlich erklären lässt sich das nicht,
in: Jungle World Nr.39 v. 27.09.

"Hat der Bund der Steuerzahler jemals die Milliardenverschwendung beanstandet, die mit Maßnahmen der Grenzsicherung, der Flüchtlingsverwaltung und -verwahrung, der Herkunftslandanalyse und Widerrufsprüfung, mit Rückkehrprogrammen und Rückführungsabkommen betrieben wird? Rechnete man die Kosten zusammen, so dürften sie jene locker übersteigen, die entstünden, fände der berüchtigte »Zuzug ins Sozialsystem« tatsächlich statt", meint Thomas UWER.

FANIZADEH, Andreas (2007): Seelsorger und Manequins.
Deutschland ist kein Einwanderungsland. Es sei denn, man meint mit diesem Begriff die Integration der längst hier lebenden Arbeitsmigranten der sechziger und siebziger Jahre,
in: Jungle World Nr.39 v. 27.09.

"Der Idealfall des neuen deutschen Gastarbeitertypus, so sieht er aus: jung, ledig und die Ausbildungsgebühren vom Herkunftsland bezahlt, beweglich und zur Rückkehr verpflichtet", meint Andreas FANIZADEH.

AUS POLITIK UND ZEITGESCHICHTE-Thema: Migration in Europa

BOMMES, Michael (2008): Migration und die Veränderung der Gesellschaft,
in: Aus Politik und Zeitgeschichte Nr.35-36 v. 25.08.

DERNBACH, Andrea (2008): Neun Weise für Einwanderung.
Acht Deutsche Stiftungen wollen In Zukunft einen "Sachverständigenrat für Integration und Migration“ bilden. Das neue Gremium versteht sich nicht nur als Politikberatungsagentur arbeiten, sondern will auch für das Volk arbeiten,
in: Tagesspiegel v. 16.10.

GASEROW, Vera (2009): Die Deutschen gehen,
Zuwanderungs-Statistik,
in: Frankfurter Rundschau v. 24.07.

PETROPULOS, Kostas (2009): Auswanderungsland Deutschland,
in: DeutschlandRadio v. 19.08.

PETROPULOS, Kostas (2009): Deutschland? Nichts wie weg hier!
Deutsche Alarmglocken: niedrige Geburtenrate, zu viele Auswanderer. Ein Gastbeitrag,
in: Tagesspiegel v. 20.08.

DESTATIS (2013): 80,5 Millionen Einwohner am Jahresende 2012 –Bevölkerungszunahme durch hohe Zuwanderung,
in: Pressemitteilung Statistisches Bundesamt Wiesbaden v. 27.08.

"Die Zahl der Gestorbenen übersteigt die Zahl der Geborenen immer mehr. Das dadurch rasant wachsende Geburtendefizit kann nicht von der Nettozuwanderung kompensiert werden. Die Bevölkerungszahl in Deutschland, die bereits seit 2003 rückläufig ist, wird demzufolge weiter abnehmen. Bei der Fortsetzung der aktuellen demografischen Entwicklung wird die Einwohnerzahl von circa 82 Millionen am Ende des Jahres 2008 auf etwa 65 (Untergrenze der »mittleren« Bevölkerung) beziehungsweise 70 Millionen (Obergrenze der »mittleren« Bevölkerung) im Jahr 2060 abnehmen",

hieß es in der Einführung zur 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung vom November 2009. Im Juli 2012 hieß es dann in einer Pressemeldung:

"Zum Jahresende 2011 stieg nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) die Einwohnerzahl Deutschlands im Vergleich zum Vorjahr um 92 000 Personen (+ 0,1 %) auf mehr als 81,8 Millionen. Dies ist die erste, wenn auch nur leichte Zunahme der Bevölkerung in Deutschland seit 2002. Hauptursache war die deutlich gestiegene Zuwanderung in 2011"

2012 ist die Bevölkerung erneut gestiegen - eine Entwicklung, die nicht vorgesehen ist.

Und es kommt noch schlimmer! Da der Zensus 2011 eine um 1,5 Millionen geringere Zahl von Einwohnern sowie Verschiebungen im Bevölkerungsaufbau erbrachte, muss sowohl die Geburtenrate als auch die rohe Geburtenziffer nach oben korrigiert werden. Die aktuelle 12. Bevölkerungsvorausberechnung muss also so schnell wie möglich ersetzt werden. Voraussetzung dafür ist jedoch die Umstellung der Berechnungen auf die Basis des Zensus 2011. Dafür lässt sich das Statistische Bundesamt jedoch Zeit. Könnte man sonst keinen populistischen Familienwahlkampf führen?   

NIEJAHR, Elisabeth (2013): Einwanderung für Fortgeschrittene.
Wer nützt Deutschland, wer nicht so sehr? Plädoyer für eine ehrliche Integrationspolitik,
in:
Die ZEIT Nr.48 v. 20.11.

DESTATIS (2013): Zuwanderung nach Deutschland steigt im 1. Halbjahr 2013 um 11 %,
in: Pressemitteilung Statistisches Bundesamt Wiesbaden v. 21.11.

Wie schnell Bevölkerungsvorausberechnungen veraltet sind, das lässt sich an der 12. Bevölkerungsvorausberechnung aus dem Jahr 2009 demonstrieren, die vor genau 4 Jahren erstellt wurde. Danach war man von einem permanenten Bevölkerungsrückgang in Deutschland ausgegangen.

 
Jahr Bevölkerungsstand (gemäß Statistischer Jahrbücher) Bevölkerungsstand (gemäß Homepage DESTATIS)
2009 81 802 81 802
2010 81 752 81 752
2011 81 844 80 328
2012 82 040* 80 524
* Fortschreibung ohne Zensuskorrektur (eigene Berechnung)

Das Statistische Bundesamt hat auf seine Fehlprognosen schnell reagiert und inzwischen auf seiner Homepage für die Jahre 2011 und 2012 die niedrigeren Bevölkerungszahlen, die sich aus dem Zensus 2011 ergeben haben, publiziert. Merkwürdigerweise gilt das für die Geburtenrate jedoch nicht.

Es ist ersichtlich, dass die Bevölkerung seit 2010 gewachsen ist (während die Homepage ein Wachstum erst ab 2011 suggeriert, denn ein Hinweis auf die Zensus-Korrektur fehlt), also kaum, dass die Bevölkerungsvorausberechnung publiziert war. Nichtsdestotrotz werden uns andauernd Vorausberechnungen für die Jahre 2030 oder gar 2060 präsentiert. Was sind solche Berechnungen wert, außer dass damit politisch Missbrauch getrieben wird?

Zusätzlich zu denken geben sollte, dass ca. 1,5 Millionen Deutsche weniger per Zensus 2011 die vergangenen Jahre nicht aufgefallen sind.

DRIBBUSCH, Barbara (2014): Über alles, überschätzt.
Verblendung: Deutschland ist schön, seine Löhne hoch und die Sozialleistungen unübertroffen. So stellen die Deutschen ihr Land gerne dar und fürchten sich vor massenhafter Einwanderung aus armen EU-Staaten. Aber ist es hier wirklich so toll?
in:
TAZ v. 13.05.

DESTATIS (2014): 2013: Höchste Zuwanderung nach Deutschland seit 20 Jahren,
in: Pressemitteilung Statistisches Bundesamt Wiesbaden v. 22.05.

PETERS, Freia (2015): Mehr als drei Viertel der Zuwanderer sind Europäer.
Migrationsbericht: Deutschland wird attraktiver,
in: Welt v. 22.01.

HANDELSBLATT-Thema: Eine Million Flüchtlinge.
Wachstumstreiber oder Wohlstandsbremse

Neu:
MÜNCHRATH, Jens/RIECKE, Torsten/SCHRINNER, Axel (2015): Die neue Wirklichkeit.
Eine überforderte Politik, eine Kanzlerin in Not und ein eskalierender Streit zwischen den EU-Partnern: Der Umgang mit der Flüchtlingskrise könnte über das politische und ökonomische Schicksal Deutschlands entscheiden,
in: Handelsblatt v. 30.10.

MÜNCHRATH/RIECKE/SCHRINNER ordnen die Positionen von Marcel FRATZSCHER und Clemens FUEST zwischen den Extrempositionen des Freiburger Ökonomen Bernd RAFFELHÜSCHEN und des Deutsche Bank-Chefökonomen David VOLKERTS-LANDAU ein, während Bert RÜRUP eine  Folgenabschätzung aufgrund der unklaren Zukunftsentwicklungen derzeit für gewagt hält. Die Einwanderungspolitik der USA und Israels halten die Autoren für gelungen. Die Ängste von Geringqualifizierten halten die Autoren für kaum gerechtfertigt. Mit Hinweis auf den OECD-Ökonomen Stefan SCARPETTA weisen sie auf die langfristig günstigen Auswirkungen der Migration auf die demografische Entwicklung:

"Angesichts des drohenden Fachkräftemangels ist Deutschland besonders auf Zuwanderung angewiesen, will es sein heutiges Wohlstandsniveau wahren. Noch stützen die sogenannten Baby-Boomer das Arbeitsangebot. Doch in den kommenden zwei Jahrzehnten gehen diese Menschen in den Ruhestand. Ihnen folgen die deutlich geringer besetzten 1970er- und 1980er-Jahrgänge.
Ohne kräftige Nettozuwanderung würde die Zahl der Erwerbstätigen in den nächsten zehn Jahren um rund 4,5 Millionen schrumpfen. Die Folgen für das Wachstum ist immens: Die Deutsche Bank hat errechnet, dass die Wirtschaft von derzeit im Schnitt 1,5 nur noch um 0,5 Prozent zulegen würde. Bei einer alternden Bevölkerung kann Deutschland das Wohlstandsniveau aber nur aufrechterhalten, wenn die Wirtschaft längerfristig um mehr als zwei Prozent pro Jahr wächst. Sonst sind Leistungskürzungen, insbesondere im umlagefinanzierten Rentensystem, unvermeidlich."

MÜNCHRATH/RIECKE/SCHRINNER meinen, dass nur durch die diesjährige Zuwanderung eine Entspannung eingetreten ist:

"In ihrer aktuellen Wachstumsprognose geht die Bundesregierung davon aus, dass die Erwerbsbevölkerung von 2014 bis 2022 um 549000 auf 62,4 Millionen ansteigt. Das mag auf den ersten Blick wenig dramatisch klingen. Hält man sich aber vor Augen, dass noch vor einem halben Jahr für 2022 lediglich eine Erwerbsbevölkerung von 60,7 Millionen Menschen geschätzt wurde, so wird klar, wie sich die Situation für den Arbeitsmarkt binnen eines halben Jahres gewandelt hat."

Verschwiegen wird hier jedoch, dass die aktuelle Herbstprojektion der Bundesregierung auf der aktuellen 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes vom April diesen Jahres beruht (Variante mittlere Bevölkerung Untergrenze, Kontinuität mit schwächerer Zuwanderung), während die Frühjahrsprojektion noch auf der alten 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2009 aufbaut (Variante mittlere Bevölkerung Untergrenze, Kontinuität mit schwächerer Zuwanderung). Es liegt also kein halbes Jahr, sondern ganze vier Jahre zwischen den Annahmen zur Bevölkerungsvorausberechnung. Hinzu kommt, dass zwischen den beiden Bevölkerungsvorausberechnungen der Zensus 2011 lag, der zu zusätzlichen Verschiebungen bei der Bevölkerungsentwicklung führte.

Während also die Zahlen, die die Autoren präsentieren, suggerieren sollen, dass diese bereits die aktuellen Flüchtlingsströme widerspiegeln, ist das gar nicht der Fall, wie auf dieser Website bereits für die 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung aufgezeigt wurde (mehr hier).

Davon abgesehen ist der Verweis auf die Projektionen der Bundesregierung Augenwischerei. Größere Schwankungen bei den Erwerbspersonen zwischen Frühjahrs- und Herbstprojektionen sind keine Seltenheit. So wurde z.B. noch in der Frühjahrprojektion 2014 von 61,872 Millionen Erwerbspersonen im Jahr 2020 ausgegangen, während die Herbstprojektion 2014 nur noch von 60,989 Millionen ausging, obwohl bereits im Jahr 2014 der Zuwanderungssaldo positiv war. Ganz drastisch ist die Differenz zwischen der Frühjahrsprojektion 2012, bei der man für das Jahr 2016 von 52.898 Millionen Erwerbspersonen ausging, während die Herbstprojektion 2012 plötzlich von 62.033 Erwerbspersonen ausging, also eine Differenz von fast 10 Millionen Erwerbspersonen! Bei diesen Berechnungen spielen also ganz andere Aspekte eine Rolle als Migrationsströme.     

Aufgrund der gewachsenen Flüchtlingszahlen halten die Autoren jedoch eine Änderung beim Mindestlohn für unabdingbar und verweisen dabei insbesondere auf das noch von Hans-Werner SINN und zukünftig von Clemens FUEST geleitete Ifo-Institut.  

FRATZSCHER, Marcel (2015): Die große Chance.
Positives Szenario: Deutschland profitiert von den Flüchtlingen. Die Offenheit für andere Menschen, andere Kulturen und andere Ideen war und ist eine Säule für den wirtschaftlichen Erfolg unseres Landes,
in: Handelsblatt v. 30.10.

FUEST, Clemens (2015): Fiskalische Last.
Negatives Szenario: Die Aufnahme von Flüchtlingen ist moralisch richtig, aber wirtschaftliche Gewinne werden für Deutschland daraus nicht erwachsen,
in: Handelsblatt v. 30.10.

 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 02. Mai 2001
Update: 06. Juni 2016