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Renate Schmidt: Politik für die Mütterelite

 
       
     
       
     
       
   

Renate Schmidt in ihrer eigenen Schreibe

 
   
BERLINER REPUBLIK-Schwerpunkt: Familie - In den Zeiten des Wahnsinns

SCHMIDT, Renate (2001): Mehr Liebe.
Familienpolitik wird das zentrale Thema der nächsten Zukunft,
in: Berliner Republik
, Nr.2

SCHMIDT, Renate (2002): Neue Väter braucht das Land.
Deutsche Familien sind im Notstand. Grund genug für ein neues Rollenverständnis zwischen Männern und Frauen, nicht nur in der Küche,
in: Welt am Sonntag v. 24.03.

SCHMIDT, Renate (2002): Ist die klassische Familie hier zu Lande ein Auslaufmodell?
"Nein, denn das traditionelle Beziehungsmodell erfreut sich neuer Beliebtheit," meint Renate Schmidt - Serie Signale, Teil 3,
in: Saarbrücker Zeitung v. 17.05.

"Es stimmt, die Zahl der Single-Haushalte insbesondere in den Großstädten hat dramatisch zugenommen, dies hat aber viele Gründe unter anderem, weil dort das Wohnen für Familien zu teuer ist und Lebensstile sich verändert haben",

behauptet Renate SCHMIDT. Davon kann keine Rede sein! Die Zahl der Single-Haushalte ist seit 6 Jahren relativ unverändert (siehe Mikrozensus 2001). Familienhaushalte - und weniger Familien - sind in den Städten seit Beginn der Industrialisierung traditionell unterrepräsentiert. Oftmals wohnen die Eltern im gleichen Haus oder in der gleichen Strasse, aber nicht in der gleichen Wohnung. Der Stadtsoziologe Hans-Paul BAHRDT hat diesen Sachverhalt bereits in den 70er Jahren betont und die Haushaltsstatistik kritisiert.

Hans Bertram - Die multilokale Mehrgenerationenfamilie

SCHMIDT, Renate (2002): Erziehung ist, wo Familien sind.
Familien sind die erste und wichtigste Instanz für Erziehung, Persönlichkeits- und Charakterbildung, für das Entstehen von Vertrauen und Bindung,
in:
Welt v. 29.05.

SCHMIDT, Renate (2002): Ein Herz für Kinder - und Mütter.
Die stellvertretende SPD-Vorsitzende antwortet auf Konrad Adam,
in: Welt 15.07.

SCHMIDT, Renate (2002): Alles Gute für die Familie.
Zum Zusammenhang von Arbeitsvermittlung und Kinderbetreuung,
in: Welt v. 10.10.

Renate SCHMIDT lobt die singlefeindliche Jobvermittlung à la HARTZ: "Vermittlung wird familienfreundlich. Väter und Mütter, die zum Beispiel allein erziehen oder allein das Familieneinkommen sichern, gehören zu den wichtigen Zielgruppen des Konzepts. Mütter und Väter werden künftig schneller vermittelt. Zu den besonderen Zielgruppen der Quickvermittlung zählen auch diejenigen, die pflegebedürftige Angehörige betreuen. Bei gleicher Eignung werden ihnen bevorzugt Stellen angeboten. Im Rahmen der so genannten Zumutbarkeitsregelung wird ihnen gleichzeitig geringere Mobilität abverlangt."

SCHMIDT, Renate (2003): Weniger Versorgung und mehr Eigenverantwortung.
Was die Agenda 2010 für die Zukunft der Familie und den Zusammenhalt der Gesellschaft bedeutet,
in: Frankfurter Rundschau v. 10.05.

"Familien sind die soziale Mitte unserer Gesellschaft. Stärken wir sie, können wir die gesellschaftlichen Veränderungen besser bewältigen",

schreibt SCHMIDT und schreibt damit die Singles ab. Mit Renate SCHMIDT hat die multilokale Mehrgenerationenfamilie (Hans BERTRAM) die Regierungsrhetorik erreicht:

"Der Zusammenhalt von Familien ist haushaltsübergreifend: Zwischen Geschwistern, zwischen Enkeln und Großeltern, vor allem aber zwischen den erwachsenen Kindern und ihren Eltern. Die unterschiedlichen Generationen wohnen heute getrennt, aber nicht voneinander isoliert".

Konsequenzen hat dies für das Singlebild indes nur unzureichend:

"Nur 18 Prozent der Bevölkerung leben in einem Einpersonenhaushalt. Viele tun es ungewollt, weil sie verwitwet sind, viele auch absehbar begrenzt, vor allem Studierende. Deutschland ist also nicht auf dem Weg zu einem Kosmos von bindungslosen Singles".

Der Alleinlebende gilt weiterhin als schädlich und defizitär, seine Verbreitung wird jedoch heruntergespielt, was diese Sicht gegenüber den üblichen Polarisierern unterscheidet. Gemeinsam ist beiden Sichtweisen jedoch die durchweg negative Einschätzung des Alleinlebens.

SCHMIDT, Renate (2004): Ja, alle Eltern stehen mit dem neuen Modell besser da,
RM-Pro & Contra,
i
n: Rheinischer Merkur Nr.38 v. 16.09.

Familienministerin Renate SCHMIDT behauptet, dass wir weltweit die höchste Kinderlosigkeit hätten (möglicherweise haben wir aber auch nur weltweit die schlechteste Statistik!). SCHMIDT sieht jedenfalls in Dänemark und Schweden Vorbilder für Deutschland. Bert RÜRUP hat mit seinem - wenig stichhaltigen, aber ökonomisch plausiblen - Gutachten zur nachhaltigen Familienpolitik die Rechtfertigung geliefert, die Renate SCHMIDT nun landauf, landab verkündet. Die Prämisse ist: Die Erhöhung der Geburtenrate muss mit einer Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit einhergehen. Dies wird als "Vereinbarung von Beruf und Familie" vermarktet. SCHMIDT beruft sich dabei auf den Volkeswillen, der schnell noch per Umfrage dokumentiert worden ist. 

NEUE GESELLSCHAFT / FRANKFURTER HEFTE-Titelgeschichte: Reichtum Familie

SCHMIDT, Renate & Liz MOHN (2005): Familie bringt Gewinn,
in: Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Juli/August

 
       
   

Renate Schmidt: Porträts und Gespräche

 
   

GASCHKE, Susanne (2000): Mehr Männerförderung!
Die SPD braucht eine neue Familienpolitik. ZEIT-Gespräch mit Renate Schmidt,
in: ZEIT Nr.43 v. 19.10.

Infos zu: Susanne Gaschke - Autorin der Generation Berlin

MONATH, Hans (2001): "Französinnen schütteln da nur mit dem Kopf".
SPD-Politikerin Renate Schmidt fordert den Mentalitätswechsel zugunsten der Familien und EU-Standard in Deutschland
in: Tagesspiegel v. 10.11.

FINTHAMMER, Volker (2002): Renate Schmidt,
in: DeutschlandRadio vom 03.03.

SCHARF, Rüdiger (2002): "Stoibers Schwäche ist seine absolute Humorlosigkeit.
Die SPD-Politikerin Renate Schmidt warnt ihre Partei davor, den Unionskanzlerkandidaten in die rechte Ecke zu stellen
in: Welt
v. 06.02.

NZ (2002): Erbschaften halten die Gesellschaft nicht am Laufen.
Interview mit Renate Schmidt: Die SPD-Politikerin hat ein Buch über Familienprobleme geschrieben,
in: Nürnberger Zeitung v. 19.03.

Renate SCHMIDT argumentiert mit veralteten Daten zur Höhe der Kinderlosigkeit in Deutschland und verbreitet den Mythos von der Ein-Kind-Familie. Natürlich war früher alles besser - außer die Familienrhetorik, denn die ist gleich geblieben!

TILLERT, Sabine (2002): "Elternzeit muss chic werden".
Interview mit Renate Schmidt (SPD),
in: Hamburger Morgenpost v. 25.03.

"MOPO: „Ohne Kinder sehen wir alt aus“, heißt der Untertitel Ihres neuen Buchs. Diese Fixiertheit auf Kinder – nicht nur in der Politik auch in der Werbung – setzt Kinderlosen und Singles inzwischen richtig zu. Sie haben das Gefühl, zu Menschen 2. Klasse zu werden.
Schmidt: Ich rate – auch in meinem Buch – dringend dazu, Familienpolitik nicht als ein Spalterthema in dieser Gesellschaft zu benutzen. Kinderhabende und Kinderlose dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Das findet leider bereits in einem Ausmaße statt, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte."

ENSMINGER, Petra (2002): Was will die SPD in Sachen Familienpolitik unternehmen?
Petra Ensminger im Gespräch mit Renate Schmidt, stellvertretende Parteivorsitzende der SPD,
in: DeutschlandRadio v. 25.03.

WAMS (2002): "Familienpolitik ist nicht mehr in Ordnung".
Interview mit Renate Schmidt (SPD),
in: Welt am Sonntag vom 31.03.

Die SPD-Familienpolitikerin Renate SCHMIDT verbreitet veraltete Daten über die Kinderlosigkeit in Deutschland

GERSTENBERG, Nina (2002): "Die Bilder stimmen nicht mehr".
Renate Schmidt fordert Mentalitätswechsel in der Familienpolitik,
in: Berliner Illustrierte Zeitung. Beilage der Berliner Morgenpost v. 07.04.

FAHRENHOLZ, Peter & Karin BÜHLER (2002): "Wir brauchen familiengerechte Jobs".
Renate Schmidt und Christa Stewens streiten über Kindergeld, Krippen und die Ganztagsschule,
in: Süddeutsche Zeitung v. 20.04.

Wenn sich zwei Familienpolitiker verschiedener Parteien über den Ausbaustand der Infrastruktur für Kinderbetreuung in Bayern streiten, dann hört sich das so an:

"Stewens: Wir sind nicht Schlusslicht in der Kinderbetreuung.
Schmidt: Wir sind es wohl.
Stewens: Nein, sind wir nicht...
Schmidt: ...doch, sind wir."

MAUERSBERG, Barbara & Ulla SCHICKLING (2002): "Ich würde gern viele Hochzeiten feiern"/"Was du immer mit dem Heiraten hast".
Renate und Jenny Schmidt über Männer im Haushalt, Mütter im Beruf und Töchter in der Pubertät.
in:
Frankfurter Rundschau v. 11.05.

SIEVERLING, Nicola (2002): "Union hat das falsche Konzept".
SPD-Bundespolitikerin Renate Schmidt stellte in Altona ihr neues Buch "SOS.Familie" vor. WELT am SONNTAG sprach mit ihr und SPD-Landeschef Olaf Scholz über Kinderbetreuung und Familienpolitik,
in: Welt am Sonntag v. 25.08.

EDMUNDTS, Corinna (2002): Auf eigene Empfehlung.
Renate Schmidt übernimmt das Ressort Familie,
in: Frankfurter Rundschau v. 17.10.

KAHLWEIT, Cathrin (2002): Aus allen Wolken gefallen.
Familienministerin Renate Schmidt (SPD) über ihr neues Amt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 17.10.

FINKENZELLER, Roswin (2002): Das Familientier.
Renate Schmidt ist von großer geistiger Schmiegsamkeit. Und Beifall ist ihr Lebenselixier,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 20.10.

GASCHKE, Susanne (2002): Die perfekte Frau.
Renate Schmidt, eine Familienministerin wie aus dem Bilderbuch: Drei Kinder, drei Enkel, verheiratet. Von staatlicher Zwangsbeglückung hält sie nicht viel,
in: Die ZEIT Nr.44 v. 24.10.

GASCHKE betreibt Identitätspolitik und preist SCHMIDT als ideale Ministerin der Generation Berlin an. Als Kämpferin für den Erhalt des Ehegattensplittings soll SCHMIDT "zeitgeistkonformes Rebellentum" beweisen. Dagegen sieht Roswin FINKENZELLER ("Für Schröder bequem") in der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24.10.2002 die Nominierung von SCHMIDT taktisch: "Die Rechnung ist, daß einer Vorzeigegattin der rot-grüne Bruch mit der Ehe schneller verziehen wird als einem erprobten Single".

BULLION, Constanze von (2002): Vital bis zur Erschöpfung.
Ohne Vorwarnung hat sie der Kanzler aus ihrer Nürnberger Behaglichkeit ins Kabinett geholt. Auf einmal war sie Familienministerin. Sie hat nicht Nein sagen können. Jetzt muss Renate Schmidt wieder die unermüdliche Karrierefrau geben - und bezahlt dafür einen hohen Preis,
in: Tagesspiegel v. 04.11.

LÜDER, Almut (2002): "Familienpolitik wird Teil des Bündnisses für Arbeit".
Die neue Familienministerin Renate Schmidt will den Ausbau der Betreuungseinrichtungen für Kinder vorantreiben,
in: Welt v. 11.11.

Renate SCHMIDT formuliert zuerst ein Defizit:

"die einzigen, die bisher nicht direkt angesprochen sind, waren die allein stehenden Männer zwischen 50 und 60."

Und droht dann an:

"Für die wird uns noch etwas einfallen."

ZYLKA, Regine (2002): Alte in die Produktion.
Berliner Zeitung-Schwerpunktthema: Die neue Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Renate Schmidt (SPD), hält nichts davon, die Generationen gegeneinander auszuspielen,
in: Berliner Zeitung v. 15.11.

TAZ-Gespräch: Renate Schmidt über Männer, Frauen, Gleichstellung und welche Gesetze man nicht braucht.
Der Kanzler hat zu seiner neuen Frauen- und Familienministerin gesagt: Du hast zwar keine Gesetzgebungskompetenz, aber du musst nach allen Seiten kommunizieren. Also misch sich Renate Schmidt ein. Ihr Grundsatz: Lebenspraktische Dinge sind wichtiger als Ideologie

OESTREICH, Heide (2002): "Ich wollte nie ein Mann sein",
in: TAZ v. 16.12.

KÜHNE, Hartmut & Robin MISHRA (2003): Endlich Vorrang für die Kinder.
Wie kommt Rot-Grün aus der Krise? Ministerin Renate Schmidt fordert mehr "Gesamtkonzepte". Die SPD-Politikerin hofft auf mehr Nachwuchs und fürchtet, dass bald unsere Bildungselite ausstirbt. Gerade Akademikerinnen bleiben häufig kinderlos,
in: Rheinischer Merkur Nr.8 v. 20.02.

"Von den bis zu 39 Jahre alten Akademikerinnen bleiben 41 Prozent kinderlos",

behauptet Renate SCHMIDT. Offenbar ist sie Hellseherin! Nachprüfen lässt sich das frühestens in 15 oder 20 Jahren. Eine nachprüfbare Aussage müsste dagegen lauten: Von den bis zu 39 Jahre alten Akademikerinnen sind gegenwärtig noch 41 Prozent kinderlos. Das klingt jedoch weniger dramatisch und zweitens ist der Begriff Kinderloser derart unscharf, dass auch diese Aussage mehr als schwammig ist.

Katharina SPERBER & Pitt von BEBENBURG (2003): Auf der Suche nach einer Balance zwischen Familie und Beruf.
Ministerin Renate Schmidt setzt in Zeiten knapper Kassen auf Zivildienstleistende. An der Betreuung Schwerstbehinderter soll nicht gespart werden,
in: Frankfurter Rundschau v. 27.02.

Renate SCHMIDT ändert für die Rechtfertigung des Ehegattensplitting schon mal ihren üblichen Familienbegriff:

"In der Vergangenheit haben Sie die Umwidmung des Ehegattensplittings gefordert, um zielgerichtet Familien und nicht nur Ehepaare fördern zu können. Jetzt sind Sie davon abgerückt. Warum?
Zu Beginn der Legislaturperiode haben wir uns mit dem Finanzminister zusammengesetzt und gerechnet. Nach meiner Auffassung sollte man die Steuervergünstigungen jenen Ehepaaren lassen, die Kinder oder Pflegebedürftige versorgen. Außerdem jenen, deren Kinder schon groß sind, bei denen aber die Ehefrau und Mutter partout keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt hat. Wenn man das Splitting abschafft, aber diesen Gruppen den Steuervorteil lässt, dann zeigt sich: Man nimmt gerade mal 100 Millionen Euro mehr ein, bei einem Gesamtvolumen des Ehegattensplittings von rund 21 Milliarden Euro. Das lohnt die Aufregung nicht".

Um die Managerehen à la Karin JÄCKEL ("Die Frau an seiner Seite) zu verteidigen, greift SCHMIDT auf das Konzept der multilokalen Mehrgenerationen-Familie zurück. Damit werden aus kinderlosen Ehen: jene, deren Kinder schon groß sind. Wenn es dann um das Thema Kinderlosigkeit geht, kehrt SCHMIDT schnell wieder zur Haushaltsfamilie zurück, denn dann muss - nicht entdramatisiert, sondern dramatisiert werden. Welches Drama hätten Sie denn gerne? Renate SCHMIDT wechselt elegant die Bühnen, wenn es den Interessen ihrer Klientel dient!

NUNGEßER, Karin (2003): Wie kommen die Kinder aus der Armut heraus, Frau Ministerin?
Renate Schmidt über Ehegattensplitting, die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe und Gleichstellungspolitik,
in: Freitag Nr.15 v. 04.04.

SIEMS, Dorothea & Cornelia WOLBER (2003): "Wir wollen die Einkommen der Frauen erhöhen".
Steuerfreibeträge sollen gerechter verteilt werden - Welt-Interview mit Familienministerin Schmidt,
in: Welt v. 22.04.

MEURER, Friedbert (2003): SPD-Generalsekretär Olaf Scholz in der Kritik.
Gespräch mit Renate Schmidt, stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD,
in: DeutschlandRadio v. 24.04.

Ursula OTT & Corinna EMUNDTS (2003): Sind Sie zu schwach für Ihr Amt?
Vollblutweib und Familienmensch. Lebensklug, sinnenfroh und kämpferisch - so eine kann was für uns tun. Das hofften viele Frauen, als Renate Schmidt Ministerin wurde. Doch wo bleiben die Verbesserungen?
in: Brigitte N.r16 v. 23.07.

LAMBECK, Silke & Regine ZYLKA (2003): Die bayerische Preußin.
Familienministerin Renate Schmidt über Karriere und Kinder, Arbeit und Zeit, Liebe und Leistung, über Vaterpflichten und einen Job, den eine Mann nie machen würde,
in: Berliner Zeitung v. 13.08.

Ein Interview von Renate SCHMIDT, das nicht der Rede wert wäre, wenn hier nicht ein Begriff fallen würde, der bisher nur in konservativ-katholischen Kreisen benutzt wurde:

"Machen Sie eigentlich Frauen- oder Bevölkerungspolitik?
Ich mache eine bevölkerungsbewusste Familienpolitik. Das ist mehr als Frauenpolitik."

Der Begriff "bevölkerungsbewusste Familienpolitik" wurde von Max WINGEN in die Debatte eingeführt. Ziel ist es, damit Bevölkerungspolitik in Deutschland auch rhetorisch durchzusetzen. Faktisch wurde mit dem Pflegeurteil des Bundesverfassungsgerichts im Jahre 2001die Bevölkerungspolitik  auf die Agenda gesetzt. Wenn jetzt auch die zuständige Ministerin nicht mehr nur von Familienpolitik - wie bisher - spricht, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Begriff Bevölkerungspolitik wieder zum Standardrepertoire der Sozialpopulisten gehört.

  • MÜNCHHAUSEN, Anna von (2004): "Eltern haben das Erziehen verlernt".
    Bundesfamilienministerin Renate Schmidt über vernachlässigte Kinder, berufstätige Mütter und arme Familien,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 18.07.

    • Renate SCHMIDT doziert ihre sozialpopulistische Sichtweise von der gespaltenen Gesellschaft:

      "Wir dürfen nicht zulassen, daß diese Gesellschaft in zwei Teile zerfällt. Auf der einen Seite die mobilen Kinderlosen mit hohem Einkommen, aber ohne Zeit, es zu verbrauchen. Und auf der anderen Seite die anderen, die ein geringes Einkommen haben und sich um Kinder kümmern."

      Die Psychologin Christina CARL, die sich mit der Kinderlosigkeit in Deutschland wissenschaftlich beschäftigt hat, sieht die Situation im Freitag vom 09.07.2004 dagegen differenzierter:

      "Was die Einkommenssituation von Kinderlosen im Vergleich zu Eltern betrifft, finden sich in der Forschungsliteratur widersprüchliche Ergebnisse. Dies ist möglicherweise ein Hinweis auf zwei verschiedene soziale Milieus. Zum einen gibt es die hoch qualifizierten kinderlosen Frauen und Männer, die voll erwerbstätig sind und entsprechend viel verdienen. Es gibt aber auch Kinderlose, die trotz Erwerbstätigkeit nur ein niedriges Einkommen erzielen."

      Ein weiteres Dogma der neokonservativen Familienpolitik, wonach kinderreiche Familien generell arm dran seien, wird durch neue Untersuchungen von Marina RUPP ebenfalls nicht gestützt:

      "Unter den Kinderreichen finden sich vergleichsweise viele Besserverdiener. Aus der mit einem durchschnittlichen monatlichen Haushaltsnettoeinkommen sowieso schon privilegierten Stichprobe bleiben den Kinderreichen im Monat im Schnitt sogar rund 500 Euro mehr zur freien Verfügung als den kleineren Familien. Über 13 Prozent der »3-plus-Familien« verfügen gar über ein Nettoeinkommen von mehr als 6000 Euro; bei den Familien mit einem Kind können nur rund sechs Prozent, bei den Zweikindfamilien rund fünf Prozent auf diesem hohen Niveau mithalten." (Psychologie Heute, März 2004)

    EHRENSTEIN, Claudia (2004): "Ich hätte mich nie scheiden lassen".
    Familienministerin Renate Schmidt über den Rekord gescheiterter Ehen und die Ansprüche junger Paare,
    in: Welt v. 19.08.

    • Die konservative Familienministerin Renate SCHMIDT präsentiert sich - verspätet - als scheidungsunwilliges Vorbild für die hedonistische Generation Golf. Die kümmert das jedoch wenig, denn die denkt momentan ans Heiraten. Das Magazin hat einen Anstieg der Ehewilligen bei den 20-40jähirgen ausgemacht und lässt Susanne LEINEMANN das Loblied auf die Kleinfamilie singen.

    GREFE, Christiane & Susanne MAYER (2004): "Mehr als nur Geld".
    70000 Geburten weniger als 2003 – Anlass zum Handeln für eine Familienministerin? Ein Gespräch mit Renate Schmidt über Elterngeld, Gerechtigkeit und das Problem, den Kanzler überzeugen zu müssen,
    in: Die ZEIT Nr.40 v. 23.09.

    TAGESSPIEGEL (2004): "Wir verschleudern riesige Ressourcen".
    Familienministerin Schmidt und DGB-Chef Sommer im Interview: Warum Kinder der Wirtschaft gut tun,
    in: Tagesspiegel v. 29.09.

    • Während Michael SOMMER einerseits skandiert "Gleichstellungsbewusstsein fördern und nicht das Paschabewusstsein", mogelt er sich beim Elterngeld um eine entschlossene Antwort herum. Dagegen behauptet Renate SCHMIDT, dass das Elterngeld in Dänemark und Schweden die Geburtenraten steigert:

      "Herr Sommer, die Ministerin will nach 2006 das Erziehungsgeld in ein Elterngeld umwandeln. Dann würden besser verdienende Eltern in der Erziehungszeit mehr Geld bekommen als solche, die ein geringeres Einkommen haben. Ist das gerecht?
               Sommer: Sie können doch die Einkommensunterschiede nicht übers Elterngeld ausgleichen. Es geht darum, ein paar Anreize zu schaffen, damit das Ja zum Kind leichter wird. Es geht um eine Kombination von besserer Infrastruktur für Familien und dem Angebot von Lohnersatzleistungen. Wenn es in Zeiten knapper Kassen um die Entscheidung geht, ob wir weiterhin vor allem in direkte Transfers investieren oder das Betreuungsangebot ausbauen wollen, sind wir dafür, die Infrastruktur zu stärken statt das Kindergeld im Wahljahr um ein paar Euro aufzustocken. Das würde gar nichts bringen.
               Schmidt: (...). Es geht um die Wertschätzung der Erziehung. Ich sehe nicht, dass hier eine Ungerechtigkeit sein soll. Die Dänen und die Schweden, die ja nicht für einen unsozialen Staat bekannt sind, praktizieren das Elterngeld mit gutem Erfolg und haben deutlich höhere Geburtenraten als wir."   

    FÜHRER, Susanne & Marie SAGENSCHNEIDER (2004): Kein Rechtsanspruch auf Tagesbetreuung für Kleinkinder.
    Interview mit Renate Schmidt (SPD), Bundesfamilienministerium,
    in: Tacheles. Sendung des DeutschlandRadio Berlin v. 08.10.

    BERTH, Felix & Heidrun GRAUPNER (2004): "Krippengesetz scheitert nicht".
    Familienministerin Schmidt will Bundesrat aushebeln,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 27.10.

    WECKBACH-MARA, Friedemann (2004): "Nehmt ältere Menschen endlich ernster".
    Schmidt mahnt Firmen und Ämter,
    in: Welt am Sonntag v. 05.12.

    SIEMS, Dorothea (2005): "Mitunter lebt bereits die dritte Generation von Sozialhilfe",
    Ein Gespräch mit Renate Schmidt,
    in: Welt v. 01.03.

    Neu:
    HASELBERGER, Stephan & Hans MONATH (2007): "Ich grinse oft wie ein Honigkuchenpferd".
    Ex-Familienministerin Renate Schmidt (SPD) über den Unionsstreit zur Kinderbetreuung und die Fehler ihrer eigenen Partei,
    in: Tagesspiegel v. 12.03.

 
       
   

Renate Schmidt in der Debatte

 
   

HILBERTH, Iris (2002): Kinderbetreuung statt Kreisverkehr.
Renate Schmidt misst die Familienpolitik an der Infrastruktur
in: Frankfurter Rundschau v. 17.04.

Iris HILBERTH geht schlampig mit Fakten um! Zum einen scheint weder Spanien noch Italien für die Autorin zu Europa zu gehören, denn sonst könnte sie Deutschland nicht als europäisches Schlusslicht bei der Geburtenrate bezeichnen. Zum anderen betet sie das übliche Geburtenraten-Mantra herunter. Sie stellt uns das typische Generation Golf-Paar Petra & Bernd, Jahrgang 1965, vor, um dann die überholten, weil zu niedrig angesetzte Geburtenrate dieser Generation hinzuzufügen. Diese werden zwar immer wieder in den Neue Mitte-Zeitungen in diesem Zusammenhang präsentiert und haben deshalb bereits das Signum einer normativen Kraft des Faktischen, richtiger werden sie deshalb nicht. Wenn's der Familie dient, dann werden auch schon mal die Fakten gebeugt!

HEBEL, Stephan (2002): Vater Staat und Mutter Schmidt.
Renate Schmidt als perfekte Symbiose: Die Ministerin gibt uns fortan das Gefühl, in einer großen, friedlichen Familie zu leben,
in: Frankfurter Rundschau v. 05.11.

Ein bissiger Kommentar zu den Vorstellungen der Familienministerin: "Eine wahnwitzig schöne Vorstellung, wie Klein Fritzchen von Vater Staat via Lehrerin erfährt, was sein realer Papi, falls vorhanden, ihm partout nicht verraten will: ». . . was Partnerschaft bedeutet, . . . wie man Hausarbeit teilt und was Kinder brauchen«. Es wird etwas dauern, bis Fritzchens Vorstellungen vom Teilen der Hausarbeit mit denen von Renate Schmidt übereinstimmen. Aber irgendwann wird der Kleine schon verstehen, dass Vater Staat nicht beim Geschirrspülen »helfen kann« und auch nicht so recht bei Schule und Gedöns, aber dafür durch Einführung des Lehrfachs »Familienkunde«. (...). Als »Privatfrau« fordert sie nebenbei ein Wahlrecht von Geburt an. Nach der Familienkundestunde geht Papi für Fritzchen wählen. Das wird ihn trösten."

SIEMS, Dorothea (2003): Der verpasste Kinderwunsch.
Ein Drittel der jüngeren deutschen Frauen bleibt kinderlos - mit dramatischen Folgen,
in: Welt v. 03.04.

Der unerfüllte Kinderwunsch ist ein volkswirtschaftlicher Kollateralschaden meint Dorothea SIEMS und zitiert Renate SCHMIDT.

 
       
   

S.O.S. Familie (2002)
Ohne Kinder sehen wir alt aus
Berlin:
Rowohlt

 
   
     
 

Klappentext

"Auf sehr persönliche Weise beschreibt sie die Probleme, denen junge Familien in Deutschland ausgesetzt sind – und kommt dabei zu überraschenden Ergebnissen:
Elternurlaub ist eine Falle, weil eine langjährige Unterbrechung der Erwerbstätigkeit die Rückkehr in den Beruf entscheidend erschwert.
Nicht die Ausbildung junger Frauen muss man fördern, sondern die Ausbildung junger Männer, ihre Rolle als Väter auch wirklich wahrzunehmen.
Die Wahlfreiheit zwischen Beruf und Kindern löst keine Probleme: Heute muss es darum gehen, Kinder und ihre Bedürfnisse in das Erwerbsleben zu integrieren."

Zitate von Renate Schmidt:

Abgrenzung zwischen Familien- und Bevölkerungspolitik

"»Bevölkerungspolitik« (...). Solche Versuche sind von vornherein zum Scheitern verurteilt - außer vielleicht bei denen, die schlecht ausgebildet sind und geringe Einkommenschancen haben. Nur bei denen wird Bevölkerungspolitik erfolgreich sein."
(Die Zeit Nr.43 vom 19.10.2000)

"Der Versuch, Bevölkerungspolitik zu betreiben, also materielle Anreize zu schaffen, damit mehr Kinder (auch mehr als von den Familien gewünscht) geboren werden, statt Familienpolitik, die darauf abzielt, daß sich Menschen vorhandene Kinderwünsche erfüllen können, muß erfolglos bleiben"
(Berliner Republik Nr.2/2001, S.21)

Begründung eines Familienwahlrechts:

"Familienpolitik ist Minderheitenpolitik, gerade mal in 25 Prozent der Haushalte leben Kinder."
(Berliner Republik Nr.2/2001, S.21)

 
     
 
       
   

Vorabdruck

SCHMIDT, Renate (2002): "Der Quark steht im Kühlschrank".
Frauen stehen immer noch vor der Wahl: Verzicht auf Karriere oder auf Familie. Das schreibt Renate Schmidt in ihrem neuen Buch. Hier ein Vorabdruck
in: Welt am Sonntag v. 17.03.

 
   

Rezensionen

MÜLLER-Gerbes, Geert (2002): Renate Schmidt: S.O.S. Familie,
in: Politisches Buch. Sendung des DeutschlandRadio v. 22.03.

GERSTENBERG, Nina (2002): "Die Bilder stimmen nicht mehr".
Renate Schmidt fordert Mentalitätswechsel in der Familienpolitik,
in: Berliner Illustrierte Zeitung. Beilage zur Berliner Morgenpost v. 08.04.

DETTLING, Warnfried (2002): Kinderfreundlichkeit kann keiner kaufen.
Renate Schmidt hat ein bemerkenswertes Buch zur Familienpolitik verfasst, mit zukunftsweisenden Reformansätzen zu Betreuung und Finanzierung,
in: TAZ v. 23.04.

Warnfried Dettling - Die Bürgergesellschaft

GASCHKE, Susanne (2002): Was Kinder kosten,
in: Die ZEIT Nr.23 v. 29.05.

Normalerweise lässt Susanne GASCHKE an den 68ern kein gutes Haar, bei der Parteifreundin ist das jedoch anders. Sie lobt deren familienfundamentalistisches Buch "S.O.S. Familie" und hebt vor allem jene Punkte hervor, die für neoliberale Besserverdienende besonders wichtig sind:

"Tagesmütter (...) und die steuerliche Absetzbarkeit von Haushaltshilfen". In Erziehungsfragen sind sich GASCHKE ("Erziehungskatastrophe") und SCHMIDT ("Mut zur Erziehung") in der Welt vom 29.05.2002) sowieso einig.

STOLTERFOHT, Barbara (2002): Auch Papa kann staubsaugen.
Die familienpolitische Sprecherin der SPD, Renate Schmidt, über neue Rollenbilder und moderne Lebensformen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 25.06.

 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 19. März 2002
Update: 13. Januar 2016